Rückenwind für die SNB

Auch ohne Intervention läuft alles in ihrem Sinne: Schweizer Nationalbank in Bern. Foto: Getty Images

Die Nationalbank hat die Schweizer Zahlungsbilanz für das zweite Quartal veröffentlicht. Damit bietet sich erstmals die Gelegenheit, nachzuprüfen, ob die viel zitierten Europaängste Fluchtkapital ins Land gespült haben. Zur Erinnerung: Im März wurde in Italien ein neues Parlament gewählt, die den beiden Europagegnern und Anti-Establishment-Formationen Movimento 5 Stelle und Lega eine Mehrheit bescherten. Nach einigen politischen Querelen – u.a. das Veto des Staatspräsidenten gegen den designierten Wirtschaftsminister, der für einen Austritt Italiens aus dem Euro plädiert hatte und daraufhin «nur» als Europaminister ins Kabinett gelassen wurde – übernahmen sie am 1. Juni die Regierungsgeschäfte.

Quelle: Thomson Reuters

Der Risikoaufschlag italienischer Staatsanleihen schoss nach oben. Der Euro wertete sich zum Franken ab. Der Wechselkurs sank von 1.20 auf 1.12 Fr./€. Mancher Beobachter kündigte bereits die nächste Eurokrise an.
Was spielte sich gleichzeitig in der Schweizer Kapitalbilanz ab? Man sollte erwarten, dass dort ein satter Kapitalimport verzeichnet wurde. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Nationalbankdaten zeigen keine Spuren einer Kapitalflucht in die Schweiz. Im zweiten Quartal 2018 belief sich der Saldo auf 9,97 Mrd. Fr., im ersten betrug er 24,9 Mrd. Fr. Es floss letztlich mehr Kapital ins Ausland ab, als in die Schweiz strömte.

Wie der unten stehende Chart zeigt, fiel in den vergangenen vier Jahren der Saldo nur in zwei Quartalen knapp negativ aus. Die Schweiz exportiert übrigens jedes Quartal in etwa gleich viel Kapital, wie die Wirtschaft netto Güter exportiert. Die Kapitalbilanzüberschüsse sind ungefähr gleich hoch wie die Überschüsse der Leistungsbilanz. (Diese spiegelt zu 90% die Handelsbilanz.)

Quelle: Thomson Reuters

Währungsreserven steigen nicht mehr

Hierbei gilt es jedoch einen Punkt zu beachten: In den vergangenen Jahren half die Nationalbank kräftig dabei, dass tatsächlich Kapital die Schweiz verlässt. Sie kaufte ausländische Devisen auf, verkaufte also Franken. Das Kapital parkte sie als Währungsreserven in der eigenen Bilanz. Wie der nächste Chart zeigt, war sie vor allem 2015 bis 2017 aktiv. Um die «natürlichen» Kapitalbewegungen zu verfolgen, sollten also die Bewegungen bei den Währungsreserven ausgeklammert werden. Das Ergebnis ist aufgeführt: Die violetten Balken zeigen die Schweizer Kapitalbilanz ohne Währungsreserven.

Quelle: Thomson Reuters

Es zeigt sich, dass die Nationalbank tatsächlich immer wieder gegen markante Kapitalzuflüsse ankämpfte: 2015 beim Frankenschock und anschliessend bis 2016 fast durchwegs. Zum letzten Mal schritt sie im Frühjahr 2017 ein, als bei den französischen Wahlen befürchtet wurde, dass Marine Le Pen die Macht übernehmen könnte. Dieses Jahr jedoch ist nichts Vergleichbares passiert. Kapital floss per saldo aus der Schweiz ab, die Nationalbank brauchte nicht zu intervenieren. Die Entwicklung läuft ganz in ihrem Sinne. Sie hält die Zinsen tief im Minus, um ausländische Anleger abzuschrecken, Frankenanlagen zu kaufen; und um inländische Investoren dazu zu bringen, das Kapital im Ausland anzulegen. Auf diese Weise entzieht sie dem Franken den Aufwertungsdruck.

Komplett geänderte Ausgangslage

Tatsächlich hat sich die Ausgangslage grundlegend geändert. Das lässt sich in der Kapitalbilanz vor allem an zwei Stellen nachweisen: bei den Portfolioinvestitionen und im Bankgeschäft. Bei den grenzüberschreitenden Käufen und Verkäufen von Aktien, Anleihen, Fonds und Geldmarktpapieren – den sogenannten Portfolioinvestitionen – fliesst seit drei Jahren per saldo Kapital ins Ausland ab. Besonders die ausländischen Anleger kehren der Schweiz den Rücken. Das lässt sich ab 2014 beobachten, wie der folgende Chart zeigt.

