Glück im Schneeregen

Diese Woche von Buchthalen nach Bietingen und Thayngen (SH/Deutschland)

  • Schaffhausen-Buchthalen, Wanderstart.

  • Im Wald. Zwischen Buchthalen und Gennersbrunn gehen wir über deutsches Gebiet.

  • In Gennersbrunn.

  • Das Morgetshof-Seeli im Schneeregen.

  • Deutscher Wald: Auf dem Hügel Kapf.

  • Bietingen, jetzt gibts etwas Warmes ...

  • ... voilà!

  • An der Biber war der Biber aktiv.

  • Thayngen, vom Bahnhof geht es retour nach Schaffhausen.

Es regnete, als ich in Buchthalen am Stadtrand von Schaffhausen loszog. Und es regnete, als ich am Ziel in Thayngen ankam. Dazwischen bescherte mir der Himmel Abwechslung: Schneeregen. Eine wunderbare Sache war mit dem garstigen Wetter verbunden. Ich traf auf der ganzen Route praktisch keinen Menschen und hatte das halb schaffhausische und halb deutsche Grenzland für mich.

Über deutsches Gebiet

Zu meinem Startort gelangte ich in kurzer Fahrt mit dem Bus Nr. 5 vom Bahnhof Schaffhausen. Der Fahrer musterte mich belustigt, als ich in Buchthalen ausstieg. Will der jetzt wirklich wandern?, dachte er wohl. Ja, das wollte ich. Ich arrangierte die Kapuze, klappte den Schirm auf und machte mich ans Gehen.

Das erste Stück hinüber zum Bauernweiler Gennersbrunn, der zur Stadt Schaffhausen gehört: sanft abwärts, dann wieder sanft aufwärts durch Wald und Wiesen. Einige Zeit wanderte ich auf deutschem Gebiet. Wo das Gelände eben war, hatten sich riesige Pfützen gebildet.

Zu früh für Kafi

Gennersbrunn erwies sich als reizende Miniballung von Häusern. Im Gennersbrunnerhof hätte ich einkehren können. Ich wusste von einer ortskundigen Redaktionskollegin, dass die Stadtschaffhauserinnen und -schaffhauser das am Sonntag gern tun: nach Gennersbrunn hinüberspazieren, einkehren und wieder heimspazieren. Mir war es zu früh für Kafi und dergleichen, ich verzichtete.

Das Gelände wandelte sich danach. An die Stelle der gemeinen Mittellandäcker traten rötliche Sumpfwiesen. Vollends märchenhaft fand ich bei Morgetshof ein Seelein in geringer Distanz zur Rechten. Es ist bekannt für die Amphibienarten, die in und an ihm leben.

Wo ist der Ringwall?

Bei Zum Waldhof hätte ich später links abbiegen und schnell den nahen Bahnhof Thayngen erreichen können. Mir stand der Sinn nach mehr; ich beschloss, ein zweites Mal deutsches Gebiet zu betreten und den Hügel Kapf zu besteigen. Ade, Wanderwege, nun navigierte ich mit der Karte.

Was mich auf den Kapf lockte, war die Existenz einer Höhenburg-Anlage vermutlich aus der Jungsteinzeit oder Bronzezeit. Doch fand ich den «Ringwall» nicht, wiewohl er auf der Karte angeschrieben war. Vermutlich handelt es sich um eine unauffällige Geländeunregelmässigkeit, die bloss das Archäologenauge ausmacht. Oder war es der Hunger, der mich blind machte?

Schweinebraten mit Spätzle

In Bietingen, östlich des Kapfs, hielt ich vorbei an der Kirche und hinüber auf die Nordseite der Autobahn; dank meines iPhone wusste ich, dass es dort eine Wirtschaft gibt. Tatsächlich kam ich auf der Strasse Richtung Bahnhof zum Gasthof Wider. Er war offen. Dankbar war ich, dass man meine feuchtelnde Wenigkeit willkommen hiess. Und dass das Lokal geheizt war.

Schweinebraten mit Spätzle und dazu ein Bier, und ich war glücklich; übrigens unterhalten die Wirtsleute eine eigene Metzgerei. Beim Bezahlen stellte ich wieder einmal fest: unglaublich, wie viel billiger man in Deutschland lebt.

Eine Doppelbürgerin namens Biber

Nach dem Essen ging ich retour zur Autobahn und folgte ihr und der Biber, die Doppelbürgerin ist, Schweizerin und Deutsche. Bald separierte sich das träge Gewässer, dem ich treu blieb, von der lärmigen Verkehrsader. Ich überschritt die Grenze und war wieder im Kanton Schaffhausen. Die Biber führte mich in den Ortskern von Thayngen; endlich bog ich ab zum Bahnhof.

Dort war ich sehr zufrieden. Bester Moment dieser Wanderung? Ich würde sagen: das stille Morgetshof-Seelein.

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Route: Schaffhausen, Buchthalen – Gennersbrunn – Morgetshof – Zum Waldhof. Danach unsignalisiert auf guten Wegen über den Kapf nach Bietingen (D) und an der Biber nach Thayngen, Bahnhof.

Wanderzeit: 3½ Stunden.

Höhendifferenz: Nur wenig Auf und Ab.

Wichtig: Identitätsdokument und Euros mitnehmen, ein Teil der Wanderung spielt in Deutschland.

Wanderkarte: 405T Schaffhausen-Stein am Rhein, 1: 50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Leichte Route in einer Gegend, die man gemeinhin nicht kennt. Schöne einsame Wald- und Sumpfwiesenstücke zwischen Gennersbrunn und der deutschen Grenze. Etwas, aber nicht allzu viel Hartbelag.

Höhepunkte: Der abseitige Weiler Gennersbrunn. Das Morgetshof-Seeli. Die Einkehr in Bietingen. Die charmante Biber.

Kinder: Klar, jederzeit!

Hund: Der Vierbeiner wird die Route auch mögen.

Einkehr: Natürlich in Schaffhausen und in Thayngen. Gennersbrunn, Gennersbrunnerhof: Di und Mi Ruhetag. Bietingen, Gasthof Wider: kein Ruhetag.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

Der Autor: Thomas Widmer ist Reporter bei der«Schweizer Familie». Dort findet man mehr zu den Themen Wandern und Outdoor, Essen und Genuss.

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1 Kommentar zu «Glück im Schneeregen»

  • Maria Theres Wiedemann sagt:

    Lieber Thomas Widmer

    Ihre Wanderung von der Tällihütte haben Sie wohl schon vor einiger Zeit gemacht. Heute ist sie nämlich für Paare und Einzelpersonen nur am Wochenende machbar, da der Bus von der Engstlenalp nach Innertkirchen leider von Montag bis Freitag nur auf Voranmeldung und für Gruppen ab 5 Personen fährt . . . Schade, diese Route hätte ich gerne nachgewandert! Es gibt eine Variante über den Jochpass; die ist Ihnen bestimmt bekannt.

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