Schweigepflicht für Mountainbiker?

(Davos Tourismus)

Abwechslung oder Abschottung? Lokale Mountainbiker wollen vermehrt unter sich bleiben. (Davos Tourismus)

Ich bin mir sicher, viele haben das sonnenreiche lange Auffahrtswochenende dazu genutzt, die eine oder andere neue Tour abseits der Hometrails abzufahren. Denn selbst wenn sie noch so schön sind: Immer auf denselben Singletrails zu fahren, ist auf Dauer doch etwas eintönig. Warum auch? Schliesslich war es nie leichter, neue Bikemöglichkeiten zu entdecken. Neben Tourenbüchern und speziellen Mountainbikekarten…

…findet man mittlerweile unendlich viele Tourenvorschläge auch online, GPS-Daten inklusive. Von flowig bis technisch, von der grossen Cross-Country-Runde bis zur knackigen Abfahrt. Zum Glück – zumindest für alle, die weder die Zeit noch die Fähigkeiten haben, sich die Tour dank aufwendiger Planung und Recherche selber zu «erarbeiten».

Geheimtipps verraten?

Das sieht nicht jeder gerne – das zeigen aktuelle Diskussionen in sozialen Netzwerken und Foren. Kritische Stimmen sind nichts Neues. Doch selbst auf Onlineplattformen, die genau aus der Motivation heraus geschaffen wurden, Mountainbiker zusammenzubringen und sich über Touren auszutauschen, herrscht Unmut. In der Facebook-Gruppe Surfing Trails Together etwa stimmt man ab, was zukünftig gepostet werden soll und was nicht. «Ich fänds wirklich toll, wenn Geheimtipps auch geheim bleiben», schreibt User Korbizeps Brachii. Grund: Mit jedem Bild, mit jeder Beschreibung kämen zig neue Nutzer hinzu, nähmen die Konflikte mit Wanderern zu und damit der Ärger für die lokale Mountainbikeszene. Sollten Trails also den ortsansässigen Bikern vorbehalten bleiben? Das hiesse in logischer Konsequenz, ein jeder fährt auf «seinen» Trails. Klingt meiner Meinung nach ziemlich eintönig.

Woher rührt der Ärger? Fakt ist: Die Zahl der Mountainbiker wächst. Und damit auch der Druck auf einzelne Wege und ganze Bikespots. Wer über ein verlängertes Wochenende im Frühjahr an den Gardasee, nach Graubünden, ins Wallis oder nach Finale Ligure fährt, muss mit Andrang auf den Wegen rechnen. Das sind in der Regel solche, die sich leicht erreichen lassen, zunehmend auch mit dem Shuttle. Die weniger genutzten sind meist abgelegener, kosten nicht selten bergauf mehr Schweiss und manchmal bergab auch mehr Nerven. Trotzdem: Eine grössere Auswahl an Wegen kann meiner Meinung nach mit dazu beitragen, einzelne «Hotspots» zu entlasten. Lässt sich vorab noch der Schwierigkeitsgrad dank Kartensignatur oder im Chat mit anderen abschätzen, erhöht das zusätzlich die Sicherheit. Nicht weniger Informationen, sondern möglichst viele Informationen erscheinen mir deshalb der sinnvollere Weg. Denn je mehr Trails, je mehr Destinationen sauber dokumentiert sind, desto grösser ist nicht nur die Auswahl, sondern desto mehr verteilen sich die Sportler auch.

Konfliktpotenziale

Dass es immer wieder zu Konflikten kommt, sozialen wie ökologischen, ist aber leider ebenso eine Tatsache. Das ist allerdings nicht in erster Linie eine Frage der Anzahl Mountainbiker. Probleme ergeben sich dann, wenn sich einzelne Biker nicht gewissen Grundsätzen verpflichtet fühlen, «Trail-Regeln», wie sie beispielsweise die International Mountain Bicycling Association (IMBA) zusammengefasst hat. Dazu zählt, auf den vorhandenen Wegen zu bleiben und offizielle Sperrungen zu respektieren. Spuren zu vermeiden, sprich, das Bremsen mit blockierenden Rädern. Seine Fahrweise an die Beschaffenheit des Bodens anzupassen. Rücksicht auf die Natur zu nehmen – und nicht zuletzt auf andere Nutzer. Sollte doch eigentlich selbstverständlich sein, oder? Ganz egal, ob man nun auf gut Glück startet, einer Karte folgt oder ein Foto im Internet das Interesse für einen bestimmten Berg geweckt hat. Nicht nur wer Informationen teilt, sondern auch wer sie nutzt, steht in der Verantwortung. Teilen: Ja, finde ich. Und respektvoll nutzen.

