Die Ursache des Versagens

Protestierende in Spanien.

Massnahmen gegen die Krise werden von vielen als unfair empfunden: Protest gegen Lohnkürzungen in Spanien.

Wie kann es geschehen, dass exakt drei Jahre nach der Finanzkrise nicht nur keine echte Ruhe eingekehrt ist, sondern die Ereignisse den Entwicklungen von damals wieder stark gleichen und dass aktuell selbst eine noch schlimmere Katastrophe möglich ist?

Das ist exakt das Thema meines hier auch schon erwähnten Buches – «Auf Crash-Kurs» – das nun nächste Woche erscheint. Als ich das Buch geplant hatte, sah oberflächlich alles danach aus, als ob die Krise der Vergangenheit angehört und ich wollte gegen den damaligen  Trend begründen, warum dieser Eindruck trügt. Dass die Dinge dann schon so schnell aus dem Ruder laufen, hätte ich aber damals selbst kaum für möglich gehalten.

Aber nicht um das stets heikle Prognostizieren der Zukunft dreht sich der Text, sondern um die Analyse dessen, was zur Katastrophe geführt hat und um die Gründe für die offensichtliche Unfähigkeit, diese zu meistern.

Was ist der Grund für diese Unfähigkeit: Es ist die Folge fehlgeleiteten Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Hier einige Aspekte davon:

  • Die dominierenden Dogmen der (Makro-)Ökonomie, die den Politikern über die letzten rund 30 Jahre zur Verfügung gestanden haben, waren genauso untauglich, um eine schwere Krise vorauszusehen, wie auch um ihr sinnvoll zu begegnen. Kurz gesagt gingen diese Dogmen davon aus, dass es gar keine schwere Krise geben kann und dass Wirtschaftspolitik ganz allgemein eher schädlich denn nützlich ist.
  • Eng damit verknüpft gilt das insbesondere auch für die Vorstellungen zum Funktionieren von Finanz- und Kapitalmärkten.
  • Ein besonderer Mangel dieser Dogmen liegt darin, dass sie die tatsächliche Entwicklung auf den Märkten – ganz besonders auf den Finanzmärkten – ignoriert haben und alleine auf theoretische Modelle von perfekten Märkten abgestützt haben. Dabei wurde allein schon das Kleingedruckte für das Funktionieren dieser Märkte ausgelassen.
  • Ein weiterer Mangel liegt in der Überzeugung, die Risiken messen, kontrollieren und sogar planen zu können und in jener, dass fundamentale Unsicherheit keine grosse Rolle spielt.
  • Das hat die verheerende Vorstellung genährt, man habe wirtschaftliche Prozesse bestens im Griff.
  • Die Dogmen haben zu einem übermässigen Wachstum der Finanzbranche beigetragen. Dieses Wachstum und die damit einhergehende Steigerung der politischen Macht dieser Branche haben dazu beigetragen, dass die dort vorherrschenden Gewichtungen, Wertungen und ideologischen Muster auch immer mehr die Politik dominiert haben.
  • Auch der Diskurs auf Seiten der Kritiker der vorherrschenden Dogmen – sowohl im linken Spektrum wie in jenem der Marktfundamentalisten – hat sich meist ebenfalls nicht um die Details von Wirtschaftspolitik , die Voraussetzungen für funktionierende Märkte und um die ökonomischen Wirkungsmechanismen gekümmert. Dass gescheit regulierte Märkte eine gute Sache sein können, wurde von beiden gleichermassen verworfen. Auf Seiten der Linken galten Finanzmärkte für viele gleich gänzlich als Teufelswerk, wie der Kapitalismus überhaupt. Ähnlich undifferenziert urteilten die Marktfundamentalisten über den Staat.
  • Ein weiterer Mangel liegt in der massiven Unterschätzung von politischen und kulturellen Prozessen, sowohl innerhalb von Unternehmungen, wie in der Gesellschaft generell. Gering geschätzt wurde inbesondere auch der Wert, den Menschen dem zumessen, was sie für fair oder unfair halten und wie sie auf Umstände reagieren, die sie für unfair halten. Damit ist nicht gesagt, dass es einen objektiven Massstab für Fairness gibt.
  • Als äusserst problematisch hat sich auch die Überzeugung entpuppt, dass letztlich bei entsprechenden Bemühungen alle mehr von einem wachsenden Kuchen haben werden, selbst wenn einige wenige anfänglich weit mehr davon abbekommen.  Damit wurde eine wachsenden Ungleichheit legitimiert. Jetzt rächt sich das in einer gefährlichen politischen und systemischen Legitimationskrise.
  • Die Gefahren hat man auch hier nicht gesehen, weil die gängigen Dogmen das Potenzial von Enttäuschungen unterschätzt haben und die destruktive Kraft, die diese auslösen können.

Nun gut, das ist hier etwas schnell hingeworfen und noch wenig begründet. Doch wofür schreibt man ein Buch, wenn hier wenige Worte alles klären könnten?

55 Kommentare zu «Die Ursache des Versagens»

  • Michael Schwarz sagt:

    In jeder Krise versteckt ein Systemfehler, welcher zum Ungleichgewicht geführt wurde. Die Aufgabe der Ökonomen und Wirtschaftspolitiker ist das Ungleichgewicht vorzeitig zu erkennen, durch die wirtschaftspolitische oder fiskalpolitische Massnahme das Ungleichgewicht zu korrigieren. Das Problem ist es, solange das Geschäft gut läuft, interessiert keine Sau für das Ungleichgewicht, erst wenn die Wirtschaft in der Stimmung der Krise ist, werden die Politiker und Ökonomen aktiv, was bereits zu spät ist. Das ökonomische System ist instabil, kann jede Zeit auf eine oder andere Richtung umkippen, die selbstregulierenden Mechanismen funktionieren nur bedingt, deshalb darf man nicht auf selbstregulierende Mechanismen verlassen, weil sie nur unter bestimmte Voraussetzung funktionieren, aber diese Voraussetzung ist nicht immer gegeben.

    Der Wachstumszwang führt zwangsläufig zu expansiver Geldpolitik der Zentralbank, was eine destabilisierende Wirkung auf das Finanzsystem haben wird. Je heftig der Reaktion der Zentralbank desto heftig ist die Destabilisierung. Wir haben alle versagt, sowie die Politik, auch die Wirtschaft. Wir sind die Opfer der Krise und die Verursacher zugleich.

  • Anh Toan sagt:

    Dogmen und Wissenschaft schliessen sich aus, sonst wuerde sich die Sonne noch um die Erde drehen und Neutrinos waeren nicht schneller als das Licht. Wissenschaft definiert sich gerade durch den Auschluss von Dogmen. Allenfalls macht die Gesellschaft (vermeintliche) wissenschaftliche Erkenntnisse zu Dogmen. Die Ursache der Krisen ist die vorhergehende Prosperitaet. Leben ist zyklisch, ohne Tiefen gibts keine Hoehen. ohne krank kein gesund. Konstanz, Durchschnitt sind mathematische Konstruktionen, die in der Realitaet nicht existieren. Die Krise korrigiert den Ueberschwang der Prosperitaet, um Krisen zu verhindern, muessten wir Prosperitaet verhindern, muessten wir Leben verhindern. Der richtige Ansatz lautet, wie Krisen gedaempft werden koennen (mittels Daempfung der Prosperitaet, aber dafuer wird man nicht gewaehlt) und wie deren Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft ertraeglich gemacht werden koennen (Arbeitslosenversicherung bis Bankenrettungen).
    Darueber kann man aber kein reisserisches Buch schreiben. Lese ich „Auf Crash-Kurs“ als Titel, stelle ich mir das Titelbild vor: Ein paar bleiche Manager oder Notenbanker sehen aus einer Chefetage auf einen aufgebrachten und verlumpten Mob, in ihren Augen flackert das von Geldscheinen genaehrte Feuer der Obdachlosen, im Hintergrund laufen rote Zahlen ueber Bildschirme.

    • Anh Toan sagt:

      Habs grad angeklickt: Die Titelbildvariante des Verlags in Gelb-Schwarz und rundem statt dreieckigen „Radioaktivitaetswarnschild“, spielt viel raffinierter mit den Assoziationen des Betrachters als mein Titelbildvorschlag.