Quelle: SNB, Thomson Reuters

Seit die Nationalbank Ende 2014 negative Zinsen einführte, verringerten sich die Portfolioinvestitionen aus dem Ausland. Die Extremmassnahme hatte also die gewünschte Wirkung. Allerdings kamen noch andere (glückliche) Umstände dazu: Im Zuge des M&A-Booms bauten viele ausländische Investoren ihre Schweizer Aktienbestände ab. 2017 beliefen sich diese Desinvestitionen auf 35 Mrd. Fr. Die Nationalbank kommentiert: «Die Transaktionen spiegeln den Verkauf von Aktien, die sich bis dahin im Streubesitz von Investoren im Ausland befunden hatten und im Zuge von Übernahmen veräussert wurden.»

Im Bankengeschäft ist der Wandel ebenfalls beachtlich. Im grenzüberschreitenden Interbankengeschäft schrumpfte das Volumen in den vergangenen zehn Jahren um über die Hälfte. Banken reduzierten ihre Bestände an Forderungen und Verbindlichkeiten im Auslandsvermögen drastisch. Es handelt sich um eine strategische Reaktion auf die Finanzkrise von 2008. Auch im Kundengeschäft hat der Geldfluss gedreht. Bis 2014 wurde stets ein hoher Nettozugang von Kundengeldern aus dem Ausland in der Schweizer Kapitalbilanz verzeichnet. Seitdem fliessen Gelder zurück. Gemäss Nationalbank zogen Kunden im Ausland seit 2017 Gelder in Höhe von 35 Mrd. Fr. aus der Schweiz ab. Und das, nachdem sie 2016 bereits ihre Einlagen um 12 Mrd. Fr. reduziert hatten. Der Chart zeigt die jährliche Entwicklung; leider werden diese Daten nicht auf Quartalsbasis veröffentlicht.

Quelle: SNB

Dieses Jahr kam noch ein dritter Faktor hinzu, der den Kapitalexport förderte: Donald Trump. Seine Steuerreform sorgte dafür, dass im ersten Halbjahr US-Konzerne Beteiligungskapital aus Finanz- und Holdinggesellschaften in der Schweiz abzogen. Zusätzlich reduzierten sie konzerninterne Kredite, um von der Steuerreform zu profitieren. Insgesamt wurden in den ersten beiden Quartalen über 70 Mrd. Fr. ins Ausland transferiert.

Fazit

Die Negativzinspolitik der SNB hat gewirkt. Allerdings spielen zusätzliche glückliche Umstände der SNB in die Hände. Nicht zuletzt die strategische Neuausrichtung der Banken sorgt dafür, dass heute andere Spielregeln gelten als während der Finanz- und der Eurokrise.

Das erklärt wohl auch, warum der Euro sich nicht noch stärker abgewertet hat und die Nationalbank nicht am Devisenmarkt interveniert. Die Entwicklung an der Kapitalbilanz deutet auch darauf hin, dass das Italienrisiko für die Schweiz und den Franken nicht ganz so dramatisch ist, wie die Aufregung an den Finanzmärkten suggeriert.

45 Kommentare zu «Rückenwind für die SNB»

  • Jan Svoboda sagt:

    von wegen, die SNB Politik hat kaum gewirkt, sondern die Umstände waren günstig, die Lage hat sich aber überhaupt nicht geändert, der Euro ist nach wie vor in der Vorkammmer des Krematoriums und die Zeit arbeitet für den Bestatter. Sogar die angeblich so guten Quartalszahlen der US Banken sind zum guten Teil Zinsen, die die Fed auf die Reserven zahlt Davon können die EU Banken nur träumen.

    • Rolf Zach sagt:

      Hat Euroland ein Leistungsbilanzdefizit gleich wie die USA, welches nicht nur gewaltig in den Zahlen, sondern auch prozentual zum Volkseinkommen 5 % ausmacht? Wenn der Welthandel sich vom Dollar-Standard wegbewegen würde, was durchaus bei dieser US-Defizitwirtschaft ohne Verantwortung geschehen könnte, wird man feststellen, dass es dafür zuwenig Euro hat.
      Wenn der Euro 2008 nicht gewesen wäre, würde wir heute noch mehr an der von der USA ausgehenden Krise herumlaborieren. Die USA würden zu 100 %
      die Zinsherrschaft mit ihrer Geldpolitik über ganz Europa haben.
      Wenn die Italiener sich die Frage stellen, wie viel mit dem Euro ihre Zins-Aufwand prozentual am Volkseinkommen ausmacht und wie viel mit ihrer verflossenen Lira, werden sie reumütig beim Euro verbleiben.

