Die Schweiz ist von ihrem Image besessen

Die Schweiz geniesst im Ausland einen ausgezeichneten Ruf, den nicht einmal der Wirbel im Banken- und Finanzsektor des vergangenen Jahres gross beschädigen dürfte. Das können wir erleichtert einer Studie des Lausanner Hochschulinstituts für öffentliche Verwaltung (IDHEAP) entnehmen. Präsenz-Schweiz-Direktor Nicolas Bideau will dieses Image nun noch weiter aufpolieren, unter anderem mit einem mobilen «Swiss House», das in aller Welt die Kreativität, die Exzellenz und die Innovationskraft der Schweiz rühmen soll.

Sämtliche Länder scheinen zu Marken geworden zu sein, die zur Steigerung der eigenen Attraktivität allesamt versuchen, sich von ihrer besten Seite zu präsentieren.

Bundespräsident Ueli Maurer vor der Neujahrsansprache. (Foto: Keystone/Urs Flüeler)

Gibt in Bezug auf das Image der Schweiz zu reden: Bundespräsident Ueli Maurer vor der Neujahrsansprache. (Foto: Keystone/Urs Flüeler)

Und dennoch scheinen wir ständig um mögliche Imageeinbussen besorgt zu sein: Jedes aktuelle Thema wird über diesen Kamm geschert, bei sämtlichen Ereignissen wird diskutiert, ob der Ruf der Schweiz allenfalls in Gefahr sein könnte. Bereits die erste Woche des neuen Jahres gab wieder Anlass dazu: Auf Facebook trat Ueli Maurer ins Fettnäpfchen, indem er den Westschweizern seine guten Wünsche mit dem Verb «expresser» statt «exprimer» überbrachte. Damit scheint unser neuer Bundespräsident der Welt offenbart zu haben, dass die für ihre Mehrsprachigkeit bewunderte Schweiz eher dem Turm von Babel gleichkommt. Seine in einer Art «helvetischen Mischsprache» verfasste Botschaft vermittelte zudem den grotesken Eindruck, die Schweiz sei eine Nation fröhlicher Narren, die sich nicht um die Rechtschreibung der Neujahrswünsche ihres Bundespräsidenten schert.

Sogar das Drama von Daillon scheint den Ruf der Schweiz auf die Probe zu stellen. Auf den Online-Portalen der französischen Tageszeitungen «Libération», «Le Monde» und «Le Figaro» hagelte es sogleich Kritik: Besorgte Leser wunderten sich über die scheinbare Einfachheit, mit der sich auch geisteskranke Schweizer Zugang zu Waffen verschaffen.

Ja, wir Schweizer sind besessen vom Image unseres Landes – ein Verhalten, das unserem guten Ruf wiederum auch wieder schaden könnte. Dabei müssen wir uns mit dieser Manie keinesfalls verstecken: Sie ist ein globales Phänomen. Sämtliche Länder scheinen zu Marken geworden zu sein, die zur Steigerung der eigenen Attraktivität allesamt versuchen, sich von ihrer besten Seite zu präsentieren. So schenkt sich Russland prominente Zuzüge wie Gérard Depardieu, rühmt damit gleichzeitig den eigenen Einheitssteuersatz von 13 Prozent – und lässt dabei die Gelegenheit nicht aus, Frankreich einen Seitenhieb zu verpassen. François Hollandes frisch engagierter Berater, der ehemalige TV-Präsentator Claude Sérillon, wird es nun richten müssen.

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