Tragisches Unglück auf Roger Schaelis Expedition

Arwa Spires

Der Arwa Spire im indischen Garwahl-Himalaja: Haupt-, Zentral- und Westgipfel. Höhe: 6193 Meter über Meer. Ziel der Expedition war die erste freie Begehung des Westpfeilers. (Foto: Bruno Hasler)

Eine traurige Nachricht erreicht uns aus dem Garwahl-Himalaja in Nordindien. Während der Arwa-Spire-Expedition von Roger Schaeli (Sörenberg) und Simon Gietl (Südtirol) ereignete sich ein Unglück: Ihr Kameramann Daniel Ahnen stürzte eine Gletscherspalte und konnte trotz sofort eingeleiteter Suchaktion nicht befreit werden.

Der Vorfall ereignete sich bereits vergangenen Mittwoch, 10. Mai 2011. Zusammen mit einem Begleiter aus dem Basislager wollte der Kameramann zum Wandfuss aufsteigen, um dort Aufnahmen zu machen. Nach rund vier Stunden Gehzeit gerieten die beiden auf 5400 Metern Höhe vom gesicherten Weg ab. In diesem unwegsamen Gelände stürzte Daniel Ahnen in eine sehr tiefe und unübersichtliche Gletscherspalte.

«Air Zermatt» durfte sich an der Rettungsaktion nicht aktiv beteiligen

Schaeli/Gietl

Eingespieltes Team: Roger Schaeli, 32, aus Sörenberg/LU. Simon Gietl (r.), 27, aus dem Pustertal im Südtirol, Italien. (Foto: Archiv Schaeli)

Alpinisten vor Ort machten sich umgehend auf die Suche nach dem Vermissten. Auch das indische Militär traf kurz darauf am Unfallort ein und koordiniert seither die Aktion. Aufgrund behördlicher Hindernisse durfte sich die «Air Zermatt», welche in der Gegend Rettungskräfte ausbildet, nicht aktiv an der Bergung beteiligen. Sie hat – aus welchen Gründen auch immer – keine Bewilligung erhalten.

Roger Schaeli und Simon Gietl stiegen zusammen mit vier Experten der Armee nach dem Unfall täglich in die Gletscherspalte ab, mussten die Kameradenbergung jedoch in 50 Metern Tiefe aufgrund massiver Eisblöcke abbrechen. Sie haben zwar ein Stück des Skistocks von Daniel Ahnen gefunden, konnten jedoch weder Sicht- noch Rufkontakt zu ihm herstellen. «Noch haben wir die Hoffnung nicht verloren, Daniel Ahnen lebend zu bergen, obschon die Zeit dagegen läuft», hiess es am Wochenende.

Vorgestern Montag Nachmittag hat die indische Armee die Suchaktion schliesslich ergebnislos abgebrochen. Die Barrieren in der Gletscherspalte seien unüberwindbar. Ein tieferes Vordringen in den Riss würde die Rettungskräfte in Lebensgefahr bringen, ohne dass eine berechtigte Aussicht auf Erfolg absehbar sei. Man kam zum Schluss, dass auch ein Einsatz der «Air Zermatt» daran nichts ändert.

Abgeschieden, unwegsam, anspruchsvolle Kletterei

Arwa Spire

Basislager am Arwa Spire. Der Zustieg zum Fels führt von hier über eine massive Gletscherlandschaft. (Foto: Bruno Hasler, 2002)

Geplant hatten Schaeli und Gietl die erste freie Begehung des Arwa-Spire-Westgipfels, im weit abgelegenen Arwa-Tal nahe der tibetischen Grenze. Roger Schaeli hatte diesen wuchtigen, monolithischen Pfeiler im 2002 zusammen mit Bruno Hasler und Stephan Harvey in technischer Kletterei erstbestiegen, ebenso den unmittelbar daneben stehenden Zentralgipfel. Seither warten beide Routen auf die «Rotpunkt-Befreiung». Sie führen über ein markantes Risssystem und sind rund 800 Meter hoch. Einen Versuch machten vor einigen Jahren die deutschen Profikletterer Alexander und Thomas Huber. Aufgrund des vielen Neuschnees gelang ihnen damals jedoch keine Rotpunktbegehung. Sie wiederholten die Route auf den Zentralgipfel technisch.

