Der Geldmangel der Ökonomen

Wächst Geld wirklich nicht auf Bäumen? Wer weiss ... Foto: Pixabay, Pexels

Wächst Geld wirklich nicht auf Bäumen? Wer weiss … Foto: Pixabay, Pexels

Worum geht es in der ökonomischen Wissenschaft? Die meisten würden wohl sogleich antworten: ums Geld. Die Wahrheit ist, das Geld und mit ihm das gesamte Finanzwesen wurde in diesem Fach über die letzten Jahrzehnte sträflich vernachlässigt.

Geld wurde meist nur als Schmiermittel betrachtet, das «exogen», also von aussen irgendwie ins Spiel kommt. Seine Herkunft und die mit ihm verbundene Funktion der Notenbanken und der Finanzbranche haben in den Details wenig interessiert. Selbst in Lehrbüchern wurde das Thema mit ein paar wenigen Formeln zu Geldnachfrage und -angebot abgehandelt.

Es war die wohl wertvollste Leistung der Vollgeldinitiative, die gestern vom Schweizer Volk wuchtig abgelehnt wurde, dass sie diesen Mangel an Wissen offengelegt hat, selbst wenn dieses Mangelwissen den Initianten die Aufgabe erschwert hat, ihr Anliegen zu vermitteln. Auch Debatten zum Thema scheiterten oft daran, dass die Leute aus Kenntnismangel aneinander vorbei geredet haben.

1963 hat James Tobin (1918-2002) die Funktion der Finanzbranche und der Notenbank bei der Geldschöpfung besser beschrieben als alle nach ihm. Foto: Keystone

1963 hat James Tobin (1918-2002) die Funktion der Finanzbranche und der Notenbank bei der Geldschöpfung besser beschrieben als alle nach ihm. Foto: Keystone

Man würde meinen, es sei für eine ökonomisch geschulte Person ein Leichtes, so etwas Grundlegendes wie die Entstehung des Geldes zu erklären. Das Gegenteil ist der Fall. Allein um die Frage des Geldschöpfungsprozesses ist ein heftiger Streit entbrannt – auch unter Ökonomen. Viele wurden selbst nach einem Wirtschaftsstudium zum ersten Mal überhaupt mit dieser Frage konfrontiert.

Dabei ist hier nichts neu – auch nicht beim Wissen um die Zusammenhänge. Doch dieses Wissen ging angesichts der Vernachlässigung der Zusammenhänge stark in Vergessenheit. Das zeigt ein Aufsatz aus dem Jahr 1963. Vor 55 Jahren hat der Ökonom und spätere Nobelpreisträger James Tobin die Funktion der Finanzbranche und der Notenbank bei der Geldschöpfung besser zusammengefasst, als das moderne Studien oder Lehrbücher tun – geschweige denn, was in den öffentlichen Auseinandersetzungen dazu zu erfahren war.

Finanzkrise war «so gut wie ausgeschlossen»

Die Vernachlässigung des Geldes und der Funktionsweise der Finanzbranche in der ökonomischen Wissenschaft war auch mitverantwortlich für die Finanzkrise vor zehn Jahren, weil sie für die meisten Ökonomen wie aus heiterem Himmel kam. Das wäre etwa so, wie wenn Meteorologen nicht verstehen würden, was zu schweren Gewittern führt und noch am Vorabend eines solchen Entwarnung geben würden. Nur, dass die Ökonomen eine viel grössere Verantwortung tragen.

Denn was sie sagen, beeinflusst die Politik und die Regulierung und damit auch die Wahrscheinlichkeit von Krisen. Tatsächlich waren die meisten Ökonomen im Vorfeld der Finanzkrise der Meinung, was folgte sei angesichts der Erkenntnisse der Wissenschaft und der daraus abgeleiteten Politik von Regulierungsbehörden und Notenbanken so gut wie ausgeschlossen.

