Wie man das Gewicht am Berg optimiert

Ein Gastbeitrag von Thomas Hürzeler*

Teilnehmer an der «Gara della Bricolla» 2009 in Sessa TI zur Erinnerung an die Schmuggler, die Zigaretten oder Kaffee zwischen der Schweiz und Italien transportierten. Foto: Karl Mathis (Keystone)

Schleppen wie damals: Teilnehmer eines Erinnerungslaufs für die Schmuggler, die Zigaretten oder Kaffee zwischen der Schweiz und Italien transportierten, in Sessa TI. Foto: Karl Mathis (Keystone)

Unter den vielen Fragen und Bitten um Ratschläge, die mich als Extremalpinisten erreichen, betreffen viele die ewige Frage nach der Gewichtsoptimierung. Denn es macht einen gewichtigen Unterschied, ob der Rucksack 10 oder 20 Kilo wiegt, es kann sogar matchentscheidend sein. Darum gebe ich nachfolgend zuhanden einer breiteren Öffentlichkeit einige Tipps zur Gewichtsoptimierung auf Extremtouren.

Vor jeder grösseren Tour entferne ich von meinem Smartphone alle Apps von Dating- und Reiseportalen, Social Medias, Newsportalen und ähnlichem Schrott. Ohne diesen Ballast ist mein Bscheidchäschtli wesentlich leichter. Nur der Peekfinder bleibt drauf. Und die Rega-App – für einen schnellen, unbeschwerten Abstieg. Seit der Annapurna-Südwand braucht es für den Gipfelsieg keine Gipfelfotos mehr. Also lasse ich die Kamera konsequent weg. Das bringt inklusive Reserveakku und Reepschnursicherung locker ein halbes Kilo an Erleichterung.

Zum Thema Technik gehört auch, dass ich schon vor Jahren alle meine Karabiner von jeglichen Schrauben, Autolock-Mechanismen und sonstigem überflüssigem Sicherungs-Schnickschnack befreite. Noch nie hat sich ein Karabiner von selbst geöffnet – auf das zusätzliche Gewicht kann man also getrost verzichten.

Was die Klamotten angeht, so dürfte es sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass unstinkbare Merinowolle im Gebirge die erste Wahl ist. Wer heute noch mit mehreren T-Shirts oder gar Unterwäsche zum Wechseln in die Wand geht, kann doch gleich zum Lodenjanker greifen und eine Duscholux einpacken. So wie ich die Pressekonferenz am Wandfuss verlasse, so komme ich vom Berg zurück.

Zum Thema Verpflegung bin ich auf zwei geradezu geniale Gewichtsoptimierungen gestossen. Zum Ersten habe ich seit Jahren keinen Kocher mehr dabei. Denn leider ist er zum Zeitpunkt der Expedition regelmässig kaputt oder in der Reinigung. Damit spare ich, inklusive Brennstoffs, gut und gerne ein Kilo. Und irgendein Bergkamerad hatte bis jetzt immer einen Kocher dabei.

Die grösste Einsparung in Sachen Verpflegung gelang mir jedoch mit dem Whisky-Trick. Gemäss Statistik braucht der Extremalpinist pro Tag eine Flasche Whisky. Nun hat es sich zwar schon lange eingebürgert, den Bölkstoff aus den Glasflaschen in einen PVC-Faltkanister aus dem Campinghandel umzufüllen. Ich gehe jedoch weiter und trage nur noch Whisky in Fassstärke, also mit rund 60 Prozent, in die Wand. Den Tagesbedarf verdünne ich jeweils mit Gletscherwasser auf trinkbare 40 Prozent. So brauche ich zum Beispiel auf einer viertägigen Tour nur noch knapp zwei Liter Wischky missuschleppn unspahre so öppen ts-ts-tswo kilo gwicht.

Das grösste Potenzial sehe ich allerdings beim Rucksack, der leer schon satte 2 bis 3 Kilo auf die Waage bringt. Ich habe mir angewöhnt, meine Habseligkeiten in leichten Tragtüten aus dem Detailhandel mitzunehmen (Stichwort: «Für mich und dich»). Wer im Berner Oberland oder im Wallis unterwegs ist, wird ohnehin den ganzen Tag von Helikoptern begleitet. Obwohl das Bazl die Zahl der Gebirgslandeplätze radikal von 42 auf 40 zusammengestrichen hat. Was liegt also näher, als sich die Ausrüstung gleich vom Helikopter auf die Hütte oder ins Biwak, aufs Portaledge fliegen zu lassen? Einem kleinen Zubrot ist kein Heliunternehmen abgeneigt.

Alleine mit diesen einfachen Massnahmen lässt sich beträchtlich Gewicht einsparen. Vielleicht haben Sie, liebe Leistungsalpinistin, lieber Kampfkletterer, weitere Ideen zur Gepäckreduktion. Lassen Sie uns daran teilhaben?