  • Taric Trent sagt:

    Ah, diese ewige undifferenzierte Kapitalismusablehung von Linken, ganz schlimm. Dabei sollte man den Kapitalismus wie auch die Sklaverei und den Feudalismus doch differenziert betrachten um zu einem ausgewogenen, vernünftigen Urteil zu kommen, am Besten in der Form:

    Was ich mag: Gut reg(ul)ierte Märkte
    Was ich nicht mag: Pleiten, Pech und Pannen

    Es ist im Verlauf der Krisen die stetig wiederkehrende Erscheinung, dass sich jene Kapitalismusapologeten mit umgekehrten Vorzeichen, also Ablehnung der guten Regierung und Hochschätzung der Selbstverantwortung „selbst“ diskreditiert haben, sieht man ja an der Krise, bäh.

  • Michael Schwarz sagt:

    Die staatlichen Rettungsprogramme können die Verschuldungskrise in den EU, die durch das strukturelle Problem des Finanzsystems nicht gelöst werden, was bis heute die EU-Politiker noch nicht ganz realisiert haben. Die Rettung stellt lediglich eine Symptomsbekämpfung dar, welche die Öffentlichkeit und Kapitalmarkt beruhigen sollte. Solche Massnahme kann nicht das strukturelle Problem lösen, man kauft die Zeit, mehr nicht. Es wird langsam klar, dass die Griechen aus den EU ausgeworfen wird, eine Sanierung Griechenlands, kann keine EU-Staaten leisten. Der Zusammenbruch der EU könnte bevor stehen, welcher das Traum der europäischen Gemeinschaft zerplatzen lässt.

    Die Schwachstelle im Finanzsystem, ist die Banken. Der Staat muss die Banken erlauben unterzugehen, dadurch wird ein Reinigungsprozess im Finanzsystem ausgelöst werden, was nach der Krise von 2008 dringend nötig war. Der Kapitalmarkt wird zurecht finden, auch wenn der Kurs um 50% zusammengebrochen wäre. Die strukturellen Probleme müssen dringend und nachhaltig gelöst werden, somit die Krise wie 2008 in moderner Ökonomie nicht wiederholt wird.

    • Andres Müller sagt:

      Wenn die Oligarchie regiert, dann gilt bei Banken „to big to fail“ der Sozialismus für Reiche auf Kosten der Steuerzahler, selbst über Nationenleichen. Sobald die Banken genug gefüttert sind um das Cutting der Hellenen zu verkraften, wird man die Leutchen fallen lassen, so wie eine faule Kartoffel. Zuvor streut man noch die Propaganda dass die Griechen alleine Schuld sind an ihren Problemen. Man wird öffentlich zwar etwas Kritik an den Banken üben -pro forma -aber dann geht alles wie zuvor und weiter bis zum nächsten Showdown.

  • Michael Schwarz sagt:

    Seit zwei Jahren schrieb ich, dass wir mit einem strukturellen Problem zu tun haben, deshalb kann man das Problem mit kurzfristige Massnahme wie expansive Geldpolitik oder staatliche Investition nicht nachhaltig gelöst werden. Es benötigt eine Systembereinigung, sowie die Verstaatlichung des Finanzsystemes, bzw. unter 100%iger Kontrolle der staatlichen Behörde. Der Staat muss endlich deren Aufgabe selbstständig wahrnehmen, die Kontrolle über das Finanzsystem wieder zu erlangen. D.h. die Privatisierung in letzten 20 Jahren teilweise wieder rückgängig macht wird

    Die strukturellen Probleme können nicht kurzfristig gelöst werden, was eine gigantische Gefahr für das Wachstum und Kapitalmärkte weltweit darstellt. Wir leben in einer gefährlichen Zeit, der Zusammenbruch des Finanzmarktes könnte bevor stehen, den Zeitpunkt des Zusammenbruches voraus zu sagen, ist nicht möglich. Es wird weitere europäischen Banken in der Schwierigkeit geraten werden. Der Austritt Griechenlands ist der Auslöser der kommenden Krise Europas, die USA wird sicherlich nicht verschont – wir zahlen die Amis jetzt wieder zurück, was sie uns in 2008/2009 geschuldet haben.

  • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

    ich muss mich nochmals widerholen, da mir keiner eine antwort auf meine frage gegeben hat:

    eine frage hätte ich zu den rettungsschirmen für griechenland, aber auch ganz allgemein: dieses geld wird ja in den staat gepumpt. aber ist es nicht so, dass dieses geld dann nicht für den aufbau des staates genutzt wird, sondern gleich wieder an die gläubiger zurückfliesst? also zb. die banken? ist es dann so, dass das gesprochene geld, dass die staaten zahlen, eigentlich nur über den umweg griechenland in den kassen der banken und gläubigerfirmen landet? ist es korrekt, wenn mir dies als ein weiteres abgekartetes spiel erscheint, wo steuergelder so indirekt in die kassen von privatfirmen fliesst? kann man das in demfall als den grössten raub an volksvermögen aller zeiten deuten? weil die firmen investieren ja das geld nicht mehr – die hocken nachweislich auf hunderten von milliarden. oder irre ich mich? danke für eine allfällige antwort!

    • Hampi sagt:

      vietnamesische begleiterscheinung sagt:
      10. Oktober 2011 um 12:03

      Sie sehen das etwas einseitig. Zwar glaube ich ihnen, dass ein substantieller Teil der Hilfsgelder für Zinszahlungen und für die Rückzahlung von fälligen Krediten verwendet wird. Aber angesichts des aktuellen und zukünftigen Defizits von Griechenland ist auch klar, dass ein Teil als neue Kredite an Griechenland selbst geht.

      Warum ich ihre Ansicht einseitig finde?

      – Alle wissen, dass Griechenland, wenn es die nächste Tranche (Hilfskredite) nicht bis ca. November erhält, die Löhne für die Staatsangestellten nicht mehr bezahlen kann. Das ist mindestens ein Indiz, dass ein Teil der Finanzhilfe auch für „die Griechen selbst“ ausgegeben wird.
      – Alle wissen, dass die Banken (Gläubiger) entweder freiwillig oder unfreiwillig (was immer wahrscheinlicher wird) einen „Haircut“ auf den Griechischen Schuldpapieren zu erwarten haben. Und das wäre genau das Gegenteil von dem, was sie insinuieren. Die Banken (Gläubiger) verlieren Geld!
      – So (mit Euro) oder so (mit Drachme) herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass Griechenland auch in Zukunft einen Zugang zu den Kreditmärkten benötigt, um wieder aus diesem Schlamassel herauszukommen. Das derzeitige Defizit wird ja vom Volk und nicht von den Banken produziert. Die Fähigkeit, ob Griechenland die eingegangenen Versprechungen erfüllen kann, steht in direktem Zusammenhang, ob dies gelingen wird. Fazit: Griechenland zahlt seine Zinsen vor allem aus Eigeninteresse.
      – In der Praxis gibt es nur eine Alternative zu einem Griechenland, das Zinsen zahlt: die Hilfsgelder gehen direkt an die Banken. Und damit zahlen sie, nebst saftigen Löhnen und Boni für die Banker, auch noch einen grossenTeil dafür, dass das gesamte Volksvermögen (Ersparnisse, Pensionskassen etc.) nicht unter die Räder gerät. Mit diesem Thema ist zurzeit und zum Glück gerade Angela Merkel und Sarkozy beschäftigt. Das ist neuer Stoff für „Wutbürger“!

      • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

        @ Hampi

        „Aber angesichts des aktuellen und zukünftigen Defizits von Griechenland ist auch klar, dass ein Teil als neue Kredite an Griechenland selbst geht.“

        ja aber so verschuldet sich das land ja nur noch mehr…? eigentlich müsste man das geld ja wenigstens als zinsloses darlehen oder irgendsowas geben. wenn zinsen darauf geschlagen werden, dann reitet man das land ja noch mehr in den dreck. das ist ein schuldenkreislauf den man jedem zwölfjährigen ausreden würde. aber in so grossem rahmen soll es funktionieren?
        die banken die kredite mit zinsen an schuldner vergeben die derart in der klemme stecken, sind verantwortungslose verbrecher. nun ja, verantwortungslose verbrecher sind sie ja eigentlich eh schon.

        aber es scheint, als hätte ich es korrekt eingeschätzt, dass nämlich die hilfzahlungen im grossen und ganzen steuergelder für die banken sind. natürlich fallen da noch ein paar krumen für ein paar arme staatsangestelle ab. wohl aber auch nicht mehr lange.