      • Rolf Zach sagt:

        Wie wurde vor 5 Jahren in vielem zu Recht über die griechische Wirtschaft und noch schlimmer über
        die Misswirtschaft der Griechen geschrieben und ihren absolut sicheren Untergang mit dem Euro und die werden sich nie erholen.
        Die Türkei wurde als dasjenige Land beschrieben, wo der Himmel voller Geigen ist. Das Land der absolut richtigen Wirtschaftspolitik, ein blühendes Land mit einer eigenen Währung und gesunden Staatsfinanzen. Ich war da immer skeptisch. Aber die Koryphäen wie Sinn konnten es nicht genug loben. Uns was ist heute die Realität? Eine Sumpf-Wirtschaft mit Inflation! Wo ist jetzt das Krematorium, beim Euro oder der türkischen Lira?

        • Jan Svoboda sagt:

          @Zach
          wenn ich lachen möchte, lese ich immer den Zach. Schon mal gehört bei wem die Türken in der Kreide stehen? Der T.Lira droht bestimmt keine Abschaffung, höchstens Inflation, dem Euro hingegen schon, weil der Kreditmarkt so nicht funktionieren kann,und die Abschreiber auf die türkischen Schulden werden einige der Nägel im Eurosarg sein, ditto die italienischen usw. Bei 1000 euro Schulden hat der Schuldner Problem, bei Hunderten Milliarden der Gläubiger.Übrigens, offensichtlich haben Sie keine Ahnung warum der Dollar den Reservestatus hat

          • Anh Toàn sagt:

            Was ausser dem USD sollte den Weltreservewährung sein? Ich gehe davon aus, dSie meinen, der USD sei dies, weil die Amis die Stärkste Armee haben. Wenn die abrüsten, haben die Russen die stärkste Armee, aber wetten der Rubel wird dennoch nicht Weltreservewährung.

            Und dem Euro geht es, nach zwei Jahrzehnten sterben, besser als bei seiner Totgeburt. Totgesagte leben länger.

  • Rolf Zach sagt:

    Diese Sonderausschüttungen der SNB sind auch ein Zeichen, dass wir nicht gewillt sind, zukünftige Entwertungen der Reservewährung $ in all ihren Facetten durch übertriebene Aufwertung mitzumachen. Deshalb ist es gut durch $ Verkäufe diese 60 MD. SFr. von der SNB den anderen öffentlichen Institutionen zukommen zu lassen. So wird der $ unter Umständen bei 0.80 für den SFr. stabil bleiben und nicht Richtung 0.50 pro SFr. bewegen zur Freude von Hot Money (welches dann aussteigt) und es verbleibt eine ruinierte Schweizer Wirtschaft.
    Wie reagiert die EZB auf die Schwächung des $? Als Leser im Kaffee-Satz bin ich irgendwie überzeugt, dass sie nicht 100 % dem Kurs des $ folgt. Sie wird trotz Griechenland eine kleine Aufwertung gegenüber dem $ zulassen.

  • Rolf Zach sagt:

    1. Der SFr. ist die Reservewährung der Reservewährungen für die privaten Investoren weltweit, weniger für die Zentralbanken, bei denen ist es weniger als ein halbes Prozent. Trotzdem ist der SFr. die „Schatzkästli-Währung“ für die Investoren, entweder kauft man Gold oder Schweizerfranken. Dieser Investoren-Entscheid zeigt sich auch bei den 500 MD. SFr. Bankeinlagen bei der SNB, wovon sicher 70 % von den Banken wegen ihren Kunden kommt, die diese SFr. Guthaben bei den Banken trotz Negativzins einlagern, anstelle von ihren Käufen von Gold. Der Anleihemarkt für SFr.-Papiere erstklassiger Qualität ist zu klein, um ihren Bedarf zu befriedigen. Ebenso wollen sich wenige im Ausland kommerziell in SFr. verschulden. Schlechte Erfahrungen der Vergangenheit durch Aufwertungen.

    • Rolf Zach sagt:

      2. Eine Reservewährung ist dann von unschätzbarem Vorteil, wenn sie weltweit als Tauschwährung anerkannt ist und das betreffende Land sich deshalb autonom Konjunkturpolitik betreiben kann, unabhängig von der Höhe ihres Leistungsbilanz-Defizit.
      Unser SFr. ist all dies nicht, er ist nur ein Goldersatz heute, wo nicht der Goldstandard herrscht, sondern der Dollar-Standard. Der SFr. hat seit 1970 am meisten gegenüber dem Dollar aufgewertet, mehr als 300 %!
      Nur der Yen konnte da im geringeren Masse mithalten. Mit weniger internen Konjunktur-Programmen als Japan hat die Schweizer Wirtschaft diese Aufwertungen bis heute einigermaßen verkraftet. Der Mittel- und Unterbau der Schweizer Wirtschaft ist wahrscheinlich mehr verschuldet als er jemals war.

