Die wachsenden Chancen einer schlechten Idee

Ungewisse Zukunft der Geldpolitik: Die «Modern Monetary Theory» ist noch nicht vom Tisch. (Foto: iStock)

Nicht mehr wie bisher die Notenbanken sollen die Konjunktur ins Gleichgewicht bringen, sondern die Staaten mithilfe ihres Budget (man spricht dann von Fiskalpolitik). Das ist die Essenz der «Modern Monetary Theory» (MMT). Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, soll der Staat mehr ausgeben, um wieder für Vollbeschäftigung zu sorgen. Das Zusammenspiel zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik zur Stabilisierung der Wirtschaft entspricht noch ökonomischen Lehrbüchern. Doch MMT geht deutlich darüber hinaus: Hier wird die Notenbank auf die Funktion reduziert, den Staat zu finanzieren.

Dieser kann dann nach Belieben die Ausgaben erhöhen, ohne dass die Verschuldung eine Rolle spielt. Nur wenn diese Massnahme zu Inflation führt, muss der Staat die Ausgaben zurückfahren und die Steuern erhöhen. Denn auch die Inflationsbekämpfung soll hier nicht mehr Aufgabe der Notenbank, sondern des Staates werden. Eine MMT-Politik setzt einzig voraus, dass ein Land eine eigene Währung mit eigener Notenbank hat. In der Eurozone wäre sie für die Mitgliedsländer daher unmöglich.

Politik à la MMT

Eine Umsetzung der MMT-Ideen in der Praxis steht bisher nirgendwo an – auch wenn sie in Ökonomenkreisen intensiv debattiert werden. Doch selbst da halten sie führende Vertreter verschiedener Richtungen hinsichtlich ihrer Umsetzung für unbrauchbar. Dies liegt vor allem daran, dass bei den Staatsausgaben und den Steuern selten konjunkturelle Überlegungen miteinfliessen und sie insbesondere nicht so flexibel angepasst werden können wie die Leitzinsen der Notenbank. Und dass Staatschulden nun doch nicht so gefährlich sein sollen, ist nach all den Berichten über deren Gefahren in den letzten Jahren für viele eine schwere Kost.

Doch ob man die Politik à la MMT mag oder nicht – ihre Bedeutung könnte durchaus noch weiter zunehmen und auch ihre Umsetzung ist in Zukunft alles andere als ausgeschlossen. Der Grund liegt in der Wirtschaftspolitik seit der Finanzkrise und der Situation der Notenbanken.

Verrückte Realitäten

Einerseits haben die Notenbanken in vielen Ländern in den letzten Jahren bereits im grossen Stil Staatsanleihen aufgekauft, und eine Reihe von Ländern haben sich massiv weiter verschuldet. Dennoch ist die Inflation meist tief geblieben – tiefer, als es die Notenbanken sich zum Ziel gesetzt haben. Und noch viel wichtiger: Die Möglichkeiten der Notenbanken in einer künftigen Rezession sind so gut wie ausgeschossen. Die Leitzinsen sind in den westlichen Ländern äusserst tief oder – wie in der Schweiz – bereits im negativen Bereich. Sie weiter stark zu senken, um Kredite und Investitionen zu verbilligen, stösst an Grenzen.

So wie man einst auch Negativzinsen für eine verrückte Idee gehalten hätte, wurden sie in der Not und mangels Alternativen dann doch eingeführt. Gut möglich, dass es mit MMT genauso kommt.

81 Kommentare zu «Die wachsenden Chancen einer schlechten Idee»

  • Alex sagt:

    Im Artikel werden Prämissen (Reduzierung NB auf Staatsfinanzierung und Staatsverschuldung spielt keine Rolle) als Fakt dargestellt, als ob nicht einmal versucht wird eine andere Sichtweise anzunehmen.
    Soweit ich mich erinnere ist eine NB und der Staat eine Einheit. Wie agieren den „Schulden“ des Staates im Wirtschaftskreislauf? Sind Staatsschulden nicht letzten Endes auch nur ein steuerliches Anreizsystem wie Steuern, Sicherungssysteme (AHV) und „Geldpolitik“.
    Hat den die flexible Anpassung der Zinssätze der Notenbanken bisher für Erfolg gesorgt oder war es immer auch ein großer Policy-Mix? Schwere Kost war es nur für einige Ökonomen die sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben.
    Es fehlt mir Empathie. Ich bin der Staat warum tue ich Dinge wie Schulden.

  • Jean-Claude Schmitz sagt:

    Geld gibt es mehr als genug, man muss es zum Zirkulieren bringen, ( wo Sie Recht haben, Mme Deneuve) entweder durch Steuern und Staatsausgaben, oder durch Investieren und/oder einfaches Ausgeben der Leute, die es haben …
    MMT wird an dieser Notwendigkeit nichts ändern, das Fehlen der Zirkulation aber mit staatlichen Mehr-Ausgaben zu kompensieren suchen, was heute (mit Blick auf die Maastricht-Kriterien) im beschränktem Umfang mit einem Mehr an Staatsschulden gemacht wird.
    So wie die Dinge heute laufen, versickert das (neue und alte) Geld allzu schnell im weltweiten Sparen (bei den Nutzniessern des Systems), von dort dann in die Vermögenswerte.
    Glaube nicht, dass das ohne Vermögenssteuer gut ausgeht, MMT hin oder her.

    • Anton Paschke sagt:

      Immer diese Gier! nach dem Geld der anderen

      • Jean-Claude Schmitz sagt:

        es geht mir nicht um Gier oder Neid, sondern um eine gesunde Volkswirtschaft.
        Die Chance, möglichst viele Leute in Arbeit und Brot zu bekommen, hat man nur, wenn das Geld gut genug zirkuliert. Also sollen die, welche es haben, es so oder so ausgeben für reale Güter und Dienstleistungen. Klappt das nicht gut genug, bleibt nur die entsprechende Steuer.

        • Jan Svoboda sagt:

          @Jean Claude
          Da ist sie wieder, die umgekehrt proportional grosse Meinung im Vergleich zur Ahnung!
          Bekanntlich ist noch kein Gelehrter vom Himmel gefallen allerdings scheint es als ob man Dummköpfe laufend herabwerfen würde.

  • Ronnie König sagt:

    Also, mal abgesehen vom cleveren Schotten der das vor langer Zeit schon beschrieb und die Vorteile davon, die Finanzwelt ist eben keine exakte Wissenschaft. Es hat viel mehr mit Voodoo zu tun. Der funktioniert eben auch in sich geschlossen und für die die daran glauben. Mag der Schuldenberg uns nicht erschlagen, aber die Folgen davon was mit diesen Schulden bezahlt wurde, das erschlägt uns dereinst verdammt real. Zusammenhänge eben.

