Die Ökonomie der Pandemie

Den Ökonomen fehlen Erfahrungswerte, um Prognosen für die weitere Entwicklung der Krise zu machen. Auch sonst verhält sich gegenwärtig vieles anders als in den Wirtschafts-Lehrbüchern.

Auch hier ist wirtschaftliches Handeln verboten: Ein Mann mit Kinderwagen vor der geschlossenen Ikea-Filiale in Pratteln. Foto: Keystone

Taugt der Instrumentenkasten der Ökonomen, um die Pandemie zu verstehen? Obwohl die Krise einmalig ist, lassen sich die ökonomischen Effekte mit dem gängigen Instrumentarium der Ökonomen verstehen. Noch schwieriger als sonst ist es allerdings, Prognosen für die weitere Entwicklung zu machen, denn es fehlen Erfahrungswerte, und alles hängt vom Verlauf der Pandemie ab.

Anders als im Fall gewöhnlicher Rezessionen geht ein wirtschaftlicher Einbruch jetzt nicht von einer einbrechenden Nachfrage aus – etwa weil weniger konsumiert, investiert oder exportiert wird. Die drohende wirtschaftliche Krise wurde jetzt per Dekret der Behörden ausgelöst: Wirtschaftliches Handeln wurde verboten, Unternehmen dürfen nicht mehr tätig sein. Das geschieht kurzfristig aus gutem Grund: So soll die Ausbreitung des Virus vermindert werden.

Die Ökonomen und ihre Lehrbücher erfassen diese Einschränkungen unter dem Begriff eines sinkenden Gesamtangebots. Für sich genommen führt das auf gesamt wirtschaftlicher Ebene zu einem einbrechenden Output. Als weitere Folge drohte eine steigende Inflation, wenn die gesamte Nachfrage nach Konsumgütern, Investitionen und Exporten unverändert bliebe.

Der Output droht stärker einzubrechen als in einer gewöhnlichen Rezession.

Das ist aber nicht der Fall: Auch die Nachfrage bricht als Folge der verordneten Einschränkungen ein. Das betrifft vor allem den Dienstleistungssektor. Denn die Leute sollen ja möglichst zu Hause bleiben. Die Gesamtnachfrage sinkt deshalb vorerst sogar stärker als das Gesamtangebot, deshalb entsteht nicht nur kein Preisdruck, er sinkt sogar. Die Ökonomen erwarten daher für die nächste Zeit eine sinkende Teuerung. Wie in einer gewöhnlichen Rezession sinkt der Output aber auch wegen der sinkenden Gesamtnachfrage. Da sowohl die Gesamtnachfrage als auch das Gesamtangebot zurückgehen, droht der Output stärker einzubrechen als in einer gewöhnlichen Rezession, und es droht ein grösserer Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Dieser Rückgang soll durch die Geldpolitik der Notenbanken oder die Fiskalpolitik mit Staatsgeldern nicht wie üblich mit einer Befeuerung der Nachfrage bekämpft werden. Das wäre wegen des Virus unerwünscht. Der Zweck der Fiskalpolitik liegt darin, die Firmen vor Konkursen zu bewahren und so den Produktionsapparat (das Gesamtangebot) zu retten, während die Geldpolitik das Finanzsystem stützen soll. Es geht jetzt darum, einen nachhaltigen Schaden über die Krise hinaus zu verhindern.

Zur Verdeutlichung obiger Ausführungen drei stark vereinfachende Grafiken im Stil einführender Lehrbücher:

1. «Gewöhnliche» Rezession

2. Corona-Situation kurzfristig

3. Corona-Situation langfristig

Grafiken: Markus Diem Meier

41 Kommentare zu «Die Ökonomie der Pandemie»

  • Hans Gubelmann sagt:

    Diese Rezession kann aber sehr schnell auch in eine grosse Depression übergehen. Dies wird dann der Fall sein, wenn eine zweite noch grössere Welle im Herbst kommt oder wenn der Virus im Winter mutiert und sich verschlimmert. Dann würde dieser Lockdown alles noch länger lahmlegen und es würden noch mehr Arbeitslose generiert was zu noch mehr Konkursen führen könnte. Der schlimmste Fall wäre ein Übergreifen auf das Bankensystem, aufgrund einer grossen Pleitewelle und einer Liquiditätskrise. Die Nationalbanken versuchen dies natürlich zu verhindern. Dies gelingt im Moment. Was aber bei einer Depression noch kommt bleibt ungewiss!
    vgl. https://www.project-syndicate.org/commentary/coronavirus-greater-great-depression-by-nouriel-roubini-2020-03/german
    und
    http://anwalt-schkg.attorney