        • Hampi sagt:

          vietnamesische begleiterscheinung sagt:
          10. Oktober 2011 um 14:02

          Ja, ihre Einschätzung ist korrekt. Aber auch einseitig. Denn was der europäische Steuerzahler am Schluss (pro Saldo) wirklich bezahlen wird, hängt nicht von den Banken ab, sondern von der Zahlungsfähigkeit der entsprechenden Länder. Die Banken erhalten lediglich das Geld, das ihnen nach Recht und Gesetz zugesichert/garantiert wurde von souveränen, demokratischen Staaten (nicht sub-prime). Die Ursache (Schuld) der aktuellen Krise liegt dieses Mal ziemlich klar in der rücksichts- und verantwortungslosen Verschuldungspolitik des Westens.

          Wenn sie sich zu Tode fressen mit Produkten aus der Migros – wer ist verantwortlich?

          Hier können sie das Ganze „durchspielen“:

          http://graphics.thomsonreuters.com/11/07/BV_STRSTST0711_VF.html

          • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

            @ hampi

            kein plan wovon du sprichst… ich verstehe das wirtschaftsdeutsch nicht. die worte rücksichts- und verantwortungslos verstehe ich jedoch. na dann lasst uns hoffen, dass es bald occupy paradeplatz heisst! dieses ganze drecks finanzsystem muss wirklich mal ordentlich zerschlagen werden. dann ist platz für neues. die revolution wurde lange genug aufgeschoben.

          • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

            ah sieh an, nächsten samstag ist occupy paradeplatz. was bin ich doch für ein hellseher 🙂

          • Andres Müller sagt:

            Apropo Fressstau:

            Die staatlichen Hypofinanzierer der USA sind wohl bankrott: Die Institute heissen Fannie Mae und Freddie Mac. Wichtige Gläubiger der USA zweifeln nun an der Bereitschaft der USA, deren Schulden zu bedienen.

            Nicht mehr Schulden zu bedienen…das gibts im Kapitalismus nur bei Insolvenz, oder in Folge einer Kriegserklärung. Doch wo sind die Feinde? Bei genauerer Betrachtung heisst der Feind in diesem Fall : Vertrauen. Man sucht also den Vertrauensverlust, egal ob das wirklich so gemeint ist oder nicht. Ein Vertrauensverlust in die beiden Hypofinanzierer mit der Folge des Bankrott dieser nun verstaatlichten Konzerne, der würde wohl zu einem weiteren systemischen Erdbeben führen. Staatliche Rettungspakete sind dann ja ausgeschlossen.

            Ich frage mich nun, meine Kristallkugel ist da ratlos: Wenn der systemische Primus der Welt Schulden seiner staatlichen Konzerne in der Backupwährung US$ nicht mehr bedient, was sind dann Papiere wie Geld und Staatsanleihen noch Wert?

  • Michael Schwarz sagt:

    Die Verantwortlicher des Versagens liegt bei den Ökonomen, Wirtschaftspolitiker und Hochschulen. Ein gutes Beispiel ist Paul Krugman, er propagiert zur Zeit die Abwertung des Dollars, was zwar das ökonomische Modell entspricht, aber wie wir in letzten zwei Jahren erfahren haben, der Vorteil der Abwertung des Dollars nicht lange anhalten wird, weil die anderen Zentralbanken auf die künstliche Abwertung des Dollars heftig reagieren werden, wie SNB es tat, es wird weitere Zentralbank aus Europa, Asien und Schwellenländern das Beispiel der SNB folgen.

    In den letzten zwei Jahren liegt Paul Krugman mit seiner Prognose oft falsch, was mich nicht überraschte. Die Ökonomen haben eine sehr langfristige Betrachtungsweise als Marktakteur. In der Analyse der Ökonomen vernachlässig sie die unwichtig erscheinende Variable, die am Ende das Ergebnis entscheidend beeinflusst werden.

    Ich habe meinen Standpunkt in letzten zwei Jahren treten, dass die Abwertung eigner Währung zum Verlust des Kaufkraftes, steigende Rohstoffpreise, steigende Produktionskosten, Wachstumsverlangsamung, dies führt zu zunehmend sozialer Ungleichheit, somit ist die mittel- und langfristigen Nachteile in der Aussenwirtschaft, Sozialpolitik und nachhaltigem Wirtschaftswachstum den kurzfristigen Vorteil weiter überwiegen. Wie dumm muss ein Nobelpreisträger sein, womit er es begreift, dass die USA einen starken Dollar braucht, womit die wettbewerbsfähig werden, damit die Produktionskosten durch steigenden Dollar gegenüber China gesenkt werden können. Die Lohnsenkung(Inflation) ist für die USA keine Option, weil dies auf den Rückgang des Konsums nachträglich auswirken wird.

  • Hampi sagt:

    In den Jahren vor der Krise prägte der damalige FED-Chef Alan Greenspan den Ausdruck „Conundrum“ (Rätsel). Er bezog sich dabei auf die Tatsache, dass die Zinsen (vor allem langfristige) ausserordentlich tief waren. Und „Conundrum“ nannte er es, weil es keine rational eindeutigen Gründe für dieses Phänomen gab. Es gab zwar Thesen: eine davon besagte, dass die Menschheit so genial geworden ist, dass die Inflation als humaner Störfaktor bedeutungslos geworden ist, andere sahen den Grund dieser Entwicklung in einem aufstrebenden China(& Co.) und dem damit verbundenen „Savings Glut“ (Ersparnis-Schwemme).

    Der Westen antwortete auf den chinesischen „Savings Glut“ mit einem „Credit Glut“ (Kreditschwemme). Im Nachhinein scheint dies logisch, wenn man bedenkt, dass so tiefe Zinsen bei gleichzeitigem Wachstumsfanatismus und „Savings Glut“ eine zu süsse Verführung waren. Die Einführung des Euros hat diesen Prozess noch zusätzlich verstärkt. In Ländern wie Spanien wähnten sich die Bürger (Private Haushalte) plötzlich im Paradies, indem sie plötzlich nur noch 4,5 % für einen Kredit zahlen mussten, anstatt, wie gewohnt, 20 %. In den USA entstand eine riesige Kreditindustrie, wo selbst ärmste Menschen grosszüg Zugang zum Kreditmarkt erhielten. Das wurde allgemein als grosser sozialer Fortschritt bejubelt. (In dieser Zeit wurde auch „Viagra“ auf den Markt gebracht – alles wurde plötzlich möglich!). Kein Schwein kümmerte sich darum, dass wir ein „Business-Modell“ betrieben, das per Definition ein Verfalldatum hatte.

    Die tiefen Zinsen und die idyllische Stabilität/Volatilität waren auch der Startschuss für die Massenproduktion bei den Derivaten. Endlich Gerechtigkeit: der Kleine bekommt jetzt die gleichen Produkte wie der Grosse. Gier als Volkssport. Und dabei stieg die Möglichkeit der Banken, Gebühren zu verlangen, ins Grenzenlose…..

    Das Dogma war, dass wir uns nur auf das Wachstum konzentrieren dürfen. Und zwar kurzfristig, im Drei-Monats-Takt. Alles Andere regelt sich von selbst. Innerhalb dieses Glaubensgerüstes schotteten wir uns völlig ab, denn die konkreten Zahlen gaben uns ja für einige Jahre recht. Und das genügte zur „Indoktrination“.

    Schliesslich waren wir aber durch diese manipulative Umerziehung unfähig zu realisieren, dass das „Wachstum“, auf das wir alle so geil waren (von links nach rechts und zurück) , allmählich nur noch vom Wachstum der Verschuldung getragen wurde. „Durch Verschuldung Wachstum produzieren“ wurde von einem Grossteil der Bevölkerung und der öffentlichen Hand gespielt. Und die Banken waren mittendrin, wie die Maus im Speck!

