«QE2» vs. «Deficit Spending»

Joseph Stiglitz (links) vs. Ben Bernanke (rechts)

Grosse Debatte in den USA zum Thema «Quantitative Easing 2» (QE2). Um was gehts? Die klassische Geldpolitik in den USA – jene über die Leitzinsen – ist ausgeschossen, weil sich die Leitzinsen praktisch bei null befinden und nicht darunter gesenkt werden können. Deshalb überlegt man sich bei der US-Notenbank jetzt, erneut langfristige Obligationen aufzukaufen, um so mehr Geld in die US-Wirtschaft zu pumpen. Denn die bleibt in der Krise gefangen – vor allem gemessen an der wichtigsten Krisengrösse, der Arbeitslosigkeit. Die Quote liegt hier bei rekordhohen 9,6 Prozent.

Although output growth should be somewhat stronger in 2011 than it has been recently, growth next year seems unlikely to be much above its longer-term trend. If so, then net job creation may not exceed by much the increase in the size of the labor force, implying that the unemployment rate will decline only slowly.

Selbst wenn das Wachstum der US-Wirtschaft im nächsten Jahr stärker ausfallen sollte, deutlich über dem langfristigen Trend werde es nicht sein. Daher werde auch die Arbeitslosigkeit kaum abnehmen. Nein, das ist kein Berufspessimist, der das gesagt hat, sondern Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank in seiner jüngsten Rede. Wem nicht klar ist, was das mit dem Trendwachstum auf sich hat, findet hier Klärung.

Was aber kann Geld bewirken? Einige Zweifler verweisen darauf, dass die Arbeitslosigkeit vor allem strukturell bedingt sei, das heisst, die Leute finden keinen Job, weil sie die falschen Qualifikationen haben. Das ist Mist. Der grösste Teil der Arbeitslosigkeit geht auf eine fehlende Nachfrage zurück. Bernanke:

…we see little evidence that the reallocation of workers across industries and regions is particularly pronounced relative to other periods of recession, suggesting that the pace of structural change is not greater than normal… Overall, my assessment is that the bulk of the increase in unemployment since the recession began is attributable to the sharp contraction in economic activity that occurred in the wake of the financial crisis and the continuing shortfall of aggregate demand since then, rather than to structural factors.

Dennoch, was können weitere Käufe von Staatsanleihen tatsächlich bewirken?

Empirical evidence suggests that our previous program of securities purchases was successful in bringing down longer-term interest rates and thereby supporting the economic recovery… However, possible costs must be weighed against the potential benefits of non-conventional policies. One disadvantage of asset purchases relative to conventional monetary policy is that we have much less experience in judging the economic effects of this policy instrument, which makes it challenging to determine the appropriate quantity and pace of purchases and to communicate this policy response to the public. These factors have dictated that the FOMC proceed with some caution in deciding whether to engage in further purchases of longer-term securities.

Beim ersten Mal hats auch geklappt, sagt Bernanke. Doch er traut den eigenen Plänen selbst nicht ganz. Es fehle ganz einfach die Erfahrung mit solch aussergewöhnlichen Massnahmen. Sein geldpolitisches Komitee (FOMC) werde daher sehr vorsichtig agieren.

Was wäre denn die Alternative? Genau: staatliche Ausgabenprogramme, bekannt auch unter «Deficit Spending». Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz sieht nur hier eine Lösung. Von weiteren geldpolitischen Abenteuern hält er gar nichts:

It is folly to place all our trust in the Fed… To pursue austerity in the hope that monetary policy can reliably be used to undo any untoward effects, is, in short, sheer folly.

Auf die US-Notenbank zu setzen sei verrückt, schreibt er in einem Kommentar in der «Financial Times» (gratis Anmeldung erforderlich). Wenn die Banken von der Zentralbank mehr billiges Geld erhalten, heisse das noch lange nicht, dass es auch bei den Unternehmen ankomme. Ein weiteres «Quantitative Easing» sei mit grossen Unsicherheiten verbunden und berge zudem Gefahren für die US-Notenbank, denn die sitzt dann auf den aufgekauften Papieren, die mit grosser Wahrscheinlichkeit bei einem nächsten Aufschwung an Wert verlieren würden.

Schön. aber «Deficit Spending»? Soll das denn besser sein? Haben wir nicht über die letzten Jahrzehnte gelernt, dass die Konjunkturpolitik der Notenbanken (über die Geldversorgung) staatlichen Ausgaben immer überlegen ist? Ja, aber die aktuelle Lage ist von der in den vergangenen Jahrzehnten (mit Ausnahme von Japan) grundverschieden. Stiglitz:

Doubters of the effectiveness of fiscal policy worry that such spending will simply crowd out other spending, as government borrowing forces interest rates up. There may be times when such crowding out occurs – but this is not one. Interest rates remain at record low levels… There are other, even less convincing arguments: that taxpayers offset future liabilities by reducing consumption. It would have been nice if this had happened when the Bush tax cuts of 2001 and 2003 were enacted; instead, the savings rate fell ever lower until it reached zero… fiscal policy can be targeted on investments in education, technology and infrastructure. Even if government debt is increased, the assets on the other side of the balance sheet are increased commensurately. Indeed, the historical record makes clear that returns on these investments far, far exceed the government’s cost of capital.

Kurz: Staatsausgaben führen aktuell nicht zu steigenden Zinsen, wie auch das rekordtiefe Zinsniveau trotz der angestiegenen Staatsschuld zeigt. Und wenn die Regierung in Ausbildung, Infrastruktur und Technologie investiert, sei das für sie äusserst lohnenswert.

Hat denn die US-Regierung in der Krise nicht schon einmal auf staatliche Ausgaben gesetzt – ohne dass sie die Krise zu beheben vermochte? Von einem echten «Deficit Spending»-Schub ist in den Daten nicht viel zu sehen. Diese Grafik von Paul Krugman schafft Klarheit:

Die linken Balken zeigen die Wachstumsraten für das BIP, die Staatsausgaben und die Staatseinnahmen für die Jahre 2001 bis 2007; die rechten Balken die gleichen Grössen für die Krisenjahre ab 2007. Dabei wird klar: Die Staatsausgaben haben in diesen Jahren nur wenig zugenommen, die Einnahmen sind dagegen krisenbedingt scharf eingebrochen – daher das höhere Defizit. Die Mehrausgaben auf Regierungsebene seien von Sparmassnahmen bei den Einzelstaaten weitgehend neutralisiert worden, schreibt Krugman.

Welche politischen Chancen haben weitere Staatsausgaben?

Was soll getan werden?

62 Kommentare zu ««QE2» vs. «Deficit Spending»»

  • Und schon wieder pumpt die FED mit 600 Milliarden Dollar einen Betrag in die marode US-Wirtschaft, der 150 Prozent vom BIP von ganz Westafrika (ECOWAS-Raum) entspricht, ein Wirtschaftsraum, in dem gut 800 Millionen Menschen leben- oder fast drei Mal soviele wie in den Vereinigten Staaten! Weitere Vergleichszahlen, damit man sich ein wenigstens einigermassen fassbares Bild von dieser unfassbaren Summe machen kann:

    – Bis Ende März 2009 erhielt der amerikanische Versicherungskonzern AIG von der amerikanischen Regierung insgesamt 180 Milliarden Dollar- das ist die größte staatlich finanzierte Unterstützung für ein privates Unternehmen in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

    – Für die Rettung des hochverschuldeten EU-Mitgliedlandes Griechenland hat die Europäische Union im Mai 2010 zusammen mit dem internationalen Wahrungsfonds (IWF) Notkredite im Umfang von insgesamt 110 Milliarden Euro bereitgestellt.

    – Das BIP der Schweiz beträgt z. Z. gut 500 Milliarden Schweizer Franken.

    Sobald die FED im Besitze von 100 Prozent aller US-Staatsnaleihen ist- oder knapp darunter, heute sind’s bereits 50 Prozent- wissen wir wenigstens eines mit Bestimmtheit: Der Friedman’sche Ansatz der Wirtschaftspolitik (=Geldpolitik) ist endgültig tot- ein Grund zum Feieren!

    • Rolf Schumacher sagt:

      Was bedeutet der letzte Abschnitt? Was kann der Fed wenn er zb 80% der Staatsanleihen hätte. Was sind eigentlich Staatsanleihen genau (T-Bonds). Was würde es bedeuten, wenn die USA bankrott ginge und der FED 80% der Papiere besässe? Was ist der FED genau. Ist der FED überhaupt noch mit der Politik verbunden, oder wird er von Privaten geführt?

  • Rolf Schumacher sagt:

    Hallo zusammen. Ich lese hier sehr interessante Szenarien (Nadine Binswanger). Es wäre schön, wenn die Wirtschaft sich in Richtung Nachhaltigkeit entwickeln würde. Dem ist aber leider nicht so. Denn die Zeithorizonte der Machthaber sind auf die Zeit ihrer Einflussnahme beschränkt. Ein Politiker, muss in 4-8 Jahren sich selber zum Denkmal gemacht haben und seine (Wahlkampfsponsoren) auf allen Etagen befriediegt wissen. Ein Unternehmern will in 20 Jahren maximal viel Geld aus seinem Betrieb schöpfen, er arbeitet für sich und nicht die faulen Hunde auf dem Sozialamt (so denkt er). Ein Topangestellter ist noch viel skrupelloser, am liebsten verdient er binnen einiger weniger Jährchen soviel, dass er dann sicher in Frühstrente gehen kann (wer arbeitet mit 50+ noch wirklich gerne). Bei den grossen CEOS ist es so wie bei Sepp Blatter, die Vorzüge auf Nieveau der Welelite zu leben sind zu verlockend, als dass man ins dunkle Leere eigene ich absteigen wollte. Also sonnen sich die modernen Sonnenkönige solange in ihrem aufgeblasenen Scheinego, bis sie sterben oder von einer Revolution dahingerafft werden. Diese Sonnenkönige werden auch nichts ändern wollen, denn sie sind die Grossschmarotzer des globalen freien Marktes.
    Nachhaltige Wirtschaft wird es, wenn man die massgebenden Spieler im Spiel betrachtet, nie geben. Thomas Morus, Platon, Sokrates, Hobbes, Rousseau, Marx soviele haben vom Ideal geträumt. Die Realwirtschaft hat sie nie gelesen und wenn höchstens verlacht, gejagt und umgebracht . Es wird immer wieder aufgebaut und dann Raubbau bis zum Zusammenbruch getrieben. Etwas anderes kann der Mensch als Mensch nicht. MACHT, GIER; SUCHT, SEX sind heissen die Wirtschaftselixiere. Alles, wirklich alles andere ist Tarnung und darunter liegen diese vier Kernwörter. Hedgefunds, Suprime credits, Börse, Nationalbanken, Wärhung, etc etc sind alles lächerliche Tarnkappen.

  • Uwe Brock sagt:

    Das die Oekonomie keine „rational kalkulierbare“ Wissenschaft ist kommt in den interessanten Beiträgen gut zum Vorschein. Alle rätseln herum und glauben fest daran in die Zukunft schauen zu können…

    Aber beim Glauben ist es bis heute tatsächlich geblieben. Die aktuell so favorisierte Kapital- Profite- und Rendite basierte Oekonomie schliesst leider so manche Alternative aus. Indem Moment wo das kalkulierbare System der Renditen verlassen werden muss bleibt nicht’s mehr anders übrig als „zu Glauben“.

