Das Spiel im Berg

Diese Woche von Baar via Höllgrotten und den Zugerberg nach Walchwil ZG


Ich war in meinem Wanderleben schon in vielen Höhlen; kürzlich zum Beispiel besuchte ich in Saint-Maurice im Wallis die Grotte aux Fées. Man geht unter Tage 500 Meter durch ein Tunnelsystem, das ein unterirdischer Fluss schuf. Dann eine Kaverne, ein Prasseln und Schiessen: ein 77 Meter hoher Wasserfall. Ich staunte.

Fertig mit dem Exkurs in die Romandie. Für diesmal geht es in den Kanton Zug, dessen Höllgrotten auch ziemlich beeindruckend sind. Wir starten am Bahnhof Baar, der Weg ist ausgeschildert und führt als Erstes zur Spinnerei an der Lorze, einem Industriemonument. Vor 150 Jahren war dies die grösste Spinnerei der Schweiz. Sie bot 500 Arbeiterinnen und Arbeitern ein Auskommen; in den Höllhäusern, einfachen Unterkünften, konnten sie ganz in der Nähe wohnen. Auch sie passieren wir.

Jacke mitnehmen!

Nun wird alles grün. Entlang der Lorze streben wir unseren Höhlen zu. Beim Restaurant Höllgrotten zuvor einzukehren, lohnt sich; es ist ein Oäschen der Gemütlichkeit und zieht sie alle an: die Biker, die Hündeler, die Schlenderpaare, die Wanderer. 15 Gehminuten dauert es hernach bis zu den Grotten. Am Kioskhäuschen kaufen wir ein Billett, steigen kurz im Hang auf, erreichen den Eingang, die Besichtigung der beiden Grotten vollzieht sich von oben nach unten. Und ja, Jacke mitnehmen! Im Innern beträgt die Temperatur zehn Grad.

Die Höllgrotten sind junge Höhlen, nur gerade 6000 Jahre alt. Aus Tuffstein bestehen sie, die Wände sind feucht, wir kommen an einem Seelein vorbei, an krötig-warzigen Gesteinsgebilden und -ausformungen, die zu deuten ein Spiel sein kann. Ein Rorschachtest unter Tage. Kinder lieben das. Wer hinter einer Familie geht, hört sie vorausrennen und dann rufen: «Mami, Mami, schau, ein Monster.»

Wenn wir wieder draussen sind im Hellen, beginnt die Wanderung erst richtig. Durchs schattig-kühle Tobel der Lorze halten wir aufwärts, bis der Punkt Schmittli kommt, an dem wir wieder das Licht erreichen, aber auch die viel befahrene Strasse zum Ägerisee. Wir queren sie, nehmen das Alpsträsschen hinauf zur Brunegg, alles wieder gut. Kaum sind wir ein wenig ins Keuchen geraten, kommt die gleichnamige Alpwirtschaft in Sicht. Auf ihrer Terrasse herrlich sitzen und hinab zum Ägerisee schauen. Es gibt rustikale Speisen wie Schüblig, Rösti, Käsekuchen.

Nun wird die Wanderung vollends zur Hügeltour. Wir ersteigen uns die Hochwacht; dieser windumtoste Punkt auf dem Zugerberg bietet viel Aussicht, zum Ägerisee gesellt sich der Zugersee.

Nizza liegt im Kanton Zug

Via Hochstock, Hünggigütsch und Fiselstuden wandern wir hinüber zum Buschenchäppeli, einem Kapellchen an einer Wegverzweigung. Die Wanderung dauert nun bloss noch eine gute Stunde. Doch uns entspannen, achtlos dahinschlendern können wir noch nicht. Es kommt das Früebüel, eine Forschungsstation der ETH mit Schwerpunkt landwirtschaftliche Nutztiere. Und es kommt der Hirschenhof, wo Leute biologisch bauern und ein paar Tipis sowie einen Totempfahl aufgestellt haben. Hernach gelangen wir zur Kante des Walchwilerbergs. Der folgende Abstieg hat es in sich: Sehr steil und rutschig ist der Waldpfad hinab nach Walchwil. Stöcke helfen.

