Die ältesten Spekulanten der Schweiz

Arthur Zeller: Herde der Gebrüder Ueltschi vor dem Stall, Boltigen, 1921 Staatsarchiv des Kantons Bern, FN Zeller

Erst mit der Einführung der Stallfütterung und der Eröffnung der Gotthardbahn (1882) verschwand der spekulative Charakter des Viehexports: Herde in Boltigen, 1921 Staatsarchiv des Kantons Bern, FN Zeller.

Viele Leute haben das Gefühl, die Schweiz sei lange Zeit ein rückständiges Land gewesen und erst in den letzten 50 Jahren wohlhabend geworden. So nach dem Motto: Früher waren wir arme Bauern, heute sind wir reiche Banker.

Alles falsch. Erstens hat die Schweizer Bevölkerung schon seit dem späten 19. Jahrhundert ein überdurchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen (vgl. diesen Beitrag und diesen Link, v.a. S. 262). Zweitens gehörten einzelne Schweizer Kantone bereits im frühen 19. Jahrhundert zu den am meisten industrialisierten Regionen Europas. Und drittens ist es falsch zu glauben, dass die Schweizer Bauern schon immer konservativ, wirtschaftsfeindlich und arm waren.

Genau das Gegenteil ist richtig. Bereits seit dem Spätmittelalter (14./15. Jahrhundert) waren die in der Zentralschweiz lebenden Viehzüchter äusserst innovativ, ja man könnte sie sogar als die ältesten Spekulanten der Schweiz bezeichnen. Denn im Unterschied zu den Handwerkern, die in Zünften organisiert waren und für den lokalen Markt produzierten, praktizierten die Viehzüchter im «Hirtenland» schon früh einen äusserst anspruchsvollen Exporthandel, bei dem der Preis und die Menge kaum präzis vorausgesagt werden konnten. Man war zur Spekulation verurteilt.

Der spekulative Charakter des Geschäfts ergab sich dadurch, dass die Viehzüchter bereits im Frühling entscheiden mussten, wie viele Kühe und Rinder sie aufziehen würden, während die Verkaufsverhandlungen mit den Mailänder Zwischenhändlern erst im Sommer auf der Alp stattfanden. Wenn die Mailänder weniger Tiere kauften als vorhergesehen, mussten die Schweizer Viehhändler die übrig gebliebenen Tiere im Herbst auf den Märkten im Tessin und Norditalien zu einem günstigen Preis loswerden. Oft gelang das nicht, so dass das Exportgeschäft immer wieder grosse Verluste brachte. Es brauchte ein gutes Gespür für die Märkte, um in dieser Branche zu überleben.

Erst mit der Einführung der Stallfütterung und der Eröffnung der Gotthardbahn (1882) verschwand der spekulative Charakter des Viehexports. Es war nun möglich, den Tierbestand zu steuern, die Preise zu stabilisieren und das ganze Jahr über zu exportieren. Sinnigerweise begann dafür in dieser Zeit die Internationalisierung des Finanzplatzes Schweiz und damit ein neues Kapitel in der Entwicklung der Spekulation. Vor dem Ersten Weltkrieg kam es zur ersten grossen Bankenkrise in der Schweiz. Der Rest ist Geschichte.

Keine Kommentare zu «Die ältesten Spekulanten der Schweiz»

  • wagenbach sagt:

    Schaut die Daten genauer an, war das Durchschnittseinkommen in der Schweiz bis zum Zeitpunkt 1913 immer unterhalb oder knapp beim Durchnitt für die 12 Länder Europas.. Zu einem grossen Sprung kam es parallel zu den deutschen Daten bei den Werten 1913.
    Die Nachkriegszeiten kennen einige Leser. Reichtum kann man sehr unterschiedlich definieren, in Moneten heisst es mehr zu haben als die anderen. Für die Palazzi z,B. im Puschlav hat man die in Spanien, Venedig und in Süditalien verdient. Durch das Söldnerwesen gab es zwar Kapitalisten , daraus kann man nicht aus den Wohlstand eines Landes schliessen. Gedient währe mann mit Ueberlegungen nach Prof. Gini. Geschichte wird immer wieder umgeschrieben, die aktuelle Wahrheit liegt immer in den Augen der Zeitgenosse, die sind aber häufig für die Vergangenheit blind. Was die Gegenwart angeht, gewinnt man den Eindruck, dass es sich beim Beitrag um ein Essay um SVP Revisionismus handelt , auch die Uni muss mit der Zeit gehen

  • prosenectuteracer sagt:

    @ Sacramento: Rennstrecke zwischen Rothrist und Voremwaud- wann?