  • Linus Huber sagt:

    Die hohe Abhängigkeit aufgrund fehlender eigener Mittel eines hohen
    Anteils der Bevölkerung dürfte kein Zufall sein, sondern das Resultat einer entsprechenden Politik. Dass die Gesellschaft vom Individuum bis hin zum weltumspannenden Konglomerat offensichtlich mit einer derart dünnen Schicht an Risikokapital operiert, dass der Staat (inkl. Zentralbanken) bei unvorhergesehenen Ereignissen in diesem massiven Ausmass Hilfe zu leisten hat, wurde über die letzten Jahrzehnte antrainiert.

    Zentralplanerische Elemente führen unweigerlich zu weiteren, bis das System kollabiert. Wir dürften Zeugen des Ausgangs dieses Experimentes werden, welches durch die Förderung von Konsum Wachstum zu erzeugen suchte und die dabei erzeugten Ungleichgewichte (Schulden) als irrelevant ignorierte.

    • Anh Toàn sagt:

      „Die hohe Abhängigkeit aufgrund fehlender eigener Mittel eines hohen
      Anteils der Bevölkerung dürfte kein Zufall sein,..“

      Ja gerade in den USA ist das Absicht, die Arbeitnehmer bekommen wenig (ausser 1% Topmanager), das ist kein Zufall, so bleibt mehr fürs Kapital, die Reichen: das beklatschen Sie regelmässig!

      Aber ähm, wollen Sie uns sagen, der Geldgott hätt uns das Virus geschickt um uns zu Bestrafen für unsere Völlerei?

      Und wenn genau? Und warum die USA mit am wenigstens Staatsanteil, wo doch eigentlich am frömmsten mit dem Geld umgegangen wird, noch Freiheit ist fürs Kapital, wird am härtesten getroffen? Die Wege des Geldgottes sind unergründlich, auch Huber wandelt im dunklen Tal.

      Also ohne Schulden kein Covid-19, nämlig!

      Werden Sie Pfaffe!

      • Anh Toàn sagt:

        Hätten wir jetzt ganz viel Gold statt Schulden, könnten wir jetzt mit dem Gold das Virus tot hauen oder so…

        Aber Schulden sind eben, ganz anders als Gold, nutzlos. Darum, sind Schulden auch böse und Gold bunkern für die Not soll der Staat und Alle überhaupt: Wenn dann Not kommt, gibt’s immerhin noch genügend Gold, dann bleibt man wenigstens reich.

        • Linus Huber sagt:

          Offensichtlich können Sie zwischen Ursache und Anlass nicht unterscheiden.

          Wenn das System an gelegentliche Bereinigungen von Ungleichgewichten gewohnt wäre, würden die Eigenkapitalquoten und anderes Risikokapital bedeutend höher liegen und damit die heutige Krise bedeutend besser verkraftet.

          In 2008/09 wurde das Verhalten der Banken in der Verfolgung hoher Eigenkapitalrenditen und damit tiefer Eigenkapitalquoten nicht korrigierte (bestrafte), womit sich in der Folge viele Unternehmen gleichartig verhielten und ihre eigenes Eigenkapital durch Aktienrückkäufe ebenfalls reduzierten. Es handelt sich um ein typisches Beispiel, wie schlechte Anreize zu schlechtem Verhalten führen.

          • Anh Toàn sagt:

            Hat Ihr Vater Sie oft gehauen?

          • Anh Toàn sagt:

            So mit „bestrafen“ und so: Ich habe noch keinen gehört, der gesagt hat, er sei nie gehauen worden und das hätte ihm geschadet.

          • Linus Huber sagt:

            Wenn die Privatisierung von Profiten und Sozialisierung von Verlusten unerwünscht sein sollen, müssen die Regeln dies spiegeln. Grossartig wurde das TBTF-Problem und die dünne Kapitaldecke der Banken diskutiert, aber die Politik war offensichtlich unfähig (Gratulation an die gute Lobby-Arbeit der Banken und Grossunternehmen) in der Folge entsprechende Regeln einzuführen.