  • Jessas Neiau sagt:

    Es reicht noch nicht, den Leuten von hinten und von vorn in alle Taschen gleichzeitig zu greifen – das Geld, das sie besitzen soll ausserdem auch noch schneller entwertet werden, damit der „Staat“ (d. h. seine schmarotzenden Nutzniesser) umso ungehemmter immer wertloseres „Geld“ drucken kann. Wer dafür ist, soll seine Hand heben! Dann kommen wir noch besser an die Kohle ran.

    • J. Kuehni sagt:

      Jessas neiau, die ganze Welt hat sich gegen „die Leute“ verschworen! „Die Leute“ haben damit gar nichts zu tun, „die“ sind alle völlig unbeteiligt, schuld sind nur die „schmarotzenden Nutzniesser“!

      Wohin solche undifferenzierte Quirlsch***e führt, wissen wir ja. Wo bleibt da bloss die vielgerühmte Eigenverantwortung, hä?

      Just sayin‘

  • Daniel Wigger sagt:

    Ich kenne mich in der MMT nicht aus, aber früher sagte man dem Vorgang, dass der Staat die Ausgaben erhöht, wenn die Wirtschaft schlecht geht: Keynesianismus. Und ist aus den 1930er Jahren. „Die eine Hälfte der Arbeitslosen wird bezahlt, um ein Loch auszugraben, und die andere Hälfte dafür, das Loch wieder zuzuschütten.“
    Dadurch steigt die Beschäftigung und es geht Geld unters Volk, worauf es sich multipliziert und mit ihm das Volksvermögen.
    Weil sich die Staaten mehrheitlich daran gehalten haben, hat es uns halbwegs über die Krise verholfen.

    • Rolf Zach sagt:

      Mit Ausnahme von Hitler-Deutschland haben die Staaten sich nicht voll auf die Theorien von Keynes abgestützt und ob dies überhaupt Keynes war, ist zu bezweifeln. Es ist gefährlich, die Theorien von Keynes als Blaupause für Hitler-Deutschland zu übertragen. Weder Roosevelt in den USA noch die britischen Premiers in den 30er Jahren haben diese nur teilweise übernommen. Dies zeigte auch der Konjunktur-Rückschlag 1937. Die Schweiz konnte sich erst erholen, nach unserer Abwertung von 1936 des SFr. Übrigens zur damaligen Zeit hat nur Japan eine keynesianische Politik verfolgt.
      Die beste Aufklärung darüber ist das Buch „Weltwirtschaftskrise“ von Charles Kindleberger.

  • Meieriesli sagt:

    Kann mir jemand erklären, was die grundlegenden Unterschiede sind zwischen Keynes und MMT?

    • Meieriesli sagt:

      Abgesehen vom Alter der beiden Theorien natürlich.

      • Rolf Zach sagt:

        Die MMT ist immer gültig, ob nun die Konjunktur läuft oder nicht. Wenn bei den Staatsausgaben gespart werden muss, dann nur bei den Sozialausgaben und den öffentlichen Investitionen, wo die meisten Leute wohnen und solche Investitionen ein Segen wären. Dagegen sind Investitionen in Militär, Prunkbauten und irgendwelche Autobahnen, die nichts bringen zur Verhinderung von Verkehrs-Kollaps äußerst beliebt und verdienen die Unterstützung aller Neo-Liberalen, wie unserer geschätzten SVP. Gott bewahre, keine Progression bei der Einkommenssteuer. Das Ziel muss sein, ein Gini-Koeffizient zu erreichen, der die reichsten 1 % von Vermögen und Einkommen absichert, denn die Milliardäre sind die Perlen einer Volkswirtschaft.
        Da ist eine starke Inflation ohne Bedeutung.

        • Meieriesli sagt:

          Wozu sparen? Der Staat finanziert sich indem mehr oder weniger neue Schulden (lies: Geld) geschaffen werden.

          • Josef Marti sagt:

            Sinn und Zweck von Sparen ist ausschliesslich, dem politischen Gegner resp. deren Klientel die Mittel zu entziehen und diese für sich zu beanspruchen. Das macht man weniger mit Ausgabenkürzungen sondern vielmehr mit Kürzung der Einnahmen resp. Steuern. Es gibt für Politiker nichts schlimmeres als sprudelnde Steuereinnahmen, das macht sie vollkommen impotent.

  • Claire Deneuve sagt:

    Da scheinbar einige hier die Geldmenge alleine etwas überschätzen hier nochmals die Basisformel
    M * V = P * Q
    M = Geldmenge
    V = Geldumlaufgeschwindigkeit
    P = Preisniveau
    Q = Output
    .
    In der CH haben wir die tiefste Geldumlaufgeschwindigkeit seit der Gründung der SNB 1906, in den USA zumindest seit der grossen Depression (Werte davor sind schwierig zu finden).
    Weitere Einflussfaktoren sind Waren, Dienstleistungsüberschüsse oder Defizite, die Kapitalbilanz und das Verschuldungsniveau vs. dem Ausland je nachdem in Fremd oder Eigenwährung. Die Amis mit der WeltLEIDwährung haben da natürlich einen grossen Vorteil, den sie v.a. seit WK II erbarmunglos ausnützen, was auch ein Donald weiss und sich darum auch in der Hochkonjunktur hemmungslos weiter verschuldet…

    • Meieriesli sagt:

      Geldumlaufgeschwindigkeit innerhalb welchem Bereich? An den Finanzmärkten dürfe sie so schnell sein wie noch nie, schauen Sie sich bloss mal die täglichen Volumina (Nominalbeträge der gehandelten Kontrakte) an den Devisenmärkten an. Vielleicht wird heutzutage schlicht am falschen Ort gemessen.

      • Rolf Zach sagt:

        Wenn sich die Nationalökonomen über etwas einig sind, dann ist es die von Frau Deneuve aufgezeigte Quantitätsgleichung von Irving Fisher. Es geht dabei um reale Transaktionen und nicht um virtuelle, denen keinen handfesten Nutzen haben. Muss man all diese Derivate in dieser Gleichung berücksichtigen? Ich glaube nicht. Besonders diejenigen nicht, die von Banken selbst emittiert werden und nicht öffentliche Börsen-Instrumente sind und deshalb nicht kotiert werden. Das Casino für die Produktivität einer Volkswirtschaft einzubeziehen, scheint mir vermessen. Ich würde lieber jemand kommt daher und entwickelt einen Index der Gefährlichkeit dieser virtuellen Transaktionen für die Finanzmärkte.

