Malthus, die Post und die Ludditen

Pöstler wehren sich gegen Maschinen. Die Post will für die Briefsortierung künftig Maschinen einsetzen, das braucht weniger Briefsortierer. Maschinen sind dazu da, menschliche Arbeitskraft zu ersetzen. Dafür werden sie erfunden.

Thomas Malthus (1766-1834)

Klar kann man das übel finden. Immerhin, Leute verlieren ihren Job und mehr als das: Auch ihre Kenntnisse werden wertlos, wenn eine Maschine neu, schneller und besser tut, worauf Leute zuvor spezialisiert waren. Eine ganze Beschäftigungstradition wird zuweilen ausgelöscht. Es gibt kein Zurück mehr. Kein Wunder, werden Maschinen Ziel der Wut von Beschäftigten. Sie zu verhindern oder sogar zu zerstören, wird zur logischen Konsequenz. So sahen das in den frühen Jahren der industriellen Revolution in England schon die Ludditen: Spezialisierte Gewerbetreibende der Textilindustrie, die gleichzeitig ihr Ansehen als Berufsleute wie auch ihre Jobs verloren, weil die neu aufkommenden Maschinen die Textilien effizienter und billiger herstellen konnten. Die Ludditen  zerstörten 1811 und 1812 Maschinen und töteten sogar Erfinder. Als ihr Aufstand gebrochen war, wurden ihre Anführer hingerichtet und der Rest in eine Strafkolonie in Australien deportiert.

Man kann Maschinen aber auch ganz anders sehen. Sie haben immerhin dafür gesorgt, dass ein einflussreicher Theologe, früher Ökonom und Zeitgenosse der Ludditen, bisher nicht Recht bekommen hat: Thomas Malthus. Malthus hat mit Blick in die Vergangenheit eine Art ökonomisches Naturgesetz formuliert, nämlich, dass die Menschheit immer wieder dazu verdammt sei, an Hungersnöten zu leiden und dadurch dezimiert zu werden. Auf die Dauer würden die verfügbaren Ressourcen einfach nicht für alle Menschen ausreichen. Die Menschheit vermehre sich schlicht zu schnell für das Wachstum der Produktion. Ja, das kommt uns bekannt vor. So ähnliches Zeugs hören wir von verschiedenen Weltuntergangspropheten immer wieder, bis auf den heutigen Tag.

Malthus hätte gut Recht haben können. Etwas salopp gesagt, hat seine Theorie bis in seine Zeit – also bis zum Beginn der Industriellen Revolution, dem Start des modernen Kapitalismus – insgesamt recht gut die Entwicklung der Menschheit beschrieben. Eine elende Entwicklung. Die meisten Menschen lebten arm, ihre Kinder überlebten oft nicht, Seuchen rafften immer wieder grosse Bevölkerungsteile dahin. Eine deutliche Besserung – wir nennen das heute Wachstum – gabs über die Jahrtausende kaum. So wuchs auch die Bevölkerung kaum.

An den Maschinen liegts, das Malthus nicht Recht bekam – oder etwas allgemeiner: am technologischen Fortschritt. Der war so gewaltig, dass tatsächlich die meisten alten Tätigkeiten in relativ kurzer Zeit überflüssig wurden. Das war aber nicht übel, das war prächtig! Wir leiden nicht mehr unter dem Elend unserer Vorväter (das gilt im Schnitt sogar weltweit) und haben dennoch nicht weniger Arbeit, nur andere. Die meisten heutigen Jobs gabs früher nicht. Wer hätte je gedacht, dass nur noch relativ wenige für Nahrungsmittel arbeiten müssen? Und unsere Arbeit ist im Vergleich zu jener unserer Vorväter insgesamt bequemer, gesünder und sogar deutlich kürzer? Malthus wäre übel geworden, hätte er geahnt, wie stark die Weltbevölkerung nach seiner Zeit weiter anwachsen wird. Das Leiden hätte danach gigantisch sein müssen. Eingetreten ist das Gegenteil: dank den Maschinen.

