Die Heuchelei der G-20

NMTM

Nicht nur die USA und China errichten Handelshindernisse: Treffen zwischen den Delegationen beider Länder am G-20-Gipfel in Buenos Aires (1. Dezember 2018). Foto: Pablo Martinez (Keystone)

Erneut hat der Handelskrieg zwischen den USA und China in der letzten Woche die Weltpolitik und die Kapitalmärkte in Atem gehalten. Beim Treffen der G-20-Staaten wurde zwar ein vorübergehender Waffenstillstand vereinbart. Glaubwürdig erschien das nicht: Die Sorgen vor einer nächsten Eskalationsstufe haben in den Tagen darauf die Börsen erneut einbrechen lassen.

Eine neue Studie des in St. Gallen lehrenden Ökonomen Simon Evenett und seines Mitarbeiters Johannes Fritz stellt auf der Grundlage von umfangreichen Daten den Konflikt in einen grösseren Zusammenhang. Die Studie macht klar, dass der Protektionismus in den Handelsbeziehungen nicht erst mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten begonnen hat. Trotz ihren hehren Bekenntnissen zum Freihandel haben die G-20-Staaten im letzten Jahrzehnt durchschnittlich alle zehn Stunden eine Massnahme zum Schaden eines Handelspartners ergriffen.

Die folgende Grafik aus dem Bericht zeigt die Entwicklung der Interventionen der G-20-Länder in den letzten zehn Jahren. Die protektionistischen Eingriffe sind rot, jene zur Liberalisierung grün:

Die meisten diskriminierenden Interventionen gingen von den USA aus – und zwar schon vor Trump, wie die folgende Grafik aus dem Bericht zeigt:

Der von Trump losgetretene Handelskrieg vor allem mit China ist dagegen schärfer, als es die neu eingeführten Zölle zeigen. Kaum im Fokus sind die weiteren Benachteiligungen von Produkten aus China. Sie eingerechnet, belasten die USA chinesische Exporte im Wert von 369 Milliarden Dollar. Das ist ein Drittel mehr als die Güter, die durch die Zollaufschläge betroffen sind.

Die folgende Grafik aus dem Bericht zeigt die Massnahmen der USA gegenüber China im Zeitverlauf und nach Art (Zölle und andere Importbeschränkungen):

Im Jahr 2017 – noch vor dem Handelskrieg – waren 70 Prozent aller Exporte Chinas in die USA und umgekehrt von Handelsbeschränkungen des jeweils anderen Landes betroffen. Jetzt ist dieser Anteil auf 87 Prozent der Exporte Chinas in die USA und auf 92 Prozent der Exporte der USA nach China angestiegen. Dennoch: Die Zollerhöhungen der beiden Länder machen bloss 22 Prozent aller international ergriffenen Importbeschränkungen aus. Massnahmen zur Förderung der Exporte, um ausländische Konkurrenten zu benachteiligen – zum Beispiel Subventionen –, haben eine noch deutlich grössere Bedeutung.

Die wichtigste Neuerung von Trumps Politik ist, dass er den Protektionismus zur offiziellen Politik erhebt, ihn salonfähig macht. Die grosse Gefahr besteht darin, dass auch andere Länder sich dem Beispiel der Supermacht anschliessen und jede noch bestehende Zurückhaltung aufgeben. Es ist politisch einfacher, einen eng verstandenen nationalen Egoismus zu vertreten, selbst wenn er am Ende jedem Land mehr schadet als nützt. Doch wenn das einmal Schule zu machen beginnt, dann kommt die wahre Katastrophe, wie die Studienautoren warnen und wie auch die Geschichte lehrt.

49 Kommentare zu «Die Heuchelei der G-20»

  • Anh Toàn sagt:

    Protektionistisch ist ja offiziell keiner aus Egoismus, Schuld dass man sich schützen muss, sind immer die Anderen, die sind ungerecht, böse. Sagt auch Trump über die Chinesen. Und wenn nun die protektionistischen Massnahmen letztlich beiden Seiten schaden, ist jeweils schuld am Schaden der Andere. Und darum muss mehr Protektionismus, und darum gibt es mehr Schaden für alle, und letztlich haut man sich die Köpfe ein, weil es Scheisse geht und Schuld daran die Anderen sind.

    Etwa so geht das mit den nationalen Wirtschaften die konkurrieren.