Die von Ökonomen empfohlene Politik bestand im Wesentlichen darin, möglichst wenig zu tun: Regulierungen waren verpönt, für die Notenbanken reichte es, wenn sie die Inflation im Auge behielten und notfalls an den Zinsen herumschraubten. Die Forderung nach mehr Eigenkapital bei den Banken wurde mit dem Argument abgeschmettert, dass dies die Rendite auf deren Eigenkapital schmälere und deshalb schlecht sei für die Aktionäre. Dass die höheren Renditen nur für höhere Risiken standen, interessierte nicht und wurde meist auch nicht verstanden. Schliesslich haftete am Ende der Staat, beziehungsweise seine Steuerzahler.

Das grösste Risiko einer weiteren Krise

Ja, heute sind die Regulierungen strenger. Doch dass der Erkenntnisstand rund ums Geld und die Auseinandersetzung damit sowohl unter Ökonomen wie in der Öffentlichkeit sich seit der Krise nicht wesentlich weiterentwickelt haben, bietet das grösste Risiko einer weiteren Krise. Denn Massnahmen und Regulierungen, die ein System stabilisieren sollen, sind nur so gut, wie sie Unterstützung geniessen. Und diese Unterstützung hängt vom Verständnis der Zusammenhänge ab.

53 Kommentare zu «Der Geldmangel der Ökonomen»

  • Stefan Wiesendanger sagt:

    „Erkenntnisstand bezüglich Geld“ setzt voraus, dass Geld schon vor menschlichem Handeln existiert. Das ist aber nicht so. Zum Beispiel: wenn der Staat Banken stützt oder gar rettet, werden Giroguthaben zu staatlich garantiertem Geld. Wenn man hingegen Eigenverantwortung will, darf der Staat nicht retten. Bankkonten sind dann kurzfristige Darlehen. Fazit: Der Geldbegriff ist abhängig von den Umständen.

    • Taric Trent sagt:

      Nein, das heisst nur, dass ihr Begriff von Geld falsch ist. Der erste Satz ist ebenfalls falsch, denn auch das menschliche Handeln lässt sich erkennen.

    • Linus Josef Anton Huber sagt:

      Ich gehe mit Ihnen einig, Stefan. Geld ist nichts anderes als ein Versprechen für eine zukünftige Leistung, deren Ausmass durch die vollumfassenden Anzahl an Versprechen bestimmt wird (Je höher die Geldmenge oder die Anzahl an Versprechen, desto kleiner die daraus resultierende Leistung).

        • Linus Josef Anton Huber sagt:

          Nun, Tarek, Sie gehen vom Goldstandard aus, welcher jedoch ausser Kraft gesetzt wurde. Heute haben wir Kreditgeld.

          • Taric Trent sagt:

            Das macht nichts, die Bestimmung von Geld trifft entweder auf jedes Geld zu oder sie ist falsch.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Es besteht ein grundlegender Unterschied zwischen gedecktem und ungedecktem Geld.
            Statt ungedecktes Geld sagt man auch FIAT-Geld. Bei einem undedecktem Geldsystem wird Geld im Gegensatz zum gedeckten Geld aus dem Nichts in beliebiger Höhe geschaffen. Um ungedecktes FIAT-Geld zu erschaffen bedarf es nur entsprechender Beschlüsse der gesetzgebenden Organe eines Staates, ohne dass für den Staat eine Einlöseverpflichtung in z.B. Gold bestünde. Die Notenpresse darf also legal rattern bis zum Geht-nicht-mehr.

          • Maiko Laugun sagt:

            Die Logik des kleinen Linus:

            Ein Loch buddeln, Gold ausgraben, um den halben Planeten zu karren und es dort aus Sicherheitsgründen wieder in ein anderes Loch zu verbuddeln. Das kostet genau was? Ach so, ja, Geld.

            Nur rückwärts denkende und Illusionisten glauben noch an diesen Schwachsinn.