Schön und gut. Doch was nützt das unseren protestierenden Pöstlern? Was nützt es allen anderen, die hier und heute wegen des technologischen Fortschritts erst mal tatsächlich ihren Job verlieren?

Ist das denn für die Trost genug, wenn wir ihnen sagen, dass langfristig die Gesellschaft wegen ihres Nachteils besser dastehen wird?

Können sie selbst denn auch darauf vertrauen?

Haben wir hier eine Aufgabe?

Welche?

Keine Kommentare zu «Malthus, die Post und die Ludditen»

  • Karl Bolliger sagt:

    … und Malthus hatte doch recht: vor der industriellen Revolution wurden die Transformationsprozesse mit Wind-, Wasser- und Muskelkraft (tierische und menschliche) angetrieben. Muskelkraft ist nichts anderes als transformierte Sonnenenergie (Sonne –> Pflanze –> Fleisch). Durch den Einsatz von fossiler Energie konnten die Tiere ersetzt, die Menschen geschont und eine beträchtliche Steigerung in Geschwindigkeit, Qualität und Quantität der Transformationsprozesse erreicht werden. Wenn die fossilen und nuklearen Energieträger verbraucht sind, haben wir wieder nur Wind, Wasser und Sonne, m.a.W. wir fallen auf das Niveau vor der industriellen Revolution zurück …

    • Rolf Schumacher sagt:

      Lieber Karl Bolliger. Nein die Zeit rollt vorwärts in eine neue Energieepoche. Deshalb brauchen wir innovative Grübler. Junge Leute die an alternativen Konzepten laborieren und diese auch im Stande sind auf den Markt zu werfen. Die nachfossile Aera ist bereits eingeklingelt. Elektromobile, Wind und Wasserkraft und vor allem Solarkraft sind gute Optionen. Ich bin sehr zuversichtlich, gerade für die Schweiz mit ihren gut ausgebildeten jungen Leuten. Man muss ihnen nur die Möglichkeit geben. Im Aaretal (zwischen Thun und Bern) hätte es Platz für Experimentierfreudige. Es wäre schön, wenn wie damals in den 70ern 80ern im Süden von S.zisko in Garagen, Buden etc experimentiert würde. Es ist an der Politik einen solchen Ort zu kreieren.

  • Stefan Jost sagt:

    So so, Malthus hatte also nicht recht, so so. Schauen wir uns doch den Globus von heute mal an. 20% der Menschheit beanspruchen 80% der Ressourcen, denen geht es gut. Für die restlichen 80% bleiben aber 20% der Ressourcen, das ist wenig, eigenes Auto und iPhone liegen da längst nicht mehr drin, denen geht es also wesentlich schlechter, im Durchschnitt, denn rund einem fünftel auf der Welt geht es elend, deren Kinder überleben oft das 1.Jahr nicht, kaum je genug zu essen und sauberes Trinkwasser, Lebenserwartung oft nur 60 oder gar nur 50 Jahre wie in Europa zur Zeit von Malthus.

    Also: Wir haben heute noch auf der Welt die Situation dass es zwar ein ansehnlicher Teil im Wohlstand lebt, aber auch ein ansehnlicher Teil nahe am verrecken ist.

    Und von Asien (ausser China) über die islamische Welt, Afrika und Mittel- und Lateinamerika ist die Triebfeder, welche gemäss Malthus nie alle aus dem Elend kommen lässt, immer noch voll da: das übermässige Bevölkerungswachstum. Auch mit aller Entwicklungshilfe vermochte man nicht zu verhindern, dass ein Teil immer ungebildet und nahe am verrecken dahin vegetiert.

    Und der Grund für das übermässige Bevölkerungswachstum ist das was Malthus postulierte: die Unfähigkeit des einzelnen über sein Verhalten die Gesamtzahl der Menschen zu steuern. Glücklicherweise haben wenigstens die Leute in den Industrieländern nicht mehr so gerne Kinder oder nur wenige, das ist aber ebenso eine individuelle Entscheidung wie bei den kinderreichen Familien der Dritten Welt. Bestärkt werden die kinderreichen Familien noch von der katholischen Kirche bzw dem Papst, in dem man auf Verhütung unbedingt verzichten solle. So macht die Kirche den Austritt aus dem Teufelskreis noch schwieriger.

