Der Abfallheld

 

Outdoor

Kilian Jornet gewann am 12. August das Bergrennen Sierre–Zinal bereits zum sechsten Mal. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Kilian Jornet ist seit einigen Wochen mein Held. Nicht nur, weil er das legendäre Bergrennen Sierre–Zinal für sich entschied. Nicht nur, weil er auf der Strecke von 31 Kilometern mit 2200 Höhenmetern zum sechsten Mal triumphierte. Und auch nicht nur, weil er dabei der Konkurrenz keine Chance liess. Der Spanier hat mit einer äusserst ungewöhnlichen Geste mein Herz erobert.

Der 12. August ist ein ungewöhnlich heisser Sommertag, das Rennen von Sierre nach Zinal voll im Gang. Kilian Jornet kämpft nicht nur gegen die Hitze, sondern um die Spitzenposition, schenkt sich nichts – und seinen Mitstreitern auch nicht. An einem Verpflegungsposten fasst er einen Pappbecher, den ihm ein Helfer entgegenstreckt. Der Crack gönnt sich einen Schluck, läuft um die Kurve – die Konkurrenten an seinen Fersen.

Und da passierts: Statt den Pappbecher – wie so viele, die noch folgen werden – zu Boden zu schmeissen, nimmt sich der Spanier die Zeit, seinen Becher zu entsorgen. Er stopft ihn in die kleine Öffnung eines am Wegrand stehenden Abfalleimers, der eigentlich für Hundekot gedacht ist – aber egal!

Eine Geste des Respekts

Es ist zwar der falsche Abfallkübel – aber immerhin. Foto: Pia Wertheimer

Jornet hat mit dieser Geste einen Orden verdient und sollte uns allen als Vorbild dienen. Mitten im Spitzenkampf, in einem Moment, in dem jede Sekunde zählt und volle Konzentration gefragt ist, hat der Spanier nicht nur seinen Erfolg im Kopf – er denkt auch an die Umwelt. An die Natur, die seinem Sport eine atemberaubende Kulisse bietet, die sein Bergrennen unvergesslich macht. Er zollt ihr damit Respekt.

Diesen lassen zu viele Hobbyläufer vermissen – das zeigt ein Blick am Rand jeder Wettkampfstrecke. Die Pappbecher oder Gelverpackungen liegen zu oft im Gras oder in den Büschen. Und nein, dafür muss nicht in erster Linie der Veranstalter geradestehen! Es ist unverständlich, weshalb Läufer, die als 456. ins Ziel kommen, sich nicht die Mühe machen, ihren Müll dorthin zu entsorgen, wo er hingehört.

Es ist nicht schwer, das Richtige zu tun

Meist braucht der Wettkämpfer seinen Becher nicht mal wie Kilian Jornet in den schmalen Spalt eines Abfalleimers zu stopfen. Die Organisatoren machen es den Teilnehmern viel einfacher: Sie stellen für gewöhnlich nach jedem Verpflegungsposten grosse Behälter bereit – ganz en passant kann der Läufer seinen Abfall hinein werfen. Oder sie bezeichnen gar ganze Wegabschnitte nach der Verpflegung als «Mülldeponie». Freiwillige säubern sie dann jeweils nach dem Anlass.

Es ist also ein Kinderspiel, es Kilian Jornet gleich zu tun. Doch in der Anonymität der Masse stehlen sich die laufenden Abfallsünder aus der Verantwortung. Es kümmert sie nicht, was aus dem «Stadion Natur» wird, wenn sie ihren Lauf beendet haben und nach Hause reisen. Denn Hand aufs Herz: Hätten sie die volle Aufmerksamkeit des Publikums oder liefen sie im eigenen Garten, würde der Pappbecher ganz bestimmt sachgerecht entsorgt.

11 Kommentare zu «Der Abfallheld»

  • Andy Stoecklin sagt:

    Warum überhaupt Verpflegungsposten, Soll doch jeder selber im kleinen Rucksack mit Trinksack seine Verpflegung mitführen! Gehe ich auf einen Run sind es die Brunnen die mir etwas Wasser spenden,. Andere dinge brauch ich nicht, auch wenn ich knapp 30 km unterwegs bin. Will ich etwas Isotonisches mit etwas Kohlenhydrate, dann in der Flasche nicht am Bauch, nicht am Rücken, einfach so in der Hand.
    Laufen macht Spass, und das viel mehr ohne Trubel, alleine nur ich und die Strecke!

