Chancenloser Bundesrat

Bundesrat Johann Schneider-Ammann, rechts, und Bundespraesidentin Micheline Calmy-Rey, links, nach einer ausserordentlichen Sitzung zur Frankenstaerke am Montag, 8. August 2011 in Bern.

Egal, was der Bundesrat tut, es hagelt Kritik: Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey und Bundesrat Johann Schneider-Ammann nach einer ausserordentlichen Sitzung zur Frankenstärke am Montag, 8. August 2011 in Bern.

Der Bundesrat ist nicht zu beneiden. Zuerst hiess es, er unternehme zu wenig gegen die Frankenstärke; jetzt, wo er handeln will, wird er heftig dafür kritisiert. Es scheint, als könne er es niemandem recht machen.

Dass es so kommen würde, war von Beginn weg absehbar. Der Bund ist nicht in der Lage, Wechselkursschwankungen wirksam auszugleichen. Für diese Aufgabe haben wir die Schweizerische Nationalbank (SNB). Dass sie die Mittel hat, um zu verhindern, dass der Franken zu stark bleibt, hat sich in den letzten Wochen gezeigt. Die bisherigen Massnahmen und vor allem die Gerüchte über ein baldiges Wechselkursziel haben dazu geführt, dass sich der Franken spürbar abgeschwächt hat. Der momentane Kurs ist aber immer noch unbefriedigend. Die SNB muss wohl früher oder später auf dem Devisenmarkt intervenieren, wenn sie den Kurs innert nützlicher Frist deutlich über 1.30 Franken pro Euro bringen will. Wenn sie will, kann sie es tun (für eine mögliche Methode siehe: hier).

Für den Bund ist der Ausgleich der Wechselkursschwankungen aus zwei Gründen unmöglich. Erstens wäre eine wirkungsvolle finanzielle Unterstützung zu teuer, d. h. es müsste eine Milliardensumme im zweistelligen Bereich sein. Zweitens müsste die Massnahme sehr schnell umgesetzt werden und nach dem Giesskannenprinzip verteilt werden. Eine Wechselkursschwankung wirkt ja auch gemäss dem Giesskannenprinzip: Alle sind von einer Frankenstärke oder einer Frankenschwäche betroffen. Von 2002 bis 2007 profitierten zum Beispiel alle Exporteure von einem schwachen Franken, d. h. sie wurden von der Nationalbank ohne Rücksicht auf ihre Ertragslage subventioniert.

Der Vorschlag des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse, 2011 den Firmen alle Steuern und Gebühren zu erlassen, wäre wirkungsvoller als eine selektive Unterstützung bedürftiger Firmen. Der Vorstoss ist in dieser Form aber untauglich, denn er benennt weder die Höhe der Steuerausfälle noch schlägt er eine Kompensation vor. Eine solche Massnahme wäre nur zu unterstützen, wenn die Firmen die geschuldeten Steuern und Gebühren über die nächsten fünf bis zehn Jahre in Raten bezahlen würden. Bund und Nationalbank haben die UBS im Oktober 2008 auch nicht gratis unter die Arme gegriffen.

Wie aussichtslos eine selektive Unterstützung wäre, kann man am Beispiel der 1930er Jahre studieren. Damals war der Franken während fünf Jahren (1931-36) zu hoch bewertet, was den Bund veranlasste, mit Krediten, Subventionen und regulatorischen Massnahmen einzugreifen. Die Hotellerie genoss in den 1930er Jahren eine besonders starke Unterstützung: Der Bund half mit Darlehen, mit Zuschüssen an die Werbung im Ausland, mit der Subventionierung der Fahrpreise für Ausländer und mit einem Hotelbauverbot, um die Zahl der leeren Betten möglichst klein zu halten. Der Erfolg dieser Massnahmen war äusserst bescheiden, weil die Überbewertung des Frankens viel zu massiv war und zu lange dauerte.

Die Dinge kamen erst wieder ins Lot, als die Nationalbank den Franken um 30 Prozent abwertete. Sie sollte es auch diesmal wieder tun, um dem Bundesrat und dem Parlament eine unmögliche Aufgabe zu ersparen.

Keine Kommentare zu «Chancenloser Bundesrat»

  • Michael Schwarz sagt:

    Der Währungskrieg, der von FED vor zwei Jahren ausgelöst hat, findet jetzt ein Ende. Die Zentralbank, die bis heute durch die Währungspolitik der Fed benachteiligt haben, fang an sich gegen die US-Geldpolitik und deren Machenschaft zu währen. Das ist das was ich vor einem Jahr die Situation beschrieben habe, die jetzt stattfindet.