      • Rolf Zach sagt:

        4. Eine weltweite Rezession (nach dem heutigen Börsenkrach mehr wahrscheinlich als auch schon) hat für die Schweizer Wirtschaft verheerende Auswirkungen, was unbedingt vermieden werden muss. Die Angst-Investitionen in unser SFr. Gold ist ein geschenkter Gaul, den aber die SNB im Stall stehen lässt und ihn nicht zum pflügen verwendet.
        Auch die Negativzinsen sind zu ungenügend, um das Futter für dieses Viech zu bezahlen, im Gegenteil, dieser geschenkte Gaul (d.h. die Devisenbestände) können uns sehr gefährlich werden.
        Es ist deshalb unbedingt nötig und zwar jetzt, der ETH 20 MD. zu geben, ferner 20 MD. in die öffentliche Verkehrs-Infrastruktur und 20 MD. zur Aufstockung der AHV. Dies ist noch bescheiden mit 60 MD., besser wäre noch mehr.

        • Anh Toàn sagt:

          Weder ETH noch Verkehrsinfrastruktur oder AHV sind Kompetenzen der Nati, sondern in der BV klar anderen Organen oder den Kantonen zugewiesen. (Du anderi Baustell!). Ich halte Ihre Idee durchaus für richtig, aber ich glaube, wenn die Nati 60 Mia Gewinnausschüttung beantragen würde, würde der Ueli und die anderen 6 Zwärgli die gar nicht wollen. Oder umgekehrt bezweifle ich, dass sich der Jordan und seine Kollegen gegen ein entsprechendes Ansinnen aus der Politik sträuben würde.

          Eigentlich könnte der Bund auch das Geld am Kapitalmarkt aufnehmen, der braucht keine Kohle von der Nati, er bekommt gratis soviel er will, 10 Jahre für Null Prozent Zins. Aber alle jammern und sagen, kein Geld, so viele Schulden (ohne Zinsen sagen sie nicht).

          • Anh Toàn sagt:

            Und bevor das entsprechende Argument kommt, nicht von Ihnen Herr Zach:

            P.S. Der Erdogan hat die Türkei nicht mit 0% in Lira ruinös überschuldet, und auch nicht in Zimbabwe und Venezuela und Argentinien.

            Gibt dir jemand Geld zu Null Prozent, nimm es und mach‘ was damit. Alles andere ist blöd.

          • Anh Toàn sagt:

            Noch etwas zu „anderi Baustell“:

            Es kann ja nicht sein, dass die Nati entscheidet, wie viel von den 20 Mia in die Verkehrsinfrastruktur für den ÖV und wie viel für das Auto ausgegeben wird und noch auf welchen Strecken.

            Um den CHF grundlegend zu schwächen, tun Ausgaben not. Da gehe ich mit Ihnen Herr Zach voll einig. Aber die Nati kann kein Geld ausgeben, nur welches anlegen, verleihen.

            Dass der Ueli und seine KollegInnen im BR nicht mehr Gewinnausschüttung von der Nati wollen, schliesse ich daraus, dass die Vereinbarung zwischen EFD und Nati 2016-2020 zur Gewinnausschüttung eine Erhöhung auf maximal 1 Mia begrenzt, und nicht z.B. auf einen Prozentsatz der 20 Mia übersteigenden Ausschüttungsreserve. (Hätte Jordan dazu gesagt, dann demissioniere ich?)

          • Anh Toàn sagt:

            Ich denke, wenn die Gewinnausschüttungsvereinbarung eine Erhöhung der Ausschüttung prozentual zur Ausschüttungsreserve ( bzw. 20 Mia übersteigenden Teil) hätte geholfen, den Franken zu schwächen, indem damit gesagt worden wäre, dass eine monetäre Staatsfinanzierung unter gewissen Voraussetzungen sogar beabsichtigt ist.

          • Josef Marti sagt:

            D und CH sind die einzigen die in den letzten 10 Krisenjahren die BIP Schuldenquoten sogar gesenkt haben, ein Effekt auch der Schuldenbremsen. Ein typischer Effekt des Währungsabwertungskriegs besteht darin dafür zu sorgen, dass die Schulden durch das Ausland gemacht werden, dazu brauchts eine hohe nationale Sparquote (nicht zu verwechseln mit der Sparquote des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte), diese ist um so höher je höher die Ungleichheit der Einkommens- und Vermögensverteilung ist, weil dadurch die Konsumquote stagniert.