Teilen Sie Ihre Touren mit anderen Bikern? Wie informieren Sie sich vorzugsweise: in Büchern, Fachzeitschriften, Spezialkarten oder im Internet?

11 Kommentare zu «Schweigepflicht für Mountainbiker?»

  • Ivo Baumgartner sagt:

    Face Book Gruppen sind der Untergang aller Outdoorsportarten.
    Ich spüre dies ganz stark beim Eisklettern. Früher braucht es Kontakte und oder Eigeninitiative um zu wissen wo man Klettern konnte bzw. wo es Eis hat.
    Dank Internet und Leuten die nicht aufs Maul sitzen können sind nun jeweils alle Plätze überloffen. Diesen Winter war dies ganz krass.
    Daher schreibe ich nichts mehr im Netz bezüglich Biketrails, Kletterrouten, etc.

    Das hat auch nichts mit Egoismus zu tun sondern dient letztentlich dem Sport und der Natur. Denn wenn keine Infos umsonst zur Verfügung sind, sind 50% der Sportler schonmal weg denn diese laufen nur mit.

  • Peter Bachmann sagt:

    Über Auffahrt war ich auch in GR unterwegs, genauer gesagt um Flims herum. Da ich die Gegend sehr gut kenne und Kartenlesen für mich kein Problem darstellt war ich immer alleine unterwegs. Heute lassen sich die meisten eh mit dem Shuttle hochfahren um dann einen vorgefertigten (Runca-)Trail runterzurollen. Mir soll es recht sein, wenn ich alleine bis zur Schneegrenze hochfahren kann um danach die Abfahrt zu geniessen. Zudem starte ich meistens früh (7 Uhr), somit bin ich zurück von der Trainingsrunde bevor die „shuttler“ überhaupt in den ersten Bus steigen. Obwohl meine Touren wahrscheinlich sowieso nicht das breite Publikum ansprechen würden, teile ich die Infos nicht mit anderen (greife aber auch nicht auf solche Infos zurück). Selbstverständlich: Respekt ggü. Natur / Tieren / Menschen

  • Peter Brunner sagt:

    Ich schliesse mich voll und ganz der Meinung von Jürg Buschor an: Schlagwort ‚Diversifikation‘ + ‚genaue Beschreibung‘.

  • Daniel Degen sagt:

    Was mich am meisten stört sind technisch limitierte E-Mountainbiker (am Schlimmsten jene mit Fatbikes) die Trails verstopfen, welche sie ohne die maschinelle Unterstützung nie erreicht hätten.

  • Margot sagt:

    Respektvoll nutzen ist eine schöne Formulierung, nur sieht die Realität meist anders aus. Die guten und erfahrenen Biker meiden familien- und wanderfreundliche Wege oder begegnen diesen tatsächlich mit dem nötigen Anstand. Viel schlimmer sind all jene, die es kaum mit eigener Muskelkraft schaffen, geringe Höhenmeter zu erklimmen und dann die stark frequentierten Wege runter fräsen….. Leider handelt es sich hierbei um die Mehrheit, denn genau diese sind es auch, die aufgrund ihres rücksichtslosen Fahrstils Furchen und Rillen in ursprünglich guten Wegen hinterlassen und dadurch diese auch unbegehbar machen. Der Appell an die Vernunft der Unvernünftigen scheint hier wohl keine Wirkung zu zeigen und wird mittelfristig wohl nur über Verbote lösbar sein.