    • Claire Deneuve sagt:

      Meierrisli: Denk die Geldumlaufgeschwindigkeit im Verhältnis zum BIP resp GDP.
      Und da gibt es auch verschiedene Geldmengenumlaufgeschwindigkeiten z.B. in den USA MV1 (Money Velocity), MV2 und MVMZM (M3 haben die USA irgendwann so um 2005 einfach abgeschafft, vermutlich aus Vertuschungsgründen vor der grossen Finanzkrise)
      https://fred.stlouisfed.org/series/MZMV
      https://fred.stlouisfed.org/series/MZM

      Die Umlaufgeschwindigkeit errechnet sich ganz einfach GDP/durch entsprechende Geldmenge.
      .
      All das Mickey Mouse Derivatezeugs ist nun mal keine echte Wertschöpfung sondern nur Bites und Bytes in Form von Finanzwetten.
      Oder im Devisenhandel werden jeden Tag gegen 6 Billionen hin und hergeschoben.
      .

  • Josef Marti sagt:

    Infolge Globalisierung und weltweiter Herabnivellierung der Löhne ist eine Konsumpreisinflation vom Tisch. Das MMT funktioniert aber nur wenn man sich in eigener Währung verschulden kann und keine FW Kredite benötigt sowie dieses System Wachstum ankurbelt und somit die Schuldenquote stabilisiert, was wiederum nicht garantiert ist. Dass sich das Bankensystem derart für den Staat einspannen lässt ist unrealistisch, die Wall Street lässt sich das nicht bieten, und nur die Wall Street regiert das Land, der Rest ist Fassade.

    • Rolf Zach sagt:

      Einverstanden. Bei der Globalisierung zählen die Lohnstückkosten mehr als das Lohnniveau selbst.
      Man kann sich auch Fragen, warum nicht Mexiko mit seinem tiefen Lohnniveau und der Zollunion mit den USA und Kanada, die chinesischen Textil-Exporte nicht in Grund und Boden gestampft haben.
      Für das Bankensystem selbst in den USA, ist der Gewinn an erster Stelle. Von diesem Gesichtspunkt aus, ist es gleichgültig, ob dies Treasuries, Kredite an die Wirtschaft oder für die Spekulation sind.

  • Rolf Rothacher sagt:

    MMT bedeutet einzig: „Kaufe heute, bezahle morgen.“
    Zahllose Staaten haben das bereits versucht und sind gescheitert. Die Chinesen führten vor 900 Jahren Geldscheine ein, verboten gleichzeitig den privaten Besitz von Gold und Silber. Der Kaiser lies so viel Geld drucken, wie er zur Umsetzung seiner Ideen benötigte. Die Inflation galoppierte und die Wirtschaft krankte über Jahrhunderte.
    Im 16. Jahrhundert wiederholte China denselben Fehler. Die Folge? Von 1540 bis 1644 (Ende der Ming-Dynastie) wurden keine neuen Geldscheine mehr in Umlauf gebracht. So gross war die vorangegange Geldverschwendung gewesen. So lange dauerte das „Abtragen“ der wertlosen Staats-„Investitionen“ (z.B. Grosse Mauer).

    • Bernhard PIller sagt:

      Interessanter historischer Exkurs!

    • Claire Deneuve sagt:

      „MMT bedeutet einzig: „Kaufe heute, bezahle morgen.““

      Na und Rothacher, Sie als bekennender Hardcore Leugner eines antropogenen Einflusses durch Treibhausgase auf das Klima leben ja auch nur nach der Devise: Konsumiere und emittiere heute und bezahlen sollen dann die künftigen Generationen morgen. Und jene Rechnung wird höchstwahrscheinlich sehr gesalzen ausfallen.
      Von dem her verstehe ich Ihr hyperventilieren nicht, die Welt wird nachher über Jahrhunderte bis Jahrtausende erkranken und dann werden auch die Folgen der MMT nur noch wie ein etwas missratener Kindergeburtstag wirken.
      Also cool down Rothacher….feiern wir die Party noch bis zum bitteren Ende, wenn alle nur noch am kotzen sind…
      .

    • Meieriesli sagt:

      Womit bezahlen Sie, sei das heute oder morgen? Mit Batzen, die (so erwarten oder vertrauen Sie) auch morgen noch als Zahlungsmittel akzeptiert werden und im Wesentlichen die heutige Kaufkraft haben. Ob das Goldvreneli sind oder eine Fiat-Currency sind, hat darauf nur unwesentlich Einfluss, letzlich basiert die Geldseite einer modernen Wirtschftschaft immer auf Vertrauen ins System und Stabilität der Kaufkraft. Sogar wenn Sie Bitcoin benutzen sollten.

      • Claire Deneuve sagt:

        Meieriesli: Nur der Glaube und das Vertrauen zählt.
        Solange das stimmt, stimmt es und sonst endet es wie damals an jenem wirtschaftshistorisch legendären 9. August 2007, dem Tag an dem sich die Banken nicht mehr vertrauten und die Zentralbanken als Vertrauensvermittler einspringen mussten (damals noch nicht mit Geld, sondern als reine Vertraueninstitution).
        .

        • Meieriesli sagt:

          Der Zusammenbruch des primären Geldkreislaufs kam erst mehr als ein Jahr später in Folge des Kollapses von Lehman und AIG. Noch nicht einmal der faktische Konkurs von Fannie Mae im Sommer 2008 hatte grosse Verwerfungen zur Folge, obwohl das betroffene Kreditvolumen vermutlich um ein Vielfaches grösser war – aber FNMA ist eben ein GSCE bei dem man auch heute noch Staatsgarantie annimt.

          Aber mal davon abgesehen: Der Franken hatte auch 2008, vorher und nachher, im wesentlichen den selben Wert und Kaufkraft. Und ja, letztlich ist diese Werthaltigkeit zu grossen Teilen eine Frage des Vertrauens. Vertrauen wie das in die faktische Staatsgarantie von FNMA obwohl die Verantwortlichen das mW wiederholt verneint haben.

          • Claire Deneuve sagt:

            Meieriesli: Nur das offizielle Eröffnungsdatum war eben schon vorher, nur hat das niemand mitbekommen. Mich hat damals ein Arbeitskollege darauf aufmerksam gemacht und irgendwie ist mir das noch genau in Erinnerung geblieben. War ein wirtschaftshostirisch bedeutendes Event.
            Der Börsencrash 1929 startete auch am 24. Okt. 1929, aber der abslute Tiefstpunkt war auch erst im Juli 1932 mit 89% Verlust vs. Sept. 1929
            Die Panic von auch Oktober 1907 begann auch schon einiges früher, damals als der gute alte J.P Morgan das Finanzsystem durch Ueberzeugungskraft fast im Alleingang rettete, wofür heute FED, EZB etc zuständig sind
            https://en.wikipedia.org/wiki/Panic_of_1907

  • Lorena sagt:

    Die Inflation ist nur nicht gestiegen, weil mit den tiefen Zinsen schlechte Unternehmen, die eigentlich bankrott hätten gehen müssen, künstlich am Leben bleiben konnten. So wurde das Angebot künstlich aufgebläht und die Preise konnten nicht steigen. Dafür ist die Inflation in Vermögenswerten geradezu exploidiert. Diese sind aber, fälschlicherweise meiner Meinung nach, nicht Bestandteil des Konsumentenpreisindex. Die MMT praktiziert man in Japan seit nun genau 30 Jahren. Warum man woanders ein besseres Ergebnis mit der gleichen Politik erwartet, erschliesst sich mir irgendwie nicht so ganz.