        • Rolf Zach sagt:

          In jedem Geldsystem gibt es den Kampf zwischen denen, die das Geld zur Ankurbelung einer Volkswirtschaft sehen und denen, die die Stabilität einer Währung bevorzugen. Meistens gewinnt die erste Gruppe, in der Mehrheit auch zu Recht.
          Weltweit sind die unbedingten Anhänger der Stabilität auf Kosten der Aktivität einer Volkswirtschaft in der Mehrheit (65 % EZB, 80 % FED). In der Schweiz aber ist diese Auseinandersetzung ausgeglichen. 50 % für Stabilität, sogar in Richtung Deflation, 50 % dagegen. Resultat ist die „Schatzkästli-Währung“, welche von den Schweizer Banken unterstützt wird, viel mehr als vor 50 Jahren. Es ist die Situation, die ihnen noch Ertrag bringt als internationale Vermögensverwalter.

    • Maiko Laugun sagt:

      @Rolf Zach: „„Schatzkästli-Währung“

      Als Detail am Rande: Der Souverän war (und ist es wahrscheinlich auch heute noch, Fragezeichen?) mehrheitlich stolz, dass im Heidiland in der Bundesverfassung ein Bankkundengeheimniss verankert ist/war. (War steht defacto für aufgehoben).

      Bankkundengeheimnis = Steuerbetrug = „Schatzkästli-Währung.

      • Rolf Zach sagt:

        Ihre Gleichung ist nur zu 20 % richtig, 80 % sind nämlich anderes.
        Der Schweizerfranken wird gegenüber dem $ und dem € aufgewertet=Schweizer Bürger den Gürtel enger schnallen und Schulden abbauen oder Konkurs gehen=Deflation=“Schatzkästli-Währung“. Dies ist der Hauptgrund der der „Schatzkästli-Währung“.
        Würden Sie, Herr Laugun, wegen dem Bankgeheimnis in Panama anlegen. Dort wird nicht angelegt, sondern nur durchgeschleust zum Zweck der Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Ein steinreicher Geschäftsmann aus Hongkong schleust Geld durch diese Karibik Steueroasen, aber sein Vermögen bleibt dort nicht, nicht einmal in Singapur. Er kann dann wählen zwischen der Schweiz, den USA und Kanada. Wie ob gesagt, ist die Schweizer Währung etwas ehernes, nicht so wie der $ seit 1971.

        • Rolf Zach sagt:

          Was sagte der ehemalige Finanzminister Antoine Pinay „Gott sei Dank, haben wir die Schweiz, so bleibt uns in Europa wenigstens eine stabile Landeswährung erhalten.“ Zwischen 1945 bis 1971 und noch mehr zur Zeit der flexiblen Wechselkurse zwischen 1971 und 1999 (allmächtiger Dollar-Standard) vor Einführung des Euro war der SFr. so etwas wie zweite Reservewährung in Europa. Die DM hatte nie die selbe Qualität wie der SFr.. Der SFr. war ein Nutzen für die europäische Staaten. Seit dem Euro ist dieser Nutze für Europa vorbei, deshalb auch der Angriff auf unser Bankkunden-Geheimnis.
          Die europäischen Geschäftsleute hatten nun für ihre Liquidität den Euro und er bestätigte sich trotz dem Geschwätz der Prof. Sinn und Sarrazin als Anker der Stabilität. Als Beispiel die Tessiner Banken.

        • Makiko Laugun sagt:

          Ihr Kommentar:

          „Ihre Gleichung ist nur zu 20 % richtig,..“
          =
          „Als Detail am Rande:“

          Mein Kommentar.

  • Thomas Abderhalden sagt:

    Man muss einfach ein bisschen kreativ sein. Am Tag X erklärt die SNB den Schweizer Franken für ungültig, und wandelt die Guthaben von Schweizer Bürgern und in der Schweiz domizilierten Firmen 1:1 in den neu geschaffenen Alpentaler um. Die Guthaben von Amerikanern und Amerikanischen Firmen werden mit 10% Aufschlag umgewandelt, damit die uns beschützen. Der Rest verfällt. Problem gelöst.
    Jetzt noch ein bisschen ernsthafter: Das Problem der grossen Bilanz besteht ja vor allem in der Inflationsangst. Wenn in schlechten Zeiten alle in den Franken fliehen, dann kann der Franken ja nur in guten Zeiten an Wert verlieren. Dann würden aber die Aktiven entsprechend aufgewertet, und man könnte diese abstossen und den Kurs stützen. Sehe ich das falsch?

