«Eventyr» oder «Fairy Tale»?

Die Region um den Scoresbysund und den Öfjord bietet ein geniales, weitgehend unberührtes Klettereldorado. Noch sind sehr viele Erstbegehungen und Erstbesteigungen möglich. Ich glaube aber, dass uns die schönste aller Routen hier letzte Woche gelungen ist. Der Zauber der Big Wall wird lange anhalten.

Am Wochenende nahmen wir Abschied von unserem Berg. Vom Camp aus hatten wir ihn immer wunderschön vor Augen. Das Wetter wurde inzwischen grönländischer, die Temperatur beträgt 2 Grad Celsius.

Camp

Unser Camp mit Blick auf den markanten Granitturm in diesem weitgehend unberührten Bergmassiv. Simon Gietl, Roger Schaeli, Daniel Kopp (v.l.).

Wir diskutierten auch darüber, wie wir unsere neue Route durch die 1325 Meter hohe Nordostwand des Grundtvigskirken taufen wollen. Mehrere Blog-Leserinnen und -Leser schlugen uns «Eventyr» vor. Das bedeutet auf dänisch Märchen und auch Abenteuer. Wir finden, das würde perfekt passen. «Eventyr» und «Fairy Tale» stehen jetzt in der engsten Auswahl.

Simon und ich dürfen uns auch für unsere Zusatzroute einen Namen ausdenken. Weil wir den Berg als echten Klassiker empfanden, möchten wir der Linie einen klassischen Namen geben. Vielleicht etwas aus der klassichen Musik? Noch ist uns nichts Schlaues in den Sinn gekommen. Vorschläge nehmen wir gerne entgegen!

Daniel Kopp

Daniel fängt eine ordentliche Forelle.

Heute hatten wir zum ersten Mal Glück beim Fischen: Vier Forellen gefangen! Das war vielleicht ein Festessen.

Gegen Mitternacht machen wir uns langsam auf die Rückreise und fahren mit den Schlauchbooten weiter. Nachts ist das Meer ruhiger und die Fahrt weniger abenteuerlich. Bei einer kleinen Inuit-Siedlung wollen wir einen Zwischenstopp einlegen. (Aufgezeichnet von Natascha Knecht)

Thomas Ulrich

Viele Eisberge, wenig Fische: Thomas wirft das Fischernetz nochmals aus.

12 Kommentare zu ««Eventyr» oder «Fairy Tale»?»

  • Hallo, das ist Natur pur, ihr seid zu beneiden. Gruß Peter

  • Joachim Adamek sagt:

    Kære venner,
    tak für Euren letzten Eintrag. Die Aufnahmen sind wieder eine Wucht. Herrliche Spätsommerimpessionen, in die man sich so richtig hineinversetzen kann.
    Rolf hat mir aus der Seele gesprochen. Bleibt mir heute kaum etwas zu sagen. Wenn Ihr einen Namen für Eure Route sucht, warum nicht eventyr sti (Abenteuer-Steig)? Er läßt sich leicht in alle Sprachen übertragen.
    Florence möchte ich zu Bedenken geben, daß der Blick zurück meist ein Blick in den Abgrund ist. Ich sage das als Deutscher und als einer, der seit 15 Jahren viel über Bosnien arbeitet.
    Ich war 1984 eine Woche in Grönland, weil meine Zimmernachbarn im Studentenkolleg, angehende Mediziner, so phantastisch von Nuuk und dem Godthåbfjord zu erzählen wußten. Sie waren ein Paar, und sie hatten fest vor, auf Dauer nach Grönland zu gehen. Ob sie es getan haben, weiß ich nicht. Aber ich habe große Achtung vor ihnen. Denn Grönland, das ist auch fast zwei Monate stockfinstere Nacht.

