Diese Strapazen sind unbezahlbar

Im zweiten Teil der Serie Gigathlon 2013 werden die Kosten des Rennens etwas genauer unter die Lupe genommen.

Türkisfarbene Lagunen; weisse Traumstrände; eine Gourmetküche; ein Golfsimulator und eine Bibliothek auf hoher See: Das alles bietet ein Luxusliner, der als einziges Kreuzfahrtschiff mit 5-Sternen-Plus ausgezeichnet wurde: 16 Tage Erholung pur auf der Fahrt von Valparaíso nach Tahiti. Das Wohlfühlpaket auf der MS Europa beträgt 6990 Euro.

Ungefähr gleich viel Geld kosten meinen Teampartner Roland Rietiker und mich die nur sechs Tage am Gigathlon 2013: der finanzielle Aufwand für 1057 Kilometern auf dem Rennrad, Mountainbike, den Inlineskates, Laufschuhen und im Schwimmanzug. Der sechstägige Anlass quer durch die Schweiz ist nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein finanzieller Kraftakt: Das Startgeld für ein Zweierteam kostet 3100 Franken, hinzu kommen die Hotelkosten für acht Nächte (inklusive An- und Abreisetag) für uns Athleten und unsere beiden Supporter – Kostenpunkt rund 4‘000 Franken. Zuzüglich Ersatzmaterial und Ausrüstung, ist es zur pompösen Reise mit der MS Europa nicht mehr weit.

Sponsoren oder die Web-Community als Geldquellen

Roger Fischlin, Sieger der Gigathlon 2006, 2007 und 2009 als Single-Athlet, könnte mit dem Geld, das er für den Gigathlon 2013 budgetiert, noch luxuriöser reisen. Für seinen Wettkampf rechnet er mit 25’000 Franken. Inbegriffen sind im Unterschied zu unseren Auslagen zusätzlich die Verpflegung und Beherbergung einer grösseren Betreuungsmannschaft, Trainingslager und ein Lohnausfall von zwei Monaten. Ohne diese Auszeit von seiner Arbeit als Kantonspolizist kann und will der 36-Jährige nicht antreten. Kein Wunder, denn während wir im Gigathlon-Couple antreten, um nach sechs strapazenreichen Tagen, in Lausanne die Ziellinie zu durchqueren, geht es für Fischlin darum, seinen Titel zu verteidigen.

Als potenzieller Sieger haben ihn verschiedene Sponsoren unter Vertrag genommen. «Noch fehlen etwa 10’000 Franken in meiner Gigathlon-Kasse», sagt Fischlin. Er hofft, dieses Finanzloch in den kommenden Monaten noch zu füllen. Anders als der mehrmalige Gigathlon-Gewinner, haben wir kaum Erfolgsaussichten, wenn es um die Suche nach Sponsoren geht. Es gilt also, kreativ zu sein. Eine der Finanzierungsmöglichkeiten, die wir im Zuge unserer Organisation prüfen, ist das Crowdfunding. Dabei würde sich eine Vielzahl von Geldgebern an unserem Abenteuer beteiligen. Bei Plattformen wie 100-days.net, kriegen sogenannte «Booster», also Freunde, Bekannte, Firmen, Gönner je nach Beitrag eine vordefinierte Gegenleistung, die im Zusammenhang mit dem Projekt oder den Initiatoren steht. Was unser Gigathlon-Team in dieser Hinsicht bieten könnte, ist derzeit noch Gegenstand der Diskussionen.

«Der Gigathlon ist eine Expedition»

Fest steht: Der Gigathlon 2013 kann bezüglich der Kosten mit einer Luxusreise auf der MS Europa mithalten. Trotzdem zeigen die Teilnehmerzahlen Jahr für Jahr, dass die Rechnung für die Sportler offenbar aufgeht. So war der Anlass in den letzten Jahren jeweils nach nur wenigen Tagen ausverkauft. In den Teamkategorien sind für die nächste Austragung noch einige Startplätze frei. Auch Roger Fischlin will den Grossanlass nicht missen: «Das ganze Material, die Planung, die Arbeit mit den Leuten, die mich begleiten, machen ihn zu einer grossen, interessanten Herausforderung – weit über den Sport hinaus. Der Gigathlon ist eine Expedition.» Hinzu komme, dass wegen den verschiedenen Kategorien Sportler verschiedenster Leistungsklassen gleichzeitig teilnehmen. «Das macht den Anlass familiär.» Und letztlich sei kein Gigathlon wie der andere. «Weil die Resultate dadurch nicht vergleichbar sind, bleibt die Verbissenheit weitgehend auf der Strecke.»