  • Maiko Laugun sagt:

    Die USA haben rund 320 Millionen Einwohner und eine FED-Bilanzsumme von rund 4.2 Billionen USD. Im Heidiland leben rund 8 Millionen Einwohner bei einer SNB-Bilanzsumme von rund 700 Milliarden. Beim Vergleich der Grössenverhältnisse halte ich die SNB-Bilanz für irrsinnig. Diese entspricht schon fast CHF 100K Schulden pro Einwohner. Noch vor wenigen Jahren war es nur ein Bruchteil davon. Ich bezweifle, dass die SNB dadurch den Verfassungsauftrag erfüllt.

    • Marcel Senn sagt:

      Maiko, was sind denn Deine Zweifel?? Dein Misstrauen ins Unkonventionelle?
      Gemäss der SNB-Seite ist der Seinszweck derselben folgendes:
      „Auftrag
      Die Schweizerische Nationalbank führt als unabhängige Zentralbank die Geld- und Währungspolitik des Landes. Sie muss sich gemäss Verfassung und Gesetz vom Gesamtinteresse des Landes leiten lassen, als vorrangiges Ziel die Preisstabilität gewährleisten und dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung tragen. Damit setzt sie grundlegende Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Wirtschaft.“
      .
      Und was heisst denn da Schulden pro Einwohner??
      Die SNB hat 803 Mrd Guthaben und auf der Passivseite 600 Mrd Schulden plus 120 Mrd EK und 80 Mrd Quasi-EK (die Notengeldmenge)
      Den Verfassungsbruch müsste Du erst mal aufzeigen – ich sehe keinen

      • Maiko Laugun sagt:

        Ni Hao Marcel: Ich hatte früher schon mal auf die Thesen des Dr. Marc Meyer verwiesen. Hoffe mal, dass der Link hier funzt:

        https://insideparadeplatz.ch/2018/09/19/unsere-nationalbank-befeuert-dax-und-wallstreet-statt-smi/

        • Marcel Senn sagt:

          Maiko: Mit dem Dr. Marc Meyer habe ich früher auch schon des öfteren die Klingen gekreuzt.
          Nun seit Mitte 2017 hat die SNB ja nix mehr gekauft.
          Es stellt sich einfach die Frage wieviele 100te Milliarden durch massiv höhere AL, Steuerausfälle, Firmenkonkurse, Abwanderung von Firmen etc es die CH Volkswirtschaft gekostet hätte, wenn die SNB nie am Devisenmarkt interveniert hätte.
          Es ist halt nun mal so wie es ist und da wird man vorläufig nichts mehr gross dran ändern können, denn ein Rückkauf von Franken durch die SNB würde den subito in die Höhe treiben.
          Dr. Meyer wird vermutlich noch hunderte solcher Abhandlungen schreiben, bislang ist Jordan am grösseren Hebel.
          Ich sehe das nicht so dramatisch, der Franken ist gegen den Zerfall gut geschützt und das SNB EK Polster stark.

          • Maiko Laugun sagt:

            „Es ist halt nun mal so wie es ist und da wird man vorläufig nichts mehr gross dran ändern können, denn ein Rückkauf von Franken durch die SNB würde den subito in die Höhe treiben.“

            Geschätzter Marcel:

            Entspricht dies nicht exakt einem Eingeständnis, dass die Entscheidungen eben falsch waren?

            Im Nachhinein ist man immer klüger. Ein alter Spruch. Es geht aber darum, Fehler zu erkennen und auch einzugestehen. Dies meine bescheidene Meinung. Genau dies kann ich nicht erkennen. Ich meine die SNB.

          • Maiko Laugun sagt:

            „..bislang ist Jordan am grösseren Hebel.“

            Hat er auch recht? Buchhalterisch?

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Buchhalterisch ist jede Art von Geldpolitik (selbst Hyperinflation) problemlos fehlerfrei zu bewerkstelligen. Vielleicht ist die Frage zu einem buchhalterischen Fehler nicht wirklich relevant, sondern Fragen ob und inwiefern die aktivistische Geldpolitik und den damit verknüpften gewaltigen Umverteilungsmechanismen der Regierungen, respektive deren Zentralbanken, einen Einfluss auf das Verhalten der Akteure ausüben und inwiefern das daraus resultierende Verhalten dem guten Funktionieren der Gesellschaft ab- oder zuträglich ist. Es geht auch nicht einzig um die SNB, denn diese ist durch das Verhalten der grossen Zentralbanken stark behindert in ihrer Entscheidungsfreiheit.

          • Maiko Laugun sagt:

            Ich will Lernen – und Du willst Lehren. Genau das verstehst Du nicht. Ich bin ein Idiot – und Du bist ein Vollidiot.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Ich lerne dort, wo ich mein Maul halte und einzig lese, respektive nicht zu allem eine Meinung jedoch keine Ahnung habe.

        • Linus Josef Anton Huber sagt:

          Danke fuer den Link zu diesem interessanten Artikel, Maiko.