    • Joachim Adamek sagt:

      Undskyld, ich muß mich korrigieren. Habe in der Eile etwas verpatzt: Zu Rolf: Grönländisch ist zwar stark im Kommen, aber Dänisch wird keineswegs als verhaßte Kolonialsprache in Grönland empfunden. Im Gegenteil, man kann sich mit Dänisch auf Grönland überall gut verständigen.
      Zu Florence: Ich weiß nicht, ob man sagen kann, daß sich Grönland von Dänemark abkapselt. Sicher, es will mehr Unabhängigkeit, mehr Selbständigkeit und mehr Mitsprache. All das wurde den Grönlandern gewährt, vielleicht nicht immer so, wie gewünscht. Grönland wird auf Jahre und Jahrzehnte noch auf finanzielle Unterstützung von Außen, vor allem, von Dänemark angewiesen sein.
      Das Leben geht manchmal sehr eigene Wege: Wenn die Leute nicht so versessen auf Reisen wären, und wenn es den Klimawandel nicht gäbe, würde Grönland heute vielleicht noch immer ein unbeachtetes Dasein fristen. Das hat sich nicht zuletzt dank der neuen Kommunikationmittel kräftig gewandelt. Für den Schulunterricht und die medizinische Versorgung werden beispielsweise IT in Grönland viel stärker genutzt, als bei uns.
      Wenn ich an Eurer Stelle wäre, lieber Roger, Simon und Daniel, dann würde ich die Routen zweisprachig registrieren lassen, sowohl in Grönländisch als auch auf Dänisch.
      „Eventyr“ im Sinne von Märchen ist vielleicht nicht die schlechteste Wahl.

  • Jo Adams sagt:

    How about Peer Gynt
    In the Hall of the Mountain King is a piece of orchestral music, Opus 23, composed by Edvard Grieg for Norwegian playwright Henrik Ibsen’s play Peer Gynt. :)

  • carine sagt:

    faszinierend im zeitraffervideo, die bewegung der eisberge!

    Zur namensgebung: die zweite besteigung habt ihr ja „ratzfatz“ noch drangehängt. Das tempo war „presto“ Vielleicht ist’s auch der gesuchte namen!

    Ich werde euere berichte vermissen…

  • florence sagt:

    Hallo zusammen,
    Den Gedanken, einen grönländischen Namen für die Route zu finden, finde ich sehr spannend, vor allem da sich Grönland von Dänemark abnabelt und seit 2009 Autonomiestatus hat.
    Beim Greenland Language Secretariat (http://www.oqaasileriffik.gl/en) gibts ein Dictionary:
    Deutsch: Märchen
    Danish: eventyr
    Greenlandic: oqaluttualiaq

    Könnte Eure Route auch einen längeren Name haben? Henrik von Dänemark hat z. Bsp. über Grönland folgende wunderschöne poetischen Strophen verfasst: „Die Insel sei ein „Kristall, der im Einklang der Möwen und der schelmischen Bären vor Freude lacht“ und wo „die Klarheit der Sterne opalene Gletscher beseelt“. “
    Vielleicht findet Ihr den Namen für Eure Route ja bei den Inuits selbst, eurer nächsten Station.
    Eventuell kennen diese euren Berg sogar und haben einen eigenen Namen dafür oder sonst eine Inspiration für Euch…. lasst Euch einfach Zeit. Gute Reise wünsch ich euch :-)

  • Pierre Amiguet sagt:

    Ich jkletere nicht, fand den Bericht unglaublich gut und kann einfach nicht verstehen wie man da hinauf und wieder herunter kommt … und nie vor Angst erstarrt! Bitte keinen englischen Namen und schon gar nicht einen doofe, infantilen wie es so oft geschieht. Schwiizerdütsch mag gehen, aber nicht hier. Eventyr ist gut, tönt gut, respektiert das Dänische und in ein paar Tagen weiss niemand mehr was es heisst. Wieso nicht einfach ‚Normalroute‘, wie Whympers weg auf’s Matterhorn. Oder ‚Two -o- Ten‘.
    Gratulation!