            Für die Gesellschaft schädliches Verhalten muss geahndet werden, ansonsten wie in diesem Falle dieses Verhalten Schule macht und eben zu mehr davon führt.

          • Anh Toàn sagt:

            Aber der Donnie, für den Sie doch so fanen, der ist doch in der Politik, ein hohes Tier ist der da: Ist der also offensichtlich unfähig?

          • Linus Huber sagt:

            Führt das TDS (Trump-Derangement-Syndrom) auch zu physischen Schmerzen?

          • Anh Toàn sagt:

            Also wenn man kritisiert, es gäbe zu viele Schulden wegen den unfähigen Politikern ist man schlau wie Sie, der Oberchecker des Offensichtlichen was die ganzen Trottel halt nicht sehen.

            Aber wenn man sagt, Trump mache ganz viele Schulden, dann leidet man an TDS.

          • Anh Toàn sagt:

            „…die Politik war offensichtlich unfähig (Gratulation an die gute Lobby-Arbeit der Banken und Grossunternehmen) in der Folge entsprechende Regeln einzuführen. “

            Der Obama und der Geitner, diese Kommunisten, haben Regeln eingeführt, der Trump hat die Banken zum Glück wieder befreit. Er hat die Ölindustrie und die Kohleindustrie von Umweltschutzvorschriften befreit. Er hat alle die Regeln, welche unfähige Politiker machten, um zu verhindern, dass das Risiko auf die Allgemeinheit abgewälzt wird, abgeschafft.

            Aber das ist nicht schlimm, schlimm ist, dass er die US Demokratie abgeschafft hat, die Reps haben ihm bestätigt, über dem Gesetz der Verfassung zu stehen, L’Etat c’est Donnie!

            Und die angeblichen Demokratieverteidiger klatschen dazu.

          • Linus Huber sagt:

            Ob die USA oder Europa gestärkter aus der Krise hervorgehen wird, werden wir sehen. Die einen sehen die historisch tiefen Arbeitslosenraten (vor der Krise), die anderen sehen einzig die von den Medien vorangetriebene negative Sichtweise.

            Es steht jedem frei, seinen Fokus selbst zu bestimmen.

    • Anh Toàn sagt:

      „Dass die Gesellschaft vom Individuum bis hin zum weltumspannenden Konglomerat offensichtlich mit einer derart dünnen Schicht an Risikokapital operiert…“

      In welcher Form kann eine Gesellschaft (Risiko-)Kapital haben?

      In Grundstücken, In vollen Lagerhäusern (inkl Banktresoren voller Gold für Sie) und sonst gar nichts ausser Guthaben, also Schulden anderer Gesellschaften (Devisenreserven). Alle anderen Kapitalien sind Schulden eines Anderen dieser Gesellschaft, inkl. Geld, ob in Noten oder als Sichtguthaben.

      Keine Gesellschaft kann mehr Risikokapital haben: Die Lagerhäuser sind voll, die für Öl quillen bald über, Die Grundstücke sind auch noch da, was hätten wir mehr sparen sollen?

      Worin hätte mehr Risikokapital für die ganze Gesellschaft bestehen können?

      • Anh Toàn sagt:

        Was ist der Unterscheid zwischen Risiko und anderem Kapital, aus gesellschaftlicher Sicht?

        Was ist Kapital?

        Unser Alterskapital in den PK ist zu einem wesentlichen Teil das Risikokapital der Unternehmen, die nennen das Eigenkapital, es gehört doch aber uns?

        Meinen Sie dies, wenn sie vom Abtreten des Risikos auf die Allgemeinheit reden?

      • Josef Marti sagt:

        Die von früher noch bekannten steuerprivilegierten Arbeitsbeschaffungsreserven wurden tatsächlich extrem selten genutzt. Dies deshalb weil sie in cash auf ein Sperrkonto gezahlt werden mussten und nicht bloss auf dem Bilanzpapier notiert werden konnten, somit konnte auch entsprechend weniger im Betrieb reinvestiert oder als Dividende geschüttet werden. Das sind dieselben Aktionäre die immer wieder behaupten dass sie Firmengewinne im Betrieb reinvestieren, die schaffen es tatsächlich einen Firmengewinn gleichzeitig zu reinvestieren und als Dividende zu beziehen.