          „Die angebliche „Rettung der UBS durch die SNB“ wäre dann eher eine Übervorteilung der UBS durch die SNB gewesen“

          Herr Dr. Meyer beschreibt damit genau den Umstand, welchen ich oft kritisiere, nämlich dass die Zentralbanken mit verdeckten Subventionierungen in erster Linie zum Wohle der Banken und nicht zum Wohle der Bevölkerung handeln. Man kann natürlich im Falle UBS den Grundsatz „“What’s good for General Motors is good for the country“ anwenden, jedoch sind Zweifel an dieser Idee mehr als berechtigt.

  • Marcel Senn sagt:

    Nun in was bitte sollen die „Frömden“ denn überhaupt noch in CH Portfolioinvestitioen investieren??? Die SMI-Titel gehören doch schon zu über 82% Ausländern und der schweizer Bundes-Oblimarkt ist dank unserer minimen Verschuldung auch nur in der Grössenordnung auch nur um die 90 Mrd.
    Und über 70% der Dividenen fliessen ins Ausland.
    .
    Dafür sind die ausländischen Direktinivestitionen seit Ende 2013 von 966 auf 1430 Mrd angestiegen. All die Hotels in chinesischen Händen, die Oligarchenvillas und was sich die Ausländer halt sonst noch so alles in Heidiland pöschtelen.
    Auf der anderen Seite haben auch die Eidgenossen seit Ende 2013 fleissig im Ausland investiert: 392 Mrd in Direktinvestitionen und 207 Mrd in PF Investments

    • Marcel Senn sagt:

      ff Die Währungsreserven haben seit Ende 2013 von 477 Mrd auf 795 Mrd doch kräftig zugenommen, allerdings sind da auch noch Währungsgewinne, Börsengewinne, tw. Positivzinsen mit dabei von rund 72 Mrd (SNB EK Ende 2013 48 Mrd, aktuell 120 Mrd)
      .
      Wer es nicht glaubt, hier noch die Daten der NIIP

      https://data.snb.ch/en/topics/aube#!/cube/auvekomq?fromDate=2013-Q4&toDate=2018-Q2&dimSel=D0(A,P,N),D1(T0,T1,T2,D,T4,T7)

      https://data.snb.ch/de/topics/snb#!/cube/snbbipo?fromDate=2013-12&toDate=2018-08&dimSel=D0(GFG,D,RIWF,IZ,W,FRGSF,FRGUSD,GSGSF,IG,GD,FI,WSF,DS,UA,T0,N,GB,VB,GBI,US,VRGSF,ES,UT,VF,AIWFS,SP,RE,T1)

    • Marcel Senn sagt:

      ff Die Währungsreserven haben seit Ende 2013 von 477 Mrd auf 795 Mrd doch kräftig zugenommen, allerdings sind da auch noch FX-gewinne, Börsengewinne, tw. Positivzinsen mit dabei von rund 72 Mrd (SNB EK Ende 2013 48 Mrd, aktuell 120 Mrd)

        • Marcel Senn sagt:

          Bemerkung: Der erste Kommentar wurde wieder mal verschluckt und scheinbar später dann doch freigeschaltet, darum habe ich den nochmals aufgeteilt gesendet.
          .
          Will ja nicht mit Redundanz langeweilen, aber das NMTM Blogsystem ist manchmal schon echt lästig mit dem verschlucken von Kommentaren….

      • Josef Marti sagt:

        Wenn ich das richtig lese hat NIIP in 5 Jahren von 650 auf 918 Mia zugenommen. Das entspricht praktisch dem FW-Einsatz der SNB. Da sollte doch von den Erträgen auch ohne Kursgewinne deutlich mehr an die Kantone geschüttet werden. Auf diese Art Steuern senken und zwar für alle und nicht nur für Firmen und Grossaktionäre wäre viel gescheiter als diese blödsinnige Steuerreform.

        • Marcel Senn sagt:

          Nun Herr Marti, aber auch die Passiven der SNB haben seit Ende 2013 um 313 Mrd zugenommen, und selbst wenn man die EK Zunahme durch FX Gewinne ausklammert sind seither immer noch über 240 Mrd.
          Das sollte Sie auch noch bedenken, denn die Verschuldung der SNB vs. z.B. den inländischen Geschäftsbanken, Bund etc. sind in der NIIP selbstverständlich NICHT berücksichtigt. (ausser allenfalls die 22 Mrd Verpflichtungen in FW und sonst noch Peanuts)
          .
          So einfach geht das nun auch wieder nicht mit der Geldverteilete. Man kann nicht nur die Aktivzunahme betrachten und die Passivzunahme ignorieren. Leider scheint das in der CH sehr in Mode zu sein, wenn ich an all die Geldverteiler denke, die die SNB Aktiven am liebsten unters Volk bringen würden.