  • Hampi sagt:

    Die Schweiz ist schon wegen ihrer geographischen Lage (Sprachgrenze, Nord/Süd) prädestiniert zum Handel und wir haben die besten Kühe (zwar wohl nicht für jedes Klima).
    🙂

    • guschti kalbermatten sagt:

      würde man ein foto von kühen auf dem markt zeigen, wäre ersichtlich, dass wir auch die saubersten kühe haben., auch im obersimmentaler klima.

  • Rolf Raess sagt:

    @ Emil Roduner – Einer meiner Onkel musste vor 90 Jahren auswandern, weil er sich in eine „nichtkatholische“ Appenzellerin (Ausserroden) verliebte und heiratete. Da musste er wegen den Katholiken auswandern – er musste in die USA. Ich habe seine Familie in Wisconsin besucht bevor sie starben… Da waren oft die christlichen Ayatollahs schuld…

  • Anh Toan sagt:

    Homo ludens – der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. (Nach Schiller ist das Spiel eine menschliche Leistung, die allein in der Lage ist, die Ganzheitlichkeit der menschlichen Fähigkeiten hervorzubringen.) Nicht nur Neoliberale sehen Positives in Spekulanten.

    • Urs sagt:

      Toan, wieviele Spieler machen da mit? 2,4, mehr? Ueblicherweise aht ein Spiel mehr zuschauer als Mitwirkende. Auf wen nun soll sich Schiller den bezogen haben? Auf alle Spieler oder hat der auch gleich noch die Zuschauer einbezogen so wie das heute ja der Fall ist?

      ist mir neu das ein Spiel Kollateralgeschädigte verursacht. Zumindest nicht in diesen Ausmassen… Muss es das oder hat da jemand eine neu Regel eingeführt?

    • Andres Müller sagt:

      neo absolutio cothurnatusi specula speculobundus specularis speculoclarus spem spenendus sperno tropus trucido abdere eo!

      Oh tragische neoliberale Spieltheoretiker, so weichet von mir 🙂

      Das Kind lernt im Spiel Erwachsen zu werden, der Erwachsene spielt um andere zu betrügen.

  • Markus Weiersmüller sagt:

    Mir gefällt das Bild, der Rest ist egal, allein schon dadurch, dass noch jede Hochkultur verschwunden ist. Daher mit etwas weniger Erfolg, lebt sich vieleicht länger.

  • Markus Troendle sagt:

    Und schliesslich ist das auch heute (wieder) so. Die Schweiz ist zwar das reichste oder zweitreichste Land der Welt, trotzdem (oder deswegen?) leben an eine Million Menschen unter oder an der Armutsgrenze. Dass wir hier mit Moralisieren und dem Ruf nach (mehr) Gerechtigkeit nicht weiterkommen zeigen die vergangenen Jahre, denn die Fakten sind hinlänglich bekannt. Obwohl wir mit der Konsenspolitik sicherlich gut fahren, für den grossen Wurf reicht es mit oder ohne nicht. Wäre dem anders, hätten unsere Nachbarländer ja ständig bei jedem Regierungswechsel ein komplett neues System. Haben sie aber nicht, also liegt die Lösung wohl nicht in der politischen Konstellation. Ich denke, unser heutiges Wirtschafts- und Sozialsystem ist weder beschädigt noch in einer Krise. Es funktioniert ganz einfach so, wie es konzipiert ist. Und dies ist definitiv nicht im Dienste der Menschheit. Selbst die wenigen Reichen können sich ihres Reichtums nicht so richtig erfreuen. Sie müssen soziale Unruhen und Revolution befürchten und mit Angst lässt sich schlecht schlafen, das senkt die Stimmung ungemein. Auf der einen Seite wären einige Änderungen wie z. B. ein Zinsverbot (respektive eine Deckelung von Marchzinsen aller Art z. B. auf die doppelte Teuerung), konsequente Steuerpolitik (kein Steuerwettbewerb, Schliessen der unzähligen Schlupflöcher) und effektiv ausgeglichene Staatshaushalte Balsam auf die Wirtschaftswunden. Mit ausgeglichenen Haushalten denke ich übrigens mitnichten an Sparmassnahmen sondern an sprudelnde Mehreinnahmen durch die angetönten Massnahmen. Die Überschüsse wären zur Schuldentilgung einzusetzen und der Staat macht prinzipiell keine Schulden mehr. Dies ist möglich und war – gerade in der Schweiz ab 1848 aber auch anderswo und bereits in der Antike – genau so Standard wie heute die Schuldenspirale.
    Sind erst mal alle Schulden getilgt und ist das Staatswesen (Infrastruktur, Bildung, etc.) auf hohem Niveau können Steuern gesenkt werden respektive eine teurere AHV aufgrund der Demographie finanziert werden.
    Anderseits muss der Anspruchshaltung generell der Boden entzogen werden. Weder gibt es Parktikularinteressen, die befriedigt werden (wie z. B. die unsäglichen 100 Millionen Steuergelder für die euro-geplagte Exportwirtschaft) noch wird der Wirtschaft jedes Opfer erbracht (Billignachschub an Arbeitskräften aus dem Ausland, Schengen). Gesunde (hohe) Importzölle sind Subventionen (Landwirtschaft) vorzuziehen. Physische Grenzkontrollen (und damit Schutz der KMU vor Dumping-Konkurrenz aus der EU und als Nebeneffekt Eindämmung der Kriminalität) lassen wieder ein Profil der Schweiz erkennen. Es ist möglich, wir sind vielleicht nicht weit entfernt vor einer Wende in der Geschichte.

    • Andres Müller sagt:

      „wir sind vielleicht nicht weit entfernt vor einer Wende in der Geschichte.“ Wird sind mit Sicherheit vor einer Wende, aus meiner Sicht, weil das Zinsensystem zu viel viruelles Vermögen mit ebenso nicht mehr auslösbaren virtuellen Schulden aufgetürmt hat. Eine Abschwächung der Weltwirtschaft hatte nun den Effekt, dass sich Vermögen auf immer weniger Grössen verteilt und die Schulden auf immer mehr Menschen. Das Wachtum basierte ab Mitte des letzten Jahrhunderts auf immer mehr und billigeren Energie. Darauf basierend konnte eine rasante technologische Entwicklung stattfinden. Nun erscheint eine weitere Quelle billiger Energie unwahrscheinlich, sie dürfte sogar teurer werden. Die emerging markets können das ausbleibende Wachstum im Westen nicht mehr kompensieren, in China geht der Einkaufmanager Index zurück auf nur noch knapp über 50%. Ohne Umschuldung des Vermögen gegen Schulden wird bald nichts mehr laufen. Was aber leider diesmal anders ist als zur letzten Währungsreform, die Umschuldung in Deutschland funktionierte weil Europa nach dem WK II zerstört war. Nun treffen wir aber auf weitgehend intakte Strukturen, was eine Währungsreform sehr schwer machen dürfte. Ich rechne deshalb voerst mit einer breit verstreuten Verwüstung unseres Planeten.

  • sepp z. sagt:

    ist das seriös, solche Artikel und Argumentationen schwergewichtig auf pro-Kopf-Einkommen abzustützen?
    Nur weil einige wenige viel hatten, heisst das noch lange nicht, dass es der Merhheit gut ging.
    Müssig, immer wieder darauf hinzuweisen.

    • sepp z. sagt:

      präziser: auf ‚durchschnittliche‘ pro Kopf-Einkommen.

      gerade in der Phase der Industrialisierung, auf die oben verwiesen wird, waren die Ungleichheiten in Bezug auf Vermögen enorm, ganz zu schweigen von der Chancenungleichheit in Sachen Ausbildung, fehlendem Arbeitnehmerrecht (u.a. Kinderarbeit, keine maximal-Arbeitszeiten, keine MIndestlöhne…), MIetwucher ohne Mieterschutz in den Städten etc.