    Wir haben also auch 200 Jahre nach Malthus in globalem Ausmasse die Situation, dass die Bevölkerung so schnell wächst, dass ein Teil im Elend versinkt, keine Chance nur schon genügend sauberes Wasser und ausreichend Nahrung bereit zu stellen (die UNO hat mit den Milleniumszielen einen Kraftakt vollbringen wollen, scheitert wohl aber auch wie alle anderen Versuche am stetigen Bevölkerungswachstum).

  • Rolf Gilg sagt:

    Früher war alles besser; vor allem die Zukunft!

  • Uwe Brock sagt:

    Die Ansicht das durch den Einsatz von Maschinen und dem damit einhergehenden Arbeitsplatzvernichtung es ja gesammthaft allen besser gehen würde ist eine Elitäre. Mit anderen Worten, dijenigen die davon nicht betroffen sind können ohne weiteres in dieser Richtung Argumentieren…

    In’s gleiche schlägt aber auch die seit Jahren durchgeführte Auslagerung von Arbeitsplätzen. Die „kleine“ Schweiz kann und konnte sich dem stets besser entziehen als Nationen mit dem vielfachen an Einwohnern. So könne wir quasi von oben herab der ganzen Entwicklung eher gelassen zusehen.

    Der Einsatz von Kapital versus Menschen und Maschinen hat im Agregat immer gewonnen. Verloren hat durch den Einsatz von Maschinen aber die Gesellschaft als ganzes da Maschinen keine Einkommenssteuer abgeben müssen. Verloren hat auch die Gesellschaft als ganzes weil die Unkosten die durch den Verlust der Arbeitsplätze entstanden sind sozialisiert und/oder individualisert worden sind.

    Nochmal, die Schweiz als ein Land mit „leicht“ kontrollierbarer Einwohnerzahl konnte sich dem mit flankierenden Massnahmen stehts entziehen. Die verlorenen Arbeitsplätze wurden in der Regel in die Ursprungsländer der Immigranten reexportiert. Die Negativbilanz blieb dann einfach dort liegen…

    Kommt noch dazu das in früheren Jahren die Unternehmen harmlosere Ansprüche an ihre Arbeite/Angestellten hatten. Einen neuen Job zu finden und sich durch Anlernen zu qualifizieren war einfacher. Heute aber braucht es für einen beruflichen Neuanfang Jahrelange Erfahrung, unzählige Diplome und Abschlüsse und dies am liebsten zum Lohn eines 25′ Jährigen.

    Die Theorie welche oben beschrieben wurde ist also nicht mehr zu ohne weiteres in die Praxis umzusetzen als auch schon. Verständlich das sich so redunant gewordenes Personal als gerade über den Abgrund fallen vorkommen muss.

    Immer öfter stelle ich fest das durch die Jahrzehnte andauernde Neoliberale Dogmatik und Indoktrination selbst so mancher Standardangestellte mit dem etwas lächerlichen Slogan der „Eigenverantwortung“ einem stücken Selbstständigen Nachdenkens entzieht und am Ende auch noch in der Lage ist, solche Gesellschaftlichen Verwerfungen dem Indiuum als Selbstverschuldet ankreidet.

    Die hohen Arbeitslosenzahlen aber sind eigentlich ein Merkmal unterentwickleter Länder. Sie zeigen auch die Unfähigkeit dieses Systems auf, sich den Anforderungen die moderen zukunftsgerichtete Gesellschaftsformen haben sollten, zu stellen.

