Die Nationalbank – eine heilige Kuh?

Aber halt! Sich der Öffentlichkeit gegenüber zu erklären, hat historisch nie zu den Stärken der SNB gezählt. Foto: Adrian Moser

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) werde viel zu wenig hinterfragt: Diese Kritik ist bei Finanzinstitutionen und unter Ökonomen verbreitet, und sie scheint zuzunehmen.

Es gibt tatsächlich gute Gründe für einen kritischeren Blick auf die Nationalbank. Keine andere Institution hat mehr Einfluss auf die finanziellen Bedingungen im Land, auf die Währung sowie auf die Konjunktur. Am meisten Anlass zur Skepsis bietet die Politik der weltweit mit –0,75 Prozent einmalig tiefen negativen Leitzinsen. Die SNB verfolgt sie trotz einer bisher starken Wirtschaftslage.

Rekordtiefe Negativzinsen und ihre Folgen

Die negativen Folgen dieser Politik sind unbestritten: Sie schwächt den Finanzsektor, treibt Vermögensblasen an und drückt auf die Erträge der Sparer etwa in den Pensionskassen. Diese Probleme treten nicht nur bei Negativzinsen auf, sondern bei tiefen Zinsen generell – und diese zeigen sich weltweit auch als Folge von strukturellen Entwicklungen, die nicht durch die Notenbanken verursacht wurden.

Die rekordtiefen Negativzinsen in der Schweiz verschärfen die Probleme aber. Unter Experten ist stark umstritten, dass nur dank ihnen eine weitere Aufwertung des Frankens aufgehalten werden kann. Dass die Nationalbank an diesen tiefen Sätzen festhält, dürfte einerseits mit den wieder gewachsenen Unsicherheiten in der Weltwirtschaft zu tun haben – vielleicht aber auch damit, dass eine auch nur leichte Veränderung hin zu geringeren Negativzinsen diese Politik der letzten Jahre als Fehler entlarven würde.

Gewinne sind und waren nie das Ziel

Auf Kritik stösst die SNB auch wegen der Verteilung ihres Gewinns: Obwohl sich dieser im letzten Jahr dank einem Gewinnvortrag der Vorjahre auf 47 Milliarden Franken belief, erhielt die öffentliche Hand bloss 2 Milliarden, die Aktionäre bloss 1,5 Millionen. Einige halten das für ungerecht. Diese Kritik basiert allerdings teilweise auf einem Missverständnis: Gewinne sind nicht und waren noch nie das Ziel der Nationalbank.

Das Ziel ist die Geldpolitik im Dienste des Landes. Die Nationalbank ist kein gewöhnliches Unternehmen, und die Rechte der Aktionäre sind deshalb sehr eingeschränkt, der grösste Teil betrifft die öffentliche Hand. Auch die Gewinnausschüttung an die Öffentlichkeit ist so gewollt und auf maximal 2 Milliarden Franken beschränkt.

Dass die SNB überhaupt solche Gewinne – oder auch extrem hohe Verluste – schreiben kann, liegt ohnehin an einem unerwünschten Umstand: ihrer durch aufgekaufte Devisenreserven gigantisch aufgeblähten Bilanz von 817 Milliarden Franken per Ende 2018. Kleinste Wertänderungen dieser Reserven führen dann zu hohen Gewinnen oder Verlusten.

Fragen zur Ausschüttung

Eine Debatte zu den Details der Ausschüttungspolitik bleibt dennoch gerechtfertigt. So kann man sich zu Recht fragen, ob zum Beispiel die Gewinne von rund 2 Milliarden Franken jährlich, die die SNB mit den Negativzinsen erzielt, nicht zur Bewältigung der Nachteile dieser Politik eingesetzt werden könnten – zum Beispiel für die Altersvorsorge. Die Idee der Negativzinsen soll ja schliesslich nicht sein, für die Nationalbank eine weitere Einnahmequelle zu äufnen. Ihre Reserven würden hier unberührt bleiben und damit auch ihre geldpolitische Handlungsfähigkeit.

Ein weiterer Diskussionspunkt dreht sich um die Frage, wie und nach welchen Kriterien sie die Devisenreserven investiert. Ob sie es will oder nicht, ist sie mit den angelegten Summen zu einem wichtigen Mitspieler auf den Kapitalmärkten geworden.

Vornehme Zurückhaltung ist fehl am Platz

Die Nationalbank war bisher tatsächlich eine Art heilige Kuh im Land. Sich der Öffentlichkeit gegenüber zu erklären, hat historisch nie zu den Stärken der SNB gezählt. Und obwohl sie sich gebessert hat – vor allem durch die Referate ihres Präsidiums –, öffnet sie sich auch heute noch weniger als andere Notenbanken, wie etwa die Europäische Zentralbank, das Fed in den USA oder die Bank of England. Nur schon darüber, wie sie konkret zu ihren Entscheidungen kommt, schweigt sie sich noch immer aus.

In früheren und normalen Zeiten, als die SNB noch eine langweilige Zinspolitik verfolgt hatte, liess sich das eher rechtfertigen. Doch seit der Finanzkrise tut auch die SNB Dinge, die sie noch vor einem Jahrzehnt für unmöglich und wohl auch für unverantwortlich gehalten hätte. Und zur früheren Normalität wird sie nicht so bald wieder zurückkehren können – wenn überhaupt je. Die vornehme Zurückhaltung von einst hat heute keinen Platz mehr.

94 Kommentare zu «Die Nationalbank – eine heilige Kuh?»

  • pepe müller sagt:

    Im Zusammenhang mit der SNB interessiert mich immer nur ein Thema: Was passiert mit unseren Währungsreserven, also den 600 Milliarden CHF die die SNB in Euros umgewandelt hat, wenn der Euro futsch ist? Der Euro wird nicht überleben! Was also ist mit unserem hart erarbeiteten Geld dann los?

    • Rolf Zach sagt:

      Warum kommt in Ihrem Kommentar nur der Euro vor? Sie schreiben so, dass die Währungsreserven der SNB nur in Euro angelegt seien, ein Irrtum, der weit verbreitet ist.
      Sie sollten wissen 39 % davon sind in Euro angelegt, 36 % in US Dollar, 8 % in Yen und 6 % in £. Ich gebe Ihnen eine weitere wichtige Zahl, nämlich die Zahl der Leistungsbilanz im Verhältnis zum Volkseinkommen. Ein Überschuss hat natürlich Japan mit 3,5 %, Euroland ebenfalls mit 3 %, dagegen sind die USA mit 2,4 % und England mit 3.9 % (!) im Minus. Feste Ansichten und Überzeugungen sind schon hilfreich, aber für eine Diskussion sollte schon etwas mehr Substanz in der Argumentation sein.

      • Anh Toàn sagt:

        Das „Risiko“ auf die Devisen in den Aktiven wird die SNB dazu zwingen, eine starke Abwertung all dieser Währungen zum CHF, oder eben besser gesagt, eine starke Aufwertung des CHF zu verhindern. Das muss sie allenfalls nicht in erster Linie wegen ihrer Bilanz, sondern wegen den volkswirtschaftlichen Auswirkungen: Die Bilanz der Nati ist ja wegen Bekämpfung der Aufwertung so aufgebläht, kommt neuer Aufwertungsdruck, wird die Nati ihre Bilanz noch mehr aufblähen.