  • Patrick Tanner sagt:

    Leider haben die wenigsten eine Ahnung der CH-Wirtschaftsgeschichte. Schon 1865 war die Schweiz das höchstindustrialisierteste Land Kontinentaleuropas. Seit 1880 wies die Schweiz die höchsten Durchschnittseinkommen Europas auf. Was war die Konsequenz: Ab 1890 kam es zu einer regelrechten Masseneinwanderung sogenannter Reichsdeutscher, so dass bis zum ersten Weltkrieg die Ausländerquote gegen 20% stieg (v.a. Deutsche und Italiener) und sich die politische und militärische Elite immer mehr und willfährig dem Deutschen Reich annäherte und es gang und gäbe war, dass die wirtschaftliche, politische und militärische Elite nur noch Hochdeutsch sprach. So sprach zum Beispiel der CH-General des 1. WK Wille nie CH-Deutsch sondern konsequent Hochdeutsch und war ein grosser Bewunderer des deutschen Kaiser. Die Parallelen zu den heutigen Europhilen sind augenfällig.

  • öhi maiensäss sagt:

    und warum halten sich schweizernomaden tierherden?

  • otto normalverbraucher sagt:

    findet man kein foto mit sauberen kühen? warum muss die bz verschissene kühe zeigen?

  • Gero Rubli sagt:

    Abgesehen davon, dass das Bild von einer armen, agrarischen Schweiz romantische Klischees wunderbar bedient, ist die Behauptung, die Schweiz verdanke ihren Wohlstand den Banken, heute in erster Linie politisch motiviert. Während es der Rechten dabei schlicht um die Vertretung von Finanzplatzinteressen geht, will uns die Linke damit – etwas subtiler – weismachen, dass der Schweiz nach dem absehbaren Ende des Bankgeheimnisses nur noch der Weg in die EU bleibt.

  • Andres Müller sagt:

    Ich lebe im Kanton Glarus Herr Straumann, die Industrialisierungsgeschichte der Schweiz ab Entdeckung der Wasserkraft ist mir aus der lokalen Geschichte wohlbekannt. Der Kanton Glarus musste Exportieren, um in schwierigen Zeiten genügend Lebensmittel (aus Deutschland!)zu beschaffen. New Glarus in den USA bezeugt auch noch heute den hohen Auswanderungsdruck trotz diesen „Innovationen“. Die Wasserkraft ermöglichte den Aufbau einer modernen Textilindustrie mit vielen Billigarbeitskräften (die heute abgewandert sind). Nach dem WK II folgte dann das beschleunigte Ende dieser Erwerbsmöglichkeit und mit der Globalisierung kam für das Textil- Gewerbe das aus. Heute sind wir vom Export abhängig, diesmal vor allem Hightech Produkte für zum Beispiel die Automobilindustrie. Die Globalisierung bewirkt einen zunehmend asymetrischen Wettbewerb der durch Innovation nicht mehr ausgeglichen werden kann. Dies erlaubt das Zeitalter der Billigenergie Erdöl, Erdgas. Die Innovation der Chinesen steht vor denen Europas nicht mehr zurück. Deshalb nähert sich die Innovationslegende ihrem Ende zu und wird erst wieder mehr eine Rolle spielen im Hinblick auf den Umgang mit teurer werdenen Rohstoffen. Genau hier mangelt es den Schweizern derzeit aber immer mehr, das Gewerbe setzt darauf dass die globalisierte Welt auch in Zukunft Handel über Billigenergie betreiben könne -Ein Trugschluss.

    • Greg Studer sagt:

      Richtig, die Energie ist zu billig, weil deren Nutzung konsequent keine externen Kosten in den Bilanzen/ Rechnungen generiert. willentlich! Die wird legitimiert durch eine kurzfirstige neoliberale Marktverzerrung und wirkt unlauter zugunsten einer kleinen Wirtschaftselite – CEOs & Co – Sharehholder…. Dazu gehört ein unbändiger Wille Markt zu predigen, wo keiner besteht. Neuestes Beispiel ist die Glasfaserinvetition in der Schweiz, welche Swisscom & … durchführen. Nun ganz ehrlich, wer kann daran glauben, dass wenn 3x eine Infrastruktur erstellt und betrieben und sogar noch abgeschrieben werden muss, das für das Schweizer Volk billiger kommt!? Volksverblödung nenne ich das. Gewinnen „tun“ nur die Spekulanten, indem dass alle anderen „gedrückt“ und Leistungen abgebaut werden. Insofern ist Spekulation eine feine Sache, für diejenigen, welche nicht mehr wissen, wohin sie all den Pulver „investieren“ sollen. Protektion wäre die richtige Lösung-denn die Masse kann sich nicht mit Löhnen, Sozil- und Umweltstards konkurrenzieren, die überhaupt nicht vergleichbar sind. Wie gesagt, langfristig verarmt die Masse und wird noch abhängiger vom „Kapital“ und deren Besitzer….. Das was uns wirklich weiter bringt ist AUTARKIE, doch dann kann man die Massen weniger steuern…