    Eigenverantwortung wird heute beinahe exklusiv dazu benutzt das sich so mancher Verantwortliche in Politik, Wirt- und Wissenschaft neuen Lösungen (die dringend nötig sind) bzw. dem Nachdenken darüber entziehen kann. Wir leben zwar nicht mehr in einer Steinzeitgesellschaft, gehen aber in vielen Aspekten ziemlich schnell darauf zu. Was bitte bleibt einem der totalen „Eingenverantwortung“ ausgesetzen denn ultimativ anderes übrig als wieder die Keule in die Hand zu nehmen.

    Betrachtet man sich die Parteilandschaft und deren aktuelle Aussagen lässt sich ebenfalls feststellen das dass gesammte Spektrum im laufe der vergangenen +20′ Jahre nach Rechts verschoben wurde. In’s gleiche Loch gefallen sind ebenfalls die Medien bzw. deren Redaktionen, Journalisten und auch die Leser. Aber dann, dafür war mehr als 1 Generation intensiver Propaganda nötig die sich inzwischen auch in die Ausbildung eingeschlichen hat.

    Wie Selbstverständlich akzeptieren wir heute, das uns beinahe exklusiv, Oekonomen unsere Welt und wie sie auszusehen hat erklären. Es gibt abr auch andere Aspekte aus der weiten Welt der Sozialwissenschaften (die Oekonomie ist lediglich ein Subset davon) die ebenfalls in der Lage sind uns unsere Welt zu erklären und neue Wege aufzuzeigen.

    Dann hätte man auch die Möglichkeit die Postmitarbeiter in einem anderen Licht als dem der Selbstverschuldung und Eigenverantwortung zu erkennen. Die Postmitarbeiter aber sind nur ein sehr kleiner Teil der Gesellschaft die ohne eigenes zutun in den vergangen Jahren unter die Neoliberalen Räder gekommen sind…

    Leider rennen aber nicht nur die Arbeiter/Angestellten den negativen Aspekten der von der WTO angetriebenen, aber jegliche Sozialstandards missachtenden, Globalisierung hinterher sondern auch Nationen, Bezirke, Unternehmen, Gewerkschaften, Arbeitsgesetze, Gemeinden…

    Man hätte in die Handelsverträge auch die für Nationalstaaten und den dort lebenden Menschen wichtigen Aspekte beachten und einbauen können. Hat man aber nicht…

  • Peter Don Kleti sagt:

    Exzellenter Blog. Immer die richtigen Fragen zur rechten Zeit. War der Autor heute etwa zum Kaffee mit dem Kollegen der «Wir werden Aufstände, Willkür und Totalitarismus erleben» unter der Rubrik ‚Schweiz‘ publiziert hat?
    Ich denke schon. Die Antworten sind also bereits gegeben, im erwähnten Beitrag. Die Fragen aber dennoch legitim.
    Sagen Sie es uns, Herr Diem Meier. Werden die Mächtigen das Volk unter Kontrolle behalten können, oder kommt es früher oder später zur sozialen Revolution und Neuverteilung von Material und Kapital? Und, was meint Ihr Chef dazu?
    Herzlichen Dank
    PdK

  • Markus Schneider sagt:

    Im Grundsatz hat Malthus doch nach wie vor recht. Die Welt wird als gesamtes wohl kaum 50 Milliarden Menschen ernähren können. Es gibt auch kleinere Gebiete, wo nicht einmal 20 Millionen anständig ernährt werden können, obwohl auf dem Rest der Welt genugend Essen produziert würde. Aber niemalnd will es zu den Hungernden transportieren, weil diese weder für die Produktion noch für den Transport etwas zu bieten imstande sind. Sollen wir anderen etwa bloss dafür arbeiten, dass anderswo irgendwelche Menschen nicht verhungern und statt zu arbeiten und sich über Kondome schlau zu machen noch mehr Nachwuchs auf die Welt stellen?

