Schulen bauen reicht nicht

An manchen Tagen taucht der Lehrer gar nicht erst auf: Schule im Norden Ugandas. Foto: Ben Curtis (AP)

Die beste Art von Entwicklungshilfe müssten doch Investitionen in Schulen sein. Wenn Kinder dort Grundfähigkeiten wie Lesen und Schreiben erlernen, werden nicht nur ihre eigenen Möglichkeiten massiv ausgeweitet, eine Volkswirtschaft wird insgesamt deutlich effizienter. Ein breites Grundwissen ist überdies die Voraussetzung, dass sich nicht nur eine Minderheit Expertenwissen aneignen kann für eine breite Partizipation an den gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Vorgängen in einem Land. Das stärkt die gesellschaftlichen Institutionen und erschwert Missbrauch und Korruption.

Doch Investitionen in Schulen bewirken manchmal gar nichts. Das ist die erschreckende Schlussfolgerung des neuesten Weltentwicklungsberichts der Weltbank. Die Anzahl von Kindern, die die Schulbank drücken, hat in den Entwicklungsländern zwar zugenommen. Doch wie der Bericht zeigt, lernen selbst Kinder, die in die Schule gehen, oft so gut wie nichts. Als man in Kenia, Tansania und Uganda Schulkinder gefragt hat, was der Satz «Der Name des Hundes ist Puppy» bedeutet, haben ihn drei Viertel überhaupt nicht verstanden. Auch einfachste Rechenaufgaben können die Kinder nicht lösen. Das liegt aber nicht an den Kindern, sondern an der miserablen Qualität der Schulen. Die Lehrer sind mangelhaft ausgebildet und sind manchmal überhaupt nicht anwesend.

Das Gemeinwohl der Gesellschaft hat keine Lobby

Letztlich sind dafür Defizite in den politischen, sozialen und ökonomischen Strukturen verantwortlich. Die Anreize sind so, dass zum Beispiel Politiker mit dem Bau von Schulen oder der Bereitstellung von Material glänzen können. Kommt dazu, dass beides oft auch ein gutes Geschäft ist. Und vielleicht lassen sich davon auch die Geber von Entwicklungsgeldern beeindrucken.

Von den Erträgen, die Investitionen in die Bildung selbst abwerfen, profitiert dagegen ausser den Schülern niemand direkt, nur die Gesellschaft insgesamt und dies auch erst mittelfristig. Wenn etwas der Gesellschaft insgesamt nützt, hat es leider selten eine starke Lobby. Dies umso weniger, wenn nicht starke politische und demokratische Institutionen und Regeln die Achtung des Gesamtinteresses erzwingen. Kein Wunder werden in solchen Ländern zwar Schulen gebaut, aber nicht in die Bildung selbst investiert.

Aber Vorsicht: Dass das Bauen von Schulen noch keinen Lernerfolg garantiert, und die Interessen von Bildungspolitikern und Schülern nicht immer identisch sind, hat nicht nur für Entwicklungsländer Bedeutung.

28 Kommentare zu «Schulen bauen reicht nicht»

  • Linus Huber sagt:

    „Das Gemeinwohl der Gesellschaft hat keine Lobby“

    In der direkten Demokratie übernimmt diese Rolle der Souverän.

    Die Angelegenheit „Entwicklungshilfe“ ist derart komplex, dass dieser Artikel nicht einmal an der Oberfläche kratzt.

    http://voxeu.org/article/development-and-foreign-aid-historical-perspective

    • Anh Toàn sagt:

      Ihr Kommentar ist so dünn, man lese besser einen anderen, irgendwo im Netz gibt es bestimmt etwas.

    • Anh Toàn sagt:

      Jetzt habe ich gemeint, wenn da Marktwirtschaft ist, sorge die unsichtbare Hand für das Gemeinwohl?

      Wenn jetzt der Souverän mittels Regeln den freien Markt verunmöglicht, wegen kollektivistischem Gedankengut, kann die unsichtbare Hand nicht mehr fürs Gemeinwohl sorgen:

      Also ist der Souverän doch der Dolchstösser der unsichtbaren Hand und damit des Gemeinwohls?

      • Anh Toàn sagt:

        Lobbies vertreten Partikularinteressen, so sind die definiert.

