Eine weitere asiatische Erfolgsgeschichte

Die Wirtschaftsleistung Bangladeshs hat sich enorm gesteigert: Melonenlieferung im Hafen der Hauptstadt Dhaka. Foto: Mohammad Ponir Hossain (Reuters)

Bangladesh war lange Zeit ein Symbol für Armut, Elend und Hoffnungslosigkeit. In jüngster Zeit erlangte das Land vor allem im Zusammenhang mit dem Klimawandel eine prominente Stellung. Falls der Wasserspiegel schnell steige, lautet die Befürchtung, würden Dutzende von Millionen von Bangladeshern von der Küste ins Landesinnere ziehen müssen.

Das Klischee vom armen Bangladesh hat sich so stark in den Köpfen festgesetzt, dass kaum von diesem Land berichtet wird. Deshalb ist auch kaum beachtet worden, dass das Land in den letzten Jahren enorme ökonomische Fortschritte erzielt hat. Die Armut ist immer noch weit verbreitet, aber es sind Entwicklungen in Gang gekommen, die auf eine bessere Zukunft schliessen lassen.

Die Armut halbiert

Die folgende Grafik, die aus einem Weltbank-Bericht vom April 2018 stammt, zeigt die rasante Reduktion der Armut seit dem Beginn des Jahrhunderts: Sie halbierte sich von 48,9 auf 24,3 Prozent der Bevölkerung. Die extreme Armut reduzierte sich in relativer Hinsicht noch schneller: Sie ging von 33,7 auf 12,9 Prozent zurück (Quelle).

Das UNO-Komitee für Entwicklungspolitik hat deswegen jüngst angekündigt, Bangladesh künftig nicht mehr als «least developed country» (LDC, am wenigsten entwickelte Länder), sondern als «developing country» (DC, Entwicklungsländer) einzustufen. Damit gehört das Land immer noch zur Gruppe der armen Länder, aber den Kategorienwechsel darf man durchaus als historisch bezeichnen.

Die Wirtschaft wächst rasant

Der unmittelbare Grund für die Armutsreduktion ist das schnelle Wirtschaftswachstum. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der letzten zehn Jahre. Das durchschnittliche Wachstum des realen BIP war über sechs Prozent (Quelle).

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Im Unterschied zu vielen afrikanischen Ländern beruhte das Wachstum nur zu einem geringen Teil auf dem Bevölkerungswachstum. Die Geburtenrate ist auf etwas mehr als zwei Kinder pro Frau gesunken – was deutlich weniger ist als zum Beispiel die Geburtenrate Indiens (2,4) und Pakistans (3,5).

Hoffnung auf weitere Kandidaten

Die zugrunde liegende Ursache hinter dem starken Wachstum ist die zunehmende Diversifizierung der Wirtschaft Bangladeshs. Mittlerweile produziert das Land nicht nur billige T-Shirts, sondern exportiert auch Lederwaren, Sportbekleidung, Pharma- und Medizinalprodukte und nichtmetallische Mineralgüter. Vor allem die mittelgrossen und grossen Industriefirmen hätten grosse Produktivitätsfortschritte erzielt, wie der bereits zitierte Weltbank-Bericht festhält.

Der Aufstieg Asiens ist also längst nicht auf China und Indien beschränkt. In deren Schlepptau gelingt es nun auch ärmeren Ländern, ihre wirtschaftlichen Verhältnisse zu verbessern. Das Beispiel Bangladeshs lässt auf weitere positive Überraschungen hoffen.

48 Kommentare zu «Eine weitere asiatische Erfolgsgeschichte»

  • Rolf Zach sagt:

    Erwähnenswert beim Export von Bangladesh sind der hohe Anteil der Bekleidung, nämlich mit den Schuhen 90%. Auf der Importseite haben 18 % Import von Baumwolle und Kunstfasern. Die Handelsbilanz ist praktisch ausgeglichen. Eine beeindruckende Wertschöpfung mit einer guten Profitrate!
    Die Länder, die ihre preiswerte Bekleidung abnehmen befinden sich in Nordamerika und Europa. Die notwendige Elektronik und die Investitionsgüter holen sie in China und Japan.
    Rating BB-, Türkei ebenfalls BB-, Ägypten B. Man soll mal nachlesen, im welchem Zustand sich diese Länder 1971 befanden.
    Was waren 1945 Paris und Mailand als Modezentren, schwankend oder nicht existierend! Alexandria und Istanbul hätten mit Leichtigkeit als weltweit führende Modezentren einsteigen können.

