Wie plant man einen Gigathlon?

Dies ist der erste Teil einer Serie über die Vorbereitungen der Autorin für den Gigathlon 2013. Heute: Die Planung.

Sechs Tage, 30 Etappen durch 12 Kantone, 515 Kilometer im Velosattel, 258 Kilometer auf dem Bike, 158 Kilometer in den Inlineskates, 102 Kilometer in den Laufschuhen, 24 Kilometer Schwimmen, insgesamt 18‘600 Höhenmeter – das sind die Masse des Gigathlons 2013. In der Euphorie der vergangenen Austragung stand für mich zweifelsfrei fest: Ich würde auch 2013 in einem Couple (Zweierteam) wieder am Start stehen und diese dem Gigathlon eigene Mischung an Grenzerfahrung und Gemeinschaftsgeist erleben. Die Eckdaten lassen mich aber nun – rund acht Monate vor dem Startschuss – leer schlucken.

Der Anlass stellt mich und meinen Teampartner Roland Rietiker bereits Monate vor dem grossen Tag vor Herausforderungen. Die erste Hürde meisterte er am Morgen des 6. Novembers: die Anmeldung. Der Veranstalter hatte angekündigt, dass er das Anmeldeportal an diesem Tag öffnen würde. Nicht aber zu welcher Zeit. Am Vormittag war es soweit – first come, first served. Und schon beim Einschreiben tickte die Uhr, denn aufgrund der grossen Nachfrage war die Zeit beschränkt, welche die Sportler zur Anmeldung zur Verfügung hatten – nach 15 Minuten war sozusagen der erste Kontrollschluss des Gigathlon 2013. Für die Bezahlung standen weitere 15 Minuten zur Verfügung.

Das erste Ausdauertraining

Die zweite logistische Etappe der Gigathlonplanung ist die Unterkunft. Zwar ist im Startgeld von 3100 Franken (für ein Zweierteam, das alle sechs Tage bestreitet) ein Zelt inbegriffen, doch in einem Punkt waren mein Gigathlonpartner und ich uns sofort einig: Bei diesen sportlichen Strapazen würden wir in richtigen Betten schlafen. Es gilt also, in den Etappenorten Chur, Ennetbürgen, Bern und am Zielort Lausanne ein Hotelzimmer zu finden – für uns Sportler, aber auch für unsere beiden Supporter. Kein einfaches Unterfangen, denn bereits zehn Tage nach der Anmeldung verzeichneten einige Gasthäuser ausgebuchte Betten – wegen des Gigathlons, wie sie bemerkten.

Das erste Training steht also unter dem Motto Ausdauer. Es sind aber diesmal nicht die Beine gefragt, sondern die verschiedenen Suchmaschinen im Internet, das Telefon, die Mailbox und nicht zuletzt die Nerven, um die verschiedenen Angebote zu vergleichen. Dabei spielt nicht nur der Zimmerpreis eine Rolle, sondern auch die Distanz zum jeweiligen Start- und Zielgelände, wo die Athleten und ihre guten Geister verpflegt werden.

Das Etappenpuzzle

Die dritte Planungsetappe besteht darin, die Disziplinen aufzuteilen. Mein «Gigathlongspändli» und ich bestreiten täglich die fünf Disziplinen Velo, Laufen, Mountainbike, Inline und Schwimmen. Dabei will es das Reglement, dass ich als Frau mindestens zwei davon pro Tag übernehme. Da liegt es nun, das Blatt mit den verschiedenen Etappendistanzen und Höhenmetern – einem Puzzle gleich, das es geschickt zusammenzufügen gilt. Diese Aufgabe wirft Fragen auf: Gehen wir nach dem Wunschkonzert-Prinzip vor und feilschen miteinander die einzelnen Disziplinen aus? Teilen wir die Sportarten nach unseren Stärken und Schwächen ein? Oder drängt sich bei einem sechstägigen Wettkampf vielmehr eine Strategie auf, die es dem einzelnen Sportler erlaubt, an bestimmten Tagen kürzer zu treten?