    • Michael Schwarz sagt:

      @Andres Müller:

      Ich bin Ihrer Meinung, dass die Chinesen in der Vergangenheit, sogar heute immer noch unterschätzt werden, was für die Industrieländer eine tödliche Folge haben wird. Die Innovation der Chinese ist zwar noch nicht auf dem Niveau der Schweiz, aber sie holen auf, vor allem dankt die massive Investition in der Hochschulausbildung. Die Wettbewerbsvorteile, der durch der Innovation entstanden sind, wird in nächsten 10 Jahren gegenüber die Schwellenländer kleiner werden – es findet ein Ausgleich zwischen den Industrie- und Schwellenländern statt. Deshalb kann die Schweiz nicht ewig von den Innovationen leben, in der Schweiz muss wieder produziert werden, wo die Innovation direkt in der Produktion einfliessen wird.

    • Urs sagt:

      Hr. Müller, ich kann mich noch erinnern wie das mit Japan ausgesehen hat. Da liessen sich die gleichen Rufe hören… Der Wirtschaftliche und Technische Vorsprung von Japan schien plötzlich so gross, das Land und seine Bewohner so reich das man dem Land schon zuschreiben wollte in Zukunft die Führung der Welt zu übernehmen… zuerst der Raum Pazifik-Australien-Asien später Europa usw.

      Doch die wollten nicht und hatten auch die Kapazität nicht dazu. Eine der Kapazitäten die man dafür braucht ist Begeisterung für die Kultur was ein u.a. konstantes Landes-Marketing voraussetzt und ein Willen der Bewohner anderer Länder dorthin auszuwandern. Die wenigsten Länder machen das, die wenisgten können das… so bleibt es beim Verkauf von diversen Produkten und einem kleineren Teil Kultur-Export.

      Um aber eine wirkliche Führungsrolle übernehmen zu können ist nebst einer gewissen Technologischen Führung auch die Kulturelle ebenso wichtig… den Indern traue ich eine solche Rolle schon eher zu…

      • Karl Bolliger sagt:

        Urs, ich glaube kaum, dass „das Kulturelle“ wirklich eine grosse Rolle spielt. Die führende Wirtschaftsnation der Welt sind noch die USA – eine Nation, die in erster Linie ein Ratatouille des Lumpenproletariats der alten Welt, der westafrikanischen Sklaven und neuerdings der armen Mexikaner ist. „Das Kulturelle“ besteht hauptsächlich aus einem Mischmasch von dem, was die Einwanderer mitgebracht haben; zudem handelt es sich bei den Amerikanern um eine Low-Context-Gemeinschaft, d.h. man braucht keinen grossartigen Hintergrund, um Amerikaner zu verstehen. Was das amerikanische Erfolgsmodell ausmacht, ist ja gerade, dass die Amerikaner Pioniere sind, also nicht das komplizierte, ausgeklügelte, „kulturelle“ suchen. Sie sind unbeschränkt optimistisch und gönnen den Erfolgreichen das Erreichte, sie sind aufgeschlossen, neugierig und herzlich und interessiert am Gegenüber – wenn auch nur für kurze Zeit – und vor allem sind sie überzeugt, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Ein Amerikaner macht – und beklagt sich nicht, man müsse auf den Staat warten…

  • Andreas Willy Rothenbühler sagt:

    An der Fiera di Verona sah ich noch mit eigenen Augen Das Zelt der Viehhändlersfamilie Beffa.Als Sohn eines Solothurner Eisenbahners,erhilt mein Vater seine Stelle im SVP – Staat Bern nur dank eines Deals mit Direktor Christen.
    Im 1.Winter teilte er seine Lektionen mit dem Viehhändlerssohn Beffa.
    Dafür stellten Beffas Simmenthaler Kühe der Landwirtschaftlichen Schule Rütti in Verona aus.