  • Rolf Schumacher sagt:

    Systemwechsel ist ein grosses Wort. Man muss versuchen den aktuellen Wirtschaft-Justiz-Politik-Teufel komplett auszubeinen und ein neues Programm zu entwerfen. Da ich weder Jus, noch Oeconomie noch Politologie studiert habe, darf ich mich ganz frei daran wagen. Ich werde mich melden, wenn ich den CH-Satansbraten seziert habe 😉 Es gibt Hoffnung, die Schweiz hat enormes Potential. Falls ich zuviel oder quatsch schreibe, sagt es bloss. Kritik ist klarer als der beste Spiegel.

  • Rolf Schumacher sagt:

    @an alle. Der beste Motor ist die eigne Vision. Der gefährlichste eine abgekupferte Utopie (Ideologie).

    • Uwe Brock sagt:

      A propos Abgekupfert… haben Sie schon mal geschaut wie alt die Wurzeln der aktuellen Neoliberalen Doktrin sind? Mehrere Jahrhunderte… einer davon war der oft zitierte Adam Smith (leider völlig aus dem Kontext gerissen, der Arme) .

      Fragt sich nun, wer sich da nicht verändern will bzw. wer da wem alles einfach abgeschaut hat… und die zahllosen Mitläufer erst…

      Aber dann, der grösste Antrieb des Menschen war schon immer der Glaube an etwas. Da macht die Oekonomie keine Ausnahme.

      • Rolf Schumacher sagt:

        Wenn andere blind abkupfern muss man es persönlich ja nicht tun. Jeder der innovativ genug ist kommt zum Ziel. Wer blind einer Fahne, einem System, einem Führer, einem Guru oder einem heiligen Buch nacheifert scheitert. Und ja selbsterständlich ist die politisch-wirtschaftliche Propaganda immer abgekupfertes altes und leeres Geschwätz. Auch Unillehren sind abgekupfertes, abgeschriebenes eitles und leeres Gelaber. Die wahren Künstler/Genies sind an keiner Akademie zu finden, da fühlen sie sich eingesperrt, nicht verstanden und vor allem haben sie keine Zeit sich ihren Leidenschaften (Visionen zu widmen). Publizieren an einer Uni ist genau so hohl und leer wie Wahkampfpropaganda. Es geht oft an beiden Orten nicht um Fortschritt, sondern um Werbung fürs Institut und in eigener Sache, Geld, Karriere.
        Die wahren Genies hocken in Hinterstuben und basteln an ihren Erfindungen. Wir brauchen ein Silikonvalley in der CH. Wir brauchen Vertrauen in junge Spinner sorry Querdenker. Weniger Diplome und Regeln dafür mehr Freiheiten.
        Ich respektiere den kleinen Bastler. Ich kenne einige die im Hinterzimmer ganz Grosses entdeckt, erarbeitet haben. Harvard, Sankt Gallen, Princton, Yale bringen uns nicht wirklich weiter. Das sind elitäre Kaderschmieden für akademische Dumpfbacken. Diese Institute überschwemmen den Arbeitsmarkt mit total unfähigen Brüdern. Leider werden viele dieser halbbackenen Pseudoakademiker schnell einen wichtigen Posten finden, weil sie in die richtige Familie eingeheiratet haben oder bereits in die rechte Famile geboren wurde.
        Diese fatale Vetterwirtschaft muss aufhören. Es sollte wieder die geistige Kapazität zählen und nicht der Stammbaum. Ospel, Vasella, Spuhler haben sich hochgeheiratet und Vasella / Spuhler haben sich mit einigen hohlen akademischen Titeln geschmückt. Diese Pseudoakademiker sind darüber hinaus dick vernetzt. In dieser elitären aber total unfähigen Bruderschaft und deren Filz liegt der Grund des Uebels, meine ich. Und wenn economisuisse dem Klumpenrisiko Vasella Tür und Tor öffnet, dann ist es noch immer schlecht bestellt um die Klarsicht in der CH-Wirtschaftführung.
        Wir können hoffen, dass es in Zukunft anders wird.
        1) Aufteilen der Grosskonzerne/Banken in kleine überschaubare Einheiten (aus Novartis könnte man bestimmt 10 unabhängige Einheiten machen)
        2)Kampf dem unsäglichen Filz. Die Politik muss sich emanzipieren.
        3)Räume schaffen in denen kreatives Arbeiten frei möglich ist. Heute ist es so, dass Investoren (welche selber oft nur ein sehr eingeschränktes und enges Denkvermögen haben) Ideen, Konzepte aufkaufen. Einerseits kann man sich so Konkurrenz vom Leibe halten andererseits diversivizieren man sein Vermögen. Die Gefahr der Machkonzentration ist dabei genau so gegeben wie bei Grosskonzernen (Nestle, UBS, Novartis)
        4)Start up Programme des Staates sollten seriöser werden. Es kann nicht sein, dass ein Betreuer einer Start up Firma sich gerade elber als Geschäftsführer anbietet. (alles schon gehört und gesehne schwarz auf weiss).
        5)weniger Akademiker und Phrasendrescher mehr Praktiker und Pragmatiker
        6)CEOS grosser Firmen nicht an der Politik beteiligen lassen. Rigoros und konsequent, denn das gibt bloss Interessenskonflikte.
        7) Oeffentliche Projekt fair ausschreiben. Keine Hinterstuben Abmachungen (ehealth, Informatik Armee/Bund). KMUS sollen die Möglichkeit haben gut Ideen einzubringen.
        8) Neutrale und griffige staatliche Kontrollorgane. FINMA (GROSSBANKEN gesteuert), BAG (Krankenkassen geleitet) das sind absolute no gos.