Yvonne Bürgi muss es wissen. Die 29-Jährige hat dem Gigathlon 2012 ihren Stempel aufgedrückt: Sie gewann mit ihrem Teampartner Sandro Spaeth heuer die Couple-Kategorie. 2013 will sie mit ihrem zukünftigen Ehemann Simon Zahnd antreten. «Es wird unsere Hochzeitsreise durch die Schweiz», sagt Bürgi schmunzelnd. Die Etappen dieser bedeutungsvollen «Reise» haben die beiden noch nicht definitiv festgelegt. Es zeichne sich aber ab, dass sie die Disziplinen nach den Stärken und Schwächen aufteilen werden. Er sei als ehemaliger Duathlet beispielsweise ein sehr guter Velo- und Bikefahrer, aber ein «Nichtschwimmer». Im Gegenzug fühle sie sich als einstige Triathletin im Wasser wohl, dafür sei sie klar die Schwächere auf den Zweirädern.  Diese Vorteile spielen bei ihrer Planung eine Rolle, denn beide sind im eigenen Bikegeschäft tätig. «Der Trainingsaufwand muss deshalb verhältnismässig bleiben – und Spass machen.»

Die sechste Disziplin

Für Bürgi gilt es, vorerst zu erörtern, was der Gigathlon für ein Team bedeutet: «Geht es darum, eine Woche Ferien quer durch die Schweiz zu machen, oder haben die Sportler dabei Ambitionen bezüglich Zeit oder Klassierung?» Im ersten Fall sollten die Teams ihre Disziplinen nach dem Spassfaktor verteilen. Spielten aber auch Ambitionen eine Rolle, empfiehlt die 29-Jährige, dass sich die Sportler auf zwei oder drei Sportarten beschränken und die zur Verfügung stehenden Trainingsstunden darin investieren. «Dabei darf aber der Spass nicht auf der Strecke bleiben, die Teammitglieder sollten anpacken, was sie reizt.»

Wichtig seien in den kommenden Monaten regelmässige Standortbestimmungen. «Schliesslich ändert sich die Situation vielleicht durch eine Verletzung, die einen Sportler im Training zurückwirft.» Diese Flexibilität sei ein Teil der sechsten Gigathlondisziplin: die mentale Stärke. «Denn falls sich mein Teampartner verletzt, muss ich allenfalls nicht geplante Etappen bestreiten.»

Damit liegt das Disziplinen-Puzzle zwar noch ungelöst vor Roland Rietiker und mir. Wie bei einem Zusammensetzspiel können wir uns beim Aneinanderfügen der Teile an Yvonne Bürgis Rahmen orientieren.

9 Kommentare zu «Wie plant man einen Gigathlon?»

  • Mänu sagt:

    Mir scheint das hier einige nicht ganz wissen, auf was sich die Zwei da einlassen. Jede und Jeder der schon mal den Gigathlon mit dem Sportlerherzen verfolgt oder miterlebt hat, weiss das hier kein einziger Tag ein Kinderspiel, eine Tummelplatz für Stammtischwetten oder ein „Theresli und Weicheierzeugs“ ist.
    Hier steckt Monate-, ja sogar teilweise Jahrelange Vorbereitung, Herzblut, viele Freizeitstunden und Geld dahinter. Ich sag immer: „Man muss die Leute die das machen nicht verstehen. Aber sie haben den allerhöchsten Respekt verdient!“ Ob mit oder ohne zusätzlichen Komfort spielt überhaupt keine Rolle. Wer sich an diese Abenteuer wag, mit täglichen Strapazen bis gut und gerne gegen 10-15 Std, bei Wind, Wetter, Hitze und Regen, der hat sich ein kleinwenig Zusatzkomfort verdient. Sei es schon des Platzes wegen, der individuellen Verpflegung oder aber der möglichst raschen Regenerationsmöglichkeit bis hin zur eigenen kleinen Werkstatt und/oder notdürftigen ambulanten Behandlungen.
    Seit 2009 bin ich bei jedem Gigathlon mit dabei gewesen. Es war fü rmich keine Frage, ob ich dieses Jahr auch wieder kommen. Wer den Virus einmal hat, der wird ihn fast nicht mehr los.
    Pia und Roland, ihr habt meinen vollsten Respekt und ich wünsche euch eine unfallfreie Vorbereitung nd dann eine supertollen, erlebnisreichen Gigathlon 2013. Vlt kreiûzen sich unsere Wege zwischen Bern und Lausanne ;-) toi, toi, toi ……..