    Das ist das Ergebnis wenn eine Zentralbank, vor allem die Reservewährung USD deren Abwertung von Fed unterstützt wird. Der Währungskrieg ist volle im Gange, dieser Krieg wird die Weltgemeinschaft und die Weltwirtschaft auseinander reisen. Dies zeigt wie beschränkt der Sicht Bernankes war, alles hat mit Bernanke angefangen, es wird bei ihm enden. Jetzt wird es zeigen, wie gut der Titel PhD. sind, ob die Kosten für ein Studium sich gelohnt hat. Die meisten versagen in der Praxis, dieses Mal wird auch nicht anderes sein. Man vernachlässig die Variable, die nicht wichtig erscheint, aber am Ende das Ergebnis beeinflusst und verändert wird.

  • Michael Schwarz sagt:

    Die übertriebene Aussage Hildebrands in Medien ist unglaubwürdig. Die SNB signalisiert dem Devisenmarkt unbegrenzt EUR kaufen zu wollen, was keine Zentralbank auf diese Welt tun könnte. Ein unbegrenztes Drucken vom Geld wird die Inflation in der Schweiz ausser Kontrolle treiben. Am Ende provozieren werden eine unmögliche Situation provoziert, die Schweizer Wirtschaft in einem Sachgasse treiben wird – niedriges Wachstum und höhe Inflation.

    In einem bereits verunsicherten Kapitalmarkt muss man die Feinsteuerung beherrschen, was ich bis heute von Hildebrand, und sein Team vermissen. Wenn die Abwertung des Frankens so einfach wie alle behauptet wird, warum hat Hr. Hildebrand von einem Jahren diese Methode angewendet. Der massive Eingriff der SNB destabilisiert das gesamte Kapitalmarkt weltweit, er hat getan was Bernanke vor zwei Jahren getan hat. Wie wir gesehen haben, die extrem expansive Geldpolitik der Fed hat die US-Wirtschaft nachhaltig geschadet, geholfen war nur kurzfristig.

    Das unbegrenzte Druck von Franken ist ein Unsinn grösser Ausmasse. Wenn die Inflation in der Schweiz in nächsten paar Monaten nicht ansteigt, dann hat die Schweiz ein gigantisches Problem, welches die SNB selbst geschafften hat. Das Wirtschaftswachstum in EU geht zurück, das wird auch die Schweiz treffen. Der schwächere Franken wird die Schweizer Wirtschaft kaum helfen können, es mildert lediglich das schlimmste, aber der Rückgang des Wirtschaftswachstums zu verhindern kann die SNB nicht.

    Es ist gefährlich, was die SNB zur Zeit tun, nämlich gegen dem Markt zu pokern. Die Aussage der SNB „unbegrenztes Geld drucken zu wollen:“ ist ein Luftschloss, wo die Devisenhändler bald angreifen werden. Es ist ausgeschlossen, dass eine Zentralbank unbegrenztes Geld drucken kann, das wird zum Verlust des Kaufkraft und Wohlstandes in der Schweiz nachhaltig führen. Die Inflation ist nicht das einige Problem. Die Vorgehensweise der SNB zeigt keine Kontinuität, wo man die nachhaltige Wirkung der Intervention, sowie die Stabilität des Kapitalmarktes in Frage stellt.

    Das Fazit: Die Wirkung der Intervention wird nur kurzfristig halten, wenn wir die Unsicherheit zur Zeit im Kapitalmarkt herrscht bedenke, das ist auch der Grund warum das Gold jeden Tag stieg. Der Franken wird weiterhin für die Sicherheit des Kapitalanlage dienen, diese Eigenschaft des Frankens hat sich nichts verloren, auch wenn die SNB sich so anstrengen, eine Trendwendung zu erreichen kann keine Zentralbank auf diese Welt schaffen, vor allem nicht mit massiven und kurzfristigen Eingriffen der SNB, Hildebrand muss endlich verstehen, dass die Abschwächung des Frankens eine mittel- und langfristige Aufgabe ist, somit ist der kurzfristige Eingriff nutzlos, vor allem solche Eingriffe verbergen nicht-kalkulierbare Risiken, die Wirkung ist eher auf Kurzfristigkeit beschränkt.

