Wo wandern rentiert

Ob Goldrausch oder körperliche Ertüchtigung: In der Surselva lockt eine Tour, die buchstäblich rentiert. (Foto: iStock)

Die Ausrüstung. Die Anreise. Das Picknick. Die Einkehr. Die Rückreise. Die Massage danach. Alles kostet, nichts davon rentiert. So ist das beim Wandern – in der Regel. Anders in der Surselva, bei Sumvitg: Dort gibt es nämlich eine Tour, die buchstäblich rentiert. Eine, bei der Sie sogar mit dreifacher Rendite davonkommen. Dies, wenn Sie über «Rentiert Davon» nach «Rentiert Dadens» wandern, und dann, um der Sache sozusagen die Spitze aufzusetzen, auch noch den Piz Rentiert erklimmen.

Der Lappi, der an Lappland denkt, könnte meinen, es seien vielleicht Rentiere, die rentieren, auf der Alp Rentiert. Quasi eine Art rentable Marktnische findiger Älpler. Aber eben, wir sind nicht in Lappland. Aber vielleicht Klondike, Karibus statt Rentiere – und Goldnuggets? Bingo, die Kasse klingelt schon fast, denn: Neben dem Napfgebiet gilt die Gegend wahrhaftig als «Tummelplatz für Goldwäscher», wie die NZZ 2014 berichtete. Tatsächlich Goldnuggets – und das ausgerechnet an den Hängen des Piz Rentiert, in den Bächen unter der Alp Rentiert!

Nichts als Schall und Rauch?

Aber bevor Sie sich fiebrig in den Goldrausch stürzen, sich Hals über Kopf auf nach Sumvitg machen und am Piz Rentiert Ihren Claim abstecken, um die goldige Rendite einzustreichen: Sie sind zu spät. Denn das Sumvitger Goldräuschchen wurde auf gut schweizerische Art bereits im Keime erstickt. Dies, weil das «Problem der gierigen Goldwäscher» in den letzten Jahren so «akut» geworden sei, dass die Gemeinde Sumvitg zu «rigorosen Verboten» greifen musste. Das kommunale «Gesetz über das Strahlen und Goldwaschen» statuiert inzwischen eine «Bewilligungspflicht für Goldwäscher» (nicht aber für Geldwäscher) und belegt, so die Website der Gemeinde, weite Teile des Gemeindegebiets mit einem «Goldwaschverbot». Darunter – welch bittere Ironie! – ausgerechnet auch die Täler um die Alpen Rentiert Davon und Rentiert Dadens.

Piz Rentiert, Rentiert Davon, Rentiert Dadens – nichts als Schall und Rauch also? Jein: Zwar hat der Flurname «Rentiert» mit rentieren in der Tat ebenso wenig zu tun wie mit Rentieren. Der Name kommt, so der einschlägige Clubführer des SAC, ganz profan und nicht-pekuniär von «Rein» (romanisch für den Rhein) und «tiert» (gewunden). Sie können also, um es etwas gewunden auszudrücken, höchstens mit nicht-pekuniären Renditen rechnen: Erholung, Naturerlebnis und körperliche Ertüchtigung. Aber wer weiss: Vielleicht lassen sich damit eine Woche Fitnessstudio oder eine Sitzung beim Psychologen einsparen – womit die Sache sich dann doch auch pekuniär wieder rentieren könnte…

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Route: Ausgangspunkt ist Tenigerbad (Alpentaxi, www.busalpin.ch). Die Alpen Rentiert und Rentiert Dadens liegen am viel begangenen Hüttenweg zur Medelserhütte. Von ersterer lässt sich die Graskuppe Rentiert Davon (Pt. 2196) weglos erreichen. Der Piz Rentiert wird von Rentiert Dadens angegangen: über Pt. 2230, Blockschutt und eine Rasenhalde auf den Nordgrat und auf den Gipfel (T5, teilweise Schafpfade auf der Ostseite). Überschreitung via Piz Stavelatsch – Fuorcla Stavelatsch zur Medelserhütte möglich, ebenfalls T5, s. SAC-Clubführer Bündner Alpen 2.

Einkehr: Medelserhütte SAC, www.medelserhuette.ch. Das ehemalige Kurhaus Tenigerbad ist seit Jahren verwaist.

Lektüre: www.sumvitg.ch, Suchbegriff: Gold.

 

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