    • Anh Toàn sagt:

      „Wir dürften Zeugen des Ausgangs dieses Experimentes werden, welches durch die Förderung von Konsum Wachstum zu erzeugen suchte und die dabei erzeugten Ungleichgewichte (Schulden) als irrelevant ignorierte.“

      Ja gell, hätten wir die Keller gefüllt mit dem Klopapier (Investition = Sparen = gut) , statt uns den Hintern abzuwischen (Konsum), hätten wir jetzt Klopapier im Keller und könnten uns jetzt immerhin den Hintern wischen.

  • Rolf Zach sagt:

    War die Weltwirtschaft vor Corona robust und gesund? Waren keine Zeichen vorhanden, dass die Kreditwirtschaft, angeführt von den Banken, sehr windige Ausleihungen herausgegeben haben, die weder dem Güterumlauf einer Volkswirtschaft dienten, noch für berechenbare Investitionen gedacht waren. Täusche ich mich oder basiert dies auf realen Faktoren, denn meiner Ansicht hat die USA mit ihrer allein selig machenden weltweiten Reservewährung eine gigantische Blase der Spekulation aufgeschichtet, wo bei die ganze Weltwirtschaft zur Geisel wird. Im Gegensatz zu China mit seiner riesigen Binnenwirtschaft hat dieses Land keine Reservewährung. Blasen in China wirken sich nur indirekt auf Weltwirtschaft aus. Wer € kauft, stabilisiert auch den $ und das £ oder interveniert direkt in diese beiden!

  • Max Bader sagt:

    Das Schuldenmachen der Staaten und die Gelder der Zentralbanken befeuern die Nachfrage, welche aber gar nicht vom Angebot befriedigt werden kann. Die jetzt nicht erbrachten Dienstleistungen können gar nicht mehr nachgeholt werden.
    Die Preise werden dadurch noch mehr steigen. Das Zinsniveau müsste dann auch erhöht werden. Ich rechne deswegen mit Stagflation mindestens mittelfristig oder noch länger.
    Die Krise wäre trotzdem meisterbar, wenn es die vorherige Tiefzinspolitik und die Eurokrise nicht gegeben hätte. Asien und Amerika werden sich sicher einfacher erholen.

  • Josef Marti sagt:

    Wozu soll das Finanzsystem durch die Geldpolitik gestützt werden? Für die Notkredite bürgt ja der Steuerzahler, die Banken haben praktisch kein Risiko. Und für die Kreditrisiken generell ist nicht die Notenbank zuständig, diese greift nur bei einer Liquiditätsklemme ein, eine Insolvenzhilfe (bei Überschuldung einer Bank) ist im Prinzip verboten resp. kommt nur wie damals UBS für TBTF Institute in Frage. Gegenwärtig wird mit der Geldpolitik nicht das Finanzsystem gestützt sondern die Exportwirtschaft.

  • Boris Laplace sagt:

    Was natürlich nicht erwähnt wird, ist die gigantische Umverteilung von unten nach oben, die zurzeit stattfindet. Das ist zwar selbstredend auch sonst kein Thema in den WW-Lehrbüchern, da ideologisch so gewollt. Doch nun wird sie sogar etatistisch (!) vorgeschriebenen: Die KMUs dürfen per Dekret zwar nichts mehr einnehmen, aber selbstverständlich für alle weiterhin anfallenden Kosten geradestehen. Für das entstehende Defizit dürfen sich die KMUs dann netterweise noch bei ihrer Bank in Schuldknechtschaft begeben. Wirtschaftl. Handeln wird vom Staat also offenkundig nur einseitig jenen verboten, die eh schon am Limit leben, während Kapitaleigner natürlich über ganz andere Mittel und Wege verfügen, um die Krise überstehen und aus ihr sogar in einer gestärkten Position hervorgehen zu können.

    • Anh Toàn sagt:

      Genau, so vile halten es für selbstverständlich, dass Coiffeure die Miete weiter zahlen, obwohl sie vom Vermieter kein zum vorausgesetzten Gebrach taugliches Lokal erhalten haben. Überall wo die Berufsausübung verboten wurde, und die Tätigkeit darin vorgeschrieben, insbesondere bei Pacht von Restaurants, erscheint mir offensichtlich, dass keine Miete geschuldet ist.