            Man sollte es an Salz als Standard koppeln. Das kann man wenigstens noch fressen.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            „Geld: Maß der Werte“

            Tarek: Wertmassstab ist einzig eine der Funktionen, welche Geld auszuweisen hat, wobei genau diese Funktion nur bei Betrachtung kurzfristiger Zeiträume erfüllt wird. Langfristig entwerten sich alle heutigen Fiat-Währungen.

          • Maiko Laugun sagt:

            „Mass der Werte“

            Gerade Männer neigen dazu, einen Mass-Wert für die eigene Bestückung zu missbrauchen.

            Dabei ist ein Meter-(Mass) doch eigentlich klar definiert.

            Idiot.

          • Maiko Laugun sagt:

            Der Linus hat 30 cm!

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Ich mache mich jederzeit dafür stark, dass auch Menschen, für welche z.B. die Differenzierung zwischen Längen- und Wertmass eine unüberbrückbare Herausforderung darzustellen scheint, die Meinungs- und Redefreiheit geniessen.

          • J. Kuehni sagt:

            Womit wird Geld gedeckt?
            Womit wird Gold gedeckt?

            Beides am Ende durch Sachwerte (Produkte und Dienstleistungen), sowie die Erwartung des Vorhandenseins eines Marktes, auf dem Valuta gegen Sachwert *jederzeit* getauscht werden kann, wobei letzteres weder durch Gold noch Geld (noch Bitcoin) jemals 100%ig gewährleistet werden kann, weil all dies ausschliesslich in Relation zu *Menschen* überhaupt irgendeinen Sinn ergibt.

            Wer also 100%ig ewig sicheres Geld will, muss den Menschen aus der Gleichung eliminieren, aber dann braucht er auch kein Geld mehr.

            Haha…

          • J. Kuehni sagt:

            Der einzige Unterschied von Gold zu Geld ist, das ersteres als Valuta wahrscheinlich die Kernschmelze eines Staatswesens überlebt, allerdings nur, wenn es auch Menschen gibt, die überleben, und die Frage bleibt dann (aus Sicht von Goldbugs/Preppern) immer noch, ob es auch die ursprünglichen Besitzer des Goldes (oder ihre direkten Nachfahren) sind, die daraus einen Nutzen ziehen können.

            No man is an island.

          • J. Kuehni sagt:

            In kerngeschmolzenen Staaten übernimmt normalerweise das organisierte Verbrechen in irgendeiner Form die Macht und die pflegen als erstes Gold gegen Blei einzutauschen.

          • J. Kuehni sagt:

            Bleibt noch die Golddeckung als „Versicherungspolice“ gegen eine Kernschmelze und damit „Stabilisator“ der Staatswesen.

            Und? Wann hat das wirklich funktioniert? Und: Hat es besser funktioniert als andere Garantoren, namentlich militärisch gestützte Hegemonialsysteme, internationale „Rechtsordnungen“ à la Pax Americana oder Pax Romana oder andere, sonstige menschliche Normierungsversuche.

          • J. Kuehni sagt:

            Hier noch eine zugegebenermassen subjektive Vermutung: Hysterisch schreiende Geld- und Goldhorter spielen bei Kernschmelzen von Staaten (und damit Märkten und Valutae) eine nicht unwesentliche Rolle. Am Anfang steht nämlich immer ein Vertrauensverlust, egal ob begründet oder nicht.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Es ging in dieser Diskussion nicht darum, ob oder inwiefern welches Geldsystem nun besser oder weniger gut sein soll, wie Sie dies hier zu implizieren versuchen, Kuehni, sondern um die Differenzen zwischen einem Geldsystem, welches rein auf Kredit beruht und einem metallgedeckten Geldsystem. Selbstverständlich bestehen, wie von mir angedeutet, bedeutende funktionelle Unterschiede ansonsten der Goldstand schwerlich abgeschafft worden wäre.

          • Maiko Laugun sagt:

            „Ich mache mich jederzeit dafür stark, dass auch Menschen, für welche z.B. die Differenzierung zwischen Längen- und Wertmass eine unüberbrückbare Herausforderung darzustellen scheint, die Meinungs- und Redefreiheit geniessen.“

            In der amerikanischen Armee wird (sinngemäss und in Kurzform !) der folgende Leitsatz indoktriniert:

            *Wir kämpfen für Demokratie und Meinungsfreitheit*

            Idiot.