        Die Nati hätte auch zusehen können, wie der CHF immer weiter aufwertet, die Aufwertung noch unterstützen indem positive Realzinsen an die ausländischen CHF Sparer bezahlt werden, dann wäre auch der Huber froh. Es gäbe keine aufgeblähte Natibilanz. Nur, wie froh wäre der Schweizer Maschineningenieur darüber?

        • Anh Toàn sagt:

          Also wird die Nati eine Aufwertung gegenüber dem USD auf CHF 0.50 oder 0.70 höchstens zulassen, wenn auch die EZB eine entsprechende Aufwertung des EUR gegenüber dem USD zulässt. Dann „verliert“ die Nati 50%(!) auf die 36% USD Anlagen (Zahlen von Ihnen), oder die EUR Anlagen wie @pepe müller befürchtet, wären dies grob etwa das Eigenkapital:

          Die Nati Bilanz ist breit diversifiziert, ausser gegenüber einer Aufwertung des CHF. Massive Abwertungen einzelner Währung, selbst des USD oder des EUR, kann die Bilanz ertragen. Einzig Abwertungen von USD und EUR, also eine massive Aufwertung des CHF, kann die Bialnz der Nati nicht ertragen, aber dagegen kann und muss sie sich ohnehin wehren.

          • Anh Toàn sagt:

            Ich bin aber nach wie vor der Meinung, bessere Strategie für die Nati wäre eine „Kombitherapie“: Den Mindestkurs von Hildebrandt mit den Negativzinsen von Jordan verbinden:

            Bei Hildebrandt war es, mangels Zinsdifferenz, zu billig gegen den Mindestkurs zu spekulieren: CHF (long) / EUR (short) kostete fast nichts, solange sich der Kurs nicht bewegt, mit Aussicht auf grosse Gewinne, falls der Mindestkurs fällt. Kombiniert mit Negativzinsen und damit einer Zinsdifferenz zum EUR) wäre das warten auf das Fallen eines Mindestkurses viel teurer.

  • Maiko Laugun sagt:

    Die Nati verwechselst Soll und Haben in der eigenen Buchhaltung. Es geht um die Qualität der Aussagen, nicht um die Quantität.

    • Rolf Zach sagt:

      Ich verstehe Ihre Aussage in diesem Sinn, dass die SNB mit ihren Dollar Aktiven auch mit ihren Dollar Rückstellungen auf der Passivseite voll im Risiko verbleibt. Beides bilanziert sie ja bekanntlich in Schweizerfranken. Wenn der Schweizerfranken gegenüber dem Dollar aufwertet, kann sie ihre Verluste wohl eine gewisse Zeit durch diese Rückstellungen kompensieren, aber am Schluss ist es ein vollständiger Abschreiber auf Debitoren und von der Substanz her ist nur ein Haufen Asche noch übrig. Wir haben die USA mit mickrigen Zinsen ohne jeglichen volkswirtschaftlichen Gewinn für uns finanziert und alles verloren.

      • Rolf Zach sagt:

        Die SNB hat es nicht verstanden, die Gier des „Hot Money“ nach Gold-Schweizerfranken so ausnützen, dass wir volkswirtschaftlich davon profitieren können. Es wird sich noch als Fehler erweisen, dass wir diese Gier nicht ausgenützt haben, um sehr billig und ohne die Eintreibung von Steuern, unsere Infrastruktur auszubauen. Es hätte keine Inflation gegeben, wenn die SNB dem Bund und den Kantonen dafür ihren Gewinn ausgeschüttet hätte. Gleichzeitig wäre dies ein probates Mittel gewesen, um dieser Gier nach dem Gold-Schweizerfranken die Spitze zu brechen. Die Negativ-Zinsen haben die inländischen Sparer nur verrückt gemacht und die 2. Säule als Chimäre entlarvt, mehr hat die SNB dabei nicht erreicht.

        • Rolf Zach sagt:

          Wir können natürlich im Dollar-Standard die anrollende Inflation mitmachen, dann bleibt die Austauch-Relation SFr./$ erhalten und die SNB hat keinen Bilanzverlust zu befürchten. Wollen wir eine erneute Inflation von 5 bis 7 Prozent?
          Vergessen wir nicht, unsere Pensionskassen haben in der Regel nur das Beitrags-Primat ohne Inflationsausgleich. Die Aufwertung der Vermögen der Pensionskassen wird da nicht genügen.

      • Maiko Laugun sagt:

        @Rolf Zach: Das kommunistische Regime in meinem Gastland China hat seit. ca. 1 Monat nun auch noch -(nebst vielen (Un-)Social Medias) – die NZZ und Tante Wiki gesperrt. Antworten und Recherchen fallen deshalb sehr schwer.

        @Anh Toàn: In Anlehnung an dies: So lange NMTM nicht als Gefahr anerkannt wird, so ist ein Idiot namens Linus es nicht wert, sich mit dem herumzuschlagen. Just my 2 Cents.

  • Claude Fontana sagt:

    „Die vornehme Zurückhaltung von einst, hat heute keinen Platz mehr.“
    Wer sitzt denn dem Finanzdepartement vor? unsere Heimlichtuerpartei. Erst im VBS, Nun im Finanzsektor. und wahrscheinlich sind die inzwischen etwa auf vergleichbarem Zustandsniveau. Mit ähnlich „ausgereiften“ Plänen.
    Wird Zeit, dass man wieder zu einer „Realökonomie“ zurückfindet,damit man auch „Realpolitik“ wieder vertreten kann.

  • Marcel Senn sagt:

    Da viele die Negativzinsen überbewerten, hier nochmals das Memo der SNB vom 22.4.2015, wo für mindestereservepflichtige Banken ein Freibetrag vom 20 fachen der Mindestreserve im Schnitt der letzten 12 Monate vorgesehen ist (plus minus Bargeldzunahme/Bargeldabnahme, was aber ein geringer Betrag sein dürfte)
    .
    Die Mindestreserve betrug im Schnitt rund 16.7 Mrd mal 20 ergibt fette 334 Mrd Freibetrag (+/- ca 6 Mrd Bargeld), bei aktuell Giroguthaben von inländischen Banken von 491 Mrd sind als gut zwei Drittel der Einlagen bei der SNB vom Negativzins befreit. Zumindest ich interpretiere das so.
    .
    https://www.snb.ch/de/mmr/reference/mbnz_20150422/source/mbnz_20150422.de.pdf
    .
    https://www.snb.ch/de/mmr/reference/gwd_20190520/source/gwd_20190520.de.pdf

    • Rolf Zach sagt:

      Ihr Kommentar, Herr Senn, stützt meine Vermutungen, dass das Regime der Negativzinsen, im Gegensatz zu den Negativzinsen der SNB unter Leutwiler von 1978, eher einem kläffenden Dackel gleicht. Damals, 1978, waren die Negativzinsen ein echter Rottweiler, denn Leutwiler selbst hat später die Einführung der Negativzinsen 1978 als seine grösste Leistung bezeichnet, welche die Schweiz vor einer Rezession bewahrte.
      Dieses Negativzins-Regime dient auch vor allem den
      Schweizer Banken, dass sie ihre Kundschaft gut betuchter Milliardäre und multinationaler Konzerne behalten kann. Im Zeichen des automatischen Informationsaustausches muss der SFr. wertbeständiger sein als der $, sozusagen besser als Gold. Da frägt sich dann wirklich, ob die UBS noch Kleinkunden wünscht.

