«Eine grosse Portion, bitte!»

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Herzhaft darf es gerne sein: Gerade beim Velofahren muss man für eine genügend grosse Energiezufuhr sorgen. (Bild: Flickr/Oleg)

Ich bin ein Fresssack. Beim Kochen multipliziere ich alle Rezepte mit einem Faktor zwei bis drei, und meine Bürokollegin muss fast pausenlos Knabber- und Schmatzgeräusche aus meiner Ecke ertragen. Zum Glück hat sie sich daran gewöhnt, denn hungrig bin ich gänzlich unerträglich. In Restaurants sind meine Ansprüche an das Essen nicht speziell hoch. Ich esse fast alles und brauche keine Haute Cuisine. Aber: Ich will satt werden – ob unterwegs oder mittags im Büroalltag. Bei jeder Bestellung füge ich meinen Wunsch nach einer grossen Portion an, bei ganz grossem Hunger verbunden mit dem Angebot, mehr zu bezahlen. Hin und wieder wird der Wunsch ernst genommen, meistens mit einem «unsere Portionen sind gut bemessen» weggewischt. Oft erweisen sich diese Portionen dann als ungenügend. Meinen sportlichen Freunden ergeht es ähnlich.

«Menschen, die sich wenig bewegen, kommen mit ca. 1800 bis 2200 Kilokalorien am Tag aus», erklärt Sportphysiologe Raphael Blesi. «Frauen eher am unteren Ende dessen, Männer eher am oberen. Einigermassen ambitionierte Sportler, die sich täglich bewegen, verbrauchen rasch das Doppelte an Energie – oder auch viel mehr, je nach Trainingsumfang und -intensität.» Mein Appetit ist also legitim und es ist klar, dass die Bedürfnisse an die Energieaufnahme sehr unterschiedlich sind.

«War es genug?»

Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass sich die Portionen in der Regel eher an der unteren Norm orientieren. Unnötige Verschwendung muss schliesslich nicht sein. Doch ein Nachschlag muss möglich sein. Eine Hauptmahlzeit sollte dazu taugen, einigermassen satt zu werden. «War es genug?», finde ich eine wichtige Frage, die man in Restaurants viel zu selten zu hören bekommt.

Mit meinen Bürokollegen etwa gehe ich nur selten essen. Ich habe ihrer Lieblingsbeiz mehrere Chancen gegeben, bin aber jedes Mal hungrig herausgekommen. Es nervt, wenn man sich nach eineinhalb Stunden und 25 Franken in der Migros mit Brot und Käse eindecken muss.

Unterwegs mit dem Velo ist es mir besonders wichtig, zu genügend Kalorien zu kommen. Bleibe ich hungrig, fehlt mir am nächsten Tag die Kraft für die gewohnte Leistung. Gerade unterwegs ist es aber oft nicht einfach, die ideale Beiz ausfindig zu machen.

Mehrmals wurde mir für jeden Nachschlag, um den ich freundlich und verbunden mit einem Lob an die Küche bitte, ein weiteres Mal der volle Preis auf die Rechnung geschlagen. 40 Franken, um mit Teigwaren und einem Salat satt zu werden, finde ich zu viel. Den Vogel abgeschossen hat eine Hotelkette in den USA, dem Land der – normalerweise – grossen Dimensionen. Die Spaghettiportionen waren nicht gross, dafür die Rechnung: Darauf standen pro Person drei volle Pastamenüs inklusive zweier Salate, die wir nie bekommen hatten.

Hingegen nie ein Problem sind die Mengen in Berghütten und Bauernhöfen (Agritourisme), dort ist man sich an hungrige Mäuler gewöhnt. In Zürich kenne ich mittlerweile auch eine Reihe von Adressen, wo neben der Qualität auch für Sportler die Quantität stimmt:

  • La Casa am Schaffhauserplatz. Im Gegensatz zu den Pizzas sind die Pastamenüs für meinen Appetit eher knapp bemessen, doch gibt es anstandslos einen Nachschlag.
  • Rosita an der Lagerstrasse. Bei ihr werde ich sogar mit einem Sandwich (mit selbst und unbescheiden gewähltem Inhalt) satt, garantiert mit einem portugiesischen Dessert dazu.
  • Chiang Mai an der Josephstrasse. Der grosse Teller hier ist gigantisch und sogar mir zu viel! Der mittlere reicht in der Regel.
  • Bombay Karachi an der Stampfenbachstrasse. Fein und nicht knausrig.
  • Rheinfelder Bierhalle, Niederdorf: Die Jumbo-Jumbo-Cordon-Bleus sind legendär, jedoch nicht mein Ding. Auch die anderen Menüs sind gut bemessen, allerdings meist auf der fettigen Seite.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Portionengrössen? Haben Sie weitere Tipps, wo auch Gäste mit grossem Appetit auf ihre Kosten kommen?

