Fast wie Surfen: Skifahren rockt

Immer mehr Skifahrer zieht es in den Pulverschnee - auch dank Rockerskis(Dane Tudor fotografiert von Grant Gunderson)

Immer mehr Skifahrer zieht es in den Pulverschnee, auch dank Rocker-Ski: Dane Tudor fotografiert von Grant Gunderson.

Auch wenn sich der Winter bislang vor allem in den Nordalpen noch eher verhalten ins Zeug gelegt hat – Skifahren rockt, unabhängig vom Wetter und den aktuellen Schneehöhen. Studien belegen: Der Anteil der jugendlichen Skifahrer steigt seit ein paar Jahren wieder. Und auch die Zahl der Wiedereinsteiger – ehemalige Skifahrer, die den Sport aufgegeben hatten und sich für das Vergnügen im Schnee nun wieder neu begeistern – nimmt zu. Der Grund: Skifahren ist einfacher geworden, lustvoller und genussvoller. Dazu haben die Skikonstrukteure in den vergangenen Jahren einen entscheidenden Beitrag geleistet. Extrem aggressive (Carving-)Ski sind out. Egal ob Tiefschnee oder Piste – angesagt sind vielseitige Ski, die sich spielerisch fahren lassen. Rocker-Shapes nennt man diese Spassmacher.

«Rocker»: Nein, das hat in diesem Fall weder mit Motorrad-Gangs noch mit harten Beats und rockigem Sound zu tun. Mit Rocker beschreiben Skibauer die Biegelinie des Skis entlang seiner Längsachse. Rocker bedeuten also eine Krümmung nach oben, wie bei den Kufen eines Schaukelstuhls. Je nach Aufbiegung der Ski im Schaufelbereich (Tip-Rocker), am Skiende und im Schaufelbereich (Tip- & Tail-Rocker) oder über die gesamte Skilänge (Full Rocker) unterscheidet man drei Arten von Rocker. Sie stehen im Gegensatz zu Camber-Konstruktionen, Ski mit klassischer Vorspannung, bei denen der Ski im unbelasteten Zustand mit Schaufel und Skiende am Boden aufliegt.

Nase hoch, Skiende Hoch - Rockerski wie der Scott Scrapper versprechen einfacheres Skifahren (schematische Darstellung Rockerkonstruktion: Scott)

Nase hoch, Skiende hoch – Rocker-Ski wie der Scott Scrapper versprechen einfacheres Skifahren. (Schematische Darstellung Rocker-Konstruktion: Scott)

 

Auch wenn sich Rocker-Ski am Markt mittlerweile durchgesetzt haben, gibt es selbst in der Skiindustrie noch Vertreter, die Rocker-Konstruktionen für den Einsatz auf der Piste kritisch gegenüberstehen. Sie bemängeln, dass bei hohen Geschwindigkeiten die Ski unruhig würden und zu «flattern» begännen.

Abgesehen von ultraleichten Tourenrennski gibt es bei Tourenski und Freeride-Ski mittlerweile nur noch wenige Skimodelle ganz ohne Rocker. Gerade Hobbyskifahrer mit einer nicht perfekten Skitechnik profitieren davon. Rocker-Ski sind wahre «Easy Rider» – sie drehen dank der Aufbiegung deutlich leichter als Ski mit herkömmlicher Vorspannung. Selbst in verspurtem Schnee und bei anspruchsvollen Schneebedingungen wie Bruchharsch, tiefem Sulz, oder windgepresstem Schnee lassen sie sich vergleichsweise einfach steuern und verzeihen grosszügig Fahrfehler. Durch die Aufbiegung schwimmen sie im Vergleich zu klassischen Camber-Modellen besser auf – ähnlich wie Surfbretter. Gerade im Pulverschnee, aber auch bei nassem Neuschnee oder Sulz im Frühjahr ist das ein entscheidender Vorteil. Damit verführen Rocker-Ski geradezu, die Pisten zu verlassen. Tiefschneehänge hinabzuschwingen ist mittlerweile kaum schwerer, als auf präparierten Pisten zu carven. Nicht umsonst wirbt die Skiindustrie sehr stark mit Bildern von unberührten Hängen.