    • Linus Josef Anton Huber sagt:

      „Schuld dass man sich schützen muss, sind immer die Anderen, die sind ungerecht, böse.“

      Unsinn, Trump sagt gerade dies nicht, sondern dass die vergangenen amerikanischen Regierungen diesbezüglich versagten indem sie eine derartig einseitige Situation zuliessen.

    • Anh Toàn sagt:

      Die USA erheben Strafzölle, strafen tut man die Bösen.

      Und wenn die Vorgänger einen Vertrag schlecht ausgehandelt haben, kann man den neu verhandeln, und wenn die andere Seite nicht will, ihn künden. Einseitig einfach Teile der Bedingungen ändern, also z.B. als Mieter weniger Miete zahlen, geht halt nur sehr Ausnahmsweise, man könnte vereinfacht sagen, wenn der Vermieter böse ist.

      Trump sagt laufend es sei unfair für die USA mit China, und Währungsmanipulation wirft er auch immer mal wieder vor. Aber wer ist denn genau schuld gemäss Trump? Obama? Der hat ja eher die Transpacific Partnerschaft als Gegengewicht zu China favorisiert. Können Sie den Plural den Sie verwenden „die vergangenen amerikanischen Regierungen“ ein wenig präzisieren?

    • Linus Josef Anton Huber sagt:

      Die Kritik an den von Trump angewendeten Mitteln das Problem zu bearbeiten ist legitim, aber die Verniedlichung oder Abrede der Problematik ist eine fragwürdige Proposition. Die Strafzölle dienen nicht der Bestrafung per se, sondern sind Teil der Strategie zur Erarbeitung einer neuen Basis, was natürlich die gegenwärtige privilegierte Stellung Chinas tangieren wird. Eine Aussage, welche den machtpolitischen Aspekt in diesem Zusammenhang ignoriert, ist nicht wirklich sinnvoll.

      Viele der heutigen Probleme sind das Resultat unzulänglicher, kurzfristig orientierter und prinzipienfreier Politik der Vergangenheit; eine spezifische Regierung zu benennen, ist Unsinn.

      • Anh Toàn sagt:

        Woher wissen Sie, dass China eine privilegierte Stellung hat? Die Chinesen sagen, die USA hätten eine privilegierte Stellung.

        Also dann hat Donald gar nicht gesagt, welche früheren Regierungen schuld seien. Aber dass die Chinesen böse sind, hat er schon gesagt, oder nicht?

        • Linus Josef Anton Huber sagt:

          Vielleicht ist der Begriff „privilegiert“ nicht gut gewählt; es geht darum, dass die über die vergangenen Jahrzehnte aufgebauten Ungleichgewichte zugunsten China nicht endlos wachsen können und eine entsprechende diesbezügliche Korrektur notwendig ist.

          • Anh Toàn sagt:

            „die über die vergangenen Jahrzehnte aufgebauten Ungleichgewichte zugunsten China….“

            Ich sehe über die letzten Jahrzehnte abgebaute Ungleichgewichte zwischen China und die USA: Vor 40 Jahren hatten die Chinesen im Verhältnis zu einem Ami viel weniger als heute: Darin erkannten Sie kein Ungleichgewicht, sondern eine Art göttliche Ordnung, eine unsichtbare Hand, die das so steuerte, dass der Westen alles hat und der Rest nichts.

            Wie können die Ungöeichgewichte im z.B. kaufkraftbereinigten Pro Kopf Einkommen zwischen Nationen abgebaut werden? Mit Ungleichgewichten in der Handelsbilanz zu Gunsten der „Ärmeren“. Aber das ist nicht erwünscht, Grenzen (oder Staaten) sind dazu da, die Habenden vor den Habenichsten zu schützen. Auf das alles im Gleichgewicht bleibe.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Ich rede von den zwischenstaatlichen Ungleichgewichten.

  • Maiko Laugun sagt:

    Im Beitrag steht:

    „Die wichtigste Neuerung von Trumps Politik ist, dass er den Protektionismus zur offiziellen Politik erhebt, ihn salonfähig macht.“

    Kennen wir doch von der BV – Stichwort Bankkundengeheimnis. Und dazu noch etwas Subvention für die SVP-Bauern.