          • Marcel Senn sagt:

            Betreffend dieser „blödsinnigen Steuerreform“:
            Nun wir haben uns vor einigen Jahrzehnten (weiss nicht genau wann das angefangen hat) mit Discountsteuern für ausländische Holdingesellschaften massig Firmen angesiedelt.
            Da diese keiner ordentlichen Besteuerung unterliegen, werden wir ohne Berichtigung auf der schwarzen Liste landen wie andere Steueroasen wie Cayman, BVI, Panama usw usw.
            .
            Wir haben jetzt ein paar Jahrzehnte fett profitiert davon, aber jetzt sollte besser Schluss damit sein.
            Logisch könnten wir die nochmals ablehnen, aber ich bin mir sicher dass das uns später einiges teurer zu stehen kommt als wenn wir jetzt in diesen leicht säuerlichen Apfel beissen.
            Mir kanns ja egal sein, ich kann in Uruguay nicht mehr von einer ausländischen Holding in der CH entlassen werden

          • Josef Marti sagt:

            Ändert überhaupt nichts an der NIIP, ist ja schliesslich eine Nettozahl im Aussenverhältnis. Wie Sie richtig sagen sind diesbezüglich Schulden der SNB gegenüber Inländern vollkommen irrelevant. Wenn die positive NIIP praktisch dem Einsatz der SNB entspricht dann gehört logischerweise der daraus resultierende positive Zinsen-/Dividendensaldo der Allgemeinheit.

          • Marcel Senn sagt:

            Marti: Ein Teil der Erträge der SNB Assets wird mit den 2 Mrd Dividenden an die Kantone „die Allgemeinheit“ ausbezahlt.
            .
            Die NIIP ist nur ein rechnerisches Modell.
            Nur wenn ein Russe mit 1 Mrd $ kommt, dies bei der Geschäftsbank in CHF tauscht und an die SNB weiterverkauft worauf die SNB der Bank diese Mrd auf dem Giroverpflichtungen vs. CH Geschäftsbanken in den Passiven bucht. Dann sieht die NIIP wie folgt aus:
            + 1 Mrd Währungsreserven
            – 1 Mrd Verpflichtung Geschäftsbank versus non Residents = das CHF Guthaben des Russen
            .
            Also NIIP mässig ein Nullsummenspiel, ausser eben es gibt dann Erträge auf den FX Reserven der SNB, aber das gehört der SNB, resp. den Kantonen und ein paar Privataktionären mit limitierten Recht.

  • Josef Marti sagt:

    Aus der Abbildung „Kapitalbilanz“ ist klar ersichtlich, dass der Nettokapitalimport ohne Währungsreserven (violetter Balken nach unten) jeweils spiegelbildlich zum Anstieg der SNB Bilanz steht (hellblaue Steigung nach oben). Diese Positionen gleichen sich zwingend aus, weshalb auch gemäss Lehrbuch die Nettoexporte im Wesentlichen immer gleich dem Nettokapitalabfluss sind.
    Die SNB hatte glück dass die ausländische Kapitalflucht in die CH aufhört. Wenn zudem der Privatsektor die Überschüsse vollständig im Ausland anlegt findet keine weitere Zunahme der Devisenreserven mehr statt. Dies bedeutet längerfristig aber auch dass die Exportabhängigkeit weiter zunimmt.

    • Marcel Senn sagt:

      Marti: Die Devisenrserven der SNB sind aber auch seit Ende q1 2015 nochmals um 230 Mrd angestiegen, wenn man die EK Zunahme der SNB von 82 Mrd (Q1 2015 38 Mrd, akt. 120 Mrd) abzieht sind es real immer noch um die 150 Mrd oder rund 23% des CH BIP.
      Die Liabilities vs. den „Frömden“ sind im gleichen Zeitraum in einer ähnlichen Grössenordnung von 200 Mrd gestiegen.
      .
      Von dem her hat sich die Lage entspannt, aber vielleicht ist das auch nur die Ruhe vor dem Sturm.
      Es Oktöberlet an den Börsen wie 1929, auch damals ein Septemberhoch, der Shiller-PE damals bei 30, heute sinds fast 33, Deutschland und die USA boomen wie in den Roaring Twenties….und wenns diesen Oktober noch nicht implodieren sollte, dann mit höherer Wahrscheinlichkeit Oktober ev. 2019 – zum 90zig jährigen Jubliäum

  • Anton Schneider sagt:

    Sehr gut erklärt, ein sachlicher wissenswerter Beitrag. Mehr davon auch im Tagesanzeiger wäre wünschenswert.

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