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Eine Variante des Rocker-Skis. (Grafik: Absolute Snow)

Doch zurück zur Skikonstruktion: Wie stark die Rocker-Aufbiegung ausfällt und wo sie genau am Ski positioniert ist, hängt vom Einsatzbereich ab. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je breiter die Modelle, und je mehr der Einsatzbereich zu Abfahrten abseits der Piste tendiert, desto stärker ist der Rocker – zumindest an der Schaufel. Nicht wenige Freeride- und Freetouring-Ski verfügen dennoch zumindest in der Mitte über eine traditionelle, positive Vorspannung. Die sorgt bei härterem Schnee und auf der Piste für den nötigen Kantengriff und gute Kontrolle. Sogenannte Tip- oder Speed-Rocker kommen mittlerweile selbst im alpinen Rennsport zum Einsatz – Ski mit klassischer Camber-Bauweise, kombiniert mit einer leichten Aufbiegung an der Schaufel, die beim Aufkanten einen Schneekontakt über die volle Kantenlänge und damit trotz Rocker vollen Kantengriff zulassen. Gleichzeitig fällt die Schwungeinleitung leichter. Die Ski reagieren schneller auf die Befehle des Fahrers. Gerade bei Carving-Ski kam es in der Vergangenheit immer wieder zu dem berüchtigten «Verschneiden» des Skis mit teils gefährlichen Stürzen. Diese Gefahr sinkt mit Rocker-Shapes deutlich.

Angesichts dieses «Fahrwerks-Tunings» für Skifahrer fallen herkömmlich konstruierte Bretter mittlerweile ziemlich aus dem Rahmen. Wer schon seit ein paar Jahren keine neuen Ski mehr unter den Füssen hatte, sollte sich das Vergnügen mit einem 2014er-Jahrgang ruhig mal gönnen. Skiverleihstationen bieten da eine sehr gute Gelegenheit, die Fortschritte im Skibau selbst zu er-fahren.

Was halten Sie von Rocker-Ski? Nur ein hipper Trend der Skiindustrie, um das Geschäft anzukurbeln? Eine sinnvolle Evolution? Oder gar eine Revolution im Skisport? Für welche Einsatzbereiche machen Rocker-Ski Ihrer Meinung nach Sinn? 

 

 

 

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31 Kommentare zu «Fast wie Surfen: Skifahren rockt»

  • Langlaufski sagt:

    Jawoll, geht also der Trend der Kniezerstörenden Snowboards wieder zurück. Zurück zum Ursprung auf die Ski, aber am besten für Körper und gesundheit wäre sowieso das langlaufen. But thats an other story,
    lg

  • Kailash sagt:

    Gute Skifahrer erhalten von einem Rocker auf der Piste zu wenig Rückmeldung. Für abseits der Piste sind sie aber genial. Der Trend hier ist klar wie bei allen Sportgeräten: früher genügte z.B. ein Lederbergschuh für alle Touren in den Bergen. Jetzt sind die Geräte so spezialisiert, dass der Kunde gezwungen ist, mehrere Produkte zu kaufen, wenn er verschiedene Aktivitäten in den Bergen ausüben möchte ausser er akzeptiert einen meist unbefriedigenden Kompromiss. Das gilt auch für die Skis oder Snowboards – ein Gerät, mit dem man auf der Piste toll carven kann, benötigt im Tiefschnee – im Vergleich zu einem auf Tiefschnee spezialisierten Produkt – sehr viel „Arbeit“ und macht viel weniger Spass. Aber am besten einfach ausprobieren.

  • alien sagt:

    Rocker? Hard- oder Kuschelrocker?

  • Jake Burton sagt:

    fast wie surfen… geht nur mit dem Snowboard, und da gibts rocker schon lange :-). Aber wenn die Ski’s im powder nun beseer funktionieren, dann mag auch ich dies Pommesfrittlern gönnen.

  • Daniel Habermatten sagt:

    „Damit verführen Rocker-Ski geradezu, die Pisten zu verlassen.“
    Sagt doch schon alles über die Verleitung zu waghalsigen Aktionen aus. Kein Millimeter weiterdenken. Aber mit den heutigen Airbags und GPS sendern finden die Retter ja die Idioten unter den Schneemassen Problemlos.

  • rick powers sagt:

    beim snowboarden gibts das schon länger… das problem dabei ist, dass man mit rockern nur im pulver spass hat, auf der piste aber gar nicht mehr. da bei höheren tempis die schi/das brett zu flattern beginnen, ist es eher etwas für langsamfahrer und kommt anfängern nicht gerade entgegen. ich fahre am liebsten mein chamerboard (mit vorspann) da dieses auf und neben der piste spass macht. bei besonders schönen powdertagen kommt dann je nach schigebiet (respective steilheit und terrain des zielgebietes) mein 186cm-TANKER zum einsatz oder dann ein kurzer Rocker. Dann bin ich aber den ganzen tag nicht auf der piste, da es keinen spas macht mit rockershape auf der piste. für die 2 wirklich guten powdertage im jahr war zwar der anschaffungspreis der zusätzlichen better hoch, aber janu, wers hot der hots :-)

    nadann eine gute saison allen und kommt nicht unter die bösen lawinen!!

