Glarner Wunderland

Diese Woche von Elm-Obererbs über den Richetlipass nach Linthal GL

  • Skihütte Elm-Obererbs: Startort zur Passwanderung, erschlossen per Bus.

  • Bachquerung im Chüetel.

  • Die Wichlenmatt, eine weite Fläche inmitten von Bergen.

  • Gleich sind wir auf dem Richetli.

  • Tiefblick auf der anderen Seite Richtung Durnachtal.

  • Weiter unten, das Durnachtal kommt näher.

  • Heikle Passage, an einer Stelle ist sie kettengesichert.

  • Der Durnagel, der Bach des Durnachtals.

  • Diese Frau hat offensichtlich gute Laune.

  • Im unteren Durnachtal gehen wir mit Blick auf die Terrasse von Braunwald.

  • Am Schluss wird die Sache wieder ruppig.

  • Schöner Wandertunnel.

  • Wir sind im Tal der Linth und bald in Linthal.

Den Richetlipass von Elm nach Linthal, diesen Klassiker der Glarner, habe ich mehrere Male gemacht. Das Wetter war jedes Mal anders, die Augen erblickten dieselbe Landschaft stets neu. Von allen Überquerungen die schönste war diejenige bei zweifelhaftem Herbstwetter. Von ihr möchte ich erzählen. Von den Wolken, die über den Himmel nicht zogen, sondern schossen. Vom Wind, der uns die Kapuzen vom Kopf reissen wollte. Vom Duell der Sonne gegen den Nieselregen; die Berge changierten im wechselnden Licht zwischen Hellgrau und Anthrazit.

Wir erlaubten uns den Luxus, statt in Elm bei der Skihütte Obererbs zu starten und also 700 Höhenmeter zu sparen. So machen es die meisten Richetliwanderer. Der Bus 9 Uhr 03 ab Schwanden ist ein verlängerter Kurs; er trug uns durch Elm hindurch und hinauf zur Hütte. Die Schweizer Fahne knatterte im Wind, wir tranken drinnen einen Kafi und liebten die Hüttenwärme.

Unheimlich nette Glarner

Alsbald ging es los. Wir hielten in einen Weidekessel namens Chüetel, vollzogen an dessen steilen Rändern eine Kurve nach links, querten derweil zwei Gebirgsbäche. Ganz nah am Erbser Stock erreichten wir eine Anhöhe und konnten durchatmen. Zu unseren Füssen hatten wir ein weites Feuchttal, die Wichlenmatt.

Der Niesel wurde stärker. Auf der Wichlenmatt kamen wir zu einer Hütte. Männer waren am Aufräumen und Putzen, wir fragten, ob wir uns draussen ein bisschen an die windgeschützte Wand stellen dürften für unsere Rast. Die Männer, Jäger vermutlich, erlaubten dies keineswegs, sondern taten viel mehr für uns: Sie baten uns herein und wiesen uns in die gute Nebenstube. Dort assen wir unsere Schoggiriegel und Käsebrote. Und wir fanden, dass die Glarner unglaublich nette Leute sind.

Sprungschanze ins Nichts

Den Richetlipass sahen wir als Krete am Ende der Wichlenmatt vor uns. In halb erdigen, halb kiesigen Kehren gelangten wir hinauf. Das war die eine, die leichtere Hälfte des Abenteuers.

Die andere begann sogleich. Tief unten erkannten wir ein kleines Stück des Durnachtals mit seinem Wildbach, dem Durnagel. Der Abstieg kam uns unendlich vor. Einmal gingen wir auf einem sich verengenden Bergrücken, einer Art Sprungschanze ins Nichts; wundersamerweise setzte sich der Pfad ganz vorn doch fort. Weiter unten waren wir in einer abschüssigen Felspassage froh um die Kettensicherung.

Der anschmiegsame Hund

Das Durnachtal machte uns froh durch seine Gemässigtheit; lange ging es nun sanft vorwärts und abwärts auf dem gekiesten Fahrweg; gegenüber erblickten wir die Terrasse des Ferienortes Braunwald. Beim Längstafel eine kleine Überraschung: der Kiosk der Alp Vorderdurnachtal. Wir tranken etwas. Ein junger Hund gesellte sich zu uns, schmiegte sich an die Knie, wollte gestreichelt werden.

Endlich begann der zweite happige Abstieg. Wir zweigten links ab vom Fahrweg, gelangten in einen Steilwald, kamen dem Durnagel immer näher, einem Wüterich, der mittlerweile mit unzähligen Betonsperren einigermassen gezähmt ist; eindrücklich die Kraft der Natur und der Versuch des Menschen, Gegengewalt zu setzen.

Wunderland, wieder einmal

Ein Felstunnel noch, dann zeigte sich das Tal der Linth, sanftmütiges Grün mit einzelnen die Weiden trennenden Trockenmäuerchen. Kurz darauf gelangen wir bei der Station Linthal an und also beim Zug, der uns direkt nach Zürich tragen würde. Dieses Land ist ein Wunder – es besteht aus Welten, die sich nah sind und dabei unglaublich verschieden.

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Route: Elm, Skihütte Obererbs – Chüetel – Wichlenmatt – Richetlipass – Durnachtal – Linthal, Station.

Wanderzeit: 5 3/4 Stunden.

Höhendifferenz: 720 Meter auf-, 1775 abwärts.

Wanderkarte: 247 T Sardona und 246 T Klausenpass, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Anreise: Am Morgen gibt es einen passenden Bus 9.03 ab Schwanden, der über Elm hinaus bis zur Skihütte Obererbs verlängert wird.

Retour: S-Bahn Linthal – Schwanden – Glarus – Ziegelbrücke – Zürich.

Charakter: Ungeheures Szenario, ein grossartiger Schweizer Pass. Sehr anstrengend im Abstieg. Heikle Stelle im Abstieg vor dem Durnachtal, sie ist aber gut gesichert und nur schwach ausgesetzt.

Höhepunkte: Der Startkafi in der Skihütte Obererbs. Der Anblick der weiten Wichlenmatt. Die Ankunft auf der Passhütte samt der Ahnung, dass der Abstieg so schön wie anstrengend wird. Die Kurzeinkehr im Kiosk der Alp Vorderdurnachtal.

Kinder: Falls sie bergtauglich und fit sind.

Hund: Für den Hund gilt dasselbe wie für die Kinder.

Einkehr: Am Anfang (Skihütte Obererbs) und Ende. – Kiosk Alp Vorderdurnachtal: bei gutem Wetter bis circa Ende September. – Am Schluss in Linthal.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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