  • salmonwhisperer sagt:

    pssst…. psstpsst!
    Forelle? Vergesst diese Forelle.
    Die gute Nachricht: Beim gezeigten Fisch handelt es sich mit Sicherheit um einen weiblichen Saibling, vermutlich Eismeersaibling, vielleicht auch ‚Dolly Varden‘. Das ist noch viel besser und hat Euch soviel Omega-3 verabreicht, dass Ihr gleich noch ein Wändchen machen könnt… Mit dem Namen „Forellenquintett“ wird’s dann allerdings nichts mehr.
    LG & Petri Wand!

    PS: Aber warum nehmt Ihr ein KG-schweres Netz mit auf die Reise?? Eine 80 Gramm Fliegenrute von ‚Hebeisen ZH‘ hätt’s auch getan.

  • hanna sagt:

    einen Namen fpr Ihre Zusatztour, aus dem klassischen bereich? wie wäre es mit EROICA, nach der dritten Sinfonie von Beethoven.

  • Rolf Schumacher sagt:

    Nachtrag. Hans Erni hat eine wunderbare Lithographie mit dem Titel Verantwortung gemacht. Ernis Grosseltern kamen aus dem Entlebuch. Deshalb hat er die Tierformen und Naturformen (so sagt er selber) derart gut verinnerlicht. Hans Erni ist 101 Jahre alt und arbeitet im Moment an einem grossen Auftragswerk für die UNO in Genf. Seine Eltern waren mausarm. Er hat an seine Visionen geglaubt, wie so manch andere Entlebucher auch. SO damit wäre der Kreis endgütlig geschlossen. PS: wenn d Hächläzänd wichteeth heissen würden oder der Hengst Mustang und de Schibegütsch tete de moine, dann wäre die Schrattenfluh definitiv nicht mehr DIE Schrattenfluh, welche sie heute ist.

  • Lorenz Brunner sagt:

    Betreffend Namensgebung für die Zusatzroute:
    Klassische Musik – Forelle – 5 Personen: da kommt mir spontan das „Forellenquintett“ (Originaltitel „Die Forelle“) von Franz Schubert in den Sinn :-)

  • Rolf Schumacher sagt:

    Hallo zusammen. Namensgebung ist immer eine Herausvorderung. Wenn man einen Berg tauft sind es Spuren, die über Generationen haften bleiben. Wenn es Bergrouten sind, die ganz berühmten, ebenfalls. Ich jedenfalls versuche allem immer einen sinnvollen Namen zu geben. Hätte ich diese Route gemacht (dazu reichen weder meine Kondition noch der Mut) hätte ich sicher ein Inuitwort gesucht. Ich hätte mir, da ich als Fremder in diese herrliche Landschaft eingedrungen einen Namen gewählt, welchen den Respekt gegenüber dem Ort und der Bevölkerung die da lebt zeigt. ZB Verantwortung auf grönländichisch heisst. Akisussaaffik (dänisch ansvar). Ich würde aber bewusst keinen dänischen Namen nehmen, denn die Kolonisation jeder „primitiven?“ Bevölkerung geht nicht ohne Zwang und Schmerz. Natürlich hat alles zwei Seiten und die Eskimos profitieren sicher auch von den Annehmlichkeiten der Industrialisaion.
    Verantwortung ist aber, immer das oberste Prinzip, welches mit einer Namensgebung einhergehen muss. Wenn ich einem Kind einen Namen geben, habe ich auch eine gewissen Verantwortung gegenüber diesem. Wenn ich einem Landstrich einen Namen gebe ebenfalls. Verantwortung heisst, dass einem das Schicksal dessen, das man getauft hat nicht egal ist. Verantwortung heisst, dass man nicht bloss ausbeutet, sondern auch zurückgibt, indem man sich für die Natur und Kultur in Grönland einsetzt z.B.
    Ok. Es geht hier ums Klettern und nicht um Philosophie, Ethik und Moral und so züg, trotzdem ihr habt die Frage aufgeworden ich habe geantwortet (auf meine Art und Weise)
    Fazit:
    Man darf alles Entdecken und benennen, wen man danach dafür auch Verantwortung übernimmt.
    Gruss und nochmals das war eine ganz tolle, eindrückliche Berichterstattung. Und sicher herausragende sportliche Leistung.
    Rolf

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