      Aber das Kapital und seine Rendite muss gerettet werden. Man rettet Arbeitsplätze mit Kurzarbeitsentschädigung, statt Menschen mit Grundeinkommen. Die Kleinunternehmer sollen sich verschulden, der Bund garantiert, den Vermietern und Banken, dem Kapital seine Rendite: Sonst wäre ja Sozialismus, Gott bewahr‘

      • Boris Laplace sagt:

        Schon eigenartig: In einer Demokratie bestimmt doch die Mehrheit, was Sache ist. Wie kommt’s, dass nun unser Banken-Ueli, dessen Partei sich als die Schweizerische Volks-Partei bezeichnet, eine Politik für die oberen 10% macht und unterstützt (Zitat: „Die Banken sind ja nicht Pestalozzi“), für welche die restlichen 90% zu zahlen haben? – Und die Mehrheit scheint sich nicht einmal gross daran zu stören?

        • Anh Toàn sagt:

          Die Mehrheit glaubt die Mär, sie sei das Kapital, dabei und will nicht sehen, das der grösste Teil des Kapitals einer kleinen Minderheit gehört, während die grosse Mehrheit der Menschen, nur einen winzigen Teil des Kapitals hat.

          Die Mehrheit im Volk ist doof: Wer es nicht glaubt, sehe sich das Fernsehprogramm an, das ist für die Mehrheit gemacht: Gut RTL2 dafür, dass sich die Dümmsten noch schlau fühlen können, aber bei Arte fühlt sich die grosse Mehrheit dumm, und darum guckt es kaum jemand.

          • Boris Laplace sagt:

            In Wahrheit gehört es wohl zur irrationalen Planmässigkeit dieser Gesellschaft, dass sie ausschliesslich das Leben ihrer Getreuen einigermassen reproduziert: Die Stufenleiter des Lebensstandards entsprach ja bisher proportional zur verfügbaren Intelligenz interessanterweise recht genau der inneren Verbundenheit der Schichten und Individuen mit dem System. Nur durch diese Abhängigkeit kann es den Einzelnen in Gegensätzlichkeit zu sich selber bringen, weil in ihr seit je her die Brüchigkeit der Gesellschaft sich reproduziert, welche wiederum das System perpetuiert.

          • Zufferey Marcel sagt:

            Ganz richtige Ausführungen. Die wenigsten Menschen wissen, wie die Besitzverhältnisse beim Faktor Kapital derzeit aussehen. Donald Trump- und eine ganze Reihe weiterer Milliardäre- sähen es derzeit gerne, wenn die Amerikaner baldmöglichst wieder zur Arbeit zurückkehren würden. Wie Robert Reich, ehem. Arbeitsminister unter Bill Clinton, in seinem Blog ausführt, gehört das Kapital in den USA eh‘ nur noch einem ganz kleinen Teil der Gesellschaft:

            „Das reichste eine Prozent der Bevölkerung besitzt etwa die Hälfte des Wertes aller Aktien. Die reichsten 10 Prozent besitzen mehr als 80%.“

            Konkret: Die erwerbstätige Bevölkerung soll also gefälligst ihr Leben für die Aktienportofolios der Reichsten riskieren!

            Quelle: „Public Health First“, robertreich.org, 30/3/2020

          • Anh Toàn sagt:

            Ich war etwas unpräzis, und darum zu böse bei der Formulierung meines Gedankens:

            Die Mehrheit glaubt nicht wirklich, sie sei das Kapital, sie vertritt dessen Interessen, weil sie davon träumt, mal reich zu sein. Und wenn die Interessen der Reichen nicht geschützt werden, wie könnte die Mitte ohne diesen Traum weiter leben?

            Darum glaube ich, vertritt die Mehrheit, die Mitte, die doch eigentlich in erster Linie von Erwerbseinkommen lebt, bzw. aus in erster Linie Erwerbseinkommen finanzierten Renten, und selbst wenn etwas wohlhabend, die Kapitalerträge vielleicht 20 Prozent des Einkommens ausmachen, die Interessen des Kapitals und damit der Reichen.

      • Röschu sagt:

        @Anh Toan
        Ihre Theorie scheitert an diversen falschen Grundannahmen.
        Beispiele:
        „…obwohl sie vom Vermieter kein zum vorausgesetzten Gebrach taugliches Lokal erhalten haben“
        – Das zur Verfügung gestellte Lokal hat sich im Vergleich zu vor-Corona nicht verändert, ist somit grundsätzlich immer noch tauglich.
        – Es ist nicht der Vermieter, der entschieden hat, dass das Lokal nicht mehr genutzt werden darf.