  • Rolf Zach sagt:

    Präziser als allgemein von der Globalisierung zu diskutieren, ist es von derjenigen der Fertigwaren und Dienstleistungen zu sprechen. Was viele beunruhigt, ist zum Beispiel die Internationalisierung von Software-Services und Call-Center.
    Auf dem Schweizer Finanzplatz ist der „Backoffice“-Mitarbeiter in Polen und der Informatiker aus Indien bei den Arbeitgebern sehr beliebt, obwohl eine bekannte Schweizer Großbank mit einer solchen Organisation auf keinen grünen Zweig kommt.
    All diese im Artikel aufgezählten Handelshemmnis betreffen keine Rohstoffe, wenig Halbfabrikate, aber um so mehr Fertigwaren. Es ist auch klar, dass die USA und die EU hier bei den Handelshemmnissen prominent vertreten sind.
    Diese beiden Wirtschaftsräume haben zuerst industrialisiert.

    • Rolf Zach sagt:

      Während Länder wie Indien und China ihre Handelshemmnisse klassisch ausrichten, gemäß dem Prinzip von Friedrich List als Schutzzölle für die Behauptung von neugegründeten jungfräulichen industriellen Branchen.
      Bei Russland und besonders Saudi-Arabien sind wohl eher politische Gründe maßgeblich und die Vermeidung von Zahlungsbilanz-Defiziten durch Kapitalflucht von Luxus-Konsum.

  • Rolf Zach sagt:

    In vielem bin ich durch die Ansichten durch Krugman geprägt und finde ihn zukunftsweisend für die wirtschaftlichen Probleme der heutigen Welt. Auch sein sehr gutes Buch über den Welthandel ist höchst belehrend und interessant.
    Trotzdem bin ich nicht einverstanden, wie er da auf den unglücklichen Friedrich List einprügelt und mit völlig logischer Argumentation den freien Welthandel verteidigt und auch nichts gegen die Verschiedenheit der Löhne der Beteiligten im Welthandel hat und sehr logisch diese Argumentation der Lohn-Differenzen in der Globalisierung nicht zulässt.
    Dagegen hat er etwas gegen Manipulationen in den Währungen der Beteiligten, hier nimmt er vor allem die Chinesen aufs Korn.
    Die Gretchenfrage ist die, können Handelshemmnisse für ein Land gut sein oder schlecht?

    • Rolf Zach sagt:

      Will ein Land für eine weltweite Schuhmarke produzieren oder seine eigenen Fabrikanten mit ihrer Marke fördern und so Arbeitsplätze schaffen, frägt es sich sich wie die Lage der Rohstoffe für eine solche Produktion im Land ist und ob es über die benötigten Arbeitskräfte und vor allem das „Know-How“ darüber verfügt.
      Wie will dies Brasilien bewerkstelligen in dieser Kette der Wertschöpfung? Muss es eigentlich die Exporte der Häute mit Export-Zöllen belasten und die Schuhfabrikanten direkt und indirekt subventionieren, um gegen billige Inder und technisch versierte Italiener zu bestehen?
      Sind diese Handelshemmnisse schlecht oder gut?

    • Josef Marti sagt:

      Hat ja immer beides Vor und Nachteile. Jedenfalls kann dieser Freihandelsunsinn eines verblichenen Ricardo und Konsorten nicht helfen in einer Welt von Fiat Währungen mit Währungsmanipulation und Abwertungskriegen. Scheinbar gibt es immer noch Leute die immer noch nicht gemerkt haben das wir seit längerer Zeit keinen Welt Goldstandard mehr haben mit automatischem Zahlungsbilanzausgleich.

      • Linus Josef Anton Huber sagt:

        Ich möchte Ihnen hier beipflichten, Josef und 2 Aspekte zufuegen.

        1. Handelt es sich ja nicht um Freihandel im eigentlichen Sinn, sondern um stark zugunsten von Grossunternehmen regulierten Handel.
        2. Es besteht kein Zweifel, dass der freie Handel grundsätzlich dem Wohle der Gesellschaft dient, allerdings muss dabei sichergestellt werden, dass von Produktivitätssteigerungen nicht in erster Linie die Elite profitiert, ansonsten die Kooperation des Fussvolkes an einem nicht vorhersehbaren Zeitpunkt evaporiert. Somit handelt es sich bei protektionistischen Tendenzen um das Resultat vergangener Fehler in der Bestimmung des Anreizsystems.