      • Rolf Zach sagt:

        Wir haben deshalb heute einen offenen Markt für Vermögensverwaltung in der Euro-Zone, wo die Leute wählen können. Ferner müssen wir bedenken, dass die USA Geschmack gefunden hat, die Wertschriften und liquiden Mittel von Anlegern aus Schurken-Staaten nicht mehr indirekt über Schweizer Banken zu erhalten, sondern sie direkt als geschätzte Kunden von US-Banken zu akquirieren. Lieber als Saudi-Prinz
        100 Mio. $ Wertschriften bei der Bank New York Mellon deponieren als 100 Mio. SFr. bei einer der beiden Schweizer Großbanken. Man kann dann noch zusätzliche 15 Mio. SFr. in der Schweiz deponieren anstelle von Goldbarren. Auf solche Befindlichkeiten muss die SNB Rücksicht nehmen, denn daran angeschlossen sind auch unsere Arbeitsplätze.

        • Rolf Zach sagt:

          Übrigens, wäre es nicht besser gewesen, unser Bundespräsident hätte sich bei seinem Empfang
          bei dem uns wohlgelittenen und verehrten Präsidenten der USA (Retter des Kapitalismus und der freien Marktwirtschaft!) nicht darauf konzentriert, ein Freihandelsabkommen der Schweiz mit den USA zu bekommen, sondern darauf hingewirkt, dass die Federal Reserve Bank als Schuldner eine Neuauflage der Roosa Bonds in Sfr. emittiert zugunsten unserer SNB.
          Diese Roosa Bonds wären für uns besser gewesen als ein Freihandelsabkommen, denn Rolex Uhren kaufen die reichen Amerikaner sowieso. So patriotisch sie sich geben, eine Fossil Uhr trägt ein solcher Amerikaner nicht.

  • Alex sagt:

    Falls ich es richtig verstehe – die Notenbank hat die Strukturprobleme nicht verursacht, aber da Geldpolitik im Dienste des Landes steht muss sie reagieren und zwar mit wenig hilfreichen Mitteln (Negativzinsen). Dafür erhält sie nun Kritik die „unbestritten“ ist, weil es ein Recht auf Zins für die ganze Finanzindustrie (+Pensionen, +Vermögen) gibt? Keine Erklärung inwieweit Negativzinsen die Lage verschärfen, obwohl einer starken Wirtschaftslage.

    Ah, dieser kleine unerwünschte Umstand hat nicht das Ziel Gewinne einzufahren. Es ist diese aufgeblähte Bilanz. Warum müssen bloß diese anderen Währungen nur als Reserve dienen. Es scheint fast so zu sein das der CHF € und $ stützt. Die Kritik ist berechtigt. SNB/Politik hat Spielraum nutzt es nicht.

    • Alex sagt:

      Eine größere Ausschüttung für die Altersvorsorge hört sich ähnlich des norwegischen Pensionsfonds an (definitiv diskussionswürdig).

      Was betreibt die SNB dann eigentlich? Ist sie eine Art fiskalpolitischer Arm der als Fonds zeitgleich seine eigene Commodity herstellt und dabei for the greater swiss good (was auch immer das sein mag) agiert.

      Ich möchte gerne wissen was langweilige Geldpolitik ist und ob die gemacht wurde.

      Und nicht vergessen: globaler Handelskrieg – CHF ist altbewährt wegen dieser SNB mit ihren Negativzinsen und „unbestrittenen“ Negativfolgen ihrer Geldpolitik.

      Schuldenbremse gut – Finanz, Pensionskassen sollen gefälligst woanders investieren es gibt doch soviele tolle Unternehmen in der Schweiz.

      Der Artikel konterkariert sich teils selbst.

  • Luzi Blattmann sagt:

    Was die SNB macht, ist einzig Subventionierung der Exportindustrie zulasten von Sparern und Rentnern. Als ob es Chemie und Pharma, die den grössten Anteil ausmachen, nötig hätten (gibt natürlich fette Boni). Auch der Tourismus wird massiv subventioniert via Frankenschwächung, hinzu kommen jährlich die Dutzenden Bundes-Mio. für Schweiz Tourismus – alles, um mehr Asiaten anzulocken. Gleichzeitig herrscht CO2-Hysterie …

    • Claire Deneuve sagt:

      Blattmann: Na ja die Haus- STWE-Besitzer werden durch allzeitrekordtiefe Hypothekarzinsen auch in einem zweistelligen Milliardenbereich auch ganz kräftig subventioniert von der SNB.
      .
      Das ist vermutlich sogar der grösste Brocken von allen, denn die allenfalls 10% Währungsabwertung die die SNB mit ihren Massnahmen hingekriegt hat, machen auf die Exporte (ohne Gold und Schmuck) von rund 210 Mrd auch nur ca. 21 Mrd aus, wenn man den Einkauf in FX noch abzieht, dürften das noch 10-12 Mrd sein — auch nümme so de Huufe. Gut mit Nebeneffekten wie Kosten für Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe sieht die Rechnung neben Exportindustrie auch im Tourismus dann wieder etwas anders aus.
      .
      Die Rechnung ist schon einiges komplexer als Sie das hier versuchen darzustellen!
      .
      Und gegen CO2 gibts GRETA!

    • Linus Huber sagt:

      Die Umverteilungsmechanismen der inflationären Geldpolitik sind auf der ganzen Welt am Werk. Das Problem dieses verdeckten Umverteilungsmechanismus liegt im Umstand, dass sie einerseits die demokratischen Entscheidungsprozesse umgehen und andererseits unter dem Strich wohl eine Umverteilung von unten nach oben erzeugen.

      • Anh Toàn sagt:

        Ach so ist das! Woher wissen Sie das? Stand es in dem Internet?

        • Linus Huber sagt:

          Wenn Sie anderer Meinung sein, steht es Ihnen frei ein wirkliches Argument zu liefern, was offensichtlich Ihre Fähigkeiten übersteigt..

          • Anh Toàn sagt:

            „…dass sie einerseits die demokratischen Entscheidungsprozesse umgehen“

            Welches Gesetz (demokratische Entscheidungsprozess) hat die SNB umgangen? Oder sind die Verfassungs- und Gesetzesbestimmungen zur Politik der SNB gar nicht demokratisch? Müsste das Volk eine Referendumsmöglichkeit gegen Zinsbeschlüsse der SNB haben? Das Volk kann die ja mit initiative verlangen. Selber doof oder undemokratisch das Volk, wenn es der SNB so viel Macht lässt.