    Einfacher wäre es wohl man verlässt extreme Ideologien und Dogmen (wie etwa die Neoliberale die sich selber beerdigt hat) und versucht es mit Kompomissen. Um aber zu erkennen in welchem Framework sich die einzelnen nationen und die dort lebenden Menschen befinden könnte ein Blick auf das MAi Abkommen aus den 90′ Jahren des vergangen Jahrhunderts weiterhelfen.

    Dazu zwei links:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Multilaterales_Investitionsabkommen

    und hier

    http://www.inprekorr.de/320-mai.htm

    Das MAI Abkommen wurde nie unterzeichnet/ratifiziert. Allerdings ist der „Geist“ dieses Abkommens beinahe vollumfänglich in die Handelsverträge der WTO (und deren Derivate wie GATS, DOHA, ACTA, TRIPS usw.) eingeflossen.

    Es gibt also bei allen Ländern erhbeliche Verpflichtungen beinahe exklusiv gegenüber Investoren. Die Bevölkerung bzw. deren Mitsprache ist komplett unerwünscht. Demokratie, in welchem Verständnis auch immer, wird täglich abgebaut (i.e. in von der Bevölkerung nicht kontrollierbare Kommissionen) ausgelagert.

    Ein guter Anfang wäre wohl, die WTO handelsverträge einr Umfassenden Debatte und schliesslich Revision zu unterziehen. Es kann nicht mehr angehen das Investoren mit Ihren für Zivilgesellschaften erbärmlichen Ansprüchen zu oberst auf dem Podest stehen. Der viel zitierte und verfochtene Neoliberale Gesellschaftliche Umbau entspricht 1:1 dem MAI Abkommen.

    Da die meisten Länder, mehr oder weniger Freiwillig, an die WTO Handelsverträge gebunden sind, sind auch die Alternativen die sich „legal“ erreichen lassen viel zu stark eingeschränkt.

    Ich glaube, das erst wenn wir die rahmenbedingungen der WTO Hinterfragen und an die Ansprüche von Zivilgeselslchaften anpassen eine wirkliche Chance besteht aus dem aktuellen Dilema heraus zu kommen.

    Die total überschuldeten und dadurch beinahe Manöverierunfähig gewordenen Nationen können die Ansprüche die moderne Gesellschaftsformen vorraussetzen immer weniger erfüllen. Schnell ist man auch fündig geworden wer denn der Schuldige sein muss. Die Bevölkerung, welche angeblich über Ihre Verhältnisse gelebt hat. Aus tiefestem Propagandakeller hervorgeholte Argumente wie der über die faulen Griechen die einfach selber Schuld sind, Dann noch die Isländer, Portugiesen, Spanier, Ungarn, Rumänen, Estländer, Irländer und viele mehr… Aber waren die wirklich einfach nur faul, dumm und unfähig? Ich denke nicht…

    Berücksichtig man die Handelsverträge der WTO müsste nman eigentlich zum Schluss kommen das dem nicht so sein kann. Zugedient wird heute nur einer verschwindend (aber wachsenden) Gruppe von exrem reichen Individuen. Den Nationen wurde in den vergangen +20 jahren systematisch das Substrat entzogen was für moderne und fortschrittliche Nationen unabdingbar ist.

    Gesunde Einnahmen aus Umverteilungssystemen die sich konsequent nach der Wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der dort lebenden Individuen und Unternehmen richtet, sowie Umfassende Mitspracherechte…

    Die WTO Verträge zeigen, in welch eng begrenztem Umfeld wir uns alle bewegen… dürfen.

  • Michael Schwarz sagt:

    Die Aufwertung Yuan verschafft die USA ein wenigen Luft, aber das wird keine nachhaltige Lösung für USA sein. Die Amis müssen mit Sparen nachhaltig anfangen. Die Sparmassnahme nach der Krise ist sicherlich ein falscher Zeitpunkt. Die Verschuldung muss während der Krise ausweiten, womit der Staat in der Lücke der Investition einspringt. Das darf man nicht lange tun. Gleichzeitig muss der Staat die Privatinvestition fördern, womit der Staat wieder aus den Investition, die während der Krise gemacht haben, zurückziehen kann. Diese Massnahme darf nur kurzfristig angewendet werden. Bis heute hat die USA die Privatinvestition nicht gefördert, sondern durch die Abwertung des Dollars gebremst. Werde die USA Staat zu einem sozialistischen Staat? Die Innovation in Privatwirtschaft zu fördern, sollte momentan die wichtigste Aufgabe des US-Staates sein, womit die Privatinvestition wieder zunimmt; der Dollar muss weiter aufwerten, womit für ausländische Investoren wieder attraktiv werden. Die Tiefzinspolitik Bernankes ist eine fehlerhafte Geldpolitik, sie schadet nicht nur USA, auch Europa.

  • Michael Schwarz sagt:

    Die Geldpolitik Greenspan und Bernanke treiben die USA ins Abgrund. Grenzenlose Geldvermehrung auf Kosten der Sparen, führt zur Reduktion der Investition. Das Wachstumsproblem in USA ist auf die Abwertung und massive Lockerung des Geldmenge zurückzuführen. Der Sparquote in USA ist seit Jahren negativ, somit ist die Amis nicht in der Lage in eignem Land zu investieren. Womit die Inflation in USA nicht stark steigen, ist die USA auf ausländische Investition angewiesen, aber durch die massive Abwertung des USD fliesst die ausländische Investition nach Europa und Asien. Die Defizite ist zwar durch den Rückgang des Kapitalimport kurzfristig zurückgegangen, aber auf die Kosten der Investition. Bernanke hat die Auswirkung seiner Geldpolitik, sowie deren Konsequenz nicht fertig gedankt. Die US Wirtschaft fehlt kein Geld, sondern viel mehr die Investitionsmöglichkeit. Die Investitionsmöglichkeit kann nur durch die Innovation erzeugt werden. Aber leider fehlt bis heute die innovative Kräfte in USA, weil alle mit der Schuldrückzahlung beschäftigt. Es ist eine absurde Situation – die Inflation und Verschuldung werden weiter steigen, weil das Wachstum durch Fed gebremst wird.

    • Nadine Binsberger sagt:

      @Schwarz 17:10:

      Das Wachstum wird nicht durch das FED gebremst sondern durch den Wohlstand. Wachstum war nötig, als noch Mangel und Entbehrung herrschten. Damals bedeutete Wachstum dasselbe wie grösserer Wohlstand. Aber irgendwann ist Wohlstand erreicht. Der Mensch ist kein Konsumfass ohne Boden. Irgendwann sind die materiellen Bedürfnisse befriedigt und es geht „nur“ noch darum, die Sonne zu geniessen, die Gegenwart der liebsten Menschen auszukosten, die Vögel zwitschern zu hören, im See baden zu gehen, etc. Ich brauche nicht 2, 3, 5… 10 Kaffeemaschinen. Ich brauche auch nicht zum wiederholten male ein neues Computer-Betriebssystem, das im Vergleich zu seinem Vorgänger nichts wesentliches besser kann, ausser die Versprechen des alten Systems evtl. einzuhalten.

      Wirklich innovativ wären heute nur noch Produkte, die dasselbe können, wie bereits bestehende, aber vielleicht alles in einem Gerät und erst noch kleiner. Das bedeutet aber nicht mehr sondern weniger Arbeit. Genauso ist es mit der Qualität der Produkte: Innovation wäre, anstatt immer schlechtere eben immer bessere Produkte. Es wäre für die Konsumenten und für die Umwelt besser und gesünder, wenn die Produkte langlebig, wartungsarm und einfach zu bedienen wären. Aber wohin führt das? Wieder zu weniger Arbeit, denn langlebige Produkte schalten den Markt von morgen aus.

      Wir müssen ein alternatives Wirtschaftssystem erfinden, welches nicht nur behauptet, effizient zu sein, und alle herumstressen lässt, sondern tatsächlich effizient ist und uns dadurch gerade Arbeit erspart. Das bedeutet, dass wir unsere Existenzen nicht mehr von der Arbeit abhängig machen dürfen. Denn ein Wirtschaftssystem, das Wohlstand durch Schrumpfung (=Effizienz) erzeugt, macht Arbeit überflüssig. Das sollte nicht dazu führen, dass wir vor lauter Arbeitslosigkeit depressiv werden und vielleicht sogar noch Selbstmord machen! Im Gegenteil: wir solltenn Freudensprünge machen und uns überlegen, was wir mit der gewonnen Lebenszeit in Zukunft anstellen dürfen und wollen! Denn alles was wir wollen, können wir dank unserem effizienten System haben, ohne uns allzusehr anstrengen zu müssen.

      DAS ist Innovation – System-Innovation – und ein Meilenstein in der Entwicklung des menschlichen Wohlstands. Aber mit Wachstum hat sie nichts und mit (Lohn-)Arbeit sehr wenig zu tun.

      • michael wolf sagt:

        Sie wollen also vordeklinieren – mittels Verfassung oder wie? – was in Zukunft innovativ ist und was nicht. Von allein wird der Mensch nämlich nicht darauf verzichten, ständig neues und auch „überfüssiges“ hervorzubringen. Bisher regelt der Markt, was sich langfristig durchsetzt und als gut empfunden wird. Sie empfinden diesen Mechanismus als „Faustrecht“ und wollen ein humaneres System.

        Das wird im Gegenteil enden, Frau Binswanger, in einem sehr inhumanen System. Sie können den Menschen nämlich nicht ohne Zwang an seinem Tatendrang hindern.

        Und der Mensch ist wirklich ein Konsumfass ohne Boden. Der Bürger hat schliesslich auch 300 Jahre dafür gekämpft, frei konsumieren zu dürfen – gegen die Aristokratie, die Kirche, die Autokraten, die gescheiterten kommunistischen Systeme… Das will er nun geniessen, und Recht hat er!

        Und die Wirtschaft bringt ständig bessere Produkte und Leistungen hervor: In der Medizin, für die Mobilität, für die Arbeitsproduktität, für den Genuss. Natürlich ist jede Menge Schrott dabei. Der Konsument findet jedoch – selbständig und mit Hilfe der Medien – heraus, was gut ist und was nicht.

        Und glauben Sie wirklich, dass es ohne den Kapitalismus möglich wäre, 8 Mrd. Menschen auf der Welt zu ernähren?

        Es gibt üble Schattenseiten, das ist klar. Richard Sennet ist lesenswert – der Mensch muss ständig flexibler werden, er ist gestresst, weil es keine lebenslangen Beschäftigungsverhältnisse mehr gibt wie früher, alles wird immer schneller, die Flexibilitätsanforderungen führen zu einem Verlust von Vertrauen und Empathie.

        Mein Lösungsansatz wäre die Kultur: Wir müssen die Menschen in Kulturgemeinschaften einbringen – Lesezirkel, Musizieren, Theater etc. Von mir aus sogar Computerspielgemeinschaften (gibt es intelligente Computerspiele?). Es geht darum, sich eingebunden zu fühlen und seine Seele weiterzubringen. Was wären Ansätze? Lokalradius abschalten? Mediamarkt zumachen? Das wären ja auch Zwangsmassnahmen, aber die würde ich akzeptieren.

