«Leute erwarten von mir immer mehr»

Ueli Steck hat dieses Jahr bereits seinen zweiten 8000er bestiegen: Ulei Steck im Jahr 2008 bei der Erstbegehung der Tengkampoche Nordwand. (Foto: Ueli Steck GmbH)

Hat dieses Jahr bereits seinen zweiten 8000er bestiegen: Ueli Steck im Jahr 2008 bei der Erstbegehung der Tengkampoche Nordwand. (Foto: Ueli Steck GmbH)

Erfolgsserie im Himalaja: Nur 19 Tage nach seiner Solo-Speedbegehung am Shishapangma (8027 Meter) in Rekordzeit hat Ueli Steck einen weiteren Achttausender bestiegen. Am 5. Mai erreichte er zusammen mit dem Kanadier Don Bowie den Gipfel des Cho Oyu (8188 Meter).

Bowie berichtet auf seiner Webseite: «Wir sind um ein Uhr in der Früh aufgebrochen, trotzten dem bitteren Wind und dem Neuschnee. Kurz vor Tagesanbruch kamen wir im Camp 3 (7600 Meter) an. Ein paar Bergsteiger, die schon vor einigen Tagen bis hier hochgestiegen waren, sind bereits Richtung Gipfel aufgebrochen. Bald zeigte sich die Sonne, sie wärmte uns beim Aufstieg.

Gegen Mittag erreichten wir das Gipfelplateau – das uns endlos erschien –, und später den Gipfel am weiten Ostende. Es ist nachvollziehbar, weshalb so viele Leute sagen, sie hätten diesen Berg bestiegen, ohne jedoch auf dem höchsten Punkt gewesen zu sein. Es braucht signifikant Zeit und Energie, auf den Hauptgipfel zu klettern. Und es wäre einfach, zu meinen, die Arbeit sei getan, wenn man an der Kante des Plateaus angekommen ist – aber das ist sie nicht.

Auf dem Gipfel machten wir ein paar Fotos und Videoaufnahmen und stiegen dann wieder ab. Während des ganzen Weges haben wir uns immer daran erinnert, dass der Cho Oyu nicht unser Hauptziel ist, sondern nur Teil der Akklimatisation für unsere kommenden Projekte. Trotzdem: Wir haben diesen Aufstieg geschafft, sind wieder zurück im Basislager, liegen in der Sonne, trinken Tee und freuen uns über unsere Leistung.»

Jetzt auf den Mount Everest

Als nächstes plant Ueli Steck (laut Explorersweb.com), den Mount Everest (8848 Meter) via Nordseite zu besteigen. Damit würde ihm ein Hattrick gelingen, er käme auf die «Liste der Bergsteiger, die den Gipfel von mindestens 3 der 14 Achttausender innert 100 Tagen erreichten». Das ist bisher erst 30 Personen gelungen, am schnellsten übrigens zwei Schweizern: Erhard Loretan und Marcel Rüedi bestiegen im Juni 1983 innert 15 Tagen Gasherbrum I und II sowie Broad Peak. Rüedi verunglückte im September 1986 beim Abstieg des Makalu (8463 Meter) tödlich. Loretan vergangenen Monat am Grünhorn (VS).

«Ich kann das nicht mehr toppen»

Apropos immer schneller, schwieriger und gefährlicher. Kurz nach seiner Rekord-Speedbegehung des Shishapangma in 10,5 Stunden schrieb Ueli Steck auf seiner Webseite: «Im Moment sehe ich das als Höhepunkt. Ich denke, ich kann das nicht mehr toppen, eine solche Wand, solche Bedingungen.» Und während er sich von den Strapazen erholte: «Ich habe Zeit, über viele Dinge nachzudenken. Und ich weiss, wie ehrgeizig ich bin. Ich spüre, dass ich mich aus dieser Situation befreien muss. Leute erwarten von mir immer mehr. Ich habe noch einmal mehr erreicht.»

Und weiter: «Alles, was auf dieser Expedition noch kommt, kann ich gelassen angehen, ich bin zufrieden. Ich kann nicht mehr erreichen, nur noch den nächsten Gipfel, um danach wieder abzusteigen und von vorne anzufangen. Im Moment habe ich das Gefühl, mit dem Shishapangma den Zenit erreicht zu haben, aus sportlicher Sicht. Es ist wichtig, irgendwann zufrieden zu sein. In meinem Herzen bin und bleibe ich Bergsteiger, es gibt noch viele Ideen. Aber für mich ist der Punkt erreicht. Höher und schneller geht es für mich persönlich nicht mehr.»

Wir werden sehen, was von unserer «Swiss Machine», wie Ueli Steck in der internationalen Szene genannt wird, künftig kommt. Jedenfalls hören wir schon bald wieder von ihm. Seine Himalaja-Expedition ist ja noch nicht beendet.