    • Claire Deneuve sagt:

      Lorena: Nun wenn die Immopreise und in Folge auch die Mietpreise und Produktionsstättenmietpreise immer höher werden, sind die indirekt sehr wohl wieder zumindest partiell im LIK mit dabei. Und ob für einen Salvator Mundi von angeblich Da Vinci 450 Mio bezahlt werden, das interessiert den Otto Normalo jetzt wirklich nicht
      Japan ist seit ca. 6 Jahren in einer neuen Eskalationstufe.
      Schauen Sie sich mal das BOJ Balance Sheet an

      https://www.yardeni.com/pub/peacockfedecbassets.pdf

    • Meieriesli sagt:

      Der Konsumentepreisindex misst das, was er bezeichnet, insofern ist die Bezeichnung korrekt. Würde er etwas anderes (meinetwegen mehr, breiter) messen, wäre er nicht mehr der KPI.

      Aber Sie haben völlig recht, in einer etwas längerfristigen Betrachtung herrscht in anderen Bereichen massive „Inflation“. Liegenschaften, Finanzwerte, Kunst, Edelsteine und -metalle, sammelwerte Güter, etc. Nur wird das eben nicht als Inflation betrachtet weil die sich per Definition auf den KPI bezieht. In dem Sinn kann man durchaus argumentieren, dass der KPI im Vergleich zu den meisten anderen Kategorien massiver Deflation unterliegt. Was niemanden stört solange das Wirtschaftswachstum nicht beeinträchtigt wird.

      • Alex sagt:

        Herr Meierieslie wo machen sie den Unterschied ob es sich um Inflation oder Wertsteigerung handelt und gegenüber was?
        Wechseln Liegenschaften, Finanzwerte, Kunst, Edelsteine und -metalle so oft den Besitzer, dass diese Güter eine ausreichend hohe Gewichtung im Kaufalltag einnehmen? Und inwieweit hat der Staat die Möglichkeit privaten Vermögens-/Güterwechsel und die Inflation/Wertzuwachs davon zu überwachen und in die Inflationsrechnung aufzunehmen?
        https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/preise/erhebungen/lik/warenkorb.html
        Der Hauskauf ist sogar indirekt enthalten unter Wohnen und Energie: Unterstellte Miete für selbstgenutztes Wohneigentum 4,317 von 1000
        Wie sie bereits aufzeigen gibt es nicht die eine Inflation, sondern viele mit unterschiedlichen Implikationen.

  • Robert Walpole sagt:

    Eine wirklich stabile Volkswirtschaft ist ein hoher Anspruch an die Wirklichkeit.
    Ein Approach im Kontext mit den Vorstellungen ist wahrscheinlich nur dann möglich, wenn Anspruch und Wirklichheit nicht Welten auseinanderliegen.
    Und vor allem: Wenn das Bildungsniveau der Bevölkerung hoch, der Anspruch der Individuen deckungsgleich und nicht überzogen ist und die Sozialsysteme nicht überbelastet sind.
    Die Wirtschaft, die der Schlüssel zu allem ist, muss kompetitiv und innovativ sein. Das Anwerfen der Notendruckpresse hat jedenfalls noch nie geholfen.

  • Max Blatter sagt:

    Als ökonomischer Banause verstehe ich nicht viel mehr als „Bahnhof“! Was ich mir aber als Ingenieur schon lange wünsche: Eine verlässliche, weltweite Währungseinheit, klar definiert und unveränderlich, so wie das Meter bei den Längeneinheiten (das ja auch nicht willkürlich mal länger, mal kürzer wird). – Aufgrund des Artikels erkenne ich nicht, ob die genannte „neue Theorie“ diesem Ziel dient oder von ihm wegführt. Im ersten Fall hätte sie meine Zustimmung, im zweiten Fall nicht.

    • Bernhard PIller sagt:

      Eine verlässliche Währung wird es nie geben. Währungen dienen dazu, einerseits den Zahlungsverkehr zu ermöglichen und anderseits dem Bürger bei Bedarf das Vermögen zu verwässern um die Staatsausgaben zu finanzieren. Währungen sollten nur als Transitorien benützt werden, denn sie haben keinen intrinsischen Wert.

    • Henry Meyer sagt:

      Eine „verlässliche, weltweite Währungseinheit“ würde nie funktionieren. Bestes Beispiel ist die EU mit ihrem Euro. Für die einen ein Segen (Deutschland) für die andern ein regelrechtes Gefängnis, fast ohne Ausbruchsmöglichkeit.

    • Alex sagt:

      Es gab die Idee des Bancor-Systems (Diskussion nach 2.WK über Finanzsystem) und es gibt die Sonderziehungsrechte beim IWF die eine sagen wir mal rudimentär ähnliche Funktion erfüllen soll.

      Wenn eine weltweite Organisation mit dieser Machtfülle die sie wünschen ausgestattet werden würde, wäre es der SNB und insbesondere der Schweiz nicht mehr möglich Außenhandelsüberschüsse aufzubauen. Um die Parität von Sfr. zu SZR aufrechtzuerhalten müsste z.B. eine expansive Fiskalpolitik direkt der Aufwertung entgegenkommen.

  • Zufferey Marcel sagt:

    Ein Blick nach Simbabwe reicht, um zu sehen, was passiert, wenn man unendlich viel Geld druckt. Deutschland während der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts liefert ebenfalls eindrückliches Anschauungsmaterial. Andererseits: Man hat ja die Banken und andere Finanzdienstleister auch gerettet, wie u. a. die Bilanzen der europäischen und US-amerikanischen Zentral- und Notenbanken zeigen. Warum nicht auch die Zivilgesellschaft?