          • Maiko Laugun sagt:

            „Selbstverständlich bestehen, wie von mir angedeutet, bedeutende funktionelle Unterschiede ansonsten der Goldstand schwerlich abgeschafft worden wäre.“

            Das ist der Glaube an 30 cm.

  • Rolf Zach sagt:

    Die Kommentare bestätigen mich in der Annahme, dass der Schweizerfranken ein „Schatzkästli“-Währung ist wie Gold.
    Unsere SNB hätte heute bedeutend weniger Geldmenge in CHF geschaffen, wenn sie das Instrument der Negativ-Zinsen so hart durchgeführt hätte wie 1978. Dort wurden die wirklichen „Schatzkästli“ Käufer getroffen. Das jetzige Negativ-Zinsregime darf die eigentliche „Schatzkästli“-Käufer nicht allzu sehr beeinträchtigen. Denn sie sind in der Regel Kunden unserer Banken und die Banken wollen diese potente Kundschaft nicht verlieren, die könnten nämlich davonlaufen. Dies ist bei uns Einheimischen und unseren Pensionskassen nicht der Fall, wir bleiben schön im Halfter angekettet.

    • Rolf Zach sagt:

      Ferner ist es unserer SNB aus innenpolitisch-ideologischen Gründen strikt verboten, einheimische Aktien zu kaufen.
      Gleichfalls will unsere Elite aus den obgenannten Gründen unter keinen Umständen, dass zum Beispiel die SNB 10 Milliarden CHF der ETH zur Verfügung stellt und weitere 10 Milliarden den Kantonen für ihre Infrastruktur gibt.
      Ein solches Vorgehen würde nämlich bedeuten, dass die Schweizer Finanzleute nicht mehr gewillt sind, den CHF als Goldersatz zu verkaufen. Ihre potenten Kunden würden nämlich ein wenig misstrauisch.
      Aber so könnte unsere SNB den Euro/CHF Kurs bei 1.20 stabilisieren, ohne zusätzliche Devisenkäufe!
      Aber unsere verbohrte Ideologie kombiniert mit Partikular-Interessen, ein Graus!

      • Hans Hödli sagt:

        Wie wahr. Diesen Horrorgedanken, Geld schuldlos der Allgemeinheit zukommen zulassen weil gut gewirtschaftet wurde haben Jordan und Maurer immer wieder an die Wand gemalt. Wie sollte man sonst so wichtige Massnahmen wie Kürzung der EL endlich an die Hand nehmen.

  • Linus Josef Anton Huber sagt:

    „Dass die höheren Renditen nur für höhere Risiken standen, interessierte nicht und wurde meist auch nicht verstanden. Schliesslich haftete am Ende der Staat, beziehungsweise seine Steuerzahler.“

    Dort liegt der Hase im Pfeffer. Warum soll sich der Banker noch der Bankkunde um das Risiko kümmern, wenn dieses an die Allgemeinheit ausgelagert wurde? Beim Fehlen dieser Risikoumverteilung und der damit zusammenhängenden ebenfalls kostenlosen Liquiditätsrückversicherung durch die Zentralbanken hätten sich die Eigenkapitalquoten bedeutend höher eingespielt, weil sie dem Bankkunden wichtig wären, respektive eine Bank mit tiefer Quote höhere Zinsen zahlen müsste. Diese zentralplanerische Geldpolitik führte zu negativen Konsequenzen (z.B. überdimensionierter Finanzsektor, Blasen etc.).