            Oder wie?

          • Anh Toàn sagt:

            „, steht es Ihnen frei ein wirkliches Argument zu liefern, “

            Ihnen auch!

          • Linus Huber sagt:

            Es geht darum, dass die Umverteilung verdeckt erfolgt und damit nicht z.B. im Staatsbudget ausgewiesen wird. Ja, die Zentralbanken sind anhand von demokratischen Entscheiden entstanden; das bedeutet jedoch nicht, dass man sämtliche Aspekte der Geldpolitik als korrekt einzustufen hat. Ich vertrete meine Meinung und finde diese verdeckten Umverteilungsmechanismen demokratisch nicht oder schwach legitimiert. Sie mit Ihrer Nabelsicht finden es natürlich gut, wenn die Aktienmärkte beflügelt werden.

  • Anh Toàn sagt:

    An die Kommentatoren:

    Es gibt keine „Exportindustrie“: Entweder eine Industrie ist heue weltmarktfähig, oder sie ist nicht: Am Thunersee ist ein kleines KMU, das macht Masten für Finn Segelboote: Im Weltmarkt der globalen Elitesegler hat man etwa 30-50% Marktanteil, ohne diese würde sich die technische Weiterentwicklung nur für den Schweizer „Massenmarkt“ nicht lohnen: Entweder man kann die führende Stellung im Weltmarkt halten, oder man macht dicht: Nur vom CH Markt kann das Unternehmen nicht überleben.

    • Josef Marti sagt:

      Genau. Deshalb müssen alle mehr Nachfrage aus dem Ausland importieren als daheim, dann generiert sich für alle der Überschuss wie ein Wunder aus dem Allerwertesten.

      • Alex sagt:

        Ah, Globalisierung ein unerschöpflicher Brunnen der nie versiegt (falls doch ist es die Schuld des Brunnens). Unendlich Nachfrage (auch was für Sparer), notwendiges Angebot, Verachtung für Exzesse und bestimmt noch mehr. Gar zu ein Schlaraffenland.

        Bloß aufpassen nicht zu sehr aus der eigenen Komfort-Ökonomenszene austreten und versuchen tatsächliche Verbindungen auf der Makroebene aufbauen und tatsächlich verstehen was Globalisierung ist. Erinnert an diesen ominös mystischen Markt. Ist das noch Volkswirtschaft oder schon Globalwirtschaft?

        Dazu passt super ihr Kommentar – Jeder generiert Überschüsse und wie ein Wunder geht es jedem gut. Gab es den in letzter Zeit eine andere Wirtschaftspolitik die nicht über den Exportkanal pusht.

  • Anh Toàn sagt:

    Der nominale Zinssatz ist bedeutungslos. Will man das heutige Zinsumfeld mit dem von früher vergleichen, muss der reale Zinssatz, also nominell abzüglich Inflation, verglichen werden:

    Der reale Zinssatz war schon häufig tiefer als heute.

    Seit dem zweiten Weltkrieg lagen die realen Zinssätze nur ausnahmsweise über 1%: Wenn man dann noch berücksichtigt, dass die nominellen Zinsserträge versteuert werden mussten, waren die Zinssätze real nach Steuern mehrheitlich negativ, oder zumindest nicht weit weg von Nullzinsen.

    • Anh Toàn sagt:

      Der arme „enteignete“ Sparer, kann ja sein Geld in USD anlegen: Da gibt es Zinsen. Ich persönlich zahle lieber Zinsen für USD, als welche darauf zu bekommen.

    • Anh Toàn sagt:

      Liegen die Zinsen über dem Wirtschaftswachstum, steigen mit den Vermögen der Sparer auch die Schulden der Schuldner und damit sinkt die Bonität der Schuldner, die Gläubiger erhalten Zinsen von manchen Schuldnern und müssen sich dafür andere Forderungen ans Bein streichen.

      Real gibt es auf Sparguthaben höchstens 1-2%: Gibt es keine Zinsen, müssen die Reichen (Für die Armen sind Zinsen direkt irrelevant: Sie haben kein Vermögen und bekommen keine, bzw. kaum Kredite, die Mitte hat wenig Vermögen oder Kredite) von ihrem Vermögen knabbern, mit 2% pro Jahr (linear aufs Anfangsvermögen) reicht es 50 Jahre: Lang genug für die, auf noch längere Frist sind die tot.

  • Willi Zimmermann (70+ und kein bisschen weiser) sagt:

    «Die SNB hat 100‘000 Jobs auf dem Gewissen. Werkplatz, Exportwirtschaft und Tourismus leiden massiv unter dem überbewerteten Franken. Die SNB-Führung um Thomas Jordan muss jetzt handeln: Es braucht einen neuen Mindestkurs von 1.25 Franken. Jetzt, da sich Eurozone und Weltwirtschaft erholen, ist die Gelegenheit günstig.» Das schrieb die SP vor einem Jahr. Das Rezept für das ‚Handeln‘ blieb die SP aber schuldig. Mittlerweile sind die Aussichten in der Eurozone getrübt. Mario Draghi 2012: «Die EZB wird alles Notwendige tun. Und glauben sie mir, es wird ausreichen“.» Natürlich wissen wir alle, was bei der SNB zu tun ist! Markus Diem hat die ‚Lösung des Problems‘ ja oben beschrieben. Oder doch nicht?

  • Zimmermann sagt:

    Und trotz – dem ! ist und bleibt alles ein virtuelles casino. Höchst riskant.
    > stufe CCC rating

    • Claude Fontana sagt:

      verwundert das, wenn sie die Mehrheit ihres Vermögens in $ und € hält, zwei währungen die nur dank „Quantitative easing“ überleben?

      • Claire Deneuve sagt:

        Fontana: Unsinn der US$ und der € haben nicht wegen der QE’s überlebt, sondern primär das gesamte Finanzsystem hat deswegen überlebt.
        .
        Im US$, € und auch der CHF wurde einfach die Geldumlaufgeschwindigkeit auf mittlerweile historisch tiefe Werte gedrückt, in der CH sogar auf Allzeitrekordtief von 1906, dem Jahr als die SNB gegründet wurde. In den USA ähnlich tief.
        .
        Die Basisformel von Irving-Fischer lautet eben immer noch
        M*V=P*Q,
        wobei M=Geldmenge, V= Money Velocity (Geldumlaufgeschwindigkeit), P= Preisniveau und Q Outputmenge ist und P*Q gibt übrigens das GDP, ergo M*V ebenso.
        .
        Die QE’s wurden nicht gemacht um US$ oder € am Leben zu erhalten, die hätten auch ohne diese „überlebt“, der US$ hat in den letzten fast 250 Jahren schon ganz andere Krisen überlebt.
        .

