Ja, ich schwimme im Bielersee

Ich bin Bielerin, in Twann aufgewachsen und schwimme seit ich laufen kann in jeder freien Sommerstunde im Bielersee. Klar habe ich mehrfach leer geschluckt, als ich den Artikel über den zufälligen Fund von erhöhten Cäsiumwerten für das Jahr 2000 am Grund meines Sees gelesen habe.

So habe ich noch am selben Tag die Webseite der Aufsichtsbehörde ENSI konsultiert, die mir versicherte, dass sich ähnliche und teilweise höhere Werte auch in den Sedimenten anderer Schweizer Seen befinden und nicht alle Cäsiumspuren eindeutig und ausschliesslich Kernkraftwerken zugeordnet werden können. Aha.

Wieso wurden diese Messwerte, falls sie denn tatsächlich so harmlos sind, nicht bereits im Jahr 2000 kommuniziert?

Der Bielersee aus Sicht des Strandbades Biel am Montag, 15. Juli 2013 in Biel

Der Bundesrat muss transparenter kommunizieren: Der Bielersee aus Sicht des Strandbades Biel, 15. Juli 2013 in Biel. (Keystone/Lukas Lehmann)

Wieso wurden diese Messwerte, falls sie denn tatsächlich so harmlos sind, nicht bereits im Jahr 2000 kommuniziert? Die Stadt- und Gemeindepräsidenten der betroffenen Gemeinden, die teilweise ihr Trinkwasser aus dem See beziehen, hätten doch mindestens informiert werden müssen, so dass sie in den Folgejahren hätten weitergehende Messungen in Auftrag geben können.

Beruhigt es mich, wenn Fachleute bestätigen, dass die Menge an Cäsium, keine «unmittelbare» Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung darstellt oder wenn die Website des Bundesamtes für Gesundheit das KKW Mühleberg zwar als wahrscheinlichsten Verursacher der erhöhten Cäsiumwerte in Betracht zieht, dies aber im Nachhinein sowieso nicht mehr so genau eruieren kann? Nicht wirklich. Und dass der Kanton Bern darauf verzichtet, ein Krebsregister zu führen, via welches beispielsweise eine Erhöhung der Schilddrüsenkrebspatient/-innen rund um das KKW Mühleberg festgestellt werden könnte, ist wohl auch kein gänzlicher Zufall. Das alles gibt wenig Vertrauen in die Verantwortlichen.

Wenigstens hat der Bundesrat bereits im Frühling dieses Jahres einer kontinuierlichen Messung der Radioaktivität in den Fliessgewässern bzw. der Erneuerung des automatischen Messnetzes zugestimmt.

Ich erwarte, dass Bundesrätin Leuthard die Betreiber so in den Griff bekommt, dass diese zeitgerecht, offen und transparent kommunizieren und nicht erst bei Bekanntwerden der Fakten im Nachhinein. Dies lässt gerade bei Mühleberg weitere Zweifel aufkommen. Ich möchte mindestens das Gefühl erhalten, dass die Sicherheit der Bevölkerung beim Bad im momentan herrlich temperierten Bielersee jederzeit gewährleistet ist.

Wir Grünliberalen standen immer für einen schrittweisen Atomausstieg. Damit genügend Zeit besteht, erneuerbare Energie aufzubauen, das Steuersystem zu ökologisieren und die Abbaufragen und -kosten zu klären – immer unter der Prämisse «safety first».

Wir alle müssen so noch viele Jahre mit dem Restrisiko der alternden KKWs leben. Da ist es Pflicht der Betreiber und des Bundesrates, jederzeit offen und transparent zu informieren und für unsere Sicherheit geradezustehen. Damit wir die Schönheit aller Schweizer Seen beruhigt geniessen können, aber auch, damit wir garantiert radioaktivitätfreies Trinkwasser nutzen können. Denn sauberes Wasser ist unser höchstes Gut – im ganzen Land.

// <![CDATA[
document.write("„);
// ]]>