        Man könnte schon einiges tun, wenn man wollte.

  • Rolf Schumacher sagt:

    Die Zeit kennt nur eine Richtung. Vorwärts. Wer alten Zöpfen nachtrauert lebt schlecht. Einerseits lebt er stets in der Vergangenheit und verliert so schnell den Anschluss an die fortwährende Entwicklung, andererseits machen Gram und Trauer nur krank und einsam. Wer aber intelligent vorausschauend ist, wird immer irgendwo eine Nische finden. Denn Ideen und Arbeitskraft wird es immer brauchen. Da Zeit hat nicht nur den „negativen“ Aspekt der ewigen Verändernung, sondern bringt auch das organische Vergehen (Verwelken) mit sich. Das heisst jeder Thron, jede scheinbar sichere Position muss einmal geräumt werden. Wer abwarten kann, clever taktiert wird immer einen guten Moment für die richtigen Taten finden. Der Systemwechsel muss kommen, das heisst aber noch lange icht, dass man deswegen zum Zukunftspessimisten werden muss, ganz im Gegenteil. Jeder grosse Wechsel gibt neue Möglichkeiten.
    Jede Beerdigung ist ein Geburtstagsfest und umgekehrt.

    • Peter Rüegg sagt:

      Stimmt. Ist der Thron der Menschheit erst mal geräumt, so wird das riesige freie Feld, dass durch die Ausrottung von mindestens 85% aller Spezies erschaffen wurde, zu einer Artenexplosion führen, wie sie der Planet noch nicht gesehen hat. Das sind doch schöne Zukunftsaussichten!

  • werner hug sagt:

    Technologie loest keine Probleme – sie gibt uns Zeit Probleme zu loesen.

    http://www.heise.de/tr/artikel/136646

  • Christoph Siegenthaler sagt:

    Wie u. A. Jared Diamond in seinem Buch „Collapse“ sehr schön darlegt leben wir eben genau NICHT nachhaltig. Trotz technologischem Fortschritt ist eine Weltbevölkerung von mehr als ungefähr 5 Milliarden Menschen langfristig nicht tragbar. Viele Regionen leben okölogisch „auf Pump“ und produzieren Ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse mit geborgenem Kapital (über Jahrhunderte angesammelte Nährstoffe) Eine weltweite Verzerrung des freien Marktes (z.B. durch Subventionierung des Wassers) führt zudem dazu das an den unmöglichsten Orten gewirtschaftet wird und somit Länder wie Australien oder der Nahe Osten zu Netto-Wasserexporteuren werden!

