«Ich liebe Menschen, nicht ein Geschlecht»

Homophobie ist plötzlich weltweit wieder salonfähig. Das hätte ich nicht gedacht. Erst gerade noch war der Kampf der Schwulen und der Lesben in unserem Land auf dem Höhepunkt: Die eingetragene Partnerschaft wurde durch das Stimmvolk angenommen. War es die totale Gleichstellung? Nein. Wer eingetragen ist, darf beispielsweise kein Kind adoptieren. Was in den konkreten Fällen von lesbischen und schwulen Paaren in enormen Ungerechtigkeiten gegenüber heterosexuellen Paaren mündet. Von Transgender-Menschen oder Intersexuellen sprechen wir schon gar nicht.

Wir denken jetzt vielleicht an Russland. Ja Russland, das ist konservativ, weit weg, und sowieso ist Putin ein Diktator. Oder an den Barilla-Chef, welcher keine homosexuellen Arbeitskräfte möchte. Tja, was sagen wir denn, wenn wir genau diese Debatte hier in der Schweiz wieder führen werden? Es geht nicht gerade um Verfolgung von LGBTI-Menschen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersexual), aber doch um eine weitere Erniedrigung.

Die CVP-Familieninitiative «Für Ehe und Familie – Abschaffung der Heiratsstrafe» will, dass die Ehe zwischen Mann und Frau einmal mehr zementiert wird. Sie will eigentlich, dass verheiratete Personen keinen Steuernachteil und Vorsorgenachteil mehr haben. Klingt ja zunächst ganz vernünftig, wenn eben dieses Wörtchen «Ehe» mit der Definition «zwischen Mann und Frau» nicht wäre.

Und wenn nun die CVP mit «Homosexualität ist nicht natürlich» kommt, dann möchte ich daran erinnern, dass ihr Gott auch Tiere geschaffen hat, welche ein Leben lang in homosexuellen Beziehungen leben.

Gleiches Recht für alle: Eine Delegierte an der internationale Konferenz zu sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und Menschenrechte in Afrika (15. November 2011). (AFP/Rodger Bosch)

Gleiches Recht für alle: Delegierte an der internationalen Konferenz zu sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und Menschenrechte 2011 in Afrika. (AFP/Rodger Bosch)

Was ist mit den eingetragenen Paaren, mit gleichgeschlechtlichen Paaren? Diese zählen nicht unter die «Ehe» – wohl explizit nicht. Viele meiner Freunde und vor allem Freundinnen sind in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Für mich ist das selbstverständlich, es ist einfach so. Und für mich ist klar, dass sie gleiche Rechte haben wie wir, sie sollen Kinder haben können, sich verheiraten oder eben nicht, dort arbeiten, wo sie möchten. Es gibt nette und nervige. Sie sind gleich wie wir. Eine lesbische Freundin sagte mir mal: «Weisst du, ich liebe Menschen, nicht ein Geschlecht.» Ich denke, wir sollten uns das alle zu Herzen nehmen.

Und wenn nun die CVP mit «Homosexualität ist nicht natürlich» kommt, dann möchte ich doch daran erinnern, dass ihr Gott auch Tiere geschaffen hat, welche ein Leben lang in homosexuellen Beziehungen leben. Und zwar nicht ein paar Exoten, sondern Giraffen, Pinguine, Wellensittiche etc. Ich finde, es ist normal, dass jede und jeder mit den Menschen zusammen ist, die er liebt und anziehend findet. Auch wenn sich das andere nicht vorstellen können, geht es um eine Ehe für alle und gleiches Recht für alle. Wer in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt, soll Kinder adoptieren und zu ihnen schauen können, egal, ob genetischer Elternteil oder nicht. Für Kinder ist es alleweil besser: Sie haben Eltern, die sich um sie kümmern, seien sie homo oder hetero.

Die CVP-Initiative giesst Öl ins Feuer. Plötzlich ist jeglicher Fortschritt in Gefahr, und dies nicht mal offen, sondern durchs Hintertürchen. Dem Parlament wird ein Gegenvorschlag zur Abstimmung vorliegen, welcher alle Lebensformen beinhaltet, nicht nur die Ehe. Die CVP kann mit Annahme dieses Gegenvorschlags beweisen, dass es ihr wirklich um steuerliche Ungerechtigkeiten geht und nicht um Homo- und Heterosexualität. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, egal, welches Geschlecht dieser Mensch hat.