  • Leony Berger sagt:

    Defakto dient die Geldpolitik „unserer“ Nationalbank schlicht und ergreifend der Enteignung der Kleinsparer, mit dem Segen unserer Elitepolitiker-innen. Die so hochgelobte und auch oft verlangte Selbstverantwortung von uns Normalbürgern wird so zunichte gemacht. Die Schere von Arm und Reich öffnet sich zusehends.
    Ich verstehe schon lange nicht mehr, was diese sog. reichen Leute davon haben, immer mehr Geld und damit auch mehr Macht anzuhäufen.
    Wenn ich im Laden einen Apfel klaue werde ich zur Rechenschaft gezogen. Hingegen ist es legal, wenn die Nationalbank und ähnliche Gebilde dem Volk Milliarden entziehen,

    • Anh Toàn sagt:

      „Der Normalbürger“ lebt vor allem von Lohn oder Rente, die wiederum in erster Linie aus Lohn (inkl. Arbeitgeberbeiträgen) finanziert wird. Vermögenserträge sind beim „Normalbürger“ ein kleiner Teil seines Einkommens. Betrachtet man die Miete auch als Zinsen, „Mietzins“, zahlt der „Normalbürger“ eher Zinsen, als dass er welche bekommt.

      Der Ertrag einer Volkswirtschaft wird verteilt an die Arbeitenden und ans Kapital: Sind die Zinsen höher, bekommt das Kapital mehr, die Arbeit also weniger vom Kuchen.

      Das Problem des Normalbürgers ist, wovon er träumen soll, wenn es den Reichen nicht gut geht, die sorglos reicher werden.

    • Linus Huber sagt:

      Ja, Leony, Sie sprechen den Sozialismus fuer die Reichen an, welcher mit dieser Geldpolitik betrieben wird. Die Umverteilung von Risiken vom Risikoträger auf die Allgemeinheit nennt man „moral hazard“ und bedeutet nicht weniger als legalisierter Diebstahl.

      • Anh Toàn sagt:

        Aha, sie erleuchten die Welt mit ihrem tiefen Verständnis der Zusammenhänge.

      • Anh Toàn sagt:

        Eigentum bedeutet legalisierter Diebstahl: Das Risiko wird auf die Allgemeinheit abgewälzt, sie muss Polizei, Feuerwehr und Armee bezahlen, damit der Eigentümer nicht riskiert, sein Eigentum zu verlieren.

        • Linus Huber sagt:

          Ja sicher, es handelte sich ja um ein Naturereignis ähnlich dem Ausbruch eines Wildfeuers und niemand war verantwortlich. Ich warte schon auf die nächste Folge der Serie „dumb and dumber“.

          • Anh Toàn sagt:

            Wenn Sie beklaut werden, handelt es sich dann um ein Naturereignis?

            Wenn der legalisierte Diebstahl demokratisch legitimiert ist, ist es noch immer Diebstahl, das Eigentumsrecht steht nämlich über dem Volk.

            Die SNB ist doch mit ihren Kompetenzen demokratisch legitimiert. Und wenn es doch demokratisch ist es gut, habe ich gemeint. Oder glauben Sie, schlauer zu sein als das Schweizer Volk und dem erläutern zu müssen, wie die SNB organisiert werden müsse, damit nicht Diebstahl legalisiert wird?

          • Linus Huber sagt:

            Darum heisst es LEGALISIERTER Diebstahl.

          • Anh Toàn sagt:

            Was heisst legalisierter Diebstahl?

            Wenn jemand was weg nimmt und es darf aber Klein Linus möchte, dass der das nicht dürfe?

          • Linus Huber sagt:

            Das Sie dies nicht verstehen, ist nicht weiter verwunderlich.

          • Anh Toàn sagt:

            Für Dein einfaches Gemüt:

            Gleich falsch wäre zu sagen, Auto fahren, Fleisch essen, Fliegen sei legalisierter Diebstahl: Der SUV Fahrer nimmt mir die gute Luft weg, die Sau die. Das ist legalisiert, weil seine Lobby (TCS, ACS, die CH Autoteileindustrie) seine Interessen gegen das Volk vertritt.

            Diebstahl ist, wenn man eine Sache wegnimmt, die einem anderen gehört:

            Also es geht um Sachen und darum, dass die einem anderen gehören.

            Welche Sache wird weggenommen?

            Das Gesetz sagt, wem was gehört, definiert Eigentum (in der Natur gibt es nur Besitz), also ist „legalisierter Diebstahl“ ein Widerspruch in sich selbst.

            Tschäggs dr Pöck?

            Verstehts Du welche Böcke Du schiesst, weil Du den Scheiss nicht verstehst, den du abschreibst?

          • Anh Toàn sagt:

            Dass Autofahren und Fliegen erlaubt ist, ist nämlig eine Umverteilung von unten nach oben: Die Oben können sich leisten, viel zu fliegen und Auto zu fahren und nehmen damit denen unten die Luft weg. Und steigt der Meeresspiegel, ist es denen oben egal, die wohnen als Adler im Penthouse, ersaufen tun die Ratten, die unten leben in den Strassenschluchten.

          • Anh Toàn sagt:

            Als Linker kann ich kritisieren, dass die einen oben leben als Adler und die anderen unten als Ratten. Aber zu behaupten, dies sei legalisierter Diebstahl ist erstens bescheuert, und zweitens macht es einen Vorwurf kriminellen Verhaltens, das nicht gegeben ist: Die Adler dürfen oben leben gemäss dem Gesetz, der Legalität, da ist nichts antidemokratisches dran (wenn das Volk zu doof ist, sich 1 Woche mehr Ferien zu gönnen, sind nicht die Oben antidemokratisch und illegal und Diebe)

          • Linus Huber sagt:

            … eben und 2008 war ein unvermeidliches Naturereignis, wofür niemand verantwortlich gemacht werden konnte.

          • Anh Toàn sagt:

            Nein, ich wüsste auch nicht, wo ich sowas zum Ausdruck brachte, aber dafür einen einzigen, bzw. nur die Zentralbanker verantwortlich zu machen, ist dumm.

            „Sozialismus für Reiche“ ist so dumm wie „legalisierter Diebstahl“, aussagefreie Schlagwörter, ausser der Konnotation.

            Trump macht viel für Reiche, eigentlich hat er bisher nur etwas gemacht, die Steuersenkungen, und das war für Reiche zu Lasten der Staatsschulden, des Volkes, aber Sozialismus ist das nicht. Das ist Ihre libertäre Kirche.

          • Anh Toàn sagt:

            Der Trump, für den Du fanst, hat vom Powell, der machte, wofür Du fanst, die Geldpolitik gestrafft statt schrankenlos ausgeweitet, für verrückt erklärt.

            Aber Du siehst da keine Widersprüche.

          • Linus Huber sagt:

            Eben, es müssen viele verantwortlich sein, sodass niemand verantwortlich ist.

            Federführend sind die Zentralbanken für das Anreizsystem, welches das Verhalten des Finanzsektors bestimmt, verantwortlich. Es gibt sicherlich Gründe, welche ihr Versagen teilweise rechtfertigen mögen, d.h. jedoch nicht, dass sie sich mit solch frivoler Leichtigkeit der Verantwortung entziehen, respektive das Anreizsystem keiner grundsätzlichen Überprüfung unterziehen sollten. Beides wurde nicht einmal im Ansatz bewerkstelligt, sondern das Anreizsystem und die straf- wie kostenfreie Risikoumverteilung auf die Allgemeinheit ununterbrochen weitergeführt.