31 Kommentare zu ««Eine grosse Portion, bitte!»»

  • Fabienne sagt:

    Tipp: Emmental. Die Gastfreundschaft und die Groesse der Portionen werden sie nicht enttaueschen!

  • Markus M sagt:

    Mmh, das Bild dass ich da so vor dem innerenn Auge habe: Die Frau Michel kommt mit ihrem 10’000 Schtuz Bike ins Beizli im Bergtal. Anstatt dass sie sich zur Vorspeise eine Pasta und danach eine Pizza bestellt, moechte sie lieber fuer 3 Franken mehr die doppelte Pastaportion.

    Eigentlich wissen wir ja alle, dass gerade Restaurants ausserhalb der Zentren oft ums Ueberleben kämpfen, und mit den Mittagessen alleine kaum noch Geld verdient wird. Wenn ich (als Wanderer) in solchen Gegenden unterwegs bin, bin ich froh, ueberhaupt eine geoeffnete Beiz anzutreffen.

  • Miguel Delgado sagt:

    Habe mich sehr amuesiert beim Lesen dieses sehr gut geschriebenen Artikels. Aber dieses Foto! Ich bin auch begeisterter Biker aber wenn ich diese fette Essen waehrend einer Velotour reinschlinge wird es mir dann auf dem Velo schlecht, kotzuebel. Dies ist ganz und gar nicht was Velofahrer essen sollten. Annette, Sie wollen mir nicht etwa sagen dass sie sich so als engagierte Sportlerin ernaehren??

  • Eddy Beutter sagt:

    Hoffentlich zeigt ide publizierte Photo nicht an, was Sie essen. Das wäre eine undenkbar ungesunde Mahlzeit, voll von Fett und anderen unsegunden Zutaten

  • Sürmel sagt:

    Wenn du was essen willst, bezahl gefälligst dafür! Ansonsten steht es dir frei von Zuhause was mitzunehmen und an einem schönen Fleck ein Picknick zu machen.

  • Alberto La Rocca sagt:

    Helme, Handschuhe und „verschwitzi Liibli“ gehören nicht auf einen Esstisch – Tagi-Experte und «Schweizer Knigge», Christoph Stokar, ergreifen Sie das Wort dagegen, bitte!

  • Marc Schiesser sagt:

    Seit Jahren das gleiche Bild in den CH-Restaurants. Preise steigen + Portionen werden immer kleiner! Restaurant-Betreiber sind dabei sehr gerissen. Teller werden viel dekoriert und haben ständig neue Formen aber Inhalt & Qualität nimmt jährlich ab! Man kriegt mehr Schaum als Kaffee und mehr Sauce als Reis (sofern man diese flüssige Masse noch als Sauce bezeichnen kann).Selbst bei Fastfood-Ketten wie Mac-Donalds werden Burgers und Pommes-Portionen immer kleiner…. (Bin beruflich oft in Österreich und muss leider sagen, dass CH-Gastronomie gegenüber Österreich sehr schlecht abschneidet

  • T. Widmer sagt:

    Ach, wie ich damals in Seattle die Eat-as-much-as-you-can-for-one-dollar-ninety-nine-Buffets liebte.

  • Ekolino38 sagt:

    Liebe Sportler, Euren Hunger in Ehren!
    Aber!!!
    Warum muss der Wirt, der eine Kalkulation der Portionen macht, Euer Hunger nach Trainings-Kalorien
    mit grösseren Portionen stillen? Klar kann ein Aufpreis verlangt werden, der ist aber doch immer mit einem fahlen Nachgeschmack verbunden.
    Also wenn Ihr mehr Kalorien braucht und während des Sports in Restaurants geht, dann nehmt Eure Zusatz- Kalorien doch selbst mit, dann seht Ihr auch den Preis dafür, den der Wirt nicht einfach mit Nachschöpfen bezahlen kann.

