«Transsibiria» – pure Plaisirkletterei!

Diese Woche: Kletterroute «Transsibiria» mit Profialpinist Roger Schaeli – 6 Seillängen, 180 Meter, Schwierigkeit 6a, nahe Brünig-Passhöhe BE


«Transsibiria»: Plaisirkletterei für das Bilderbuch!

Schon der Zustieg bleibt unvergesslich! Wo er andernorts erst Stunden dauern kann und viele Höhenmeter zu überwinden sind, dauert er hier gerade mal fünfzehn Minuten ab Parkplatz: 500 Meter über ein asphaltiertes Strässchen, dann über ein Steinschlagschutzgerüst und ein kurzes Stück durchs Walddickicht.

«Transsibiria» – diese Route führt nicht von Moskau nach Peking, sondern ganz simpel in sechs Seillängen (180 Meter) durch die Tschorrenflue nahe der Brünig-Passhöhe. Eine genussvolle und wenig frequentierte Tour mit wunderbarer Aussicht auf das üppig grüne Haslital und den türkisblau schimmernden Brienzersee. Ein kleiner Geheimtipp!

Ich klettere sie zusammen mit Profialpinist Roger Schaeli – für ihn ein Spaziergang und auch für mich nichts als Plaisir. Obschon eine relativ einfache Tour, ist sie doch ernsthaft, und wir erfreuen uns an diesem sonnigen Vormittag, ungestört und stressfrei (sportlichen) Spass zu haben. Kein Mensch weit und breit.

Die erste Seillänge (6a-) empfinde ich als die schwierigste: ausgerechnet die allerersten vier, fünf Kletterzüge! Knifflig, dieser Start braucht Kraft – zum Einklettern wirklich nicht ideal. Aber: Ist diese Stelle überwunden, sind quasi auch die folgenden 175 Meter über den griffigen Kalk schon geschafft.

Ein grosser, halb-loser Felsbrocken

Die Schlüsselstelle wartet in der vierten Seillänge (6a): ein kurzer, exponierter Überhang.  Achtung, da befindet sich ein halb-loser Felsbrocken, der früher oder später abbrechen wird (siehe Foto). Also: Don’t touch! Das gilt besonders für den Vorsteiger, falls eine andere Seilschaft unterhalb aufsteigt, auch für den Nachsteiger.

Es ist auch gar nicht nötig, über diesen Brocken zu klettern, selbst wenn er im ersten Moment dazu verleitet. Die Stelle einfach links traversieren – das ist die richtige und einfachste Linie.

In der fünften Seillänge folgt noch mal ein kleines, überhängendes Felsdach. Die Absicherung ist jedoch perfekt eingerichtet.

Kaugummi statt Wasser

Oben angekommen, geniessen Roger Schaeli und ich das prachtvolle Panorama – den Gebirgszug von Mährenhorn (links), Wandelhorn (vis-à-vis) bis Axalp (rechts). Ausser Kaugummi haben wir nichts dabei, unsere Rucksäcke inklusive Wasser deponierten wir unten beim Einstieg.

Das Abseilen geht von der 5. Seillänge problemlos, ganz oben von der 6. Seillänge ist es jedoch umständlich, darum besser links zu Fuss über den Weg absteigen – oder die letzte Länge auslassen.

Natascha Knecht

«Transsibiria»-Routeninfos:
Ort: Zwischen Brünig-Passhöhe und Hohfluh BE. Auto: Von der Abzweigung Brünig zirka 3 km bis zum Brunnen links, parkieren beim Gebäude rechts. ÖV: Mit dem Postauto ab Brünig eine Haltestelle bis «Bodemli», dann zu Fuss entlang der Strasse.
Einstieg: Auf 1190 Meter. Vom Parkplatz das Strässchen hinaufgehen bis zur zweiten Ausweichstelle, dort über die Steinschutzverbauung steigen und den Waldpfad hoch bis zum Fels.
Route: 6 Seillängen, 180 Meter
Kletterschwierigkeit: 6a (5c obl.)
Ernsthaftigkeit: Steile Wandkletterei, Mehrseillängenroute mit eher harmlosem Charakter, Rückzug bei Wetterumsturz kann jedoch zu Problemen führen. Die Route ist bei anhaltend sonniger Witterung auch im Winter begehbar.
Seil: 2 x 50 Meter Doppelseil
Express-Sets: mind. 9 Stück
Bohrhaken: gut+
Eingerichtet: von Roland Mäder und Fränzi Graber, 1992

Kletterführer: Plaisir West – Edition Filidor / Meiringen, Tschorrenflue

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