  • H.Trickler sagt:

    Nachdem jederzeit riesige Verluste möglich sind, sollten m.E. die Gewinne überwiegend thesauriert bleiben.

    • Josef Marti sagt:

      Wird ja immer so gemacht, mehr als die regelmässig fliessenden Einkünfte aus Zinsen, Dividenden wird nie ausgeschüttet, Buchgewinne dienen im Prinzip als Schwankungsreserve.

    • Guido Biland sagt:

      Es gilt zu unterscheiden zwischen Wertveränderungen und Erträgen. Dividenden und Zinsen gibt es auch bei Wertverlusten. Erträge sollen an die Bevölkerung verteilt werden. Die 2 Milliarden ist unter den gegebenen Umständen viel zu wenig. Liquidiert die SNB ihre ausländischen Wertpapiere mit Verlust, ist das kein Problem, denn sie hat diese Wertpapiere indirekt mit selbst geschöpften Franken finanziert. Ausserdem kann eine Zentralbank so viel Verlust schreiben, wie sie will. Sie kann ja nicht bankrott gehen.

      • H.Trickler sagt:

        Im Falle eines Verlusts geht die SNB zwar nicht in Konkurs, aber das Geld ist dann trotzdem weg!!!

        • Hans Meier sagt:

          @ H.Trickler: Das Geld ist NIE weg, es gehört einfach jemand anderem.

          • Mike Maloney sagt:

            plus: es verliert an Kaufkraft (Inflation) – man müsste sagen: Das Geld ist nie weg aber dessen Kaufkraft schwindet.

          • Suter Heinrich sagt:

            Es gehört schon heute jemand anderem – nämlich dem – der die SNB-Politik bestimmt

        • Anh Toàn sagt:

          @H. Tickler: Allenfalls wäre das Problem gerade, dass die CHF noch da sind, in den Konsum fliessen und zu viel Inflation kreieren.

          Grundsätzlich macht die Nati dann Verluste, wenn der CHF aufwertet: vereinfacht gesgat, ist die Nati Bilanz ein Carry Trade (Ich bleibe dabei, auch wenn mir Herr Senn widerspricht): In den Aktiven, den Long Positionen stehen im Kern USD und Euronen, selbst Aktien globaler Unternehmen, die „verdienen ihre Gewinne“ entweder in USD oder in EUR. In den Passiven, den short Positionen, stehen nur CHF: Steigt der CHF, wachsen die Passiven und die Aktiven schrumpfen, aber dies kann die SNB verhindern, indem sie noch mehr USD/EUR Aktiven kauft und CHF Schulden macht. Sinkt der CHF, kann sie alle ausgegeben CHF mit den USD/EUR zurückkaufen.

          • Marcel Senn sagt:

            Toan: Was soll ich Dir widersprechen? Ja wenn der Franken aufwertet, dann kann es zu Verlusten kommen (da aber die FX nicht einfach 1:1 FX sind, sondern zu 80% in Anleihen und 20% in Aktien investiert sind, kommt es auch noch drauf an, wie diese Assetklassen gerade performen, gut bei einer Fluchtwelle in den Franken sind die in der Regel auch am abschmieren, oder zumindest eine davon).
            Im Franken short gehen und in FX long gehen, ja lieber Anh, das kann man durchaus als Carry Trade, oder auch den grössten L/S Hedge Fund der Welt betrachten, da widerspreche ich gar nicht.
            NUR mit dem Unterschied, die SNB kann nicht quasi über Nacht aus dem Carry Trade aussteigen, wenn eine oder mehrere der Longpositionen in FX abschmieren würden. Stabilität der CH hat Priorität, nicht Profit!

          • Marcel Senn sagt:

            Anh: „Steigt der CHF, wachsen die Passiven und die Aktiven schrumpfen“
            .
            Sorry lieber Anh, aber das ist Unsinn, denn die Giroguthaben der Banken bei der SNB auf der Passivseite in CHF die bleiben gleich, denn die Reportingwährung ist ja CHF und die werden durch ein CHF Aufwertung nicht verändert. (ausser die SNB würde in Folge dann wieder mehr Grünzeug und Euronen pöschtelen, aber das wäre dann eine andere Geschichte)
            Ja die Aktiven in FX schrumpfen und gleichzeitig schrumpft dann das Eigenkapital der SNB.

          • Anh Toàn sagt:

            Ich erinnere mich, dass Du mir mal widersprochen hast, als ich die Nati Bilanz als Carry Trade beschrieb, mit dem Hinweis auf Aktien usw. und nicht reine Devisenanlagen. Aber letztlich ist eine Nestle oder Novartis Aktie vor allem ein USD Investment.

            Aber ja, die Passiven werden nicht grösser, das Fremdkapital bleibt gleich gross, das Eigenkapital wird kleiner und die Passiven insgesamt auch.

            Geringe Aufwertungen des CHF kann die Nati Bilanz ertragen ohne Verluste, solange sie auf die Aktiven eben Zins/Dividenden erhält und zur Zeit sogar auch Zins auf die Passiven erhält statt bezahlt.

            Das einzige Problem für die Nati Bilanz kann aus einem stark aufwertenden CHF entstehen, und das muss und kann sie ohnehin bekämpfen.

          • Marcel Senn sagt:

            Lieber Anh: Gut streng genommen betreibt die SNB auch keine Carry Trades im eigentlichen Sinne, denn solche basieren primär auf den Zinsdifferenzen zwischen zwei Währungen, short im der Tiefzinswährung, long in der Hochzinswährung – wir erinnern uns 2007 wurde dadurch (als Folgeerscheinung der Carry Trades z.B. New Zealand $ long/CHF short) der CHF bis auf 1.69 zum € abgewertet.
            .
            Ein long/short Hedge Fund unter Einbezug von FX, Bonds und Shares wäre im Falle der SNB nach wie vor die korrektere Definition als Carry Trade, welche eben nur einen Bestandteil der SNB Strategie ausmachen und die Absicht der SNB ist auch nicht primär die Zinsdifferenzen einzukassieren, sondern den CHF wettbewerbsfähig zu halten.

          • Anh Toàn sagt:

            Der Carry Trade ist nicht die Absicht der SNB, aber das Ergebnis ihrer Politik. Übrigens ist auch ein Carry Trade, sich in der Hochzinswährung zu verschulden und in der Tiefzinswährung long zu gehen, in der Hoffnung, die Hochzinswährung werte ab, der Kursgewinn übersteige die Zinsdifferenz, die man bezahlt.

            Ich meine, die derart eindeutige Diskrepanz in den Währungen der Aktiven und der Passiven, hat bei deutlichen Währungsschwankungen, alles andere überstrahlenden Einfluss auf das Ergebnis der Nati Bilanz.