    • Urs Stocker sagt:

      ich hätte es nicht besser sagen können,

      Ein Restaurant ist sicher nicht dafür verantwortlich, den Kalorienbedarf eines/r Spitzensortlerin/s zu decken. Wenn ich, als Langsamverkehr (Wanderer) komme ist es meist zu viel.. Und dann wird halt wieder Essen weggeworfen, das ich nicht brauchte.

      Gruess,
      Urs

      • captain kirk sagt:

        Genau daher ist die Autorin ja auch bereit mehr zu bezahlen. Denn die Portionen müssen sich nach dem Durchschnitt orientieren. Auch wenn das für gewisse Leute halt bedeutet danach noch etwas Hunger zu haben.

  • Martin Weibel sagt:

    Früher konnte ich nach einer Ausfahrt mit dem Bike zuhause den halben Kühlschrank leerfressen. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass wenn ich unterwegs nicht mit Kalorien – sprich 500 ml Isostar pro Stunde, bei längeren ausfahrten Banane oder Farmerriegel- knausere hält es sich in Grenzen. Daneben kann ich normale Portionen essen eben die 2200 kcal pro Tag. Was ich zusätzlich beim Sport verbrauche führ ich vor und während dem Sport zu. Somit nein ich gehöre trotz 10 h Ausdauersport pro Woche nicht zu jenen die die XXL Portion brauchen. Noch als Tip: Restaurant Brauerei in Baar. Da wird man satt.

  • Thomas sagt:

    Ist zwar besonders für Zürcher weit weg von Zürich, aber das Gartenhaus in St.Gallen ist auch eine Empfehlung wert. Am besten den Gartenhaus Spezialteller mit einem gemischten Salat (als Vorspiese) bestellen. Wer nachher noch hungrig sein sollte (seeehr unwahrscheinlich!), bekommt nochmals gratis einen Teller. Nur aufessen muss man den aber wirklich! ;-)

    • Thomas sagt:

      Ach ja, ich möchte noch hinzufügen, der Gartenhaus Spezialteller liegt bei <25 Fr. am Abend. Mit Rösti, Fleisch, Speck und Eiern aufeinander gestapelt.

  • Hotel Papa sagt:

    Fast 10 h pro Woche mittel-intensives Radfahren (Arbeitsweg), aber wenn ich jeden Tag in der Baiz essen würde, ginge ich auf wie-n-es hefechüechli.

    Muss ich noch sagen, dass ich Schnell-Brenner beneide?

  • franz Weber sagt:

    der Text könnte definitiv eins zu eins von mir geschrieben worden sein, ausser den Restauranttipps am Ende!
    Ich selber gehe sehr selten auswärts essen, wenn dann eine Pizza, komischerweise macht mich dieser teig schon für 2std. satt! Ich bin selber auch extrem verfressen. Gehe sicher 5mal die woche ins fitnessstudio und wann immer möglich auch sonst biken/squashen oder draussen rennen.
    Mich nervt die Spitalkantine in Basel. Diese sollte auch unsere Kantine sein, bei den Pastatellern wird in Gramm gerechnet 700 gramm pasta mit getränk 25 franken für eine Kantine = PFUI!!…

    • steve stevenson sagt:

      komme morgen nach basel. 700 gramm pasta für 25.- inkl. getränk kann ich mir nicht entgehen lasen ;)

    • J. Wiss sagt:

      Aber hallo: 700 Gramm Pasta!! Das isst ja selbst ein Profi-Rennfahrer nicht auf einmal! Das hat mit Ernährung und Sport nichts mehr zu tun, das ist schon schiere Verfressenheit.

      • Hans sagt:

        Ich denke 700 Gramm sind ziemlich sicher das Gewicht der gekochten Pasta, also etwa 250g ungekocht, was nicht sonderlich viel ist für Sportler oder Büezer.