    Der Geist der „Irrational Exuberance“, der für das Entstehen und Platzen der „Dot-Com“-Blase (ca. Jahr 2000) verantwortlich war, fand im „Credit Glut“ (Verbriefung von Schulden etc.etc.) Unterschlupf.

    Und der Mensch, der rennt in seinem sozialen Verhalten andauernd hin und her: zwischen „irrationalem Überschwang“ und „irrationaler Entmutigung“.

    • Michael Schwarz sagt:

      @Hampi:

      Die Verlinkung der Krise zwischen 2000 und heute sind offensichtlich, weil die strukturellen Probleme nicht gelöst wurde, mit der expansiven Geldpolitik hat man die Probleme auf die Seite geschoben, was zur Gunst der Karriere der Politiker war. Das ist wie eine Hypothek, die man immer wieder erneut wird, am Ende kann man die Verzinsung nicht mehr zahlen.

  • Michael Schwarz sagt:

    @Markus D. Meier:

    Sie sollten sich fragen stellen, wem die Dogmen propagiert haben. Die ökonomischen Modelle funktionieren nur unter bestimmter Voraussetzung, nämlich die Einkommensverteilung und Verteilung des Vermögens in der Gesellschaft ausglichen sind, wodurch die Investitionsentscheidungen individuell getroffen werden, dann wird das Gleichgewicht im Güter- und Finanzmarkt herrschen.

    Die ökonomischen Modelle bzw. Gleichgewichtsmodell haben sicherlich seine Berechtigung, aber solche Theorie wirkt nur auf eine sehr längeren Zeitraum, zwischen 10-20 Jahren. Das Tempo der heutigen Wirtschaft kann uns nicht mehr erlauben, auf die Wirkung der Wirtschaft- und Geldpolitik zu warten. Das Tempo hat sich zugelegt, dies führt dazu, dass der Abstand der Krise verkürzt wird. Frühe war zwischen 5-7 Jahre, heute ist alle 2,5-3,5 Jahreszyklus.

    Die Besonderheit der Krise ist die Intensität und deren Heftigkeit, was wiederum das gesamte Finanzsystem, sowie das gesellschaftliche System zusehende destabilisiert werden. Das Problem ist nicht mehr nur die Verluste des Vermögens, das wäre noch harmlos, viel mehr haben die Krisen neue Dimension bereits erreicht, die in der Wirtschaftsgeschichte noch nie da gewesen war.

    Die Banken müssen wieder von Staaten gerettet werden, das ist sicher. Die strukturellen Probleme in den Banken, sowie die Struktur des Kapitalmarktes haben sich nicht bereinigt, weil der Staat solche Institution mit Steuergelder gerettet hat, dies hat die Reinigungsprozesse, die dringend nötig waren, ausser Kraft gesetzt. Kurzgesagt, der Staat hat die Probleme auf die Seite geschoben. Die Marktmechanismen funktionieren, aber der Staat hat es versagt – Staatsversagen.

  • Roland Strauss sagt:

    Es ist eigentlich ganz einfach. Weil alles Geld zinsbehaftet ist, sammelt sich dieses automatisch bei den Reichen. Es entsteht ein positiver Rückkopplungseffekt, bei dem die Geldwirtschaft die reale Wirtschaft erstickt. Die Kurve ist exponentiell. Mit Zullzinsen versuchen die Profiteure dieses Systems etwas Zeit zu gewinnen, aber am Ende kommen wir nicht um eine Geldreform herum. Diese Dynamik ist der Grund, warum das Christentum und der Islam den Zins verboten haben. Die Juden erlaubten ihn, bauten aber alle 50 Jahre einen Reset ein.

    • Josef sagt:

      Der Zins alleine ist es nicht. Ein wesentlicher und heute wahrscheinlich hauptsächlicher Anteil sind die Gewinnerwartungen der Investoren. Ich kann das allerdings nicht beweisen, sondern nur erahnen.
      Zusätzlicher Stress für die Bürger, das System und die Umwelt ist die Globalisierung. Dadurch entsteht globaler Wettbewerb, der uns in immer kürzeren Abständen neue und billigere Produkte liefert (das ist effizient), die wir aber eigentlich gar nicht brauchen (doch eher ineffizient?).

      • Daniel Meier sagt:

        Die neuen und billigeren Produkte gab es auch schon vor der Globalisierung. Problem ist einfach, dass die Firmen erkannt haben, dass sie am Verkauf kurzlebiger Produkte mehr verdienen, als an langlebigen Produkten. Und dass hat auch mal nix mit den Finanzmärkten zu tun. Weiterhin ist die Globalisierung an sich nicht das Problem, sondern die weltweite Ungleichverteilung. Wir leben doch auf Kosten aller anderen und könnten unseren Lebensstandard nicht halten, müssten wir unsere Sachen aus unseren Rohstoffen selber produzieren.

        • Josef sagt:

          Doch, das hat sehr viel miteinander zu tun: Finanzmärkte wollen Profite sehen. Profit lässt sich nur mit Umsatz machen. Diesen wiederum nur, wenn man schneller und raffinierter ist als die Konkurrenz. Konkurrenten sind wegen der Globalisierung aber nun weltweit anzutreffen. Hierzulande werden unsere Löhne zum Beispiel an der Lohnarbeit von Chinesen gemessen. Alle gegen alle, statt alle für jeden.

          Dank der unregulierten Globalisierung rast insbesondere das Kapital täglich mit Lichtgeschwindigkeit ungebremst etwa 100 mal um die Erde. Bei jeder Umdrehung bleibt was hängen, was letztlich massiv zur Ungleichverteilung beiträgt.

          Zur Erinnerung: Nur die Realwirtschaft generiert Werte. Die Finanzwirtschaft verwaltet sie nur, bzw. schöpft sie in atemberaubendem Tempo von der Realwirtschaft ab!

    • Hanspeter Niederer sagt:

      Kristallklare Aussage. Endlich eine sozio-kulturelle Dimension in einem Kommentar. Früher gab es offenbar die intelligenteren Kulturen als heute. Wobei im Islam es ja immer noch ohne Zins läuft, oder haben die andere Tricks, um mit Geld Geld zu machen?

      • Andres Müller sagt:

        Nein Herr Niederer, aber eine „zinslose Kultur“ darf theoretisch nicht mit einer „Zins-Kultur“ Handel betreiben. Wenn Scheich A. aus Saudi Arabien Geld auf eine nicht islamische Bank einzahlt, so begeht er gemäss islamischer Lebensregel einen schweren Fehler (sofern er die Zinsen nicht vollständig an die Armen weiter verteilt). Da sich die Saudi Scheichs wie auch andere arabische Scheichs und adlige „Geschäftsleute“ nicht an islamische Regeln halten, ist ihr Reichtum relativ zu den Bürgern extrem stark angewachsen.

        In der Discount Bank of Israel in Zürich hängt neben dem Eingang ein Schreiben des Oberrabbiners zu Jerusalem, demzufolge die Bank in der Schweiz mit Zinsen arbeiten darf. Die Ausnahmebewilligungen sind in Israel derart weit verbreitete Praxis bei den Eliten, so dass auch in Israel eine sehr hohe Vermögensungleichverteilung entstanden ist. Die sozialen Unruhen in Israel und Arabien deuten darauf hin, dass die Ungleichgewichte durch eine ungleiche Glaubenspraxis zwischen Elite und Bevölkerung sogar zum Hebel wurde.

        Währungsreformen entstehen meistens dann wenn Schuldenberge und Vermögensberge so stark angewachsen sind, dass sie durch das Wirtschaftswachstum nicht mehr abgearbeitet werden können. Dies entsteht eindeutig durch das Zinseszins-System, es ist unmöglich zu verhindern nach solchen Reformen dass sowohl Schulden als auch Vermögen zu einer Blase verdichten. Ein einmal freigesetzter Franken vermehrt sich unaufhaltsam, je mehr dieser ausgetauscht wird, er erzeugt wie die Ratten ständig mehr Nachkommen als bereits vorhanden, sofern das Nahrungsangebot bzw. Wirtschaftswachstum stimmt. Die Hebelprodukte der Finanzindurstrie können nicht mehr durch Wachstum kompensiert werden, das generierte Geld wandert somit in die Taschen der Reichen und verbleibt dort. Insofern die Reichen ihr Kapital nicht mehr reinvestieren können kommt es zu einem Supergau des Finanzsystems, der Glaube an den Wert von Fiat Money gerät ins wanken.