    • Claire Deneuve sagt:

      Solange alle nur in ihrer Heimwährung verschuldet sind, wird das eben nicht in dem Ausmasse passieren wie 1923 in D, in Südamerika mehrmals oder in Zimbabwe.
      Diese Unterschied checken viele einfach nicht…

      • Zufferey Marcel sagt:

        Ein gewichtiges Argument, das wusste ich im Falle der Weimarer Republik nicht einmal. In Südamerika ist es mir seit Argentinien klar. Und in Südostasien habe ich die Tigerkrise hautnah miterlebt. Die betroffenen Staaten haben ihre Lehren aus dieser fundamentalen Krise gezogen, wie ein Blick auf die Bilanzen der entsprechenden Zentral- und Notenbanken (im Vergleich zu ihren westlichen Pendants) eindrücklich zeigt!

        Dann müssten die Zentral- und Notenbanken also nur ihre Fremdwährungsreserven drastisch reduzieren, damit das MMT funktioniert?

        • Alex sagt:

          Soweit ich verstanden habe setzt MMT weniger auf „Checks and Balances“ sondern auf Veranwortung des Staates die Währung adäquat zu nutzen. MMT funktioniert für den Staat immer mit der eigenen Währung, aber nicht mit Fremdwährung und es ist nicht notwendig Reserven aufzubrauchen.

          Es geht um den Kanal (NB->Staat) wie die Geldmenge in den alltäglichen Kreislauf hineingeführt wird und dort für mehr Wohlstand sorgt. MMT funktioniert nur ob es hilfreich ist um bestimmte Probleme zu lösen ist eine andere.

        • Claire Deneuve sagt:

          Zufferey: Die Europäer, Amis, Japaner, Kanadier, Australier und zunehmend auch die Chinesen haben eben dieses Devisenproblem nicht, da sie mit wenigen Ausnahmen (tw. Balkan etc) vornehmlich in ihrer eigenen Währung verschuldet sind und darum viel weniger anfällig sind auf ein galoppierende oder gar Hyperinflation der Heimwährung. Der ganze Aussenhandel und Kapitalbilanz, sowie die vorhandenen Devisenreserven spielen hierbei natürlich auch eine wesentliche Rolle.
          Aber bei den Schwellenländern hat die Verschuldung in sog. Devisenwährungen in den letzten Jahren massivst zugenommen, das wird nicht nur in Venezuala und Argentinien und tw. Afrika ein Problem werden in den nächsten Jahren.

  • Joe Amberg sagt:

    Wieviele Länder haben diesen Schwachsinn in den letzten hundert Jahren ausprobiert und sind allesamt krachend auf die Nase gefallen?
    Angefangen von der Hyperinflation der Weimarer Republik 1923, bis zu allen crahes in Südamerika? Obwohl das ja alles überhaupt nicht sein kann, sie alle hatten eine eigene Währung und eine eigene Notenbank.
    Dass die USA das nun angeblich können, und zwar bis in alle Ewigkeit, ist eine dämliche Behauptung, aber sicher keine Gewissheit.
    All diese Schuldenkonstruktionen werden garantiert von den Realwerten – und damit der Inflation auf der final wertlosen Währung – gekillt.

    • JOHANN KREBS sagt:

      Nicht ganz Wahr. Der SwissFranc ist auch im Bund der FIAT Bruderschaft die vorallem aus Noerdlichen Waehrungen (sprich Western). Daher muessen wir tiefer schauen und Selbstverantwortung uebernehmen und Verschuldungen vermeiden nicht wie gerade Venezuela , oder Agrgentina.

      • Anton Paschke sagt:

        Argentinien kommt vom französischen Argent, das eventuell auch katalanisch ist. (bin nicht sicher) Da hatte es immer Geld wie Heu, in den letzten 100 Jahren 11x einen Staatsbankrott.

    • Claire Deneuve sagt:

      Amberg: Sowenig Sie eine Ahnung von unserer Arbeitslosenberechnung haben, sowenig haben Sie einen Ahnung von Inflation.
      1923 war die Weimarer Rep in einer für D „Fremdwährung“ verschuldet, nämlich der sogenannten Goldmark, die Heimwährung war aber die, welche hyperinflationierte Papiermark und in Südamerika Dito, die waren alle in US$ verschuldet und die Heimwährungen sind inflationiert
      Von den Devisenwährungen US$, CHF, £, Can $, hatte noch keine je eine Hyperinflation. Rund 20% pa war da das höchste der Gefühle (z.B Japan in den 70ern und USA um 1980), eben weil die nicht in Fremdwährungen verschuldet waren.

      • Meieriesli sagt:

        Die Währung der Weimarer Republik war die Goldmark? Ganz sicher?

        Wer anderen „Sie haben keine Ahnung“ vorwirft, sollte sicherstellen dass die eigenen Statements wasserdicht sind.

        • Marcel Senn sagt:

          Meieriesli: Die Papiermark war die Währung, aber die Schulden mussten in Goldmark zurückgezahlt werden, zuerst 21 Mrd, dann 269 Mrd und dann wieder runter auf 132 Mrd, was aber immer noch viel mehr wahr, als damals bislang an Gold weltweit gefördert worden war und in Deutschland gibts bekanntlich kein Gold, sondern nur stinkige Stein- und Braunkohle. Die Goldmark war sowas wie eine Fremdwährung für D.
          Zudem liess die Reichsbank wegen der Ruhrkrise die Papiermark absichtlich inflationieren.
          Aber sie bekamen es dann in den Griff von Nov 1923 bis August 1924 kam dann die Uebergangswährung Rentenmark Dann die Reichsmark bis zur DM 1948
          Die RM war erstaunlich stabil, gut Hitler hat dann die Schuldenrückzahlung gleich ganz gestrichen – so kann man eine Währung auch stabil halten

          • Meieriesli sagt:

            Einverstanden. Der Beginn vom zweiten Absatz zeigt, weshalb die Behauptung von Deneuve falsch ist.

        • Claire Deneuve sagt:

          Meierisli: Was genau ist falsch an meinem Kommentar?
          Die Reparationszahlungen hätte die Weimarer Republik nie in Goldmark zurückzahlen können, auch nicht in den vereinbarten 42 Jahresraten.
          https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Reparationen_nach_dem_Ersten_Weltkrieg
          https://de.wikipedia.org/wiki/Mark_(1871)
          .
          Die Goldmark war eben eine künstliche Parallelwährung, welches D nicht selber herstellen konnte, sondern dafür Gold hinterlegt haben musste.
          Liebes Meieriesli, jetzt wüsste ich gerne, was daran falsch ist.
          Argentinien hatte übrigens 1989 auch Hyperinflation, dann 1990 mit den Arg Peso 1:1 an den US$ gekoppelt haben . Ein+/- goldenes Jahrzehnt folgte & Ende 2001 der Staatsbankrott.
          Viele Geldtrugsspiele sind möglich!
          Argentinien kennt alle Tricks, hilft aber nix!

