Das neue Engagement der Ökonomen

Geben Sie der Ökonomie eine Chance! Sie hat das Know-how, um einige unserer Probleme zu lösen. (Foto: iStock)

Zu oft werde «Marktfundamentalismus» für das gehalten, wofür Ökonomen stehen. Und das sei falsch. Das schreiben die drei in den USA lehrenden Ökonomen Seresh Naidu, Dani Rodrik und Gabriel Zucman in der Einleitung zu einer gratis per Internet verfügbaren Aufsatzsammlung, die von Ökonomen der führenden US-Universitäten verfasst wurde.

Für viele problematische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte wurden Ökonomen bzw. deren Theorien mitverantwortlich gemacht: Etwa für eine zu weit gehende Globalisierung und Öffnung der Grenzen. Oder für das Unterschätzen der Risiken und Nachteile, die von unzureichend regulierten Banken ausgehen und von ungehinderten internationalen Kapitalströmen. Ökonomen, so schien es, hatten immer eine Rechtfertigung bereit; ob es sich nun um eine wachsende Ungleichheit handelt oder um Machtverhältnisse in der realen Wirtschaft. Einige wurden nachweislich auch dafür bezahlt.

Zeit, den Elfenbeinturm zu verlassen

Wie wenn die Zunft wegen ihres bisherigen Images ein schlechtes Gewissen hätte, schiessen nun Engagements aus dem Boden, die die Inhalte dieser Wissenschaft der Allgemeinheit besser erklären wollen. Die eingangs erwähnte von Naidu, Rodrik und Zucman und weiteren ist nur ein Beispiel dafür. Mit der von ihnen vor kurzem mitbegründeten Organisation «Economists for inclusive Prosperity» (Ökonomen für eine inklusive Prosperität) – abgekürzt «Econfip» – wollen sie ganz konkret und verständlich aufzeigen, was die Ökonomie alles zur Lösung anstehender Probleme beitragen kann.

Schon im Herbst 2009 wurde mit einer Stiftungssumme des Hedgefonds-Pioniers George Soros das «Institute for New Economic Thinking» im Nachgang der Finanzkrise begründet. Der Anspruch lautet auch hier: «Wir sind Ökonomen, die konventionelle Weisheiten infrage stellen und Ideen voranbringen, die der Gesellschaft besser nützen.» Und schliesslich gibt es das «Core-Econ»-Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine «Ökonomie für eine sich verändernde Welt» zu betreiben. Die Organisation stellt online und unentgeltlich umfassende und ausgezeichnete Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und gibt ein mehr als 1100-seitiges Lehrbuch heraus, an dem mehr als 80 Wirtschaftsprofessoren mitgearbeitet haben.

Das Bild der Ökonomen war schon vor der Krise falsch. Ökonomen haben zum Beispiel, anders als oft behauptet, nie vertreten, dass ein grösstmöglicher Egoismus eines Jeden zum grössten Wohl für alle führt. Doch die Zunft hat früher zu wenig unternommen, um dem falschen Eindruck etwas entgegenzusetzen. Dass sie nun unter Rechtfertigungsdruck geraten ist und dass sich ihre Vertreter deshalb aus dem Elfenbeinturm heraus bewegen und der Allgemeinheit auch die Feinheiten ihres Fachs zu vermitteln versuchen, ist nur zu begrüssen. Wer sich die Mühe macht und sich auf das Angebot einlässt, wird viel lernen – unter anderem, dass Ökonomie eine komplexe Sache ist und sich schlecht für ideologische Parolen eignet.

66 Kommentare zu «Das neue Engagement der Ökonomen»

  • Pedro Reiser sagt:

    Alle, die hier die Märkte durch Staatsplanung ersetzen wollen, können in Venezuela sehen, wie gut das funktioniert. Seit die Chinesen die Planung der Mäkte aufgegeben haben und der Wettbewerb wieder spielt, hat sich China rasant entwickelt. Während die europäischen Wirtschaften überreguliert dahinplätschern, überholt China alle Länder und wird bald den Weltmarkt dominieren.

    • Paul Real sagt:

      Ich persönlich mag ja lieber Kaffee und Kuchen anstatt „Weltmarkt Dominierung“, Herr Darth Vader – Pedro Reiser. Ich halte jetzt auf jeden Fall schon mal Ausschau nach den vielen Ökonomen, die Ihnen gleich die Leviten lesen werden wegen ihrem Marktfundamentalismus. Man könnte natürlich einwenden, dass wie („gut“ passt hier nicht mehr so wirklich) die Märkte funktionieren, an Orten wie Bolivien oder Paraguay ebenfalls studiert werden kann – oder wieso nicht gleich im Niger oder Mosambik. Aber mit solchen Verlierern muss man sich ja nicht aufhalten nur wegen einem Argument?

    • J. Kuehni sagt:

      „Alle, die hier die Märkte durch Staatsplanung ersetzen wollen“…

      … bitte die Hand aufhalten. Wer möchte das?

    • J. Kuehni sagt:

      Venezuela ist das Strohmann-Argument der Neoliberalen gegen den verhassten Sozialstaat.

    • J. Kuehni sagt:

      China als Beispiel *freier* Märkte anzuführen ist geradezu ein Witz. Die Chinesen haben nicht die „Staatsplanung“ aufgegeben, sondern das kollektive Besitzmonopol. Wenn irgendeine Marktwirtschaft jemals staatsgelenkt war, dann die chinesische ab ca. 1990, vergleichbar allenfalls mit der amerikanischen Volkswirtschaft im zweiten Weltkrieg. Kein Firmenboss in China alloziiert irgendwelche Kapazitäten oder Ressourcen ohne Placet des Staates.