      • Andres Müller sagt:

        Der Supergau kommt immer näher, Herr Niederer, er ist nicht aufzuhalten ohne erneute Währungsreform. Ein Indikator dafür ist der verzweifelte Versuch der Superreichen ihr Geld in Sachwerte zu verwandeln. Aus diesem Grund steht nun zum Beispiel neben dem Kreml das teuerste Luxuswarenhaus der Welt. Selbst in Ulan Bator wissen Reiche nicht mehr wohin mit ihrem Geld, auch dort sind Luxuswarenhäuser entstanden, die Goldschmuck, Diamantenfabrikate usw. anbieten. Die Aktien der namhaften Luxusartikel-Fabrikanten sind im Gegensatz zu anderen Aktien extrem hoch bewertet. Die Reichen kaufen in Afrika ganze Landstriche auf, in Shenzen findet man in 10 Jahren wohl mehr Bilder Europäischer Künstler als in Europas Kunstgallerien. Das alles hat mit dem zunehmenden Vertrauensverlust in das Finanzsystem zu tun, die Welt ist dabei in die letzte Phase vor einer Währungsreform einzutreten. Noch ist es nicht ganz soweit, der Kollaps ist aber irreversibel, sobald die Welt in der letzen Blasenphase zu Handelsrestriktionen greift. Demnächst wird die USA darüber abstimmen…

        • Hanspeter Niederer sagt:

          Danke für Ihre detaillierten Ausführungen. Ein Kollege hat mir gesagt, er wolle lieber mit vielen Geld-Schulden (Hypothek) als mit viel Geld-Vermögen in den Kollaps des Finanzsystems gehen. Ist dies eine richtige Überlegung oder werden die Konkursverwalter der Banken die Immobilie einfach beschlagnahmen?

          • Andres Müller sagt:

            Herr Niederer, solche Beschlagnahmungen gab es schon mal, in Deutschland so zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Aber das hängt wohl von der Politik ab, und wie sich diese Leute verhalten hängt von vielen Faktoren ab. Die Wahrscheinlichkeit ob eher ihr Kollege richtig liegt oder ihre Befürchtung zutreffen wird lässt sich deshalb kaum kalkulieren. Im Notfall sollte man soviel Geld beiseite haben um die Hypothek auszulösen. Da diese Grösse in Zahlen immer gleich bleibt würde ich dazu tendieren den Weg ihres Kollegen zu gehen, dann aber bei Eintritt von spürbarer Inflation das Haus aus der Hypothekenfinanzierung auslösen. Sollte der Betrag zu hoch sein, dann hilft wohl auch hier nur beten.

  • marcel keller sagt:

    Der Markt als Naturgesetz und die Krise als Naturkatastrophe, so hättens viele wohl gern. Ist nicht vielleicht das System das Problem?

  • Daniel Munkerl sagt:

    Meiner Meinung ist die Finanzkrise kein Zufall, denn es wurde schon im Jahr 2007 gemunkerlt; dass es im Aktienswap-Geschäft grausame Tätigkeiten gibt. Man konnte durch Leerverkäufe über Swaps, gewisse Firmen in den Boden stapfen ohne viel Geld in die Hand zu nehmen (Fianzfirmen). Viele Versicherungsfirmen waren dabei sehr aktiv unterwegs, aber beim Kollaps wurden einfach gewisse Bereiche (Abteilungen) geschlossen und sozuagen die Angelegenheit vertuscht.

    Vielen Banken und Versicherungen sind so stark miteinander vernetzt, dass es sehr einfach ist, sich auf eine Firmea einzuschiessen und regelrecht auseinanderzunehmen. Die Vehikel wie Hedge Fonds oder grössere private Asset-Firmen brauchen dazu nur Mandate, um das Geschehen von ausserhalb in die tat umzusetzen.

    Es ist mir unverständlich, warum sich die Aufsichtsbehörden im Dunkeln bewegen; wenn man genau weiss, wie und wer oder bzw. was man bei den Fianzinstrumenten anrichten kann. Vielleicht ist die Lobby einfach zu stark, aber vielleicht wird bewusst nichts gesagt – denn sonst wäre das Vertrauen wirklich am Boden.

    Was soll eine Politik ausrichten, wenn man diesen Instituten (allg. Finanzbereiche) keine Rahmen setzt – der Verhaltenskodex wird ja dauernd gebrichen; wenn man durch anderswärtige Aktionen die gleichen Spielchen ausüben kann.

    Es gibt eigentlich nur ein Verfahren und das waäre die kapitalströme bei Verdacht zu prüfen; d.h. man kann ja über externe Firmen derivate Produkte kaufen und danach über Monate die Basiswerte der jeweiligen Deriavten je nach dem in die gewünschte Richtung bewegen. Fazit: Einfaches Spiel für grosse Finanzkolosse oder ?

    Die Kapitalströme sind heutzutage so kompliziert, dass man von der Insel über einen anderen Server in die Finanzwelt Einfluss nehmen kann – bei Verzeigungen wird dann einfach eine Busse fällig, welche wahrscheinlich nur Bruchteile des Gewinnes ausmachen.

    Zitat: Die beste Einstellung gegenüber dem Bösen ist, es nicht tun zu wollen !

  • Josef sagt:

    Das aktuelle Finanzsystem hat nicht (mehr) die primäre Aufgabe, Abläufe im Wirtschaftsleben der Menschen zu erleichtern. Die primäre Aufgabe ist es, Profite zu realisieren. Profit machen heisst aber fast immer: auf Kosten von anderen. So ein System ist Prinzip bedingt egoistisch. Geld geht nie freiwillig dahin, wo es am meisten benötigt wird, sondern wo es am meisten Profit verspricht. Es ist also auch asozial.
    Zweifellos erfüllt das Finanzsystem auch einige Aufgaben effizient. Aber bei weitem nicht alle.
    Das Finanzsystem ist nicht mehr Werkzeug, sondern dominierendes Produkt geworden, das alle und alles beherrscht. Zusammen mit der Globalisierung sorgt es für den Zwang zum Wachstum, damit zu unnötiger Hektik und sinnlosem Ressourcenverschleiss.
    Solange wir das nicht erkennen oder wahrhaben wollen, geht die Beschleunigung weiter bis zum grossen Knall. Bevor es knallt, beginnt der Kessel zu kochen. Das heisst, die Turbulenzen nehmen zu und ein immer grösseres und schnelleres Auf und Ab sind an der Tagesordnung. In dieser Phase sind wir gerade.
    Solange wir es nicht erkennen oder wahrhaben wollen, werden wir auch keine Rezepte gegen die negativen Auswirkungen finden. Wenn wir eigentlich den Fuss vom Gas nehmen sollten, aber gleichzeitig nach Wachstum rufen, um z.B. Vollbeschäftigung zu erreichen, haben wir überhaupt noch nichts verstanden.

  • Peter Burkhard sagt:

    Ein hauptsächliche Mangel liegt in der massiven Unterschätzung der menschlichen Gier. Das ging hier leider ganz vergessen …

    • Andres Müller sagt:

      Aus meiner Sicht ist die menschliche Gier nicht das grösste Problem, das wirkliche Problem ist dass Gier vom Wirtschafts-System massiv gefördert wird. Das Finanzsystem erfordert um in ihm erfolgreich zu sein sozial-darwinistisches Denken, den Biologismus. Dazu stellt dass System das Zinseszins -System zur Verfügung. Dieses sorgt nach jeder Währungsreform wiederholt dafür, dass sich sowohl Vermögen als auch Schulden auftürmen. Das Zinsensystem sorgt auch dafür, dass quantitatives Wachstum vor qualitativem Wachstum erfolgt, der wuchernde Krebs ist dem System vorgegeben.