        • roger sagt:

          Lieber Herr Wolf
          Wenn der Markt tatsächlich regeln würde, wären die von Ihnen verehrten Banken jetzt alle pleite. Wollen Sie das nicht einsehen, oder können Sie nicht?

          • michael wolf sagt:

            Wieso sind die Banken von mir verehrt? Die sollen pleite gehen! Ich bin absolut gegen die Banken-Bailouts, habe ich schon oben geschrieben. Warum schreiben Sie so reflexhaft?

            „Bailouts“, also staatliche Rettungsaktionen jeder Art, sind schlecht. Für Unternehmen jeder Art. Was versagt oder am Ende seines wirtschaftlichen Lebenszyklus ist, muss weichen, damit neues entstehen kann. Die Politik mischt sich hier zu stark ein und hindert den Markt an seiner Wirkung bzw. die Leistungsfähigen und -willigen an ihrer Entfaltung.

            Für die Banken braucht es Eigenmittelvorschriften wie in früher, vor 30 Jahren, dann wäre das nicht passiert. Übrigens ist es etwas einfach, alles den Bankern allein anzulasten. Gekauft haben den Krempel doch v.a. renditehungrige Fonds- und Pensionskassen-Manager. Und warum haben die sich darauf gestürzt? Weil die Zinsen für „normale“ mündelsichere Anlagen im Keller sind und es gar keine Alternativen mehr gibt, um die Rentenversprechen erfüllen zu können. Und warum sind die Zinsen im Keller? Weil die Politik/FED es so will, um die Konjunktur zu beleben (und sich weiter billlig verschulden zu können). Und was passiert bei (zu) billigen Zinsen? Es kommt zu Investitionsblasen, zB. bei Immobilien – USA, demnächst China. Und dann zum Crash der ganzen Wirtschaft. Folgerung: Die Politik sollte weniger „Gestaltungswillen“ zeigen und Konjunkturzyklen zulassen, die regeln sich von allein viel einfacher und schneller.

            Sie haben sicher auch Differenzierteres beizutragen als Ihren Einwurf.

      • „Ich brauche nicht 2, 3, 5… 10 Kaffeemaschinen.“

        Die zweihundertfünfundachzigste Kleinwagengeneration braucht übrigens auch niemand- genausowenig wie den zweitausendreihundertfünfundvierzigsten Vitaminsaft. In den USA stand ich einmal vor einem Verkaufsgestell eines grossen Retailers: Mindestens vier Meter lang nur Orangensäfte! Da habe ich mich als Verbraucher zum ersten Male gefragt, ob ich das je gewollt habe.

        Die Antwort ist nein. Wollen wir nun rechnen, was uns dieser völlig absurde Wettbewerb in einem sowieso schon lange gesättigten Markt alleine aus Sicht der nur begrenzt zur Verfügung stehenden, natürlichen Ressourcen alles kostet? Und morgen werden es dann 6 Meter Orangensäfte sein…

        „Autos können keine Autos kaufen.“, hat Henry Ford einmal gesagt, der übrigens nicht der Erste war, der das Fliessband eingesetzt hat, wie mancherorten immer noch geglaubt wird.

  • Patrick Ryf sagt:

    Solange die Jünger von John Maynard Keynes mit seiner Interventionistischen Theorie das sagen haben, stehen einem QE2 oder einem Deficit Spending als Lösungsversuche der Krise nichts im Wege. Die Politiker muss man bekanntlich nicht zwei mal fragen, ob sie Geld wollen, um damit Probleme zu bewerfen und sich als Retter der Krise darzustellen. Eine Überschuldungs-Krise mit noch mehr Schulden lösen zu wollen, ist etwa so, wie ein Feuer mit Benzin löschen zu wollen. Das Inflationieren der Geldmenge und die daraus resultierende Umverteilung wird zudem den Mittelstand auslöschen und die Armen werden noch ärmer werden. Revolutionen, Kriege und Diktaturen lassen dann meist auch nicht mehr lange auf sich warten. Eine Krise wegen Überschuldungs kann man nur mit dem Abschreiben von Schulden lösen.

    • michael wolf sagt:

      Genau. Die Staaten (d.h. die Politiker) wollen sich durch Weginflationieren ihrer Schulden entlasten, statt die Schulden zurückzuzahlen. Das ist kalte Enteignung, v.a. der Rentner (ihre Ansprüche werden immer kleiner).

      Die parlamentarische Demokratie verliert im Gleichschritt mit dem Verfall der Währungen rasend schnell an Attraktivität als Modell. Was ist die Alternative zum Parlamentarismus? Im Moment wohl nur eine „wohlwollende“ Diktatur wie in China. Oder Direktdemokratie, aber nur wenn der Sinn für Eigenverantwortung so ausgeprägt ist wie (bisher) in der Schweiz.

      Aber mal schauen, was in 10 Jahren ist. Die Schweiz wird jedenfalls als strahlendes Weltmodell dastehen, wenn sie ihre Sinne einigermassen beisammen hält. Es wird konkrete Wünsche nach Anschluss geben, denke ich.

      • Nadine Binsberger sagt:

        @Wolf 16:35: Direkte Demokratie, das ist es genau, was unsere Ökonomie braucht.

        • michael wolf sagt:

          In der Wirtschaft müssen Mitspache und Verantwortung bzw. Haftung übereinstimmen. Wer haftet in Ihrem direktdemokratischen Modell für die Pleiten und Schulden? Der Staat?

          • Nadine Binsberger sagt:

            @Wolf 11:38:

            Überall wo Entscheidungen gefällt werden, sollten diejenigen haften, die die Entscheidungen fällen. In der Wirtschaft ist das leider zu oft nicht der Fall: z.B. Ölkatastrophen, AKW- oder Chemie-Unfälle, Raucherkrankheiten, Finanzmarkt, etc. Aber auch in der Politik gibt es zu oft Ausnahmen. Die Ausnahmen sind heutzutage eher die Regel. In einem direktdemokratischen System bekommen es wenigstens alle zu spüren, wenn die Entscheidung falsch war.

          • michael wolf sagt:

            Sie verstehen nicht: Haftung nicht für Havarien, kriminielles Verhalten und Gesundheitsschäden, dafür sind die Gerichte und Versicherungen zuständig und – falls nicht jedes Genussmittel verboten werden soll – der einzelne Konsument.

            Die Frage ist: Wer haftet in Ihrem Modell für die Schulden und die finanziellen Verpflichtungen gegenüber Kreditgebern, Lieferanten und anderen Vertragsverhältnissen, die das Geschäftslebenm täglich mit sich bringt? Ohne Obligationenrecht – d.h. ohne klare (im Zweifelsfall persönliche) Haftungsverhältnisse – keine wirtschaftliche Tätigkeit.

  • Rolf Schumacher sagt:

    Die Oekonomen können es drehen und wenden wie sie wollen. Hier ein Pflästerli, dort ein Pommädchen, wenn der Patient (Kapitalismus) bis aufs Mark todkrank ist (Gewalltentrennung aufgehoben, Korruption, Klumpenrisiko systemrelevanter Grossbetriebe, Generationenproblem (Nachkriegsgeneration hockt auf Immobilien und Vermögen, Jugend ohen Perspektive)etc etc, dann ist jeder Rettungsversuch vergeblich. Wenn Windstille herrscht nützt alles Pusten der Notenbanken nichts und wenn kein Regen vom Himmel kommt scheitert jeder oeknonomisch-theorethische Pinkelversuch. Westeuropa und die USA kommen einem fetten, trägen enorm gefrässigen Riesenmoloch gleich, welcher auf abgegraster Weide lebene sollte. Der Appetit ist seit dem 2 WK gestiegen. Der Moloch (die Masse) meint den Wohlstand zu verdienen, schliesslich habe man alles selber erschaffen und nein länger Arbeiten, oder sich in der Völlerei einschränken, oder auf seine AHV verzichten will der alte um keinen Preis, dazu fehlt ihm das Verständnis und der junge will es auch einmal so bequem wie die Alten haben, wenn nicht noch viel besser. Also mit 50 will ich tun können was ich will, dann will ich frei sein, vielleicht noch 20 X aus Spass arbeiten oder so, das hört man oft. Dieser Moloch sollte eigendlich von Wirtschaft und Politik domptiert werden. Nur haben die Dompteure mehrheitlich sehr kurzfristig gehandelt. Sie haben dem Moloch billigsten Zucker vorgeworfen, welcher den Hunger nicht wirklich stillte, sondern eher noch steigerte. Sie haben ihn mit Werbung, Versprechung zur kapitalistischen Raserei getrieben und ihn immer stärker vom System abhängig werden lassen. In dessen enormem Fahrtwind haben die Wirtschaftss und Politkapitäne ohne Astrengung immer mehr in die eigenen Taschen abzweigen lassen. Hier ein paar Prozent Zinsen, da einige Prozent Steuern. Die Politik und Wirtschaftsdompeure waren immer mehr darauf erpicht sich möglichst schnell einen grossen persönlichen Schatz zu ergaunern und dann unterzutauchen. Hire and Fire mit hohen Abgangsentschädigungen. Oder Alle vier Jahre ein neuer Präsident. Während den vier Jahren müssen dann aber ganz kurzfristig die Taschen aller Vasallen und die eigenen randvoll gefüllt sein. Seit den 80/90ern wurde dieses absolut dekadente Verhalten der politischen und wirtschaftlichen Elite ohne Zurückhaltung offen ausgelebt. Im Namen des freien Marktes wurde die staatliche Kontrolle so lange eingeschränkt, bis sie heute fast nicht mehr existiert. Vekselberg, T. Bohrer, Vasella, Ospel, Kurer, Blocher scheinen weder der Politik noch der Justiz unterworfen zu sein. Sie geniessen Immunität (Bohrer, Blocher), oder machen sich die eigenen Gesetze (Blocher), oder bauen sich systemrelevante Monopole auf (Vasella, Ospel, Kurer, Brabeck), oder arbeiten in Unternehmen, welche weder Steuer noch Wettbewerbsgesetzen unterworfen sind (FIFA; KRANKENKASSEN, VERSICHERUGNEN; PENSIONSKASSEN, BUND; ARMEE…) Es scheint als hätten sich da Menschen in olympische Sphären katapultiert. In der Mythologie verbrannten solche Ueberheblichkeiten schnell an der gleissenden Sonne. In der Realität verbrennen solch Grössenwahnsinnige aber leider oft ganze Nationen und Systeme. Was wollt ihr also Retten, wenn sich die Olympianer (UNO, EU; WIRTSCHAFT; POLITIK) von den Massen abgekoppelt haben?
    Es scheint mir immer mehr, dass das ruchlose kurzfristig denkende Element der grosse Gewinner sei. Ein paar Jährchen CEO der CS, oder der UBS, oder auch der Swissair und auch der grösste Versager ist für den Rest des Lebnes abgesichert und lebt das Leben eines freien (nicht einmal regieren müssenden) Königs ein göttliches Leben, oder?? So schreien sie dann auch noch selbstgefällit, dass Gott sie dahin gebracht habe, der Reichtum sei gerechtfertigt, weil man EHRLIICH?? dafür gearbeitet habe (Interview mit dem Pfarrer und Bruder von CH. Blocher liegt mir noch in den Ohren). Die echten Könige erleben in solchen Zeiten oft grausame Schicksale, sie können sich nicht aus dem Staub machen. Après moi le déluge sagte einmal Louis XV und er sollte recht haben sein Nachfolger Louis XVI wurde von den phrygischen Mützen (Jakobinern) aufs Schafott geführt. Die französiche Revolution erreichte einen Kulminationspunkt. Es hatte sich soviel Hass und Unzufriedenheit im Volk aufgestaut, dass in rasenden Thermidor hunderttausende Köpfe rollen mussten und Blutströme sich durch die Strassen von Paris zwängten. Wir stehen heute an einem vorrevolutionären Punkt. Unsere Könige haben kein Versaille, Neuschwanstein oder Sans Souci gebaut. Sie leben an irgendwiner steuergünstigen Goldküste als schwerreiche alte Männer, ohne königliche Pflichten. Die Unzufriedenheit des Molochs, der Masse wird zunehmen, es ist mehr als fraglich ob die HSG, Harvard, Oxford, Princeton, Yale Oeknomen (Zauberlehrlinge mit Betonunf auf LEHRLINGE) den total ausgebrannten Kapitalismus noch retten können. Anti aging ist auch die Sparte der Medizin mit den geringsten Erfolgsaussichten. Ich will nicht damit gesagt haben, dass man damit nicht steinreich werden könnte, wenn man da ein Pommädchen, dort ein Spritzchen Botulinus, und da drüben einwenig absaugen um es an etwas aufzupumpen. So kommen sie mir vor wie alberne Schönheitschirurgen. Berlusconi sieht gut aus , zweifelsohne, aber wie sieht er in 40 Jahren aus?? Es sind trügerische Gaukeleinen, welche die Oekonomie uns unterbreitet.
    Wenn es ans eingemachte geht und die Massen noch mehr geschröpft werden. Dann werden sie sich wieder um militante Führer gruppieren und dann haben wir erneut Strassenschlachten. Die Regierung Sarkozy (einmal mehr der sozialistische aller Westeuropäischen Staaten, als Vorreiterin) hat bereits alle Mühe. Griechenland, Italien, Portugal, Spanienn sind auch bereits faktisch unregierbar und in Uebersee ist die Anspannung enorm.
    Nein liebe Nadine Binswanger, sie können von der Jugend nicht erwarten, dass sie auf alles verzichten, um der bereits vollgefressenen Nachkriegsgeneration einen feudalen Ruhestand zu ermöglichen. Die Mittelalten Menschen sind hals über kopf verschuldet und die Jungen haben kaum perspektiven. Die Kraft und Energie liegt aber bei diesen beiden Generationen. Wie lange es gut gehen kann, dass wir Luxusaltersheime und Luxusalterswohnungen bauen und die Jungen die abgewrackten 50er bis 70er Häuschen und Wohnungen besiedeln lassen, das Frage ich laut? In den 50er Jahren konnte man ein Einfamilienhaus für 50`000sfr kaufen. Ein älterer Mann hat mir seinen Kaufvertrag gezeigt und er hat mir gesaagt, keine Bank habe ihm eine Hypothek geben wollen, da er bloss 2500sfr verdient habe. Heute bezahlen wir locher für ein solches Haus 500`000sfr und bauen es noch (sanieren) um für 200`000sfr, Würde man das Lohnverhältnis auf die 50er umrechenn müsste der Hausherr 40`000sfr verdienen. Die Verhältnisse sind absolut krank, sorry dan nützt kein QE2. (Q 10 nützt gegen das Altern auch nichts!) Schönschnorrer wie Sarkozy u.a. werden die Jugend nicht bremsen können. Es wird zu massiven Veränderungen kommen, unsere kapitalistische „Zivilisation?“ ist ausgebrannt.
    Wie oft schon hat man weniger konsumiern empfohlen! Und immer ist der Energiehunger der Masse trotzdem rasant gestiegen. Der Mensch ist gierig, egoistisch und wenn es um den eigenen Vorteil geht ein grossartiger Lügenbaron, er bringt, wenn er in extremen Massen auftritt jedes System zum Einstürzen.