Meine Erfahrungen im Rahmen der zweitägigen Austragungen von 2011 und 2012 haben gezeigt: Dieser Wettkampf ist jeden Rappen wert – trotz eines schmerzhaften Sturzes. Während die Reise auf dem Luxusliner das Fotoalbum füllt, sind die Teilnehmer des Gigathlon um unvergesseliche Momente reicher. Der Anlass fordert die Sportler in mentaler, physischer aber auch sozialer Hinsicht. Diese Erlebnisse sind unbezahlbar.

Finanzielle Facts and Figures des Gigathlon 2013:

  • Der Swiss Olympic Gigathlon finanziert sich zu 100 Prozent durch Partner und Teilnehmer. Erstere bestreiten gemeinsam mit Sponsoren 40 Prozent des Aufwands, während die Teilnehmer durch das Startgeld 60 Prozent des Budgets ausmachen. Gigathlon-Sprecher Daniel Stegmann betont: «Es fliessen keine Gelder aus der öffentlichen Hand, der Sport-Toto-Gesellschaft oder von Swiss-Olympic-Partnern in die Organisation des Gigathlon. Grundsätzlich also keine Gelder, die für den Schweizer Leistungssport via Verbände von Swiss Olympic bestimmt sind.»
  • Laut Daniel Stegmann berechnen sich grundsätzlich sämtliche Startplatz-Preise aus den anfallenden Kosten wie Transporte, Verpflegung, abgegebenes Material oder der Platzmiete in den Etappenorten. Die höheren Preise pro Person für Single- und Couple-Athleten erklärten sich mit den zwei Supportern, die in diesen Kategorien inbegriffen sind. «Für deren Verpflegung und Transport kommen wir als Organisatoren ebenfalls auf.»
  • Der Homepage des Gigathlon ist zu entnehmen, das im Startgeld von 3100 Franken für ein Team von zwei Sportlern inbegriffen ist: ein Zelt, eine kostenlose An- und Abreise, ein Erinnerungspreis, die Startnummern, Gigathlon-Getränkebidons, Schwimmkappen, Helm-Überzüge, das Gigathleten-Manual mit den Streckenplänen, die verschiedenen Transporte (Shuttle-Busse, Extrazüge und Effektentransporte gemäss Verkehrskonzept) für Gigathleten und deren Supporter, die Verpflegung im Camp und auf der Strecke (Morgen- und Abendessen, Lunch-Bag oder Mittagsmenü), die Verpflegungsrationen, Streckenbewilligungen, -markierungen und -sicherung, die Zeitmessung, die Organisation, den Massageservice, die Benutzung von Bike und Velowaschanlage, Velo-Reparatur-Service.
  • Preisgeld gibt es beim Gigathlon nicht. Das gilt auch für den Gewinner. Laut Gigathlon-Sprecher Daniel Stegmann wird ein Sieg mit Sachpreisen im Gegenwert von mehreren Tausend Franken belohnt.

20 Kommentare zu «Diese Strapazen sind unbezahlbar»

  • W.Grämer sagt:

    Zum Glück gab es nicht grosse Unfälle. Nach meiner Ansicht gab es ,wenn überhaupt keine Streckenposten an gefährlichen Kreuzungen.Habe etliche brenzlige Situationen gesehen an der Kreuzung in Niederurnen Richtung BILTEN.

  • Mike S sagt:

    Bin ebenfalls der Meinung, das die Gigathlon Startgelder absoluter Irrsinn sind.
    Auch ich betreibe seit x Jahren Laufsport, Biking, Duathlon und Triathlon.
    Irgendwo hat es aber Grenzen und bei den Gigathlon Startgeldern sind die Grenzen längst überschritten. Deshalb habe ich meinerseits den Gigathlon bis heute boykottiert, auch wenn ich schon gerne daran teilgenommen hätte.
    Auch einige Triathlon Veranstaltungen übertreiben mittlerweile masslos.
    Auf der anderen Seite gibt es aber auch Veranstaltungen die ebenfalls super organisiert sind, wo eine sensationelle Stimmung herrscht und bei denen man absolut vernünftige Startgelder zahlt und die Gegenleistung auch noch stimmt.
    Aber wie schon Jürg Meier sagt:…. wer das bezahlen möchte: bitte schön. Ich will und kann mir das nicht leisten…

  • David sagt:

    Wir sind nicht mehr die schöne Schweiz, die wir mal waren. Dieser Neid und diese negativen Emotionen tun mir leid für Euch.