  • Michael Schwarz sagt:

    Die Wirtschaftslage in EU hat sich von Grund aus verschlechtert, diesbezüglich der Überbewertung des Franken, ehr ein kleines Problem darstellen wird. Die Schweizer Wirtschaft ist eng mit der Wirtschaft der EU verknüpft, d.h. wenn die EU kein Wachstum mehr generiert, generiert die Schweiz auch keines. Der starke Franken wird wenige Rolle bei der Exportwirtschaft spielen, als man bis zuvor angenommen hat. Das Wirtschaftswachstum geht Weltweit zurück, das wird auch die Schweiz treffen, auch wenn der Franken gegenüber schwächen wäre, werden wir kaum besser daran sein.

    Die Wachstumsphase ist vorüber, jetzt müssen wir mit mässigem und bescheidenem Wachstum zufrieden geben. Ein übermässiges Wirtschaftsstimulus wird die Schweizer Wirtschaft in eine Liquiditätsfalle treiben, wie in den USA bereits der Fall ist.

  • Michael Schwarz sagt:

    Der leichte Zunahme des BIP und Expertenumsatzes zeigen, dass der starke Franken zwar die Exportindustrie beeinträchtigt hat, trotzdem wächst die Wirtschaft. Dies zeigt die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Industrieunternehmen, die zum Leader der Welt zählen können. Wenn unsere Wettbewerbsfähigkeit mit den USA vergleichen würde, können wir eindeutig erkenne, dass die USA obwohl der Fed eigner Währung manipuliere zur Gunst eigner Exportindustrie, trotzdem können die USA die Schweizer Industrieunternehmen nicht das Wasser reichen.

    Wie ich vor fast zwei Jahren bereits geäussert habe, die Manipulation und Schwächung eigner Währung wird die US-Wirtschaft nachhaltig schaden zufügen, der Kaufkraft, Innovationskraft, sowie die Wettbewerbsfähigkeit geht verloren. Die Aufwertung eigner Währung in einem vernünftigem Rahmen fördert das Vertrauen, Investition und Wachstum, dies wiederum gut für die Arbeiternehmer und gesellschaftliche Entwicklung.

    Das Fazit: die klassisch ökonomischen Modelle sind im Punkt der Abwertung eigner Währung, in kurzfristiger Sicht ist richtig, aber in mittel- und langfristige Betrachtungsweise zwischen 1 bis 3 Jahren ist falsch. Das Experiment des Fed zwischen 2008 bis 2011 zeigt es, dieses Modell falsch ist. Die Exportförderung kann nur durch Wettbewerbsfähigkeit und Innovation gesichert werden, nicht durch den Währungskrieg.

  • Andres Müller sagt:

    „Banken “verkaufen” Geld, dass beim Einkauf nichts kostet.“
    In der Schweiz haben Hypokredite zentrale Bedeutung, und diese werden vom Kunden vermehrt mit langer Laufzeit abgeschlossen. Der Hypozins pro Hauseinheit ergibt für die Bank auch einen absoluten (derzeit sinkenden) Gesamtbetrag losgelöst vom gleichen Gewinn-Prozentsatz, auch wenn die Bank das Geld ohne Zins beziehen kann. Wenn das Haus zum „Billigprodukt“ wird sinkt der Gesamtbetrag der aus allen Hypozinsen hervorgeht, in absoluten Zahlen. In absoluten Zahlen müssen die Banken aber Löhne bezahlen, ein Angestellter muss mehr Häuser verkaufen als früher um denselben Gewinn zu erzielen. Zwar wird mehr gebaut, aber eben nicht genug um das auszugleichen. Deflation ist schlimmer als Inflation.

  • Andres Müller sagt:

    Eine Handels-Statistik des Grauens ?: Nein, man traut seinen Ohren nicht.
    http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Schweizer-BIP-stieg-nochmals-an–gute-Exportzahlen/story/25508751

    Trotz hohem Franken seien die Importe gesunken und die Exporte hätten noch zugenommen. Das Gastgewerbe legte noch zu. Mir erscheint das Gejammer der Exporteure um den hohen Franken durch die Statistik nicht gerechtfertigt. Es mag sein dass einige Exporteure leiden, aber andere wiederum profitieren (vor allem durch nachlassende Löhne bei jungen Angestellten). Die Importe sind nicht gestiegen, was ein Problem der Preis-Kartelle ist und nicht des hohen Frankens. Was also ist der Grund für die überzogene Aktivität in der Politik? Es ist die Finanzlobby mit sinkendem Profit, das Gewerbe dass derzeit eine Stabilisierung des Franken am Meisten herbeisehnt, damit die SNB die Zinsen erhöhen kann. Die Zinsen bestimmen die Profite aus den Krediten, und damit arbeiten die Banken neben Spekulation. Die Spekulationsgeschäfte liefen miserabel, das ist der eigentliche Grund warum die Politik plötzlich wie vom Teufel getrieben in Hektik ausbrach. Zudem will der Bundesrat davon ablenken dass er machtlos gegen die Preiskartelle ist. Im Prinzip ist es auch die Kartell -Lobby, nach denen unsere Politiker tanzen.

