Wo man Schinken im Asphalt kocht

Wanderung inklusive Bergwerk-Besichtigung im Val de Travers (NE).

  • Noiraigue, Bahnhof, Wanderstart.

  • Die Areuse, gemütlich-träg, ist das Gewässer des Val de Travers.

  • Herbststimmung auf dem Weg zur Asphaltmine (Rückblick).

  • Bei der Mine.

  • Das einstige Festessen der Mineure: Schinken, gekocht im Asphalt.

  • Die Hülle, in der der Schinken steckte.

  • Nun geht es in die Asphaltmine.

  • Ehemalige Förderwägeli und...

  • ... alte Werkzeuge.

  • Das Helmlager: Nach der Besichtigung deponieren wir hier unseren Kopfschutz.

Manche Tage im Leben haben einen Moment, der sie definiert. Anlässlich unserer Unternehmung im Val de Travers war dies der Moment, als Führer Maurizio – natürlich nach Vorankündigung – im stillgelegten Asphaltbergwerk von La Presta das Licht abstellte. Die Finsternis war total. Bis ein Witzbold seinen Handybildschirm aktivierte und den Zauber zerstörte.

Und damit zum Anfang des Tages im strahlenden Sehr-Spät-Herbst. Wir, mein Grüpplein und ich, fuhren nach Neuenburg und stiegen um. Immer wieder gut, die Fahrt ins Val de Travers. Wie der Zug plötzlich von der lichten Welt des Neuenburgersees wegzieht und den Jurariegel zur Rechten anvisiert, als wollte er ihn rammen. Eng das Tal, das ihn doch einlässt: ein Korridor mit bewaldeten Kalkwänden und dem verträumt-schlammigen Flüsschen Areuse. Das Val de Travers ist so entlegen wie charaktervoll.

Raschellaub und klaffende Felsbänder

Programmpunkt Nummer eins: eine Wanderung mit Start am Bahnhof von Noiraigue. Dort freuten wir uns über die Kombination aus gleissender Sonne und Vormittagskühle. Im Folgenden führte uns der Weg durchs Raschellaub taleinwärts. Mal gingen wir nah an der Areuse, mal ein wenig weiter entfernt; die meiste Zeit war das Tal weit, im Abschnitt von Sur le Vau aber klusartig eng. Spektakulär im Übrigen an einigen Stellen die klaffenden Felsbänder in den Hangflanken.

Zwei Stunden beschwingten Gehens, dann kamen wir bei den Asphaltminen von La Presta an; verschattet lagen die Gebäude am Hang. Wir hatten Hunger, wir hatten Zeit für einen Zmittag – und wir wussten bereits, was wir bestellen würden: den berühmten, im 180-grädigen Asphalt über vier Stunden gekochten Beinschinken nach Art der Mineure. Die bereiteten ihn so freilich bloss am 4. Dezember zu, am Tag ihrer Schutzpatronin, der heiligen Barbara. Heutzutage ist er eine Touristenattraktion, gut fünf Tonnen Asphalt-Schinken werden pro Jahr serviert.

Einen Absinth und dann ab in den Berg

Keine Angst! Zwischen das Fleisch und die schwarze Tunke sind mehrere Lagen Backpapier geschaltet; früher waren es Zeitungen. Auch wird das solcherart geschützte Fleisch zusätzlich in Mehlsäcke gehüllt. Am Schluss, wieder ausgepackt, ist es durch die spezielle Art der Hülle und die gleichmässige Kochtemperatur herrlich saftig. Wir waren begeistert. Und am Ende so satt, dass wir einen Absinth nahmen, jenen Schnaps, für den das Val de Travers bekannt ist. Was für ein Brennstoff. Er wärmte uns für den Gang in den Berg.

Was uns Maurizio erzählte auf seiner Führung, die samt dem Besuch des kleinen Museums gut anderthalb Stunden dauerte – ich kann es hier nicht vollständig ausbreiten. Aber jedenfalls möchte ich das kleine Abenteuer empfehlen. Wir gingen unter Tag doch gut einen Kilometer (von insgesamt 100 Stollenkilometern), trugen selbstverständlich einen Helm und waren fasziniert von den Loren und den Pickeln und Bohrern, die wirkten, als hätten die Mineure sie eben erst fallen lassen. Im 19. Jahrhundert kam das Bergwerk für ein Fünftel der globalen Asphaltproduktion auf. 1986 wurde es endgültig stillgelegt; im Jahrzehnt zuvor waren noch Grubenpferde im Einsatz gestanden.

Der perfekte Dreiteiler

Als wir wieder ins Freie traten, war uns ein wenig klamm, die Temperatur im Berg beträgt durchgehend acht Grad. Ein kurzer Antritt, in weniger als zehn Minuten gelangten wir zur Bahnhaltestelle La Presta Mines d’asphalte. Dort waren wir uns einig: Dies war ein Dreiteiler von perfekter Dramaturgie.

++

RouteNoiraigue, Bahnhof – Sur le Vau – Midi du Pont – La Presta, Asphaltminen.

Wanderzeit: 2 Stunden.

Höhendifferenz: Praktisch keine.

Wanderkarte241 T, Val de Travers, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Charakter: Schöner Dreiteiler. Zuerst eine leichte Wanderung, dann Einkehr und Schinken im Asphaltmantel, schliesslich die Visite im alten Bergwerk.

Höhepunkte: Natürlich der Schinken. Und danach der Gang durch die Stollen.

Kinder: Keine Probleme.

Hund: Die Bergwerkbesichtigung ist nichts für den Hund.

Minenrestaurant und Bergwerkbesichtigung: Den Schinken im Asphalt gibt es im Minenrestaurant zu dieser Jahreszeit Mo bis Do auf Reservation für Gruppen, Fr bis So normalerweise aber immer. Am besten vorher anrufen und fragen. 032 864 90 64. – Bergwerkbesichtigung: In der kalten Jahreszeit jeweils um 14 Uhr. Mo bis Do nur mit Reservation. Fr bis So immer.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Blog.

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