    • Nadine Binsberger sagt:

      @Schumacher 7:27:

      (BinsBERGER ist mein Name)

      Ich erwarte gar nicht, dass die Jungen auf alles verzichten. Wo soll ich soetwas geäussert haben? Im Gegenteil: sie sollen sich die Welt aneignen bzw. ihr das Open-Source-Prinzip beibringen (Beitragen statt tauschen).

  • Was getan werden soll? Nach Japan schauen und die Antwort ist klar: Es gibt nichts mehr zu tun, wenn die Deflation erst einmal am Laufen ist, dann läuft sie und läuft sie und läuft sie und läuft sie und läuft sie und läuft sie…

    …bis zum heutigen Tage- und womöglich bis zum Sankt Nimmerleinstag!

    Seit wann streiten sich die Ökonomen darüber, ob wir es in Zukunft mit einer Inflation, einer Stagflation, einer Disinflation oder einer Deflation zu tun kriegen? Seit Jahren sagt man uns eine drohende Inflation voraus- doch kein einziger Indikator deutet auf eine solche hin, schon gar nicht in der Schweiz. In den USA hätten sie gerne eine, um damit die Schulden billig abbauen zu können. Doch bislang klappt es einfach nicht so richtig. Mittlerweile besitzt die FED gut 50 Prozent aller US-Staatsanleihen, die Auktionen verlaufen harzig. Ich bin sicher, dass die FED auch alle Bonds aufkaufen kann- doch in einer Nation, die von einer historischen Krise heimgesucht wird, steht es naturgemäss nicht zum Besten mit der Binnenwirtschaft, da jemand, dem permanenter Jobverlust und damit die eigene Insolvenz- nebst Zwangsversteigerung des eigenen Hauses- droht, einfach nicht konsumieren mehr wird, als er wirklich braucht.

    Fazit: Mit Geld- in welcher Darreichungsform auch immer- kann man diesem Prblem auf absehbare Zeit nicht mehr Herr werden.

    Der Herr wirds richten, denn der ist ja der ursprüngliche „Eigentümer“ der unsichtbaren Hand, die, nach Stieglitz, nur deshalb unsichtbar ist, weil es sie gar nicht gibt…

  • Rigoletto sagt:

    Was die USA brauchen sind Investitionen (private und / oder oeffentliche). Die Wall Street Gangster sind schon viel zu gut wekgekommen und brauchen keine neue Unterstuezung. Das Land als Ganzes und die Volkswirtschaft braucht eine riesen Spritze.
    Die Wahl ist enorm: Strassen, Eisenbahnen, Nahverkehr, Erziehung, Gesundheitswesen um nur ein paar zu zitieren: wenn nichts passiert werden die USA bald ein Land der 4. Welt sein.
    Also ist Benranke’s Rezept untauglich, wird aber politisch von Obama und Co. unterstuezt weil die Banken seine grossten Geldgeber sind: uns was eben in den USA zaehlt is nur Eines: wiedergewaehlt zu werden.

  • Hampi sagt:

    Die politischen Chancen für mehr Staatsausgaben stehen momentan sehr schlecht. Im November sind Kongresswahlen und die Aussichten für die Demokraten sind nicht sehr gut. Die „Tea-Party“ diktiert zurzeit die Stimmung, die vor allem dadurch geprägt ist, dass Obama angeblich den armen Amerikanern ein kommunistisches System (á la français) aufzwingen will. Deshalb wäre es politisch äusserst schwierig, derzeit die Staatsausgaben in grossem Stil zu erhöhen.
    „Qantitative Easing“ hingegen braucht nicht durch die Mühlen der Politik zu gehen. Zwar glaube ich auch nicht, dass „QE2“ bewirken wird, dass die Banken mehr Kredite vergeben und dies wäre sicherlich ein Hauptanliegen. Aber es gibt trotzdem noch genug Gründe, ein solches Vorhaben zu unterstützen:
    – die Wirkung auf den Immobilienmarkt (ein weiteres Hauptproblem dieser Krise) wird positiv sein, weil die langfristigen Zinsen sinken
    – die Wirkung auf den Konsum wird auch positiv sein, weil die Leute weniger Hypothekarzinsen bezahlen müssen
    – die psychologische Wirkung von „QE2“ sorgt zurzeit dafür, dass die Aktienmärkte recht positiv reagieren (Bernanke-Put)
    – die Wirkung auf die Arbeitslosigkeit ist zwar indirekt, aber sie ist dennoch positiv
    – die Wirkung auf den Dollar (Dollarschwäche) kann der Situation wenigstens kurzfristig sicher auch nur guttun
    – die grösste Wirkung würde erreicht, wenn durch „QE2“ ein Absinken in die Deflation vermieden werden könnte

    Ich glaube, das Risiko einer Deflation ist im Moment weitaus grösser und gefährlicher als die Inflationserwartungen und darum finde ich das „Experiment QE2“ gut.

    Übrigens hat sich Bernanke viele Jahre mit der „Grossen Depression“ beschäftigt und es ist zu hoffen, dass er was daraus gelernt hat :-).

  • michael wolf sagt:

    Immer wieder kommen bei uns nur die Keynesianer zu Wort, egal ob Krugman oder Stieglitz oder Bernanke. Und Präsident Obama will immer noch mehr „Stimulus“ für die Wirtschaft, was in der Theorie die Wirtschaft durch höhere Nachfrage stimuliert und den ominösen „Multiplikator-Effekt“ von Keynes hervorbringen soll. Zudem gelten diese Ausgaben als „sozial“.

    Leider hat das in der Vergangenheit nie funktioniert und wird es auch diesmal nicht.

    Sicher sind rund 70% des US-Sozialprodukts Konsumausgaben, davon lebt ja die halbe Welt. Aber das übliche Argument, dass der Rückgang dieser Ausgaben für die Krise verantwortlich sei, ist falsch: Tatsächlich sind die Konsumausgaben sogar gestiegen, von 69,2% im 4. Quartal 2007 auf 71% im 2. Quartal 2009 (Commerce Department Bureau of Economic Analysis). Im 2. Quartal 2010 war der Konsum sogar auf einem Allzeithoch.

    Stark gefallen hingegen sind von 2006 auf 2009 die US-Ausgeben für Investitionen, nämlich von 17,5% auf 11,3% des Sozialprodukts. Wenn die Politik also wirklich einen nachhaltigen Aufschwung will, müsste sie sich auf die Förderung der privaten Investitionen verlegen.

    Und was suchen Unternehmer und Selbständige? Stabilität, Rechtssicherheit, Sicherheit vor höheren Steuern, Sicherheit vor immer neuen Regulieren. Die US-Politik macht genau das Gegenteil: Eine Krankenkasse, die v.a. die kleinen Unternehmen belastet, eine Finanzreform, die v.a. das Kapital verteuert und das Prognose-Vertrauen reduziert, und eine Gesellschaftspolitik, die das Land völlig gespalten hat. Folge: Die Investoren suchen Sicherheit in kurzfristigen Anlagen, Cash, Staatsanleihen etc. So wird das nichts mit dem Aufschwung.