    • Anh Toan sagt:

      „Andres Mueller: „Die Bruttoanlageinvestitionen sanken dagegen“ steht auch im von Ihnen zitierten Link:

      Der hohe Frankenkurs fuehrt kurzfristig nicht zu einer Abnahme der Exporte. Die Produktionskapazitaeten wurden geschaffen, die Arbeitnehmer angestellt, die Liefervertraege mit den Kunden abgeschlossen, und vermutlich das Waehrungsrisiko (auf diese Liefervertraege, auf die gesamte Nutzungszeit der Produktionskapazitaet ist dies unmoeglich) abgesichert. Auch wenn die Exportunternehmen keine Gewinne machen, wird die Produktion nicht gleich eingestellt, man hofft, es wird wieder besser. Wird die Produktion eingestellt, muss ein grosser Teil der Investitionen abgeschrieben werden.

      Ganz anders jedoch ist die Sicht eines neuen Produzenten: Warum sollte dieser Produktionskapazitaeten (=Anlageinvestitionen) an einem Standort schaffen der um etwa 25% ueberteuerte Lohn- und Raumkosten hat?

      Die volkswirtschaftlichen Kosten der zu starken Frankens werden sich ab 1-3 Jahren zeigen. Jeder Investor muss sich ueberl;egen, ob es wirklich ueberwiegende Vorteile gibt, in einemLand zu investieren, dessen Waehrung die Tendenz hat, unkontrolliert aufzuwerten.

      Noch etwas: Sind die Zinsen bei 0% ist die Marge der banken unendlich. Banken „verkaufen“ Geld, dass beim Einkauf nichts kostet. Schlecht fuer Banken sind steigende Zinsen, diese wirken aehnlich wie eine steigende Heimwaehrung fuer einen Exporteur.

      Die „heiligen“ Volksrechte (mehr noch Referendum als Initiative) sind ein wesentlicher Grund, warum die Interessenverbaende (Kartelle und Andere) in der Schweiz miiels Referendumsdrohung ueberdurschnittlich viel Einfluss auf die Politik haben. Mit diesem Satz habe ich mich wohl in den Augen richtiger Schweizer als Befuerworter diktatorischer Regime nach dem Vorbild (Deutschland, USA, Frankreich etc.) geoutet.

  • Michael Schwarz sagt:

    Der Bundsrat darf nicht in der Geldpolitik einmischen. Die Unabhängigkeit der SNB muss unbedingt gewahrt werden. Ein schlechtestes Beispiel haben wir bei FED bzw. Bernanke gesehen, was passiert wenn die Zentralbank seine Abhängigkeit aufgibt, sie wird zum Spielball der Politiker.

  • bruno - walther rudolpph sagt:

    zuerst BR ausmisten leistungs-abbauer (pensions-und krankenkassen) entfernen > sesselkleber entfernen > maximale amtszeit 8 jahre > höchstalter 65 >>>> NEUWAHLEN je 2 BR für die 2 stärksten parteien (z.z. SVP un SP) je einen für die drei 2.-stärksten parteien (z.z FDP, CVP und GRÜNE) >>>> die GRÜNEN gehören in den BR ist >>> die SVP, FDP, CVP stehen für das kapital und das grossbürgertum die SP für die arbeitende bevölkerung und die GRÜNEN für unser wichtigstes gut DIE UMWELT

  • Realist sagt:

    Wäre der Euro-Kurs nicht öffentlich transparent hätte ich Zweifel ob das Ganze so dramatisch ist. Unbestritten ist es ein Problem für Exportindustrie und Tourismus. Aber es ist unannehmbar, dass das Unternehmungsrisiko nun auf die Arbeitnehmer abgewälzt wird obwohl die Auftragsbücher nach wie vor voll sind. Dass man gleichzeitig die Unternehmenssteuern senken will – im Giesskannenstil auch für alle die es nicht nötig haben – ist eine Dreistigkeit sonder gleichen.

  • Thomas sagt:

    Das beste was Bundesrat, Parlament und Parteien tun können und unbedingt auch tun sollten, ist der Nationalbank volle Unterstützung zuzusagen und Vertrauen entgegenzubringen. Damit verfügt die SNB am Markt über Glaubwürdigkeit und muss gar nicht so viel Geld in die Hand nehmen, wenn sie denn überhaupt intervenieren muss. Diese Einigkeit wurde bereits (zumindest teilweise) demonstriert und hat zusammen mit der Liquiditätsschwemme den Franken geschwächt. Weiter so, aber bitte keine Subventionen und wahltaktisches Störfeuer.

