Die ungestellte Männerfrage

Schaut man unvoreingenommen auf die Geschlechterlandschaft in der Schweiz, so sind die Fortschritte der Frauen ebenso augenfällig wie die Rückschritte der Männer. Nehmen wir einfach mal drei Beispiele: Männer werden seit rund fünf Jahren häufiger arbeitslos als Frauen. Während bei Frauen die Erwerbsquote weiterhin steigt, fällt sie bei Männern drastisch. Beispiel 2: Buben machen seit geraumer Zeit signifikant schlechtere Schulabschlüsse als Mädchen. Sie sind die Problemkinder der Ausbildung. Beispiel 3: Laut Bundesamt für Statistik sind zwei Drittel der Suizidtoten Männer. In den vergangenen vier Jahren ist die Suizidquote von Buben und Männern noch einmal angestiegen, während jene, die Frauen und Mädchen betrifft, kontinuierlich abnimmt. Das fügt sich ein in eine gesamthaft desaströse Gesundheitsbilanz von Männern. Die moderne Gesundheitsforschung bezeichnet Männer inzwischen als das kranke Geschlecht. Es schaut also nicht gut aus für Buben und Männer hierzulande. Frauen hingegen gelten heute als die eigentlichen Gewinnerinnen der Modernisierung; ihr Aufstieg in rund 3o Jahren ist eklatant: Sie machen die besseren Schulabschlüsse, studieren häufiger, dominieren ganze Fachbereiche wie inzwischen auch Medizin und Jura und stellen die Mehrheit der kompetenten Berufsanfängerinnen.

So sehr Männer zum Teil noch an der oberen Spitze der sozialen Pyramide überrepräsentiert sind, so sehr sind sie es eben auch am unteren Ende.

Ein obdachloser Mann in einer Notschlafstelle in Lausanne. (Foto: Keystone)

Männer gehören zu den Verlierern der Gesellschaft: Ein obdachloser Mann in einer Notschlafstelle in Lausanne. (Foto: Keystone)

Trotzdem hält die feministische Frauenlobby an der Opferrolle der Frauen fest. Handfeste Tatsachen dafür gibt es nicht mehr; aber das kontinuierliche Klagelied erleichtert es, Fraueninteressen durchzusetzen. Ein Beispiel dafür ist die nachgerade perverse Logik, deren sich die welsche Nationalrätin Amarelle an dieser Stelle bedient hat. Aus dem Umstand, dass das Nachtarbeitsverbot für Frauen aufgehoben und das Rentenalter verlängert wurde, konstruiert sie «Rückschritte» in der Gleichstellung. In Wirklichkeit sind damit ungerechte und unzeitgemässe Privilegierungen der Frauen gegenüber den Männern korrigiert worden.

Der gegenwärtige Frauendiskurs ist Machtkampf pur. Ein Beispiel dafür ist die neue Diskussion um Quoten in einigen tausend Spitzenpositionen von Wirtschaft und Verwaltung. Dass diese Debatte unter dem Gerechtigkeitspostulat geführt wird, ist schlicht verlogen. Ginge es realiter um Gleichheit, wäre auch der Blick in die Niederungen der Berufswelt vonnöten. Eine Quote bei der Kehrichtabfuhr, der Kanalreinigung oder der Entsorgung von Gefahrengütern hat aber noch keine Frauenpolitikerin gefordert. Dass in diesen Berufen eine noch höhere Männerdominanz herrscht als in den Aufsichtsräten, scheint für die Frauenlobby eher entlastend als problematisch zu sein.

So sehr Männer zum Teil noch an der oberen Spitze der sozialen Pyramide überrepräsentiert sind, so sehr sind sie es eben auch am unteren Ende. Das Gros der Arbeitslosen, Hilfsarbeiter, Wanderarbeiter, Obdachlosen oder chronisch Kranken ist männlich, ohne dass eine Feministin dies zum Anlass nähme, auch darin eine gesellschaftliche Ungerechtigkeit zu sehen. Des weiteren üben Männer nicht nur die dreckigsten Berufe aus, sondern auch die gefährlichsten wie etwa im Hochbau, als Dachdecker oder Gleisbauer, im Sicherheits- und Katastrophenschutz. Das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Opfern bei den Einsätzen von Polizei, Feuerwehr, Notärzten oder Sanität, beträgt 98:2. Wie wäre der feministische Aufschrei, wenn es umgekehrt wäre?

Die Einseitigkeit bisheriger Gleichstellung fördert eine wachsende Frustration von Männern ob einer Politik, die nur weibliche Bedürfnisse berücksichtigt. Was tun? Es wäre nötig, Bereiche, in denen Männer diskriminiert werden, überhaupt einmal als Problemfeld wahrzunehmen. Dazu gehört die banale, aber offenbar tabuisierte Einsicht, dass auch Männer ein Geschlecht haben. Diese Erkenntnis gälte es in Politiken für Männer umzusetzen. Dazu würde zum Beispiel die öffentliche Unterstützung von Männer- und Bubenprojekten gehören oder eine adäquate Gesundheitsprävention. Stattdessen sägen eifrige Femistinnen auch noch den einzigen Männerbeauftragten ab, den die Schweiz hat(te).

// <![CDATA[
document.write("„);
// ]]>