          • Claire Deneuve sagt:

            Meieriesli: Dass die Reichsmark ab August 1924 dann lange relativ stabil war, war dem Dawes Plan 1924 zu verdanken und dann dem Young Plan 1926, das waren also nicht mehr Ceteris Paribus Bedigungen wie noch 1923, als die Reichsmark die Papiermark auch absichtlich hyperinflationieren liess wg. den unmöglich zu bezahlenden Goldmarkschulden und der Ruhrgebietbesetzung.
            .
            Der junge Maynard Keynes hatte übrigens schon 1919 den Versailler Vertrag kräftig kritisiert, weil er planlos in Bezug auf Wiederaufbau war und auf amerikanischer Seite vor allem von gierigen Wall-Street Bankern geführt wurde, die eben auch politische Posten innehatten und schon damals etwas realitätsfremd waren.
            .
            Also Meieriesli, ich warte immer noch auf Ihre Antwort wo ich angeblich falsch gelegen bin!!

          • Meieriesli sagt:

            Ganz einfach:
            Die Weimarer Republik hatte mehrere Währungen.

      • Anton Paschke sagt:

        Bei der deutschen Hyperinflation war noch der Hugo Stinnes, Präsident der Reichsbank, beteiligt, der die politische Macht hatte sich von der Reichsbank Geld für seine privaten Geschäfte zu borgen.
        Lustig ist auch noch die Geschichte der ungarischen Hyperinflation.

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Verständnisfrage:
    Was genau macht die EZB anderes, als die Staatschulden finanzieren, in der Meinung, dann würden die Staaten die Konjunktur ankurbeln? Ich verstehe den Artikel nicht richtig. Dieses skrupellose Vorgehen ist doch gang und gäbe seit ein Italiener Chef von der EZB geworden ist.

    • Robert Walpole sagt:

      @Jürg
      Ich gehe mit Ihnen grundsätzlich einig. Beim Versagen von Politik, Finanzpolitik und Wirtschaft in einem Staat leiden wir aber immer an den gleichen Folgen: Der Migration in die erfolgreicheren Länder. Der einzige Zustand, der politische und gesellschaftliche Stabilität überhaupt ermöglicht, ist ein als „gut“ empfundener Wohlstand breiter Bevölkerungsschichten und die Zuversicht, dass dieser (noch) grösser, mit Sicherheit aber nicht kleiner wird.
      Diesen Zustand zu erreichen und zu stabilisieren, ist eine Herausforderung. Die Politik kann das nicht, eine Notenbank kann das ebenfalls nicht. Sondern? Nur ein System, welches auf dem gesunden Menschenverstand, dem Leistungswillen der Mehrheit der Bevölkerung und der Lust am Wettbewerb basiert ist in der Lage, sich selbst zu helfen.

      • Claire Deneuve sagt:

        Brechbühl: Als notorischer EU Hasser hätten Sie es vermutlich lieber gehabt, dass die Euro Zone schon um 2012/13 kollabiert wäre, da Italien, Spanien, Portugal ua. in geringerem Ausmasse die Zinsen von 7-8% tendenz damals eher steigend nicht mehr hätten bezahlen können und bald mal den Staatsbankrott hätten anmelden müssen.
        Die € Geldmenge M3 ist seit 2009 von 9.5 Bio € auf aktuell 12.5 Bio € nur um bescheidene 31.5% gestiegen, nur relativ wenig stärker wie das NOMINALE € Zonen-GDP mit 26% von 2009 bis 2018.
        Der grosse Shift von bei M1 statt von knapp 4 Bio auf 8.46 Bio €, aber M3 bewegte das unterproportional wenig.
        Das war/ist Draghis Dilemma und die Money Velocity nimmt stetig ab…
        https://thistimeitisdifferent.com/eurozone-money-velocity-august-2018

  • Michael Stöcker sagt:

    „Eine MMT-Politik setzt einzig voraus, dass ein Land eine eigene Währung mit eigener Notenbank hat. In der Eurozone wäre sie für die Mitgliedsländer daher unmöglich.“

    Sie ist aus einem weiteren Grund in der Eurozone unmöglich: Art. 123 AEUV (Verbot der monetären Staatsfinanzierung). Nicht verboten ist hingegen die unmittelbare monetäre Bürgerfinanzierung durch die EZB: https://makronom.de/14-argumente-fuer-ein-zentralbankfinanziertes-buergergeld-17593 . Damit bleibt es auch weiterhin bei einer strikten Trennung im System der Checks and Balances zwischen Geld- und Fiskalpolitik und somit bei der Verantwortlichkeit der Zentralbank hinsichtlich ihres Inflationsziels.

    LG Michael Stöcker

    • Josef Marti sagt:

      Die Euroländer haben sehr wohl eine eigene Notenbank, jedoch eine gemeinsame Währung. Das Gelddrucken über die eigenen Notenbanken kann ihnen nur mit 2/3 Mehrheit im EZB Rat untersagt werden, also gar nicht.
      Italien, Spanien, GR etc. können somit mit selbstgedrucktem Geld Aussenschulden tilgen und ihr Handelsdefizit finanzieren, im Gegenzug erhält dafür die D Bundesbank eine zins- und tilgungsfreie Buchforderung.
      Ist das jetzt MMT Politik?

  • Anh Toàn sagt:

    MMT scheint mir, was die in China oder Vietnam machen: Das scheint ziemlich gut zu funktionieren. Macht man MMT in einer Demokratie, zumindest einer protestantischen Kultur, wird man abgewählt, denn Schulden sind in der Kultur von Arbeits- und Sparsamkeit eine Todsünde, Völlerei sozusagen. Die Katholiken sehen das weniger eng, und so sind Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland viel höher verschuldet.

    „In der Eurozone wäre sie für die Mitgliedsländer daher unmöglich.“ Ich meine mich zu erinnern an ein paar Jahre, in denen Griechen und Italiener und Spanier Defizite machten, und die EZB deren Schulden kaufte. War das gar nicht möglich? Oder war das keine MMT und was war da anders als bei MMT?

    • Rolf Rothacher sagt:

      1.) Die EZB hat die Staatsanleihen im Verhältnis der Volkswirtschaften gekauft, also mehr Anleihen aus Deutschland als aus Italien, Spanien oder Griechenland. Deshalb ist es keine Staatsschuldenfinanzierung. Der Ankauf diente dazu, Anlagemöglichkeiten aus den Märkten zu nehmen und so alle Akteure zu neuen Investitionen zu zwingen, was teilweise funktionierte (explodierende Preise bei Immobilien und im Kunstmarkt).
      2.) Wie es mit China und Vietman „enden“ wird, wisssen wir nicht. Auf jeden Fall sehen wir in beiden Ländern, dass man hunderte von Milliarden nutzlos in Infrastruktur und neue Städte steckt, die unbewohnt bleiben. Diese Geldverschwendung wird sich irgendwann grässlich rächen. Da muss man kein Prophet sein. Das beweisen alle früheren ähnlichen Versuche.