    • Rolf Zach sagt:

      Warum haben diese beiden Städte die Chance nicht ergriffen. Es gab 1945 zu viele Ausländer, vor allem diese verdammten christlichen Griechen, Italiener und dann noch die Juden. Schrecklich, all dieses Gesocks macht sich wohlhabend im Textilgewerbe auf unsere Kosten. Wir, die echten Gläubigen, müssen gemäß unseren einheimischen Intellektuellen diese Ausbeuter davonjagen. Diese fremden Fabrikanten sind koloniale Unterdrücker und besser wir haben einen Islam mit Sowjet-Kommunismus, da war Ägypten maßgebend. Dies ist das Rezept der gerechten Gläubigen!
      Es geht doch nicht an, dass unsere Frauen auf dem Laufsteg der Mode daherkommen wie diese westlichen Schlampen und Huren. Wir wollen keine Moden, wir wollen Sackleinen für unsere Frauen! Wo sind die Markenartikel der Türkei+Ägypten?

      • Anh Toàn sagt:

        Vielleicht war ja in Bangladesch möglich, was in Ägypten nicht möglich war, nämlich nach ziemlich viel Gemetzel und Irrtümern irgendwann doch einen Weg zu einem zumindest halbwegs funktionierenden und akzeptierten Staat zu finden, weil es den Westen, insebsondere die USA, einen Scheiss interessierte was in Bangladesh ist. Ägypten, der ganze Nahe Osten hatten dieses Privileg nie. Öl und der Suezkanal waren und sind noch immer zu wichtig.

  • Rolf Zach sagt:

    Um nochmals auf die Globalisierung zurückzukommen. Das Problem im Welthandel der Nationen untereinander, sind die Rohstoffe nicht das eigentliche Problem, sondern die Nationen, die Kraft ihrer Größe und ihrer wachsenden Bevölkerung, die nicht mehr in der Rohstoff-Ausbeutung und der Agrarwirtschaft benötigt wird, die Industrialisierung durchschreiten müssen und damit die Fähigkeit erlangen sollten, profitable und gesuchte Fertigwaren zu produzieren und zu exportieren. Man will ein höheres Einkommen.
    Interessant ist, dass so ein Riesenland wie China, mit den meisten Rohstoffen gesegnet und mit Deng, der vor allem darauf achtete, dass sich China selbst ernähren konnte, die Exportwirtschaft suchte, um die Modernisierung und den Reichtum der Nation voranzutreiben.

    • Rolf Zach sagt:

      Trotz seiner schieren Größe, hat China nicht das sowjetische Modell zum Vorbild genommen, sondern das japanische. Das sowjetische Modell sagte sich, wir importieren nur Investitionsgüter und exportieren Rohstoffe und Waffen, dass genügt, für den Konsum haben wir den sozialistischen Wettbewerb. Nun im 2. Weltkrieg hatte es geholfen bei den Panzern, aber war es das gute Modell für die Lastwagen. Die hat man vergessen, dies war die Aufgabe der Amerikaner. Nachher hat man die DDR ausgeraubt, mit der Zerstörung der damals fortschrittlichsten Industrie der Welt in Sachsen. Mit dieser Logik haben sich die Sowjet-Kommunisten dann immer gefragt, warum die Chinesen nach Mao schneller vorwärts kommen als sie mit ihrem göttlichen Lenin.

      • Rolf Zach sagt:

        Um auf China und auch Japan in der Globalisierung zurückzukommen. Entscheidend ist das sogenannte River-Rouge Prinzip. Die River Rouge Werke von Ford waren in den 20er Jahren die fortschrittlichste Autofabrik der Welt, sondern auch allgemein von allen Fabriken, die es damals gab. Der ganze Produktions-Prozess fand am gleichen Ort statt, von der Anlieferung von Kohle und Eisenerz bis zum fertig geprüften Auto Modell T.
        Natürlich ist dies heute nicht mehr in dieser rigiden Haltung möglich, die Kunden wünschen sich nicht immer das gleiche Modell T Auto von Fort mit schwarzer Lackierung. Der Konsument will viele Variationen, deshalb hat sich das River Rouge Prinzip mit Just in Time auf ein ganzes Land ausgebreitet. Japan ist ein sehr gutes Beispiel dafür.

  • Monique Schweizer sagt:

    Dass Bangladesh mittlerweile per 2017 eine Fertility Rate von 2.17 Kinder pro Frau hat ist wirklich erfreulich. Da liegen sie nur noch wenige Babies über der Target Rate von 2.1 Kinder pro Frau, die eine Bevölkerung stabilisiert.
    Altersdemographisch wird Bangladesh die Zukunft sein, während wir in weiten Teilen Europas mit der Zeit vergreisen und ohne Zuwanderung sogar nach einigen Generationen sang- und klanglos einfach aussterben würden.