        • Robet Mächler sagt:

          Also 250g ungekochte Pasta sind ja eine Wucht! Ich meine, ich kann schon viel Essen, aber wenn ich zu Mittag ca. 120g (ungekochte) Vollkornpasta zu mir nehme, dann fühle ich schnell mal voll! :-)

          Anderseits bei normaler Pasta, sieht es düster aus, bei gleicher Menge habe ich 1.5h später wieder voll hunger!
          Und Sport mache ich ca. 3-4 / Woche. 45-60 Min. laufen oder Krafttraining.

          • Hans sagt:

            120g Vollkorn Pasta sind doch etwa 400 kcal, mit etwas Sauce vielleicht 500kcal. Das würde bei mir (179cm/64kg) nach dem Training (10h+/Woche, Triathlon) nicht reichen. Einzelne Mahlzeiten gehen bei mir oft über 1000kcal hinaus, und so etwas bekommt man eher selten im Restaurant. Allerdings esse ich im Restaurant auch nicht um voll zu werden, sondern wegen des Genusses, und da ist Quantität eher zweitrangig ;-)

  • Frau Hamburger sagt:

    Vielleicht sollte man nicht nur auf die Portionengrösse achten, sondern auch darauf, was auf dem Teller liegt. Wenn nur Kalorien gegessen werden (durch viel Fett und Zucker wie auf dem sehr passenden Bild) und Ballaststoffe links liegen gelassen werden, ist baldiger Hunger vorprogrammiert…

  • captain kirk sagt:

    Ich würde mich ja schon als Fresssack bezeichnen und werde es auch von Freunden, aber wenn ich das so lese, konnte ich mir doch ein Grinsen nicht verkneifen. So schlimm geht es mir zum Glück nicht trotz 4-6x die Woche für mindestens 45min Sport.

    Aber ich esse auch sehr selten auswärts, da das Essen meist nicht das hält was es verspricht.

    • Ekolino38 sagt:

      Mehr auswärts Essen und die richtigen Restaurants finden, es gibt welche die sind wirklich gut und jeden Preis wert.

  • Luise sagt:

    Mir geht es ähnlich wie Anette, obschon ich sicher weniger aktiv bin als sie. Aber ich bin sehr schnell hungrig nach einem knappen Essen und brauche auch den ganzen Tag irgendwelche (gesunde) Zwischenverpflegungen. Je „besser“ das Restaurant, umso knapper die Portionen. Ich hab nach einem 4-Gänger auch schon einen Nussgipfel verlangt. Beim nächsten Mal waren die Portionen grösser:-)

  • Michael Stalder sagt:

    Ein Pastanachschlag sollte nichts kosten, das ist klar. Aber über die Definition eines einigermassen ambitionierten Sportlers der sich täglich bewegt kann man sich streiten. Mit einer Stunde Jogging pro Tag bleibe ich knapp unter +1000 kcal, das kann ich noch problemlos mit ein paar extra Brotscheiben, einem grösseren Frühstück oder einem Dessert ausgleichen.

  • Ich neige zu einer eher pragmatischen Lösung: Vor dem Restaurantbesuch hole ich das (vor der Fahrt flach gepresste) Vollkornbrötli mit viel Käse aus der Rückentasche des Velo-Trikots und stille damit den grössten Hunger. Dazu ein alkoholfreies Bier vom Kiosk – und erst dann geniesse ich das kleine Menü im Restaurant.

    • Thomas sagt:

      Statt Haute-Cuisine dann halt eher in einem klassischen Arbeiterrestaurant essen gehen. Da wird man eigentlich immer satt. Je höher die Preise, desto kleiner die Portionen. ;-)

  • Roland K. Moser sagt:

    Migros und Coop sind nicht schlecht. Bei der Migros wird es auf die Waage gestellt und dann zahlt man, was man auf dem Teller hat. Bei Coop war es früher so, dass man eine Portion erhalten hat und danach noch nachfassen konnte, heute geht es vermutlich auch auf die Waage.

    Pro Stunde Sport empfehle ich 200 kCal. zu sich zu nehmen. Während des Sports natürlich.

  • Meret sagt:

    Waldhaus Katzensee an der Wehntalerstrasse. Wer dort hungrig rausgeht ist entweder ein Knauseri und hat nur ein Salätli bestellt oder frisst im wahrsten Sinn des Worts wie ein Elefant. Durchschnittliche Esser bringen die Portionen in der Regel nicht runter.

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