      Ein Beispiel: Der Journalist M. arbeitet heute für eine Zeitung als Wirtschaftsredaktor, schreibt u.A. hervorragende Artikel über Wirtschaftskrisen. Irgendwann während der Ausbildung zum Ökonomen entschliesst sich M für eine solche Laufbahn. Er trifft nun aber auch eine materielle Enscheidung, er verzichtet nämlich auf die durch das System präferenzierte Berufswahl durch Gier. Sein damaliger Freund S. entscheidet sich für eine Laufbahn bei der Bank C.
      Heute erhält S ein Jahresgehalt von 460’000 Franken, während M. mit 124’000 Franken für seine Arbeit entschädigt wird.
      Vom qualitativen Standpunkt aus erfordert der Job bei der Zeitung hohe Ansprüche, jeden Tag entscheiden sozusagen tausend Leser über Sein und Nichtsein in diesem Beruf. Der Freund S. des Journalisten M. hat es in dieser Hinsicht einfacher, aber dafür stellt sein Job höhere Ansprüche an quantitativen Erfolg, er wird vor allem daran bemessen wieviel Liquidität er seinem Institut verschaffen kann und wieviel Anteil am Netzwerk der Banker er ergattern kann. Dadurch dass das Zielpublikum einer Zeitschrift wie der TA eine weniger auf materiellen Vorteile bedachte Zielgruppe ist und Bank C. ausschlieslich von Menschen besucht wird um materielle Sicherheit und Vorteile zu erhalten, ist auch die Lohnperspektive eine Andere. Würde Journalist M. einen Nebenjob bei der Wirtschaftszeitschrift C. annehmen, so könnte er sein Gehalt etwas aufbessern.

      Natürlich funktioniert der materielle Erfolg auch bei Nationalstaaten. Wenn es einem Nationalstaat gelingt materiell interessiertes vor allem gieriges Zielpublikum anzulocken, so steigt dessen BIP relativ zu einem anderen Staat dem dies nicht gelingt oder wo andere Interessen verbreitet sind. Das BIP lässt sich noch steigern indem einem Investor tiefe Lohnnebenkosten vorgerechnet werden können und die Sicherheit seiner Anlage. Letztere wird dadurch glaubhaft gemacht, indem nachgeforscht wird wie stark wirtschaftslibertäres Denken in der Bevölkerung verbreitet ist. In der Schweiz ist somit zu erwarten dass der Röstigraben gleichzeitig auch einem Vermögensgraben entspricht.

      • Peter Burkhard sagt:

        Ich stimme völlig bei. Der Jouranlist hat – Gier hin oder her – keine grossen Möglichkeiten, sein Salär zu verbessern. Der Bankier hingegen schon. Und insbesondere die Entscheidungsträger bei Banken. Dort sind der Gier praktisch keine Schranken gesetzt, was das ganze System in den Abgrund reisst. Will heissen, wir brauchen dringend Schranken, um die Gier der Menschen zu bändigen. Die freie Marktwirtschaft kann dies nicht und ist deshalb auf lange Frist ein untaugliches System. Das zeigt sich in diesen Tagen sehr deutlich. Genau darum wiederholt sich ja das Szenario von 2008 …

  • Schaedler Josef sagt:

    kurz und buendig: es braucht eine neue Gesellschaft. Wir alle muessen uns aendern.
    Ob dies moeglich sein wird wage ich zu bezweifeln. Vielleicht gibt auf einem anderen Kontinent eine andere Kategorie von Menschen. Wir sollten sie um Hilfe rufen, wenn dies moeglich ist.

  • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

    kann mir einer bitte mal was erklären? 🙂
    eine frage hätte ich zu den rettungsschirmen für griechenland, aber auch ganz allgemein: dieses geld wird ja in den staat gepumpt. aber ist es nicht so, dass dieses geld dann nicht für den aufbau des staates genutzt wird, sondern gleich wieder an die gläubiger zurückfliesst? also zb. die banken? ist es dann so, dass das gesprochene geld, dass die staaten zahlen, eigentlich nur über den umweg griechenland in den kassen der banken und gläubigerfirmen landet? ist es korrekt, wenn mir dies als ein weiteres abgekartetes spiel erscheint, wo steuergelder so indirekt in die kassen von privatfirmen fliesst? kann man dass in demfall als den grössten raub an volksvermögen aller zeiten deuten? weil die firmen investieren ja das geld nicht mehr – die hocken nachweislich auf hunderten von milliarden. oder irre ich mich? danke für eine allfällige antwort!

    • Urs sagt:

      Sie können hier mal nachschauen… eine wie ich finde bestechend einfache und wirksame Alternative zum aktuellen Problem der Leistungslosen Geldschöpfung i.e. Kreditvergabe und „to big to fail“ Situation. Die CH Verfassung wird per Initiative so quasi nur um einen kleinen Satz erweitert…

      http://vollgeld.ch/problem/

      DasProblem der virtuellen Geldschöpfung durch die Banken wird kurz erklärt und beantwortet ev. einen Teil ihrer Fragen. Das ganze Konstrukt der Beziehung zwischen SNB und Banken also des Geldkreislaufes basiert auf der Situation wie Sie ca. 1930 ausgesehen hat. Kein Elektronisches Geld sondern nur Münzen und Noten sowie eine Goldbindung.

      http://vollgeld.ch/losung/

      Die CH Verfassung soll dahingehend angepasst werden das die SNB nicht nur die Noten sondern auch das Giralgeld (elektronisches Geld) verwaltet. Die Banken erhalten kein Geld mehr direkt von der SNB sondern der Staat, die Kantone und Bürger als eigentliche Besitzer des Geldes.

      Bei den Banken kann man Konten haben wie bisher, doch das Geld gehört nicht den Banken sondern der SNB. Erst wenn man sich dazu entschliesst spekulativ tätig zu werden wird das Geld auf ein Anlagekonto transferiert mit dem die Banken dann wie bisher ihrem Geschäft nachgehen können…

      So in etwa… einfach beschrieben. Den ganzen Ansatz finde ich das Beste was ich bisher an alternativen Geldkreislaufmodellen gesehen habe… Auch die EU könnte sich mit diesem System innert kurzer Zeit von den Machenschaften (hauptsächlich der Mehrfachen Vergabe von krediten mit Geld das diese gar nie hatten) der Banken befreien.

      Ich finde das ganze interessant und bin gespannt wenn die ersten breiten Debatten zu diesem Thema anfangen… mal sehen was andere dazu sagen.

      • Josef sagt:

        @Urs: Ganz Ihrer Meinung.
        Wer es noch etwas ausführlicher möchte, kann es im folgendem Buch nachlesen. Da steht auch fein säuberlich und auch für Laien verständlich drin, wie unser Geldsystem funktioniert und wie die Einführung des Vollgeldes funktionieren könnte:
        http://www.amazon.de/Monetäre-Modernisierung-Zur-Zukunft-Geldordnung/dp/3895188735/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1318002718&sr=8-2

      • Roman Günter sagt:

        Die Theorie vom Vollgeld tönt vielleicht für diejenigen gut, welche meinen der Staat sei umsichtiger im Umgang mit der Geldmenge, wenn er wieder die vollständige Kontrolle darüber hätte. Dabei ist eine Entropie der Dienstleistungsqualität schon heute spürbar, d.h. es stehen mehr Mittel zur Verfügung, um noch mehr Dienstleistungen zu erwerben bei gleichzeitiger Minderung der Qualität dieser Dienstleitungen. Die Umsetzung der Ideen zum Vollgeld würde diese Entropie noch verstärken, da Anreize zur Änderung der Situation dadurch eher noch zusätzlich verringert werden. Resultat wäre wahrscheinlich eine breite, bruttosozialproduktversorgte Bevölkerungsschicht in Lebensumständen auf tiefem Niveau, verwaltet von einer extrem kleinen Elite von Volkskybernetikern, welche natürlich für ihre Aufgabe und Verantwortung gut ausgestattet werden müssen.

        • Josef sagt:

          Daher wird ja analog der Gewaltentrennung Legislative, Judikative und Exekutive zusätzlich die Monetative vorgeschlagen.

          • Andres Müller sagt:

            „Wieso soll man ein System mit vielen Nachteilen nicht durch ein deutlich besseres ersetzten“.