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20 Kommentare zu ««Leute erwarten von mir immer mehr»»

  • Pille sagt:

    Was ist im Leben eines Menschen wichtiger als seinem Herzen zu folgen und Träume zu verwirklichen? Bei Ueli Steck sind dies eben Speedbegehungen; an die Grenzen des menschlichen Bestehens kommen. Die Sinnfrage entfällt hierdurch ! Anders hat alles „Sinn“ oder „keinen Sinn“…Ebenso entfällt die Frage „wie gehe ich mit dem Druck von Aussen um“ . Er braucht niemandem etwas zu beweisen,… einfach nur geradeaus seinem Gefühl folgen !

  • Peter Meier sagt:

    Einbildung ist auch eine Bildung…

  • daniel m. sagt:

    Obwohl Ueli Steck meine volle Bewunderung fuer diese sportlichen Leistungen verdient, scheint mir das Ganze inzwischen zu kommerziell. Nur wenn er dank den Medien weiterhin fuer Schlagzeilen sorgen kann, bleibt er auch interessant fuer die Sponsoren.

  • Heinz Zipsin sagt:

    Vom sportlichen Standpunkt sind Stecks Leistungen natuerlich bewundernswert. Ich frage mich nur ob bei dem Hype um ihn nicht das Gefuehl gesundes Risiko etwas verloren geht. Sogar Alex Honnold, einer der verruecktesten free solo Kletterer, hat gemeint Steck gehe zuviel Risiko ein. Hoffentlich geht das auf die Laenge gut.

  • Anton R. sagt:

    Lieber Herr Steck, wir alle sind massiv beeindruckt von Ihren Leistungen. Wenn der Druck von aussen im Inneren ankommt, aber offensichtlich dort geboren wurde, dann ist etwas in Gefahr. Achten Sie vielleicht auf einen Burnout oder dergleichen. Viele Künstler, Sportler, und normale Berufsleute, sind an genau diesem Phänomen zerbrochen. Atmen sie lange durch, bis der Berg tatsächlich ruft, und kehren sie allem, was sie drückt für längere Zeit den Rücken. Wir gewinnen nicht so viel, in dem unsere Namen auf Plakaten erscheinen. Das Gute ist dennoch, sie haben soviel erreicht, sie können beruhigt ganz andere Wege gehen, denn Ihr Erhgeiz wurde mit Sicherheit schon ganz schön befriedigt. Ich wünsche Ihnen auf ehrlichste Art und Weise Erfolg auf Ihrem ganz persönlichen Weg. „Höre auf, wenns am Schönsten ist, bevor Du nicht mehr kannst, oder vergiss wenigstens nie, dass Du mit Deinem Körper im Grunde ganz alleine bist“.

  • Michael Zurfluh sagt:

    Ueli Steck gebührt meine Bewunderung. Seine Fähigkeit sich ein Ziel zu setzen und mit Konsequenz darauf hin zu trainieren macht für ihn möglich was uns unglaublich erscheint. Natürlich gehört auch Talent dazu aber das meiste kommt vom Training und den Entbehrungen die ein solches Leben mit sich bringt. Da kommt alles zusammen, die Physis, die Technik und die beeindruckende mentale Stärke an sich zu glauben und seinen Stärken bewusst zu sein auch wenn man sich über 8000 Meter über Meer befindet mit dem Wissen das einem niemand helfen kann. Ich denke er ist sich seines Risiko bewusst, doch macht er alles um es so klein wie möglich zu halten. Sollte es dann doch zum Schlimmsten kommen, so hat er mehr erlebt als ich es in 100 Jahren erleben werde. Ich wünsche ihm, dass er gut und wohlbehalten in die Schweiz zurück findet und werde auf alle Fälle seinen Vortrag besuchen, hoffentlich gibt es einen, unabhängig davon ob er es nun auf den Everest schafft oder nicht.

  • alexandra sagt:

    Habe mit Steck ein spannendes Interview geführt, dass ihn von einer etwas anderen Seite zeigt. Es ist ein spannender Talk, bei dem er unter anderem auch über das Speed-Klettern und die Motivation, die dahinter „steck“t spricht. Umso mehr bin nun ich über seine Aussage überrascht. http://www.talkreich.com

  • Rolf sagt:

    Ich erwarte, dass der K2 zu ihnen runtersteigt, nicht mehr, nicht weniger :)

  • Massimo sagt:

    «Leute erwarten von mir immer mehr» FAIL! Was ist der nutzen daraus für die Menschheit? Der einzige „Nutzen“ ist die Selbstbefriedigung von Herr Ueli Steck.

  • Tom sagt:

    Steck ist und bleibt ein Ausnahmetalent. Durch seine Begehungen wurde er zum Medienstar. Ich kann die Aussage „die Leute erwarten immer mehr“ in gewisser Weise schon nachvollziehen. Allerdings und ich zitiere hier Steck selber; “ Die Erde dreht sich auch weiter wenn ich das nicht mache…“ so wird es auch sein. Schlussendlich muss Steck selber entscheiden was er will bzw. kann. Die Anerkennung der Oeffentlichkeit hat er jetzt schon, unabhängig davon was noch kommen wird.