      • Anh Toàn sagt:

        Wäre nicht am meisten Freiheit und unsichtbare Hand, wenn der Souverän darauf verzichten würde, Gesetze zu machen? Wenn der Souverän Regeln macht, wird er ohnehin nur von Lobbies der Grossunternehmen beeinflusst und dient letztlich deren Interessen. Und jede Regel ist letztlich für die Grossunternehmen und die Politiker und die Eliten gut, weil die beeinflussen die Regeln:

        Logische Schlussfolgerung: Der Souverän sollte nichts tun und sich verdünnisieren, dann gibts keine Regeln und es ist Freiheit und unsichtbare Hand und gut in Ewigkeit, Amen.

        Demokratie und Volkswirtschaft according to Superhubi.

    • Linus Huber sagt:

      Genau, mein Kommentar ist dünn; wenn man von etwas nur eine schwache Ahnung hat, ist es manchmal besser keine Meinung zu äußern.

  • Ruth sagt:

    Leider muss ich dem Artikel zustimmen. Allerdings sind die Ursachen noch vielfältiger: die Regierenden haben in den meisten Ländern kein Interesse ihr Volk zu bilden, da damit eine unliebsame Konkurrenz entstehen könnte. Dies wird natürlich niemals öffentlich so gesagt, sondern immer genau das Gegenteil, aber die Handlungen sind eindeutig. Dazu kommen korrupte Beamte und Lehrer, ohne die Prüfungen nicht bestanden werden können und eine Bildung, die keine ist, da kein Wissenstransfer stattfindet. Zeugnisse sagen nichts aus.
    Und natürlich das Grundübel, ein überbordender Geburtenüberschuss, den niemand – auch mit dem besten Willen – in den Griff bekommt.

    • Anh Toàn sagt:

      Excessive Fertilität ist Folge von Armut, nicht Ursache.
      Sie wollen den Armen das Recht auf deren einzige Hoffnung, die Kinder, absprechen oder mindestens begrenzen, wie reich muss sein, wer vier Kinder will, liebe Ruth?

      • Ruth sagt:

        In der Praxis sind die Kinder nicht die Hoffnung, das kommt erst ca. 40 Jahre später. Vorher werden sie als Last empfunden und das wird auch deutlich gesagt!
        Und Sie kennen das Beispiel vom Huhn und Ei, hier ist es ähnlich.

    • Jan Svoboda sagt:

      na ja, es sind ja nicht nur die lokale Potentaten die dort an schlechter Bildung interessiert sind, vielfach steht die angebliche Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonien nur auf dem Papier und Puppenregierungen werden unterstützt. Frankreich kassiert bis heute über 400 Milliarden Euro jährlich von seinen ehemaligen Kolonien.

      • Monique Schweizer sagt:

        Svoboda: Es gibt keine jährliche 440 Mrd € Kolonialsteuer an Frankreich — das ist eine Ihrer billigen Verschwörungstheorien wie üblich!

        • Monique Schweizer sagt:

          Das haben Sie vermutlich wieder von dieser Wirtschaftsschmuddelseit „DWN“ die verbreiten gerne solche Unwahrheiten und der Svoboda fällt da natürlich drauf rein wie üblich weil Sie völlig unkritisch sind! Haben übrigens alle VT Schmuddelseiten unreflektiert von derselben Quelle agekupftert – Silicon Africa ein Artikel vom 28.1.2014, der da einiges durcheinanderbringt!

          Können gerne in der Liberation im Artikel vom 22.2.2017 mit folgendem Titel googeln:
          „Non, les pays africains ne «versent pas un impôt colonial à la France»“

          • Monique Schweizer sagt:

            http://www.businessjeunemagazine.com/2017/02/non-les-pays-africains-ne-versent-pas_23.html

            Hier noch ein Link zum Artikel – vielleicht kommt der durch

          • Monique Schweizer sagt:

            Es gibt gewisse Kritik, da diese Länder alle den CFA Franc haben, der mit 655.957 CFA/€ an den € angebunden ist und die afrikanischen Länder 50% der Devisenreserven dafür bei der Banque of France halten müssen (nicht 85% wie das fälschlicherweise in Ihrem Artikel steht)

            https://en.wikipedia.org/wiki/CFA_franc

            Aber eine Kolonialsteuer von 440 Mrd € gibt es nicht.