    • Anh Toàn sagt:

      In dem Teil Europas, in welchem Kinder nicht das Armutsrisiko für die Mitte ist (Skandinavien vor allem, Frankreich würde ich auch eher hier einordnen), oder evtl auch die Unterschicht mit vielen Kindern besser lebt als ohne (Grossbrittanien: Teenager will raus bei den Eltern, hat kein Job, keine Kohle, keine Schule, mit einem Kind hat sie Chance auf eine eigene Wohnung, in Frankreich scheint es mir auch teilweise lukrativ für die Unterschicht, viele Kinder zu haben) liegt die Fertilitätsrate nicht weit von 2.1 weg. Ein langsames Schrumpfen der Bevölkerung ist mit Produktivitätswachstum ohne Wohlstandsverlust möglich.

      In der Schweiz lebt ein Paar mit 2 guten Erwerbseinkommen plötzlich nahe am Existenzminimum (noch 120% zusammen) mit zwei kleinen Kindern während min. 10 Jahren.

      • Monique Schweizer sagt:

        Anh: Ja Frankreich ist das fruchtbarste Land in Europa mit 1.88 K/F – also auch rund 10% unter der Target Rate. Irland, Island sind noch weit vorne.
        In der CH hatten die Nur Eidgenossinnen 2001-03 mit 1.22 K/F einen neuen Tiefstand erreicht (darum hats jetzt soviele unbesetzte Lehrstellen), vor allem dank Einbürgerungen von rund 300’000 gebärfreudigeren Ausländerinnen ist die Rate jetzt wieder bei 1.43 bei den Eidgenossinnen und 1.91 bei den Ausländerinnen hierzulande – also aktuell im Total 1.55 K/F – immer noch 26% unter der Targetrate.
        Immerhin dank Zuwanderung konnte die CH ihre letale Urnenform graphisch dargestellt nach m/w & Altersklassen etwas entschärfen. Nur checken das unsere rechtsbürgerlichen Abschotter nicht so ganz mit der altersdemograph. Qualität eines Volkes

        • Rolf Zach sagt:

          Wie Sie gesagt haben, Frau Schweizer, die Bevölkerung der Schweiz stirbt nicht aus.
          Mit den Flüchtlingen kommen aber eine Menge Leute ins Land, deren Bildung und deren Religion nicht gerade günstig ist für unseren hochtechnisierten Kapitalismus. Vieles was hier bereits im Elternhaus angelegt ist, ist leider bei diesen Menschen nicht vorhanden. Für deren Ausbildung wird vieles zum Fenster hinaus geschmissen. Die Eritreer sind übrigens Flüchtlinge, die sich anpassen wollen. Kann ich mich aber als Ziegen-Hirte in Eritrea anpassen? In meiner Blödheit würden mich der Leopard und die Hyäne dort genüsslich fressen.
          Kommen die Türken, Bürger eines einigermaßen modernen Landes, mit unserer Zivilisation zu Recht? Sicher, aber wie steht es mit dieser Kombination aus Atatürk und Mohammed?

          • Rolf Zach sagt:

            Als Senior ist man ja nur eine Last für die Jungen. Bei den Indianern in Nordamerika verließen die Alten von sich aus im Winter das Zelt und suchten Manitu. Wir haben es immerhin erreicht, dass viele von uns Alten in der Schweiz gut leben können. Ganz anders, als es vor 100 Jahren war.
            Wenn aber die unbedarften Einwanderer auf unseren hochgezüchteten technisierten Kapitalismus aufgeputscht werden müssen, sind die Kosten enorm und wo spart man es, bei den Alten.
            Übrigens auch wir haben Jugendliche, die von Geburt an nicht die hellsten sind, die brauchen auch einen einfachen Job. Viele Jugendliche von den Einwanderern sind von Natur aus klüger als diese, aber trotz ihrer Intelligenz, höhere Mathematik lernt man nicht in einem Monat.
            Soll man als Senior SVP wählen?

          • Anh Toàn sagt:

            Don’t judge a book by it’s cover.

          • Anh Toàn sagt:

            „höhere Mathematik“

            Die meisten in der Schweiz mit Berufslehre, sogar manche Akademiker, können nicht die MWST aus dem Bruttobetrag ausrechnen: Die zahlen 100, da steht MWST sei 7.7%, aber warum sind das nicht CHF 7.70? Grosses Rätsel behaupte ich für mindestens 50%, zumindest wenn der Beleg keinen Nettobetrag ausweist. Ich bin erstaunt, wie oft es sogar schwierig ist, es zu erklären.