Die Arwa Spires sind gewaltige Granittürme, die ein sehr anspruchsvolles Kletterniveau verlangen. Der höchste Punkt liegt auf 6193 Meter über Meer. Schaeli und Gietl haben für diese Begehung monatelang trainiert. Vergangenen Winter gelang den beiden mehrere gemeinsame Kletterprojekte in der Schweiz und in den Dolomiten. Sie sind ein eingespieltes Team, machten zusammen schon Expedition in Patagonien und vergangenen August in Grönland (ihre Big-Wall-Erstbegehung haben wir vergangenes Jahr hier im Outdoorblog begleitet).

Auf ihrer jetzigen Arwa-Spire-Expedition waren Roger Schaeli und Simon Gietl mit dem nun vermissten Kameramann Daniel Ahnen aus Hamburg unterwegs, und mit einem indischen Koch/Regierungsbeauftragten, der sie bis ins Basislager begleitete. Die beiden Extrembergsteiger sind tief betroffen über den tragischen Unfall. Sie brechen ihre Expedition ab und reisen  baldmöglichst zurück nach Europa.

20 Kommentare zu «Tragisches Unglück auf Roger Schaelis Expedition»

  • Jörg Rapp sagt:

    Irgendwie stoße ich erst jetzt auf diese Berichte und die Nachricht vom Tod Daniel Ahnens. Ich weiß nicht warum ich plötzlich sehr betrübt darüber bin, wahrscheinlich deshalb, weil es seine Produktionen nun nicht mehr geben wird. Diese wunderbaren Dokumente über Extremitäten, wie wir sie sonst kaum zu Gesicht bekommen hätten. Sie zeugen von einem verdammt harten Geschäftssinn, von Mutproben ohne andere Beispiele und einer Eleganz, die kaum zu überbieten war. Vor allem seine Tour entlang des Camino Real im El Chorro Andalusiens hatten es mir und meiner Frau angetan. Wir sind diesen Weg anlässlich unserer
    Hochzeitsreise im Sommer 1976, nach einer mehrtägigen Reittour durch Andalusien, als Ausgleich gegangen, als der ganze
    Weg entlang der Vegas noch in gutem Zustand war, ohne die vielen Löcher entlang der Galerien. Ausgesetzte Stellen und unter- brochene Geländer gab es damals schon, aber wir konnten uns noch weit hinauslehnen, um nach oben und unten zu blicken.

  • rosa sagt:

    Ich finde manche Kommentare hier sehr traurig. Daniel hat sein Leben verloren, das ist eine Tragödie. Ob er dieses Risiko dabei nun bewusst eingegangen ist oder nicht! Er hat einen Extremsport in seinen Berf integriert, aber er hat seinen Traum gelebt und das verdient allen Respekt! Wieviele Menschen riskieren ihr Leben auf der Couch durch einen ungesunden Lebensstil, Rauchen, zu wenig Bewegung und erlauben sich dann ein Urteil über die Risiken, die Extremsportler eingehen. Ich würde mir wünschen, dass hier weniger verurteilt wird. Ich kannte Daniel nur flüchtig, aber ich bin tief betroffen.
    Mein aufrichtiges Beileid der Familie und allen Freunden!

  • Pups sagt:

    Egal, wie gut einer sein Können der Welt und sich unter Beweis stellen möchte, von Angeberei kann hier wirklich nicht die Rede sein!!! Dieses tragische Unglück zeigt leider wieder einmal, dass wir Menschen nicht stärker sind als die Natur, dass wir die Natur nicht im Griff haben und keiner von uns das Recht besitzt, sich hier als Richter und Besserwisser aufzuführen!!! Unser aufrichtige Beileid und Mitgefühl gilt der Familie Ahnen und allen, die Daniel immer zur Seite standen.

  • Juli sagt:

    Mein aufrichtiges Beileid gilt der Familie Ahnen, seinen Freunden, seinen Schülern…ich bin erschüttert über einige Aussagen, bitte etwas mehr Achtung und Respekt, nicht nur dem Bergsport gegenüber allen Trauernden…Ich, und viele andere werden Daniel vermissen….

    • Jungle sagt:

      Daniel is the most giving sharing and unselfish peron I’ve ever had the luck to meet. he lived to share his ideas his projekts and did so by filming them. I Personaly will forever miss him, he was much more than a big brother to me.
      and for those people with disrepectful comments.
      take a good look at your life. what do you do that makes you feel alive. how do you share what you have inside ?
      Daniel did what he did because he had a enormous love for life , for pushing the limits of his own human performance, and motivating others, pushing the best out of people, and bringing out the most sincere smiles.