          • Jan Svoboda sagt:

            @schweizer
            man mus schon mit einem Brett vor den Augen laufen um die seit Anfang an durchgesetzte Abhängigkeit der ehemaligen Kolonien nicht zu sehen. Es spielt überhaupt keine Rolle wie man die Finanzielle Nachteile nennt, alleine die monetäre Bindung gleicht einer Versklavung. Wenn man sieht wie schnell jeweils die französische Armme zur Stelle ist wenn eine ihrer Marionetten gefährdet ist zeigt, dass ihre Gelaber über Verschwörungstheorien haltlos ist.

    • Christoph Bögli sagt:

      @Ruth: Das ist schlicht falsch, die Geburtenraten in all diesen Ländern sind durchs Band durch massiv gesunken in den letzten Jahrzehnten. Und bei entsprechenden Fortschritten punkto Bildung und Wachstum würde sich dieser Prozess noch beschleunigen.

      • Ruth sagt:

        Seriöse Vorhersagen gehen davon aus, dass sich die Bevölkerung Afrikas bis 2050 verdoppelt und bis 2100 vervierfacht. Das ist wohl kaum möglich, wenn die Geburtenraten sinken.
        Und da ich in Afrika lebe, bekomme ich hautnah mit wer viele Kinder hat: es sind nicht die Gebildeten, denn diese rechnen genau. Die Anderen, die ihre kaum in die Schule schicken werden und glauben ihr Gott werde schon sorgen, die hätten eben noch gerne z.B. einen Buben, auch wenn die ersten 6 Mädchen sind oder… oder.

        • Anh Toàn sagt:

          Denen, die ein wenig Geld haben, „den Gebildeten“ fressen Kinder die Haare vom Kopf. Für die, welche nichts haben, ist Kinder das einzige, was nichts kostet und vielleicht mal etwas bringt.

          Ich würde keine Hochrechnung bis 2100 als „seriös“ bezeichnen. Global wächst die Bevölkerung einzig noch, weil viele älter werden, einzig auf Grund der Anzahl Geburten würde diese bereits heute stagnieren. Aber nahezu überall ist die Tendenz der Geburtenrate sinkend: Wir haben den Peak der Weltbevölkerung noch nicht erreicht, wird vermutlich etwa 2060 der Fall sein, in spätestens 20 Jahren werden wir beginnen, uns statt von Überbevölkerung von Aussterben zu ängstigen.

          Das mit der Überbevölkerung ist noch kein totes Pferd, es erhält noch Gnadenbrot, meistens weil man einfach gegen Muslime ist.

          • Ruth sagt:

            Ich bin schon so alt, dass ich mich an die panischen Ansagen von „Afrika wird wegen Aids aussterben!“ erinnere. So gesehen, kann man den Voraussagen wenig trauen.

            Gratuliere zu Ihren sinkenden Geburtenraten. Hier ist nichts davon zu spüren oder hören, sondern die Regierung macht sich konkrete Gedanken, wie die Rate endlich sinken wird (z.B. Streichung der staatlich subventionierten Mittel ab 4. Kind).
            Ich habe nichts gegen die Muslime geschrieben – genau lesen ist eine Kunst. Die Einstellung liegt nicht an der Religion, sondern an der Tradition; ob Muslim, Christ oder etwas anderes, macht keinen Unterschied.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Ruth: „Die Einstellung liegt nicht an der Religion, sondern an der Tradition…“

            Da selber in China lebend stimme ich Ihnen (wenigstens) in diesem Punkt zu.

            Bin mir allerdings nicht sicher, ob Tradition z.B. mit Kultur gleichzusetzen ist oder ob das eine das andere ausschliesst. Auch mangelnde Bildung (plus politisch Indoktrination) können da einen Einfluss haben.

            Oder in anderen Worten: Bessere Bildung = Abkehr von veraltetem Verständnis?

          • Anh Toàn sagt:

            Ich „spüre“ nicht sinkende Geburtenraten, ich sehe dies in Statistiken:

            https://data.worldbank.org/indicator/SP.DYN.TFRT.IN

            Da können Sie alle Länder durchscrollen, die Graphiken zur „Fertility rate“ gehen fast überall von links oben nach rechts unten. Selbst in Sub Sahara Afrika ist diese von 6.8 (1975) auf 4.9 (2015) gesunken.