        • Anh Toàn sagt:

          „Es besteht kein Zweifel, dass der freie Handel grundsätzlich dem Wohle der Gesellschaft dient, allerdings muss dabei sichergestellt werden, dass von Produktivitätssteigerungen nicht in erster Linie die Elite profitiert,…“

          Also der freie Handel muss reglementiert werden ( „es muss sichergestellt werden“). Aber dann ist er ja reglementiert, der Handel, und nicht mehr frei.

          Soll der Handel jetzt frei sein zum Wohle der Gesellschaft oder reglementiert?

          • J. Kuehni sagt:

            Sie haben vergessen, Anh Toan, dass, wäre der freie Markt nur vögelifrei, er das alles mit links…, pardon: unsichtbarer Hand bewerkstelligen würde, ganz ohne Regulation. Und die renationalisierten Nationen täten selbstverständlich hinter ihren mit Stacheldraht gesicherten Grenzen hervor freiwillig kooperieren, ganz natürlich und ungezwungen der universalen Harmonie entgegenmäandernd, weil das Volk weiss ja , was gut und schön ist, man braucht es bloss zu fragen, ausser beim Brexit, da wurde es schon gefragt und hat jetzt nichts mehr zu melden, das wäre undemokratisch ;-P.

      • J. Kuehni sagt:

        Hatten wir schon mal einen „Welt Goldstandard“? War da der Ostblock auch drin, trotz Warschauer Pakt?

        Ich meine, ich frage bloss, weil sich seither doch ein paar Sachen geändert haben, darunter z.B. die Tatsache, dass die niederländische Volkswirtschaft nicht mehr länger grösser ist als die chinesische. Google, Netflix, Breitbart und Putinbots hatten wir auch noch nicht, so war die Konstruktion einer „nationalen Einheit“ mit breitem Wohlstand trotz kontrolliertem und stark eingeschränktem Informations-, Waren-, Kapital- und (ja, sogar) Personenverkehr noch einigermassen plausibel, wenn auch nur für eine Handvoll Atlantikanrainer, die zudem hemmungslos die südliche Halbkugel plünderten.

        • J. Kuehni sagt:

          Werden die Amis oder die Chinesen zuerst den Goldstandard samt Kapitalverkehrskontrollen wieder einführen? Und wessen Vasallen wollen wir Europäer dann werden? Und kommen dann all die Expats in diesem Forum wieder nach Hause, weil es mit der Überweisung von deren Renten ins Ausland nicht mehr so recht klappen will? Und lassen wir die dann noch rein, wo doch die Schweiz ihre Bevölkerung zuletzt um ca. 1620 aus dem eigenen Boden — und auf bescheidenem Subsistenzlerniveau — ernähren konnte?

          Fragen über Fragen.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Ein Anreizsystem fokussiert sich nicht in erster Linie z.B. auf „freien Handel“ oder das Fazilitieren der forcierten Globalisierung, sondern in erster Linie darauf, die Anreize derart auszulegen, dass Verhalten, welches sich für die eigene Bevölkerung und damit für die Gesellschaft positiv auswirkt (nicht für Grossunternehmen oder Banken), vorteilhaft ist. Die Idee, dass Globalisierung per se positiv sein soll, wird damit im Sinne wie Josef dies erkennt, relativiert.

            Das hat nichts mit den einfältigen Schlagwörtern wie z.B. „Abschottung“, „Fremdenfeindlichkeit“ etc. zu tun, sondern damit, das eigene erfolgreiche Gesellschaftsmodell zu sichern.

          • J. Kuehni sagt:

            Es ist lustig, dass die Globalisierungskritiker von heute so häufig die Neoliberalisierer von Gestern sind und heute die Globalisierungskritiker von Gestern über die negativen Seiten der Globalisierung aufklären wollen …

            … und dabei mit unter dem Neoliberalismus unverzichtbaren Konzepten wie z.B. der Kritik an (angeblich) falschen „Anreizsystemen“ argumentieren.

          • J. Kuehni sagt:

            Wo finden Sie in meinen Kommentaren die „einfältigen Schlagwörter wie z.B. „Abschottung“, „Fremdenfeindlichkeit“ ?

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Es ist lustig, dass die Globalisierungskritiker von gestern so häufig die Neoliberalisierer von Heute sind …

            Die moralische Selbstüberhöhung scheint damals wie heute eine unverzichtbare Anziehungskraft auszuüben.

