Wettrennen am Berg


Auf dem Matterhorn war Dani Arnold bisher am schnellsten, aber Ueli Steck ist Rekordhalter an der Eigernordwand. Quelle: Mammut/Youtube.

 

1674 Tage lang hielt der Urner Dani Arnold (31) den Zeitrekord in der Eigernordwand. Im April 2011 kletterte er allein und ungesichert in 2 Stunden und 28 Minuten durch die Heckmair-Route. 19 Minuten schneller als der Berner Ueli Steck (39) im Februar 2008. Nun hat ihm Steck am 16. November 2015 diesen Rekord wieder abgeknöpft. Er war sechs Minuten schneller als Arnold.

Sechs Minuten schneller. Ist das nicht recht wenig, wenn man bedenkt, dass diesen Herbst in der 1600 Meter hohen Wand der Wände speziell gute Verhältnisse herrschten? «Nein», sagt Arnold. «Es zeigt, dass wir in einem Bereich angekommen sind, wo die Marge für eine Verbesserung nicht mehr sehr gross ist.» Stecks Leistung sei «super», attestiert er ohne Missgunst. «Ich weiss, wie eine Speedbegehung einzuschätzen ist, wie streng es ist, so zu klettern.» Zum Vergleich: Das erste Mal wurde die Eigernordwand 1963 im Alleingang durchstiegen, vom Walliser Michel Darbellay. Er brauchte 18 Stunden. Für das erste Wintersolo brauchte der Japaner Tsuneo Hasegawa 1978 sechs Tage.

Obschon die Speedrekorde den Eindruck erwecken könnten, die berüchtigte «Mordwand» sei ein Spaziergang geworden, betont Arnold: «Es ist nach wie vor gefährlich und anspruchsvoll, solo und speed zu klettern.» Wird er versuchen, Stecks neuen Zeitrekord zu brechen? «Ich weiss nicht, ob mich das nochmals reizen könnte. Ich weiss es wirklich nicht», sagt er. «Im Moment fehlt mir ohnehin die nötige Fitness, selbst wenn in der Wand Traumverhältnisse herrschen würden. Für eine solche Begehung müssen viele Dinge gleichzeitig stimmen.» Seinen jüngsten Rekord verzeichnete Arnold erst im vergangenen Mai, als er in 1 Stunde und 46 Minuten durch die Matterhorn-Nordwand sprintete, zehn Minuten schneller als Steck 2006.

Expedition in Pakistan

Ganz andere Erfahrungen sammelte Dani Arnold diesen Sommer in Pakistan (siehe Bildstrecke unten). Zusammen mit Thomas und Alexander Huber sowie Mario Walder reiste er über den Karakorum-Highway in ein sehr abgelegenes Schiitengebiet. Ziel ihrer Expedition war die Nordwand des Latok 1 (7145 m). Um sich an die Höhe zu gewöhnen, wollten sie erst den Latok 3 besteigen, bereiteten sich mehrere Tage vor, brachten Material zum Berg, richteten einen Teil der Route ein – und überlebten dann das erste Biwak nur «knapp». Etwa 500 Meter von ihnen entfernt hing ein riesiger Sérac. Die Profis dachten, er sei genügend weit weg. «Eine Fehleinschätzung», wie Arnold rückblickend sagt. In der Nacht brach eine gewaltige Eismasse ab. Durch die Druckwelle wurden sie in ihren Zelten wie Spielzeuge hochgehoben, aber «dank riesigem Glück» nicht weggefegt. Ein «Ereignis», das den vier bis heute im Kopf sitzt. «Ich werde das bestimmt nie mehr vergessen», so Arnold.

Bevor sie jedoch unverrichteter Dinge aus Pakistan zurückkehrten, gingen sie schliesslich noch einen etwa 6100 Meter hohen Berg an, der sich gleich über ihrem Basislager befand. Spuren einer früheren Besteigung, wie etwa Abseilschlingen oder Haken, fanden sie nicht und hinterliessen eine Bandschlinge und einen Wimpel am Gipfel. Als Erstbesteiger durften sie der unbenannten formschönen Felspyramide einen Namen geben: Panmah Kangri. Panmah heisst der Gletscher am Bergfuss. Kangri bedeutet Spitze oder Horn.

Hinweis: Vom 5. bis 17. Dezember 2015 gastiert die European Outdoor Film Tour (E.O.F.T.) an mehreren Orten in der Schweiz. Dani Arnold ist mit einem Film über seine Speedbegehungen am Matterhorn und Salbit vertreten. Bei den Vorführungen in Luzern, Zürich und Basel wird er persönlich anwesend sein. Tickets und alle Infos zur Tour hier.

8 Kommentare zu «Wettrennen am Berg»

  • Raphael Raphael Wellig sagt:

    hallo mitenand

    ich gratuliere den grossartigen alpinisten ueli steck und daniel arnold zu Ihren super leistungen. bravo!
    zu herrn rittermann kann ich nur sagen, der diese beiden sympatischen alpinisten angreift: „er hat keine ahnung vom alpinismus.“ es ist nur normal das sich die grenzen der menschheit auf vielen gebieten verschieben, in neue dimensionen bewegen. es hat immer aussergewöhnliche menschen gegeben, und das macht das leben interessant.
    zudem herr rittermann verspürt man beim alleingang die tiefste verbundenheit mit der natur. es gibt nur mehr dich, und den berg. die wahrnehmung, die freiheit, das erlebnis, ist beim alleingang am schönsten, aber das verstehen sie ja nicht.

    ich wünsche allen gute touren.
    gruss von

  • Stefan Gutenberg sagt:

    Also mir ist der Arnold viel sympathischer als der verbissene Steck. Vor allem kann er die Leistung von Steck anerkennen, umgekehrt redet Steck die Leistung von Anderen mehrheitlich schlecht. Schade eigentlich ….

  • Martin sagt:

    Ich finde die Arbeit von Ueli Steck und Dani Arnold super. Das ist sehr gute Werbung fuer die Bergregion. Es ist gut, dass die Schweiz zwei in dieser Eliteliga hat. Siehe Wiki Liste der besten Bergsteiger.

  • Philipp Rittermann sagt:

    ich finde, auf berge zu rennen ist irgendwie pervers. es geht um vermeintliche rekorde und mit nichten um ein erlebnis in der natur, sprich am berg. von leuten wie steck und arnold halte ich persönlich gar nichts.

    • Willi Dolder sagt:

      Glaubst du, es interessiert Steck oder Arnold, was du von ihnen hältst. Etwa gleich viel, wie ich von deiner Kleinschreibung halte – nämlich gar nichts.

      • Philipp Rittermann sagt:

        und willi. das wird schon so sein, zumal ich den hh. steck und arnold nicht wirklich die kompetenz der selbstreflektion äh-zumute.

        • Flori Antha sagt:

          @Rittermann: Ist Selbstreflexion dadurch definiert, dass man etwas auf Ihre Meinung hält? Das ist ein schönes Beispiel für übersteigerten Narzissmus.

    • Stefanie sagt:

      Was heisst hier vermeintlich? Das sind definitiv Rekorde die die Herren da aufstellen und nicht nur vermeintliche. Steck und Arnold verbringen sicher viel Zeit in der Natur während ihrem ruhigen Grundlagentraining oder Wohnen gar praktisch in der Natur. In zwei Stunden den Eiger hoch ist kein Hobby, es ist sein Beruf. Ich stand auch schon unten an der Nordwand und habe allergrössten Respekt vor diesen Profis. Du hast halt einfach nicht begriffen, um was es hier geht, macht aber nichts ;-)

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