Thomas Huerzeler* Thomas Hürzeler ist Autor, Fotograf, Musiker, Gleitschirmpilot und Unternehmer mit der ersten klimaneutralen Druckerei der Schweiz. 2003 gelang ihm die Erstbesteigung des Uetlibergs mit Sauerstoff.

18 Kommentare zu «Wie man das Gewicht am Berg optimiert»

  • Raphael Raphael Wellig sagt:

    hallo thomas

    lustiger artikel, lesenswert.
    das ist noch nicht erwähnt: „das wichtigste ist, den kopf mit zu nehmen.“

    ich wünsche allen schöne weihnachten, und ein gutes neues jahr 2016 mit vielen schönen skitouren.

    gruss von
    raphael wellig

  • Monika sagt:

    Ich verstehe die Satire hier nicht ganz. Was genau ist lustig an diesem Artikel und was soll die Botschaft sein? Dass früher alles besser war und Hürzeler zwar ohne Handy in der Tasche dafür aber noch immer mit Hanfseilen klettert? Gleichzeitig wird dann aber erwartet, dass man zwecks Beweisfoto doch noch eine dieser modernen Kompaktkameras mitnimmt? Also doch nicht ganz so konsequent zu Ende gedacht. Irgendwie wirkt der Artikel eher verbittert als satirisch, eher arrogant als witzig und gleichzeitig unreflektiert statt beobachtend. Aber ich wünsche Hürzeler dennoch viele interessante Bestigungen mit seinen Nagelschuhen…

  • vetter melchior sagt:

    Das wichtigste wurde übersehen: Erleichterung, sprich Stuhlgang im Tale, am besten alles auf ein male… wenns dann doch nicht klappt: toalettenpapier m-Budget mitschleppen und nicht hakle 9-lagig..

  • Ingo Nimbus sagt:

    Und vor dem Aufstieg sollte man sich noch rasch den Film „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ nach dem Roman von Milan Kundera ansehen.

  • Mark sagt:

    ich hatte kürzlich die Idee, mir einfach einen grossen Heliumballon an den Rucksack zu hängen. Gut austariert wäre er dann gerade noch etwa 0kg schwer…

    • Roland K. Moser sagt:

      Wenn Sie einen schön grossen Ballon nehmen oder vielleicht auch 2 oder 3 wiegen Sie inkl. Gepäck nur noch 30 kg. Wie auf dem Mond ist es noch nicht, aber fast!
      Das sollten wir mal ausprobieren. Was meinen Sie Herr Hürzeler? Machen wir mal einen Versuch?

    • Roland K. Moser sagt:

      Wie ist es mit der Erstbesteigung des Üetlibergs mit Heliumballonen als Kletterhilfe?
      Na Herr Hürzeler?

  • Minnie sagt:

    Danke Herr Hürzeler. Habe gerade den Termin beim Seelenklempner abgesagt.

  • Anette sagt:

    Herrlicher Text! Die Gebirgslandeplätze sind ein wertvoller Tipp. Bei der knappen Anzahl, die noch bleibt, sind sicher auch ab und zu Ausnahmen und Landungen andernorts möglich. Sehr empfehlenswert ist auch das superleichte Carbon-Alphorn (kein Witz!).

  • Markus Rotkopf sagt:

    Grundsätzlich alles mit Löchern! Also zum Zmittag Emmentaler, und zum trinken Goggi mit viel Blöterli. Denn die Luft wiegt ja nichts.

    Apropos Löcher, als ich diese Matte zum ersten mal gesehen habe dachte ich eher and Satire: http://www.klymit.com/index.php/inertia-x-frame.html

  • gabi sagt:

    Schade, ich dachte es gibt im outdoorblog endlich mal einen vernünftigen artikel mit tollen tipps. aber irgendwie scheint das zu viel verlangt. ich tu mir den blog nur an weil die headlines beim lesen vom Tagi immer sehr verführerisch klingen und ich denke, dass es sich DIESES mal bestimmt lohnt alles durchzulesen. aber stattdessen ists jedes mal ein hafenkäse.
    normalerweise verstehe ich mich gut mit berglern. gemeinsame interessen etc. aber sollte ich jemals das gesicht einer der blogger hier im gebierge zu gesicht kommen werd ich wohl einen grossen bogen um sie machen… extrem unsympatisch!….

  • Anna sagt:

    Ha ha. Ich fürchte, es wird nicht jeder verstehen, dass der Text eine Satire ist.

  • Anja sagt:

    Danke für deine kreativen Tipps! Aber ohne Kamera loswandern? Das geht nicht. Da specke ich das halbe kilo doch lieber vorher noch ab.

  • Roland K. Moser sagt:

    Sandalen mit griffiger Sohle, statt schwerer Bergschuhe.

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