      Es gibt keine „natürlich“ funktionierende Märkte, bloss besser oder schlechter gelenkte. Genausowenig ist Kapitalismus ein Synonym für Freiheit oder Demokratie. Das ist alles bloss neoliberaler BS.

  • Roland Wyler sagt:

    Der Markt existiert und funktioniert überall und zwar immer dort wo sich mindestens zwei Menschen oder Objekte treffen. Wie er funktioniert wird von den Marktteilnehmern bestimmt. Der Markt ist somit nur so effizient, ehrlich, transparent, korrupt, betrügerisch wie die Marktteilnehmer es sind oder bestimmen. Markt ist ein virtueller Begriff für das was abläuft, wenn zwei Menschen oder Objekte miteinander interagieren, sich austauschen oder kommunizieren. Was dabei als Ergebnis rauskommt muss nicht zwingend gut, ehrlich, vernünftig oder begründbar sein. Es wird also wissenschaftlich nie möglich sein, den Markt zu verstehen und entsprechend einem Naturgesetz voraus zu bestimmen oder zu berechnen. Solange wir die Interaktion sämtlicher Hirn-Neuronen nicht verstehen, bleibt der Markt verborgen

    • Jan Svoboda sagt:

      @Wyler
      „Markt ist somit nur so effizient, ehrlich, transparent, korrupt, betrügerisch wie die Marktteilnehmer es sind oder bestimmen.“
      Das stimmt so nicht, die Funktion des Marktes ist einzig und allein das Ermitteln des Preises, daran kann absolut nichts korrupt oder betrügerisch sein, so lange die Teilnehmer sich völlig frei und unbeeinflusst entscheiden können. Diese Kondition ist aber seit der Einführung des Schuldgeldes und der legalisierten Geldfälschung durch (Zentral)Banken (1913) in keinem Land der Welt vorhanden. Die Zins und Geldmengemanipulation der Zentralbanken entsprechen der Planwirtschaft des Ostbloks in einer anderen Form. Entsprechend wird es auch durch den Kamin fliegen.

  • Wyler Roland sagt:

    Erstens ist Oekonomie keine Wissenschaft und zweitens wäre sie das, dann müssten wir alle unendlich reich sein. Das ist aber unmöglich. Oekonomie basiert auf keinen bewiesenen, nachvollziehbaren, reproduzierbaren Naturgesetzen. Die Theorien wurden nie in einem realen Experiment bewiesen. Wissenschaftlich bewiesene Naturgesetze sind an jedem Ort und zu jeder Zeit im ganzen Universum gleichsam gültig. Es gibt keine oekonomischen Naturgesetze die besagen, dass wir z.B. unendlich reich werden können. Oekonomie ist der Glaube an ein Wunschsystem mit dem Ziel, durch komplexe mathematische Modelle seine Wünsche zu realisieren. Und dies floppt immer und sehr eindrücklich und oft schmerzhaft.

    • Dan Gygax sagt:

      Danke! Ökonomie ist Sozialwissenschaft und versucht ganz einfach, das menschliche Verhalten zu erklären. Das wichtigste Grundprinzip heisst: Steigt der Preis von einem Gut, wird weniger davon konsumiert. Und: Versagt der Markt, soll der Staat flakierend eingreifen/lenken. Konkretes Beispiel: Der Staat muss eine Steuer/Abgabe auf CO2 erheben, damit der Ausstoss reduziert wird. Was tun mit dem Geld? Gleichmässig der Bevölkerung zurückerstatten. Resultat: Die Luft wird sauberer und es findet eine Umverteilung statt. Alle bleiben frei. Schaffen es moderne, wie oben zitierte Ökonomen, die Politik entsprechend zu beeinflussen, ist die Ökonomie Teil der Lösung, die Welt zu retten.

      • Roland sagt:

        Danke Dan. 1. Der Mechanismus der Lenkungsabgaben ist ein Beispiel dafür, dass der „Mark“ nie versagt, er funktioniert immer! In diesem Fall eben nur etwas anders indem er sich den neuen Rahmenbedingungen anpasst. Martversagen existiert nicht. 2. Die Oekonomie wird die Welt nicht retten oder was soll den da gerettet werden. Das Universum wird noch Milliarden Jahre existieren, die Spezies Mensch mit Sicherheit nicht. Das Prinzip der organischen Materie ist „evolutionäre Reproduktion“. Das einzige Prinzip der Biologie heisst „bestmögliche Übergabe des eigenen Genpools an den Follower“. Wer die beste Strategie hat überlebt, und da hat die Spezies Homo Sapiens nicht die besten Karten – er wird die Welt nicht retten können. Schau dir nur den Energieinhalt des Universums an, wir sind machtlos.

        • Roland sagt:

          Lieber Dan, noch ein Beispiel. Angenommen, ein grösserer Asteroid schlägt ein und löscht wie zu Dinos Zeiten 90% der reproduktionsfähigen Materie aus. Es überleben 1000 Menschen und die beginnen sich auszutauschen. Ohne Oekonomen, ohne Staat, ohne Wissenschaftler etc. Der Markt funktioniert weiter nur eben anders. Die Leute reden miteinander, ohne Handy und das ist der neue Kommunikationsmarkt. Sie tauschen Beeren aus und das ist der neue Agrarmarkt. Der Markt existiert immer nur eben nicht so wie sich das einige Oekonomen und Interessensgruppen vorstellen. Das Prinzip ist überleben. Reproduktion des Genpools. Das ist die Realität. Der Rest sind oekonomische Theorien welche nie bewiesen wurden, sie dienen dazu, sich auf irgend eine Weise einen Vorteil zu verschaffen. Reproduktion Genpool!