    • Anh Toàn sagt:

      Aber diese Rsiskoumverteilung wurde niemandem versprochen, nicht geregelt, es war keine explizite Garantie, sondern eine implizite. Mangels Regeln: „Die von Ökonomen [der Richtung von der Sie noch immer fanen] empfohlene Politik bestand im Wesentlichen darin, möglichst wenig zu tun:“

      Die Kunden interessierten sich nicht für die Bilanzen der Banken, obwohl die gar nichts wussten, von dieser impliziten Garantie. Die haben sich nicht für die Bankbilanzen interessierten, ihr Geld nicht zu der mit der höchsten EK Quote trugen, oder mehr Zins verlangten von denen mit tiefer. Hätten die, wäre die implizite Garantie gar nie entstanden.

      So ist das mit dem Hasen im Pfeffer.

      • Linus Josef Anton Huber sagt:

        Das Verhalten der Zentralbanken zum Wohle der Finanzbranche erzeugte das berechtigte Gefühl der Existenz solch einer implizierten Garantie, was in der Krise bestätigt wurde. Die Geldpolitik wurde über Jahrzehnte zunehmend zum Wohle der Finanzbranche (nicht der Gesellschaft) gestaltet (z.B. auch dort deregulieren, wo es dieser Branche Vorteile brachte und andererseits eben nichts tun), wodurch das berechtigte Gefühl entstand, dass in der Konsequenz eben auch alles zu deren Gunsten getan werden wird.

      • Maiko Laugun sagt:

        @Anh Toàn: Der Huber, wie gewohnt, versucht mal wieder die Symptome zu bekämpfen, weil er die Ursachen nicht als Basis des Themas erkennt. Gähn.

      • Maiko Laugun sagt:

        … die gewohnt langweiligen und geistig verblendeten Schlagwörter wie:

        Obrigkeitsgläubigkeit, Weltregierungs-Fanatiker, Goldstand, IYI, Anreizsystem etc. etc. (you name it).

        Gähn.

  • flori antha sagt:

    Unsere Zürcher Ökonomen beschäftigen sich ja ohnehin nur noch mit Sandkastenspielen (sogenannte Experimente), um zu „beweisen“ was in anderen Disziplinen längst common sense ist.

  • Alain Surlemur sagt:

    Definition eines Ökonomen:

    Ein Ökonom ist eine Person die morgen genau erklären kann warum das, was sie gestern für heute vorhergesagt hat, NICHT eingetroffen ist…

  • Steinmann sagt:

    Ein Hauptproblem der zumeist Technik-gläubigen, modernen Menschen ist doch, dass wir alle glauben, kurzfristig mehr zu verstehen, als wir es langfristig tatsächlich tun.
    Ich bin sicher, dass einige Finanzexperten aber sehr wohl wissen, dass unser aktuelles Geld- und Finanzsystem NICHT nachhaltig ist und dass es unser Verhältnis zur Natur, unser Überleben, existentiell bedroht.
    Das beschämende und destruktiv-gefährliche daran ist, dass diese „Experten“ angesichts der Macht der Geld-Elite dieses Wissen NICHT kundtun oder es sogar anders darstellen, damit wenige Einfluss-Reiche mit ganzen Völkern, deren Kindern und den Naturschätzen Profite machen können.
    Deshalb müssen wir Egoismus und Vorherrschaft des Stärkeren überwinden und eine globale Familie werden. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

  • Benedikt Jorns sagt:

    Die Steuerung der in einer Volkswirtschaft umlaufenden Geldmenge ist gemäss den heute weltweit führenden Ökonomen von grosser Bedeutung. Sowohl in den USA wie auch bei der Europ. Zentralbank wird eine Inflationsrate zwischen 1,5 und 2% angestrebt. Unsere Nationalbank hat zurzeit das Ziel soviel Geld „aus ihrer Tasche zu ziehen“, dass sich der Wechselkurs zum Euro bei 1.15 bis 1.20 SFr. einstellt. Die dafür geschaffene Geldmenge lässt dabei abhängig von der wirtschaftl. Entwicklung Gewinne erzielen. Das so verdiente Geld wird jeweils nach einem vorgegebenen Schlüssel an die Kantone verteilt. Hier würde ich eine kleine Korrektur vornehmen und anstatt diese stark schwankenden Zahlungen an die Kantone durchzuführen, einen langfristig zu nutzenden Fond zum Ausbau der Infrastruktur aufbauen.