  • Hampi sagt:

    Urs sagt:
    30. August 2011 um 12:56

    Die Denken auf der Basis „Mensch 2011“. Genauso wie viele Ehekrisen mit einem Gerücht eskalieren, und andere Gerüchte wissen wollen, dass Bundesrat XY eine Sexaffäre mit der völlig obszönen und scharf aussehenden Lolita hatte, sind leider auch die Finanzmärkte nicht gefeit gegen solche „Human-Touches“! 🙂

  • Andres Müller sagt:

    Zur 30% Abwertung müsste dann aber gleichzeitig der Silberstandard (besser derzeit als Gold!) eingeführt werden, denn nur so kann verhindert werden dass es bei dieser Abwertung bleibt. Zur Erinnerung, damals in den 30ern stand in Europa Kriegsgefahr vor der Türe und der Faschismus, was den Anstieg des Franken stützte. Heute aber überlegen sich Anleger aus anderen Gründen wo sie ihr Geld parken. Eine Abwertung um 30% würde Anleger massiv verunsichern und sie würden den verbliebenen Rest aus der Schweiz abziehen. Bei gleichzeitiger Silberbindung könnte das verhindert werden. Zudem gibt es noch das Problem, diese Abwertung müsste „über Nacht“ erfolgen, weil der Hochfrequenzhandel sonst sehr schnell den Franken weit unter diese 30% drücken würde. Solche sehr schnelle Handelsplatformen gab es in den 30er noch nicht, vom Gerücht bis zur Umsetzung der Abwertung konnten Grossinvestoren nicht so schnell ihr Kapital vor der Abwertung retten. Ich würde darauf wetten, dass alleine das Gerücht einer künstlichen Abwertung den Franken im zweistelligen Prozentbereich drücken würde.

    • Hampi sagt:

      Andres Müller sagt:
      30. August 2011 um 12:31

      „Ich würde darauf wetten, dass alleine das Gerücht einer künstlichen Abwertung den Franken im zweistelligen Prozentbereich drücken würde.“

      – Da wäre ich gerne ihre Gegen-Partei! Solange die Vertrauenskrise anhält, ist das „Wishful-Thinking“. Und ihre künstliche Abwertung a la carte kann nicht funktionieren: Wie meinen sie denn das? Dass die Nationalbank morgen früh um 9.00 Uhr sagt, dass sie ab sofort 1,50 CHF zahlt für jeden Euro? Wie lange meinen sie, würde sie das sagen? Bis sie etwa 200 Miarden Euro garniert hat, oder bliebe sie stur bis 400 Mia. Euro, oder eventuell bis 500 Mia. ?

      • Urs sagt:

        Jaja, das ewige Orakel der Nationalbanken an das sich alle klammern… Gerücht ist passend, trifft auf die Finanzmärkte in ihrer Gesamtheit zu und zeigt auf welcher Basis die Denken, Entscheiden und Handeln….

        • Anh Toan sagt:

          @Urs: An den Finanzmaekten gehts um Zukunftserwartungen, logischerweise sind Tatsachen (gegenwaertiges oder vergangenes) viel weniger relevant als Geruechte. Was allgemein bekannt, ist in den Preisen beruecksichtigt, und beim Bekanntwerden bereits Vergangenheit, die niemand ausser Historiker interessiert. die Zukunft interessiert. Zur Zukunft gibts aber bestenfalls Geruechte. Auch Noah hat seine Arche im Trockenen gebaut, aus der Sicht seiner Zeitgenossen war es nur ein Geruecht, dass eine Sintflut komme.

      • Hampi sagt:

        @Andres Müller

        “Ich würde darauf wetten, dass alleine das Gerücht einer künstlichen Abwertung den Franken im zweistelligen Prozentbereich drücken würde.”

        Tja, da muss ich, nachdem was soeben geschieht, zugeben, dass sie diese Wette gewonnen hätten. Chapeau!!!

    • Anh Toan sagt:

      @Andres Mueller: Fuehrt alleine die Schweiz einen Silber oder Goldstandard ein, fuehrt dies zu untragbaren Frankenaufwertungen, wenn der Silber- oder Goldpreis steigt. Die NB haette keinerlei Einfluss auf den Aussenwert des CHF, der waere auch nicht von der schweizer Wirtschaftskraft abhaengig, sondern einzig vom Gold- oder Silberpreis. Warum ist das wuenschenswert?

