Die Wanderung zum Fischteller

Diese Woche von Pfyn über den Seerücken nach Steckborn (TG)

  • Pfyn, wir legen los.

  • Am Rand von Pfyn.

  • Irgendwie hätte man auch als Mensch Lust, eine Runde zu drehen.

  • Thurgauer Wald.

  • Im Herbst liebt das Auge starke Farben.

  • Grillstelle am Waldrand bei Oberhörstetten.

  • Mostindische Äpfel.

  • Tägermoos voraus.

  • Tägermoos ist hübsch ...

  • ... und bietet einen schönen Blick auf den Untersee.

  • Der Untersee kommt näher.

  • Steckborn, Bahnhof, wir wären am Ziel, doch...

  • ... will man wirklich heim, ohne den See von nahem genossen zu haben?

  • Sehr gut, freier Tisch im Frohsinn.

  • Der Fischteller steht am Ende der Wanderung.

Ich bin halt verfressen. Und so kommt es immer wieder einmal vor, dass ich eine Wanderung gezielt auf ein bestimmtes Restaurant in der Mitte oder am Ende hin plane, wobei ich zur Recherche das Internet heranziehe.

So war es in diesem Fall. Als ich eines hellen Morgens in Pfyn an der Haltestelle «Gemeinde» aus dem Bus stieg, wusste ich, was mich am Mittag am Ziel in Steckborn erwarten würde. Ein Fischteller. Dieser Fischteller trieb mich vorwärts über den Seerücken, er war Motor und Mantra meiner Wanderunternehmung, ich sah ihn vor mir. Der Fischteller machte mich glücklich schon als Idee.

Erinnerungen an den Biber

Pfyn, übrigens, weckte in mir Erinnerungen. Wer viel wandert, weiss, was ich meine, man trifft immer wieder mal auf Orte, an denen man schon einmal wanderte. Während der Anreise von Frauenfeld war der Bus an der Haltestelle «Biberpfad» vorbeigefahren. 2004 war ich hier ausgestiegen im beginnenden Winter.

Der Lehrpfad unterhielt mich damals bestens. Biber sah ich zwar nicht, sie schlafen tagsüber in der Regel. Dafür las ich mit Gewinn die Infotafeln und erfuhr etwa, dass Castor fiber, wie der hiesige Biber auf Lateinisch heisst, Europas grösstes Nagetier ist. Der Biberpfad von Pfyn lohnt den Besuch, es gibt ihn nach wie vor.

Widmer will galoppieren

Im Dorf Pfyn zog ich los, liess es bald hinter mir, vergass den Biber, passierte eine beidseits durch einen weissen Geländerzaun begrenzte Galopptrainingsbahn und verspürte Lust, wiehernd eine Runde zu drehen, nur so zum Blödsinn; weil da ein Verbotsschild war, verzichtete ich darauf, Ross zu spielen.

Die nächsten etwas mehr als zwei Stunden waren ein angenehmes Steigen, ich kam durch Unterhörstetten mit seinem grossen Schulgebäude, streifte Oberhörstetten am Rand, Felder, Waldstücke, Wiesen, Äcker wechselten sich ab.

Sanfte Verhältnisse

Der Seerücken ist eine Landschaft des sanften Tourismus, geliebt von Wanderern, Velofahrern und – im Winter – Langläufern. Vermutlich hätte ich Alpenblick gehabt, bloss war die Luft, typisch Herbst, dafür zu dunstig.

Apropos Seerücken: So heisst der lang gezogene Höhenrücken über dem Bodensee, der zu den am dünnsten besiedelten Gegenden des Schweizer Mittellandes gehört. Erfunden hat den Namen 1837 offenbar ein Gelehrter, der Thurgauer Pfarrer Johann Adam Pupikofer.

Eine Riesenportion Schönheit

Tägermoos zeigte sich von weitem als schmucke Häuserzeile auf der Krete vor mir. Als ich ankam, erwies es sich als Bijou mit gepflegten Gärten. Zum Ende schenkte es mir eine Überraschung: Indem ich es verliess, erblickte ich unter mir in Tiefblau den Untersee des Bodensees. Segelschiffe kreuzten auf ihm, er strotzte vor Schönheit. Und ich wusste: Mein Fischteller war nicht mehr weit.

Freilich ging es kurz recht steil abwärts, ich musste mich aufs Gehen konzentrieren. Dann war ich in Steckborn, kam nahe an den Bernina-Nähmaschinen-Werken vorbei, erreichte den Bahnhof. Fast drei Stunden hatte die Wanderung bis hierhin gedauert, ich kann sie nur empfehlen.

Das Gastrofreudeli

Der Rest, das war Kür. Mein ganz persönliches Gastrofreudeli. Ich zog durch das Dorf hinab zur Schifflände. Ging von dort ufernah Richtung Osten. Und langte beim Frohsinn an, der mich vollends frohsinnig machte. Das Restaurant hat eine Terrasse mit Seeblick, die Luft war spätsommerlich warm, ich bestellte den Egli und ein Glas leichten Roten und wusste wenig später: Genau so, wie er serviert wurde, hatte ich mir den Fischteller am Morgen früh vorgestellt. Er war mein Happy End.

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Route: Pfyn, Gemeinde (Bus) – Ratzebüel – Unterhörstetten – Oberhörstetten – Aspi – Tägermoos – Eichhof – Steckborn, Bahn.

Wanderzeit3 Stunden.  Zusätzliche Runde via Schifflände Steckborn zum Restaurant Frohsinn und retour: 30 Minuten.

HöhendifferenzJe circa 260 Meter auf- und abwärts.

Wanderkarte: 216 T Frauenfeld, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Angenehme Route mittlerer Länge, keine Probleme.

Höhepunkte: Der Blick von Tägermoos auf den Untersee. Der Fischteller im Restaurant Frohsinn.

Kinder: Funktioniert.

Hund: Funktioniert sowieso.

Einkehr: «Frohsinn» in Steckborn.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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