Blutwurst hilft gegen Bise

Diese Woche von Aarwangen via Murgenthal zum Kloster St. Urban (BE/AG/LU)

  • Das Erste, was wir nach dem Aussteigen aus dem Zug sehen: Schloss Aarwangen.

  • Winter ohne viel Schnee: Eine gute Sache, man kommt als Wanderer vorwärts.

  • Danke für die Warnung! Aber an diesem Tag kämen wir nicht auf die Idee, zu baden.

  • Frau N. hält den Schlüssel zur altehrwürdigen Kirche von Wynau.

  • Drinnen. Schön, oder?

  • Die Kirche von aussen.

  • Die Murg bei ihrer Einmündung in die Aare. Wir wechseln vom Kanton Bern in den Aargau.

  • Die Brücke von Murgenthal. Bei ihr nehmen wir Abschied von der Aare.

  • Der Bahnhof von Murgenthal. Will jemand schon heim? Aber nein!

  • Schwarze Schafe voraus.

  • Wandern am Wasserkanal.

  • Das Kloster St. Urban, die roten Türme sind sein Markenzeichen.

  • Das Bild ist stärker als alle Worte.

  • Noch einmal das Kloster.

  • Von der nahen Station St. Urban reisen wir heim. Der Bauch ist voll (Blutwurst), der Kopf auch (neue Eindrücke).

Wenn ich beim Wandern interessante Dinge sehe, schaue ich später nach, was es mit ihnen auf sich hat. So auch bei dieser Wanderung, die an der reformierten Kirche von Wynau vorbeiführte. Wieder zu Hause, fand ich im Internet eine Liste der Pfarrer von Wynau. Bendicht Graf wurde 1575 wegen Trunkenheit entlassen. Johann Ulrich Heerli brachte es 1598 zum Theologieprofessor in Bern und fiel der Pest zum Opfer. Daniel Franck schluderte bei der Führung der Pfarrbücher; er war wohl krank und verstarb 1692. Der verwitwete Gottlieb Ringier wiederum musste im 18. Jahrhundert seine von ihm schwangere Magd heiraten. Die Regierung stellte ihn wegen des Skandals für zwei Jahre frei.

So ist das mit dem Wandern. Es ist vieles in einem. Wir trainieren den Körper, geniessen das Zusammensein mit Freunden, freuen uns an der Natur. Und immer wieder landen wir in der Geschichte.

Der sehr, sehr lange Schlüssel

Und so war das auch, als wir, mein Grüppli und ich, bei übler Bise über wenig verschneites, doch gründlich vereistes Gelände zogen. Start war an der S-Bahn-Station beim Schloss Aarwangen, einst Sitz bernischer Landvögte – Historie gleich zum Auftakt! Wir hielten aareabwärts, das Gelände war grossteils flach. Den Fluss zur Linken und flache Äcker zur Rechten passierten wir die Anlegestelle der Fähre von Wynau nach Wolfwil. Im Winter ruht sie.

Wir langten bei der Kirche Wynau an. Im Pfarrhaus nebenan bekamen wir den Schlüssel, so lang wie eine Menschenhand. Die Kirche, eine Basilika mit frühromanischem Kern, also uralt, enthält die allerschönsten Wandfresken. Ohnehin war es gut, mal kurz den Eiswind loszuwerden, wir setzten uns und schauten. Um dann doch fortzusetzen.

Weiterhin hielten wir uns an die Aare, setzten bald über die Mündung der Murg. Dieser Fluss schafft es, auf seinen gerade mal zweieinhalb Kilometern Länge durchgehend die Grenze zwischen Bern und Aargau zu bilden.

In Murgenthal waren wir demnach im Aargau. Bei der Holzbrücke liessen wir die Aare ziehen, bogen ab in den Ort, kamen zum Tearoom Murgli. Sehr gut, meine Finger waren mittlerweile leicht blau, die Tasse mit dem heissen Tee half bei der Wiederbelebung.

Mmmm, Metzgete!

Via den Bahnhof und die Villa Sandhubel, in der eine Stiftung für sozialtherapeutische Arbeit untergebracht ist, verliessen wir das geschäftige Dorf wieder. Wir gingen nun in Südrichtung, hatten auf der einen Seite die schlängelnde Murg und weiter oben die Rot, auf der anderen Seite aber einen Wasserkanal. Der Weiler Walliswil: klein und hübsch.

Bald erblickten wir die roten Türme des Klosters St. Urban. Sie zeigten Luzern an, unseren dritten Kanton. Unwirklich, als wir sie direkt vor uns hatten, die Anlage in ihrer Riesenhaftigkeit. Das Kloster ist allerdings aufgehoben, das Areal beherbergt eine psychiatrische Klinik. Wir schauten uns die Kirche an, deren Inneres in Weiss und Gold gehalten ist, eine barocke Prachtentfaltung. Das berühmte Chorgestühl wiederum: eine Orgie der Schnitzkunst.

Nun hatten wir vollends Hunger. Wir wechselten ins Klostergasthaus Löwen. Letzter Akt, bevor wir von der nahen Station St. Urban das Zügli nach Langenthal nahmen: Wir gönnten uns Blutwurst und dergleichen, es war grad Metzgete.

Als ich zu Anfang dieser Kolumne aufzählte, was Wandern alles ist, habe ich vergessen, dass natürlich auch das Einkehren und Essen dazu zählt. Wenigstens gemäss meiner widmerschen Definition.

++

Route: Schloss Aarwangen, Bahn – Wynau – Murgenthal – Walliswil – Kloster St. Urban – St. Urban, Bahn.

Wanderzeit: 3 1/4 Stunden ohne Besichtigung der Kirchen.

Höhendifferenz186 Meter aufwärts, 152 abwärts.

Wanderkarte: 224T Olten, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Ruhige Winterwanderung, weite Flächen beruhigen das Auge, dazwischen und am Ende erfreuen zwei grossartige Kirchen.

Höhepunkte: Der Anblick von Schloss Aarwangen. Die wunderbare Kirche Wynau. Das fantastische Sich-Zeigen der roten Kirchtürme des Klosters St. Urban. Und natürlich … das Essen am Schluss.

Kinder: Geht gut. Am Wasser muss man auf sie aber aufpassen.

Hund: Perfekte Länge.

Einkehr: Klostergasthaus Löwen in St. Urban. Mittwoch Ruhetag. Achtung: Betriebsferien derzeit und bis und mit 9. Januar. Reservieren!

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

1 Kommentar zu «Blutwurst hilft gegen Bise»

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