    Und ach, Frau Binswanger: Das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen wurde doch schon ausprobiert (z.B. SIME-DIME; 70er-Jahre, oder später Kanada MINCOME). Die Empirie spricht gegen eine Machbarkeit, gegen die Finanzierbarkeit und auch gegen den sozialen Charakter der Idee: Das Arbeitskräfteangebot geht deutlich zurück, anspruchsvolle Studien ( Medizin, Ingenieur etc.) werden gemieden, es drohen Versorgungs- und Fachkräftemangel, es gibt einen Geburtenrückgang (beim MINCOME-Versuch, die die demographische Lage verschlechtert sich weiter, und die Preise steigen, die Kaufkraft sinkt. Och, ich denke wir bleiben besser beim System der Eigenverantwortlichkeit (soweit es noch intakt ist).

    • Nadine Binsberger sagt:

      @Wolf 18:49

      Es ist mir schleierhaft, wie Sie davon reden können, dass wir lieber „bei der Selbstverantwortung BLEIBEN“ sollten. Das aktuelle System hat mit Selbstverantwortung rein gar nichts zu tun. Es ist kaum ein wirtschaftliches System vorstellbar, bei dem man mehr von äusseren Umständen und anderen Leuten getrieben wird, als das aktuelle, und bei dem einem die Hände für wirklich selbstverantwortliches ökonomisches Handeln mehr gebunden sind, als heute.

      Es gibt verschiedene Grundeinkommens-Experimente (nicht Minimaleinkommen! Das ist ein Unterschied.), die sehr gut abgeschnitten haben. In diesen Testläufen haben viele Individuen sehr schnell und äusserst erfolgreich ihre sonst brachliegenden Fähigkeiten und Initiativ-Freude entwickelt und umgesetzt.

      Die allermeisten Menschen sind heute zur ökonomischen Passivität (darunter verstehe ich auch die gewöhnliche Lohnarbeit) verdammt, weil ihnen das Kapital fehlt, um wirklich selbstverantwortlich tätig zu werden. Kapital wird eben nur dort verteilt, wo es Rendite gibt. Und Rendite zahlen bedeutet, für andere zu arbeiten. Auch die andere Seite, nämlich Rendite kassieren, ist das Gegenteil von Selbstverantwortung. Denn auf Renditezahlung hat man einfach Anspruch, egal wie gut oder schlecht das Geschäft des Kreditnehmers läuft. Genauso wenig hat es mit Selbstverantwortung zu tun, bei Leuten, die Kapital haben, um Kapital zu betteln, damit man arbeiten „darf“ und ihnen dafür noch einen Zehnten abliefern muss. Die Früchte der eigenen Arbeit sollten denjenigen zugute kommen, die arbeiten.

      Man darf das herrschende ökonomische Faustrecht („freier“ Konkurrenzmarkt) nicht mit „Selbstverantwortung“ verwechseln. Denn spätestens wenn sich im Faustrecht einmal ein „Stärkster“ etabliert hat, ist die Selbstverantwortung des ganzen Restes der ökonomischen Akteure nur noch Makulatur.

      Selbstverantwortung? Ja, selbstverständlich! Aber das bedeutet unweigerlich, das heutige ökonomische System radikal hinterfragen und ein neues kreiieren, welches diesem Anspruch wirklich gerecht wird.

      • michael wolf sagt:

        Frau Binswanger, das aktuelle System hat die Eigenverantwortung der Menschen schon stark untergraben, zB. zahlt ein Drittel der Leute gar keine Krankenkrassenprämien mehr (das übernehmen die anderen für sie). Noch nie hat sich eine Gesellschaft so solidarisch verhalten wie unsere. Insofern hat das aktuelle System tatsächlich mit Selbstverantwortung immer weniger zu tun.

        Sie beklagen die Lohnarbeit und wünschen sich ein Volk von selbständig Arbeitenden. Das Hindernis sehen Sie darin, dass man dafür Kapital benötige, und dieses werde nur dort ausgeliehen, wo eine Rendite winkt (ich nehme an Sie sprechen von Zinsen und Dividenden).

        Ja sicher können Sie die Rendite als Masstab für die Zuteilung von Kapital abschaffen. Das wurde ja schon reichlich gemacht in der Geschichte. Dann wird der Wettbewerb um Kapital ersetzt durch Wettbewerb um die Verfügungsgewalt über Kapital bzw. Produktionsmittel. Diese Verfügungsgewalt kann liegen bei einem autoritäten Staat, bei „Arbeiterräten“ oder bei anderen autoritären Gremium liegen (zB. einem Öko-Rat, einem Frauen-Rat, einem Selbstverwirklichungs-Rat etc): Egal, am Schluss stehen immer Gewalt und Korruption.

        Korruption ist SOFORT da, wenn der Markt ausser Kraft gesetzt wird (s. Militär, NEAT etc). Da ziehe ich die Rendite als Massstab für Leistung jederzeit vor.

        Ganz abgesehen davon, dass nur die Rendite technischen Fortschritt im Sinn der Konsumenten – und nicht nur des Militärs wie in autoritären Gesellschaften – und eine effiziente Arbeitsteilung gewährleistet. Ja ich weiss, Arbeitsteilung ist manchmal nicht menschengerecht, und technischer Fortschritt ist nicht immer ökologisch – aber doch immer öfter! Ich sehe, Telefon, TV, Internet und Iphone als Bereicherung an. Man muss ja nicht jeden Schrott mitmache.

        Das Geheimnis für ein besseres Leben liegt mE. nie in der Wirtschaft, sondern in der Kultur. Nicht jeder will und kann ökonomischer Akteur sein. Aber jeder sollte den Anspruch haben, an einer etwas höheren Kultur teilzunehmen. Musik, Theater, Slam, Bücher bringen Gewinn und Teilhabe… Aber die „benachteiligten“ Menschen haben keine Bücher mehr, ihre Kultur kommt aus dem Mediamarkt. Das ist das Problem. Wie lösen wir DAS?

        Übrigens: Natürlich sind die Boni-Exzesse extrem irritierend, aber hier muss man nur die Eigentümerrechte wieder stärken, um die wildgewordenen Manager (Angestellte) zu bändigen. Das System ist deshalb noch nicht am Ende. Schon eher wegen der Banken-Bailouts, die sind wirklich systemfeindlich. Was nicht funktioniert, muss untergehen, damit neues entstehen kann (schöpferische Zerstörung, Schumpeter). Und wenn sich im Markt einmal ein Leader (Stärkster) etabliert hat, kann er – anders als von Ihnen dargestellt – auch wieder fallen, wenn ein besserer kommt (auch von ganz unten), wenn er Fehler macht, wenn er nachlässt Das ist hart, aber gerecht und gut.

        Und nennen Sie doch mal Ihre positiven Grundeinkommens-Experimente bitte!

        • Erfolgreiche Pilotprojekte zum Grundeinkommen gibt es zurzeit in Namibia und Brasilien (weitere sind z.B. in Indien aber auch in Deutschland geplant).

          Pressespiegel Zu Namibia (u.a. Der Spiegel: Im Dorf der Zukunft)
          http://bgekoeln.ning.com/profiles/blogs/pressespiegel-ueber-die

          Fernsehberichte über das Pilotprojekt:
          http://bgekoeln.ning.com/video/video/search?q=Namibia

          Informationen zu Brasilien:
          http://bgekoeln.ning.com/profiles/blogs/renda-basica-statt-bolsa

          Die genannte „Pilotprojekte“ in USA/Canada wurden niemals vollständig wissenschaftlich ausgewertet (daran arbeiten zurzeit einige Forschungsstellen), deshalb ist es problematisch daraus langfristige empirische Daten abzuleiten. Ein Beispiel: es gab Erhebungen über den Rückgang von Erwerbstätigkeit, allerdings haben bei genauerer Untersuchung einige Personen schlicht mehr Zeit in die Familienarbeit investiert, sind aber trotzdem (mit reduzierter Stundenanzahl) einem Gelderwerb nachgegangen. Die Vergleiche mit den heutigen Pilotprojekten sind auch deshalb schwierig, weil heute die wissenschaftliche Auswertung der Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens auf eine Gesellschaft im Vordergrund steht (das war nicht Ziel der Experimente in den 70iger Jahren).

          • michael wolf sagt:

            Projekte in Entwicklunsländern können nicht als Beleg für das Funktionieren von BGE herangezogen werden, da sind die Voraussetzungen und Wirkungen ganz andere als in unserem Hochleistungs-Sozialstaat. Zudem sind diese Projekte ganz am Anfang, ihre Folgen sind nicht absehbar, ihre Finanzierbarkeit ist ungeklärt, ihre Zukunft ist völlig offen.

            Wikipedia bringt den Stand der Diskussion gut auf den Punkt:
            http://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen

            Die Befürworter bringt viele Modelle ins Spiel, wobei alle spekulativ sind und viele offen Parameter ausweisen.

            Und die Linke ist überhaupt nicht einer Meinung zu dieser Sache. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil zB. kritisiert die Pläne für ein Grundeinkommen als „Stilllegungsprämie“. Menschen würden „als nutzlos abgestempelt“ und „mit Geld abgefunden“.

            Ich denke, ein solches radikales Modell ist in der Schweiz völlig aussichtslos, schon weil damit neue Ströme von Zuwanderern ausgelöst würden, und auch weil unsere Leistungsethik damit nicht vereinbar ist. Man sollte sich lieber damit befassen, wie die Sozialleistungen für wirklich Bedürftige (nicht für „Alle“) in Zukunft finanziert werden sollen. das ist nämlich völlig offen.

        • Nadine Binsberger sagt:

          @Wolf 12:07: Ich bin mit Ihnen einig darüber, dass die Banken-Bailouts falsch waren. Genauso wie die immer noch stattfindenden offenen und verdeckten staatlichen Unterstützungsmassnahmen für den Finanzmarkt. Diese Rettungsaktionen fanden und finden jedoch nur deshalb statt, weil man das System zu retten, welches Sie, Herr Wolf, internalisiert haben und propagieren.

          Es ist Ihr Wirtschaftsmodell, das Schiffbruch erlitten hat. Nach Ihrer eigenen (irgendwie sympathischen) Sicht der Dinge müssten Sie nun diesem Verdikt des (System-)Marktes in die Augen sehen, es ernst nehmen und nach Alternativen Ausschau halten.

          Halten Sie es nicht für bemerkenswert, dass ein ökonomisches System, welches keine Konkurrenz hat, versagt? Dabei stehen ihm alle Ressourcen der Welt und darüber hinaus konkurrenzlos zur Verfügung. Es gibt Hunger, Folter und Umweltzerstörung – obwohl es alles mehrfach in nächster Griffnähe hat, was die Menschheit braucht.

          Wenn Sie ab und zu über meine Beiträge stolpern, dann wissen Sie, dass ich keine zentrale Planwirtschaft wünsche, weil sie mir wie eine Diktatur vorkommt (einfach im ökonomischen Bereich). Diktaturen töten die menschliche Lebendigkeit ab, weil sie den Leuten das selber Denken und die Selbstverantwortung abnehmen. Ebensowenig wünsche ich mir aber ein Faustrecht („freier“ Konkurrenzmarkt). Denn der Stärkste nimmt den Status eines Diktators ein, wenn er sein Ziel einmal erreicht hat. Und ein Recht des Stärkeren, ohne dass es je einen Gewinner gibt, wäre sinnlos. Und niemand kann garantieren, dass dieser Gewinner (=Diktator) z.B. nach vier Jahren tatsächlich wieder abgelöst wird.