            Mein Kommentar ist keine spezifische Reaktion auf einzig Ihre Bemerkungen, in welchen in diesem Falle diese Schlagwörter nicht explizit verwendet werden.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            (angeblich) falschen „Anreizsystemen“

            Warum angeblich? Es dürfte jedermann klar sein, dass z.B. das Verhalten der Finanzindustrie sich nicht ändert, wenn das Risiko straffrei auf die Allgemeinheit umverteilt werden kann. Es geht um grundlegende und für jedermann sichtbare Systemfehler und nicht um etwelche schwer nachvollziehbare verdeckte Korruption.

          • Maiko Laugun sagt:

            @J. Kuehni: „Und kommen dann all die Expats in diesem Forum wieder nach Hause, …“

            Wie immer, ein brillanter Kommentar von Ihnen!

            Bekanntlich gibt es in diesem Forum (Ausland-Schweizer-)Idioten, welche jubeln, wenn Mauern und Stacheldrähte gebaut werden. Die jubeln auch dann noch, wenn sie dereinst nicht mehr diese überqueren und ins eigene (!) gelobte National-Heidiland zurückkehren dürfen.

            Da fällt mir wirklich nur noch ein einziges Wort ein:

            Vollidioten.

            (Gruss aus China)

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Einzig eine auf den eigenen Vorteil ausgerichtete Nabelsicht ist zwar ein verständliches Gebaren, hat jedoch wenig mit grundlegenden Überlegungen zur Gesellschaftsordnung zu tun. Abgesehen davon, müssen diejenigen, welche ihre moralische Selbstüberhöhung zelebrieren keinesfalls auf die 50%ige Kürzung der ihnen zustehenden Sozialleistungen warten, sondern können schon heute die Hälfte Ihrer Bezüge zu guten Zwecken abführen. Nur geht es diesen Menschen eben nur um Hilfe für die Schwachen, wenn die Kosten zwangsmässig den Mitbürgern aufgehalst werden kann und sie nicht einmal merken, dass auch sie in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn das erfolgreiche Gesellschaftsmodell erodiert wird.

          • Maiko Laugun sagt:

            @J. Kuehni: Durch das ASG (Ausland-Schweizergesetz) wurden die ersten Grundsteine für die Stacheldrähte/Mauern gelegt. Federführend war NR Lombardi.

          • Maiko Laugun sagt:

            Ein Alkoholiker? Ich meine den diesbezüglich vorbestraften CVP-Lombardi.

            Könnte durchaus noch eintreffen, dass dereinst zumindest ein Teil der ca. 750K Diaspora wieder ins Heidiland zurückkehren möchte und auch wird.

          • Maiko Laugun sagt:

            Mein Kommentar war nur an J. Kuehni gerichtet. Das System hat das „@“ nicht angenommen.

          • J. Kuehni sagt:

            „Es ist lustig, dass die Globalisierungskritiker von gestern so häufig die Neoliberalisierer von Heute sind …“

            Pathetic. Vielmehr gerieren sich die Neoliberalisierer von gestern als Globalisierungskritiker von heute, um damit die Konsequenzen ihrer eigenen neoliberalen Politpräferenzen auf „die anderen“ abzuschieben.

            Und das ist durchaus konsistent mit der üblichen Gemengelage von ideologischen Versatzstücken der Deregulierung, der Entsolidarisierung, des Steuerhinterzieherlis, der faktischen Reduktion des Staates auf ein Protection-Racket für die Konservative Schicht von Profiteuren, die einzig den eigenen Vorteil konserviert, wenn nötig auch durch kruden (Re-)ationalismus, dessen zentraler Gestus schliesslich die Externalisierung der Kosten auf andere ist.

          • J. Kuehni sagt:

            Wollen Sie die Globalisierung beenden, oder auch nur auf eine gesündere Basis stellen, Herr Huber, braucht es weniger Personenverkehrs-, als vielmehr zünftige Kapitalverkehrskontrollen, mitsamt dem dazu nötigen Crackdown auf Steuerparadiesli und opake Finanzierungsschemata politischer Bewegungen, hüben wie drüben.

