Der Boulder-Slang – von Arête bis Undercling

Ein «Arête» im Magic Wood bei Ausserferrera. Foto: Thomas Egli

Boulder, das Klettern in seiner «reinsten» Form, wie viele es beschreiben, beschränkt sich auf das Wesentliche. Man kann es alleine oder in Gruppen, drinnen oder draussen ausüben. Schaut man sich in den Boulderhallen um, sieht man, dass der Sport im Trend liegt – doch besteht das Bouldern für viele nur aus dem Erklettern von Holzwänden mit Plastikgriffen, obwohl wir hier in der Schweiz einige international bekannte, grossartige Bouldergebiete haben.

Ich möchte in dieser kleinen Blog-Serie auf das Bouldern als Sportart eingehen und aufzeigen, wie es sich von anderen Kletterdisziplinen wie zum Beispiel dem Sport- oder Trad-Klettern abhebt.

Die Beiträge sollen Einsteiger wie auch fortgeschrittene Boulderer dazu ermutigen, sich draussen am Fels zu versuchen – und sich dabei korrekt zu verhalten. Mein erster Artikel widmet sich den wichtigsten Ausdrücken des Boulderns. Ein kleines Glossar für Einsteiger quasi. Hier die wichtigsten Ausdrücke. 

Equipment: Magnesium, Kletterschuhe und Boulderpad. Foto: Thomas Egli

Arête

Ein Boulderproblem – wenn entlang der Ecke eines Felsens in vertikale Richtung geklettert wird.

Beta

Das, was man bekommt, wenn man einen Boulderer fragt, wie er eine Route geklettert hat. Die Lösung eines Problems, eine Sequenz, Tricks, Bewegungsabläufe. Je nach Grösse und Eigenschaften eines Körpers können Boulderprobleme auf ganz unterschiedliche Arten gelöst werden.

Boulder

Ursprünglich ein freistehender Felsbrocken, an dem man hochklettern kann. Viele nennen auch Boulderprobleme in Kletterhallen «Boulder», was eigentlich nicht korrekt ist. Oft klettert man draussen aber auch Teile von Felswänden, die nicht freistehend sind.

Bürsten

Vor dem Klettern eines Problems werden die Griffe gebürstet, um Magnesium, Schmutz und Schweiss loszuwerden, damit man möglichst viel Halt findet.

Crashpad

Eine Matte, die man mit sich herumträgt und während des Kletterns so platziert, dass man sicher darauf landet.

Crimp

«Crimp» – ein schmaler Griff, auf dem nur die Fingerspitzen Platz finden. Foto: Marc Fehr

Eine schmale Kante, auf der nur die Fingerspitzen Platz findet.

Crux

Die «Crux» eines Kletterproblems – das schwierigste Stück.

Dyno

Das dynamische Greifen eines Griffes, bei dem der Kletterer einen Griff so schnell wie möglich greift oder gar anspringt. Bei einem Aerial oder Jump-Dyno verlassen sowohl Hände als auch Füsse den Fels für kurze Zeit komplett – man springt wortwörtlich zum nächsten Griff.

Flag (Flagge)

Das Ausstrecken eines Beins in eine Richtung, um die Körperposition zu stabilisieren. Oft streckt man das eine Bein in die entgegengesetzte Richtung, um die Balance zu behalten.

Flash

Wird ein «Problem» auf Anhieb gelöst, das heisst, die Route aufs erste Mal geklettert, nennt man das einen Flash.

Font-Grades

Boulderprobleme werden meistens nach der französischen Font-Skala eingestuft. Diese reicht von 1 bis 9A und stammt aus dem bekannten Bouldergebiet Fontaineblau (Font, Bleau genannt) südlich von Paris. Diese Skala wird in den meisten europäischen Gebieten verwendet.

Foothold

Ein Griff bzw. Tritt, der für die Füsse gedacht ist. In der Halle oft kleine Plastikgriffe, am Fels manchmal nur ein kleiner Kristall im Gestein. Auf Footholds findet man oft schwarze Gummirückstände.

Gaston

Ein «Gaston», an dem man sein Körpergewicht mit der linken Hand nach rechts zieht. Foto: Marc Fehr

Ein Griff, der seitlich «gezogen» wird. Der Kletterer zieht sein Gewicht gegen seinen Rumpf. Stellt man sich einen Türrahmen vor und stellt sich davor, greift sich ein Gaston mit der Handfläche nach vorne und dem Daumen nach unten, wobei man sein Gewicht in Richtung Türmitte zieht.

Griff

Ein Griff für Hand oder Fuss (Foothold, Handhold), der für die ausgewählte Route verwendet werden darf. In der Halle in der Regel aus Plastik, am Fels bestehend aus den natürlichen Begebenheiten des Boulders.

Handhold

Ein Griff für die Hände, oft weiss vom Magnesium und einfach erkennbar.

