Froschlaich, Wolfsgrube, Pferdekopf

Diese Woche von der Forch nach Meilen (ZH)


Letztes Jahr um diese Zeit waren ich und meine Journalistenkollegen Barbara Lukesch und René Staubli des öftern im Pfannenstiel-Gebiet unterwegs; der Pfannenstiel, liebe Nichtzürcherinnen und -zürcher, ist ein Höhenzug über dem rechten Zürichsee-Ufer. Für die Forchbahn realisierten wir anlässlich ihres 100-Jahr-Jubiläums ein Ausflugs-App mit Wanderungen und Velotouren.

Die Gratis-App für iPhone und iPad liegt mittlerweile vor; hier eine der schönsten Routen, die ich kürzlich wieder gegangen bin. Leicht und luftig ist sie und passt zum Frühling – sieht man in der zweiten Weghälfte den Zürichsee vor sich liegen, geht einem das Herz auf. Ab Monatsende kann man übrigens nach Wanderende in Meilen bequem mit dem Kursschiff nach Zürich zurückkehren. Am 29. setzt der Frühlingsfahrplan mit doch einigen Kursen täglich ein.

Also. Wir starten bei der Bahnstation Forch, schlagen den Weg zum Pfannenstiel ein, passieren «im Chaltestei» einen Bauernhof mit Hofladen, und hernach haben wir schnell Aussicht. Wir sehen die Albiskette mit dem Sendeturm auf der Felsenegg, blicken aber auch weit hinüber ins Zürcher Oberland; und der massive Klotz weiter hinten ist, ist, ist… jawohl, tatsächlich, das ist der Säntis. Direkt unter uns liegt der Greifensee.

«Cholgrueb» und «Chüelenmorgen»

Weiter oben, bei der Grillstelle, ignorieren wir den Abzweiger nach rechts Richtung Herrliberg. Statdessen halten wir in den Wald. Es geht kurz steil aufwärts, dann kommt ein Abzweiger nach – welch Poesie! – Chüelenmorgen. Diesen Weg nehmen wir. Nun, da wir nicht mehr dem Massenziel Pfannenstiel zusteuern, wird es einsam. Überall gedeiht Stechlaub, die Blätter glänzen wie lackiert, sehen irgendwie böse aus, wie aus dem Giftgarten der Märchenhexe.

Der Name «Cholgrueb» deutet auf eine Köhlerstelle. «Chüelenmorgen» stellt sich als Wanderverzweiger in einer Lichtung samt Forsthütte heraus. Auch ein Froschweiher ist da, dessen seichte Uferpartien frühlings mit Laich bedeckt sind. Wir passieren die Wolfsgrueb, dann eine unmarkierte, grossenteils unterirdische Anlage mit hohen Toren. Armee? Beim Rütihof erreichen wir wieder offenes Gelände und die Strasse Herrliberg – Forch. Die Pferdekopf-Skulptur bei dem Hof an der Strasse deutet an, dass es sich um einen Reiterhof samt Pferdepension handelt.

Zu viel Asphalt

Parallel zur Strasse halten wir abwärts, biegen dann bei der Trafostation rechts in die Felder. Die Rigi vor Augen, steigen wir durch den steilen Chilchrain ab nach Wetzwil. Dessen abseits des Weilers liegendes Kirchlein ist beliebt für Hochzeiten. Wetzwil wurde schon vor 1200 Jahren urkundlich erwähnt, als ein gewisser Wolfbold und seine Kinder ihren Besitz dem Kloster St. Gallen übertrugen. Wolfbold? Fing er in der erwähnten Wolfsgrueb Wölfe?

Wir leisten uns nun einen Umweg, indem wir nicht nach Wetzwil hinübergehen – zuviel Asphalt! Stattdessen setzen wir fort nach Wängi, kommen am Schlatthof vorbei, dessen Stall man besichtigen kann. Dann das, eher gehobene, Restaurant Buech. Und dann die «Luft» – ihr Anblick allerdings tut weh. Die gute alte Ausflugsbeiz, deren neckisches Türmchen auf Schloss macht, ging vor einigen Jahren an einen deutsch-russischen Ölhändler und ist in Privatbesitz. So bleibt uns nichts anderes übrig, als die Einkehr aufzuschieben; unten in Meilen gibt es genug Wirtschaften.

Route: Forch Station (Forchbahn ab Zürich Stadelhofen) – Pfannenstielweg bis zum zweiten Abzweiger im Wald nach Herrliberg/Chüelenmorgen – Cholgrueb – Chüelenmorgen – Wolfsgrueb – Rütihof – Chilchrain – Kirche Wetzwil – Wängi – Schlatt – Buech – Luft – Bahnhof Meilen.

Gehzeit: 2 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: 120 Meter auf-, 380 abwärts.

Wanderkarte: 226T «Rapperswil» und 225T «Zürich», 1: 50 000.

Charakter: Leichtes Wandern durch Wald und Feld, kürzere Abschnitte auf Asphalt. Im Wald am Pfannenstiel einsam. Später aussichtsreich mit dem Alpenkamm vor Augen.

Höhepunkte: Das Stechlaub um die Cholgrueb und Chüelenmorgen. Der Laich im Weiher von Chüelenmorgen. Das Kirchlein von Wetzwil. Der Zürichsee vom Punkt Luft aus gesehen.

Kinder: Eine ausgesprochene Familienwanderung.

Hund: Keine Probleme.

Einkehr: Unterweg nur im Restaurant Zur Buech. Kein Ruhetag, aber keine warme Küche ausserhalb der klassischen Essenszeiten. Eher gehobenes Niveau. – Am Schluss in Meilen.

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com

Forch-Wanderungen: Auf www.forchbahn.ch findet man unter «Ferien & Freizeit» den Link zum App-Download sowie eine pdf-Version zum direkten Ausdrucken.

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9 Kommentare zu «Froschlaich, Wolfsgrube, Pferdekopf»

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