            Solche Forderungen habe ich von Ihnen noch nie gehört, Herr Huber, bloss die Anschmierung von irgendwelchen angeblichen „liberalen Eliten“, zuverlässig gemäss dem letzten Update des Alt-Right-Schagwortkatalogs im Netz.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            „Wollen Sie die Globalisierung beenden …“

            Bei diesem Vorschlag lässt sich genau die falsche Beurteilung erkennen, denn der Fokus liegt auf Globalisierung in sich und ob ja oder nein. Handel und Migration sind normale Aspekte, welche grundsätzlich weder zu forcieren noch zu behindern sind, sondern welche sich automatisch als Resultat der Wahrnehmung der nationalen Interessen ergeben. Es ist ja genau die Idee, dass Globalisierung als unqualifiziert positiv eingestuft wird und dementsprechend voranzutreiben ist, welche der eigentliche Fehler darstellte und worauf heute die Bevölkerungen reagieren. Das Ausmass der durch diesen Globalisierungsfanatismus erzeugten Ungleichgewichte ist heute derart hoch, dass es zunehmend negative auf Wachstum und Zukunftsaussichten wirkt.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            „Vielmehr gerieren sich die Neoliberalisierer von gestern als Globalisierungskritiker von heute“

            Mag sein, nur interessieren mich derartige Schlagwörter, welche situativ positiv oder negativ eingestuft werden, eher wenig. Ich bevorzuge die Diskussion spezifischer Sachverhalte, wie z.B. den Sinn oder Unsinn von Grenzen, von Eigentumsrechten etc., welche die Gesellschaftsordnung grundsätzlich beeinflussen.

          • J. Kuehni sagt:

            Ja dann diskutieren Sie doch „spezifische Sachverhalte“ und erläutern uns ihre Lösungsvorschläge zur Beschaffenheit von Grenzen, zur Limitation von Privateigentum im Zeitalter der hyperindividualisierten Anspruchshaltung und gleichzeitig grenzüberschreitenden, kulturellen und politischen Loyalität mitsamt maximaler Polarisierung. Wir sind gespannt.

          • J. Kuehni sagt:

            Wer in diesem Forum die „Globalisierung unqualifiziert als positiv einstuft“ möge derweil bitte die Hand aufhalten.

          • J. Kuehni sagt:

            Ach, dieses Zückerchen habe ich noch übersehen:

            „Es dürfte jedermann klar sein, dass z.B. das Verhalten der Finanzindustrie sich nicht ändert, wenn das Risiko straffrei auf die Allgemeinheit umverteilt werden kann.“

            Es dürfte jedermann klar sein, dass z.B. das Verhalten der Finanzindustrie (und deren exponentiellem Wachstum zum TBTF-Status samt impliziter Staatsgarantie) eine direkte Folge der Deregulierung dieses Sektors der späten 80er und frühen 90er-Jahre ist, beklatscht von der nationalen Staats-Verschlankungs-Brigade, nicht aber von den Globalisierungskritikern, die schon damals Globalisierungskritiker waren, gell.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            „Es dürfte jedermann klar sein, dass z.B. das Verhalten der Finanzindustrie (und deren exponentiellem Wachstum zum TBTF-Status samt impliziter Staatsgarantie) eine direkte Folge der Deregulierung …“

            Ob man die Schuld nun in der Deregulierung oder die Ursache in der Geldpolitik nach PhD-Standard sieht, sei dahingestellt; jedoch wurde die Gelegenheit 2008 nicht genutzt, um diese Problematik zu korrigieren. Das stellt ein klägliches Versagen der entsprechenden Entscheidungsträger dar.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            „Wer in diesem Forum die „Globalisierung unqualifiziert als positiv einstuft“ möge derweil bitte die Hand aufhalten.“

            Na, dann sind wir ja auf der gleichen Ebene und einig, nur sieht es eben nicht danach aus, da Sie meine Argumente nicht anerkennen wollen.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            „Ja dann diskutieren Sie doch „spezifische Sachverhalte“ “

            Kein Problem, nehmen wir z.B. den Aspekt von Grenzen, welche genauso auf Eigentumsrechte zutrifft. Wenn Sie im Cafe zur Toilette wandern und ihren Apple-Laptop auf dem Tischchen neben dem Kaffee zurücklassen, werde ich ihn mir aneignen, da Sie den Sinn für Grenzen und Eigentumsrechte nicht einsehen wollen. Wenn Sie Ihre Haustüre abends verschliessen um ihre Mitmenschen auszuschliessen, werde ich Sie des menschenverachtenden Egoismus und der Abschottung anklagen. Würdigen Sie mein Verhalten?