Heel hook

Eine Technik, bei der man seine Ferse «hookt». Also mit der Ferse so einhakt, dass man daraus Stabilität gewinnt und sich daran hochziehen kann. Wird oft bei überhängenden Routen eingesetzt, um die Kraft der Beine nutzen zu können.

Jug

Ein grosser Griff, an dem die ganze Hand Platz findet. Abgeleitet aus dem englischen «jug»: Krug, Eimer.

Mantel (engl.)

Ein Bewegungsablauf, bei dem der Kletterer sich selbst über eine Kante «stemmt». Man geht dabei vom Ziehen zu einem Drücken über, ähnlich wie wenn man sich selbst aus einem Schwimmbecken bewegen möchte. Man zieht, bis das Gewicht oben ist, dann drückt man nach unten.

Pinch

Griffe, die durch das «Kneifen» durch Daumen und die restlichen Finger zugedrückt werden. Man verwendet den Daumen und die restlichen Finger als eine Art Kneifzange, um sich festzuhalten.

Pocket

Ein Griff, der aus einem Loch besteht, in das zwei bis vier Finger passen. Passt nur ein Finger hinein, nennt man es einen «Mono».

Schwierigkeitsgrad

Die Einordnung eines Boulderproblems nach seiner Schwierigkeit. Beim Bouldern, gerade in Europa, verwendet man dazu oftmals die Fontainebleau-Skala (siehe Font-Grades).

Send

Hat man ein Boulderproblem von Anfang bis Schluss geklettert, ist das ein «Send». Kletterer nennen das auch einen «Red Point».

Sidepull

Man zieht sich seitwärts zu einem Griff hin. Die umgekehrte Bewegung eines «Gastons».

Sitzstart, Stehstart

Definiert, ob eine Route im Sitzen oder im Stehen begonnen werden muss.

Sloper

Ein sogenannter Sloper – ein abfallender Griff ohne Kante, an dem man sich mit der Fläche der Hand festhält. Foto: Marc Fehr

Ein Griff, an dem man sich mit der Handfläche festhalten muss. Die durch das Gewicht erzeugte Reibung verhindert das Abrutschen. Sloper kommt von «slope», englisch für Piste. Ein Griff ohne Kante, abfallend und oftmals abgerundet.

Spotten

Das Absichern eines Kletterers, während er ein Boulderproblem klettert. Man versucht dabei, den allfälligen Fall vorauszusehen und den Fallenden in der Luft so zu leiten, dass er sicher auf der Matte landet.

Top-Out

Das «Ausklettern» eines Problems. Toppt man ein Boulderproblem «out», steht man am Ende auf dem Fels und sucht sich einen Weg zurück nach unten. In der Halle springt man üblicherweise auf die Matte zurück.

Topo

Von Topografie, oftmals gesammelt in sogenannten Guidebooks. Karten, Fotos und Zeichnungen von Bouldergebieten (bouldering areas) und Felsblöcken. Zeigen, wo sie sind und wie sie geklettert werden. Die Routen sind meistens mit den entsprechenden Schwierigkeiten (grades) angegeben.

Traverse

Ein Problem, bei dem man in horizontale Richtung, zum Beispiel entlang einer Kante oder eines Risses, klettert.

Undercling

Ein Griff unterhalb der eigenen Körpermitte, der mit der Handfläche gegen oben gehalten wird, die Daumen nach aussen gerichtet. Man zieht sich daran hoch, indem man gleichzeitig mit den Beinen drückt.

Der Eingang zu einem der bekanntesten Boulder-Gebiete der Schweiz, dem Magic Wood in Ausserferrera. Foto: Thomas Egli

5 Kommentare zu «Der Boulder-Slang – von Arête bis Undercling»

  • TT sagt:

    Es fehlt noch die korrekte Aussprache der Sportart: „Bowldern“. Schweizer sagen meistens „Buldern“.

  • Martin Fuchs sagt:

    Korrektur: „slope“ im Englischen bedeutet nicht nur Piste. Sondern auch Hang oder Neigung. Das entspricht auch eher dem Fall eines slopers – weil der eben geneigt ist. Liebe Grüsse von einem Tüpflischyyser , der das Bouldern nur mal probiert hat.

  • Stuephi sagt:

    Boah, wie kann man den Toehook vergessen?

  • Roland K. Moser sagt:

    Was ist ein Interaction Designer?

    • Marc Fehr sagt:

      Diese Frage höre ich öfters. Ich stelle mir darunter jemanden vor, der die Mensch-Computer-Interaktion so gestaltet, dass es für beide Sinn macht.

      Angesiedelt zwischen Webdesign, Programmierung und Grafikdesign. Als Interaction Designer baue ich Webseiten, gestalt Grafiken, oder konzipiere und Programmiere Applikationen fürs Internet.

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