    Um Afrika und anderen armen Regionen der Welt zu helfen müssen deshalb auch tabuisierte Themen wie der erleichterte Zugang zu Verhütungsmitteln in ärmeren Ländern diskutiert werden!

  • Markus Niederberger sagt:

    „Eine deutliche Besserung – wir nennen das heute Wachstum – gabs über die Jahrtausende kaum.“

    Und liegt die Gefahr in diesem Fortschrittsoptimismus. Unendliches Wachstum ist in einem begrenzten System, wie das unsere Erde nun einmal ist, nicht möglich. Schon gar nicht exponentielles Wachstum. Ob wir die Grenzen des Wachstums um 2000 erreichen, wie vom Club of Rome vorausgesagt, oder um 2100 ist egal. Wir beginnen sie jedenfalls heute zu spüren. Ob das Peak Oil oder die Seltenen Erden sind, wir kommen an Ressourcengrenzen. Wir werden das Wirtschafssystem umbauen müssen, dass es mit Stagnation zurande kommt. Oder Malthus bekommt mit seiner Zyklentheorie doch recht, wenn auch auf höherem Niveau.
    Interessante Utopie zum Thema: Niven, L; Pournelle, J: The Mote in God’s Eye

  • Greatsheep sagt:

    Öhhhh, Maschinen; gut. Aber wer treibt denn die Maschinen an? Was passiert wenn die Maschinen nicht mehr laufen (können) oder nicht mehr so stark, „effizient“ etc. ?
    War das geringe Bevölkerungswachstum nicht auch ein Problem des Düngers? Es wurden doch ganze Friedhöfe leergeräumt um an was zu kommen? Knochenmehl?
    Viele Fragen, aber es gibt ja für alles immer eine Standard-Antwort: Der Mensch wird ja todsicher wieder was erfinden um jedes Problem zu lösen.

  • Malthus + Post + Maschinen = ?

    Bemerkenserte Assoziationen. Schumpeter hätte ergänzend noch dazu gehört. Die Schlussfrage wirkt holzig. Und dann noch Polanyi lesen (The Great Transformation) und sich folgendes Sprüchlein merken:

    „Verbesserungen werden immer um den Preis sozialer Umschichtungen erkauft.“

    Das ist recht vielsagend, nicht? Zwischen zwei Innovationsphasen geht es mit der Zeit allen gut. Doch zuerst muss sich die Zivilgesellschaft auf die Hinterbeine stellen. Was wir heute dringend benötigen sind ein neuer Frederick W. Taylor und ein neuer sozialrevolutionärer Schub, der sich nicht gleich beim ersten Maschinensturm erschöpft.

    • Und noch etwas aus Polanyi’s grossartigem Standardwerk „The Great Transformation“, in dem er seinerzeit vor allem die sozialen Folgen der industriellen Revolution im Rückblick brilliant analysiert hat:

      „Nirgends hat die Philosophie des Liberalismus so offensichtlich versagt, wie in ihrer Auffassung vom Wesen der Veränderung.“

      Polanyis Great Transformation ist aktueller denn je: Unbedingt lesen! Und wer dann noch „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“ von Schumpeter dazu nimmt, ist schon fast in der Lage, der Krankheit unserer Zeit einen Namen zu geben! Vor allem befreit einen die Lektüre dieser zwei grossen Ökonomen vom immer mal wieder auftauchenden, marx’schen Reflex, der als Erklärungsmodell inmitten einer Transformationphase nur noch sehr bedingt aussagekräftig ist- auch wenn „die Reichen“ mitunter tatsächlich reine Interessenspolitik betreiben.

  • René sagt:

    „Auf die Dauer würden die verfügbaren Ressourcen einfach nicht für alle Menschen ausreichen.“ – Stimmt doch noch immer: Wir leben nicht nachhaltig, haben’s einfach mal geschafft, mickrige paar Jahrzehnte ohne Hungersnöte zu leben. Auf Kosten anderer und der Ressourcen unserer Zukunft. Bin gespannt, wie lange wir das noch so durchziehen können.

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