            Vielleicht dieses System wohl für die Wirtschaft des Menschen Kurz- bis Mittelfristig besser wäre, aber nicht Langfristig. Bedenken sie dass jeder Systemwechsel, ist er einmal implementiert, kaum mehr reformiert werden will (bis zur erneuten Superkrise). Es darf aber keine nächste Superkrise mehr geben, weil es nun definitiv zu viele Menschen gibt und zu viele Waffen auf dieser Erde und zu wenig Rohstoffe, zu viel Umweltbelastung. Viele Mensche haben es noch nicht begriffen, die Erdkugel ist rund und die Ressourcen sind endlich. Wir benötigen ein Wirtschaftsmodell was diese Grenzen berücksichtigt. Heute bezahlt man für menschliche Arbeit, aber kaum für jenen Ressourcenabbau der zukünftige Generationen fehlen wird. Die Zukunft muss eine Stimme erhalten, und zwar eine die etwas kostet.

            Ich würde wohl für dieses Vollgeld stimmen wenn ich nur die Wahl erhalten würde zwischen jetzt und Vollgeld zu wählen. Ich erhoffe mir aber dass neben dieser Neuausrichtung auch an die begrenzten Ressourcen gedacht wird, die Umweltzerstörung und an die Zukunft -Die Nachfolgegenerationen.

          • Josef sagt:

            @Andreas Müller: Bezüglich dem beschleunigten Ressourcenverbrauch rennen Sie bei mir offenen Türen ein. Ich meine in meinen Beiträgen oft genug auf den System integrierten Wachstumszwang hingewiesen zu haben, obwohl zumindest die reichste Milliarde Menschen im Überfluss leben. Die Gründe liegen aber meiner Ansicht nach nicht nur im Zins, sondern allgemeiner gesagt, in den Renditeerwartungen, die teilweise, aber nicht nur, durch Zins realisiert werden.
            Man muss also die Renditeerwartungen (ohne Leistung) kritisieren und nicht den Zins, den einige Komponenten des Zinses, die dann auch Bearbeitungsgebühr, Risikoversicherung, etc. heissen könnten, tragen nicht zu dem Nachteil bei, den man dem Zins pauschal unterstellt.
            Wenn man das Thema so angeht, ist das Vollgeld ein vielversprechender und nachhaltiger Lösungsansatz, der unbedingt weiter verfolgt werden sollte.
            Ich wiederhole mich, aber der Vollständigkeit möchte ich nochmals erinnern, dass auch der globalisierte Wettbewerb ganz massiv zum Wachstumsdruck beiträgt. Jede Firma muss mit ihren Produkten schneller und billiger auf den Markt wie die andere. Wettbewerber gibt es auf der ganzen Welt. Es gibt fast keine Geschäftsidee, die nicht bereits zu Beginn oder aber sehr bald einen Wettbewerb antrifft. Das erzeugt einen unglaublichen Stress und drückt die Preise zuerst bei den Unternehmern, aber damit auch bei den Löhnen. Als Resultat erscheinen neue Modelle von Produkten in immer kürzeren Abständen, obwohl das eigentlich niemand braucht. Vor allem, wenn die Produkte qualitativ noch etwas langlebiger wären. Selbstverständlich ist das ganz noch angetrieben davon, dass man sich an der Natur und deren Ressourcen kostenlos bedienen darf.
            Also sollten wir den Fokus richtig setzen. Die Zinsen müssen kritisch beurteilt werden, sind aber sicher nicht das grösste Problem.

          • Andres Müller sagt:

            @Josef

            „Man muss also die Renditeerwartungen (ohne Leistung) kritisieren und nicht den Zins, den einige Komponenten des Zinses, die dann auch Bearbeitungsgebühr, Risikoversicherung, etc. heissen könnten, tragen nicht zu dem Nachteil bei, den man dem Zins pauschal unterstellt.“

            Wenn sie es hier schaffen diese Kritik in Regulierung zu verwandeln, dann habe ich nichts dagegen, denn dann wären auch die Zinsen in der Höhe angemessen. Ich weise aber darauf hin dass die Einführung von Vollgeld dazu alleine nicht ausreicht. Was etwa ist mit allen diesen Hebelprodukten der Börsen und die Kreditpakete welche die Banken aus zum Beispiel Hypotheken schnüren? Wer kann da die Renditeerwartungen nochauf Vernunft basierend bewert werden? In diesen Paketen schlummern Schuldner deren Solvenz völlg unklar ist, sie sind ja anonymisiert.

          • Josef sagt:

            @Andreas Müller
            Ich möchte es mal so sagen: Es gibt für kein Problem eine Universallösung, sondern nur immer Teillösungen. Vollgeld ist ein wichtiger Beitrag für ein besseres und gerechteres Finanzsystem. Aber alleine natürlich nicht ausreichend.
            Die von Ihnen genannten Hebelprodukte und undurchsichtigen Derivaten wären unabhängig von einer Vollgeldstrategie ohnehin besser ersatzlos zu verbieten.

        • Urs sagt:

          Hr. Günter, bis in das letzte Detail konnte ich mir auch noch nicht Gedanken machen was die Monetative wirklich bedeutet… die ersten Eindrücke und Gespräche die ich darüber hatte sind aber eher positiv. Eine grosse Frage ist ein etwaiger Kreditmangel…. es ist vorgesehen das die SNB das Geld sowohl an den Staat, die Kantone und auch an die Bürger auszahlen kann…

          Zusätzlich werden/können noch die Kantonalbanken mit einem Leistungsauftrag auf den Weg geschickt werden… das hatten die KB’s alles mal und im Zuge der Liberalisierung hat man diese Auflagen zusammen mit der Staatsgarantie entfernt… heute haben nur noch ein paar KB’s diesen „lokalen“ Leistungsauftrag…

          Auch gegen einen zu gierigen Staat, was am Ende ja stets bedeutet das sich Partikularinteressen über das Gemeinwohl stellen können, dachte man und deshalb wird „die Monetative“ als Rat dazwischen aufgebaut…

          Wie kommen Sie auf „Lebensumstände auf tiefem Niveau“?

          • Roman Günter sagt:

            Genau diese Monetative ist der Schlüssel zum Misserfolg. Ursprünglich gebildet, um antizyklisch zu wirken, wird dieser Teil der Staatsgewalt alles daran setzen, solche Zyklen gar nicht erst entstehen zu lassen. Das Instrument dazu ist eine restriktive Kreditpolitik. Kredite werden also nicht mehr aus wirtschaftlichen, sondern aus währungspolitischen Überlegungen heraus gesprochen. Das hat sicher Vorteile gegenüber der privaten Finanzierung, wenn es sich um die Finanzierung der lokalen Infrastruktur handelt, wie früher der Ausbau der Eisenbahnen. Da aber schlussendlich politische Überlegungen im Vordergrund stehen, werden Innovationen eher behindert. Diese wandern, wie das Beispiel USA zeigte, dort hin, wo eine liberalere Ordnung herrscht. Damit wird schlussendlich die Solidifizierung des Status Quo gefördert, verbunden mit einer schleichenden Verminderung der Leistungen, was sich schlussendlich in verminderter Lebensqualität äussert, da die Schweiz weit davon entfernt ist, selbstversorgend zu sein. Das meinte ich mit tiefem Niveau. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

          • Andres Müller sagt:

            @Urs (Ausschnitt aus dem Artikel zu der Vollgeld -Variante:
            http://www.soziologie.uni-halle.de/publikationen/pdf/0405.pdf

            „igendwann freilich wird die Zeit wieder kommen, und zwar in Annäherung des historischen Endes der transsäkularen Modernisierungs- und Wachstumsphase, wo die Einkommens- und Vermögensumverteilung durch den Zinsmechanismus wieder zu einer virulenten sozialen Frage werden müsste. Obwohl eine Vollgeldreform wie hier
            dargelegt noch keine Antwort auf diese Frage gibt…..“

            Das Vollgeld gibt also keine Antwort zu der für mich wichtigsten Frage. Ebenso ungelöst ist die Fragen nach qualitativem anstatt quantitativen Wachstum. Letzteres ist für die Zukunftsfähigkeit der Menschheit entscheidend.