            Ok, die Eritreer können es auch nicht.

          • Monique Schweizer sagt:

            Ahn weil die 100 Franken eben 107.7% entsprechen und nicht 100%
            Ein 3Satzrechnung 100 geteilt durch 107.7 mal 100 kann da helfen…denn dann kommt man auf die Fr. 7.15 MWST..

          • Monique Schweizer sagt:

            Zach: Was erwarten Sie denn von der SVP? Die bewirtschaften die Probleme ja auch nur bis zum Abwinken, machen den Sennen böses Blut und am Ende geht es der SVP primär um Sozialabbau und dass der Blocherclan & andere superreiche SVPler fast gar keine Steuern mehr zahlen müssen.
            Das mit dem Flüchtlingsproblem, der blocherschen Geschichtsklitterung und der EU ist nur dazu um das Volch aufzuköcheln, in Wirklichkeit geht es jenen Kreisen um Selbstbereicherung und Macht.
            .
            Ich hoffe Sie als gebildeter Mann fallen nicht auch noch auf diese Scharlatane rein wie das massig Geringqualifizierte und Tieflohnverdiener inzwischen tun, weil denen eingebläut wurde, dass sie nach unten treten müssten um nach oben zu kommen.

          • Anh Toàn sagt:

            @Rolf Zach „Alte“

            Es gibt in der Schweiz Alte mit wenig, die meisten haben relativ zum Durchschnitt ziemlich viel. Sie haben oft nicht einmal nur Vermögen, oft auch höhere Einkommen aus Renten und Vermögen (ja, ja, der böse Eigenmietwert gehört auch dazu) als eine 4 köpfige Familie.

            Die Statistik die ich fand beim bfs zeigt für die Altergruppe ab 65 zwar ein tendenziell etwas tieferes Äquivalenzeinkommen, die höchsten hat die Gruppe von 50-64 Jahre, aber gross sind die Unterschiede im Einkommen nicht. Die Vermögen haben aber vor allem die Alten.

            Aber es macht keinen Sinn, Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen, ob alt gegen jung oder für Ü50 oder Ausländer, Muslime. In allen Gruppen gibt es wirtschaftlich leistungsfähigere und solche, die nicht oder kaum zu recht kommen.

          • Anh Toàn sagt:

            Wer in der Schweiz als Gruppe vermutlich insgesamt am wenigsten hat, sind die Familien mit mindestens zwei Kindern (ein Kind geht immer irgendwie). Solange die Familie intakt ist, lebt ein grosser Teil davon nicht weit vom Existenzminimum, bei Scheidung, Arbeitsplatzverlust droht Armut.

            Dies sieht man nicht in den Statistiken nach Alter: Wer keine Kinder hat, verdient gut in dieser Altersgruppe, mehr als die Alten, ohne Zweifel.

          • Anh Toàn sagt:

            Und vielleicht eignet sich ein Eritreer auch besser in einer Gärtnerei oder der Land- oder Viehwirtschaft in der Schweiz, auch ohne Hyänen und Leoparden, auch besser als Sie, Herr Zach, selbst wenn Sie noch jünger wären. Ich bin überzeugt, aus Eritrea finden sich welche, die besser geeignet wären, als ich.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Wow, interessant was hier als „höhere Mathematik“ betrachtet wird. Zählt 2+2 auch dazu?

            Die Idee, dass Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat sichern werden, scheint der politischen Korrektheit zu entsprechen und weit verbreitet zu sein.

    • Maiko Laugun sagt:

      @Monique: „..sang- und klanglos einfach aussterben würden…“

      Wir sind schizophrene Schmarotzer. Wir wollen weder eigenen noch fremden Nachwuchs.

      Wir wollen mit unserem Reichtum unser eigenes Grab schaufeln – aus Prinzip.

      • Monique Schweizer sagt:

        Maiko: Nun ganz so schnell geht das auch wieder nicht mit dem Aussterben – das sind Szenarien über ca. 10 Generationen, also 200 bis 250 Jahre. Spürbar wird vorher vor allem die Rentnerschwemme sein und dann kommt auch noch drauf an, ob die Lebenserwartung noch weiter steigen wird.
        Ich glaube all die Zivilsationskrankheiten und Umweltvergiftung werden der Lebenserwartungszunahme auch langsam aber sicher ein Ende setzen und die Antiaging-Klinik mit Genschnippseleien etc. können sich nur die wenigsten leisten.