      • Linus Josef Anton Huber sagt:

        „Scheinbar gibt es immer noch Leute die immer noch nicht gemerkt haben das wir seit längerer Zeit keinen Welt Goldstandard mehr haben mit automatischem Zahlungsbilanzausgleich.“

        Gerade in Bezug auf diesen Umstand, scheinen derart viele Menschen die Fähigkeit verloren zu haben, diese eingeschlichene und offensichtlich als Normalzustand empfundene Ponzi-Scheme zu erkennen. Es ist nicht eine Frage des „ob“, sondern eine Frage des „wann“ diese Ponzi-Scheme der sich immer stärker bildenden Ungleichgewichte in sich zusammenbricht oder ob man die Angelegenheit bewusst angeht und zu korrigieren versucht.

      • Linus Josef Anton Huber sagt:

        @ Josef

        Hier erklärt Steve Keen die Problematik gut:

        https://www.youtube.com/watch?v=rfWVqrPEXEo

  • Tomas sagt:

    Schon interessant wie der Westen das Gefühl hat, dass die Globalisierung nur gute Seiten hat. An dieser und anderen ideologischen Verblendungen wird er schlussendlich zerbrechen. Es gibt doch tatsächlich Menschen die davon träumen, dass ein Staat/Staatengemeinschaft lediglich als Dienstleistungsgesellschaften, bzw. Ökonomien überlebensfähig sein könnte.

  • Zufferey Marcel sagt:

    Wir werden die Globalisierung neu denken müssen. Sie muss vor allem sozialverträglicher und ökologischer werden, sonst ist die grosse Sause bald zu Ende. Die Globalisierung existiert ja nicht erst seit dem 20. Jhrd., sondern ist ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Entwicklungsgeschichte. Aber so, wie die Dinge gerade laufen, hat sie keine Zukunft mehr.

    • Josef Marti sagt:

      Dieses Märli von der Rettung der Schwellenländer aus der Armut wird eben ständig verzapft um Profitmaximierung von leistungslosen Besitzeinkünften und damit das trickle down zu legitimieren, darin liegt die eigentliche hier bejammerte Heuchelei der G20. Sowohl dem Grosskapital wie auch mir ist es ziemlich wurscht ob die Schwellenländer ärmer oder reicher werden.

      • Marcel Senn sagt:

        Marti: Nun die Schwellenländer haben mittlerweile schon über 30% der gesamten globalen Schulden (rasant steigend von 39 Bio $ 2013 auf 57 Bio q1 2018) und davon sind ein nicht unwesentlicher Teil der Gläubiger eben auch die Industriestaaten – sprich wir!
        Wenn die Peripherie mal kollabiert, dann wird das auch uns treffen. Entweder durch massive Abschreiber, Verlust von Absatzmärkten und/oder durch Schlauchbootinvasionen.
        Von dem her ist Ihre Ignoranz doch etwas gar kurzsichtig gedacht, wir sind dafür mittlerweile schon zu eng verstrickt.

        • Josef Marti sagt:

          Na dann wissen wir ja wer schuld ist an der Schlauchbootinvasion, je mehr Kredite der IWF vergibt desto mehr Schlauchbootinvasion, denn Kredite werden nicht abgeschrieben sondern wie in GR bis zum St. Nimmerleinstag gestreckt und oder umgeschuldet, der Zinsverlust samt Schlauchootkosten der Allgemeinheit überwälzt und die Gewinne selbstverständlich privatisiert.

          • Marcel Senn sagt:

            Marti: Die IWF Kredite sind ja nur noch die Brösmeli unter den Schulden. Wegen der paar Milliarden verlumpt jetzt kaum einer. Gut es fehlt in der Statistik von 2016 der aktuell grösste Brocken, die dämlichen Argentinier mit 54 Mrd IWF Krediten, die meinten sie könnten jetzt auch einen auf neoliberal machen und dabei einmal mehr fürchterlich auf die Schauze gefallen sind. Da war das linksperonistische Wirtschaftsmodell vorher trotz allen Problemen immer noch einiges nachhaltiger, sozialverträglicher und auch 100% IWF-frei.

            http://www.factfish.com/de/statistik/nutzung+von+iwf+krediten

            Die Bedeutung von IWF Krediten war vor 40 Jahren doch einiges grösser als heute.

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