Trumps wahre China-Politik

US-Präsident Donald Trump geht es im Handelskrieg mit China bloss um seine eigene Position. Und nicht um einen fairen Aussenhandel.

Da schien der Handelskrieg beigelegt: Trump und Xi Jinping am G20-Gipfel in Japan 2019. Foto: Keystone

Seit der Corona-Krise ist der Handelskrieg in den Hintergrund gerückt. Doch seine Ursachen sind nicht behoben. Im Gegenteil: Gerade wegen der Krise verschärfen sie sich weiter. Angesichts einer schwachen Nachfrage im Inland sind alle Länder daran interessiert, diese mit Exportüberschüssen auszugleichen. Umgekehrt schätzt es kein Land, wenn durch Überschüsse aus dem Ausland die Nachfrage nach eigenen Gütern noch zusätzlich verdrängt wird und der Druck auf die Arbeitsmärkte weiter steigt.

Es waren schon seit längerem vor allem die USA, die sich angesichts anhaltender Aussenhandelsdefizite benachteiligt sehen – und das gilt nicht nur für Donald Trump und seine Anhängerschaft. In seinem eben veröffentlichten Buch «The Room Where It Happened» zeichnet der Ex-Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, jetzt ein vernichtendes Bild zum konkreten Vorgehen Trumps.

Boltons Bericht hat Gewicht, weil er zum einen Zeuge der Auseinandersetzungen war und weil er als aussenpolitischer Hardliner der Republikaner nicht zu den üblichen Kritikern des US-Präsidenten zählt.

Sein vernichtender Bericht hat Gewicht: John Bolton, ehemaliger Berater von Donald Trump. Foto: Getty Images

Wie Bolton schreibt, ging es Donald Trump alleine um seine eigene Position und nicht um einen fairen Aussenhandel oder den Vorteil seines Landes. Das deckt sich mit Berichten und ökonomischen Analysen, die zeigen, dass Trumps Strafzölle nichts an den fundamentalen Verzerrungen im Welthandel ändern und US-Firmen schaden. In Bezug auf China interessierten Trump laut Bolton zudem weder die Menschenrechte und schon gar nicht undemokratische Strukturen. Er wollte den chinesischen Staatschef Xi Jinping im Juni 2018 sogar dazu bewegen, ihn bei den Wahlen zu unterstützen: Die Chinesen sollten massive Käufe von US-Landwirtschaftsgütern tätigen, um Trumps Basis unter den Farmern zu stärken. Solche Käufe sind denn auch im ersten Abkommen zwischen den USA und China enthalten, obwohl sie an den Handelsungleichgewichten nicht das Geringste ändern.

Zum massenhaften Wegsperren von Uiguren habe Trump Xi Jinping sogar ermutigt, berichtet Bolton. Und der US-Präsident sei erfreut gewesen, als Chinas Staatschef Xi Jinping gewünscht habe, dass er über seine beschränkten Amtszeiten hinaus an der Macht bleibe.

Zumindest gemäss jüngsten Umfragen dürfte Trumps Zeit in den USA allerdings bald enden. Die Spannungen im Aussenhandel werden seine Präsidentschaft überleben. Hoffentlich wird die Auseinandersetzung dazu dann rationaler geführt.

11 Kommentare zu «Trumps wahre China-Politik»

  • Rolf Zach sagt:

    Was macht die Welt mit der chinesischen Überproduktion an Stahl von der billigeren Sorte, die China und damit die Welt verpestet? Die nur produziert werden kann, indem man wenig in den Umweltschutz investiert und die chinesischen Löhne niedrig hält oder sich mit der inländischen Zwangsarbeit behilft, die viel grösser ist als viele China-Enthusiasten in der Schweiz wahrhaben wollen. Warum will China nicht kanadisches, isländisches und neuseeländisches Roh-Aluminium kaufen, dass wegen seiner Wasserkraft das kostengünstigste der Welt ist? Immerhin hat Japan seine Roh-Aluminium-Produktion eingestellt.

    • Rolf Zach sagt:

      Das allerwichtigste ist aber die Nichtbeachtung der Chinesen in ihrem Außenhandel bezüglich des Gesetzes der komparativen Kosten nach Ricardo.
      Nehmen wir das Beispiel von Süd-Korea. Süd-Korea hat weder genügend Kohle noch Eisenerz. Aber seine Stahlproduktion ist eine der effizientesten und qualitativ besten der Welt und wird in ihrer Wertschöpfung (Schiffsbau) weiter verwendet. Die Reeder aus Europa wissen wohl schon, weil sie ihre Schiffe in Südkorea kaufen und nicht in den Werften von Schanghai.
      Der grösste Vorteil für die westlichen Demokratien im Verhalten der Chinesen bezüglich ihres Außenhandels ist die Einschränkung der Inflation in der €-Zone und Nordamerika mit dem weltweiten US$ Standard trotz expansiver Notenbank-Politik durch EZB und noch mehr der FED.

  • Claire sagt:

    Na ja das Handelsbilanzdefizit der USA vs China ist doch etwas geschrumpft im Vergleich zu den Vorjahren, was tw. sicher auch coronabedingt ist.

    https://www.census.gov/foreign-trade/balance/c5700.html
    .
    Wer glaubt, dass es Trump jemals um einen „fairen Aussenhandel“ ging, der hat einfach Trump vermutlich nie verstanden, denn bei dem geht es immer nur um eines: um Trump selber!