      • Jan Svoboda sagt:

        @Dan
        das Märli vom bösen CO2 ist fast so gut wie Des Kaisers neue Kleider, und wird deshalb laufend nachgeplappert, die Realität sieht aber anders aus. Für die Bildung des Treibhausefekts ist CO2 so gut wie irrelevant, ist lediglich reiner Abzockevehikel.

        • Claudio Hammer sagt:

          Svoboda: 270’000’000’000 Tonnen reiner schwarzer sichtbarer Kohlenstoff, also C verbunden jeweils mit zwei Sauerstoffatomen sind doch eine ganz Menge, zusätlich zu den schon seit hundertausenden von Jahren vorhandenen 600’000’000’000 Tonnen Kohlenstoff!
          .
          Die beiden Sauerstoffatome wären ja harmlos, aber das viele C bereitet mir klimatisch doch etwas Sorgen, da unsere Atmosphäre doch eine eher beschränkte Höhe und Volumen hat.
          .
          Aus dem ganzen C in der Atmosphäre könnte doch eine grosstresortürebreite Schicht im Universum um die ganze Erde komprimieren. Da ist eben schon einiges an Substanz dort oben und immer mehr antropogene Substanz kommt dazu. Jedes Jahr 5 Milliarden Tonnen Kohlenstoffatome dazu, it counts!.
          .
          Denken Sie mal drüber nach,

          • J. Kuehni sagt:

            Herr Hammer, Ihr Bemühen ist zwecklos.

            „Kein Argument der Welt kann einen Mann dazu bringen, etwas zu begreifen, wenn sein Einkommen davon abhängt, es nicht zu begreifen“ hat irgendeiner mal gesagt.

            Bei den Svobodas dieser Welt geht es bei diesem Thema (Klimawandel im Zusammenhang mit fossilen Energieträgern) wohl nicht einmal um irgendein Einkommen, sondern bloss um eine drohende Erschütterung der Comfort Zone im überdimensionierten SUV.

  • Pedro Reiser sagt:

    Das Problem ist doch nicht der Markt, sondern die Zerstörung des Markts durch globale Monopole. Man muss sich doch im Klaren sein, dass die Alternative zum Markt die Planwirtschaft ist. Wer heute noch glaubt, Planungsgremien oder mathematische Modelle könnten die Wirtschaft besser lenken als der Markt, steckt noch tief im 19. Jahrhundert. Wir sollten uns lieber überlegen, wie wir wieder zurück zu normal funktionierende Märkte kommen können.

    • Claire Deneuve sagt:

      Reiser: Nun jedes einigermassen gut organisierte Unternehmen operiert mit Planungsgremien, Zielvorgaben und auch mathematischen Modellen.
      Manche erreichen ihre Ziele, manche scheitern an ihren Plänen resp. den Märkten.
      „Normal funktionierende Märkte“ sind nichts anderes als das Resultat unzähliger Planungsaufwände. Firmen die einfach planlos vor sich hinwirtschaften überleben meist nicht allzulange.
      Sorgfältiges strategisches und operartives planen ist darum kein Relikt aus dem 19. Jh, sondern der Schlüssel zum wirtschaftlichen ueberleben im 21. Jh mit tiefen Wachstumsraten. In den 60er Jahren als die Wirtschaft noch quasi von alleine um 4-6% wuchs, war planen wirklich noch nicht ganz so wichtig, da wurde einfach drauf los gegusselt, die Aufträge kamen praktisch von selbst

    • Benjamin sagt:

      Pedro, es gibt keinen Kapitalismus ohne Planwirtschaft, so abstrus das klingen mag. Kein Investor spielt mit seinem Vermögen in beliebigen unsicheren Spielwiesen herum, ausser aus persönlichen Anliegen, aber das ist eine andere Geschichte. Je weiter nach oben in der Hirarchie man kommt desto verbindlicher wird die ganze Geschichte den es gilt, die Vermögen, Eigentum, Profite, Renditen vor allen unbefugten Zugriffen zu schützen. Dazu zählen auch demokratische Abstimmungen und Wahlen und folgend alle Gesetze die da kommen könnten i.e. Sozialabgaben, Renten, Arbeitsgesetze, Mindestlohn, Ferien also alles was Profite und Renditen mindern könnte. Es geht gar soweit das Investoren den Staat und somit die demokratische Gesellschaft auf Schadenersatz verklagen können sollte das passieren

      • Taric Trent sagt:

        @Deneuve: Vielleicht noch eine kleine Ausdifferenzierung: Die Produktion wird und wurde immer schon bis ins kleinste Detail geplant: Stückzahlen, Arbeitszeit, Personal, Maschinen – alles komplett durchgeplant und anders auch gar nicht möglich, bzw. suizidal für einen Marktteilnehmer. Neu ist eher, dass der Verkauf mitverplant ist – mit Rabatten, Aktionen, mit Imagepflege und undenkbar vielen mehr wird versucht Einfluss zu nehmen auf das Kaufverhalten der Konsumenten – und zwar nicht einfach: Ich mach ein gutes Ding, dann wird es auch gekauft. Sondern als „strategisches Managment“: Diesem Konkurrenten in jenem Segment folgende Prozent Marktanteil wegzunehmen mit diesem Rabatt usw, also der Verlauf der Konkurrenz selbst ist zum Planungsobjekt geworden, nicht nur die Produktion.

        • Pedro Reiser sagt:

          @Deneuve: Sie verwechseln Markt mit Marktteilnehmern. Natürlich planen die Unternehmen. Wenn hingegen der Staat den Markt plant, dann verzerrt er diesen, mit verheerenden Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Das haben inzwischen sogar die Nachfolger Maos in China gemerkt. Der Staat kann höchstens mittels Regulierungen, Exzesse korrigieren. Das Wichtigste ist die Verhinderung von Monopolen.