  • Rolf Zach sagt:

    Das berühmte Beispiel der komparativen Kosten von Riccardo ist ja zwischen dem englischen Tuch (eine Fertigware) und dem portugiesischen Wein (trotz anspruchsvoll in der Herstellung eigentlich ein Rohstoff). So war eigentlich der Welthandel bis 1870, der Austausch von Fertigwaren gegen Rohstoffe und Edelmetalle. Für Fertigwaren waren Europa (ohne Osteuropa und die iberische Halbinsel) zuständig. In Asien waren es China und Indien. In allen anderen Gegenden wurden die Fertigwaren aus dem Gewerbe meistens lokal konsumiert. Die Europäer selbst haben die Inder und Chinesen aus dem Export von Fertigwaren hinauskatapultiert.
    Seit 1870 wurde immer mehr Länder klar (Japan ist das beste Beispiel), dass der Export von Rohstoffen nicht der Weg zu nachhaltigem Reichtum ist.

    • Rolf Zach sagt:

      Was ist also die 2. Globalisierung im Unterschied zur 1. Globalisierung bis ca. 1870, wo die ersten Anzeichen sich bemerkbar machten. Es ist eindeutig die Globalisierung der Fertigwaren. Bangladesh ist dabei ein hervorragendes Beispiel. Es exportiert Fertigwaren als Konsumgüter und importiert Güter für die Infrastruktur nebst Rohstoffen, die sie für ihren Konsum braucht zusammen mit Baumwolle für die Textilindustrie.
      Die Frage ist ganz eindeutig. Gibt es einen Art modifizierten Riccardo, der das Beispiel der komparativen Kosten zwischen verschieden Fertigwaren erklären kann? Als Beispiel Windturbinen aus Deutschland und Solar-Panels aus China gegen Hemden und Hosen aus Bangladesh. Ich würde sagen, so etwas ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

      • Rolf Zach sagt:

        Man vergisst auch immer die Gewinn-Rate auf den Exporten und wie viel sie für die Kapitalisten der Abteilung Fertigwaren auf beiden Seiten einbringt.
        Die Kapitalisten des Textil-Sektors in Bangladesh sind Einheimische (was auch ihre Brutalität erklärt). Sie sind wohl Herren der Produktion, aber noch nicht der Markenartikel. Trotzdem lohnt es sich für sie sehr, sonst würden sie nicht ganze Ausstattungen von Occasion-Textilmaschinen aus Südafrika kaufen, wo man immer mehr aus Asien importiert anstatt solche Fertigwaren noch mehr selbst zu produzieren. Wahrscheinlich ist die Gewinn-Rate zu klein, trotzdem hätte ich als südafrikanischer Minister einen Wutanfall. Übrigens ähnlich wie die Bengalen verhielten sich die Japaner vor 100 Jahren.

        • Rolf Zach sagt:

          Die Frage ist immer, wie ein Land seine Fertigwaren-Produktion aufbaut. Ich nehme als Beispiel zwei Produkte aus Malaysia. Ein erfolgreicher Exportschlager aus Malaysia ist der Export von Kondomen mit einem schönen Gewinn, zusätzlich kommt Rohstoff Gummi aus einheimischer Produktion.
          Dagegen ein abschreckendes Beispiel von einem missglückten Ausflug in die Produktion der Fertigwaren Autos. Wer kauft Proton Autos und kann man die exportieren? Warum ist es in Malaysia schief gelaufen und in Südkorea nicht?
          Malaysia muss wesentliches Zubehör dafür importieren, dies ist bei Südkorea nicht der Fall.
          Wahrscheinlich muss eben die Wertschöpfung der Autoproduktion auf allen Stufen gewinnbringend sein, sonst funktioniert es nicht auf den Exportmärkten.

          • Rolf Zach sagt:

            Alle bewundern die Türkei unter Sultan Erdogan für ihren Wirtschaftswachstum. Aber niemand spricht darüber, was sie an Fertigwaren exportieren und ob sie bei diesen Fertigwaren eine Gewinnquote haben, die ihre Kapitalisten wild macht, mehr dafür in ihre Fabriken zu investieren.
            Nehmen wir Vestel, den grössten Fernseher-Produzenten in Europa. Wenn man heute in einen Elektronik Shop geht, findet man Panasonic und Samsung, die mit Oled Technik richtiggehend den Weltmarkt aufrollen und die Preise sehr reduziert haben.
            Hat die Türkei eine Wertschöpfung gleich Japan für diese Fernseher-Produktion?
            Erdogan will die Auto-Produktion im Land fördern. Kann er eine LKW-Fabrik wie Mercedes in Wörth aufbauen? Er kann nicht!
            Resultat eine ständige Auslandverschuldung
            in Fremdwährung!

