Nie mehr schmerzende Skischuhe?

Unser Experte verrät, worauf Sie beim Kauf von Wintersportschuhen achten müssen und wie Sie Fehlkäufe optimieren.
  • Ob Tourenskischuh oder Skischuh: Passen muss er! Fotos: iStock

  • Gute Wahl: Eine professionelle Beratung im Fachgeschäft zahlt sich aus.

  • Blasen und Zwangspausen? Muss nicht sein!

  • Lieber den Skitag geniessen – bis die Lifte schliessen.

Sobald der erste Schnee gefallen ist und die Sonne vom wolkenlosen Himmel scheint, stünde einem perfekten Skitag nichts mehr im Weg – vorausgesetzt, der Skischuh passt! Egal, ob zu weit oder zu eng: Ein schlecht sitzender Pisten- oder Skitourenschuh kann den Traumtag in kurzer Zeit ruinieren. Das lässt sich einfach vermeiden, wenn man sich im Vorfeld etwas Zeit nimmt, um den perfekt passenden Skischuh zu finden. Dabei müssen zuerst einmal folgende Fragen beantwortet werden: Passt der Schuh zum geplanten Einsatzbereich? Und passt der Schuh überhaupt zu meinem Fuss? Als Skifahrer oder Tourengeher braucht es keineswegs «Problemfüsse», um im breiten Angebot an Modellen die Übersicht zu verlieren.

So lohnt sich gerade beim Kauf von Skischuhen die Beratung durch einen Fachhändler. «Dafür sollte sich der Kunde etwas Zeit nehmen, um den für ihn am besten geeigneten Skischuh zu finden und ihn bei Bedarf noch individuell anzupassen», weiss Stéphanie Moulin, Abteilungsleiterin Schuhe bei Bächli Bergsport am Standort Zürich. Denn der Tourenskischuh ist ein komplexes Produkt, das zu einem komplexen Körperteil passen muss: dem Fuss – 26 Knochen, 33 Gelenke, 20 Muskeln, 114 Bänder, individuelle Fehlstellungen nicht berücksichtigt. Dass beides auf Anhieb harmoniert, ist eher unwahrscheinlich. Aber manchmal reichen auch wenige Anpassungen, die in einer Viertelstunde erledigt sind.

Die Vermessung des Fusses

Ein Tourenskischuh muss vieles können. Er soll warm und bequem sein, den Fuss stützen und schützen, im Aufstieg fast die Flexibilität eines normalen Bergschuhs ermöglichen. Und auf der Abfahrt steif genug sein, damit sich Kantendruck und Lenkimpulse des Fahrers effizient auf die Skis übertragen. Ganz nebenbei sollte der perfekte Tourenschuh auch noch ein Leichtgewicht sein. «Den einen Tourenskischuh, der das alles perfekt kann, gibt es leider nicht», so die Feststellung von Ernst Schärer, der bei Bächli Bergsport den Einkauf der Touren- und Freerideschuhe verantwortet, «aber die Industrie kommt dem Ziel jedes Jahr ein bisschen näher.»

Er kennt sich aus mit Platt-, Hohl- und Senkspreizfüssen, Hallux-valgus-Fehlstellungen oder Überbeinen und weiss daher, auf was es beim Tourenskischuhkauf ankommt. Der Schuh sollte kompakt sitzen, aber an den Zehenspitzen noch Bewegungsfreiheit bieten, damit die Durchblutung gewährleistet bleibt. Schwimmt der Fuss dagegen im Schuh und findet keinen Halt, leidet die Kraftübertragung und dadurch die Kontrolle über die Ski. Daher ist es wichtig, schon beim Kauf den Einsatzbereich und die persönlichen anatomischen Voraussetzungen im Blick zu behalten. Ideal ist eine Vermessung des Fusses. «So engt sich die Auswahl meist auf zwei bis drei Modelle ein. Die ganze Schuhwand durchzuprobieren, wäre nicht zielführend», sagt auch Stéphanie Moulin. Passen die Grundform und die Grösse, lässt sich der Schuh noch weiter individualisieren – durch spezielle Sohlen oder auch durch thermoverformbare Innenschuhe, die sich nach dem Erwärmen passgenau an den Fuss anschmiegen.

Optimierung nach dem Kauf

Im Laden hört sich das alles sehr gut an. Doch was ist, wenn man erst auf der ersten Tour bemerkt, dass der Schuh doch nicht richtig passt? Viele Fachhändler bieten genau für diesen Fall eine Rückgabemöglichkeit an. Bei Bächli Bergsport heisst das: Nach drei Wochen oder drei Tourentagen wird einem 85 Prozent des Kaufpreises zurückerstattet, sofern die Tourenskischuhe nicht thermoverformt wurden. Treten die Probleme erst später auf, hat der Berner Orthopädie-Techniker und Skischuh-Experte Chris Kohler wichtige Tipps: «Eine komplette Massanpassung ist in vielen Fällen natürlich die Optimallösung. Aber es lässt sich auch mit kleineren Massnahmen viel erreichen.»

Kleine Pads zum Abpolstern des Innenschuhs bewirken oft kleine Wunder. Eine Optimierung könne aber auch durch das Weiten oder Fräsen der Schale erreicht werden. Wem das zu aufwendig ist, für den hat Stéphanie Moulin einen einfachen, aber äusserst effektiven Tipp: «Mit den richtigen Socken lassen sich Blasen oft vermeiden. Ideal sind spezielle Skisocken mit leichten Polsterungen an besonders strapazierten Stellen.» Ähnlich funktionieren sogenannte Ankle Booties, hautenge, dünne Neopren-Übersocken, die mit einer Sprunggelenksbandage vergleichbar sind.

Man sieht: Mit etwas Zeit, der ein oder anderen individuellen Anpassung am Skischuh sowie einer geeigneten Skisocke steht einem Traumtag im Schnee nichts mehr im Weg.

Standardschuh oder Anpassen? Haben Sie schon den passenden Skischuh für sich gefunden? Welche Tipps haben Sie gegen Druckstellen und lästige Blasen? Teilen Sie Ihr Wissen.

Dieser Beitrag wurde unterstützt von Bächli Bergsport.

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