    by the way; kann der Tagi mal recherchieren, ob es sich lohnt einen ABS rucksack zu kaufen oder hatten von den 12 lawinentoten dieses jahr alle einen an was dessen nützlichkeit beschränken würde. wieviele der ebengenannten ein Piepser hatten ware auch interessant. ich denke solche sachen führen nur zu selbstüberschätzung…

  • Glen Buterol sagt:

    mich haben die carverskis zurück auf die pisten gebracht. solche innovationen sind begrüssenswert, nach dem motto ‚jedem das seine‘.
    ich komme aber nicht darum herum zu bemängeln, dass die skiindustrie mit ihren bildern, filmen und promotionen dem skisport einen bärendienst erweist, indem sie allen vorgaukelt, wie unbeschwert es sich doch im pulverschnee und abseits der pisten leben lässt.
    einen flippigen ski an den füssen heisst nicht, sich nicht über die schnee-, lawinenverhältnisse zu informieren.

  • hallo mitenand

    ich durfte auf skitour diese neuen skis testen. mich haben sie überzeugt, vorallem auch das spuren fällt leichter. der ski
    gräbt sich weniger ein.
    beim abfahren benötigt man weniger kraftaufwand. diese technologie wird auf jedenfall eine neue grösse im skizirkus sein.
    sowohl auf und neben der piste.
    ich wünsche allen viel spass.

    gruesse von
    raphael wellig

  • Tjernström sagt:

    Rockerskis sind zwar eine tolle Sache im Backcountry. Die Kehrseite ist aber, dass sich immer mehr Skifahrer ohne Erfahrung und entsprechende Ausrüstung ins Gelände wagen. Ich wär für Bussen und Verbote für Leute die ohne den Nachweis von besuchten Kursen und aktueller Ausrüstung abseits der Pisten fahren. Gates bei den Freeridehotspots wie in Nordamerika wären ein Anfang.

  • Bruno sagt:

    Ich habe immer noch verschiedene Ski, logischweise für verschiedene Zwecke. Auf der Piste carve ich nun mal gerne, deshalb habe ich auch ein paar klassische Carver im Keller. Und auf sehr schwierigen, sprich harten und steilen, bin ich immer etwas skeptisch wenn die Taille meiner Ski bei 100 mm ist oder mehr. Die Standfestigkeit nimmt mit zunehmender Breite der Ski nicht unbedingt zu, im übrigen ist auch der Gleitwiederstand viel grösser bei breiteren Ski.

    • Brunner Thomas sagt:

      Der Gleitreibung hängt nicht von der Fläche ab, sondern ganz allein vom Fahrergewicht. Breitere Skis verteilen das Gewicht auf eine grössere Fläche und umgekehrt.

  • Röbi sagt:

    Man nehme ein paar alte normale Ski’s bei denen die Vorspannung weg ist – und schon hat man ein paar „Rockerski“

    • Anh Toan sagt:

      Nein, das sind dann Rockskis. Die benutzt man, wenn kaum Schnee liegt. Oder für rails und so Zeugs. Oder um auf der geteerten Strasse nachts Funken stieben zu lassen, zumindest wenn man (noch) nicht gut genug ist, um gesponsort zu werden für sowas.

  • Schorsch Gaggo sagt:

    für uns Snowboarder ist das schon ein alter Zopf…aber ich mag es den Pomfrittlern gönnen :)
    viel Spass

  • guenter netzer sagt:

    ist ja alles schön und gut aber brauchts wirklich noch mehr skifahrer, die nicht skifahren können, auf oder neben der piste???

  • Beat Rinderknecht sagt:

    Die inzwischen 12 Lawinentoten scheinen in diesem Blog einfach kein Thema zu sein. Hauptsache Powder, Hauptsache unerfahren in den Tiefschnee. Finde es schade, dass der Tagi derart unreflektierte Positivgeschichten veröffentlicht.

    • Peter Harisburger sagt:

      Herr Rinderknecht, soll der Tagesanzeiger nun täglich kritisch über Autos berichten nur weil es fast täglich Tote im Strassenverkehr gibt? Akzeptieren Sie das es Freerider gibt. PS: Skifahren wurde im Backcountry erfunden, nicht am Skilift…

    • Sepp Manser sagt:

      Jetzt wo Sie es sagen: habe auch noch keinen Autotest gelesen, in dem explizit auf die Gefährlichkeit des Autofahrens hingewiesen wurde und die Coop-Zeitung warnt auch nie vor Fettleibigkeit auf ihrer Rezept-Seite.