    • Maiko Laugun sagt:

      @Rolf Zach: Folgendes Zitat …

      „Kein Kunde kauft jemals ein Erzeugnis.

      Er kauft immer das,
      was das Erzeugnis für ihn leistet.

      Peter F. Drucker
      * 19. November 1909 † 11. November 2005“

      … dürfte wohl auch auf Rohstoffe versus Fertigprodukte zutreffen.

  • Peter Eppler sagt:

    Bangladesch ist nach den Stadtstaaten das Land mit der höchsten Bevölkerungsdichte mit 1’142 Einwohnern pro Quadratkilometer. Das ist 2.8 mal soviel wie Indien und 14.2 mal soviel wie in Myanmar, den beiden Nachbarstaaten. Dies führte zu einer Verknappung der landwirtschaftlichen Ressourcen. Ein grosser Teil der Bevölkerung kann nur überleben, weil sich immer mehr Menschen als billige Arbeitskräfte in Sweatshops verdingen.

  • Maiko Laugun sagt:

    Der Fortschritt dürfte in 1. Linie mit der Verlagerung von teuren (China ist zu teuer) zu billigeren Produktions-Standorten zusammen hängen.

    Falls langfristig erfolgreich (ohne politische Einflüsse von aussen inkl. Kriege, territoriale Ansprüche oder Naturkatastrophen), sind als nächstes afrikanische Länder dran.

    Und nachher?

    • Monique Schweizer sagt:

      Laugun: Gegen die fleissig wuselnden und ausdauernden Asiaten haben doch die Afrikaner nur untergeordnete Chancen in Sachen Produktivität und Ausdauer würde ich jetzt mal so vom Schiff aus behaupten.
      .
      Tja und nachher kostet es halt was es kostet….
      günstiger gehts dann einfach nimmer, ausser der Roboter kanns noch günstiger machen, aber der kann dann wieder fast überall stehen – so fallen immerhin die Transportkosten weg, nur den wegrationalisierten Arbeitslosenmassen würde dann vermutlich auch das Geld fehlen….

      • Maiko Laugun sagt:

        … und werden zu Flüchtlings-Massen, denn die Roboter werden in Afrika dann wohl kaum besteuert werden.

        • Monique Schweizer sagt:

          Maiko: Bis zur Jahrhundertwende werden auch die afrikanischen Herrscher u.a. dank all den schweizer Rohstoffgiganten vollends geplündert sein, der Klimawandel sich auch schon schon in einem fortgeschrittenen Stadium befinden und viele Gebiete unbebaubar machen, Oel und Gas sind bis dann auch schon in einem sehr hohen Masse verbrannt und was noch bleibt wird sauteuer und umkämpft sein.
          .
          Ich sehe das Jahr 2100 als einen Mix zwischen Mad Max, Blade Runner und Brazil….nicht mehr wirklich luschtig, eher permanent lebensbedrohlich!
          .
          Um 1960 bis 1970 geboren zu sein, war vermutlich historisch eine der absolut besten Zeitpunkte um geboren zu werden – das hat auch die unsichtbare Hand damals in der CH vermutlich gemerkt und jene Jahrgänge bekanntlich zu den Babyboomerjahren gemacht!

    • flori antha sagt:

      @Laugun: seit den siebziger Jahren haben sich eine Reihe von Ländern ausserhalb der westlichen Länder und Japans industrialisiert. Mir wäre nicht bekannt, dass eines der Vorreiterländer, z. B. Taiwan, Singapur oder Südkorea nun arm geworden sind, weil andere Länder ihre frühere Rolle übernommen haben.

  • Deshibhaya sagt:

    Nun ja, es ist nicht der Islam sondern die zunehmende Säkularisierung Bangladeshs welches den Fortschritt vorantreibt. Das Gegenbeispiel sind hier Afghanistan und Pakistan. Ich freue mich für Bangladesh, dass es jetzt endlich aufwärtsgeht!

    • Anh Toàn sagt:

      Ja, Säkularisierung treibt Fortschritt.

      Religion befriedigte in erster Linie vermutlich seit frühester Menschheit in einer Form, das Bedürfnis nach gesellschaftlichen Strukturen, Organisation, Regeln, Halt: Familie, Sippe, Stamm unter einem Gott:

      Um dieses Bedürfnis zu befriedigen, muss Religion starr und fest und damit fortschrittsfeindlich, reaktionär gar sein: Galilei wurde verbrannt.

