Biken in Island


Auch wenn das isländische Sommermärchen am Sonntag in Frankreich zu Ende gegangen ist – die Fussball-Nationalmannschaft des Inselstaats hat sich in kürzester Zeit in Europas Fussballherzen gespielt. Das ist nicht nur der Verdienst der Fussballer, sondern auch der rund 30’000 isländischen Fans, die mit ihrem sympathischen Auftreten beste Werbung für ihr Land gemacht haben. Also – ab nach Island! Aber kann man auf der Insel auch Mountainbiken?

Raues Klima

Island liegt im Nordatlantik, südöstlich von Grönland. Die Durchschnittstemperaturen betragen dank dem mildernden Einfluss des Golfstroms im Sommer zwischen 12 und 15 Grad. Zum Biken doch gar nicht so schlecht, denkt man. Aber: Sonne, Wind, Regen und Schnee wechseln sich in munterer Folge ab. Das Wetter ist unberechenbar. Gefragt sind also eine gewissenhafte Vorbereitung und viel Gelassenheit. Ein isländisches Sprichwort bringts auf den Punkt: «Gefällt dir das Wetter nicht, dann warte eine Viertelstunde!»

«Biker müssen unbedingt gut ausgerüstet, bergerfahren sein und die Natur respektieren», erklärt Magne Kvam von Icebike Adventures. «Schnell ziehen Nebel oder Stürme auf und machen es unmöglich, den Weg ohne ein GPS zu finden.» Natürlich empfiehlt der Tourenanbieter einen lokalen Guide. Das sieht aber auch Mountainbike-Abenteurer Harald Philipp so, der seine Wege üblicherweise lieber selber sucht. Als er vor drei Jahren gemeinsam mit Sebastian Doerk für das Filmprojekt «Horace»  in Island unterwegs war, stellte er fest, dass selbst ein auf der Karte eingezeichneter Weg noch lange kein nutzbarer Trail ist.

Fordernde Pfade

Die isländische Bike-Szene ist noch sehr jung. Es gibt kein ausgewiesenes Mountainbike-Wegenetz, die meisten Trails basieren auf Wander- oder Schafpfaden. «Unsere 500’000 Schafe haben auch schon einige gute Trails gebaut», sagt Magne Kvam mit einem Grinsen. Die schönsten befinden sich oft in abgelegenen Gegenden – setzt man die Zahl der Einwohner zur Fläche von 103’000 km² in Relation und berücksichtigt, dass über 220’000 Menschen allein in der Hauptstadt Reykjavik wohnen, wird schnell klar, dass man in Island rasch in der Einsamkeit ist. 11 Prozent der Inselfläche sind von Gletschern bedeckt. Es gibt mehr als 30 aktive Vulkansysteme, täglich bebt die Erde. Vulkanismus, Wind und Wetter formen eine ebenso extreme wie faszinierende Landschaft, die ständigen Veränderungen unterworfen ist. Die Trails sind anspruchsvoll. Wer bergab fahren will, muss in der Regel erst mal einen anstrengenden Aufstieg in Kauf nehmen. Während einer Tour wechselt der Untergrund oft mehrfach. «Und ist mit nichts vergleichbar, was man so kennt», fügt Harald Philipp hinzu. «In Landmannalaugar zum Beispiel gibt es ganz junge, vulkanische Böden, die in allen Farben schillern.»

Durch die Finanzkrise hart getroffen, stand Island 2008 kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Doch das Land erholte sich überraschend schnell, auch durch den boomenden Tourismus. Für viele Urlauber wurde die Insel jetzt erst erschwinglich. Nicht nur deshalb – und schon gar nicht erst seit der Fussball EM – gehört Island deshalb ganz oben auf die «To-Bike-Liste».

Reizt es Sie auch, in einer so extremen Landschaft zu biken, oder schreckt Sie das Wetter eher ab? Haben Sie vielleicht sogar schon Island auf zwei Rädern erkundet? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht und welche Tipps können Sie anderen Bikern geben?

 

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