    • Aschi sagt:

      @B.R. Auf der Unfall-Tabelle des SLF ist ersichtlich: alle Unfälle bei LB Stufe 3 oder 4, Schattenlage und Hänge über 35° steil.
      Daneben gibt es hunderte von Hängen unter 30° Steilheit und nicht in Nord- oder Osthanglage, die man auch einzeln statt in Gruppen befahren kann. Neben der Piste und auf Touren gibt es genug Routen mit sehr geringen Risiken. Atofahrer können auch am falschen Ort zur falschen Zeit sein. Wo ist das Problem? Wegen tragischen Unfällen darf man den Überlebenden den Genuss nicht missgönnen.

    • Päde sagt:

      Sie gehen wohl nicht mehr in Seen oder Flüssen, Bächen schwimmen? Dort verunfallen und ertrinken etwa gleich viel wie in den Lawinen ersticken …… wieso will da keiner das Baden generell in alles Gewässern verbieten?

      Man (oder Frau) ist in erster Linie selber verantwortlich für das eigene tun.

  • Otto Liebschitz sagt:

    Wir sagen dem „Fassdauben“ und brauchen es manchmal für eine Plauschabfahrt.

  • Aschi sagt:

    Etwas Kanten geben, links, rechts,links… schon ist die Zapfenzieherspur im Pulverschne mit Mouvmentski.

  • Matthias Feller sagt:

    Was sind denn bitte „Tourenrennski“? Gibts sowas? Oder greift jetzt die Nischenseuche aus der Automobilindustrie auf den Skimarkt über? Und dass damit jeder Tiefschneefahren kann halte ich für ein Gerücht. Es werden nur noch mehr Möchtegerns in die Off Piste Hänge reinstieren und dort das nächste Schneebrett runterreissen. EIne Rockerbiegeline ersetzt nicht alpine Grundkenntnisse.

    • Päde sagt:

      Off Piste Hänge, hat in erster Linie mit dem Fahrer zu tun, nicht mit dem Ski. Klar „verleitet“ es mehr, aber es ist wie mit einem 450 PS Bolzen auf der Autobahn, dessshalb wird nicht schneller gefahren, es ist immer noch der Fahrer der das Gaspedal drückt.

    • Snowpro sagt:

      Torenrennskis sind besonders leichte Skis die mehr Spass beim Aufstieg als bei der Abfahrt bieten

  • Anette sagt:

    Ich muss glaub wirklich endlich neue Skis kaufen…

  • Joachim Adamek sagt:

    Das war wieder einmal ein äusserst kompetenter Beitrag zu den neusten Trends in der Skikonstruktion. Die Technik-Begeisterung von Herrn Buschor ist nicht zu übersehen, auch nicht sein Sachverstand. Danke für diesen Bericht aus der vordersten Szene mit seinen wertvollen Tipps!

  • Skifahren rockte schon vor mehr als Tausend Jahren, wie uralte Zeichnungen und aus Mooren in gutem Zustand geborgene Ski beweisen. Als wir bei unserem Firmenstart vor 10 Jahren gerockte Ski bauten wurden wir von heutigen Trendrockern belächelt. Für uns ist diese Technologie eine feste Grösse und kein Trend. Die Art und die Ausprägung des Rockers wenden wir in Abhängigkeit von weiteren Faktoren wie Biegesteifigkeit, Dickenverlauf, Länge, Materialkombination, Taillierung und gewünschtem Fahrcharakter an. Die Technologie ist nicht nur für „Skifahrer ohne perfekte Technik“ (gibt es die perfekte Technik, ausser bei bestimmten Läufen von Ted Ligety, früher Bode Miller, Didier Cuche 2011 in Kitzbühel?), sondern auch für sehr starke Fahrer, welche bereit sind neue Möglichkeiten und Emotionen zu entdecken…auch auf knallharten Pisten.
    …die Fassdaubenfahrer waren übrigens auch Rocker, mit „scheinbar klassisch Camber“ (Vorspann) angezogenen Fassdauben wären sie den Berg runtergelaufen…

  • Roland k. Moser sagt:

    Eine sinnvolle Evolutiion. Ein Spezial-Ski, der nun mal nicht fürs ultra-schnelle Fahren gemacht ist.

    Noch vor nur 30 Jahren hätten diese nicht importiert werden dürfen, davon bin ich überzeugt.

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