      • JOHA KREBS sagt:

        Der Kommentar Das mit Vietnam ist nicht Wahr. Lebte gerade 3Jahre in Vietnam und sah dass die Strassen, die Bruecken, die Fabriken, die Electeriziaeht und der Schienenverkehr besser wurden und dem Volk dienten um besser an Maerkte mit Frischproduckten zu gelangen. Dazu kommt noch dass Vietnam seine Landwirtschaft sehr ernst nimmt (nicht mit Tod bringenden Landwirtschaftssubentionen die die Bauern zur Denkfaulheit erzieht wie bei Euch)
        Vietnam investiert nicht mit Schuldengelder sondern mit Ueberschussstaatsgelder. Daher waere es vernuenftig wenn sogennte Reporter oder Kommentatoren mal laenger nach Vietnam gehen wuerden und nicht bloss vom hoeren sagen was zusammen schreiben das eher nach West-gegen-Ost Populismus toent

        • Anh Toàn sagt:

          @Joha Krebs „Vietnam investiert nicht mit Schuldengelder sondern mit Ueberschussstaatsgelder.“

          Ob ein Überschuss ist, zeigen Bilanzen. Wenn Verluste nicht abgeschrieben werden, haben die Bilanzen Überschüsse. In Vietnam glaube ich keiner Zahl die irgendwo geschrieben steht. Ich vermute bei den vietnamesischen Banken viele faule Kredite an vietnamesische Staatskonzerne.

          Aber Vietnam hat hohe Aussenhandelsüberschüsse, das heisst, es hat Überschüsse an Devisen, es muss sich nicht in Fremdwährungen verschulden. Die vietnamesische Verschuldung ist in VND. Genauso wie die auch hier schon Thema gewesenen gigantischen chinesischen Schulden in Yuan sind. Und die Gläubiger sind Inländer.

      • Claire Deneuve sagt:

        Rothacher: Sie können in Ihrer westlichen oberflächlichen Sichtweise natürlich nicht erkennen, dass diese Städte nicht „unbewohnt“ bleiben, sondern diese Städte nun mal bis zu 20 Jahren brauchen bis sie gefüllt sind und das geht eben nicht von heute auf morgen.
        Sie müsste sich eher Sorgen machen um den sich erhöhenden Leerwohungsbestand in Ihren Nachbarskantonen wie z.B. SO, AG etc. Wenn Sie und Ihre schweizschädigenden Kreise dann noch die Begrenzungsinitiative durchbringen würden, dann könnten wir infolge Nachfrageeinbruch doch echt noch in eine Immokrise der hässlicheren Sorte reinlaufen und dann gehts auch Ihnen an die Substanz. Aber ist vermutlich die einzige Sprache, die Leute wie Sie verstehen, wenn sich die eigenen Vermögen in Luft auflösen…

      • Anh Toàn sagt:

        @Rolf Rothacher: „Die EZB hat die Staatsanleihen im Verhältnis der Volkswirtschaften gekauft, …“

        Hat sie? Falls ja, war es dennoch nicht der tatsächliche Kauf der Staatsanleihen welches die Zinsen trotz weiteren Defiziten tief hielt, sondern das „whatever it takes“: Falls notwendig hätte die EZB auch nicht im Verhältnis der Volkswirtschaften gekauft.

      • Meieriesli sagt:

        Ich mag mich täuschen, aber ich meine mich zu erinnern dass die EZB jeweils einen gleich grossen Anteil der ausstehenden Anleihen gekauft hat, meinetwegen je 25%, völlig unabhängig vom ausstehenden Volumen, der Zinsdifferenz zu DE, oder anderen lästigen Details.

    • Meieriesli sagt:

      GR ist glaub orthodox, nicht katholisch, oder? UK ist auch sowas ähnliches wie reformiert, hat aber eine nur unwesentlich tiefere Staatsverschuldung als das katholische FR. Schauen Sie sich die Verschuldung vor 10 Jahren an, da war sie auch bei vielen katholischen Staaten noch viel tiefer als heute.

      • Anh Toàn sagt:

        @Meieriesli

        Ich sehe mich nicht als Religionsspezialisten, aber die orthodoxen deutlich und die Anglikanische Kirche ein wenig näher beim Katholizismus als bei den Protestanten. Salopp gesagt, sehe ich in beiden Katholiken mit einem anderen „Papst“.

        Aber ich denke eher, ganz generell konnotiert eine grosse Mehrheit Schulden negativ. Ist ja auch richtig, solange man als Privater oder (Klein-)Unternehmer denkt. Nur Volkswirtschaft ist eben weder Hauswirtschaft noch Betriebswirtschaft, ist keine Betrachtung aus Sicht des einzelnen Wirtschaftssubjektes, sondern über die Gesamtheit der Volkswirtschaft. Und das ist ziemlich schwer zu verstehen, und noch schwerer, breiten Bevölkerungsschichten die es nicht wirklich interessiert, verständlich zu machen.

        • Meieriesli sagt:

          Ja, das ist das Paradoxe, dass es höhere Schulden braucht damit auf der Gegenseite eine Werterhöhung festgestellt werden kann.

  • Rolf Zach sagt:

    Wie sich eine MMT auswirkt, kommt immer darauf an, wie sich die wichtigsten Größen einer Volkswirtschaft zusammenwirken. Es sind dies hauptsächlich Arbeitslosigkeit, Gesamtverschuldung (nicht nur die vom Staat), Zinsniveau,
    Leistungsbilanz und Steuergerechtigkeit. Die letztere vor allem in ihrem Einfluss auf die Gesamtnachfrage. Auch die Frage der Qualität der Ausgaben stellt sich.
    Italien ist da ein im Ganzen mieses Beispiel, Griechenland war es ebenso.
    Es ist aber zu unterstreichen, auch die seriöseste MMT eines Landes hat Macken, wenn ihre Währung von ihren Bürgern und dem Ausland als Non-Valeur eingestuft wird und sie selbst keine Reservewährung ist, wie der mächtige $ und der halbwegs solide €.
    Was passiert wenn die Inflation galoppierend wird?

    • Rolf Zach sagt:

      Da ist das Sozialgefüge eines Landes zusammen mit der Auslandsverschuldung das entscheidende Kriterium. Natürlich ist es besser, man ist gegenüber dem Ausland in eigener Währung verschuldet. Dieses Privileg haben die Länder Lateinamerikas nicht, die USA aber schon und da ist die Versuchung groß, den $ abzuwerten. Unsere SNB konnte ja von der FED keine „Roosa-Bonds“ in SFr. erhalten, wie es bei Leutwiler der Fall war. Die Amerikaner wissen, wenn es bei ihnen knallt, sind es die Ausländer mit ihren Investments dort drüben, die den hauptsächlichsten Schaden haben.

