Darf ich trotz Erkältungssymptomen laufen?

Läufer wissen: Regelmässiges Ausdauertraining schützt vor Infektionen der oberen Atemwege. Aber was, wenn ich bereits erkältet bin? Kann ich mein Training trotzdem weiterführen, soll ich reduzieren oder besser ganz ruhen?

Wir fragten unseren Running-Doc* Dr. med. Martin Narozny-Willi:

Was geschieht bei einer Erkältung?
Meist handelt es sich um eine Virusinfektion, die verschiedene Abwehrmechanismen von weissen Blutzellen und chemischen Botenstoffen in Gang setzt. Das führt unter anderem zu Symptomen wie Fieber und verschlechtertem Allgemeinzustand. Der Körper mobilisiert seine Kräfte, um die Infektion zu bekämpfen. Durch die Infektion und deren Abwehr ist der Organismus bereits geschwächt. Ihn auch noch mit einem Lauftraining zu belasten, ist nicht sinnvoll und kann sogar gefährlich werden.

Gewöhnliche Erkältung
Die Symptome sind meist mild ausgeprägt und dauern nur wenige Tage an. Dazu gehören eine leicht erhöhte Temperatur, meist unter 38 °C, allgemeine Müdigkeit, mässige Hals-, Glieder- und Kopfschmerzen und laufende Nase.

Grippe
Bei einer Infektion mit dem Influenza-Virus sind die Symptome deutlich stärker ausgeprägt und dauern bis zwei Wochen an. Die Temperatur kann bis 41 °C ansteigen, begleitet von Schweissausbrüchen und Schüttelfrost. Gleichzeitig treten Gelenk- und Muskelschmerzen, starke Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Husten und Kreislaufbeschwerden auf.

Pfeiffersches Drüsenfieber
Eine Virusinfektion, die eine Erkältung vortäuschen kann, ist das Pfeiffersche Drüsenfieber, eine Erkrankung mit dem Ebstein-Barr-Virus. Auch hier treten Symptome wie leichtes Fieber und Halsschmerzen auf, auffällig ist jedoch eine ausgeprägte Schwellung der Rachenmandeln und der Halslymphknoten. Zusätzlich ist eine Milzschwellung möglich, in seltenen Fällen auch ein Milzriss, welcher potenziell tödlich verlaufen kann. Diese Gefahr ist in den ersten drei Wochen nach Erkrankungsbeginn am höchsten. Darum gilt in dieser Zeit ein Sportverbot. Wann man nach einem Pfeifferschen Drüsenfieber wieder mit Sport beginnt, sollte man mit einem Arzt absprechen.

Achtung
In seltenen Fällen können Viren auch den Herzmuskel angreifen, was zu einer Muskelentzündung, einer sogenannten Myocarditis führt. Dies ist eine sehr ernste Erkrankung, welche eine Erholungszeit von sechs Monaten bedeutet, aber auch zum plötzlichen Herztod führen kann.

Darf ich nun trotz Erkältungssymptomen laufen?
Hier kann man sich an der sogenannten «Nacken-Regel» orientieren:
 Treten Symptome oberhalb des Nackens auf (laufende oder verstopfte Nase, leichte Schluckbeschwerden) und ist kein Fieber vorhanden, dann darf man einen Versuch starten: 10 Minuten Training bei halber Intensität, wenn dabei die Symptome nicht zunehmen, kann das Training über die folgenden Tage gesteigert werden.

Treten Symptome unterhalb des Nackens auf (starker Husten, Muskelschmerzen, Übelkeit, Kreislaufbeschwerden) sowie Fieber, dann muss mit jeglicher sportlicher Aktivität zugewartet werden, bis alle Symptome komplett abgeklungen sind. Danach ist ein gestaffeltes Aufbautraining wieder möglich.

Sie verlieren nur, wenn Sie mit starken Erkältungssymptomen laufen
Die gewohnte Leistung kann nicht erreicht werden, der Körper braucht die Energie zur Bekämpfung der Infektion. Die zusätzliche Schwächung führt dazu, dass die Erkältung noch länger anhält und sich der Fitnesszustand weiter verschlechtert. Darum benötigt der Körper Zeit zur Regeneration. Gönnen Sie ihm diese Pause.

Dr. med. Martin Narozny-Willi

Dr. med. Martin Narozny-Willi, unser Doc bei «Running im Outdoorblog».

* Dr. med. Martin Narozny-Willi, Facharzt Orthopädische Chirurgie, Sportmedizin SGSM und Verbandsarzt Swiss Ice Hockey. SportClinic Zürich, Sportmedizin und Leistungsdiagnostik. Die Klinik ist eine Swiss Olympic Medical Base. www.sportklinik.ch/sportmedizin/toedi/

3 Kommentare zu «Darf ich trotz Erkältungssymptomen laufen?»

  • MyGoalTeam sagt:

    Vielen Dank für Ihren Artikel! Auch wir bekommen diese Frage sehr oft gestellt. Dabei gibt der Körper die Antwort tatsächlich selbst. Gerade Sportler sollten lernen auf die Signale ihres Körpers zu hören. Wer Fieber hat, gehört ins Bett und nicht auf die Laufstrecke!
    Wir haben angesichts der Frühjahreswelle von Erkältungen einen Blogbeitrag ( http://www.mygoal.de/de/2011/04/trainingsausfall-durch-krankheit-was-nun/ ) zu diesem Thema veröffentlicht und werden im Kommentarfeld auf diesen Beitrag zurück verlinken. Vielen Dank!

  • Cybot sagt:

    Eigentlich sagt einem der Körper meist ziemlich deutlich, ob trainieren gerade eine gute Idee ist oder nicht. Wer seinen Körper ignoriert, kriegt halt die Quittung.

  • Sgt Klinger sagt:

    Danke, dass Sie dies mal so klar sagen. Es ist im Sportlerumfeld unbedingt notwendig dies immer wieder aufs Tapet zu bringen. Ich erlebte schon einige übermotivierte welche sich leider selbst zu einem Grad gefährden, dass es nicht zum aushalten ist. Konnte leider schon miterleben wie „man“ durch eine ganz heftige Grippe, langanhaltenden Bronchialproblemen, Herzproblemen und Lungenentzündungen für die Unwissenheit (oder eher Sturheit) belohnt wurden. Schlimm ist wenn jemand noch darauf aufmerksam gemacht wird und nicht reagiert.

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