    • Benedikt Jorns sagt:

      Ob es wirklich sinnvoll ist, Franken „zu drucken“ und damit ein Vermögensportefeuille in der Welt zusammenzukaufen, ist aus meiner Sicht zu hinterfragen. In gleichem Mass wie wir so zu ausländischem Geld kommen, erhalten ausländische Zentralbanken Schweizerfranken. Weltweit kein anderes Land hat den ausländischen „Investoren“ auch nur annähernd soviel Geld „in die Hand gedrückt“. Doch diese haben nicht wie unsere Nationalbank das Ziel, kurzfristige Gewinne zu erzielen. Vielmehr sind sie daran interessiert, sich in Firmen mit grossem Know-how einzukaufen und längerfristig sogar zu übernehmen. Zwar bleiben diese Firmen vorerst hier, doch ich habe ehrlich gesagt ein zunehmend mulmiges Gefühl.

      • Hans Hödli sagt:

        Unsinn. Das sind in erster Linie CH Geschäftsbanken und einige wenige ausländische. Die Notenbank kann lediglich die Geldbasis aufblasen, nicht aber das Geldangebot, dessen Zunahme gewaltig hinterherhinkt solange die Geschäftsbanken ihre Bilanzen nicht im Gleichschritt massiv verlängern.
        Abgesehen davon bläst sich die SNB Bilanz automatisch auf wenn ausländische Investoren aus den Überschussökonomien wie China massenhaft Aktien von CH Inländern kaufen. Ohne Kapitalverkehrskontrollen und Negativstrafzinsen auf Bankkonten von Ausländern (wie in den 70er Jahren praktiziert) bleibt der SNB gar nichts anderes übrig als sich ein Portefeuille zusammenzukaufen. Kapitalkontrollen können sich heutzutage aber nur mächtige Elefanten wie China erlauben.

      • Benedikt Jorns sagt:

        „@ Hans Höldli; Wenn unsere Nationalbank sich gegen einen zu tiefen Euro- oder US-Dollar-Kurs wehrt, kauft sie mit neu geschaffenem Geld ausländische Währungen. Dabei erhalten die ausländischen Zentralbanken insgesamt genau den gleichen Wert in Form von Schweizerfranken in ihre Hände. Auch sie überlegen sich, wie sie dieses Geld nun investieren wollen. Doch Länder wie China gehen gezielter vor als unsere Nationalbank. Sie investieren nun so erhaltenes Schweizergeld in Absprache mit expandierenden chinesischen Unternehmen. Keine Zentralbank weltweit hat derart viel im Ausland investiertes Geld wie die Schweiz. Wertmässig haargenau gleichviel investieren ausländische Zentralbanken als Folge davon in der Schweiz.

        • Anh Toàn sagt:

          https://www.nytimes.com/reuters/2018/06/10/world/asia/10reuters-vietnam-protests.html

          Die Vietnamesen protestieren auf social media, so stellt meine Frau die Sache dar, dagegen, dass die vietnamesische Regierung vietnamesisches Land an China für 99 Jahre abtritt.

          Die Reisbauern glauben nicht an „ausländische Investoren“, die verstehen an „China“, und damit vielleicht mehr von China, als viele im Westen. Und darum sind die wütend.

          • Rolf Zach sagt:

            Eine Tragik des Vietnamkrieges zwischen zwei Nationen, die eigentlich natürliche Verbündete sind. Ein Resultat des Alles-Kaputt-Machen Kommunismus von Le Duan und des verblödeten und versteinerten Antikommunismus von Johnson, Rusk, McNamara, Bundy und Rostow.
            Als die Amerikaner langsam weise wurden, konnte Le Duan es nicht lassen und die einheimischen Geschäftsleute vernichten.
            Muss Thailand solche Verträge mit den Chinesen abschließen?