      • Andres Müller sagt:

        „Warum ist das wuenschenswert?“ Weil die Schweiz so zum führenden Finanzplatz werden könnte, meine Empfehlung Silberstandard bei gleichzeitiger Abwertung des Frankens um ca. 20%. Silber Grund: Weil dieses Metall aus Polen importiert werden könnte und so gleichzeitig die Verschuldung der Polen in Schweizer Franken mit einem entsprechenden Silber-Vertrag minimieren könnte.

        http://www.snb.ch/de/mmr/reference/festschrift_summ/source

        „Ende 1924 war sie eine der ersten Notenbanken, welche zur Vorkriegsparität
        und damit de facto zum Goldstandard zurückkehrte. Während viele andere Länder in den
        20er Jahren mit instabilen Geld- und Währungsverhältnissen zu kämpfen hatten,
        entwickelte sich die Schweiz zu einer Insel der politischen und wirtschaftlichen
        Stabilität. Der Finanzplatz wurde zu einer wichtigen Finanzdrehscheibe.“

        „Die Autoren kommen zum
        Schluss, dass eine frühere Abwertung für die wirtschaftliche Entwicklung positiv gewesen
        wäre. Der schliesslich vom Bundesrat am 26. September 1936 gefasste Beschluss, den
        Franken um 30 Prozent abzuwerten, bedeutete im Falle der Schweiz keine Aufgabe der
        Konvertibilität. Die Goldbindung des Frankens galt auch während des Zweiten Weltkriegs
        als Schlüssel zur Währungsstabilität“

      • Andres Müller sagt:

        noch was vergessen bei Silber. Dieses Metall besitzt erstaunliche Eigenschaften, welche derzeit nützlich wäre für eine Geldkoppelung: Silber steigt tendenziell wenn die Weltwirtschaft brummt und sinkt eher wieder während einer Rezession. Ursache: Silber wird neuerdings in der Schlüssel-Technologie erneuerbare Energie immer mehr eingesetzt, bei einer Rezession sinkt dann der Weltverbrauch, das heisst der Franken würde dann günstiger. In den letzten Jahren ist Silber zwar stark gestiegen, was namentlich auf die Angst vor Staatsverschuldung zurückgehen dürfte (aber weniger als Gold). Nun aber zeichnet sich beim Silberpreis eher wieder ein Seitwärtsgang ab, der Antizyklisch zu Wirtschaftsaufschwung und Rezession ablaufen dürfte. Sollte die Weltwirtschaft völlig kollabieren, so würde der Franken zwar extrem ansteigen, was dann allerdings für die Schweiz überlebenswichtig wäre (noch mehr als im WKII bereits), da wir fast alle Güter des Grundbedarf importieren müssen und wir nun 7 Millionen Einwohner haben.

  • Holger Ohnmacht sagt:

    Bisher wurden die Kommentatoren in den Medien nicht müde, Vergleiche anzustellen, um zu dokumentieren, dass die SNB gegen den Markt keine Chance hat. Nun soll sie plötzlich in der Lage sein, den Franken wirksam und dauerhaft zu schwächen? (Dass sie die Mittel hat, um zu verhindern, dass der Franken zu stark bleibt, hat sich in den letzten Wochen gezeigt.) Ich zweifle immer noch, ob die Eingriffe der SNB alleine veranwortlich sind für diese massive Abwertung in den letzten Tagen. Wenn es so einfach wäre, hätte sie dies schon auf einem höheren Kursniveau getan. Der Bundesrat soll den Budgetüberschuss sparen und nicht zum Fenster hinauswerfen!

    • Urs sagt:

      Der BR soll den Budgetüberschuss gefälligst wieder an das Volk zurückgeben… anstatt noch mehr zu sparen.

      • Heinrich sagt:

        Ui Urs. Wenn man so wenig Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen hat, sollte man lieber keine argumentativen Schnellschüsse wagen.

        • Urs sagt:

          Heinrich,

          damit meinte ich natürlich nicht das der Ueberschuss verteilt wird sondern das aufgehört wird zu sparen… Liegt das näher?

          Sparen Sparen Sparen… Kürzen Kürzen Kürzen….

