Schwups, schon ist man oben

Diese Woche Fahrt mit der neu lancierten Palfries-Seilbahn (Sarganserland, SG)

Ich weiss noch, wie ich vor zehn Jahren auf dem Weg zum Alvier die liebliche Hochebene Palfries erreichte. Vom Melser Ortsteil Heiligkreuz war ich 1200 Höhenmeter aufgestiegen durch einen bewaldeten, von Bächen zerfurchten, einsamen Steilhang. Oben war ich irritiert: Autos. Vom St. Galler Rheintal führt eine Strasse nach Palfries. Irgendwie entwertete das meine Strapaze, fand ich.

Die zivilisierte Bahn

Für Wehrmänner gab es über Jahrzehnte noch eine Möglichkeit, Palfries zu erreichen: die militäreigene, 1941 lancierte und dem Festungswerk Sargans zudienende Seilbahn ab Heiligkreuz-Ragnatsch. Die gute Nachricht: Seit kurzem ist diese Seilbahn, die gegen das Jahr 2000 sozusagen ausgemustert wurde, wieder aktiv. Eine Genossenschaft hat nach langem Hin und Her die Bewilligung für den zivilen Betrieb in der warmen Jahreszeit erhalten.

Das ist gut. Denn erstens ist das Palfries-Plateau wunderschön: diese moorigen Farben vor der Mauer der Alvierkette. Zweitens sieht man weit Richtung Ringelspitz, Flumserberg und Walensee. Und drittens kann man von der Bergstation aus diverse Wanderungen unternehmen. Ohne vorher zwei Stunden aufgestiegen zu sein; aber auch ohne Autofahrt.

Mit Markus Walser, Präsident der Bahngenossenschaft, fahre ich eines halbsonnigen Tages bergwärts. Wir haben reserviert, was schlau ist, denn man hat so seinen Platz auf sicher. Die Kapazität der Bahn ist beschränkt, sie trägt jede Viertelstunde je acht Personen hinauf und hinab.

Walser erzählt: von seinen eigenen Touren im Gebiet. Von der Festung Sargans. Und vom einstigen soldatischen Betrieb. Ein lustiges Detail: Zu acht füllen wir die kleine rote Kabine ziemlich gut aus. Die Soldaten mussten, schildert Walser, zu zehnt in die Kabine, samt ihren Packungen. Während wir noch schmunzeln, ist wieder Gegenwart angesagt: Umwerfend der Anblick des Wasserfalls des Ragnatscher Baches direkt unter uns.

Drei schöne Routen

Und damit zu drei Wanderungen ab Palfries.

  • Rundtour West: Bergstation – Berghaus Palfries – Wanderweg zum Alvier bis Abzweiger bei In de Stei und weiter zum Punkt 1755 m auf der Wanderkarte. Das nächste Stück führt hinab via Stelli bis Luegboden. Unten Abstecher zum Restaurant Strahlrüfi und auf dem direkten Wanderweg zurück zu Berghaus und Bahn. 2 Stunden, je 280 Meter auf- und abwärts; diese Route wird von der Seilbahn empfohlen.
  • Gonzen: Von Palfries via Rieterhütten auf den Sarganser Hausberg Gonzen und retour. Angenehme Steigung, nichts Brutales. Beim Gipfelkreuz muss man aber aufpassen, es geht 1300 Meter bolzengerade in die Tiefe. 2 1/2 Stunden, je 390 Meter auf- und abwärts.
  • Alvier: Von der Bergstation zum Berghaus Palfries. Auf dem Bergweg durch ein Couloir mit Treppenleiter leicht ausgesetzt auf den Gipfel. Hinab über die Schaner Alp und via Stofel und Buchboden zum Malanserholz. Von dort im Self-Service-Seilbähnchen des Hotels Alvier hinab nach Oberschan zum Bus. 4 1/2 Stunden. 670 Meter auf- und 1400 abwärts.

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Wanderkarte: 237 T Walenstadt, 1:50’000.

Seilbahn: Vom Bahnhof Sargans gibt es Direktbusse nach Ragnatsch; online im SBB-Fahrplan heisst die Haltestelle «Heiligkreuz (Mels), Ragnatsch». Die Bahn fährt bis circa Mitte November täglich von 8.30 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr, für die Zeit von 17 bis 19 Uhr muss man vorher reservieren. Die genauen Bestimmungen findet man auf der Homepage. Ohnehin lohnt sich reservieren, Leute mit Reservation haben Vorrang. Pro Stunde können in vierstelstündlichen 8-Personen-Schüben 32 Personen hochbefördert werden, für die Gegenkabine und die Talfahrt gilt natürlich dasselbe.

Rundtour West: Hier das GPX-File zur ersten Tour.

Gonzen: Hier das GPX-File zur Tour auf den Gonzen.

Alvier: Hier das File zur dritten Route.

Einkehr: Berghaus Palfries, fünf Gehminuten von der Bergstation, durchgehend geöffnet. Alvierhütte auf dem Gipfel, bei gutem Wetter in der Regel offen. Strahlrüfi, durchgehend offen. Hotel Alvier, Ruhetag des Restaurants: Mo.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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