          • Urs sagt:

            Hr. Günter,

            das was Sie da „vorraussagen“ trifft doch heute bereits für viele Menschen, Regionen und Länder zu. Lebensstandard auf immer tieferem Niveau weil das ganze Renditesuchende Geld dorthin fliesst wo diese am grössten werden können aber leider nicht dorthin wo diese gebraucht werden. Das Niveau sinkt ja stetig bei gleichzeitigem Ausbau derer die haben und denen die nicht’s mehr oder immer weniger haben… beinahe Weltweit. Die Schweiz fällt da im Moment nicht drunter weil das System am Wachsen ist… wenn das nicht wäre, was würde/müsste die Schweiz tun? Der Erfolg der letzten Jahre hier basiert ja auf Wachstum, man trägt dem (diesem Glauben daran) also durchaus Rechung und von daher sind etwa die Prognosen zum Bevölkerungswachstum realistisch…

            Da Frage ich mich nun schon wie das weitergehen soll… Die Lösungsansätze sind dem aktuellen System so zuwieder das man darüber nicht mal reden kann. Eine wie auch immer erzwungene gleichmässigere Verteilung…

            Ebenso interessant für mich, stellt man nun das primat der Politik, das der Demokratischen Mitsprache oder das der freien Märkte oder das einer Oligarchie „über die Gesellschaft“ und deren Ansprüche? Jedes davon hat seine eigenen Vor- und Nachteile… wem soll man nun zudienen?

            So, wie bringt man nun die vielfältigen Ansprüche so zusammen das möglichst alle etwas davon haben und nicht nur wie heute primär die Investoren? Wie bringt man das zusammen das eine kleine Gruppe nicht mehr in der Lage ist den ganzen Rest in den Ruin treiben zu können?

            Das mit der Monetative finde ich bestechend… allerdings stelle ich auch fest das damit u. U. so etwas wie ein parallel Universum geschaffen wird… was passiert wenn sich wie heute die Reichen dazu entscheiden den grössten Teil ihres Vermögens in die Anlagekonten zu transferieren. Dann wäre die Kreditvergabe ja wieder sichergestellt… aber all die anderen, was machen die?

          • Urs sagt:

            Hr. Müller; der von Ihnen erwähnte Absatz in Klammern aus dem PDF regt wirklich zum Nachdenken an… ich lese mir soeben das PDF durch…

            Trotz allem, ich frage mich nach wie vor wie man das ganze kontrollierbar und ev. auch nachvollziehbar machen kann… den Geldkreislauf meine ich, versus die virtuelle Kreditschöpfung…

            Mit mehr Demokratie zu Lasten weniger Effizienz oder was weiss ich was es da sonst noch für Gegenspieler gibt… Anzahl MA gegen verminderte Profite, höhere Steuern gegen Gemeinschaftlich finanzierte Leistungen, Steuersenkungen gegen individualisierung der Kosten….

          • Andres Müller sagt:

            @Urs Ihr Anliegen ist mein Anliegen und entspricht wohl auch den Autoren der Idee des Vollgeld. Durch die Einführung von Vollgeld würde man nur Zeit gewinnen, was aber durchaus entscheidend sein könnte zwischen Sein und Nichtsein der Menschheit. Ich befürchte aber, die Zeit arbeitet infolge begrenzter Rohstoffe mit der Einführung von Vollgeld gegen das Menschenschicksal. Dadurch würde nämlich die Wirtschaft (so wie sie jetzt ist) noch einmal gerettet, aber ohne das Problem zu bewältigen dass heute quantitatives Wachstum vor qualitativem Wachstum gesetzt ist. Dadurch rennen wir dann direkt in eine Zeit hinein, während der wir die Umwelt in noch höherem Mass belasten wie jetzt bereits. Um das zu verhindern müssen wir die Zinsfrage lösen und hier erst liegt wohl der Schlüssel zu einer besseren Zukunft. Interessant wäre ein Mechanismus der Zinsvergabe nur dann erlaubt, wenn dadurch qualitatives Wachstum angestrebt wird. Doch wer entscheidet darüber und wie… und vor allem müsste die Reform ja Weltweit geschehen.

          • Josef sagt:

            Wieso soll man ein System mit vielen Nachteilen nicht durch ein deutlich besseres ersetzten, auch wenn dieses auch noch nicht perfekt ist. Im Weiteren kann man Nachteile, die man erkennt, auch gezielt durch weitere Massnahmen kompensieren.
            Joseph Huber meint, dass der Zins nicht grundsätzlich schlecht ist, sondern dass darin verschiedene Komponenten enthalten sind, die man differenziert bewerten sollte. Problematisch wird ein „Wucherzins“, der deutlich über die Aufwendungen zur Geldverwaltung hinausgehen.
            Im weiteren schreibt er dazu im bereits erwähnten Buch: „Zinsen sind ein Problem. Aber keine Zinsen sind auch ein Problem. Eine Vollgeldordnung beantwortet die Zinsfrage noch nicht. Man kann jedoch festhalten, dass Vollgeld, soweit es durch originäre Seigniorage und nicht per verzinslichem Bankkredit in Umlauf kommt, eine zinsfreie Geldbasis darstellt, und dass ein Vollgeldregime mit einer Wirtschaft ohne Zinsen ebenso vereinbar wäre wie es seine Vorteile in einer Zinswirtschaft entfalten kann.“

          • Urs sagt:

            Hr. Müller, die Authoren der Monetative reden auch davon das mit diesem Geldlaufsystem ein zwingendes Wachstum nicht mehr nötig ist um das „überleben“ des Geldkreislaufes und somit der Gesellschaft zu sichern… auf den Konten der Bank würde ja auch kein Zins ausbezahlt werden… bis man dies in die Anlagekonten transferiert und damit Sicherheit und Stabilität verlässt.

            Die SNB würde also nur noch Geld im Rahmen eines „natürlichen“ Wachstums ausgeben… Mit natürlich meine ich etwa Einwanderung, mehr Produktion, Bevölkerungswachstum… aber nicht so wie heute das die Profite und Renditen alle Quartale höher sein müssen als die vorherigen…

            Ev. wäre das dann die Chance von einem quantitativen Wachstum zu einem qualitativen Modell übergehen zu können. Bestimmt wird es auch einfacher wenn die Menschen mal begreifen das es eben auch ohne geht… dazu müssten dann aber auch die Kernparameter wie BNP und die Indices an den Finanzmärkten als veraltete Masstäbe zur Messung des Wohlbefindens zum allgemeinen Verständnis gehören. Schrumpfen hört sich dagegen ja nach wie vor nach Verlust, nach weniger an…

    • Andres Müller sagt:

      irgendwo habe ich gelesen wie das im Detail abläuft @vb (weiss aber nicht mehr genau wo ich das gefunden hatte, es war glaube ich die Zeit die darüber berichtete) , die Griechen sehen von diesem Geld tatsächlich nichts auf ihrem Konto, es läuft direkt in die Taschen der Halter von griechischen Staatsanleihen. Und das ätzende daran ist, sie erhalten auch hohe Zinsen für ihre eigentlich wertlos verspekulierten Anlagen. Der polnische Staatschef wittert bei Merkel deshalb nicht ganz ohne Grund Stasi-Aktivitäten (Erfahrungen aus der Kommunistenzeit), die Bankenrettung könnte sehr wohl aus Erich Honeggers Giftküche stammen. Eine Kommunismus für Reiche ist entstanden, was ganz und gar nicht wirtschaftsliberalem Handeln einer eigenverantwortlichen Privatwirtschaft entspricht die auf eigene Rechnung und Risiko arbeitet. Die Erfindung von „to big to fail“ ist nichts anderes als die Durchsetzung einer Oligarchie (die unter Reichen durchaus kommunistische Züge annimmt, indem sich die Eliten zugunsten ihrer Vermögen mit allen Mitteln gegenseitig decken. ).

    • roland nef sagt:

      @vietnam erscheinung

      Ja, Sie haben es verstanden!

      Dieser ganze die Griechen sind faul und Leben über ihren Verhältnissen Nationalismus, dient nur dazu, diesen Mechanismus zu verschleiern und die Völker gegeneinander aufzuhetzen, damit sie nicht merken, dass es mal wieder die Banken und sonstige Kapital-Eliten sind, die an der ganze Sache profitieren…

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