  • Stefan Meier sagt:

    Mehr und breitere Strassen und Autobahnen haben ja bekanntlich auch dazu geührt, dass es heute keine Staus mehr gibt, weil sich ja alles besser verteilt :-)

  • Christoph Bögli sagt:

    Das ist längst nicht bike-spezifisch, sondern ein generelles Phänomen wenn es um solche Informationen und „Geheimtipps“ geht, egal zu welchem Sport oder auch beim Reisen allgemein. Hängt wohl damit zusammen, dass viele gute/schöne Orte für sich haben wollen und diese Exklusivität geniessen, sei es aus nachvollziehbaren oder eher fragwürdigen Gründen. Letzteres hat auch damit zu tun, dass man sich in den meisten Szenen eh gerne abgrenzt, einerseits die Ernsthaften, Alteingesessen, die „Läufer“, „Reisenden“, etc. und andererseits die Neulinge, Störenfriede, „Jogger“, „Touristen“, etc. Dabei geht meist vergessen: Die meisten „Geheimtipps“ kennt man selber nur, weil sie eben nicht „geheim“ sind. Und: Irgendwann war man selber mal zum ersten Mal dort oder generell ein Anfänger..

  • Patrick Spelina sagt:

    In Zeiten der Vernetzung wird es schwierig, den Anspruch an „lokale“ Trails für „lokale“ Fahrer zu erfüllen. Wozu auch? Heute haben wir die sozialen Medien, früher hat man die Trailtipps einfach mündlich weitergegeben und einander wahrscheinlich kaum eine Schweigepflicht auferlegt. Mit demselben Effekt, den einzelne heute anprangern: Der Tipp verbreitet sich. Nur ging das früher langsamer und der Kreis war kleiner. Wer das „Miteinander“ z.B. an einem Shuttleday schätzt, der wird sich in der Masse wohlfühlen. Wer sich abseits der Masse bewegen will, konnte das früher schon tun und kann es heute noch – Vorausgesetzt, Kondition, Kraft, Fahrtechnik und der Umgang mit Karten und GPS stimmen. In diesem Sinne: Ride on!

  • kingcornflake sagt:

    In Zeiten der Vernetzung wird es schwierig, den Anspruch an „lokale“ Trails für „lokale“ Fahrer zu erfüllen. Wozu auch? Heute haben wir die sozialen Medien, früher hat man die Trailtipps einfach mündlich weitergegeben und einander wahrscheinlich kaum eine Schweigepflicht auferlegt. Mit demselben Effekt, den einzelne heute anprangern: Der Tipp verbreitet sich. Nur ging das früher langsamer und der Kreis war kleiner. Wer das „Miteinander“ z.B. an einem Shuttleday schätzt, der wird sich in der Masse wohlfühlen. Wer sich abseits der Masse bewegen will, konnte das früher schon tun und kann es heute noch – Vorausgesetzt, Kondition, Kraft, Fahrtechnik und der Umgang mit Karten und GPS stimmen. Es hat für alle Platz: Ride on!

  • L.Wenger sagt:

    letzten Sommer habe ich an div. Bike Magazine einen Bericht gesandt mit der bitte diesen zu Veröffentlichen; Thema „auf den vorhandenen Wegen zu bleiben und Spuren zu vermeiden, sprich, das Bremsen mit blockierenden Rädern“. Kein einziges Magazin hat sich diesbezüglich gemeldet.
    Wege welche Jahrhunderte überlebt haben sind innert einer Saison zerstört. Durch das blockieren der Räder entstehen tiefe Rinnen und durch den Regen werden die Wege in kurzer Zeit zerstört. Da sich die Biker hiermit keine Freunde schaffen versteht sich von selbst.

    • Timo sagt:

      Sehr geehrter Herr Wenger
      Es ist in der Tat so, dass Biker Errosion verusachen. Wanderer und vorallem Reiter, sowie Kühe, tun dies ebenso und teilweise in massiv höherem Ausmass.
      Die IMBA hat da mal eine spannende Zusammenfassung geschrieben (englisch):
      https://www.imba.com/resources/research/trail-science/environmental-impacts-mountain-biking-science-review-and-best-practices
      Wer absichtlich mit Blockiertem Hinterrad bremst ist eine Schande für die Bikeszene, keine Frage, wieviel da ein Artikel in der „Bike-Bravo“ nützt wage ich als sehr gering einzuschätzen.
      Direkte Propaganda unter den Bikern wäre wohl deutlich sinvoller. Aber ein paar schwarze schafe wird es leider immer geben (genau wie bei den anderen Nutzergruppen).

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