  • Roland Heer sagt:

    Frau Wertheimer – ist das echt Ihr zur Verfügung stehender Ernst? Wie weit sind „wir“ denn da gekommen?

  • Roland Messmer sagt:

    okay, coole und rührige Geste, das mit dem Kartinbecher… aber der Artikel lenkt definitiv von den wirklich ökologischen Problemen solcher Grossveranstaltungen ab. Die Anreise der Sportler und Zuschauer erfolgt fast ausnahmslos mit dem Auto. Zynisch wird es dann z.B. beim Alpenbrevet, man nervt sich über die Autos auf den Pässen, bis zu den Pässen ist man aber selbst mit Auto gefahren…

  • Der müde Joe sagt:

    Es gibt Läufe, die eine „littering“-policy haben, die bei Nicht-Einhaltung zu Zeitstrafen führt. Z.B. der hier: https://www.eigerultratrail.ch/de/wettkampfreglement.html

    Eine schöne Geste wars trotzdem von Kilian.

  • Rolf Kägi sagt:

    Genial ist u.a auch der Ansatz der IronTrail-Organisation in Davos sowie auch beim Transruinaulta-Marathon. Auf der Strecke werden keine Becher gereicht, sondern die TeilnehmerInnen müssen selber einen mitnehmen. Coole Sache.

  • maia sagt:

    Verstehe ich richtig: Ein Mensch der etwas völlig selbstverständliches tut, ist eine Held? Und nein Markus Keller: das ist von den Veranstaltern nicht so gedacht. Die müssen das tun, weil eben die Läufer/innen eben keinen Respekt und Anstand zeigen. Die Veranstaltungen werden dadurch auch verteuert!

  • Markus Schöpfer sagt:

    Es ist nichts ungewöhnliches, dass man die Becher bei der Verpflegungsstelle auf den Boden wirft. Wie bereits erwähnt entsorgt der Veranstalter die Becher, die auf dem Boden liegen. Es wäre allerdings ungewöhnlich, wenn man beim Training einen kleinen am Laufgurt befestigten Plastiksack mitnehmen würde, und während des Trainings gesichtete Plastikabfälle mitnehmen, und zu Hause entsorgen würde. (einfach so viel, bis der Sack voll ist). Ich habe es noch nie gemacht, aber in anderen Ländern ist das bereits verbreitet, und warum sollte das bei uns keinen Sinn machen. Ich nehme mir vor, dies in Zukunft zu tun….

  • Bruno Bleiker sagt:

    Es gibt nicht nur die Läufer, sondern auch die Rennradfahrer. Am Samstag war wieder Alpenbrevet und obwohl der Veranstalter geschrieben hat, das der Abfall mit zu nehmen sei und bei Zuwiderhandlung Diskualifikation droht, lagen wieder leere Gelpacks auf der Strasse. Gerade an so einem Anlass kann man nicht erwarten, das der Veranstalter auf der Gesamtstrecke von 260 km hinterher aufräumen geht. Radfahren gilt als umweltbewusster Sport, also bitte nehmt Euren Abfall mit und zwar in Eurem eigenen Interesse. Sonst gibt die Polizei in Zukunft keine Bewilligung mehr für diesen Anlass und das wäre schade.

  • Roman sagt:

    Also bei Wettkämpfen ist das ja kein Problem. Man wirfts in die grossen Behälter. Falls man die nicht trifft ists auch nicht so schlimm. Ist auch Job der Helfer da aufzuräumen. Dafür wird ja auch bezahlt.

    Ausserhalb der Rennen ists aber ganz was anderes. Trotzdem schöne Geste.

  • Markus Keller sagt:

    Es hat nichts mit mangelndem Respekt für die Natur zu tun, wenn man während einem Lauf den Becher nach der Verpflegungsstation auf den Boden schmeisst. Das ist von den Veranstaltern so gedacht und die Becher werden anschliessend von Helfern entsorgt. Ich wünsche einen schönen Tag.

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