        • Hans Hödli sagt:

          Nein. Das erhalten die Geschäftsbanken weshalb sich deren Girokonten bei der SNB massiv erhöhen. Ausländische Zentralbanken erhalten nur etwas, wenn ein Nettogeldabfluss aus der CH ins Ausland über den LB Überschuss stattfindet.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Hans Hödli: „Nein. Das erhalten die Geschäftsbanken weshalb sich deren Girokonten bei der SNB massiv erhöhen.“

            Das bedeutet eben genau, dass die Geschäftsbanken auch bei Stützungskäufen einer Nati Geld schöpfen, was auch aus den aufgeblähten Bilanzen (Buchhaltung) ersichtlich ist. Es ist nicht eine Nati, welche Geld schöpft: Es sind die Geschäftsbanken.

            Bin froh, dass die Vollgeld-Initiative nicht angenommen wurde, denn diese hatte genau diesen Fakt ausgeblendet.

            Schlimm ist, dass die verantwortlichen Organe der Geschäftsbanken, der Nati und der Politik dies nicht so kommentieren wollen.

            Das Risiko liegt also bei den Geschäftsbanken, welche sich natürlich auf den Status des too big to fail verlassen können, wodurch sich der Kreis wieder schliesst.

          • Maiko Laugun sagt:

            Im Falle der UBS-Rettung hat man gesehen, dass die ausländischen Investoren/Grossaktionore bevorteilt wurden. Das Risiko liegt also im too big to fail, vermeintlich bei den Geschäftsbanken, de facto aber beim Steuerzahler.

            Genau dies trifft eben auch bei einer Nati (z.B. SNB bei Stützungskäufen etc.) zu.

            Dem Volch im Heidiland (auch in anderen Ländern) ist es also egal, die eigene Währung in fremde Hände zu geben.

          • Anh Toàn sagt:

            Die SNB hat USD/EUR von den Geschäftsbanken erhalten. dafür schreibt sie ihnen CHF gut. Aber die Geschäftsbanken mussten die USD/EUR kaufen, die Verkäufer erhielten CHF. Verkäufer dürften meistens ausländische Geschäftsbanken sein. Die kaufen CHF, weil sie Anleger haben, die welche haben wollen. Also haben eigentlich ausländische Anleger CHF: Entweder solche, welche in der Schweiz investieren wollen (Unternehmen kaufen) oder solche, welche den CHF als Wertaufbewahrungsmittel halten wollen. (Sollten die einen grossen Teil davon in kurzer Zeit konsumieren wollen in der Schweiz, Dienstleistungen und Güter, gäbe es Boom und Inflation wie blöd, bei den Zahlen.) Bei den ausländischen Zentralbanken landen nur CHF, wenn die welche haben wollen. Vielleicht die BoJ?

          • Maiko Laugun sagt:

            Bei mir – in China lebend – besteht eine Personalunion:

            Politik, Nati u. Geschäftsbanken sind vereint. Ich befürworte dies nicht. Es ist lediglich ein Fakt.

            Wo besteht denn nun der Unterschied, z.B. zum Heidiland?

          • Maiko Laugun sagt:

            Die Elite in China lügt das Volk wohl genau so an wie im Heidiland, einfach ein bissen anders 🙂

          • Maiko Laugun sagt:

            … bisschen, sollte dies heissen, ab Handy.

          • Hans Hödli sagt:

            Zentralbanken halten zinstragende Staats- und Firmenbonds und Aktien und nicht unverzinsliche Forderungen gegen andere Zentralbanken. Stürzen sich ausländische Investoren auf ein Land dann baut die dortige ZB automatisch FW Devisen auf (zB in den 90ern Argentinien, oder heute die CH), das ist nur zu verhindern mit verpönten Kapitalkontrollen, fliehen die Investoren wieder oder macht das Land LB Defizite dann schmelzen auch die Devisenreserven. Gleichzeitig entstehen Devisenreserven aber auch im Überschussland durch LB Überschüsse weil der Privatsektor die Überschüsse auch im Inland anlegt.