          • Claire Deneuve sagt:

            Reiser: Wenn ein Textilhersteller giftige Chemikalien ins Abwasser entsorgt, dann richtet er oft grössere Schäden an der Volkswirtschaft an als dass er Wertschöpfung betreibt.
            Es gibt genügend Marktteilnehmer die sich unehrlich verhalten, externe Kosten einfach sozialisieren und darum muss der Staat bis zu einem gewissen Masse eingreifen und Regulaorien bilden. Ja gegen Monopole gilt es wenn immer möglich vorzugehen oder sonst solche Funktionen soweit sie zum Basispaket des menschlichen Seins gehören (z.B. Wasser, Eisenbahnen etc.) können die von mir aus ruhig auch vom Staat betrieben oder von diesem gemeinwirtschaftlich organisiert werden. Die CH hat einige solch öff. Güter wie SBB, Hochschulen (eben nicht private Unis), Strassennetz (keine priv. Autobahnbetreiber) etc

          • J. Kuehni sagt:

            Sie verstehen, Herr Reiser, dass ihre Aufassung vom Verhältnis zwischen Markt und Staat geradezu den Kernbestand des real praktizierten Neoliberalismus von Maggie’s und Ronnies Gnaden ausmacht? Deren Regulierungsrückbau in den entscheidenden Bereichen von Finanzwirtschaft, Medien und Gewerkschaften machte die Entstehung der globalen Monopole, die Sie weiter oben beklagen, erst möglich.

            Der Glaube, dass Marktverzerrungen verschwinden, wenn bloss die Regierungen (demokratisch gewählte, notabene) sich aus den Märkten heraushalten, gehört zu den naiveren Ideen der Menschheitsgeschichte.

          • J. Kuehni sagt:

            Was bleibt vom Zweck einer Regierung übrig, wenn diese den Markt nicht reguliert? Ist etwa die Garantie von Privatbesitz, die Errichtung von Grenzen (egal ob Grundstücks-, Gemeinde-, Kantons- oder solchige eines Landes oder gar eines Kontinents) oder jede wie auch immer begründete Gesetzgebung keine Marktverzerrung? Wo fängt das an, wo hört es auf?

            Es ist vielleicht kein Zufall, dass sich romantische Vorstellung von „natürlich funktionierenden“ Märkten (auch in diesem Forum häufig elaboriert) stets auf primitiven Tauschhandel, etwa auf dem Niveau der Bronzezeit, beschränken. In jeder auch nur geringfügig weiterentwickelten Zivilisation setzt jeder Markt eine reg(ul)ierende Autorität voraus.

          • J. Kuehni sagt:

            In Absenz eines Rechtsstaates wird der Markt von der Mafia* verzerrt.

            *oder wahlweise: Aristokratie, Oligarchie, Trumpokratie, kurz Regierung per Familienclan.

          • Pedro Reiser sagt:

            Wenn die Märkte nicht mehr funktionieren, herrscht die bürokratische Willkür, die sehr schnell Korruption hervorruft. Natürlich muss der Staat intervenieren, um die Exzesse zu vermeiden, aber nicht, um die Märkte zu ersetzen. Wir haben nicht zuviel, sondern zuwenig Markt. Der Staat muss dafür sorgen, dass der Wettbewerb spielt und dass keine Monopole entstehen.

          • J. Kuehni sagt:

            „Natürlich muss der Staat intervenieren, um die Exzesse zu vermeiden, aber nicht, um die Märkte zu ersetzen.“

            Welche massgebliche politische Kraft in westlichen Ländern verlangt denn pauschal den Ersatz der Märkte durch den Staat? Bernie Sanders? AOC oder die SPD? Macron oder der perfide Salvini? Eine Intervention des Staates via Staatsmonopol kann selbstverständlich durchaus Sinn machen (ich nehme an, selbst Sie möchten die Grundversorgung Wasser nicht an Nestlé überantworten).

          • J. Kuehni sagt:

            „Wir haben nicht zuviel, sondern zuwenig Markt.“

            Ja stimmt, Herr Reiser. Aber eben nicht weil die Regierungen zuviel „interveniert“ haben, sondern zuwenig. Wer die grossen Hunde von der Leine lässt, schränkt die Freiheit der kleinen ein. Die Regulationsdichte samt Steuerbelastung steigt dann exponentiell an, aber nur für letztere.

          • Linus Huber sagt:

            Sie erkennen die Problematik gut, Pedro. Ohne z.B. die marktverzerrende Einflussnahme der Zentralbanken, welche u.a. zum Wohle der Grossunternehmen die Umverteilung von unten nach oben erzeugt, herrschte eine bedeutend dynamischere und breiter abgestützte Wettbewerbssituation. Seit dem Crash in 1987 haben die Zentralbanken einen immer höheren Einfluss zentralplanerischen Einfluss ausgeübt. Greenspans damalige Reaktion “The Federal Reserve affirmed today its readiness to serve as a source of liquidity to support the economic and financial system.” stellt wohl den Beginn der immer höheren Einflussnahme dar. Etliche weitere Episoden führten schliesslich zur heutigen Situation, in welchem der hoch spekulative Markt ohne den Einfluss der Zentralbanken sofort kollabieren würde.

          • Anh Toàn sagt:

            „Ohne z.B. die marktverzerrende Einflussnahme der Zentralbanken….“ Die sollten doch keinen Einfluss nehmen, die Zentralbanken, weil damit verzerren die Märkte. Die sollten nur dokumentieren, wie sich Zinsen und Geldmengen in freier Wildbahn entwickeln. Aber nichts beeinflussen.