          Ich befürworte stark eine Wirtschaft, die demokratische Strukturen hat, ähnlich wie das politische System der Schweiz. Am liebsten noch direktdemokratischer. Eine Wirtschaft mit ökonomischen Akteuren, die machen, was es so braucht, sich gegenseitig austauschen, miteinander konstruktiv kooperieren – aber vor allem Freude an dem haben, was sie tun und das was sie tun immer mit ihren Mitmenschen in der Zivilgesellschaft abstimmen. Und das alles völlig unabhängig von Rendite. Diejenigen, die jeden Tag dasselbe machen wollen, sollen dies tun. Diejenigen, die total abgefahrene Dinge tun wollen, sollen dies ebenfalls tun (solange niemand darunter leidet). Und diejenigen, die die ganz klassischen täglichen Notwendigkeiten gewährleisten wollen, sollen ebenfalls nicht daran gehindert werden. Etc. Voraussetzung dafür ist weder Kapital noch Rendite noch Eigentum noch Einkommen etc. Dafür stehen allen alle Ressourcen und Produkte der Welt frei zur Verfügung (Open-Source). Es wären alle reicher als vorher – wirklich ausnahmslos alle (inkl. Gates, Soros, Buffet, etc.), denn Knappheit ist ein Mythos und wird erst durch (unliberale) Grenzen wie Markt, Geld, Eigentum, etc. erzeugt.

          Das wäre ein Liberalismus der so richtig fägt!

          • michael wolf sagt:

            Das ist kein Liberalismus, sondern das Gegenteil. Sie müssten nämlich den Unternehmern, die renditeorientiert arbeiten wollen, dieses untersagen, damit Ihr System nicht sofort untergraben wird. Das wäre eine klare Zwangsmassnahme (was wären die Sanktionen, Frau Binswanger?). Knappheit ist kein Mythos, alles ist knapp – natürlich Ressourcen, (qualifzierte) Arbeitskraft, Aufmerksamkeit, Kaufkraft. Sie müssen die Welt schon etwas realisistisch sehen. Oder sie müssen den Mensch umbauen, damit er kein Wettbewerbstier mehr ist.

      • Herr Wolf- ein passender Name übrigens (Homo homini lupus) geht wohl von einer „spontanen Ordung“ aus, wie sie Friedrich-Ausgust von Hayek einst skizziert hat. Da ist es nur logisch, dass der Zivilisationsprozess ausser Kraft gesetzt wird, denn wo das Recht des Stärkeren zählt- und nur dieses Recht- braucht es auch keine Zivilisation mehr. Der Staat ist ein lästiges Übel, dass die unsichtbare Hand an ihren ordnenden (ach!) Fuchteleien hindert.

        Bald schneit es. Herr Wolf ist dann der erste, der frühmorgens um fünf in einen bereitstehenden Lastwagen steigt (von wem bereitgestellt?), um die Strassen zu räumen. Und wenn etwas in der Kanalisation nicht stimmt, steigt er, vorbildlich wie er ist, als erstes in den stinkigen Schacht hinunter, um zum Rechten zu schauen… weil, den Staat, den gibt es ja dann nicht mehr, ergo (…)

        Selbstverantwortung in einer Zeit zunehmender Fremdbestimmung ist wirklich der blanke Hohn. Ausser man fasst diesen Begriff als Witz auf.

        • michael wolf sagt:

          Nicht so wirklich treffend, Herr Zufferey, Ihnen stehen sicher bessere Argumente zur Verfügung.

          Der Staat hat klar seine Aufgaben, aber dazu sollte die Kapitalzuteilung nicht zählen (ich greife eine Idee von Frau Binswanger auf). Hingegen sollte er u.a. den zivilen Umgang („Zivilisation“) und den fairen Wettbewerb schützen, das macht er in der Schweiz zuwenig (habe mal eine Arbeit über die Wettbewerbskommission geschrieben, ein trauriges Kapitel).

          Wenn sie den Staat als Voraussetzung für die Strassenreinigung ansehen, denken sie nicht sehr ökonomisch. Das könnte ich sofort deutlich billiger haben, wenn ich den Wettbewerb spielen lassen könnte. Wissen Sie, was sie allein an Gebühren zahlen müssen für einen Strom-, Gas- oder Wasseranschluss, wenn sie mal etwas bauen, oder welche obskuren Gebühren anfallen, wenn sie ein kleines Restaurant betreiben wollen? Der Staat ist kein Wohltäter, der schaut gut für sich selbst, Herr Zufferey.

          Fremdbestimmung? Ob sie sich fremdbestimmen lassen, ist am Schluss von Ihnen abhängig. Seien sie nicht so polemisch, das bringt nix.

        • Wissen Sie, welches Kollektiv- ob Staat oder irgendeine Form menschlicher Zusammenkunft- schlussendlich für die Planung, den Bau und den Erhalt der Infrastruktur, der Aufrechterhaltung politischer Rahmenbedingungen, der inneren Sicherheit (und auch der Äusseren) zuständig ist, sei einmal dahingestellt. Eine Monarchie ist dazu auch imstande und eine Dikatur sowieso. Letztere erfreut sich ja zunehmender Beliebtheit, wenn man Studie aus Deutschland Glaubens chenken will. Item: Natürlich betreibe ich Polemik, aber nicht nur. Die „spontane Ordung“ ist genau so unsinnig, wie der Sozialismus. Beides kann nicht funktionieren. Was wir z. Z. gerade erleben, ist ein tiefgreifendes Ungleichgewicht der Kräfte (Staat und Markt [die Zivilgesellschaft gibt es offenbar nur bei Polanyi und den Soziologen]). Und für mich gibt es nbur ein Gleichgewicht der Kräfte, alles andere ist eine Utopie.

          Und was die wachsende Fremdbestimmung anbelangt: Wen treffen die Sparprogramme in Irland und England am Meisten? Waren Sie schon einmal in Winterthur? Im Kesselhaus werden keine Kessel mehr gefeuert- denn Sulzer, zusammen mit Rieter und der mittlerweile inexistenten SLM, einst grösster Arbeitgeber der Region, gibt es aus Sicht des Arbeitsmarktes mittlerweile nicht mehr. Sulzer beschäftigte in seiner Blütezeit alleine im Grossraum Winterthur gegen 20’000 Personen (1970). Heute sind es noch knapp über 800. Das habe ich mit Fremdbestimmung gemeint. Oder sind Sie Giesser? Industriearbeiter. Aber wahrscheinlich kommen Sie mir jetzt mit dem Prozess der schöpferischen Zerstörung nach Schumpeter. Es ist einfach, über dieses Prinzip zu schreiben, wenn man sich nicht im Wendekreis desselben befindet. Ich bin überzeigt davon, dass ein Industriearbeiter (Schwerindustrie) den Aspekt der Fremdbestimmung ganz anders beurteilt, als Sie das tun. Das liegt in der Natur der Sache. Und die Betrachtung über einen Gegenstand variiert halt je nach Lebenswirklichkeit. Unterschiedliche Lebenswirklichkeiten bewirken auch eine unterschiedliche Sicht der Dinge.

          • michael wolf sagt:

            Bin natürlich kein Industriearbeiter, habe aber trotzdem viel geschuftet, jahrelang so 70 Stunden in der Woche. Dafür ist dann auch etwas rausgesprungen. So soll es auch sein. Falls nun plötzlich alles weg wäre – schlimm schlimm, aber dann würde ich es halt als Klavierlehrer oder Quartierwebdesigner oder Privatgelehrter oder Biographienschreiber oder was immer versuchen. (Nur nicht als Gastronom)

            Ihre „Fremdbestimmung“ kommt bei mir als die übliche Jammertirade an, tut mir leid. Wenn andere Länder die Maschinen von Sulzer und Rieter günstiger bauen können, sollen sie! Zeit für uns, etwas neues anzupacken! Dafür müssen wir uns natürlich neu qualifizieren, und das ist mühsam, gebe ich zu. Aber das macht das Leben ja auch aus – ich lerne wahnsinnig gern. Schumpeter hat recht. Wenn Sie die schöpferische Zerstörung aufhalten, so wie Obama mit GM, gibt es später nur einen noch grösseren Knall, und sie nehmen das Kapital den mutigen neuen Unternehmern weg. Unternehmer gibt es übrigens immer, Unterlasser auch.

          • Kennen Sie den Arbeitsmarkt, Herr Wolf? Der Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts unterscheidet sich ganz erheblich von demjenigen des Zwanzigsten. Viele Menschen wären foh, wenn Sie, wie Sie einst, 70 Stunden die Woche schuften könnten. Manche schaffen es nicht einmal mehr auf 30- weil das volkswirtschaftlich benötigte Arbeitsvolumen dank der enormen Produktivitätsfortschritte permanent abnimmt. Zudem zeigen die Arbeitslosenstatistiken schon lange nicht mehr, wer heute ein Beschäftigungsproblem hat und wer nicht.

          • michael wolf sagt:

            Ja sicher kenne ich den Arbeitsmarkt, Herr Zufferey. Dringend gesucht werden quaflizierte Ingenieure, Entwickler, Salesleute, Techniker, IT-Leute… Wir haben eine höhere Wertschöpfung als im 20. Jahrhundert, wir verdienen entsprechend mehr, und wir müssen dafür mehr leisten bzw. uns besser qualifzieren. Oder wenn man sich nicht qualifizieren will (kann?), muss man unqualifizierte Arbeit zu günstigen Konditionen annehmen. Der Schweizer Herrenmensch macht das ungern, die Ausländer übernehmen gern. In der Schweiz ist der Druck auch nicht so gross wie andernorts, unsere Arbeitslosenzahlen sind immer noch die tiefsten weltweit.

          • Also kennen Sie den Arbeitsmarkt nicht, Herr Wolf. Natürlich fehlen uns Fachleute. Aber gemessen an der Gesamtheit ist das ein vergleichsweise kleiner Teil. Was uns langsam fehlt, ist die Arbeit in Form von Vollzeitstellen. Aber vieleicht können Sie mir ja sagen, welche Arbeitsverhältnisse in den letzten 20 Jahren am meisten gewachsen sind. Und ob es welche gibt, die stagnieren.

          • michael wolf sagt:

            Am meisten gewachsen sind Teilzeitstellen, v.a. weil immer mehr Frauen arbeiten wollen, aber nicht vollzeit. Für Hightech und Industrie wichtige Spezialisten fehlen. Diese Stellen haben hohe reale Wertschöpfung und „produzieren“ wieder Vollzeitstellen und auch Bedarf an weniger qualifizieren Arbeitsplätzen. Wenn diese Leute fehlen, ist das fatal für das Wachstum.