          Dafür aber an allen Ecken und Enden die indirekten Abgaben erhöhen. Das geht etwa mit der MWSt., den KK Prämien, den Transportkosten und vielem mehr. Alles schön verteilt so das nicht auf einer Quittung steht wieviel mehr man bezahlt… einmal kommt eine Region an die Reihe, ein anderes mal die Altersgruppe, ein anderes mal die Frauen, dann wieder die Männer, dann die Invaliden oder die Sozialhilfeempfänger, bald mal die Rentner oder die Jugendlichen, auch die Arbeitslosen kamen schon an die Reihe, gerne auch die Asylbewerber…

          Auf der anderen Seite wird gerne mal Steuergeld benutzt um Aktionäre vor mangelnden Renditen zu bewahren, oder bereits Steueroptimierten Investoren ihre Niederlassung hier schmackhaft gemacht…

          Sehen Sie, es gibt einige die erhalten wärend viele andere eigentlich nur mehr bezahlen…

          Aber dann, nicht nur hier wird das so gemacht…man könnte dies als allgemeine Usanz im Rahmen der aktuellen Form der Globalisierung bezeichnen um der globalen Wettbwerbsfähigkeiten Herr zu werden…

          Viele sind deswegen schon auf die Nase gefallen… man hat dann ganz verbindlich den IMF in’s Land geschleust… als Sparberater und Kreditverteiler.

          ….

      • bruno - walther rudolpph sagt:

        lieber urs,
        der BR spart nicht >>> er umverteilt von unten nach oben durch steuersenkung für die oberen 10 tausend und subventionen für die armen unternehmer >>>>>>>> 8-UNG im herbst sind nationale wahlen >>> wählt nur tansparente politiker / innen d.h. solche die ihre verwaltungsratsmandate und lobbyverbindungen bekannt machen oder keine innehaben >>>> dann wird es langfristig vielleicht besser
        doch leider gibt es dumme klälber >> die wählen ihre metzger selber

  • L. Schale sagt:

    Kriminell sind mindestens die Hälfte Schweizer u./od. Schweizerinnen (insbesondere u. indirekt mit dem Delikt Hehlerei!). Das Verbrechen ist international und ist nicht Gen- u./od. rassenbedingt ! 😉

  • Anh Toan sagt:

    Gegen die Auswirkungen der Frankenstaerke haette der Bundesrat die Moeglichkeit, endlich ein Kartellgesetz mit Zaehnen auszuarbeiten. Damit koennte erreicht werden, dass die Preise der importierten Gueter fallen, was zu deflationaeren Tendenzen fuehren muesste. Dann muesste die SNB viel weniger Angst vor Inflation haben, die Gefahren aus Geldmengenausweitung und Devisenmarktinterventionen wuerden deutlich reduziert. Die Vorschlaege des Schweizerischen Kartellverbandes (Economiesuisse) sind reine Interessenwahrung seiner Klientel, denn den Exporteuren hilft Steuerentlastung auf nicht vorhandene Gewinne auesserst wenig: Economiesuisse will die Kartell- oder Monopolrendite der Importteure seiner Klientel steuerbefreit zukommen lassen.

    • Thomas Ernst sagt:

      @Anh Toan:
      Völlig d’accord mit Ihrer Analyse. Man muss sich aber im Klaren sein, dass – selbst wenn der BR wirklich was bissiges machen würde – das frühestens in 2-3 Jahren auf dem Markt ankommt.

      • Anh Toan sagt:

        @Thomas Ernst: Auch ohne Berufung auf die polizeiliche Generalklausel wie beim Bankgeheimnis, koennten kurzfristg, das heisst ohne Aenderung des Kartellgesetzes, durch bessere Organisation und mehr Mittel deutliche Verbesserungen erreicht werden. Auch betreffend der Sanktionen bei Wettbewerbsverstoessen, steht einiges in der Verordnung, das sich wohl verschaerfen laesst. Auch haette lediglich die Erwartung eines schaeferen Kartellgesetz positive Auswirkungen auf bestehende Kartelle, Unternehmen denken zukunftsorientiert. das Geschaeftsmodell Kartell haette keine Zukunft mehr,

      • Thomas Ernst sagt:

        @Anh Toan:
        Ich glaube nicht an den Storch. Kartelle sind derart lukrativ, dass sich die Betroffenen mit Zähnen und Klauen wehren. Daher aus meiner Sicht der Umweg über Parlament/Öffentlichkeit. Ohne Umdenken in der Breite (vgl. z.B. Kernkraft) ist solchen Kräften nicht beizukommen.
        Gerade weil es durchaus schon heute Möglichkeiten sieht man ja von Schiff aus, dass sich die Verantwortlichen eher als Kartellschutzbehörde, denn als Kartellvermeidungsbehörde verstehen.
        Und der „Konsumentenschutz“, der ein konsumentenfeindliches Buchpreisverdoppelungsgesetz fördert, entlarvt sich auch selber.