      Daniel
      I love you

  • Gadget sagt:

    Vielleicht kann man das unnötige Diskutieren einfach sein lassen und in Trauer Abschied nehmen, von einem jungen talentierten Mann, der sein Leben nicht als Sesselpupser verbringen wollte, um sich nach 70 Jahren zu fragen, was er von der Welt gesehen hat. Ich habe höchsten Respekt vor allen Menschen, die sogar ihr eigenes Leben gefährden, um uns die Bilder oder Filme zu bringen, die uns ins Staunen bringen.

  • TOTO sagt:

    „Er wollte es doch so. Wenn ich mit meinem Auto dauernd mit 250 fahre, ist der tödliche Unfall nicht ausgeschlossen. Ja sogar sehr wahrscheinlich.“

    Die Aussage finde ich nicht Ok, kanntest du ihn?
    Er war definitiv nicht lebensmüde, er war begeistert von dem was er gemacht hat!Aber er war eigendlich kein unvorsichtiger Mensch.
    Er war lebenshungrig und voller begeisterung… Er war einer der nettesten und aufgeschlossensten Menschen die ich kenne!

  • Taklif sagt:

    Er ist ein Freund und hat sich sehr intensiv darauf vorbereitet.

  • Fränzi sagt:

    Er wollte es doch so. Wenn ich mit meinem Auto dauernd mit 250 fahre, ist der tödliche Unfall nicht ausgeschlossen. Ja sogar sehr wahrscheinlich.

    Trotzdem mein herzliches Beileid.

    • Joel Becker sagt:

      Wenn ich nur schon ins Auto steige (ob 50 oder 250) ist der tödliche Unfall nicht ausgeschlossen.

      Auch von mir mein herzliches Beileid.

  • Peter Kobelt sagt:

    „Tragödie am Himalaya“, „Tragisches Unglück…“. Dabei hat sich eine erwachsene, handlungs- und entscheidungsfähige Person absichtlich und unter Kenntnis der Gefahren in Gefahr gebracht. Ein Unglück mag es sein, traurig für die Hinterbliebenen auf jeden Fall, aber von Tragödie oder Tragik kann nicht gesprochen resp. geschrieben werden.

  • Gerhard Fels sagt:

    Es ist ein Klassiker. Die Good-news folgen in Minuten, die Bad-news brauchen acht Tage… Darunter leidet die Glaubwürdigkeit. Die Sache selber: tragisch und traurig.

  • Markus sagt:

    Nein Stephan, keine Kommentare zu Sinn und Unsinn der Kletterei. Einfach nur mein Beileid. Aber doch auch etwas Staunen darüber in welche Gefahren sich Menschen bringen für ein Hobby. Wobei es für den Kameramann wahrscheinlich sein Beruf war. Ich hätte nicht den Mut mein Leben zu riskieren dafür. Muss jeder selber wissen. Schlimm finde ich vor allem was die Angehörigen jetzt durchmachen müssen.

  • Peter Don Kleti sagt:

    Aufrichtiges Beileid.

  • @Stephan
    Wie soll man jemanden noch finden, wenn man die Suche aufgegeben hat?
    Mein herzlichstes Beileid geht an die Familie des Verstorbenen.

  • Stephan sagt:

    Oje, ich sehe schon all die Kommentare zu Sinn und Unsinn der Kletterei, die jetzt kommen werden. Dabei ist es einfach nur traurig für den Kameramann, seine Familie und die Expeditionsteilnehmer. Da kann man nur hoffen, dass sie ihn doch noch lebend finden.

    • Hans sagt:

      Es geht nicht um den Sinn oder Unsinn der Kletterei. Es geht darum dass Andere ihr Leben riskieren dass irgendwelche Extrembergsteiger irgendwelche Rekorde aufstellen können. Sorry, Hirn einschalten, dann in die Tasten greifen.

      • Leo sagt:

        Mein lieber Hans,
        hättest du den Bericht genau gelesen, dann
        wäre dir vielleicht aufgefallen, dass deiner Meinung nach genau diese
        „rekordgeilen“ Extrembergsteiger ihr Leben für ihren verunfallten
        Kameraden aufs Spiel gesetzt haben. Schalte du bitte zuerst dein Hirn ein, falls da eines
        vorhanden ist!

        • Rotscher sagt:

          Na, vielleicht doch selber zuerst das Hirn einschalten. Es steht, dass die indische Armee die Suche eingestellt hat. Also, von wegen nur „Freiwillige Extremsportler“. Tja, wer (richtig) lesen kann ist im Vorteil.

          • Leo sagt:

            Lieber Rotscher
            Lies doch bitte den Bericht nochmals. Ich hoffe doch sehr für dich, dass du deine Verträge etwas genauer studierst.

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