Die Wiederauferstehung der Nase

Diese Woche von Aarau durch die Aare-Auen nach Rupperswil (AG)

  • Aarau, der Bahnhofplatz mit der markanten Wolke als Dach.

  • Aarau, unten an der Aare.

  • Das Wehr bei Aarau.

  • Ein Hochhaus im Telli, einem Aarauer Quartier.

  • Die renaturierte Suhre bei der Einmündung in die Aare.

  • Die Kirche von Kirchberg, in die sich die Reformierten von Biberstein und Küttigen teilen.

  • Der Altarm der Aare einige Zeit vor Rupperswil.

  • Bevor wir am Ziel sind, geht es einige Zeit humorlos gradaus.

  • Rupperswil.

  • Die alte Spinnerei.

  • Wo essen? Rechts die Pizzeria Il Posto, links vorn der Bären.

  • Schöne Kirche.

  • Exponat am Bahnhof Rupperswil.

Noch Wochen danach sehe ich den tiefblauen Fluss vor mir. Den winterlich reduzierten Wald. Die Halme und Farne. Die im Biswind tanzenden Schilfflächen. Die Fischtreppen. Die Tümpel. Die vereisten Pfützen. Und die von Grundwasser gespiesenen, zum Teil kanalartig gefassten Bäche; man nennt sie «Giessen».

Ich rede von den Auen an der Aare zwischen Aarau und Wildegg. Dies ist das grösste Auengebiet des Aargaus und sicher eines der schönsten im Land. Ich hatte davon keine Ahnung, als ich losmarschierte; mir war bloss die vage Idee gekommen, ein wenig flusszuwandern. Am Ende war ich begeistert.

Weil es auf dieser Route so viel zu sehen und so oft innezuhalten gibt, habe ich beschlossen, hier vorerst den Abschnitt von Aarau bis Rupperswil zu behandeln. Mitte Februar will ich die Fortsetzung liefern.

Zuerst noch etwas Kunst

Vorgeschaltet empfehle ich in Aarau eine Exkursion. Ich bin ein Kunstmuffel, doch das Aargauer Kunsthaus zehn Minuten vom Bahnhof entfernt besuche ich immer wieder. Es hat mich noch nie gelangweilt. Vieles habe ich dank ihm entdeckt: die madonnenartigen Frauenporträts von Hans Schärer zum Beispiel, in denen sich Art Brut und Voodoo kreuzen.

Nun zur Wanderung: Der Weg vom Bahnhof Aarau hinab zur Aare ist ausgeschildert. Die verschneiten Jurahöger vor Augen, geraten wir unten stracks in die Auen. Die Stimmung ist jetzt im Winter besonders schön, die Waldstücke sind still, die Natur ruht sich aus – und ah ja, fast hätte ich es vergessen: Abgesehen vom Anfang und Ende hat es auf diesem Weg keinen Hartbelag.

Fisch als Dünger

Der Höhepunkte sind bis Rupperswil viele. Hier nur zwei. Erstens: Die Einmündung der Suhre in die Aare ist ein Bijou. Man hat sie nicht zuletzt um der Nase willen renaturiert; ich meine den Fisch, den die Bauern noch in den Fünfzigerjahren mit der Heugabel fischten, so dicht standen die Schwärme.

Und was taten sie mit dem Fang? Nein, sie assen die Nasen nicht, denn die haben viele Gräten. Körbeweise endeten die Fische auf den Feldern, als Dünger.

Heute ist die Nase vom Aussterben bedroht. An diesem Ort laicht sie wieder, sie schwimmt dazu aus dem grossen Fluss in den kleinen mit seinen strömungsarmen Winkeln.

Kleinhelikopter der Tierwelt

So sieht sie übrigens aus, die Nase. Foto: André Karwath (Wikipedia)

Nach der Brücke hinüber nach Biberstein zieht der signalisierte Weg vom Ufer weg. Das Aarschächli, gefangen zwischen der Aare und ihrem südlichen Altarm, überrascht mit einem riedumstandenen Seelein. Das Kleinparadies, Höhepunkt zwei, wurde schwer beeinträchtigt durch sture Verbauungen. Nach der Jahrtausendwende hat man es wiederhergestellt, und in den letzten Jahren lebt eine Kleinfauna wieder auf, die praktisch verschwunden war; Libellen etwa, diese Kleinhelikopter der Tierwelt.

Vor Rupperswil eine lange Gerade. Dann das Wehr und eine Fischtreppe. Danach halten wir in den Ort hinein vorbei an der alten Spinnerei, einem Industriedenkmal des 19. Jahrhunderts. Nah der Kirche lohnt die Pizzeria Il Posto den Besuch: gutes Essen, anständige Preise, freundlicher Service. Rupperswil ist mehr als der Vierfachmord zu Weihnachten 2015. Ich weiss, jetzt habe ich ihn auch wieder erwähnt – aber es gibt bessere Bilder dieses Ortes. Die Aare und ihre Auen sind traumhaft.

 

 

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Route: Aarau Bahnhof – Aareufer – Wehr – Summergrien – Einmündung Suhre – Brücke nach Biberstein – Aarschächli – Wehr – Rupperswil Dorf – Rupperswil Kirche – Rupperswil Bahnhof.

Wanderzeit: 2 1/4 Stunden.

Höhendifferenz: Vernachlässigbar.

Wanderkarte: 224 T Olten, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Tipp: In Aarau zuerst das Aargauer Kunsthaus besuchen. Schöne Sammlung (Caspar Wolf). Vor allem aber immer wieder Gegenwartskunst, die einen nicht gleichgültig lässt.

Charakter: Erstaunlich viel Natur in Anbetracht der Stadt- und Agglo-Nähe der Route. Auen, Seitenläufe, Fischtreppen usw.

Höhepunkte: Die Suhre-Einmündung am Ortsrand von Aarau. Das grosse Seelein des Altarms der Aare vor Rupperswil. Rupperswils schöne Kirche.

Kinder: Perfekt, weil nicht zu lang und abwechslungsreich. Gute Infotafeln. Weil die Route meist am Fluss verläuft, muss man die Kinder aber beaufsichtigen.

Hund: Geht gut. Anleinen der Vögel wegen.

Einkehr: In Aarau ist das japanische Restaurant Imada speziell gut. Ruhetage So/Mo. – In Rupperswil getestet: die Pizzeria Il Posto. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, gut gekocht, netter Service. Sa nur abends, So Ruhetag. – Sympathisch wirkt in Rupperswil auch der Bären, Sa nur abends, So Ruhetag.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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3 Kommentare zu «Die Wiederauferstehung der Nase»

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