Umso schöner, endlich das «Zuger Nizza», wie sich Walchwil nennt, zu erreichen. Hier gedeihen Palmen, Edelkastanien, Feigen. Und so endet die Wanderung sozusagen am Mittelmeer.
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Route: Bahnhof Baar – Spinnerei an der Lorze – Höllhäuser – Höll – Höllgrotten – Lorzeweg bis Schmittli – Under Brunegg (Alpwirtschaft Brunegg) – Ober Brunegg – Hochwacht – Hochstock – Sätteli – Hünggigütsch – Fiselstuden – Buschenchäppeli – Früebüel – Süren/Hirschenhof – Allmigried – Bahnhof Walchwil.

Wanderzeit: 6 1/4 Stunden (ohne Visite der Höllgrotten).

Höhendifferenz: 791 Meter auf-, 786 abwärts.

Wanderkarte: 235 T Rotkreuz, 1:50’000.

GPX-Datei: Hier downloaden.

Retour: Mit dem Zug von Walchwil Richtung Zug/Baar.

Kürzer: Von der Hochwacht auf dem Zugerberg kurzer Abstieg zur Zugerberg-Standseilbahn. Heimfahrt per Standseilbahn und Anschlussbus zum Bahnhof Zug. So dauert die Wanderung nur 3 3/4 Stunden (574 Meter aufwärts, 88 abwärts); auch diese Zeitangabe ohne Höllgrotten-Visite.

Charakter: Herrliche Abwechslung: Fluss, Höhle, Hügel mit viel Aussicht und zum Schluss ein fordernder Abstieg.

Höhepunkte: Die Höllhäuser, alte Arbeiterhäuser der Spinnerei an der Lorze. Die Höllgrotten. Der Blick von der Hochwacht auf zwei Seen. Das mediterrane Walchwil zum Schluss.

Kinder: Keine Probleme. Und die Höllgrotten als Spektakel.

Hund: Keine Probleme. In die Höllgrotten dürfen Hunde angeleint mit.

Einkehr: In Baar und Walchwil. Unterwegs: Restaurant Höllgrotten, 15 Minuten vor den Grotten am Wanderweg, Ruhetag Mo. Restaurant Schmidtli beim Schmittli, Neuägeri. Ruhetag Do/Sa, geschlossen auch am Mittwochnachmittag. Alpwirtschaft Brunegg, Mo/Di geschlossen, Saisonbetrieb bis 1. November. Besenbeizli, je nachdem mit Selbstbedienung, beim Hirschenhof, Süren. Hier kann man auch Hofprodukte kaufen.

Höllgrotten: Bis 31. Oktober täglich offen, 9 bis 17 Uhr. Kinderwagen/Buggys können nicht in die Grotten. Kioskhäuschen beim Eingang.

Wanderblog: Täglich ein Eintrag auf Thomas Widmers privatem Journal.

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1 Kommentar zu «Das Spiel im Berg»

  • Peter Nussbaumer sagt:

    Es ist kaum zu glauben: Da produziert die Redaktion jede Woche einen übersichtlichen Kartenausschnitt der jeweiligen Wanderung, aber glaubt irgendjemand, dieser würde auch konsequent als Bild in den Blog eingebunden?
    Seit JAHREN (!) ist das ein ewiges hin und her: einmal erscheint er, dann wieder nicht. Es sind schon „Heerscharen“ an Kommentaren zu diesem leidigen Thema eingegangen. Aber die schludrige IT-Abteilung (Unterstellung eines Informatikers) schafft es einfach nicht, diesen Kartenausschnitt konsequent in die Bildabfolge einzubinden! Ich gehe davon aus, dass dies auch Thomas Widmer immer wieder ärgert. Wie lange oder auf wen müssen wir eigentlich noch warten bis das Problem grundsätzlich gelöst wird?

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