        Nein, ich glaube nicht, dass da kurzfristig was zu holen ist.

        • Hans sagt:

          Buchpreisverdoppelungsgesetz?

          Lustig… Liberalisieren hat dann ja wohl nur positive Effekte, angefangen bei tieferen Preisen usw. zieht sch das dann konsequent nach oben und bringt nur gutes…

          Ja?

        • Andres Müller sagt:

          Trotz in der Politik gesunkener Wähleranteile hat die FDP ihren Einfluss in der Wirtschaft bewahren können. Da die Wirtschaft auch über Lobby-Arbeit SVP und CVP kontrolliert, teilweise sogar die Schweizer SP, ist diese Partei noch immer zentraler Machtfaktor in der Schweiz. Ohne Demokratisierung der Wirtschaft erscheint der Preisüberwacher als ein Advokat des Teufels der auf sich selbst angesetzt wurde. Wenn der Herr Blocher vor „fremden Fürsten“ warnt, so sei ihm gesagt, nichts ist für die Mehrheit der Schweizer Bürger fremder als die globalisierte Finanzlobby der Reichen, für die Blocher aus Angst arbeitet, um „das süsse Gift des Sozialismus“ auszutreiben.

  • Michael Schwarz sagt:

    Der Anstieg des EUR bzw. Abschwächung des Franken seit letzen Freitag, würde auf die heimliche Intervention der SNB zurück zu führen. Die Banken und Hedgefonds werden zur Zeit EUR nicht kaufen, weil die EU Schuldkrise wird in baldiger Zukunft verschlimmern wird, es ist ein Ruhe von dem Storm. Der Franken wird in kommende Monate wieder seine Starke zugewinnen, deshalb ist es wichtig für die SNB, die permanente Kurspflege zu betreiben, ohne den Markt zu stark aus dem Gleichgewicht zu werfen. Der stärkere Anstieg des EUR in letzten paar Tagen ist nicht die richtige Vorgehensweise. Die SNB darf gleichzeitig die Stabilität im Devisenmarkt nicht gefährden. Der Franken muss mittel- und langfristig abschwächen, das sollte das Ziel der SNB sein.

    • Ich glaube eher, dass am letzten Freitag (Zahltag) viele Euro’s gegen Franken getauscht, deshalb stiegt der Kurs sicherlich an „Nachfrage“ und jetzt pendelt er und mitte Monat sinkt der Kurs wieder, ausser die SNB interveniert

      • Michael Schwarz sagt:

        @Trächsel Dani:

        Ob in letzten paar Tagen die SNB in Devisenmarkt interveniert hat, wurde nicht in den Medien kommentiert. Ich kann nur vermuten, dass die SNB im Devisenmarkt aktiv war, was die weitere und baldige Intervention nicht ausgeschlossen ist.

  • Mars Solm sagt:

    Nun gehen die Börsen seit Tagen wieder Hoch. Ist es nun nicht an der Zeit das die PK’s verkünden das man wieder im Lot ist? Desweiteren erwarte ich falls es noch 10 Tage weiter hoch geht die zukünftigen Renten erhöht werden. Ich will nicht nur von negativem hören sondern auch vom Positiven seitens der PK’s. Denken die Langfristig oder …?

    • Urs sagt:

      Das PK System.

      Das wohl umfassendste Zwangssparsystem mit Zwangsbeteiligung an den Kapitalmärkten wobei dank der bürgerlichen Mehrheiten die gesamte Rendite welche über den Mindestzinssätzen liegt nach wie vor bei den Privatrechtlich registrierten PK Verwaltern bleiben darf… in der Regel eine Handvoll grosser Versicherungen mit ihren Tochtergesellschaften… geht die eigene PK den Bach runter wird dann gerne mal darauf verwiesen das man ja vorher informiert wurde…

      Sinkt die gesetzliche Rendite stehen die gleichen PK Verwalter sofort beim BR und lassen sich die Anforderungen mittels dem Umwandlungssatz schön rechnen wobei dies natürlich nur auf eine Rentenkürzung hinausläuft… eine ähnliche Raubsystematik ist das frühere einbehalten der Arbeitgeberbeiträge beim Stellenwechsel oder die Einstufung des Angesparten Kapitals in das ausserobligatorische mit Tiefstverzinsung, etwa nach der Scheidung…

      Wärend der ganze Zeit des Einzahlens aber liegt das Anlagerisiko zu beinahe 100% beim Einzahler, also den Arbeitnehmern.

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