          • Marcel Senn sagt:

            Anh: „Übrigens ist auch ein Carry Trade, sich in der Hochzinswährung zu verschulden und in der Tiefzinswährung long zu gehen, in der Hoffnung, die Hochzinswährung werte ab, der Kursgewinn übersteige die Zinsdifferenz, die man bezahlt.“
            .
            Das scheinst mir heute doch etwas einen phantasievollen Tag zu haben, theoretisch ist das zwar möglich, aber mir fällt jetzt wirtschaftshistorisch dazu kein Beispiel ein. Das wäre ja schon sowas wie ein Abwertungsimperialismus und da ein Land in der Regel mit mehreren Währungen interagiert auch in der Praxis eher unmöglich.
            .
            Oder hast dazu ein konkretes Beispiel? Argentinien hat das glaub ein paarmal versucht, aber ist regelmässig kläglich damit gescheitert und in der Regel endet das dann in Inflation und die Tiefzinsen kann man dann auch rauchen.

          • Anh Toàn sagt:

            Das wäre nicht ein Carry Trade für eine Notenbank aber einer für Spekulanten. Deine Formulierung schien mir Carry Trade an der Zinsdifferenz die man bekommt zu definieren. Es gibt auch Carry Trades, bei denen zahlt man Zinsdifferenz (Ich glaube, die lohnen sich sogar eher, da die Mehrheit davor Abneigung hat, aber grundsätzlich beide Strategien die gleichen Erfolgsaussichten.

          • Marcel Senn sagt:

            Sorry lieber Anh, da liegst Du falsch, denn das wären nach Definition keine Carry Trades mehr
            https://de.wikipedia.org/wiki/Currency_Carry_Trade

          • Rolf Zach sagt:

            Eine Bemerkung wegen Carry Trade in gleicher Währung, aber wo der Gläubiger und Schuldner in verschiedenen Währungsräume anzutreffen sind. Ein klassisches Beispiel sind die Ungarn die SFr. Hypotheken aufgenommen haben bei den den österreichischen Banken.
            Mit der Abwertung des Forints konnten die Ungarn nicht mehr zahlen und wären Konkurs gegangen, wenn sie die Regierung Orban nicht zu Lasten der österreichischen Banken gerettet hätte. Da frägt man sich, warum der autokratische und EU-feindliche Orban bei seinen Ungarn so beliebt ist.

          • Rolf Zach sagt:

            Wie soll sich die SNB verhalten im Zeitalter des Dollar-Standards und der innereuropäischen Binnenwährung €, die aber ihre Ausfuhren an Fertigwaren und Halbfabrikaten außerhalb der Euro-Zone in € zahlen lässt. Der einfachste Weg dabei ist, man ist Vollmitglied im Verein Dollar-Standard und glaubt daran, dass der € noch die schwächere Währung ist, was automatisch vor noch 2 Jahren eine Kurs 1 € gleich 1 SFr. ergeben hätte. Will man die sicher auf uns zukommende $ Inflation vermeiden, wird man den SFr. aufwerten, der $ war noch 2001 1.66, heute ist er noch 1 SFr. wert, mit Leichtigkeit kann er aber auf
            0.50 SFr. sinken, bei der heutigen US-Finanzpolitik. Beim € ist es schwieriger, folgt die EZB der FED und lässt den Kurs € /$ unverändert oder wertet sie auf, wie damals die DM.

          • Marcel Senn sagt:

            Zach: In den 90er Jahren wurde in der Schweiz sogar mit supergünstigen Yen-Hypos haussiert, aber auch da ein grosses Währungsrisiko – was billig erscheint wird plötzlich sauteuer — oder wenns ganz gut geht noch billiger…
            .
            In Argentinien kämpfen viele Hausbesitzer mit den immer teurer werdenden US$ Hypos, da der Peso kräftig zerfällt und Argentinien wieder ein riesiges US$ Problem.
            Gut unter Matratzen und im Ausland haben die privaten Haushalte in Argentinien rund 280 Mrd $ -so soll es nach den USA am zweitmeisten US$ Geldscheine in Argentinien geben.
            Vielleicht gibt es bald wieder supergünstige Wohnungen in Buenos Aires zu kaufen wie 2002 als viele nur noch wegwollten.
            Gut möglich kommen die Linksperonisten Herbst 2019 wieder dran, nach der desaströsen Regierung Macri

          • Anh Toàn sagt:

            @Marcel: Anscheinend hats Du recht: Kaufe ich USD gegen EUR ist das ein „Carry Trade“ gemäss Definition, die USD Zinsen sind höher als die EUR Zinsen, kaufe ich EUR gegen USD ist das keiner, sondern, und jetzt kommt meine Frage, was ist das denn? Ein Devisentrade der nicht ein Carry Trade ist?

            Ich finde auch Deine Definition, nur Sinn kann ich darin nicht erkennen.

          • Marcel Senn sagt:

            Anh: Kommt halt von „carry“ tragen, befördern etc.
            Die Zinsdifferenz wegbefördern und in Gewinn ummünzen….das ist der einzige Sinn eines Carry Trades.
            In Argentinien mit aktuell glaub 55% Zinsen (neulich gabs sogar mal eine Weile satte 72%), da sind die Carry Traders richtig scharf drauf auf das argentinische „bicicleta financiera“ aufzuspringen, allerdings ist es wie bei der „Reise nach Jerusalem“, wenn die Musik aufhört zu spielen (resp. der arg. Peso stark abwertet), dann muss der Spekulant rechtzeitig abspringen, sonst verwandelt sich die Zinsdifferenz dann in Verluste.

  • Josef Marti sagt:

    Notenbanken sind überall auf der Welt Rückversicherungen und Garanten der Banker, nur deshalb wurden sie ja erfunden. Um Banker und Boni zu retten gibt es somit keine andere Option als immer tiefere Negativzinsen. Politiker die gegen die Interessen der Finanzwirtschaft agieren sind zu deren Glück immer in der Minderheit.

    • Claire Deneuve sagt:

      Nun Marti so kann man das auch sehen.
      1907 bei der Panic of 1907 hat J.P. Morgan senior fast noch im Alleingang das ganze Finanzsystem gerettet, ansonsten wäre damals dasselbe am Oarsch gewesen.
      .
      Darum kam man drauf 1913 die FED zu gründen, damit man nicht mehr abhängig ist von einem Banker, der vom Systemrettersyndrom befallen ist, denn die gibts auch nicht alle Tage, die Regel ist wohl eher, dass in solchen Situationen alle wie ein chaotischer Hühnerhaufen umherirren und versuchen ihre Scherflein noch in Sicherheit zu bringen, was dann aber mit grosser Wahrscheinlichkeit zum Systemtotalabsturz führen wird.
      Dass mit ZB Boni gerettet werden können, das ist nur ein kleiner netter Nebeneffekt für die Banksta, der sich 2008/09 herauskristallisiert hat.

      • Rolf Zach sagt:

        Immerhin hat die Obama Administration im kleinen Rahmen dafür gesorgt, dass diese spekulierenden Banken auf dem US-Immobilienmarkt mit ihren vollmundigen Versprechungen an ihre Kunden, Bussen zahlen mussten. Die Deutsche Bank nagt noch immer an diesem Knochen. Auch JP Morgan Chase musste erkleckliche Beiträge dafür zahlen und jubiliert heute über ihren gewaltigen Börsenwert. Während die UBS nach 2008 sich kaum von ihrem Tiefstwert erholen konnte. Der Aktienkurs der UBS bewegt sich seitlich, aber nicht die Löhne des obersten Top-Kaders. Wer war da auf der Seite der großen Banken der Blödian?