  • Roland Gasche sagt:

    Unglaublich wie Ueli Steck als „meine Limitenkenner“, fehleinschätzend behauptet, die Leute würden immer mehr von ihm erwarten. Wer bitte schön sind denn die Leute – ich kann unmöglich gemeint sein? Ist es denn wirklich erstrebenswert einen möglichst hohen Berg möglichst schnell hochzuwetzen? Was soll dieses überflüssige „fishing for compliments“? Wenn Ueli Steck sich schon wissentlich einem hohen Risiko aussetzt, dann doch bitte schön ohne andere mit diesem Risiko zu belasten. (z.B. Rega und Retter bei einer allfälligen Bergung) Es tut mir Leid lieber Ueli Steck, ich kann zwar die sportliche Leistung dahinter anerkennen, dennoch kann ich dieser, aus meiner Sicht, sinnlosen „Jagd“ nichts Positives abgewinnen. Es gäbe sinnvolleres mit Ihrer Energie und dem Geld zu tun, als sie und es für nutzloses Schnellklettern zu vergeuden. Den Medien werfe ich vor, dass sie mit medialer Lüsternheit und Sensationsjournalismus ein Plattform bieten und damit Motive für diesen „Wettbewerb“ liefern. Liegt es eventuell daran, dass man mittendrin ist, falls die „Post“ abgeht und nicht nur dabei?

  • Harald Waldner sagt:

    Ich hoffe und wünsche Ueli, dass er im entscheidenden Moment auch mal Nein sagen kann. Das war bspw. eine der zentralen Stärken eines Reinhold Messners, der immer Grenzgänger, aber nie Hasadeur war…

  • Heinz Köhli sagt:

    Ich erwarte von Ihnen gar nichts, Herr Steck. Ich hoffe, dass Ihnen ein glückliches Leben gegönnt ist, was auch immer sie glauben, sich und/oder der „Welt“ beweisen zu müssen. Mit Hund und/oder Familie von Wilderswil aufs Faulhorn ist auch schön. Ebenso von Habkern über den Hohgant nach Schangnau. Alles Gute !

    • Marc Trösch sagt:

      Also beim Bergsteigen geht es ja weiss Gott nicht um Spazieren und ein bisschen geniessen und über Matten zu schlendern. Da geht es um Herausforderung, Wille und den Mut zum Risiko um die Grenzen herauszuschieben. Das war beim Bergsteigen schon bei Edward Whymper, bei Anderl Heckmaier und Reinhold Messer so. Jetzt hat Ueli die Grenzen verschoben. Die grossen Wände und Gipfel sind längst gemacht, die Herausforderungen heute sind andere (Speedklettern ,free solo usw.). Das hat nichts mit Sensationshascherei zu tun, sondern ist Weltklasse-Bergsteigen von heute!

      • Andreas Kaufmann sagt:

        Alles was als Weltklasse bezeichnet wird (egal ob in Sport, Kunst, oder sonstwo) hat mit Sensationshascherei und Spektakelgeilheit zu tun. Es gibt viel Gutes, das ausreicht für den Alltag. Das Sensationelle befriedigt dann noch die überdrüssige Lust nach dem Spektakel und ist eines Menschen eigentlich unwürdig.
        Der Medienrummel um Herr Steck fusst einzig auf dem Spektakel., als Person ist er bloss im Hinblick auf das Sensationelle interessiert. Auch Herr Steck scheint das langsam zu merken und zu missfallen. Vielleicht wäre Zeit, dem Profialpinismus den Rücken zu kehren.
        Ich jedenfalls verlange nichts von irgendwelchen Alpinisten, ich bewundere sie auch nicht für ihre Leistungen. Ich bewundere die Berge.

        • Daniele Petrolo sagt:

          Nicht jeder muss Ueli Steck bewundern und schon gar nicht verstehen! Spektakelgeil? Das sind sicher viele. Aber es gibt Leute, die aus Büchern und Vorträgen von Ueli und von vielen Anderen Energie, Faszination, Motivation und Begeisterung ziehen. Den Laien muss man Zahlen geben um es zu verstehen. 2h47min Eigernnordwand. Oder ganz neu 2h28 von Dani.
          Aber es gibt Leute, die bei den Vorträgen das Erlebnis mitspüren. Als Weltklasse bezeichnen es die Medien und die Laien, die die Zahlen vor Augen haben.
          Als Bergsteiger finde ich das Erlebnis und die Eindrücke Weltklasse.
          Wems nicht passt, soll doch einfach umschalten oder umblättern und es weder lesen noch sehen. Ganz einfach. Wer sich begeistern kann, soll es geniessen, zusehen und darf auch staunen.
          Ich wünsche Ueli viel Erfolg mit seinen Projekten und werde diese aus Begeisterung verfolgen und in der Zwischenzeit meine eigenen verwirklichen und die Berge auf meinen Niveau live erleben.

  • also ich erwarte von ihm gar nichts!

  • Heinz Oswald sagt:

    „Leute erwarten von mir immer mehr“ Dieses Empfinden dürfte nie und nimmer die Motivation zum Klettern anheizen. Spätestens dann, ein paar Zacken zurückschrauben.

  • U.Jauch sagt:

    ich sehe das nicht so.Die letzte grosse Reportage von sf habe ich bewusst nicht geschaut,weil wir uns mitschuldig machen am Höher ,Schneller,Weiter.

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