        • Josef Marti sagt:

          Nein, wenn der Staat die Nutzung verbietet ist der bestimmungsgemässe Gebrauch verunmöglicht und das Mietobjekt wertlos da es keinen Ertrag abwirft.
          Alles was keinen Ertrag abwirft ist wertlos, niemand kauft eine volle Brieftasche.

          • Röschu sagt:

            Wenn der Staat die Nutzung verbietet, ist weder Mieter noch Vermieter Schuld. Weshalb nun der Vermieter gegenüber dem Mieter benachteiligt werden soll, erschliesst sich mir daher nicht.
            .
            Der Mieter – der übrigens ebenfalls keinerlei Leistung erbringt (bzw. erbringen darf) – kann mit einem einfachen Antrag seinen Verdienstausfall beim Staat geltend machen. Aus den erhaltenen Mitteln sind u.a. die fällige Miete zu bezahlen, womit letztlich Mieter UND Vermieter vom Staat befriedigt werden.

          • Anh Toàn sagt:

            @Röschu „Wenn der Staat die Nutzung verbietet, ist weder Mieter noch Vermieter Schuld. “

            Wäre der Vermieter schuld, dass der Coiffeur sein Geschäft nicht betreiben kann, z.B. weil er Unterhaltsarbeiten so lange verschoben hat, bis die Behörden die Nutzung verschieben, schuldet er dem Mieter auch noch Schadensersatz, also dem Coiffeur faktisch den Umsatz ./. Materialverbrauch.

            Da jetzt der Vermieter nichts dafür kann, schuldet er keinen Schadenersatz. Aber die Miet-/Pachtzinszahlung wurde Zug um Zug gegen zur Verfügung stellen versprochen, liefert der Vermieter nicht, unverschuldet, muss der Mieter nicht zahlen.

            Wen Sie etwas kaufen auf Ricardo, und es wird dem Verkäufer gestohlen vor Abwicklung, kann der Verkäufer nichts dazu nicht liefern zu können, zahlen Sie dann dennoch?

          • Anh Toàn sagt:

            Es geht juristisch um die Frage der Folgen unverschuldeter Nichterfüllung bei zweiseitigen Verträgen. Der Prof Higi und ich sind uns einig, wenn der Vermieter unverschuldet nicht erfüllt hat, ist keine Miete geschuldet, das steht sowohl im Mietrecht wie im allgemeinen Teil des OR (Im Arbeitsrecht steht etwas anderes: ist der Arbeitnehmer, z.B. wegen Krankheit unverschuldet nicht in der Lage, seine versprochene Leistung zu erbringen, schuldet ihm der Arbeitgeber dennoch Lohn, für eine recht kurze Zeit, ist eben gegen das Prinzip).

            Prof Higi argumentiert, der Vermieter hätte erfüllt, ich sage nein, hat er nicht, bzw. bei Restaurants teilweise: E hängt auch davon ab, was vermietet wurde, Gewerberäume oder Räume für einen Coiffeursalon.

          • Anh Toàn sagt:

            Hat der Mieter viel Freiheit gemäss Vertrag, was er in den Räumen macht, sagt der Vermieter, selber schuld wenn du da einen Coiffeurladen betreibst, hättest einen Schlüsseldienst gemacht, könntest du die Räume nutzen. Aber in vielen Mietverträgen für Gewerberäume ist die Art der Nutzung vorgegeben, in Einkaufscentern will der Betreiber eine Mischung, da kann man in einem Kleiderladen nicht Lebensmittel verkaufen oder eine Apotheke machen. Ausserdem sind viele Gewerberäume nicht geeignet für Lebensmittelhandel, aber wenn der Vertrag dem Mieter viel Freiheit lässt, was der da macht, hat der Vermieter deutlich bessere Karten.

            In Restaurants muss man wirten, wirten darf man nicht, nur noch Küchen / Vorratsinfrastruktur nutzen, zweifellos ist nur ein kleiner Teil der Pacht geschuldet.