      Um Religion bei der Erfüllung dieses Bedürfnisses zu ersetzen, bedarf es einer anderen Organisation, welche diese Ordnung schafft: Auch Recht zementiert, aber Recht ist reformierbar: Religionen sind nicht reformierbar, Jesus (bzw. Paulus), und Luther haben neue Religionen gegründet, nicht alte reformiert.

      Die Gemeinsamkeiten in den Religionen sind wichtig, die Unterschiede nichtig.

      • Stef sagt:

        Das stimmt in dieser Absolutheit nicht. Das wohl produktivste Milieu in Bezug auf Wirtschaftswachstum in den letzten 200 Jahren waren die protestantischen Gesellschaften. Aus diesem Substrat (Fleiss, Bescheidenheit, Demut) wuchsen in Europa und Nordamerika starke Wirtschaften. Mit dem heutigen Zerfall der vorgenannten Werte werden auch diese Wirtschaften zerfallen, wie wir aktuell miterleben können.
        Zudem hat Luther nicht eine neue Religion gegründet, sondern eine alte, in grenzenlose Dekadenz verirrte, versucht zu reformieren. Wieweit ihm dies gelungen ist, wäre eine andere Geschichte.

      • Anh Toàn sagt:

        Hier ist ein Wirtschaftsblog:

        Man kann Religionen nicht reformieren, man kann zur Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen welche Religion erfüllt, ein besseres Angebot machen. Da wo die Religionen gesellschaftliche Bedürfnisse erfüllen, sie erfüllen auch persönliche Bedürfnisse nach Trost, Erklärung, ist der moderne demokratische Rechtsstaat das bessere Angebot.

      • Anh Toàn sagt:

        @Stef

        Der Kapitalismus konnte sich im Protestantismus entwickeln. Nicht die Protestantische Arbeits- und Sparsamkeits- und Demutethik hat den Fortschritt geschaffen, der Kapitalismus hat diesen geschaffen, und der Protestantismus ihn ermöglicht. Der Protestantismus ist reaktionär in wesentlichen Glaubensfragen, geht den halben weg zurück von der Vergebung durch die Sakramemte, zu einem zwar vergebenden Gott, so hofft der Protestant aber vielleicht straft der auch, wie der alte strafende Gott. „Ego te absolvo“ Der katholische Priester ist Gott, wenn er die Absolution erteilt. Und auch in gesellschaftlichen Fragen waren Luther, Zwingli, Calvin keineswegs fortschrittlich.

      • Anh Toàn sagt:

        @Stef

        Was hat sich in der katholische Kirche geändert seit Luther? Die wollte er doch reformieren?

  • Anh Toàn sagt:

    „Asiatische Erfolgsgeschichte“ – „Das Klischee vom armen Bangladesh hat sich so stark in den Köpfen festgesetzt, dass kaum von diesem Land berichtet wird. Deshalb ist auch kaum beachtet worden, dass das Land in den letzten Jahren enorme ökonomische Fortschritte erzielt hat.“

    Vielleicht ist es auch eine islamische Erfolgsgeschichte in Bangladesch? Und das Klischee vom rückständigen, beduinen-nomadisierenden-kameltreibenden-stämmigen-kinderwerfenden Islam hat sich so stark in den Köpfen festgesetzt, dass kaum jemand den Fortschritt beachtet.

    Kam jetzt Luther nach Bangladesh und hat den Islam reformiert? Oder kamen Hindus oder Chinesen und halfen den rückständigen Muslimen. Oder ist es gar nicht wahr, dass in Bangledesch es aufwärts geht mit Wirtschaft und abwärts mit Geburten?

    • Anh Toàn sagt:

      Kurz: geht es in Bangladesch aufwärts wegen Islam oder trotz Islam oder, wie ich glaube, unabhängig von Islam?

      • Anh Toàn sagt:

        Man kann wetten, dass in einem Beitrag, in welchem negatives aus einem mehrheitlich muslimischen Land berichtet wird, zumindest ein HInweis auf Islam im Text sich findet. Wird wie hier etwas positives berichtet, fehlt Islam komplett, ein weiteres asiatisches Land ist auf dem Weg zur Besserung, doch kein muslimisch geprägtes Land.