          • Linus Huber sagt:

            Sicher doch, man kann nie genug planen und mit Gewaltmonopol durchsetzen; Venezuela ist dafür ein gutes Beispiel.

          • Anh Toàn sagt:

            Somalia ist ein gutes Beispiel, wie toll es ohne Zentralplanung und Gewaltmonopol funktioniert.

            Ihre Beiträge sind auf Kindergartenniveau.

          • Anh Toàn sagt:

            Reiseratgeber für Afrika sagen, man könne in Somalia überall mit USD oder EUR bezahlen: (Niemand sagt, man könne dort in Gold bezahlen) Also: Es gibt immer eine zentralplanerische Währung, die Frage ist nur, ob die Bürokraten in der eigenen oder einer fremden Zentralbank sitzen.

          • Linus Huber sagt:

            Eine derart hoch regulierte Gesellschaft wie die westlichen Demokratien mit einer Anarchie zu vergleichen kommt wohl niemanden in den Sinn ausser eben …

  • Claire Deneuve sagt:

    Dass in den Medien jetzt jeder erwähnte Oekonom als „Starökonom“ oder „Top-Oekonom“ bezeichnet wird scheint mir doch eine PR Kampagne zu sein, um das Image der Zunft aufzubessern, nachdem ein Grossteil der 0815 Oekonomen im Vorfeldn von 2008/09 so grässlich versagt haben mit ihren Prognosen
    Mit all den neuen möglichen Finanzinstrumenten basierend auf Derivaten und deren Einflüsse auf die Realwirtschaft tun sich viele der altbackenen Oekonomen eben noch ziemlich schwer.

    • Josef Marti sagt:

      Wenn Pleiten verhindert werden weil Haftung und Risiko voneinander getrennt werden ist die Marktwirtschaft erledigt und es besteht kein Unterschied mehr zum Sozialismus. Damit ist auch klargestellt wer im Politbüro sitzt, nämlich Notenbanken, Bankdirektoren und Finanzmarktaufsicht.

      • Claire Deneuve sagt:

        Marti: Nun ist die immer komplexere und ineinander verstrickte Finanzwirtschaft eben nicht ein Industriezweig wie jeder andere, weil praktisch alles da dranhängt und es darum zu Dominoeffekten kommen kann.
        Nach ein paar Scheinregulierungsbeschlüssen weht ja schon wieder ein anderer Wind, Trump will die Einschränkungen wieder lockern, andere werden folgen müssen.
        Was Bankenzusammenbrüche für politische Folgen haben können, hat man in Deutschland 1930-32 gut beobachten können.
        Das Ziel von Politik, Finanzmarktaufsicht und auch Notenbanken müsste sein präventiv so zu reagieren, dass ein 2008/09 gar nie mehr möglich ist.
        Nur die „smarten“ Banker sind der Politik eben meist mindestens einen Schritt voraus. Ein Grossteil der Politiker hat Null Ahnung vom Biz od. sind Profiteure

      • Linus Huber sagt:

        Richtig Josef, die Jungs in diesen Institutionen haben komplett versagt. Der Umstand, dass die Finanzwirtschaft seit den 80ger Jahren bedeutend höher als die Gesamtwirtschaft wuchs, hätte in jedem richtigem Ökonomen ein Warnsignal auslösen müssen. Speziell die Zentralbanken handelten zum Wohle der Banken anstatt der Bevölkerung. Die Unterlassung die Verantwortlichen der 2008 Krise zur Rechenschaft zu ziehen, war ein weiteres beispielloses korruptes Verhalten der staatlichen Akteure, indem dadurch das rücksichtslose Spekulieren (inkl. Umverteilung des Risikos auf die Allgemeinheit) als gesellschaftlich akzeptabel qualifiziert wurde.

        • Anh Toàn sagt:

          Linus Huber: “ Die Unterlassung die Verantwortlichen der 2008 Krise zur Rechenschaft zu ziehen, …“

          In Rechtsstaaten gilt der Grundsatz „keine Strafe ohne Gesetz“: Also wer hat gegen ein Gesetz verstossen und wurde nicht bestraft?

          Sollte man die Verantwortlichen für das Brexit Chaos auch bestrafen? Werden Sie dann wegen Beihilfe bestraft? Sie haben doch für den Brexit gefant, dann für May, man sollte Sie einsperren!

        • Linus Huber sagt:

          Ja sicher doch, Iceland konnte 36 Banker zu 96 Jahren Gefängnis verurteilen, während alle anderen Regierungen auf der ganzen Welt diese Möglichkeit nicht einmal in Betracht zogen, respektive aufgrund des hohen Einflusses der Finanzindustrie (ein Umstand kreiert durch die Geldpolitik) gar keinen Willen auswiesen, all die bestehenden möglichen Gesetze in Anwendung zu bringen. In der 17x-mal kleineren S&L Krise wurden über 1000 Verbrechen verurteilt. Die Erfolgsraten in der Verfolgung solcher Verbrechen durch die Regierungen ist historisch betrachtet hoch; aber eben wo keine Wille ist auch kein Weg.

          • Anh Toàn sagt:

            „während alle anderen Regierungen auf der ganzen Welt diese Möglichkeit nicht einmal in Betracht zogen, respektive …. gar keinen Willen auswiesen, all die bestehenden möglichen Gesetze in Anwendung zu bringen.“

            In den USA hat die Justiz 400 Finanzexperten verhaftet oder angeklagt.