          • Teilzeitstellen gewachsen, weil die Frauen nur Teilzeit arbeiten wollen? Das sehe ich etwas anders: Der Anteil der Arbeitnehmenden, die im industriell-gewerblichen Sektor arbeiten, lag gegen Ende der Sechzigerjahre noch bei über 50 Prozent. Heute sind es noch knapp über 20, die im sekundären Sektor tätig sind. Die Verschiebungen haben alleine zugunsten des tertiären Sektors stattgefunden. Dieses Phänomen nennt sich Dienstleistungswunder und sieht immer häufiger genau so aus wie in Zürich:

            http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/swiss_lsst_beim_check-in_die_kunden_arbeiten_1.3216739.html

            Mit dem Dienstleistungswunder kamen auch die sog. atypischen Beschäftigungsverhältnisse auf. Der Arbeitsmarkt wird zusehends flexibilisiert und die Instabilität der Lebensverhältnisse vieler Menschen nimmt damit zu. Praktisch jedes zweite Arbeitsverhältnis gilt hierzulande bereits als flexibilisiert und entspricht nicht mehr einer Vollzeitstelle. Gleichzeitig explodieren die Unternehmensgewinne und man macht den Menschen klar, dass sie in direkter Konkurrenz zu den Arbeitern in China stünden. Dass die betriebswirtschaftliche Wertschöpfung aber zunehmend vom Faktor Arbeit hin zum Faktor Kapital verlagert wird, ist allgemein bekannt. Man könnte jetzt auch von europaweit sinkenden Lohnquoten- und spiegelbildlich dazu steigenden Gewinnquoten- sprechen. Vergleicht man die Entwicklung bei den ausbezahlten Dividenden börsenkotierter Unternehmen in der Schweiz von 1990 bis 2007 mit der Entwicklung bei den Arbeitnehmerentgelten, dann hat in diesem Zeitraum „eine klare Umverteilung der Entschädigung vom Faktor Arbeit zum Faktor Kapital“ stattgefunden, wie der schweizer Ökonom, Parlamentarier und ehemalige Preisüberwacher Rudolf H. Strahm schreibt.

            Was den Fachkräftemangel anbelangt: Den gibt es, das stimmt. Dass Hochqualifizierte eine höhere Wertschöpfung aufweisen, da gehe ich mit Ihnen ebenfalls einig. Aber dass daraus auch mehr Stellen für Geringqualifizierte entstehen sollen, ist lediglich Wunschdenken. Bislang wenigstens. Per Saldo wurden in der Schweiz in den letzten zwanzig Jahren nur noch in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Soziales et al. wirklich neue Stellen geschaffen. Die Privatwirtshaft schaufelt die Stellen zwischen den Konjunkturzyklen einfach hin und her- neue Stellen entstehen da- wie gesagt: per Saldo- keine mehr.

            Nach Schätzungen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fehlen zur Zeit alleine in Deutschland in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ingesamt mehr als 60’000 Fachkräfte. Angesichts des ganzen Beschäftigtenheeres doch eine vergleichsweise geringe Zahl, die unter einem Prozent aller Erwerbstätigen liegt. Man sollte aus einer Mücke keinen Elefanten machen. Angenommen, diese 60’000 Stellen könnten jetzt auf einmal besetzt werden: Wieviele Stellen für weniger gut- bis gering qualifizierte würden dabei entstehen? Gibt es da einen Quotienten, mit dem man dieses Stellenwachstum berechnen kann?

          • michael wolf sagt:

            > Angenommen, diese 60’000 Stellen könnten jetzt auf einmal besetzt werden: Wieviele Stellen für weniger gut- bis gering qualifizierte würden dabei entstehen? Gibt es da einen Quotienten, mit dem man dieses Stellenwachstum berechnen kann? <

            Belege für solche Trickle-down-Effekte gibt es viele. Aber Sie müssen sich das nur mal vor Augen führen: Ein Entwickler bringt ein neues Produkt hervor:
            – Neue Arbeitsstellen für Produktion, Einkauf, Verkauf, Logistik (Dienstleistungen: Leistungserbringung, Einkauf/Zulieferer, Verkauf)
            – Neue Arbeitsstellen für Tests, Werbung, Kundendienst.
            – Neue Arbeitsstellen für das Accounting
            – Neue Arbeitsstellen durch die Dienstleistungen, die all die neuen Arbeitnehmer in Anspruch nehmen (Verkehr, Verpflegung etc).

          • Das ist schon wahr, Herr Wolf: Theoretisch ergäbe sich aus einer bestimmten Anzahl Hochqualifizierter ganz sicher eine bestimmte Menge Stellen für schlechter Qualifizierte. Doch bislang hat das überhaupt nicht funktioniert in der Schweiz. Wenn man hingegen unsere Volkswirtschaft auf neue Pfade führen könnte (Umwelttechnologien), wie das Doris Leuthard offenbar plant, dann wären wir uns zumindest in diesem Punkt einig. Und das sich ein guter Teil der in Deutschland fehlenden Fachkräfte mittlerweile in der Schweiz tummeln dürfte, wissen wir ja beide (Stichwort Braindrain).

          • michael wolf sagt:

            > Theoretisch ergäbe sich aus einer bestimmten Anzahl Hochqualifizierter ganz sicher eine bestimmte Menge Stellen für schlechter Qualifizierte. Doch bislang hat das überhaupt nicht funktioniert in der Schweiz <

            Warum hat das nicht funktioniert in der Schweiz? Es funktioniert jeden Tag, sei es bei Swatch oder anderen innoativen Firmen. Sie müssen nur die Unternehmer von der Leine lassen und die Qualifikation fördern. Ich habe es selbst erlebt bei meiner Tätigkeit. Ich habe allein in meinem Büro angefangen, 10 Jahre später ist daraus Arbeit (für Drucker, Marketingleute, Event-Spezialisten etc etc) im Umfang von xxx Mio. Franken geworden. Es funktioniert.

            Ob es mit der Umwelttechnologie funktioniert, bleibt zu sehen, diese Technologien scheinen mir noch sehr stark im Fluss, die Rendite zB. von Windrädern langfristig ungeklärt, die Konkurrenz durch neue Entwicklungen wie Schiefergas abzuwarten. Sparsamkeit ist wichtig, das ist klar. Aber Minergie zB. hat starke Schattenseiten – Sie leben quasi in einem Plastiksack (Dampfbremsen sind Plastikfolien), es wird in ein paar Jahren von schimmelverseuchten Minergiebauten wimmeln. Alles hat eben zwei Seiten.

          • Hut ab: Jeder Unternehmer, der es schafft, hat eine sichtbare Leistung erbracht und soll auch nicht um seinen Lohn, der hauptsächlich aus seiner überdurchschnittlichen Risikobereitschaft herrührt, gebracht werden. Natürlich Swatch, oder Logitech oder…

            Ich spreche von den vergangenen 20 Jahren, diese beiden Unternehmen wurden wesentlich früher gegründet. Die Wirtschafstwelt des 21. Jahrhunderts kennt keine Grenzen mehr, in keiner Beziehung. Die daraus resultierende Marktgesellschaft auch nicht mehr. Wir konkurrieren uns noch zu Tode, hat der US-amerikanische Ökonom Jeffrey D. Sachs unlängst richtig festgestellt.

            Eine Wachstumsbremse tut Not. Wer ist für all die immer stärker ins Gewicht fallenden, negativen externen Effekte verantwortlich? Hier müssen wir ansetzen. Dann können wir weitermachen.

            Die Stellen, die Hochqualifizierte schaffen, werden augenblicklich ausgelagert (Produktion in Ungarn) und der daraus resultierende Gewinn in die Kapitalmärkte re-investiert. Dass das zu ihrer Zeit noch nicht so ausgeprägt der Fall war, wie heute, ist klar. Aber heute wird jeder frei werdende Franken sofort re-investiert- und zwar in Papier, nicht in Arbeit! Das ist die Crux an unserem verflixten Wirtschaftssystem!

          • michael wolf sagt:

            >Eine Wachstumsbremse tut Not.<

            Ich denke das regelt der Markt, nämlich über steigende Energiepreise. Die 10 grossen Ölquellen nähern sich sehr schnell der Erschöpfung. Nicht zuviel Regulieren jetzt, die Anpassung kommt von allein und schnell.

            Dazu kommt die Politik: Die Verschuldungskrise führt jetzt zu einem Abwertungswettlauf, also einer Währungskrise. Das führt zu Handelskriegen, sprich zu neuen Zöllen und Handelsschranken. Das Ende der Globalisierung. Ist vielleicht gar nicht so schlecht (zwischendurch "zur Erholung", solange kein heisser Krieg daraus wird).

            Aber was bleiben muss: freies Unternehmertum, ein Rest an Selbstverantwortung der Bürger (richtige, nicht die fiktive von Frau Binsberger). Dann überlegen wir auch einen Aussetzer der freien Märkte.

            Richard Sennet ist interessant ("Handwerk").

          • @Wolf: „Aber Minergie zB. hat starke Schattenseiten – Sie leben quasi in einem Plastiksack (Dampfbremsen sind Plastikfolien), es wird in ein paar Jahren von schimmelverseuchten Minergiebauten wimmeln.“

            Sie machen mir Freude: Wissen Sie da Näheres? Ich lebe in einem Haus mit Minergiekonformer Aussenhaut. Der Rest ist nicht sonderlich Minergie, sondern Gasenergie. Ich musste die Heizung erst vor ein paar Tagen einschalten- so spät wie noch nie..! Andernorten wäre ich schon lange am heizen gewesen.

          • michael wolf sagt:

            Betr. Minergie:

            http://www.beobachter.ch/wohnen/artikel/minergie_schimmelpilz-fuehlt-sich-zu-hause/

            http://www.baubioanalysen.ch/schimmel/_PDF-Dateien/Haeuser_muessen_atmen_koennen_casanostra.pdf

            http://www.haus-forum.ch/minergie-passivhaeuser/5827-massivholzbau-und-minergie-3.html

            Minergie ist ein Privatlabel. Diese Industrie ist in der Schweiz extrem mächtig (Hersteller von Holzhäusern, Dämmaterialien, künstlichen Lüftungen) und wird wegen des „Öko-Touch“ praktisch nicht hinterfragt. Wer kritisiert, muss mit extremen Reaktionen rechnen.

        • Hampi sagt:

          Die Theorie des „bedingungslosen Grundlohnes“ für alle tönt zwar schön. Aber der schwache Punkt an dieser Theorie ist und bleibt das Problem der Eigenverantwortung. Der Mensch ist was er ist. Und jede noch so „geniale“ Theorie ist wertlos, wenn das Sozialverhalten der Menschen nicht berücksichtigt wird.
          Darum finde ich es etwas beschämend und künstlich, wenn sie sich gerade über diese Kritik so aufregen!

          • Nadine Binsberger sagt:

            @Hampi 14:24:

            Gerade durch ein bedingungsloses Grundeinkommen entsteht für die Individuen die Möglichkeit, selbstverantwortlich zu handeln. Mehr als die Hälfte der wirtschaftlich relevanten Aktivitäten werden gratis geleistet, d.h. ganz ohne Lohn, weil niemand dafür bezahlen will. Diese zivilgesellschaftlich existentielle Gratisarbeit können sich aber nur Menschen leisten, die von irgendeiner anderen Seite her versorgt werden. Wer nicht versorgt wird UND keine Arbeit hat, kann sich nicht entsprechend betätigen. D.h. es kann die Situation entstehen, dass jemand höchst selbstverantwortlich einer fälligen (Gratis-)Arbeit nachgehen will, aber dies nicht kann, weil er nicht von anderer Seite versorgt wird. So bleibt er auf seiner (nicht selbstverantwortlichen) Erwerbsarbeit sitzen oder ist gar ganz arbeitslos – und muss sich den ganzen Tag damit beschäftigen, eine Lohnarbeit zu suchen (die es evtl. gar nicht gibt), weil er sonst kein Arbeitslosengeld bekommt. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre hier sehr hilfreich und würde die Selbstverantwortung erst richtig zur Geltung kommen lassen – sowohl individuell als auch gesellschaftlich.