        • Reto Stadelman sagt:

          Solange sich die Religion nur ihren spirituellen Zweck erfüllt, hat diese auch keine negativen Einflüsse auf eine Gesellschaft. Erst wenn es wegen der Religion zu Konflikten etc. kommt wird die Wirtschaft behindert. So gesehen ist es wahrscheinlicher, dass der Islam in einem Land das nicht prosperiert eine negative Rolle spielt, aber in einem Land in dem die Wirtschaft blüht eher keine Rolle spielt. Das ist wie mit der Gesundheit. Sind wir gesund spielt sie im Alltag eine eher untergeordnete Rolle. Aber wehe wenn wir krank werden…
          Von Luthers Arbeitsethik halte ich persönlich wenig. Der Grund warum z.B. Zürich wohlhabend ist, dürfte viel mehr mit der Nähe zu England zu tun haben und damit der Industrialisierung geschuldet sein. Wie eigentlich überall auf der Welt.

          • Rolf Zach sagt:

            Na, Herr Anh Toàn und ich diskutieren seit langem, was der Islam für die Entwicklung einer Volkswirtschaft bedeutet und er ist der Ansicht, dass trotz Islam der wirtschaftliche Aufschwung sichergestellt werden kann. Das Beispiel Bangladesch ist ein starker Pluspunkt in seiner Ansicht. Aber ich möchte doch anfügen, dass die Anhänger der islamistischen Partei um einen Kopf kürzer gemacht werden mussten, um diesen Erfolg sicher zustellen, deshalb ist Bangladesch auch so ein Zwitter zwischen Demokratie und Diktatur. Kann man das gleiche in anderen islamischen Staaten vollziehen. Man kann schon, aber sobald man die Wähler befragt, wandern sie schnurstracks in die Hände von islamistischen Parteien. Den Gebildeten ihren Hass auf den Westen, dem Volk das sichere Paradies.

          • Anh Toàn sagt:

            I(n schwachen Staaten sind starke Religionen. Von aussen gemalte Staaten sind schwache Staaten. Die Bevölkerung bevorzugt die religiöse (Stammes-) Identität, Strukturen, Regeln, weil sie die staatlichen als von aussen aufgezwungen empfindet. Diue welche sich bei uns von Mitte Links Staat an die EU verkauft und Multikulti unterdrückt fühlen, besinnen sich auf ihre Schweizerische Stammeskultur (Bist Du Schweizer oder Eidgenosse?) und glauben nur noch ihrem Stammesgott, seiner Herrlichberglichkeit mit seinen Propheten, Köppel und Somm.

          • Rolf Zach sagt:

            Herr Stadelmann, bei Zürich würde ich nicht England erwähnen, sondern das Werk von Max Weber (Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus), wo viel zum Reichtum der Schweiz beigetragen hat. Der Verfasser des Artikels ist ein ausgewiesener Kenner der Sache. Die protestantischen Gegenden hatten bereits im 18. Jahrhundert ein blühendes Heimgewerbe, was auch Katholiken als unmittelbare Nachbarn bemerkten. Nach einer Tabelle von „Time on Cross“ von Fogel war die Schweiz schon 1860 ziemlich vorne, was das Pro-Kopf-Einkommen betrifft.

          • Reto Stadelman sagt:

            @Rolf Zach: Ein guter Einwand, wobei ich nicht ganz ihrer Meinung bin. Natürlich bin ich kein Experte wie Weber es war, aber ich behaupte mit meinem Laienwissen, dass der Zweck (Religion) weniger zuverlässig die Wirtschaft gefördert hat, als die Mittel (Dampfmaschinen) es taten. Menschen bzw. ihre Ansichten sind nicht sehr zuverlässig, eine erstmals funktionierende Maschine schon.
            Aber natürlich darf man Weber und seine Arbeitsethik (der Zweck des Lebens ist Arbeit) nicht einfach ignorieren. Es benötigt beides für Wohlstand. Aber die Maschinen gewichte ich kleines Bisschen höher 😉

          • Monique Schweizer sagt:

            Zach: Die vorwiegend Muslimischen Staaten Malaysia und der bevölkerungsreichste muslimische Staat der Welt – Indonesien hatten in den letzten Jahre auch alle ziemlich ansprechende Wachstumsraten von einiges über 4%

            https://www.google.com/search?q=malaysia+gdp+growth&ie=utf-8&oe=utf-8&client=firefox-b

            Vor allem die Staaten, die sich den Reichtum nur aus dem Boden saugen können werden etwas fett, träge und dekadent. Gut der neue Saudiherrscher weiss, dass er was ändern muss, wollen die in 50 Jahren nicht wieder Kamele vor sich hertreiben.

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