      • Rolf Rothacher sagt:

        Warum sollte es bei den Amerikanern „knallen“? Die Verschuldung ist verglichen mit dem Euro-Raum oder China letztendlich geringer. Und die Wirtschafts-Dynamik im Gegensatz zu Europa weiterhin gegeben.
        MMT ist ein idiotisches, sozialistisches Konzept, das letztendlich bloss dazu führt, private Initiativen durch den Staat und seine Beamtenschaft zu hintergraben. Ein Staat mit unbegrenzten Mitteln frisst einfach alles auf, was er kann. Das hat das Scheitern der UDSSR doch mehr als eindrücklich bewiesen.
        Und erzählen Sie uns nicht, die UDSSR hätte aufgrund ihres riesigen Wirtschaftsraums nicht dieselben Voraussetzungen wie die USA heute gehabt. Es liegt am Wirtschaftssystem, ob’s funktioniert oder nicht, niemals aber an der Grösse.

      • Anton Paschke sagt:

        Die Schweizer, die in den USA investiert sind, werden es geniessen! Ein anderes Fettnäpchen, dass sie nicht auslassen dürfen ist IPO der saudischen Aramco. Im Moment ist es wieder still geworden darum, vielleicht hat es doch noch mehr Oel als ich denke. Andere offensichtliche Fehlgriffe sind deutsche Automobilindustrie und deutsche Energie. Gerade gestern habe ich versucht zu begründen, warum die Schweizer Binnenwirtschaft + Sozialversicherungen eigentlich ein komplexes Ponzzi-Schema sind. Glücklicherweise habe ich persönlich kein Geld mehr das ich irgendwo investieren müsste, es ist wirklich schwierig…

  • Rolf Zach sagt:

    Die Administration Trump verlangt von der FED die Zinsen zu senken und erlaubt sich ein Budget-Defizit von gigantischem Ausmass, trotzdem die Konjunktur-Daten im Gegensatz zu 2009 einigermaßen gut sind. Es wird nur auf dem Buckel der Armen gespart und sonst regiert eine durch die Republikaner lancierte Politik der Korruption und der Geldverschwendung. Hätte die USA nicht eine Währungsgeschichte der Seriosität mit Vertrauen und hätte sie nicht die $ Reservewährung, die international benötigt wird, wäre sie heute im gleichen Zustand wie dieser schreckliche Maduro in Venezuela. 2009 schwatzen die Republikaner von hohen Zinsen und heute können sie niedrig genug sein.
    Man muss unterscheiden bei MMT zwischen der Seriosität von Keynes und des fröhlichen Machens von Schulden à la Trump.

    • Rolf Rothacher sagt:

      Sie verkennen die Tatsachen in den USA, nämlich weiter gesunkende Arbeitslosigkeit, steigende Beschäftigung und steigende Löhne. Die Schulden der USA könnten „explodieren“. Doch während Bill Clintons Präsidentschaft rechneten dieselben „Experten“ bereits damit, dass die USA sämtliche Schulden schon in zwanzig Jahren abbezahlt haben werden und dass das ein riesiges Problem für die Finanzmärkte darstellen wird.
      Ihr „Ausblick“ ist genauso sinnfrei, wie die damaligen „Ausblicke“. Tatsache ist, dass die USA weit weniger verschuldet sind, wie die EURO-Staaten, weil die Sozialsysteme weniger stark ausgebaut sind.
      Doch Fakten interessieren ideologisch verbrämte Menschen nicht.

      • Anton Paschke sagt:

        Ja, Herr Rothacher. Sie befürworten also ein weiteres Oeffnen der Einkommensschere. Das weltweit führende Land war Pakistan, 0.01 % der Bevölkerung, ein paar Familien, besitzen 99.99 % der Vermögen, 99.99% Prozent der Bevölkerung besitzen nichts. Es ist ein „failed state“ weil der Staat die Reichen nicht schützen kann, sie sind gezwungen eine Privatarmee zu unterhalten.
        Namentlich erwähnen möchte ich die bei unseren Linken, Progressiven und Feministen so beliebte Familie Bhuto mit ihrer PPP = Pakistan People Party.

  • Rolf Zach sagt:

    Die MMT ist ein alter Hut und wurde bereits von Keynes in seinem Hauptwerk der „Allgemeinen Theorie“ 1936 vorgestellt und hat sich vor allem 2009 in den USA bewährt und ohne das Wirken der EZB wäre die EU und auch die Schweiz damals noch tiefer in die Kriese geraten. Aber davon wollen ja die € Hasser nichts wissen, die bleiben in ihrem erstarrten Denken. Da zählt nicht die Wahrnehmung der Realität, sondern nur ihr ideologisches Konstrukt, völlig losgelöst von volkswirtschaftlicher Beobachtung.
    Der letzte Beitrag von Krugman in der NYT erleuchtet dies gut. Es gibt eine Fiskalpolitik der Zulassung der Erhöhung von Staatsschulden, gekoppelt mit den Zinssenkungen der Notenbank, 2009 in den USA gut vorexerziert. Was jetzt in den USA vorgeht, ist unverantwortliche MMT.

    • H.Trickler sagt:

      Ach was, solche Theorien sind doch einfach nur toll! (Mindestens so lange bis zum Währungscrash mit Hyperinflation).

    • Rolf Rothacher sagt:

      Sie verwechseln und vermischen die Dinge.
      1.) Die Liquiditätsspritzen der Zentralbanken nach dem Crash von 2008 waren notwendig und sinnvoll.
      2.) Der Versuch der Zentralbanken, den Wirtschaftsmotor mit immer noch mehr Geld anzuwerfen, ist gescheitert. Das zeigt die schwächelnde Konjunktur in der EU mit der weiterhin hohen Arbeitslosigkeit.
      3.) Hat mit Euro-Hass nichts zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand. Die Rechnung der EZB kann nicht mehr aufgehen, weil die Politik keine Massnahmen ergriffen hat, um die EU-Staaten wettbewerbsfähiger zu machen. Die EZB hat den Staaten Zeit gekauft, die sie jedoch nicht nutzten. Selbst kleinste Versuche wie in Frankreich enden in Strassenkravallen.

      • Meieriesli sagt:

        Rothacher, ohne das Haushaltsdefizit von 4-5% würde auch die US-Konkunktur um einiges schlechter laufen. Nur schon eine Reduktion unter 3% würde vermutlich eine Rezession auslösen.

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