Sicherer ist sicherer

Einen Helm zu tragen, ist heute für Mountainbiker eine Selbstverständlichkeit. Foto: iStock

Rahmen aus Carbon, Schaltungen mit Funkübertragung, E-Bikes – die Velobranche bringt kontinuierlich spannende Innovationen hervor. Nur Helme sind auch heute immer noch so aufgebaut wie die vor rund 20 Jahren. Zumindest die meisten. Doch einige Hersteller verbauen in ihren Helmen auch neue Technologien. Sie sollen den Kopf besser schützen, als es die Norm vorgibt. Doch was können die Hightech-Produkte? Ein Überblick.

Lange Zeit war expandiertes Polystyrol (EPS) das Nonplusultra bei der Materialwahl der Helmhersteller, wenn es darum ging, Stosskräfte aufzunehmen. Bei modernen Helmen spielt es nur noch eine Nebenrolle. Und zwar als Trägermaterial für Technologien mit dem Namen «Koroyd», «MIPS» oder «Wavecel». Hinter diesen Marketing-Hieroglyphen verstecken sich Technologien, die alle das gleiche Ziel verfolgen: die Kräfte, die bei einem Sturz auf den Kopf einwirken, auf ein Minimum reduzieren. Und das am besten bei möglichst geringem Gewicht und optimaler Belüftung. Kurzum: Sie sollen das Biken noch sicherer, noch komfortabler machen.

Gedämpft und abgedreht

«Koroyd» ist eine Wabenstruktur, die der gleichnamige französische Hersteller als Erstes mit dem Helmproduzenten Smith vorgestellt hat. Mittlerweile verbauen mehrere Firmen das Material. Bei einem Sturz kann sich die gesamte Konstruktion in horizontaler Richtung elastisch verformen oder vertikal gestaucht werden. Neben den Dämpfungseigenschaften sind die Vorteile im Vergleich zu EPS das geringere Gewicht und die Möglichkeit, grössere Luftöffnungen in den Helm zu integrieren, ohne dass der Helm instabil wird.

«MIPS» (Multi-Directional Impact Protection System) wirkt im Vergleich zu Koroyd anders. Das System aus Schweden ist als zusätzliche Schicht an der Innenseite des Helms verbaut. Das Besondere: Diese Schicht ist beweglich. Damit wird eine Gleitbewegung zwischen den Oberflächen von Helm und Kopf möglich, welche die Rotationskräfte bei einem schrägen Aufprall aufnehmen und damit abschwächen soll. Eine Vielzahl von Helmherstellern setzt diese Technologie ein. Kritiker halten entgegen, dass eine ähnliche Wirkung allein durch die grundsätzliche Beweglichkeit des Helms auf Kopfhaut und Haaren gegeben ist.

MIPS Explained_Bike from MIPS Brain Protection System on Vimeo.

Hauptsache, er passt

Verbiegen, Komprimieren, Gleiten: So wird die Wirkungsweise der neuesten Entwicklung im Helmbereich beschrieben, die damit die Eigenschaften von Koroyd und MIPS in einer Technologie vereinen würde. Sie heisst «Wavecel» und wurde vom US-Bikehersteller Trek und seiner Tochterfirma Bontrager entwickelt. Die Amerikaner versprechen damit einen bis zu 48-mal besseren Schutz vor Gehirnerschütterungen. Wissenschaftliche Tests mit einem Aufprall mit 6,2 Metern/Sekunde sowie in einem Winkel von 45 Grad ergaben, dass ein Wavecel-Helm in 99 von 100 Fällen eine Gehirnerschütterung verhindern kann. Die Studie wurde im März 2019 im Paper «Accident Analysis & Prevention» veröffentlicht. Dieses gibt es zum freien Download.

Technologie, Gewicht, Style: Egal für welchen Helm sich Velofahrer am Ende entscheiden, die Hauptsache ist, dass er passt und gut auf dem Kopf sitzt. Nur so sind der optimale Schutz und damit auch der Spass auf der Tour garantiert.

Helm ja oder nein? Und wenn: Lieber leicht und stylisch – oder mit der Extraportion Schutz: Mit welchem Helm gehen Sie auf Tour?

4 Kommentare zu «Sicherer ist sicherer»

  • Markus Neuhaus sagt:

    Ich erwarte, dass Velohelme endlich über starke B l i n k – und R ü c k l i c h t e r verfügen, damit endlich den andern Verkehrsteilnehmern Absichten komuniziert werden können (müssen). Mit LED’s und Bluetooth sollte dies doch machbar sein. Und dann verbindlich vorgeschrieben werden, damit nicht die Schwächsten weiterhin das ganze (Verkehrs)System lahmlegen.

    • Bernhard Koch sagt:

      Tja und wer würde das dann kaufen? Wer will schon einen blinkenden Kopf? Abgesehen davon, schonmal daran gedacht, dass der Kopf beim Fahrradfahren nicht unbedingt das sichtbarste ist, weil er bei jedem anders gehalten wird? Je nach dem wie weit der Fahrer über den Lenker gebeugt ist nützt so eine blinkende Abscheulichkeit entsprechend nichts.

  • Roland K. Moser sagt:

    ich habe einen Veloplus-Helm. Sitzt perfekt, deshalb habe ich ihn vor ca. 6 Jahren gekauft. Das verwendete Material ist das Stypropor-ähnliche.
    Damit er besser lüftet, habe ich die Kanäle ein wenig aufgefräst. Jetzt dünkt es mich besser also ohne Helm zu fahren.
    Natürlich kann es sein, dass er jetzt bei einem Aufprall bricht, muss aber nicht. Die Festigkeit eines Helms ist immer ein Kompromiss, weshalb die Hersteller immer zu harte Helme bauen, weil sie nicht wegen gebrochenen Helmen in den Medien kommen wollen.

    • frank per sagt:

      Haha, das kann doch nicht Ihr ernst sein. Modifizieren Sie auch den Sicherheitsgurt im Auto , weshalb die Hersteller immer starke Gurten bauen, weil sie nicht wegen gerissenen Gurten in den Medien kommen wollen.

Kommentar

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