Die Tücken der E-Spassmobile

Ein Gastbeitrag von Peter Hummel*

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Das Einrad ist der neue BMW: Elektroroller der Firma Monowheel. Foto: PD

In den vergangenen Jahren sind immer mehr Elektrofahrzeuge in Verkehr gesetzt worden, die sich kaum in bestehende Kategorien einteilen lassen – etwa selbstbalancierende Stehroller (Segway). Der Bundesrat handelte rasch und hat erleichterte Regelungen für neuartige elektrische Gefährte erlassen: Stehrollerartige Fahrzeuge sind seit dem Sommer vollständig und Velorikschas weitgehend den langsamen E-Bikes (bis 25 km/h) gleichgestellt und dürfen damit neu auch Velowege benützen. Schön und gut. Doch wer die Ausführungsbestimmungen genau besieht, stellt fest, dass damit noch längst nicht alles seine gute Ordnung hat. Im Gegensatz zu langsamen E-Bikes wird ein Mofa-Nummernschild verlangt (wie bisher schon bei E-Trottinetts) – und damit ein Fahrzeugausweis. Der wird aber nur ausgestellt, wenn eine Typenprüfung (EU oder CH) vorliegt.

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Futuristisch: Das Hovertrax von Solowheel. Bild: PD

Martin Sailer, der seit 2013 das Solowheel importiert und damit einer der Wegbereiter dieses Trends ist, erwartet eine grosse Grauzone: «Wenn man bedenkt, dass es weltweit rund 150 Kopien des Solowheels und 30 des Segways gibt, ist davon auszugehen, dass auch in die Schweiz immer mehr Klone vertrieben werden, die nicht typengeprüft sind. Da billige Kopien ein erhebliches Sicherheitsrisiko bergen können, sind Unfälle vorprogrammiert.»

Rechtlich ist die Lage klar: Ohne Typenprüfung und Schild haben diese Gefährte einen Status wie bisher: Sie dürfen nicht auf Strassen, aber auch nicht auf Trottoirs verkehren (im Gegensatz zu den motorlosen FÄG, den fahrzeugähnlichen Geräten), sondern nur auf privatem Gelände. All die Trendsetter, die auf motorisierten Einrädern lässig durch Bahnhöfe zum Zug kurven, bewegen sich also in jedem Fall gesetzeswidrig – ob mit oder ohne Schild…

Es ist gewiss positiv, dass die Zuordnung der neuen Elektro-Spassfahrzeuge nun klar(er) geregelt ist; ob sie dadurch wirklich rasch Verbreitung finden, muss sich erst weisen. Vom Segway wurden in der Schweiz in den letzten sieben Jahren gerade mal ein paar Hundert Stück verkauft. Mit dem Einstieg von grossen Online-Plattformen, welche nun Kopien schon für unter 2000 Franken feilbieten, könnte sich dies ändern, zumal speziell die stehrollerähnlichen Fahrzeuge auch von einer weiteren markanten Erleichterung profitieren: statt einer Kleinmotorradnummer brauchen sie nur noch das Mofa-Schild. Grössere Stückzahlen könnte jedenfalls Micro-Erfinder Wim Ouboter von seinem nun lieferbaren E-Micro one absetzen, das dank seiner raffinierten Kickelec-Steuerung, die nur bei eigener Tretbewegung unterstützt (analog einem E-Bike) keine Mofa-Nummer benötigt.

Nicht eitel Freude hat diese Neuregelung bei den Fussgänger- und Veloorganisationen ausgelöst: Fussverkehr Schweiz etwa moniert eine «Beeinträchtigung der Qualität der Fussgängerflächen», wenn diese Spassvehikel nun ganz legal Gemischtzonen befahren dürfen, die für Velos freigegeben sind. Die Velolobby befürchtet durch die neuen Regelungen Engpässe auf den Velowegen. Da muss sie sich halt die Argumentation der Autolobby zu eigen machen: Wenn das Gedränge zu gross wird, müssen neue Velobahnen gebaut werden – ganz einfach, oder?

hummel*Peter Hummel ist freier Outdoor- und Reisejournalist.

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10 Kommentare zu «Die Tücken der E-Spassmobile»

  • hani lindner sagt:

    Warum habt ihr die Kommentare zum angeblichen Gesetz nicht gebracht. Alles nachlesbar…

  • Lindner, Hansi sagt:

    Noch aufs Thema Beschwärden.
    Es beschwärte sich noch nie jemand über diese Einräder, nur über Zweiräder, also segways…

    • Lindner, Hansi sagt:

      Sind komplett unterschiedlich. Mit nem Einrad ist man flexiebeler als wie ei Fussgänger der läuft…

  • Robert Herz sagt:

    Ich hab auch schon mal mit einem Segway geliebäugelt – für Fahrten bis 2km von zuhause aus. Grad der Segway wäre in meinen Augen auch noch relativ sicher und stört so viel oder wenig wie ein Velo. Die Dinger sind aber viel zu teuer – und am Ende nimmt man dann doch einfach wieder das Velo und fährt für das Geld lieber mal schön in die Ferien.

  • Heiris Marolf sagt:

    Ich finde die teile ganz übel. War letzte Woche in einer Stadt, wo jedes dritte Kind (u16) so ein Ding hatte. Ich hätte Gedacht, das wird ein Gadget, dass sich der eine oder andere Hipster zulegen wird (nicht negativ gemeint) aber so wie’s aussieht wird es ähnlich Erfolg haben, wie die Kickboards. Diese E-Roller fahren nicht nur einfach herum, nein, sie leuchten, sie blinken und bei einigen Modellen spukt er auch Musik aus via Bluetooth. Ich empfind sie als sehr unangenehm und schnell sind sie auch.

  • Marcel sagt:

    Nur der massvolle Stil ist der klassische. Und diese „Gerät“ ist klassisch!

  • Michael sagt:

    Wie bei allen neuen Dingen wird es am Anfang einen Hype geben und danach wird die Begeisterung abflauen, weil es schon einen noch schrägeren Nachfolger gibt. Oder weil einfach das Interesse abflaut und es so garnicht mehr cool ist.Vor dieversen Jahren als zum Beispiel die Inliner aufgekommen sind, ist fast jeder damit rumgefahren – und jetzt ? Jetzt fristen sie ein Nieschendarsein.

    • Lindner, Hansi sagt:

      Das ist der Plan vom Gesetzgeber, da sie die Umsetzung falsch gemacht haben. Deshalb wurde auch noch keiner mit einem Einrad gebüsst… smile…, die wollen auf nen Hipe warten, oder ihn unterdrücken. Geilstes Gefährt aller Zeiten.

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