    • Rolf Zach sagt:

      Unabhängig davon, was T. unternimmt, gibt es die objektiven Gegebenheiten der China-USA Beziehungen. Gegenwärtig ist der Leistungsbilanz-Überschuss im Verhältnis zum GDP von China auf 1% reduziert. Die Euro-Zone hat 2,7, Schweiz 10,2, Süd-Korea 3,7, Japan 3,5. Ich vermute stark, dass viele Export-Kapazitäten von China kaum Profit erwirtschaften, interessant sind sie nur, weil damit US$ ins Land geholt werden, der Yuan ist international nutzlos. Die chinesische Alu-Produktion ist von der Kosten-Seite her ein Witz und das gleiche gilt für vieles von ihrer Stahl-Produktion. Natürlich sind sie stark in der Elektronik, aber die verändert sich schnell und China ist bekannt für Patent-Verletzungen. Ist die chinesische Grundlagen-Forschung gut?

      • Rolf Zach sagt:

        Nobelpreise holen sich immer noch in der Mehrheit Amerikaner und Europäer, was die Chinesen gewaltig ärgert (auch Japan und Südkorea) und es scheint vorläufig so zu bleiben.
        Nach den Pisa-Studien müssen ja alle zukünftigen herausragenden Wissenschafter alle von Schanghai, Singapur, Südkorea und Japan kommen. Bei Südkorea und Japan glaube ich dies eher, als bei China und Singapur, die Spezialisten sind in der Unterdrückung der Individualität. Wo ist China auf der Korruptionsliste? Mit 41 Punkten auf dem 80 Rang mit den üblichen Verdächtigen (die Türkei 39 Punkte, Vietnam 37 Punkte). Vergessen wir nicht die chinesische Machtelite braucht ein Handelsbilanz-Überschuss, mit Yuan kann man sich keine Villa in Vancouver kaufen für die sicheren Tage im Alter.

  • Wolfgang Renz sagt:

    Dass Trump’s Regentschaft bald enden wird ist vermutlich reines Wunschdenken der Europäer. Der Wunsch ist so zu sagen die Mutter des Gedankens. Sollte aber Trump wieder gewählt werden wird Xi JingPing bald wieder sein bester Freund werden. Deshalb wünschen sich die Chinesen, dass Trump wieder gewählt wird. Nach dem Motto: besser den Teufel den man kennt als einen unbekannten. Die Chinaphobe US Politik wird mit einem anderen Präsidenten nämlich nicht ändern

    • Rolf Zach sagt:

      Ob T. wieder gewählt wird oder nicht, hängt weniger von seiner Außenpolitik ab, als ob seine Wähler ihn als Spalter oder Versöhner der Nation betrachten. T. hat in Wisconsin, Michigan, Pennsylvania und Florida sehr knapp gewonnen. Es muss diese Staaten wiedergewinnen und dort leiden die Leute heute unter der nachlassenden Konjunktur und der fehlenden Gesundheitsfürsorge, die existenziell bedrohlich ist.
      Auch ein Präsident Biden wird Maßnahmen ergreifen, um das Handelsbilanz-Defizit gegenüber China einzudämmen. Das Problem für China sind die US-Fertigwaren und da besonders die Investitionsgüter. China kauft diese lieber in Europa, deshalb wird die Euro-Zone in naher Zukunft ein Überschuss gegenüber China ausweisen trotz ihrer Massenproduktion an Elektronik und Solar-Modulen.

      • Rolf Zach sagt:

        Was den USA wirklich nützt, ist der Ausbau der NAFTA und der Ersatz chinesischer und auch vietnamesischer Textil-Importe durch solche aus Mexiko. Mexiko wird auch immer mehr aus den USA benötigen als China. China braucht nur unbedingt die Einfuhr von Agrar-Erzeugnissen aus den USA und ob dies T. besonders fördert oder nicht, ist für China ohne Belang. Für China als Diktatur ist ein Handelskrieg mit den USA nicht zu empfehlen, aber als Demokratie wie Taiwan könnte es diesen gelassener ertragen und dies wissen die intelligenteren der „China über alles“ kommunistischen Funktionäre. Wenn
        im Außenhandel der Grundsatz gilt „Trade Wars are Class Wars“ gilt, dann ist dies für China mehr
        in Kilometer an Distanz gegenüber der €-Zone, wo die Differenz sich nur in Metern wahrnehmbar ist.

  • Daniel Huber sagt:

    Zwei Absätze aus einer Zusammenfassung von Boltons Aussage, der Rest Einführung. Ich bin nach dieser Analyse nicht schlauer als zuvor.

  • Emanuel Dettwiler sagt:

    Lieber Herr Diem
    Ich hätte mir mehr Analyse gewünscht. Bolton allein ist mir trotz allem zu wenig glaubwürdig. Wenn Sie aber Ihren Artikel mit Wirtschaftsfakten unterlegen würden, könnte ich mir ein differenzierteres Bild machen. Sie sind ja der Spezialist.

  • Anh Toàn sagt:

    Ach komm Linus, lass mal wieder einen ab, wie toll der Donnie ist, dass der nur ausmisten tut den Stall gegen die intellektuellen Idioten der Eliten, und was der schon alles umgesetzt hat zum Nutzen der Vollidioten.

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