  • Warum gehört Inline skaten zum Gigatlon? ich finde inliner irgendwie als etwas für kleine mädchen oder so…

  • triaddicted sagt:

    Der Artikel ist für den sportinteressierten „Durchschnittsleser“ geschrieben und meiner Meinung nach gut gelungen. Auch wenn die Distanzen und Tagesettaben des Gigathlon 2013 im Vergleich zu den vorangegangenen Veranstaltungen relativ „vernünftig“ gewählt wurden, braucht es eine seriöse Vorbereitung und mehrjärige Ausdauersporterfahrung, um ihn z. B. als Couple zu finishen. Ob dabei jemand im Hotel, im Wohnmobil oder im Zelt übernachtet ist offiziell vom Veranstalter freigestellt und hat überhaupt nichts mit Fairness zu tun. Das Startgeld mag für manchen ziemlich hoch erscheinen, doch eine Woche Aktivferien mit Vollpension und 24h Animationsprogramm inkl. Zeitmessung, Ranglisten und allen Nebenkosten hat halt ihren Preis :-) Ob elitäre Minderheit, Theresli oder Weichei, jeder der Freude am Ausdauersport hat und sich einen Startplatz sichern konnte kann sich ein mal mehr auf ein anforderungsreiches Sport-Erlebnis in der wunderschönen schweizer Landschaft freuen!!

  • Sabrina sagt:

    Gigathlon ohne Zelt? Das ist ein absolutes Nogo! Das Zelten gehört zur Gigathlon-Familie/-Life.

  • Fridu sagt:

    Das echte Gigathlon-Feeling kommt nur beim Übernachten im Zelt auf. Alles andere ist „Theresli- und Weicheier- Zeugs und sollte meiner Meinung nach gar nicht erlaubt sein. Überhaupt, die Zwei machen ja einen riesen Lärm wegen der paar Kilometer auf dem Rad, im Wasser, per Inline und zu Fuss!

  • Marcel sagt:

    Am Gigathlon im Hotelzimmer oder Wohnmobil übernachten, find ich nicht ganz fair. Das ist ja, wie wenn man die Velostrecke mit dem Elektrobike fährt :-)

  • Karl Knapp sagt:

    Die wenigen Kommentare in diesem Blog bestärken mich in meinem ersten Eindruck, es handle sich hier um ein elitäres Minderheitenprogramm. Ein Startgeld von über CHF 3000, dazu noch Hotelübernachtungen für 4 Personen ? Das Wort „Spass“ erscheint zudem dreimal im Text, irgendwie zusammenhangslos ;-)
    Ich mag Ihnen das alles gerne gönnen, Frau Wertheimer, aber wie der olle Lateiner sagt: suum quique.

  • Philipp Rittermann sagt:

    der stubengigathlon. vorbereitung:
    – wochenende festlgegen.
    – einkaufsliste diktieren.
    – einkaufen lassen.
    – einkauf kontrollieren, evtl. nochmals schicken.
    – disziplin 1) schlafen bis morgens um 10h.
    – disziplin 2) laufen vom 1. stock ins wohnzimmer.
    – disziplin 3) tv schauen von 10h bis 12h.
    – disziplin 4) brunchen mit champagner von 12h bis 14h.
    – disziplin 5) nickerchen von 14h bis 15h.
    – disziplin 6) zum tv laufen und dvd einschieben, anschauen von 15h bis 16.30h.
    – disziplin 7) opulentes nachtessen.
    – disziplin 8) mindestens 24h erholung einplanen, (ganz wichtig).

  • Ich als 70 jähriger Gümmeler finde es gut für die beiden diese Herausforderung anzunehmen. Alles gute für den Wettkampf
    Und viel Glück W.Grämer Niederurnen

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