        • Claire Deneuve sagt:

          Zach: Die rund 321 Mrd Busse (bis 2017), heute noch ein paar Mrd mehr sind nach wie vor nur ein Trinkgeld im Vergleich zu den Schäden die mit diesem Subprimejunk aller Art angerichtet wurde und auch im Vergleich zu den bezogenen Boni seit Beginn dieser Zockereien ein Tropfen auf den heissen Stein.
          Diese Banker hätten alle mit ihren Privatvermögen bluten (wenn die Schuld zugeordnet hätte zugeordnet werden können) müssen und dann noch zumindest ein paar davon hätten noch etwas Bedenkzeit dazu in

      • Linus Huber sagt:

        Früher wurden die Banker am nächsten Baum aufgehängt; heute werden sie durch zulasten der Allgemeinheit gerettet und ermuntert fröhlich und ungehindert im Finanzkasino weiterzuspielen. Die Verdrossenheit mit dem politischen Establishment mag viele Gründe haben, wobei dieser Umstand mit eine Rolle spielen dürfte.

        • Anh Toàn sagt:

          Thema verfehlt, Setzen!

          • Linus Huber sagt:

            Sicher doch, es handelt sich wohl um Ihre Lieblingsrolle im Sinne der linken Ideologie anderen Vorschriften zu machen, selbst wenn Sie mit dem Gelaber wie gewohnt falsch liegen.

            Mein Kommentar passt ausgezeichnet zu „Um Banker und Boni zu retten …“

          • Anh Toàn sagt:

            Linus Huber sagt: „Früher wurden die Banker am nächsten Baum aufgehängt; “

            Linus Huber sagte am 15.05 um 20:58:

            „Die Idee, dass jemand erschossen werden könnte, entstammt Ihrem Hirn und zeigt auf, mit welchen Gedanken an Gewaltbereitschaft und Intoleranz Sie sich beschäftigen.“

          • Linus Huber sagt:

            Sind wir im Kindergarten? Offensichtlich haben Sie erkannt, wie verwerflich Ihr Gedankengut gelegentlich zu sein scheint. Nun, das eine hat mit dem anderen aber gar nichts zu tun, sondern es handelt sich um komplett andere Kontexte.

          • Anh Toàn sagt:

            Ach da bin ich froh, wenn es sich um andere Kontexte handelt, und Sie niemanden aufhängen wollen nur ich alle erschiessen, weil dann die Aktienkurse steigen.

          • Linus Huber sagt:

            … und wenn Du mir nun auch noch sagen kannst, wie das Resultat von 1 plus 1 lautet, kriegst Du ein Sternchen.

  • Guido Biland sagt:

    Man muss die Zusammenhänge sehen. Die Eurozone wird durch die EZB künstlich am Leben erhalten. Weil die Eurozone für die Schweizer Exportwirtschaft wichtig ist, muss die SNB den Franken künstlich schwächen, sonst wäre die Exportwirtschaft nicht mehr konkurrenzfähig. Die EZB rettet den Euro und den Exportüberschuss der Eurozone, die SNB rettet den Exportüberschuss der Schweiz. Ergebnis: Die SNB generiert mit ihren Assets Jahr für Jahr astronomische Erträge (Dividenden, Zinsen). Gleichzeitig richtet sie mit ihren Minuszinsen soziale Schäden an. Die SNB-Erträge können und müssen vollumfänglich zur Kompensation dieser Schäden eingesetzt werden. Es darf nicht sein, dass die Rettung des Exportüberschusses mit Rentenkürzungen erkauft wird!

    • Rolf Zach sagt:

      Es ist nicht zwingend von der volkswirtschaftlichen Logik her, wegen der Politik der SNB die AHV-Renten zu kürzen. Wenn man schon unsere Altersvorsorge unbedingt reformieren will, soll man dieses völlig unnötige Kosten verschlingende Ungeheuer der 2. Säule zähmen und nicht die hocheffiziente Umlage-Rente AHV.

      • Guido Biland sagt:

        @Zach: Absolut einverstanden. Aber solange es die 2. Säule und die Negativzinsen gibt, sollen die SNB-Erträge ihr und/oder anderen sozial sinnvollen Zwecken zugute kommen.

  • Irene Lanz sagt:

    Alle Diskussionen um die Senkung des Umwandlungssatzes und die Erhöhung des Rentenalters wären müssig, wenn die Nationalbank dem Volk und nicht der Wirtschaft verpflichtet wäre. Überschüsse gehören der AHV, da sie Volksvermögen sind!

    • Rolf Zach sagt:

      Es ist schon richtig, dass die Nationalbank der Schweizer Volkswirtschaft als ganzes verpflichtet ist, aber die SNB von heute ist mehr den Banken verpflichtet und deren Kunden, die den SFr. als eiserne Liquidität benutzen anstelle von Gold als die letzte Sicherheit, wenn alles den Bach runter geht. Hat Leutwiler die Schweizer Pensionskassen mit Negativzinsen belastet?Nein, hat er nicht, aber dafür dieses Hot Money, dass 1978 in die Schweiz floss, um hier ihre Dollars in SFr. zu konvertieren und mit der Aufwertung des SFr. Kasse zu machen. Es muss unterschieden werden zwischen Anlageklassen, die inländisch sind und Original in SFr. sparen und Hot Money, vornehmlich aus dem Ausland, welches auf eine SFr.-Aufwertung spekuliert und den SFr. als Goldersatz benützt.

  • Bruno Fässler sagt:

    Die Schweiz hat ein Gut, das nachgefragt wird: Schweizer Franken. Die Nachfrage beruht auf politischer Stabilät, guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, einem internationalem Bankensektor und noch anderem mehr. Der Preis des Geldes ist der Zins. Um die Nachfrage zu senken, senkt die SNB den Zins. Zudem verkauft sie viel Schweizer Franken gegen Euro und Dollar, um das Angebot zu erhöhen. Die Folgen sind bekannt.
    Eingentlich sollten die Erträge aus den Fremdwährungsanlagen und den Negativzinsen wieder an die Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz zurückfliessen. Norwegen hat Erdöl, die Schweiz hat Geld. Bisher konnte mir noch niemand schlüssig erklären, wieso wir keinen Staatsfonds mit den nicht benötigten Fremdwährungsreserven bilden können.

    • Josef Marti sagt:

      Das ist ja der Fall, die Aktionäre = Kantone kassieren die Dividende, somit hält das die Steuern tief.

      • Rolf Zach sagt:

        Wegen den Ausschüttungen der Nationalbank bin ich da anderer Meinung. Die lumpigen 2 Milliarden Schweizerfranken, die die Nationalbank an die Kantone ausschüttet, sind ein Armutszeugnis und volkswirtschaftlich nicht zu vertreten.

Kommentar

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