          • michael wolf sagt:

            Frau Binsberger, was haben Sie sich da für ein Gedankengebäude zurechtgelegt.. Was Sie Selbstverwantwortung nennen, scheint mir eine Mischung aus Spassbeschäftigung, Altruismus, Enthusiasmus und Können (ein wenig Qualifikation müsste ja wohl sein für Altenbetreuung etc).

            Das wäre in der Wirklichkeit etwa so häufig zu finden wie Yeti der Schneemensch. Die Menschen WOLLEN bezahlte Arbeit, schon des Selbstbildes wegen. Der Mensch ist ein kompetitives Geschäft mit Selbstbestätigungsdrang. Wollen Sie den erst genetisch zurechtbiegen?

  • Nadine Binsberger sagt:

    Was soll getan werden? Die Ökonomen denken doch immer so gerne nachfrageorientiert. Das ist gar nicht so schlecht. Wenn der Bedarf steigt, dann soll produziert werden. Aber wenn der Bedarf sinkt, dann muss weniger produziert werden. Das ist gar nichts Übles. Warum soll ich immer mehr und noch mehr konsumieren, wenn ich glücklich und zufrieden bin? Immerhin ist Glück und Zufriedenheit ein wesentlicher Wohlstandsaspekt. Nur: wer glücklich und zufrieden ist, generiert nicht unbedingt mehr Nachfragen, v.a. nicht immer höhere und noch höhere, sondern im Gegenteil: tiefere. Das Wirtschaftswachstum wird also überflüssig, in dem Moment, wo es sein Ziel erreicht: Wohlstand.

    Es gibt nur zwei Möglichkeiten, aus diesem Dilemma:

    1.) Entweder wir verkürzen die Lebensdauer der Produkte sukzessive. Alles wird immer schneller weggeworfen und neu gekauft. Der Wohlstand soll künstlich sozusagen verknappt werden. Der Bedarf soll pro Produktionseinheit immer nur sehr kurzzeitig befriedigt werden. Dadurch bleibt die Produktion und somit die Arbeit erhalten. Abgesehen davon, dass der Sinn äusserst fragwürdig wäre: diese Variante wäre gar nicht nachhaltig, weder ökologisch noch wirtschaftlich noch technisch. Denn der Konsumintervall kann nicht beliebig verkürzt werden. Irgendwann stossen wir auch hier wieder an Grenzen des Wachstums.

    2.) Oder wir verabschieden uns vom Wachstum und handeln nur noch rein bedarfsorientiert. Wir produzieren alles, was unsere Herzen begehren. Und wenn wir alles haben, was wir brauchen, dann hören wir auf zu produzieren bzw. zu arbeiten. Natürlich gibt es Dinge, die tatsächlich ständig produziert werden müssen (Sockel-Arbeitspensum), weil sie auch ständig konsumiert werden (z.B. Nahrung, Strom oder WC-Papier, etc.). Aber alles andere soll – im Gegensatz zu heute – möglichst dem Bedarf entsprechen, sehr langlebig und wartungsarm sowie einfach zu handhaben sein. Klar: die Arbeit würde uns dadurch langsam aber sicher ausgehen – dank Technologie, Innovation, Fortschritt. Aber wäre das schlimm? Wir hätten ja alles, was wir benötigen – und erst noch durch weniger Arbeit. DAS wäre eine ganz neue Stufe in der Wohlstandsentwicklung! Materieller Wohlstand und gleichzeitig viel Freizeit – was wollen wir mehr?

    Nach heutiger Logik würde uns ohne die „Arbeit“ aber etwas fehlen: nämlich das Einkommen, damit wir all die tollen Produkte kaufen können. Aber was nützen tolle Produkte, wenn sie nicht zum Konsumenten gelangen, für den sie ja bestimmt sind? An diesem Punkt müssen wir eine neue Logik entwickeln: der Konsument ist der eigentliche Wirtschaftsmotor. Ohne ihn geht nichts mehr. Deshalb muss seine Konsumfähigkeit erhalten bleiben, auch wenn er nicht mehr viel arbeitet. Denn am wenigsten Sinn machen würde, wenn wir gar nichts mehr produzieren, nur weil niemand mehr ein Einkommen hat, um die Produkte zu zahlen. DANN würde die Krise erst richtig anfangen – und alles nur, weil wir unfähig sind, unser Gütermanagement nicht anders als über die Kopplung von Arbeit und Einkommen organisieren zu können.

    Lösung: Das Einkommen wird nicht mehr an die Arbeit (die ohnehin schwindet) gekoppelt, sondern an die Existenz. Ein Mensch, der existiert, entwickelt Nachfrage. Mindestens ein Teil der Nachfrage (Grundbedarf) muss gedeckt werden, sonst hört dieser Mensch auf zu existieren. Also muss er ein entsprechendes Grundeinkommen haben – unabhängig davon, wieviel er arbeitet.

    Das Argument, dass niemand mehr arbeiten ginge, wenn er ein Grundeinkommen auf sicher hätte, gilt nicht. Der Mensch strebt nach mehr. Wer mehr Einkommen haben will, könnte das weiterhin durch Mehrarbeit verdienen – wenn er es denn trotz Technologie/Innovation/Fortschritt tatsächlich schafft, eine zu finden.

    Fazit: Wenn Wohlstand erreicht ist, braucht es kein Wachstum mehr. Die Produktion kann dem Bedarf beliebig angepasst werden – nach oben oder unten. Da kein Wachstumsstress mehr existiert, muss das Einkommen nicht mehr als Antreiber für Produktivität bzw. Arbeit dienen. Stattdessen führen persönliche Interessen und Fähigkeiten zu denjenigen Tätigkeiten, die noch benötigt werden – analog zur vielfältigen und innovativen Produktivität in der Open-Source-Bewegung, deren Mitglieder sehr viel „arbeiten“, ohne dafür ein Einkommen zu erhalten. Beitragen statt tauschen ist die „Devise“ der Zukunft.

    • Yves Latour sagt:

      Ihrem Fazit stimme ich zu, Frau Binsberger: die Produktivität von Open Source Software ist sehr hoch. Und Sie begründen es auch: es wird getauscht! Ein Tausch wird aber NIE besteuert und es fallen keine Sozialkosten an.

      Nehmen Sie dieses Beispiel: Ich helfe Ihnen im Winter mit 100 Stunden Schnee schaufeln und Sie helfen mir im Sommer dafür 100 Stunden bei der Gartenarbeit. Das ist hoch produktiv.
      Wenn nun aber der Quartiervorsitzende von uns 50% Steuer will, müssen wir beide noch je 100 Stunden Gräben ausheben gehen (insgesamt 200 Std Arbeit, davon 50% Steuer). Da verzichte ich doch gerne und mache die Gartenarbeit selber.

      Ein übertriebener Vergleich? Nehmen Sie (Lohn – Arbeitsgeberbeiträge – Arbeitsnehmerbeiträge – Steuern – obl. Gebühren (TV, KK, etc) – MwSt)… nun rechnen Sie das noch für Deutschland durch und Sie werden sehen, wieso dort so viele rauswollen.

      Diese ZDF Diskussion passt dazu (phil. Quartett): http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1167278/Sterben-die-Deutschen-aus%253F

      • Nadine Binsberger sagt:

        @Yves Latour: Nein, es wird eben nicht getauscht. Open Source funktioniert nicht durch Tausch sondern durch Beitragen (statt Tauschen). Zwei Links (von vielen) dazu:

        http://peerconomy.org/wiki/Deutsch

        http://www.keimform.de/2008/rezension-zu-beitragen-statt-tauschen/

        Ihr Steuerkommissär interessiert sich nicht dafür, dass ich der Nachbarin die Haare schneide. Und er interessiert sich auch nicht dafür, wenn meine Nachbarin den Hund ihres Nachbarn spazieren führt. Und auch wenn der Nachbar meiner Nachbarin jemand weiterem den Schuhschrank streicht, lässt das den Steuerkommissär kalt. Genauso wie wenn dieser jemand meinen Rasen mäht…

        Open Source ist nicht Tausch, sondern völlig frei zugängliche Ressourcen und völlig frei zugängliche Produkte.

      • Open Source? Da kommt mir noch etwas ganz Elementares in den Sinn:

        „Ein sicherer Weg, schlechte Dinge geschehen zu lassen, ist die Aufteilung der Welt in Menschen, die sich eine neue Technologie leisten können- und solche, die es nicht können.“, Adrian Bowyer, Professor an der University of Bath, der den „Reprap“ erfunden hat, einen 3-D-Printer für den Heimgebrauch, der sich, einmal gekauft, gleich selber reproduzieren kann:

        http://reprap.org/wiki/Main_Page

        Ich würde dem jetzt einmal Freakonomics sagen. Das Zitat bleibt trotzdem ausgesprochen aktuell- triftt es doch einen ganz verletzlichen Nerv in der menschlichen Entwicklungsgeschichte.

        • Nadine Binsberger sagt:

          @Zufferey 22:02:

          „Open Source“ heisst nichts anderes, als „offene Ressourcen“, also die freie Verfügbarkeit – für alle. Dabei spielt es keine Rolle, um welche Ressourcen es sich handelt. Es kann sich um komplizierte, hochstehende Technologie handeln oder um einfachste Dinge wie Wasser, Holz, Steine, Beeren, etc. Wichtig ist, dass diejenigen Ressourcen, die vorhanden sind, für alle zugänglich sind. Dadurch multipliziert sich der Wohlstand um nahezu soviel, wie Menschen die Ressourcen nutzen.

  • Oliver Schärli sagt:

    Merke: Wo drei Ökonomen in einem Raum versammelt sind, werden vier unterschiedliche Theorien zu Besten gegeben. Tatsächlich habe aber auch ich so allmählich den Eindruck, man komme mit der expansiven Geldpolitik so langsam an ein Ende. Deflation ist ein ernstzunehmendes Risiko in den USA. Darauf kann die Fed nur noch mit Quantitativer Lockerung oder einem „deficit spending“ reagieren. Japan hat in den 1990er-Jahren beides versucht – ohne überzeugenden Erfolg. Da aktuell in den USA vieles auf eine Liquiditätsfalle hinweist, ist aus meiner Sicht Stiglitz zuzustimmen: Der Staat muss die Wirtschaft mittels „deficit spending“ ankurbeln. Bezahlen werden’s die späteren Generationen müssen, versteht sich, aber kostenfrei ist nichts zu haben.

  • Stephan sagt:

    ft.com (Financial Times) ist nicht kostenpflichtig. Man muss sich nur anmelden (kostenlos).
    Sie könnten daher die Links publizieren. Danke.

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