            Nochmal: Wer wurde für welches vom Gesetz verbotene Verhalten nicht bestraft? Machen Sie eine Strafanzeige statt die Kommentarspalten zu füllen.

            Sollte man Donald auch einsperren, wegen seiner unverantwortlichen, masslosen, ausufernden Schuldenpolitik?

          • Anh Toàn sagt:

            Machen Sie allenfalls einen Vorschlag, was für Strafbestimmungen eingeführt werden sollen:

            „Wer eine Finanzkrise verursacht, wird bestraft.“ erscheint mir eine Strafbestimmung würdig einer Diktatur: Damit kann jeder eingesperrt werden, wenn es eine Krise gibt.

            „Wer uferlose Geldmengenausweitung betreibt, wird bestraft“?

            „Wer eine Politik bestreibt, die Huber Scheisse findet, wird bestraft“?

            Huber sagt, wer bestraft wird.

          • Linus Huber sagt:

            Wenn man gar nicht untersucht, kommen auch die Verbrechen nicht an den Tag.

          • Linus Huber sagt:

            Die einen sind TBTJ die andern TDTU.

          • Anh Toàn sagt:

            TBTJ ist niemand, man kann keine juristischen Personen in Gefängnisse sperren, und von den natürlichen ist keine zu gross, um sie einzusperren.

            TBTU bist Du, wenigstens die Absurdität eines Ausdruckes wie „TBTJ“ zu erkennen: Das würde dann auch helfen, die Quellen Deiner Erkenntnis etwas kritischer zu würdigen, statt dich zum Volltrottel zu machen, indem Du derartigen Schwachsinn ganz stolz zitierst.

          • Linus Huber sagt:

            Wo ist Dein Alter Ego in Deiner wie immer gekonnten Aufführung von „Dumb and Dumber“?

  • Benno L. Tobler sagt:

    So wie die Gurus in Indien, so die Gunst der neoliberalistisch orientierten Lehr-Universität St.Gallen am Rosenberg mit seinen Ordinarii bzw. Professoren zur Verkündung des Heils mit dem kurzfristigen Erfolg seiner Kader und einem Teil seiner Abgänger. Der Lehrkörper als Vorbild in der Wirtschaft? Der Spruch von Prof. Dr. Johannes Rüegg-Stürm, Ordinarius Universität St.Gallen, Ex-VRP Raiffeisenbank, Direktor Institut für Corporate Governance, im ersten Semester Betriebswirtschaftslehre „Cash in de Täsch!“ prägt die Studenten bereits bei der Eintrittstür zum kulturellen Wirtschaftverständnis dieser Mini-Universität bei ihrer „neoliberalistischen Heilsverkündung“ und dem St.Galler Management-Modell am praktischen Beispiel der Raiffeisenbank.

    • Benjamin sagt:

      Ich lese gern von Asad Zaman, Vice Chancellor of the Pakistan Institute of Development Economics, Islamabad… zu finden bei Real-World Economics Review und anderen. Seine ganzheitliche Betrachtung der Ökonomie gefällt seit Jahren bezieht diese doch alle menschlichen Eigenschaften aus einer Ganzheitlichen Sicht mit ein anstatt sich wie die Neoliberale Herrschaft auf ausschliesslich niedere primitive Instinkte des Menschen zu stützen. Neoliberale glauben das es in liberalisierten unregulierten Märkten keine Menschen ohne Arbeit geben kann da diese sich nur billig genug anbieten müssen. Entsprechend Repressiv und Verächtlich sind auch politische Massnahmen gegen Kranke, Invalide, Arme, Prekarisierte, Arbeitslose, Arbeiter, Pensionäre, Junge, Alte…

      • Josef Marti sagt:

        Deshalb ist in diesem Modell das Migrationsschneeballsystem so wichtig, es ermöglicht die Löhne zu senken um angeblich wieder mit veralteter Technologie zu produzieren. Dumm nur dass aktuelle Technologie immer transferiert wird in noch billigere Länder, kein Unternehmer verzichtet freiwillig auf mögliche Zusatzgewinne. Als Ausweg aus der im Inland sinkenden Kaufkraft und Nachfrage bietet sich sodann immer der Exportkanal indem Nachfrage aus dem Ausland importiert wird.

  • Alex Schneider sagt:

    Wie sollen die Institutionen und Regeln in einer Gesellschaft ausgestaltet sein, damit die Einzelnen aus sich heraus glücklich werden können? Die Bedürfnisse der Individuen und nicht ihre Produktivität sind der letzte Massstab für die Beurteilung einer Gesellschaft. Wir brauchen zwar eine produktive Gesellschaft, aber nur, damit wir uns zumindest partiell von ökonomischen Zwängen befreien können.

  • Zimy sagt:

    Ich habe in meinem MINT-Studium auch Grundlagen der Betriebsökonomie und Volkswirtschaft geniessen dürfen und in Fortbildungen danach interessante Vorträge von akademischen Ökonomen hören dürfen. Mich dünkt einfach, dass die Ansichten der universitären Ökonomen, so vernünftig und nachvollziehbar sie auch sein mögen, im wahren Leben einfach keine Rolle spielen (so, wie auch die exakteren naturwissenschaftliche Resultate ignoriert werden, wenn sie nicht genehm sind). Dort dominiert die Betriebsökonomie der grossen Konzerne, und für diese wird die Politik gemacht. So ist es z.B. aus betriebsökonomischer Sicht überaus nachvollziehbar, Ü50 Arbeitnehmer auszusortieren. Für die Volkswirtschaft ist es dagegen eher schlecht. Die Frage ist, wie ändern? Geld regiert die Welt, das ist immer noch wahr.

    • Zimy sagt:

      Trotzdem danke für die Literaturhinweise. Ich werde sie mir mit Interesse ansehen.

