Mit Sicherheit mehr Spass

Ein Blog von Siri Schubert*

Nass werden kann man: Stand-Up Paddleboarding vor Fuerteventura. (Bilder: Siri Schubert)

Nass werden kann man: Stand-Up Paddleboarding vor Fuerteventura. (Bilder: Siri Schubert)

Einer der absoluten Pluspunkte des Stand-Up Paddleboarding (SUP) ist, dass es so leicht erlernbar ist. Meist dauert es auf flachem Wasser nur Minuten, bis Anfänger aus der knienden Position in die stehende wechseln und – zuweilen noch mit leichtem Wackeln – drauflos paddeln und Spass haben.

Als ich von der 7-tägigen Kombi-Ausbildung der österreichischen ASUPA (Austrian Stand Up Paddle Association) und der International Surfing Association (ISA) zum Instruktor im Stand-Up-Paddeln und Stand-Up Paddle Surfing hörte, meldete ich mich sofort an. Die Idee, Methoden zu lernen, um meine Begeisterung für das Paddleboarding auch mit anderen besser teilen zu können, faszinierte mich. Der besondere Bonus: Die Ausbildung fand auf Fuerteventura statt und das Konzept Sonne statt Schnee war genauso verlockend wie die Aussicht, mit dem SUP auf dem Meer zu paddeln und vielleicht auch die ein oder andere Welle zu erwischen und auf ihr zu surfen.

Doch Freunde, denen ich davon erzählte, waren skeptisch. «Warum braucht man denn fürs SUP-en einen Instruktor?» fragten Sie. «Da gibts doch nichts viel zu lernen.» Die ganze Lizenzierung würde den Sport nur komplizieren und reglementieren. Ich war gespannt.

Steht ihre Frau: Die Autorin auf hoher See.

Steht ihre Frau: Die Autorin auf hoher See.

Im theoretischen Teil ging es gleich los mit Materialkunde, gesetzlichen Bestimmungen, methodischen Grundsätzen, Paddel-Techniken, Wetterkunde und – vor allem – Sicherheit. Dann durften wir aufs Wasser – ein passendes SUP hatte ich mir vor Ort bei der Surfschule Rapa Nui geliehen. Jetzt war Eigenkönnen gefragt. Basisschlag, Bogenschlag, Ziehschlag, Paddelstütze, Stoppschlag, Offside-Turn – wir, eine kleine Gruppe von drei Teilnehmern aus der Schweiz und Österreich, musste zeigen, dass wir die Basics drauf hatten. Und wenig später, dass wir sie auch SUP-Anfängern vermitteln können. Immer wieder forderte Kursleiter Peter Bartl einen von uns auf, die Gruppe zu übernehmen, um den Schülern eine Paddel-Technik beizubringen oder ein Lernziel wie sicheres Geradeaus-Paddeln im Seitenwind anzustreben.

Da wir nur zu dritt waren, liessen sich die Kurskollegen einiges einfallen, damit es nicht langweilig wurde. Manchmal hielten sie absichtlich das Paddel verkehrt herum, paddelten davon, standen rückwärts auf dem Brett oder liessen sich ins Wasser fallen. Und als Instruktorin in spe musste ich reagieren. Und zwar schnell. Das war nicht immer einfach. Denn auch wenn sich der erste Teil des Kurses auf Flachwasser beschränkte, gab es doch Wind, Wellen und zuweilen auch Steine am Ufer, auf die man achten musste. Und ohne schnelle, klare Anweisungen könnten SUP-Anfänger hier schon in Situationen geraten, die zumindest am Board Kratzer verursachen, aber auch, wenn es ganz dumm läuft, brenzliger werden könnten.

Deshalb war für mich das Sicherheitstraining eines der Highlights des Kurses. Rettungsschwimmer und Erste-Hilfe-Kenntnisse sind ohnehin vorgeschrieben und für das Modul im Stand-Up Paddle Surfing, also im Wellenreiten mit dem SUP, wird auch noch die NARS (National Rescue Standard) Livesaver Lizenz, also eine Rettungsschwimmer-Lizenz für das Meer, vorgeschrieben. Während des Kurses gab es zudem noch Rettungsübungen und ich merkte schnell: Einen Mann, der rund 20 Kilo schwerer ist als ich, aufs Board und dann sicher wieder ans Ufer zu bringen, ist kein Kinderspiel. Doch allein die Tatsache, dass ich die Situation geprobt habe und einige Kniffe zur besseren Ausnützung der Hebelwirkung gelernt habe, werden mir helfen, sollte es einmal einen Ernstfall geben.

Auch die Analyse der Wetter- und Umgebungsbedingungen, die Kursleiter Peter Bartl immer wieder einforderte, war äusserst hilfreich. Zwar schaue ich bei meinen Ausflügen und Trainings auch vorab im Internet auf Wind-, Wetter- und Wasserbedingungen, aber konsequent vor jedem Start eine Skizze mit Sicherheitszonen und Gefahrenzonen wie Steinen, flachem Wasser, Strömungen sowie Wind und Wetter zu erstellen, erhöht die Aufmerksamkeit und hilft, die Bedingungen besser einschätzen zu können.

Eines ist klar: Stand-Up Paddleboarding ist ein sehr sicherer Sport – meist ist das Schlimmste, was passieren kann, dass man nass wird. Und auf einem See ab und zu ins Wasser zu fallen macht ja gerade im Sommer einen Teil des Vergnügens aus.

Dennoch kann ich denen, die einer Ausbildung skeptisch gegenüberstanden, jetzt klar widersprechen: Es gibt einiges zu lernen und gut ausgebildete Instruktoren machen den Sport sicherer und schöner. Denn zu lernen, sich auf dem Wasser richtig zu bewegen, Gefahren realistisch einzuschätzen oder am besten zu vermeiden, dabei die Umwelt zu respektieren und noch Tricks zum besseren Fahren und schnelleren Wenden zu üben, ist in jedem Fall ein Gewinn. Was meinen Sie?

*Siri Schubert ist Journalistin, Medienberaterin und begeisterte Wassersportlerin. Nach mehr als 10 Jahren in den USA, die meiste Zeit davon in Kalifornien, lebt sie jetzt in Basel.

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