          • Röschu sagt:

            „Prof Higi argumentiert, der Vermieter hätte erfüllt, ich sage nein, hat er nicht,“
            Und ich sage: „doch hat er“. Der Vermieter würde den Raum noch so gern zur Verfügung stellen, wenn er denn dürfte. Die Nutzung wird vom Staat verboten, welcher – wie schon erwähnt – letzlich auch die geschuldete Miete bezahlt.
            .
            „Wen Sie etwas kaufen auf Ricardo, und es wird dem Verkäufer gestohlen vor Abwicklung, kann der Verkäufer nichts dazu nicht liefern zu können, zahlen Sie dann dennoch?“
            Der Vergleich hinkt. Das Gestohlene ist weg, der gemietete Raum aber unverändert vorhanden. Wenn das Gekaufte nicht verwendbar ist, fordere ich als Käufer den Verursacher des Schadens auf meinen Ausfall zu ersetzen. Im Fall des Raumes also den Bund, was ja in der Praxis auch so gemacht wird.

          • Josef Marti sagt:

            Die Kapital- und Bodenrente wird durch den Steuerzahler auch im Kriegsfall garantiert, ist doch super.

          • Anh Toàn sagt:

            „…der gemietete Raum aber unverändert vorhanden.“

            Das OR misst die Unverändertheit nicht an den m2 oder wo das Objekt steht, sondern an der Tauglichkeit zum vorausgesetzen Gebrauch, und die ist massiv verändert:

            Artikel 256 / 1 OR:

            Der Vermieter ist verpflichtet, die Sache zum vereinbarten Zeitpunkt in einem zum vorausgesetzten Gebrauch tauglichen Zustand zu übergeben und in demselben zu erhalten.

            Er hat die Sache nicht tauglich erhalten, er konnte nicht, er kann nichts dazu, seine Pflicht nicht erfüllt zu haben, aber er hat sie nicht erfüllt.

          • Anh Toàn sagt:

            @Josef Marti „Die Kapital- und Bodenrente wird durch den Steuerzahler auch im Kriegsfall garantiert, …“

            Das kritisiere ich auch, aber ein grösserer Teil der vom Bund verbürgten Kredite wird verwendet, um Löhne zu zahlen, wenigstens vorzuschiessen, die Kurzarbeitsentschädigung kommt erst im Monat nach der Lohnzahlung, für Lieferanten, andere Unternehmen die dank den Zahlungen überleben. Vieles müsste ohnehin bezahlt werden, über Insolvenzentschädigung der Arbeitslosenversicherung, Abschreibung von Forderungen aus Sozialversicherungsbeiträgen, Sozialleistungen für den Lebensunterhalt: Was der Bund wird abschreiben müssen, ist nicht verloren für den Steuerzahler, das ist Helikoptergeld: Ein grosser Teil davon ist in den Konsum im Inland geflossen, und das soll doch Helikoptergeld.

        • Anh Toàn sagt:

          Beim HEV finden sich ein Gutachten, eines Prof Higi, das (erwatungsgemäss) sagt, man müsse zahlen, über die Argumentation darin, kann sich jeder seine eigene Gedanken machen: Aber ein paar Ansätze:

          Wie lange macht eine Coiffeuse Inventar oder führt die Buchhaltung nach in ihrem Laden.? Das ist kompletter Nonsense. Bei Restaurants hat er (teilweise) recht, der Wirt kann Küche, Gefrierraum etc nutzen für Take-away oder Lieferdienst. Je schlechter die Lage des Restaurants, umso grösser der Anteil an dieser Infrastruktur an der Miete (statt di m2 im Speisesaal, Seeterrasse, Parkplätze, am Limmatquai machht mein Kpüche für Take away auf 300m2): Aber Restaurants werden etwas zahlen müssen, da ist nicht alles untauglich geworden.

  • Robert Karlen sagt:

    jeder Arbeitende macht pro Jahr 4 Wochen Ferien, die Wirtschaft wächst in diesem Set up regelmässig. so gesehen kann die Corona Virus Krise für die Wirtschaft kaum langfristige Wirkungen haben.

    • Gerhard Engler sagt:

      Es werden aber dieses Jahr nicht 4 Wochen Ferien sein, sondern schätzungsweise doppelt so viel. Es leuchtet ein, dass die Folgen für die Wirtschaft in diesem Jahr haben wird. Ausserdem wird in diesen Ferienwochen weniger konsumiert, insbesondere durch wegbleibende ausländische Touristen.

Kommentar

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