Kamels Kamele

Diese Woche von Oberglatt nach Oberrüti (ZH)

  • Es wird noch schöner: Unterführung in Oberglatt

  • Der Hirschen Oberglatt.

  • In der Hirschenbrücke.

  • Die Glatt aus der Brücke besehen.

  • Ben's Kamelfarm.

  • Voilà die Kamele.

  • Am Flughafenzaun.

  • Im Planespotterbeizli Route 90 Grill and More.

  • Das Beizli.

  • Hier kommt einer.

  • Schöne Lichter der Reisewelt.

  • Kurz vor Seeb.

  • Der Abstecher zum Gutshof Seeb lohnt.

  • Römische Mauern.

  • Der Hecht in Seeb ist eine der ältesten Wirtschaften der Schweiz.

  • Blick auf Seeb.

  • Oberrüti. Bald sind wir beim Bus. Wir könnten auch zum Flughafen weiterlaufen.

Der Tag im April ist bereits fixiert, ich werde meine beiden Neffen in Uhwiesen abholen, wo meine Schwester mit ihrer Familie wohnt. Und dann werden wir drei Männer nach Oberglatt fahren und am Bahnhof loslaufen – zwei Überraschungen warten.
Nun hoffe ich, dass die Buben diesen Artikel nicht sehen. Sonst wären die Überraschungen dahin.
Jedenfalls startete ich vor einiger Zeit in Oberglatt zu einer kleinen Wanderung, die den anstehenden Ausflug mit den Neffen inspiriert. Der Anfang war nicht berauschend, die Unterführung fand ich beklemmend. Bei der Sport- und Erholungsanlage Chliriet sah ich an der einen Aussenwand einen Bildschirm. Ich trat näher, gezeigt wurde ein altes Foto: Oberglatt 1924. Wie reizend klein das Dorf einst war mit Feldern rundum.

Oberglatt damals

Vor der Glatt passierte ich den Hirschen und betrat die überdachte Hirschenbrücke. Hernach war ich in der Grafschaft, wie dieser Ortsteil von Oberglatt heisst. Und gleich kam ein Schild, das mich zu einem Abstecher nach rechts weg vom Wanderweg verleitete: «Ben’s Kamelfarm».
Hier will ich mit meinen Neffen hin, die Farm bietet Kamelritte an. Für mich selber ist das kein Thema: In Ägypten bei den Pyramiden stieg ich ein paar Mal auf ein Kamel, die Ägypter grinsten fies, und der Kamelführer rief hinauf: «Give me more Bakschisch.» Zahlte man nicht nach, trieb er das Kamel in eine unsanfte Gangart, sodass man einen Sturz riskierte.

Die Kamelfarm von Oberglatt wird von einem gebürtigen Südtunesier geführt; er heisst Kamel Ben Salem. Der arabische Name bedeutet nicht etwa «Kamel», sondern «Vollkommenheit». Auf der Farm kann man übrigens auch – gefrorene – Kamelmilch kaufen. So weit Überraschung eins für die Neffen.

Punsch unter den Flugzeugen

Ich wanderte weiter, langte am Zaun des Flughafens an und erreichte einige Zeit später, wieder auf dem Wanderweg, Überraschung zwei. Nämlich das Planespotter-Beizli «Route 90 Grill and More» am Nordende des Flughafens. Drinnen nahm ich einen Punsch. Ein Bildschirm zeigte, welche Flugzeuge grad im Anflug waren. Zum Greifen nah sanken sie über uns Richtung Piste.
Durch den Wald und über sumpfigen Boden kam ich nach Seeb und beschloss, wieder einen Abstecher zu machen, zum römischen Gutshof, weit ist das nicht. Ich kenne die Anlage schon: ein Geviert mit Herrenhaus und Nebengebäuden und Ställen, einem Badehaus, einem Kalkofen.

Stützlifüfzg

Wäre der Gutshof die dritte Überraschung für die Neffen? Archäologie ist kein Kinder-Event, ich könnte mir vorstellen, dass die Buben das, was mich begeistert, langweilig fänden. In Seeb nahm ich an der Strasse einen Kaffee im Hecht. Seit 600 Jahren ist er eine Wirtschaft. Der Zweitname «Stützli­füfzg» reicht zurück in den Zweiten Weltkrieg, als die Soldaten hier gern tranken. Drei Bier kosteten einen Franken fünfzig, die Wirtin sprach beim Einkassieren von einem «Stützlifüfzg»; ich habe das in einer früheren Kolumne erwähnt.
Langsam kam die Sonne. Ich fand eine hübsche Verlängerung, den Wanderweg hinauf nach Oberrüti. Unterwegs kam ich an einer Christbaumplantage vorbei und dachte: Ja, die nächsten Weihnachten kommen schneller, als man meint. Aber zuerst soll es jetzt April werden. Ich freue mich auf die Neffen.

Der Tag im April ist bereits fixiert, ich werde meine beiden Neffen in Uhwiesen abholen, wo meine Schwester mit ihrer Familie wohnt. Und dann werden wir drei Männer nach Oberglatt fahren und am Bahnhof loslaufen – zwei Überraschungen warten. Nun hoffe ich, dass die Buben diesen Artikel nicht sehen. Sonst wäre die Überraschung dahin.

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Route: Oberglatt, Station – Sportanlage Chliriet – Sack – Hirschenbrücke über die Glatt – Grafschaft – Umweg Richtung Hof/Zälgli zu Ben’s Kamelfarm – Neuwies – Gmeindhau – Breiten (hier mündet der Umweg wieder in den Wanderweg) – Route 90 Grill and More – Mooren – Seeb – Abstecher zum römischen Gutshof und retour nach Seeb – Hungerbühl – Hofwies – Oberrüti (Busstation «Winkel, Oberrüti»).

Wanderzeit: 2 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: 178 Meter auf-, 130 abwärts.

Gute Fortsetzung: Von Oberrüti via Homberg und Nägelimoos in 1 3/4 Stunden zum Flughafen Zürich.

Wanderkarte: 215 T Baden, 1: 50 000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Von Oberrüti mit dem Bus zum Flughafen Zürich.

Charakter: Ein wilder Mix. Agglo, Moorflächen, Wald, die Pisten des Flughafens mit röhrenden Maschinen und der Waffenplatz von Kloten-Bülach.

Kamelfarm: Ben’s Kamelfarm ist offen bis 31. Oktober, Mi bis So offen 13.00 bis 18.00 Uhr.

Ausgrabung: Der römische Gutshof bei Seeb ist auch ein Freiluftmuseum. Ein Teil der Ausgrabungen wird durch einen Bau geschützt, er ist bis Ende Oktober Sa von 13 bis 17 Uhr und So von 11 bis 17 Uhr. Bei Regenwetter ist er geschlossen, dann kann man immerhin die Mauern anschauen und Infoplakate lesen.

Höhepunkte: Der Anblick der trägen Glatt. Die Kamelfarm. Und die einschwebenden Flugzeuge vom Beizli am Nordende des Flughafens aus.

Kinder: Perfekt.

Hund: Ohne Kamele sicher passend.

Einkehr: Zum Beispiel im historischen Hecht in Seeb (Gemeinde Winkel). Ruhetag Mo.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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