          • Anh Toàn sagt:

            „Ich habe nichts gegen die Muslime geschrieben – genau lesen ist eine Kunst“

            vielleicht habe ich zu genau gelesen:

            „Die Anderen, die ihre kaum in die Schule schicken werden und glauben ihr Gott werde schon sorgen…“

            nicht Gott werde sorgen, „ihr“ Gott werde sorgen: Es ist also nur dumm auf die Sorge gewisser Götter, die deren zu Vertrauen, Mein Herr hingegen, ist mein Hirte, mir wird nicht mangeln, er führet…

          • Maiko Laugun sagt:

            In China hat man das gesamte Schulsystem vor ca. 5 Jahren ‚verbessert‘: Flächendeckend Englisch und (moderne) IT-Schulung etc., heute (Volksschule) mehrheitlich gratis, früher kostenpflichtig – und letztes hatte deshalb zu kommunistischen Zeiten zu Analphabetismus geführt.

            Bildung hat immer mit Manipulation und Indoktrination zu tun. Das gilt auch für das westliche Bildungssystem. Es wird lediglich verharmlosend dargestellt – und leider auch als solches nicht (?) erkannt.

        • Anh Toàn sagt:

          Gehe ich Recht in der Annahme, dass Sie für eine kirchliche Organistation in Afrika leben? Ich verzichte auf den Fünfliber.

        • Anh Toàn sagt:

          Ein Sohn tut nun mal in jeder patriarchalen Kultur not, das Patriarchat ist aber keine Erfindung des Islams. In Asien nicht anders, im „Abendland“ auch nicht: Die heiligste aller Frauen im Christentum ist doch Maria. Warum?

          Sie hat dem Herrn einen Sohn geboren.

        • Monique Schweizer sagt:

          Ruth: Sicher ist das möglich wenn die Geburtenraten (Kinder pro Frau) sinken, denn diese werden eben überkompensiert durch die viel grössere Bevölkerungsmenge im Vergleich zu früher und darum nimmt die Bevölkerung eben immer noch zu schnell zu.

          Vielleicht sollten Sie dazu mal ein Video des verstorbenen Statistikers, Arztes und Afrikakenners (der hat auch viele Jahre in Afrika gelebt) Hans Rosling anschauen – der erklärt Ihnen das genau und anschaulich (nehme an englisch können Sie)
          Siehe Video „Dont’t panic“ – Hans Rosling über die Entwicklung der Weltbevölkerung

          https://www.youtube.com/watch?v=FACK2knC08E

  • Anh Toàn sagt:

    Mit Bildung ist es wie mit allem: mehr davon ist nicht immer besser.

    Zuerst muss der Zweck der Bildung definiert werden: Verbesserung der Erwerbsmöglichkeiten als einziges Ziel? In autoritären Regimen ist Ziel von Bildung nicht wissen erwerben, sondern lernen zu gehorchen. In meinen Augen sollte Ziel von Bildung die Bildung des Charakters, der Persönlichkeit sein.

    Aber selbst wenn der Zweck der Bildung auf Verbesserung der Erwerbssituation reduziert wird, stellt sich die Frage, was eine tolle Bildung für viele nützt in einer Volkswirtschaft in welcher es nur wenige qualifizierte Jobs gibt. In Sai Gon sehe ich, dass gut qualifizierte mehr Mühe haben, einen der Qualifikation entsprechenden Job zu finden, als Unqualifizierte.

  • Monique Schweizer sagt:

    Am besten wir schicken mal Johann Schneider Amman für ein paar Jahre nach Afrika, damit er den Ländern dort das duale Berufsbildungssystem zeigen kann. Das wäre für Afrika vermutlich das beste Mittel, dass die sich dank gründlich ausgebildeten Berufsleuten mal von selber entwickeln könnten.
    Gut eine solide Grundschulausbildung ist da natürlich die Vorbedingung, aber wenn Firmen dort mal erkennen würden, dass ausgebildete Berufsleute ihnen mehr bringen, dann könnten die da schon dran interessiert sein.
    Wäre ein Aufbau von mit sicher mind 10-15 Jahren nötig für ein einigermassen funktionierendes duales Bildungssystem aber vermutlich die einzige nachhaltige Lösung für Afrika um wirklich mal aus eigener Kraft etwas prosperieren zu können, denn Bodenschätze sind irgendwann mal zu Ende.

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