  • Leo Stern sagt:

    Die „am meisten industrialisierten Regionen Europas“ war ein Billig-Produktionsstandort wie heute China. Ein paar reiche Bauern machen noch keinen Wohlstand. Im Gegenteil, die Armen wurden nach Amerika verschifft und in den Städten konnte das Proletariat selber schauen wie es über die Runden kam.

    • Andres Müller sagt:

      Herr Stern *Stichwort* China. Aus ziemlich zuverlässigen Quellen habe ich erfahren, im nächsten Quartal wrd China vermutlich kein für die Weltwirtschaft bedeutsames Wirtschaftswachstum mehr aufweisen. Die Analyse erfolgte unter anderem anhand des Einkaufsmanager Index welcher nun auf nur noch knapp über 50 Punkte gefallen ist. Zahlreiche kleinere Banken sind zudem ausgetrocknet.

      Das Land wurde überschätzt, wie Sie sagen besteht dessen Geschäftmodell auf Billiglohn Arbeit und Exportwirtschaft. Diese ist zwar Innovativ, aber eben noch nach aussen gerichtet. Da das Land nach innen die demokratische Entwicklung fehlt kommt das Wachstum nun analog gesunkener Bestellungen aus dem Ausland zum Stillstand. China wird daher versuchen das angesammelte Kapital im Ausland anzulegen, weil nach innen kam es bereits stark zu faulen Krediten.Der Irrsinn ist sichtbar geworden, China will die Konsumländer wieder flüssig machen, nur weil es kaum mehr nach Innen wachsen kann und aus Gründen der Angst um das eigene System nicht so recht will. Europa und die USA dürfen also auf flessende Gelder der Chinesen hoffen, sofern die WTO das Land aufnimmt. Das Geld –sehr kurios- würde ja ursprünglich von Konsumenten Chinesischer Produkte stammen und dann wieder zu den westlichen Konsumenten Chinesischer Produkte zurückfliessen. Dies ist eine der kurisosesten Geld-Blasen die ich jemals sich bilden gesehen habe und eine Gigantische noch dazu.

  • Markus Schneider sagt:

    Heute würde man auch viele Schweizer fortschicken wenn man es wie früher halten würde: Dass nämlich jeder für sich selber aufkommen muss und nicht den anderen ein Leben lang auf der Tasche liegt. Mit unserem heutigen Sozialstaat machen wir das Gegenteil – und laden noch die halbe Welt dazu ein, sich bei uns einzunisten und es sich wohl sein zu lassen.

    • David Rüegg sagt:

      Sie haben ja so recht Herr Schneider, schliesslich gibt es auch nichts schöneres als sich vom Sozialstaat verwöhnen zu lassen.
      Mal im Ernst; ich halte es für viel Wahrscheinlicher, dass die Sicherheit welches uns ein vernünftiges soziales Netzwerk bietet, wesentlich zu unserem Wohlstand beigetragen hat und es auch heute noch tut.

      • Hansfranz Nägeli sagt:

        D.Rüegg,sie sagen es richtig „ein vernünftiges soziales Netzwerk“ Bei uns träumen aber bereits die auf unsere Kosten teuer ausgebildeten Leute von bedingungslosem Einkommen und die Armenbewirtschafter nehmen als Armutsgrenze ein Mittelwert aller Unterstützten,so hat man auch nach jeder Erhöhung der Leistungen gleichviel Unterstützte die man bewirtschaften kann.

    • Sacramento sagt:

      Die Armen könnten sich keine Spitzenmedizin leisten. Die Kindersterblichkeit wäre wie vor 200 Jahren. Alte Leute könnten sich keinen Altersheimplatz für ca. Fr. 6’000.– im Monat leisten und würden früher sterben. Es gäbe keine Zuwanderung, keine Asylanten. Die Schweiz wäre zu unatraktiv. Die weniger begüterten Menschen würden alle in die EU abwandern. Die Schweiz wäre Brachland. Denn auch die „Reichen“ wären arm, weil es keine Menschen gäbe, von denen man Geld verdienen könnte. Dafür gäbe es Bären, Wölfe, Elche, Adler, Lämmergeier, Luchse. etc. Es gäbe ein paar Zentren wie St. Moritz, Interlaken, Zermatt oder Zürich. Die Schweiz wäre Tourismus und Finanzmetropole für die ganze Welt. Profitieren würden nur wenige. Arbeit wäre für die unteren Einkommen schlecht bezahlt. Ulrich Gietzendanner hätte seine Rennstrecke zwischen Rothrist und Vordemwald gebaut. Steuern wären ganz abgeschafft worden. Alle Strassen wären Privatstrassen und alle Privatstrassenbesitzer hätten sich zu einem Kartell zusammengeschlossen. Der Einzelne könnte eine Jahresgebühr für die Benutzung der Privatstrassen der Schweizerischen Privatstrassenbesitzer lösen. Ebenso könnte man sich auch privat gegen Arbeitslosigkeit oder Invalidität versichern. Es gäbe alle Arten von privaten Sozialversicherungen. Und ganz am Schluss wäre man am gleichen Ort wie heute – nur alles wäre freiwillig. Und weil alles freiwillig wäre, gäbe es am Schluss noch mehr Schmarotzer als heute – einfach noch schlauer und noch gemeiner …..

    • Dani Fust sagt:

      Schauen sie mal hier wie es aussieht ohne grossen Sozialstaat:

      http://www.zeit.de/2011/44/USA-Los-Angeles

      Diese Aussicht ist weitaus deprimierender als unser Modell.

    • Peter Graber sagt:

      Es geht dem Schneider Markus nur darum, einmal mehr seine asoziale, kleinkarrierte Meinung kundzutun. Sein Beitrag hat absolut nichts mit dem Artikel über den frühen Viehmarkt zu tun. Im Übrigen würde es mich keinesfalls wundern, wenn der Herr Schneider einer jener ist, „die anderen auf der Tasche liegen“.
      Ich verstehe nicht, dass solches an dieser Stelle überhaupt veröffentlicht wird.

  • guschti kuhschweizer sagt:

    und in svp kreisen heisst es noch heute, (angeblich jüdische) viehhändler hätten während den kriegsjahren die not von bergbauern ausgenützt, indem sie diese bauern beim tierkauf schlecht bezahlten und sich so wie ungehörig bereichert hätten, was eine unsitte sei.

  • Emil Roduner sagt:

    Es war trotzdem so, dass bis vor etwa 100 Jahren viele Schweizer aus wirtschaftlichen Gründen in die USA oder dfamls auch noch nach Russland und in die heutige Ukraine auswanderten. Anders als viele andere europäische Staaten hatte die Schweiz keine Kolonien und war darum deutlich weniger wohlhabend. Das Heimatland konnte nicht alle ernähren. Dies änderte sich erst mit dem Beginn des Welthandels nach dem ersten Weltkrieg. Daran beteiligte sich die Schweiz äusserst erfolgreich, womit sie den Boden legte zum heutigen Wohlstand.

    • M. Bättiger sagt:

      Die Schweiz war Ende des 19 Jhdt. das wohlhabendste Land Kontinentaleuropas mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen und dem höchsten Industrie-Output pro Kopf – lesen Sie doch den Link im Artikel, dann müssten sie nicht einfach das Gegenteil behaupten. Auch heute wandern viele Schweizer (oder auch Deutsche!) aus wirtsch. Gründen aus – ist die Schweiz oder Deutschland deshalb arm? Wohl kaum. Völliger Blödsin ist schliesslich die Mär des „Weltkriegsgewinnlers“ – es wiederspricht sämtlichen Studien – nicht zuletzt derjenigen der Bergier-Kommission. Ich frage mich manchmal, warum man diese Kommission einst bildete, wenn man deren Erkenntnisse nicht anerkennen will und einfach die alten Vorurteile herausgräbt (dazu gehört auch der angebliche Reichtum aus nachrichtenlosen Vermögen oder dem Goldhandel im 2. WK – alles historisch wiederlegt auch durch die US-Volker-Kommission).

    • Gero Rubli sagt:

      Und in den so wohlhabenden Kolonialstaaten waren die Verhältnisse für die Arbeiterschaft besser und gab es keine Auswanderung?

    • Matthias sagt:

      Trotzdem plünderte Napoleon die Staatskassen Schweizer Kantone die immer wieder schön gefüllt waren. Und die alten Griechen beschrieben die Helvetier schon als „friedlich aber goldreich“ ja, noch vor Jesus Geburt waren die Schweizer schon reich. ;P

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