          • Hans Hödli sagt:

            Sodann wichtig gem. Zitat SNB Website dass M0 nur durch die Notenbank verändert werden kann:
            „Die Höhe der totalen Sichtguthaben (Girokonten inländische Banken und übrige Sichtguthaben) bei der Nationalbank kann nur durch die geldpolitischen Operationen der Nationalbank sowie durch den Tausch mit Bargeld verändert werden. Reduziert eine Bank ihr Giroguthaben bei der Nationalbank, fliesst dieser Betrag entweder auf ein anderes Sichtkonto bei der Nationalbank oder in den Notenumlauf. Darum kann auch die Notenbankgeldmenge, die gemäss Definition aus den Girokonten inländischer Banken und dem Notenumlauf besteht, nur von der Nationalbank verändert werden. Inwieweit die vorhandene Liquidität in den Wirtschaftskreislauf kommt, ist aus dem Wachstum der Kredite und Geldmengen zu ersehen.“

          • Maiko Laugun sagt:

            @Hans Hödli: Danke für den Hinweis.

            Im Artikel steht:

            „Man würde meinen, es sei für eine ökonomisch geschulte Person ein Leichtes, so etwas Grundlegendes wie die Entstehung des Geldes zu erklären. Das Gegenteil ist der Fall.“

            Mit einem Augenzwinkern: Da darf ich kleiner Idiot wohl auch noch Fragen in den Raum stellen.

  • Thomas Jordi sagt:

    Tja, wenn die Verantwortung doch nur wahrgenommen würde.
    Ich erkläre den Leuten jeweils die Sache andersrum: Dass die Ökonomen, Zocker, Berater, Verwalter etc. froh sein könnten, hätten sie die Trefferquote der Prognosen von uns Meteorologen. Gruss von einem Wetterfrosch.

    • Karl Knapp sagt:

      Der Geldmangel der Ökonomen – so der Titel – beweist ja schon die eher laienhafte Trefferquote. Würde sich sonst jemand freiwillig mit so elenden und öden Themen befassen, wenn er auch in einer sicheren Umgebung bei ganzjährig schönem Wetter ein sorgenfreies Leben führen könnte ?

  • Taric Trent sagt:

    „beeinflusst die Politik und die Regulierung und damit auch die Wahrscheinlichkeit von Krisen“

    So richtig die Aussage über die allgemeine Ignoranz betreffend Geld, so falsch dann wieder die Behauptung, dass Wissen darum eine Verwertungskrise „unwahrscheinlicher machen“ (man hofft: verhindern) kann. Es ist doch nur schon logisch ein Unding, dass Massnahmen nur funktionieren, wenn sie verstanden werden – sowas kennt man von Placebos.

    • JoeSchwiezer sagt:

      Der wesentlichste Faktor in der Wirtschaft (heutzutage?) ist der Glaube und das Vertrauen an/in etwas.
      Der Wert eine Währung definiert sich hauptsächlich über die Reputation ebendieser. Genauso verhält es sich meist mit den Aktien einer Firma. Oft sind mehr als 50% des Aktienwerts „Goodwill“, also „positive Erwartungen“ die sich von heute auf morgen in Luft auflösen können. Die moderne Wirtschaft lebt vom Placeboeffekt. Die reelle Wertschöpfung (Erstellen von Waren, Verbrauchsartikeln, Nahrung, Immobilien, Dienstleistungen) Leistet nur einen Bruchteil gegenüber den imaginären Werten (Wertschriften, Bilanzvermögen). traurig aber wahr!

      • Peter Aletsch sagt:

        Satz 1): z. T. richtig, vor allem bzgl. Musk /Tesla. 2) und 3) eher falsch. Es ist die erwartete Produktivkraft bezogen auf die Geldmenge etc. 4) Verwechslung. 5) falsch. Ein Smartfon, ein Medikament bspw. ist kein Placebo, obwohl sie gefallen. 6) Scheinwahrheit, Irrtum, Verwechslung.

Kommentar

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