    • Dani sagt:

      Bestes Beispiel dazu liefert seit Jahren unsere Post: aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es sinnvoll, die Anzahl der Filialen zu reduzieren. Aus volkswirtschaftlicher Sicht macht es keinen Sinn, wenn tausende Geschäftsleute weitere Anfahrtswege und damit mehr Arbeitszeit aufwenden müssen um gewisse Dienstleistungen der Post nutzen zu können. Es ist eine Standortverschlechterung der Schweiz.

  • Jean-Pierre Neidhart sagt:

    Die Probleme welche uns durch eine fehlgeleitete Oekonomie entstanden sind sollen nun von Oekonomen geloest werden. Ich weiss nicht warum, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dabei etwas schlaues rauskommen wird.

    • Benjamin sagt:

      …schaut man bei Wikipedia unter Sozialwissenschaften nach, sieht man was alles in diesen eingeordnet wurde. Korrekt wie ich meine da keine dieser Wissenschaften davon als Wissenschaft gelten kann, Beweise somit gar nicht möglich sind sondern auf dem Glauben an etwas basieren. Die Ökonomie ist ein Teilaspekt der Sozialwissenschaften, eines ganzen was ich als unser aller Zusammenleben in allen Aspekten ganzheitlich anerkenne. Die Neoliberalen haben es in den letzten 1-2 Generationen geschafft die Sozialwissenschaften total zu annektieren und somit auch alles darin enthaltene zu Bewerten, Entwerten, Definieren und daraus Ethik, Gerechtigkeit, Moral, Rechtssprechung, Deutungshoheit. Diese annektiert inzwischen alle politischen, moralischen, juristischen Debatten und Entscheide.

  • Josef Marti sagt:

    Das war schon immer ein Sammelsurium unterschiedlicher Dogmen und sonst nichts. Deshalb erschöpft sich das Fach in Wahrsagerei Scharlatanerie und Kurpfuscherei und muss für die Bedienung von Partikularinteressen herhalten. Schon der legendäre Kostolany hat immer wieder betont, dass Volkswirte zu nichts zu gebrauchen sind. Was soll man auch von einer Pseudowissenschaft halten in der das Geld einfach ausgeklammert wird und man im nachhinein vor unerklärlichen Fakten steht weil der Mechanismus eines Schuldgeldsystems nicht beachtet wird und deshalb ex post immer wieder durch gnadenlose Fakten der Saldenmechanik auf den Boden der Tatsachen geworfen wird und belämmert da steht. Es gibt aber Querdenker die man gelesen haben muss, ua. zB Michael Pettis und H.W. Sinn.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Markus Diem tut so, als wären sich die Ökononem der Erde einig. Er spricht von einer „Zunft“. Das ist eine Lüge! Es gibt haufenweise Ökonomen, die völlig gegenteilige Meinungen vertreten!
    Ja, es mag wieder neue Bewegungen geben. Doch angesichts der wohl etwa 2 Millionnen Ökonomen auf dieser Welt sind die im Artikel 80 erwähnten Ökonomen völlig unbedeutend!
    Und die Zukunft gestalten, das wollen alle Elfenbeinturm-Bewohner dieser Erde (alle Wissenschaftler). Doch Experten irren sich ständig und ihre Zukunfts-Visionen sind genauso falsch, wie diejenigen von Laien. Das wurde längst wissenschaftlich bewiesen.
    Wir wollen, dass Politiker und die Völker die Zukunft bestimmen, keine „Experten“!

    • Benjamin sagt:

      ..einig sind sich die massgeblichen bestimmenden aus dieser Zunft. Auch wenn es blos 80 sein mögen, die Lehrbücher und zahlreiche Aspekte unser aller Zusammenleben werden nach wie vor durch eine winzige neoliberale Minderheit aber auch Millionen von überzeugten Mitläufern bestimmt… Alternativen existieren, haben das immer getan, aber in der breite und tiefe gibt es darpber keine offenen gleichberechtigten Debatten noch eine Meinungsfindung welche wahrhafte Alternativen ermöglichen könnte. Die Gillet Jaunes versuchen dies seit Monaten und werden dafür blos niedergeprügelt, eingesperrt, bestraft… dabei fordern die nur all zu soziales humanes, die Sehnsucht der Menschen nach Antineoliberalen Alternativen ist aber da. Es gibt diese Menschen…

    • Taric Trent sagt:

      Ihre Einigkeit besteht in dem, was in den Theorie-Lehrbüchern für den Lehrgang steht. Die unterscheiden sich nämlich, wenn überhaupt, nur in irrelevanten Details. Dass die Ökonomen sich gerne grundlegend unterscheiden wenn es um Prognosen oder moralische Fragen geht, ist dagegen überhaupt kein Einwand gegen diesen Sachverhalt, sondern, wenn schon, dann gegen die Ökonomie im Allgemeinen oder dem Exponenten im Speziellen als unwissenschaftliche Tätigkeit. Auch in dem oben verlinkten 1100-Seiten Lehrbuch, steht, abgesehen vom Vorwort, überhaupt nichts was nicht in den anderen Standardwerken ebenfalls zu finden ist – es ändert auch nichts an der Beschaffenheit, der Relevanz der Theorie, wenn man vornedran Diversity & Inclusion schreibt um mit der gängigen Business-Moral mitzuhalten.

