Jedes Ende ist auch ein Anfang

Outdoor

Zusammen macht es mehr Spass: Läufer unterwegs bei Winterthur. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Dieser Post fällt mir besonders schwer. Es ist der letzte Beitrag von mir, der im Outdoorblog erscheint. Und es ist ironisch, denn ich weiss zwar mit Bestimmtheit, dass ich in den 2737 Trainings, die ich absolviert habe, seit ich über das Laufen schreibe, genau 2065 Hamburger verbrannt habe. Das verrät mir mein Trainingstagebuch. Ich habe aber keine Ahnung, wie viele Postings ich für den Outdoorblog verfasst habe und wann genau das erste erschienen ist.

Entsinnen kann ich mich allerdings, wann das Schreiben über das Laufen seinen Anfang nahm: Damals, als ich meine Leidenschaft fürs Laufen entdeckte – vor rund zehn Jahren. Es war Herbst, als ich mir nichts, dir nichts beschloss, den New York Marathon zu laufen. Doch ganz ehrlich: Ums Laufen ging es dabei nicht. Es ging vielmehr um ein Vorhaben. Eines, das nur ich zum Scheitern oder zum Erfolg würde führen können. Um etwas eigenes.

Sehr schnell wurde mir aber klar, dass ich mit meinem Entscheid ahnungslos und zu optimistisch gewesen war. Dass Planung, Struktur und Fachwissen gefragt waren, wollte ich in einem Jahr in New York tatsächlich die 4-Stunden-Marke knacken.

Rückschläge und ein Happy End

Mein grosses Glück war Lauflegende Markus Ryffel, der mir mal als «Sklaventreiber», mal als «vernünftiger Bremser», doch immer als Motivator zur Seite stand. Er lehrte mich, systematisch zu trainieren, erklärte mir, weshalb Regeneration ebenso bedeutend ist, und dass polysportive Läufer immer im Vorteil sind. Trotzdem gaben meine Rückschläge und Erfahrungen mehr als genug Schreibstoff her. Es entstand eine zwölfteilige Serie im Outdoor-Blog, in der ich versuchte, meine Lernerfahrungen weiterzugeben.

Aus diesem spontanen Vorhaben erwuchs die Leidenschaft fürs Laufen und für den Ausdauersport. Nach einer Reprise in New York folgten Marathons in Wien und Paris – während derer ich die euphorisierende Seite des Sportes erlebte. Aber auch erfuhr, welche Konsequenzen Hochmut für einen Marathoni haben kann. Später dann das nächste grosse Ziel – mein Abenteuer zu den Six Stars mit seinen niederschmetternden Rückschlägen und einem für mich immer noch unglaublichen Happy End.

Die Zeit vergeht, die Liebe zum Laufen bleibt: Die Autorin am Greifenseelauf 2008, 2010 und 2011. Fotos: PD

Und immer begleitete mich der Outdoorblog. Durch ihn reflektierte ich meine Erlebnisse gründlicher. Analysierte immer wieder, vor welchen Fallen ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, warnen könnte und welche Erfahrungen ich Ihnen auf den Läuferweg mitgeben kann. Durch den Blog fragte ich jeweils einmal mehr «warum?», wenn mir Markus Ryffel sein Wissen weitergab. Wegen der Posts fühlte ich den Läufern und Läuferinnen konstant den Puls – immer auf der Suche nach Themen, Aufregern, bewegenden Geschichten oder Schmunzetten.

Einmal um die Welt rennen

Ich habe dabei beispielsweise erkannt, dass Männer und Frauen sich im Sport grundlegend unterscheiden, wenn es ums Selbstvertrauen geht: Dass Läuferinnen sich zu oft unterschätzen und von der Unerschrockenheit der Männer lernen können. Dass umgekehrt die Läufer zu oft mit dem Kopf durch die Wand wollen und von den Frauen abschauen sollten, wie sie auf ihre Körper hören. Und – en passant, aber vor allem als Pacemaker am Greifenseelauf – habe ich eine weitere Passion entdeckt: Menschen mit meiner Leidenschaft anzustecken und sie zu motivieren. Das wiederum animierte mich dazu, eine Weiterbildung bei Swiss Athletics in Angriff zu nehmen. Ein Neuanfang also.

Schluss ist hingegen mit dem Outdoorblog. Damit geht auch für mich ein jahrelanges Kapitel zu Ende: Ich lege den Laufstift nieder. Doch frei nach Winston Churchill ist das bestimmt nicht das Ende. Nicht einmal der Anfang des Endes, sondern allenfalls das Ende des Anfangs. Denn das Schöne ist: Mir bleibt nun mehr Zeit für meine neue Leidenschaft. Zudem habe ich eben in meinem Trainingstagebuch entdeckt: Mir fehlen noch 1380 Kilometer, dann bin ich einmal um die Welt (von der Schweiz aus gesehen) gesportelt. Wenn das kein neues Ziel ist!

In dem Sinne: Lauft weiter, liebe Leserinnen und Leser, geniesst es – und vielleicht sehen wir uns unterwegs irgendwo in den Laufschuhen.


Liebe Leserinnen, liebe Leser, während den vergangenen Jahren haben wir im Outdoorblog regelmässig über Sporttrends berichtet, Sie mit Fitnesstipps versorgt und auf Wanderungen quer durch die Schweiz begleitet. Nun verabschieden wir uns von Ihnen und wenden uns neuen Projekten zu. Falls es Themen gibt, die Sie ohne Outdoorblog besonders vermissen werden – oder wenn Sie allgemeine Anregungen und Ideen haben – freuen wir uns über Ihr Feedback. Dazu können Sie gerne diese Umfrage ausfüllen. Sie dauert rund 3 Minuten und Ihre Daten werden vertraulich behandelt. Vielen Dank für Ihre Treue und sportliche Grüsse, die Redaktion.

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