  • Wenn man den riesigen aufwand des ganzen oks sieht,finde ich die kosten völlig ok.es kan ja jeder selber entscheiden ob er mitmachen will.wir unterstützen roger fischlin gerne,er ist ein toller typ und bringt enorme leistungen!er hat meinen fetten respekt!

  • Danny Bär sagt:

    Der Gigathlon ist schon über 10 jährig; also eine alte Geschichte. Trotzdem muss Frau Wertheimers mit diesem Blog ihr Mitteilungsbedürfnis an einer breiten Öffentlichkeit ausleben. Langweilig. Zudem hat der Event das abenteuerliche definitiv verloren. Dazu ein Bsp.: die Zelte müssen exakt entlang einer gezeichneten Linie in genau gleichem Abstand in genau gleicher Ausrichtung aufgestellt werden, damit für die Sponsoren nette Luftbilder erstellt werden können… Wie toll ware die chaotischen Camps im Tessin oder wie stolz waren wir im 2005 auf unseren Schachzug mit dem Zug zur Übergabstelle zu reisen, weil der Megastau an Begleitfahrzeugen absehbar war.

  • Daniel Blattmann sagt:

    CHF 4’000.– für Hotelübernachtungen? Richtige Gigathleten schlafen im Zelt im Gigathlon-Camp, das macht das Feeling ja gerade erst aus.

    • Fridu sagt:

      Genau! In meinem Startgeld ist die Übernachtung für meine Supporter und mich bereits enthalten. Mit der Aussage, „der Gigathlon ist eine Expedition“, bin ich nur einverstanden wenn im Zelt übernachtet wird.

  • Frank Reich sagt:

    Und wer, bitte schön, sponsort meine Hobbys???

  • Dave McWide sagt:

    Wenn das so ist.. suche ich noch einen oder zwei Sponsoren für meine Ferien auf de MS Europa!

  • Jürg Meier sagt:

    Absoluter Irrsinn.
    Aber…. wer das bezahlen möchte: bitte schön.
    Ich betreibe selber seit vielen Jahren Marathons und Ultramarathons. Der Gigathlon ist so überorganisiert dass er mit Abenteuer nicht mehr viel zu tun hat. Natürlich ist die Leistung (insbesondere) der Single-Athleten und der Zweierteams sehr gross. Weshalb nicht einmal eine selber organsierte Alpenüberquerung über zwei oder gar drei Wochen? von Hütte zu Hütte, unterwegs Selbstversorgung? Das wäre doch mal echt back to the roots jenseits von Kommerz und Geschäftlimachen…
    Und übrigens: was hat der Gigathlon eigentlich mit Olympia zu tun (Swiss Olympic Gigathlon…).

  • Karl Knapp sagt:

    Ob das nun Irrsinn ist oder nicht, muss jeder für sich selber beantworten. Was mir aber am Ganzen richtig gut gefällt, ist das Finanzierungsmodell: Team und Supporter zahlen alles selber. Müsste man vielleicht unseren Olympia-Kandidatur-Promotoren unter die Nase reiben …

  • Philipp Rittermann sagt:

    wieso soll man den irrsinn auch noch sponsoren? die verrückten sollen das doch selbst bezahlen, bitteschön.

    • Urs Peterhans sagt:

      Was sollen die dümmlichen Kommentare hier? Roger Fischlin betreibt Spitzensport auf höchstem Niveau. Und Spitzensport wird nicht erst seit gestern gesponsert, oder?

    • Philipp Ergometermann trainiert nur auf dem Ergometer, weil er die frische CH-Luft nicht erträgt. Sind Sie zugewandert? :-)
      Die machen das auch so. Kenne ein paar, da wird nicht gelüftet und nach Möglichkeit nicht nach draussen gegangen, weil die Schweizer Luft nicht ihrer Kultur entsprechen würde usw.

    • David sagt:

      @ Rittermann: Wenn private Sponsoren diesen Sport unterstützen wollen, dann ist das weder Ihr Problem noch braucht es dann so einen negativen Kommentar. Ist ja den privaten Sponsoren überlassen.

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