    • Dave Hill sagt:

      @ Rolf: Ein vermeintlich toller Kommentar … bis ich dann Ihren Schlusssatz gelesen habe. Sie trauen den Politikern mehr zu als den Ökonomen? Ausgerechnet all diesen Maudets oder wie sie sonst alle heissen, die für ihre Supporter lobbyieren, in allen möglichen Verwaltungsräten sitzen etc.? Letztendlich läuft alles so wie es eben läuft, denn die Völker – die Sie ja auch benennen – schauen lieber den „Bachelor“, die Politiker sind verlogene Typen mit Partikularinteressen und die gut bezahlten Ökonomen kommen eh nicht draus, tun aber so als ob, und verfassen Schriften und Prognosen an die alle glauben. Die beste aller möglichen Welten …

    • Claire Deneuve sagt:

      „Wir wollen, dass Politiker und die Völker die Zukunft bestimmen, keine „Experten“!“
      .
      Dann kommts dann eben so raus wie beim Brexit!
      Planlos, chaotisch und das Heu ist immer noch nicht im trockenen!
      Und da man diese Woche vermutlich auch nicht weiterweiss, wird der Brexit vermutlich verschoben.
      Ein No Deal würde dann gegen sämtliche ökonomische Vernunft verstossen, aber eben wenn gewisse Politiker und das Volk bestimmt, kann sowas durchaus passieren.
      Von Makroökononomie hat ein Grossteil des Volkes nur sehr wenig bis gar keine Ahnung, aber das spielt für Sie Herr Rothacher vermulich keine Rolle, hauptsache das Volk kann man leicht dorthin manipulieren wo man es haben will.

  • Taric Trent sagt:

    Ökonomie ist eine komplexe Sache und eignet sich darum ganz ausgezeichnet für ideologische Parolen. Dass man mit Marktfundamentalismus der modernen Ökonomie Unrecht tut, ist absurd. Ich erinnere mich an einen Artikel in diesem Blog von diesem Autor, wo er explizit Systemkritik untersagt und das Kommentariat auf konstruktive Vorschläge „zur Lösung der Probleme“ (wessen Probleme?) festlegen will. So als hätte der Erfolg des kapitalistischen Wachstums meine ganz persönliche Sorge zu sein, sobald ich etwas über die Wirtschaft wissen will. Und da wären auch nocht die f a l s c h e n Theorien im Lehrplan, die tausendmal widerlegt sind, an die sich die Ökonomie aber weiterhin halten will und deren Kritik ein Dasein als pluralistische Randnotiz in Wikipedia-Artikeln fristet.

  • werner boss sagt:

    Es ist schon klar, das in der Oekonomie viele Interessen in einander verschachtelt sind und es schwierig scheint alles auf einen Nenner zu bringen. Das Prinzip Wachstum um jeden Preis und Gewinn nur für wenige, scheint mir aber doch etwas zu simpel! Das hat Folgen, auch für die, welche meinen die Gewinner zu sein.

  • Stefan W. sagt:

    Das Problem ist weniger die Ökonomie, als vielmehr deren politische und mediale Rezeption. Obwohl sie keine exakte Wissenschaft ist, und zwangsläufig mit nur gering erprobten und vereinfachten Modellen der Wirklichkeit hantiert, werden ihre Ergebnisse gern als Argument für den erwünschten politischen Wind verwendet. Und gerade weil die Ökonomie keine exakte Wissenschaft ist, findet man für jede gewünschte These auch einen Experten, der sie vertritt. Und in den Medien findet man mal den einen, mal den anderen vertreten. Aber immer mit dem impliziten Attribut „Wahrheit!“ versehen. Es wäre schon etwas gewonnen, wenn Medienschaffende sich angewöhnen würden, bei der Präsentation ökonomischer Thesen auch einige von denen zu referenzierten, die das Gegenteil behaupten.

    • Carmen Heidelberger sagt:

      Sie verwechseln Ökonomie mit Ideologie. Bei Ökonomen gibt 1+1 nie 3, bei Ideologen im Dienste der Politik andauernd und Ökonomie dient denen nur als Deckmäntelchen für angebliche Kompetenz.

      • Stefan W. sagt:

        @Heidelberger: Genau das schreibe ich oben. Das, was in die öffentliche Wahrnehmung gelangt, ist nicht die Ökonomie, sondern das, was Medien und Politiker daraus machen: Eine ökonomisch begründete Ideologie, die aus statistischen Korrelationen absolute Wahrheiten zu machen vorgibt, und dazu jeweils die Arbeit herauspickt, die das eigene Weltbild stützt.

        Aber natürlich geht der Nutzen in beide Richtungen: Auch der Ökonom wehrt sich nicht dagegen, breit zitiert zu werden, auch wenn die Zitate teilweise vielleicht etwas gar vereinfachend sind. Er steht ja unter dem Druck des „publish or perish“, wenn er universitär tätig ist, oder auch unter ganz konkretem ökonomischem Druck, wenn er vom Bücher verkaufen lebt.

    • Benjamin sagt:

      Radikale Ideen sind gefragt anstatt die Leute weiter ihre Suppe köcheln zu lassen die zu den Verursachern gezählt werden müssen. So radikal wie die neoliberale Ideologie inzwischen alle Bereiche der Sozialwissenschaften inkl. der Ökonomie für sich vereinnahmt hat. Es gibt keine Bereiche mehr die ohne neoliberale Vorzeichen debatiert und politisch umgesetzt werden können. War die Ökonomie einst ein Teilaspekt des Sozialen so bestimmt diese heute alles andere mit. Das Wissenschaftler ihre Qualität messbar machen wurde so definiert möglichst viele Publikationen mit möglichst vielen Referenzen abarbeiten zu müssen. Neoliberale haben Unmengen Begründungen für die Existenz des Homo Ökonomikus gefunden und alle anderen humanen Eigenschaften als minderwertige Fehleentwicklungen betrachtet.

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